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Full text of "Sitzungsberichte und Abhandlungen der Naturwissenschaftlichen Gesellschaft Isis in Dresden"

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Naturwissensehaftliehen Gesellschaft 



in Dresden. 


Herausgegeben 

unter Mitwirkung des Redaetions-Comit6 


von 


Carl Bley, 

verantwortlichem Redacteur und erstem Secretär der Gesellschaft. 


•Talirg^ang 

(^Mit IS Holzsohnitten. ) 

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( . ■ 1 


Dresden. 

In Commission der Burdach’schen Hofbuchhandlung. 

1882. 





Inhalt vom Jahrgang 1881 


I. Sitzungsberichte. 

Nekrolog von Dr. Gottlob Ludwig Kabenborst S. 35 — 38, 

I. Section für Mineralogie und Geologie S. 1 ii. 39. — Anmeldung neuer Mitglieder 

S. 5. — Wahlen S. 43. — Vorlage der Carta geologica d’Italia S. 43 u. 44. — Vor- 
lage einer Concretion von Brauneisensand S. 43. — C a r 1 B 1 e y : über eine briefliche 
Mittheilung des Herrn H. Gaudich über Lösskindlein und Lössconchylien von Ilken- 
dorf S. 7; über Kalkspath-Krystalle aus dem Syenit des Plauenschen Grundes S. 7. — 
Dr. Deichmüller u. Dr. Geinitz: Referate über zwei Arbeiten von H. Credner 
S. 39 — 42. — Dr. Geinitz: über Rudolf Falb’s Vorträge über das Erdbeben in 
Agram S. 1 ; über einen Erdrutsch oder Landslip von Naine Tal in Indien S. 1 ; 
über das Auffinden von Radiolarien, Diatomaceen und Sphaerosomatiten im Kiesel- 
schiefer von Langenstriegis S. 1; über die neuesten Resultate der Untersuchungen 
über den Gebirgsbau der Schweiz S. 4; über fossile Saurier in dem Kalke des Roth- 
liegenden bei NiederhässKch S. 4; Nekrolog von Professor Achille Delesse S. 6; 
über die Sammlung von Versteinerungen des lithographischen Schiefers im Dresdner 
Museum S. 6; über die Verbreitung des Renthieres S. 6 — 7. — Dr. W. Pabst: 
über die mikroskopische Beschaffenheit der Steine S. 44. — Bergdirector Purgold: 
über die Zwillingsbildungen des Orthoklas S. 1 — 2; über die geologische Gruben- 
Revierkarte des Kohlenbeckens von Teplitz-Dux-Brüx S. 4; über Kalkspath-Kry- 
stalle aus Island S. 7. — Dr. Oscar Schneider: über Anschwemmung von 
Edelsteinen an der Alexandriner Küste S. 2 — 3. 

II. Section für reine und angewandte Mathematik S. 8 u. 63. — Dr. Frankel: über 
den Satz der kleinsten Deformationsarbeit elastischer Systeme S. 54. — Oberlehrer 
Helm: über die Annahme einer Vermittelung der Fernewirkungen durch den 
Aether S. 8 — 9. — Dr. Prell: über indirecte Regulirung von Motoren S. 9 — 10. — 
Professor Dr. Voss: über von Stud. Freyberg ausgeführte Flächenmodelle S. 10; 
über ein neues Princip der Abbildung krummer Oberflächen aufeinander S. 10. — 
Dr. Zeuner: über einige Fragen der mathematischen Statistik mit Vorzeigung 
demographischer Modelle S. 54—56. 

III. Section für vorhistorische Forschungen S. 11 u. 48. — Vorlagen S. 11 u. 48. — 
Büchereingänge S. 11. — Dr. Caro: schriftliche Notizen eines Deutschen aus 
Chili und Peru S. 11 ; über die geistige Entwickelung der alten Germanen S. 48. — 
Dr, Geinitz: über Photograph] een aus dem Ervethal in Frankreich S. 11; Re- 
ferat über John Evans, The ancient Bronze etc. S. 48 — 50. — W. Osborne: XI. Ge- 
neralversammlung der deutschen Anthropologischen Gesellschaft zu Berlin S. 11. — 
Florentine Siemers: über Inselschanzen in den schottischen Seen S. 48. — 
Dr. Alfons Stübel: über Baudenkmäler der Inkazeit S. 11. 

IV. Section für Physik und Chemie S. 12 u. 51. — Begrüssung S. 12. — Wahlen S. 53. — 
Dr. Abendroth: über einen verbesserten Bunsen’schen Gasbrenner S. 12. — Dr. An- 
dres en: über den Werth der thermo-chemischen Untersuchungen S. 53. — Dr. 
Hemp el : über den Bessemer Process und das Thomas-Gilchrist’sche Entphosphorungs- 
verfahren S. 12. — Dr. Schmitt u. Dr. Andresen: über Trichlorparamidophenol 
und dessen Derivate S. 51 — 53. — Dr. Töpler: über die Construction von Lampen 
und Gebläsen S. 12; über Capillaritätserscheinungen S. 12. 

V. Section für Zoologie S. 13 u. 57. — Referirabende S. 13. — Vorlage und Vorschlag 

zur Anschaffung von „Fauna und Flora des Golfes von Neapel“ S. 13. — Vor- 
lagen S. 13. — Ebert: Refer. über die „Anatomie von Taenia perföliata 
Götze“ von Z. Kahane S. 13. — 0. Thüme: Refer. über Möbius, „die Auster 
und die Austernwirthschaft“ S. 13. — Dr. B. Vetter: Refer. über „Die Coelom 
theorie“ von 0. und R. Hertwig S. 13; Refer. über M. von Davidoff’s „Bei- 
träge zur Vergl. Anatomie d. hint. Gliedmassen der Fische“ S. 13; über Olga 
Metschnikoff „Zur Morphol. des Becken- und Schulterbogens der Knorpelfische 
S. 13 ; über Bibliothekangelegenheiten S. 57 zur Entwickelung des Nervensystems 
der Wirbelthiere S. 57. 

VI. Section für Botanik S. 14 u. 45. — Dr. Rabenhorst f S. 19. — Bibliothek- 
angelegenheiten S. 20. — Vorlagen S. 45u. 47. — Freiherr v. Biedermann: Refer. 
über Maxime Cornu’s J^tudes des Phylloxera vastatrix S. 15 — 16. — Blaschka: 
über die Algenflora der Meere S. 14. — Dr. Drude: über das Skiopticon als De- 


IV 


monstrationsapparat S. 14; über die Methoden der phytophänologischen Beobach- 
tungen S. 19; über Pringsheim’s Chlorophylluntersuchungen S. 20; über Schleiden’s 
Einfluss auf die Entwickelung der Botanik S. 45. — Oberlehrer Engelhardt: über 
„Zur Geschichte der - artigen Bäume S. 18. — Dr. Geinitz: über ein 

altes Florenverzeichniss von Dresden S. 19. — Dr. Schunke: über „Jentsch, die 
Moore der Provinz Preussen“ S. 18 — 19. — C. F. Seidel: Kefer. über Pinus vimi- 
nalis Alstre S. 16 — 17. — Oberlehrer Thüme: über Äspidosperma Quebracho 
Schlchtd. S. 14. — Oberlehrer Weber: Kefer. über Drosera longifoliah. u. rotun- 
difolia S. 46. — Oberlehrer Wobst: über Becquerel’s Untersuchungen über die 
Wirkungen der Schneedecke auf die Pflanzen S. 19. 

VII. Hauptversammlungen S. 21 u. 58. — Verstorbene Mitglieder der „Isis“ S. 21. — 
Fritz Bürki f S. 21. — Mariette-Bey f S. 21. — Pastor Kawall f S. 21. — Kech- 
nungsabschluss v. J. 1880 S. 22 u. 28. — Revisoren S. 22. — Budget per 1881 
S. 22 u. 29. — Eingänge an die Bibliothek S. 30 — 34 u. 73 — 76 — Decharge dem 
Kassirer S. 22. — Dr. Kabenhorst f S. 22. — Albin Schöpf f S. 22. — Dr. Schlei- 
den t S. 24. — Major Westphal f S. 24. — Dr. Cartellieri f S. 58. — Dr. Sickelf 
S. 58. Schriftaustausch S. 66. — Für die Bibliothek angekaufte Bücher S. 76. — 
Aufnahme von Mitgliedern S. 60. 63 u. 66. — Wahlen S. 67. — Beamtencollegium 
für 1882 S. 71—72. — Dr. C. G Giebel f- S. 66. — Dr. Carl F. Peters f. S. 66. — 
Dr. jur. lYiedrich Scharf f S. 66. — Dr. Paul Günther Lorenz f S. 66. — Ernen- 
nung eines Ehrenmitgliedes S. 60. — Freiwillige Beiträge S. 70. — Correspondirende 
Mitglieder S, 66. — Vorlagen S. 60. — Geschenke S. 63. — Wahlen S. 64. — Hono- 
rirung eines Beamten S. 66. — Vorlagen S. 26 u. 27. — Bibliothekangelegenheiten 
S. 26. — Neu aufgenommene Mitglieder S. 27. — v. Biedermann: über eine 
Pilzbildung an Valisneria spicalis S. 64. — Carl Bley: über Luffa-Schwämme 
S. 22. — Dr. Dathe: über Gletscherspuren in Norddeutschland S. 21. — Ober- 
lehrer Engelhardt und Dr. Raspe: über die Ansichten der Entstehung der 
Gebirge S. 21. — Dr. Geinitz: Nekrolog vom Major a. D. Westphal S. 24 — 26; 
über einen Stamm von Psaronius S. 26; über einen Ausflug in das Fichtelgebirge 
und die Fränkische Schweiz S. 61 — 63; über seine Reise nach Rostock S. 34 — 66; 
zur Geschichte der „Isis“ S. 58 — 60. — Dr. Hartig: die Auffassung chemischer 
Processe vom einheitlichen Standpunkte der Technologie S. 22 — 24. — Dr. Hirth: 
über das Beamtenwesen in China S. 67 — 70. — Gustav Hoffmann: über 
Früchte von Eucalyptus glohulus Labillard. S. 21. — Bergingenieur Purgold: 
über von ihm besuchte Erzlagerstätten S. 64. — Th. R ei bisch: über Ueber- 
tragung des Samens von Loranthus durch eine Drossel S. 64. — Dr. Schneider: 
über sicilian. Bernsteine S. 27 u. 54. — Amtsrath Struckmann: über neue Aus- 
grabungen in der Einhornhöhle am Harz S. 60. — Oberlehrer Thüme: über den 
100jährigen Geburtstag von A. v. Chamisso S. 63. — E. Z schau: über einige neue 
Vorkommnisse von Mineralien in dem Erzgebirge S. 60 — 61. 

II. Abhandlungen. 

I. Dr. Oscar Drude: Anleitung zu phytophänologischen Beobachtungen in der 
Flora von Sachsen S. 1—24 II. 

n. Dr. E. Dathe: üeber Gletscherspuren in Norddeutschland S. 25—31. 

III. A. Purgold: üeber einige Feldspath-Zwillinge S. 32 — 35. 

IV. Dr. H. B. Geinitz: üeber Dr. A. Baltzer: Der mechanische Contact von 
Gneiss und Kalk im Berner Oberland S. 36 und 40. 

V. A. Purgold: üeber H. Wolf: Geologische Gruben-Revierkarte des Kohlenbeckens 
von Teplitz-Dux-Brüx S. 41 — 50. '* 

VI. Dr. H. B. Geinitz: Die Versteinerungen des lithographischen Schiefers im Dres- 
dener Museum S. 51 — 56. 

VII. A. Purgold: üeber einige Kalkspath-Krystalle S. 59 — 62. (Mit 2 Holzschnitten.) 

VIH. C. A. Wobst: Flora Dresdens und seiner Umgebung. Von Christian Friedrich 

Schulze S. 62 — 77. 

IX. Dr. H. B. Geinitz: üeber die ältesten Spuren fossiler Pflanzen in Sachsen 
S. 78 — 85. (Mit 4 Holzschnitten.) 

X. Dr. H. B. Geinitz: Referat über die Fortschritte der geologischen Forschungen 
in Nordamerika S. 86 — 96. 

XI. Dr. J. V. Deichmüller: üeber das Vorkommen cenomaner Versteinerungen bei 
Dohna S. 91—101. 

XH. Dr. Oscar Drude: üeber das Vorkommen der Riesengebirgs-Race von Pinus 
montana Mill in der sächsisch-böhmischen Oberlausitz S. 102 — 108, 


Sitzungsberichte 

der 

naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden. 

1881. 





1 


I. Section für Mineralogie und Geologie. 


Erste Sitzung am 30. Januar 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Die Anwesenseit des Herrn Rudolf Falb in Dresden, welcher schon 
gestern einen öffentlichen Vortrag über das Erdbeben in Agram gehalten 
hatte und einen zweiten Vortrag darüber am 31. Januar in Aussicht, ge- 
stellt hat, veranlasste den Vorsitzenden, zur Theilnahme daran aufzufor- 
dern, um Herrn Falb’s Ansichten über die Natur der Erdbeben aus seinem 
eigenen Munde kennen zu lernen und mit den abweichenden Ansichten 
anderer Forscher besser vergleichen zu können. Er hebt in dieser Be- 
ziehung namentlich die neueste Abhandlung von Ferd. v. Hochstetter 
über Erdbeben mit Beziehung auf das Agramer Erdbeben vom 9. November 
1880 hervor. (Vei^gl. ausserordentliche Beilage zu den Monatsblättern des 
wissenschaftlichen Club in Wien, Nr. 1, zu Nr. 3, Jahrg. 11.) 

Dr. Geinitz legt ferner im Aufträge von Rev. John S. Gilder- 
dale Photographien über den gewaltigen Erdrutsch oder Landslip von 
Naine Tal in Indien vor, welcher den beliebten Badeort und Sommer- 
frischort am Fusse des Himalaja am 18. September 1880 urplötzlich über- 
schüttet und vernichtet hat. Auch dort ist die Ursache für dieses Er- 
eigniss in durch Wasseran drang erweichten Schieferthonschichten zu suchen, 
wie ja auch neuerdings wieder an mehreren Orten in Deutschland die 
feuchte Witterung zu ähnlichen Rutschungen Veranlassung geboten hat, 
z, B. im Gebiete des Muschelkalkes am Dohlenstein bei Kahla im Herzog- 
thum Altenburg, worüber noch die neuesten Tagesblätter berichten. 

Der Vorsitzende lenkt ferner die Aufmerksamkeit auf eine Abhand- 
lung von Dr. Rothpletz in Zürich über das vorher ganz unbeachtete 
Vorkommen von Radiolarien, Diatomaceen und Sphaerosomatiten im silu- 
rischen Kieselschiefer von Langenstriegis in Sachsen (Zeitschr. d. deutsch, 
geol. Ges. 1880, p. 447), wodurch dieser durch seine Graptolithen und 
das ausgezeichnete Vorkommen von Wavellit berühmte Fundort einen 
neuen Reiz erhalten hat. 

Herr Bergdirector Purgold bespricht hierauf in einem längeren Vor- 
trage die Zwillingshildungen des Orthoklas und lässt zahlreiche aus- 

Oes. Isis in Dresden, 1881. ~ Sitzungsber. 1. 


2 


gezeiclmete Belegstücke dazu circuliren und verbreitet sieb dann noch über 
Sternsappbir. (Vergl. Abb. III.) 

Herr Dr. Oscar Schneider spricht dann unter Vorlegung eines 
sehr reichen, von ihm selbst gesammelten Materials über „Anschwem- 
mung von Edelsteinen an der Alexandriner Küste.“ Wir fassen 
seine Ausführungen, die an anderer Stelle veröffentlicht werden sollen, in 
Folgendem zusammen: 

Am östlichen Theile des östlichen der beiden Alexandriner Häfen 
liegen an jetzt verlassener Küste Massen edler Gesteine, die auch Fraas 
in seinem Werke: „Aus dem Orient“ mit bewundernden W^orten schildert; 
er hat aber das reiche Küstengebiet nicht scharf genug begrenzt, erwähnt 
die in Menge dort zu findenden edlen Mineralien nicht und irrt 
wohl in Herleitung der edlen Gesteinstrümmer. Die fragliche Küste reicht 
nur von dem Kamleer Bahnhofe bis zur Halbinsel, die das Fort Silsele 
trägt; es finden sich ferner daselbst ausser den Säulen-, Platten- und 
andersartigen Trümmern aus Porphyren, Graniten, Marmoren, Alabaster etc. 
Mengen von unverarbeiteten, sowie halb und ganz verarbeiteten Smarag- 
den, Sapphiren, Türkisen, Lasurstein, Granaten, Onyx, Chalcedonen etc., 
sowie Blutkoralle, Mengen von Glasflüssen in allen Farben und Nüancen, 
und die Herkunft dieses edlen Materials, dessen bei weitem grösster Theil 
noch im rohen Zustande sich findet, ist nur durch die Annahme zu er- 
klären, dass in den Palästen der Ptolemäer und der auf diese folgenden 
römischen Prätoren Edelsteinschneider installirt waren, die Alles, was von 
Rohmaterial und von halb oder ganz ausgeführten Gemmensteinen ihnen 
nicht behagte, in das Meer warfen. Dort, wo am Strande jetzt die Welle 
jene edlen Trümmer wälzt, umsäumte dereinst das Palastviertel Bruchion 
den Hafen und auf der Lochias-Halbinsel wie auf dem durch einen Stein- 
damm mit der Küste verbundenen Timonium und der den Hafen nach 
Nord abschliessenden Insel Antirrhodos standen ptolemäische Paläste, jetzt 
aber ruht ein Streif der Küste und der Lochias, sowie die ganze Insel 
Antirrhodos und das Timonium in Folge der säeulären Senkung der Küste 
im Meere. 

Die neuere Literatur scheint das culturhistorisch hochinteressante Vor- 
kommen nicht erwähnt zu haben, obgleich bereits Masudi im 10. Jahr- 
hundert Aehnliches allerdings nicht von der fraglichen Küste, sondern von 
der am Pharos erwähnt hat. 

Die Bearbeitung der von ihm besonders nach Stürmen an jenem 
Strande gesammelten Mineralien hat Herr Dr. Schneider in der Weise 
durchgeführt, dass er auch die Verwendung der betreffenden Mineralspecies 
durch die vorptolemäischen Aegypter, besonders nach sorgfältiger Durch- 
sicht des reichen Bulak Museums, berücksichtigt, dass er ferner die 
hieroglyphischen Wandnotizen und das in mineralogischer Hinsicht freilich 
noch recht dunkle Todtenbuch der alten Aegypter, sowie die Angaben der 
griechischen und römischen Schriftsteller herangezogen und dass er endlich 


3 


die Fundorte der betreffenden Mineralien zu bestimmen gesucht hat. Zu 
letzterem Zwecke konnten selbst manche der im Allgemeinen mit sehr be- 
rechtigtem Misstrauen aufzunehmenden Angaben Figari-Bey’s benutzt wer- 
den, da es Herrn Dr. Schneider geglückt war, durch Durchsicht einer 
Kairiner, von Figari bestimmten Gesteinssammlung den Schlüssel für die 
Beurtheilung mancher Bestimmungen Figari’s zu gewinnen. Principiell 
musste sich, neueren Bestrebungen gegenüber, der Vortragende dahin er- 
klären, dass er, bei unserer noch höchst ungenügenden Kenntniss des 
neuesten ägyptischen Berglandes, geneigt sei, den Fundort der Mineral- 
species, über deren Herkunft nicht specielle Angaben vorlägen, in Aegyp- 
ten selbst zu suchen, so lange nicht nachgewiesen sei, dass dieselben sich 
in Aegypten nicht fänden, besonders wenn die daselbst nachgewiesenen 
Gesteine das Auftreten der fraglichen Species als möglich erscheinen Hessen. 

Der Redner bespricht dann 1) Smaragd, der sehr häufig sich fin- 
det — von den alten Aegyptern dagegen wenig verarbeitet worden ist ■ — 
und sicher dem Gebel Sahara entstammt , 2) Sapphir , 3) Hyazinth, 
4) Chrysolith, 5) Türkis, der mit ebenfalls vorgelegtem im Porphyr be- 
findlichen Türkis aus Persien, zahlreichen sinaitischen Türkisen, sowie 
Kallaiten aus Schlesien und Sachsen verglichen und als sinaitisch erkannt 
wurde, 6) Lasurstein, 7) Cordierit, dessen Auftreten von hohem Interesse, 
da keine altägyptischen Artefacte aus diesem Mineral bekannt sein dürf- 
ten, 8) Granat, 9) Amazonenstein, der nach den vorliegenden Stücken mit 
ansitzendem Gesteine ebenfalls der Sahara -Gruppe entstammen dürfte, 
10) Flussspath, dessen Auftreten unter den angeschwemmten Mineralien 
Henry’s Behauptung widerlegt, dass die Alexandriner nur in Glas nach- 
geahmte murrhinische Gefässe gefertigt hätten, 11) Onyx in rohen Stücken, 
wie in verschiedenen Verarbeitungsstadien, 12) Chalcedone in zum Theil 
prachtvollen blauen, amethystrothen, weissen, gelben, gelbrothen und 
grünen Farben, 13) Flinte und Hornsteine, 14) Jaspis von gelber, rother, 
brauner und grüner Farbe nebst Heliotrop, 15) Eisenkiesel, 16) Quarz 
und einen Bergkry stall in Form der sogenannten Scepterkrystalle, 17) Ame- 
thyst, 18) Talk- und Talkschiefer, 19) Leucit, dessen nicht seltenes Auf- 
treten hier wohl am räthselhaftesten erscheinen muss, 20) Serpentin, 
21) orientalischen Alabaster, 22) Kalk in verschiedenen Marmorsorten, 
wie in Doppelspath und in Nummulitenkalk, und 23) Blutkoralle, die sehr 
häufig an dem besprochenen Theile des Strandes liegt, während sie an 
der übrigen ägyptischen Küste durchaus fehlt. Eine kleine Serie noch 
nicht genau definirter Minerale, sowie Gesteine und Glasflüsse, alle von 
dem gleichen Fundorte, verspricht der Vortragende später vorzulegen. 

Zum Schluss erwähnt derselbe noch, dass er den Haematit, den die 
alten Aegypter doch sehr viel verarbeitet haben, bei Alexandrien nicht gefunden 
habe, ebenso wenig auch den Chiastolith, der in einem schönen, einem alt- 
ägyptischen Grabschmucke entstammenden Stücke zur Vorlage gelangt; das- 
selbe ist das einzige altägyptische Chiastolithobject, das Vortragender gesehen. 


4 


Zweite Sitzung am 17. März 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath Dr. 
Geinitz. 

Der Vorsitzende berichtet eingehend über die neuesten Resultate der 
Untersuchungen über den Gehirgshau der Schweiz, welche in den Schrif- 
ten von 

A. Baltzer: Der Glärnisch, ein Problem alpinen Gebirgsbaues, 
Zürich, 1873, 

Alb. Heim: Untersuchungen über den Mechanismus der Gebirgs- 
bildung, Zürich, 1878, und 

A. Baltzer: Der mechanische Contact von Gneiss und Kalk im 
Berner Oberland, Bern, 1880, 
niedergelegt sind. (S. Abhandlung IV.) — 

Herr Bergdirector A. Purgold giebt ausführliche Erläuterungen über 
die geologische Gruben -Revierkarte des Kohlenbeckens von Teplitz- Dux- 
Brüx von H. Wolf, Wien, 1880. (S. Abhandlung V.) 

Noch gedenkt der Vorsitzende der neuesten interessanten Entdeckung 
fosssiler Saurier aus der Gruppe der Stegocephalen oder Labyrintho- 
donten in dem Kalke des Rothliegenden bei Niederhässlich am Fusse des 
Windberges im Plauenschen Grunde und giebt hierüber folgende histo- 
rische Notizen: 

Er habe diesem Kalke seit länger als 40 Jahren stete Aufmerksam- 
keit gewidmet und jährlich mindestens einmal mit seinen Zuhörern einen 
Besuch gemacht. Immer hat sich dieser Kalk so arm an organischen Resten 
gezeigt, dass zu verschiedenen Malen kleine Prämien zur Erlangung von 
Fossilien dort aufgestellt wurden, doch meist vergeblich. Ein durch den 
alten Steinsammler Liehscher ihm im Jahre 1858 unter dem Namen 
eines „versteinerten Räucherkerzchen“ üherbrachter grosser Zahn eines 
Lahyrinthodonten aus diesem Kalksteine ist in der „Dyas“ von H. B. 
Geinitz 1861 , p. 3 als Onchiodon labyrinthicus Gein. beschrieben und 
Taf. 9 abgebildet worden und ebenso stammen die in Dyas p. 15 und 
Taf. 9, Fig. 1 zu den Fischen gestellten Reste daher. Trotz alles eifrigen 
Nachforschens wurde lange Zeit hindurch nichts mehr erlangt, bis sich 
erst im Jahre 1865, wo man von Neuem eine verlassene Strecke 
wieder aufdeckte, zwei Knochenreste eines Schädels vorfanden, welcher mit 
jenem grossen Zahn in Verbindung gestanden haben kann. Nur einige 
kleine Muschelschalen, die sich dem Unio tellinarius Goldf. nähern und 
sich an Anthracosia anschliessen, und wenige undeutliche Pflanzenreste, wie 
Aster opJiyllites spicatus Gutb. und Annularia carinata Gutb. wurden diesem 
Kalke noch entnommen. 

Am 23. September 1880 erhielt unser K. Mineralogisches Museum 
durch Vermittelung des Herrn Oberlehrer Engelhardt von dem Realschüler 
Emil Lungwitz das erste Stück einer Wirbelsäule der jetzt sehr zahl- 
reich in den tiefsten Lagen des Kalkes von Niederhässlich auftauchenden 
Stegocephalen. Am 27, September folgte als zweites Exemplar der Ab- 


5 


druck des ersten durch Vermittelung des Herrn E. Lungwitz von dem 
Lehrer Herrn Wolf. Am 30. September gelangte unser Museum in Besitz 
dreier Köpfe eines kleinen Stegocephalen, welche der Aufseher des Bruches, 
Herr B. Zimmermann, dem Museum üherliess, während am 8. November 
Herr E. Lungwitz den grössten Theil seiner fleissigen Ansammlungen ähn- 
licher Funde in ca. 40 guten Exemplaren an unser Museum freundlichst 
abgegeben hat. Diesen folgten am 13. December noch neun andere Exem- 
plare, welche von dem oben Genannten geborgen und am 29. December 
abermals 1 5 Exemplare, welche der Aufmerksamkeit des Herrn R. Zimmer- 
mann nicht entgangen waren. 

Es ist selbstverständlich, dass diese kostbaren Funde zunächst so ge- 
heim als möglich gehalten wurden, um eine Zerstreuung der Gegenstände 
zu verhüten, und nur aus diesem Grunde war auch bisher selbst an die 
Isis noch keine Kunde davon gelangt. Trotzdem hatten unsere Nieder- 
hässlicher Stegocephalen, wenn auch erst gegen Ende des verwichenen 
oder am Anfänge des jetzigen Jahres, ihren Weg über Tharandt nach 
Leipzig gefunden, wie uns eine Notiz in dem Leipziger Tageblatt über 
einen am 17. Januar 1881 in der dortigen naturforschenden Gesellschaft 
von Herrn Professor Dr. Credner gehaltenen Vortrag belehrt, dessen 
schätzbarer Inhalt auch bald darauf in einem besonderen Abdruck aus 
den Berichten dieser Gesellschaft (Jahrgang 1880) veröffentlicht worden ist. 

Mit allem Rechte wird darin auf die nahe Verwandtschaft der Nieder- 
hässlicher Stegocephalen mit jenen neuerdings von Professor A. Fritsch 
aus Böhmen beschriebenen Arten hingewiesen und wir dürfen aus der 
Feder von Professor Dr. H. Credner sehr bald noch eine ausführlichere 
Mittheilung über die von ihm für Leipzig geborgenen Schätze in der Zeit- 
schrift der Deutschen geologischen Gesellschaft erwarten, der wir mit Ver- 
gnügen entgegensehen. 

lieber die in dem Dresdener Museum bewahrten Gegenstände, welche 
durch neue Ansammlungen in dem Jahre 1881 schon wesentlich ergänzt 
worden sind und zunächst noch weiter vervollständigt werden sollen, da 
die Materialien zumeist nur in schlecht erhaltenen Bruchstücken verkom- 
men, die sich gegenseitig ergänzen müssen, werden der Gesellschaft bald 
weitere Mittheilungen zugehen, als die heute vorliegenden Funde, während 
eine genauere Beschreibung der gesummten Reste, welche auf mindestens 
vier bis fünf verschiedene Arten hinweisen, in einem fünften Hefte der 
„Mittheilungen aus dem K. mineralogisch-geologischen und prähistorischen 
Museum“ niedergelegt werden soll. 


Dritte Sitzung am 19, Mai 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath Dr. 
Geinitz. 

Als neues Mitglied wird vorgeschlagen durch Herrn A. Purgold und 
Dr. Geinitz: Herr Dr. Wilhelm Pabst aus Gotha, 


6 


Der Vorsitzende meldet den Tod von Professor Achille Delesse, 
Membre de ITnstitut, Inspecteur general des Mines etc., Ehrenmitglied 
der Isis seit 1866, welcher am 24. März 1881 im Alter von 64 Jahren 
in Paris verschieden ist. Ein Nekrolog des ausgezeichneten, in allen 
Kreisen hochgeschätzten Mannes ist schon von Daubree in dem „Institut 
de France, Academie des Sciences, 29. mars 1881“ gegeben worden und 
soll demnächst auch in der „Leopoldina“, Heft XVII, veröffentlicht werden. — 
Der Vorsitzende spricht über die reiche Sammlung von Versteiner- 
ungen des lithographischen Schiefers im Dresdener Museum und 
deren procentische Vertheilung in der Gegend von Eichstädt m Südbayern. 
(S. Abh. VI, p. 51.) 

Derselbe giebt ferner unter Bezugnahme auf eine Abhandlung des 
Herrn Amtsrath C. Struckmann in Hannover über die Verbreitung des 
Kenthieres u. s. w. *) Mittheilungen über die bis jetzt im Königreiche 
Sachsen aufgefundenen Renthierr este. Gegenüber einer Be- 
merkung auf S. 762 der citirten Abhandlung, wonach von keinem Punkte 
Sachsens fossile Renthierr este bekannt seien, sind folgende Funde zu con- 
statiren : 

1) Zahlreiche Geweihstücken und andere Reste des fossilen Ren- 
thieres, welche A. v. Gutbier 1841 — 42 bei Oelsnitz im Voigtlande 
ausgegraben hat und die schon in der ,,Gaea von Sachsen“, 1843, 
p. 138 unter Cervus Guettardi Kaup (oder Tarandus priscus Cuv.) 
erwähnt worden sind. Dieselben befinden sich seit 1850 in unserem 
mineralogisch-geologischen Museum , wo sie nicht leicht über- 
sehen werden können. 

2) Eine Geweihstange, welche 1845 in einem Einschnitte der Löbau- 
Zittauer Eisenbahn durch Herrn Ingenieur Aug. Birck aufgefunden 
und dem Museum übergeben wurde, ist leider in dem Zwinger- 
brande des Jahres 1849 mit vernichtet worden. 

3) Die Stange eines jungen Thieres aus dem diluvialen Lehm an der 
früheren Grassi’s Villa im Plauenschen Grunde auf dem Areale 
der jetzigen Brauerei zum Felsenkeller wurde 1856 mit Bliinoceros 
tichorhinus und Equus Caballus fossilis zusammen geborgen. 

4) Eine grosse Geweihstange aus dem Lehm an der Ziegelei von 
Z schär tnitz bei Dresden, 1879 mit Elephas primigenius (oder 
Mammuth) zusammen gefunden. 

5) Grösseres Geweihstück aus dem Lehm von Prohlis bei Dresden, 
ca. 2 m tief mit Elephas primigenius zusammen, 1881. 

6) Ein kleines Geweihstück aus dem Lehmlager in der Nähe des 
Kupferhammers von Bautzen, das sich wahrscheinlich noch in 
den Händen des Herrn Hammerwerkbesitzers Rud. Reinhardt 
befindet. 


Zeitscür. d. deutsch, geolog, Ges, XXXIh 728, 


7 


Die unter Nr. 3 — 5 aufgeführten Funde liegen in dem Schranke 20 
des Saales F täglich zur Beschauung offen. — 

In einer brieflichen Mittheilung des Herrn H. Gaudich auf Ilken- 
dorf unweit Nossen an Herrn Apotheker C. Bley wird über die Auffindung 
von Lösskindlein und Lössconchylien , besonders Succinea oblonga und 
Helix arhustonm bei Ilkendorf berichtet. 

Apotheker C. Bley führt eine auserwählte Sammlung von Kalk- 
spath-Kry stallen vor, welche den Klüften im Syenit des Plauenschen 
Grundes entnommen worden sind. 

Herr Bergdirector A. Purgold erläutert eine Reihe von Kalkspath- 
Krystallen aus Island und von der Knappenwand im Ohersulzhach im 
Pinzgau. (S. Abh. VH.) 


8 


IL Section für reine und angewandte 
Mathematik. 


Erste Sitzung am 3. Februar 1881. Vorsitzender: Professor Dr. 
Har nack. 

Herr Oberlehrer Helm spricht: lieber die Annahme einer Ver- 
mittelung der Fernewirkungen durch den Aether. 

Die vielfachen Versuche, „das Räthsel der Schwerkraft zu erklären“, 
sind hauptsächlich aus dem vermeintlichen metaphysischen Bedürfniss 
hervorgegangen, die Wirkung in die Ferne als etwas Unbegreifliches zu 
eliminiren. Aber was auch an Stelle der Ferne Wirkung gesetzt werden 
möge, es wird sich doch im Allgemeinen immer nur darum handeln, ein 
anderes Zeichensystem für das unbekannt bleibende Reale zu geben. 
Dieses Zeichensystem ist um so vollkommener, je umfassender das durch 
dasselbe ausdrückbare Gebiet der Erscheinungen ist. Das induktive Be- 
streben, die verschiedenen Fernewirkungen (Gravitation, magnetische, 
elektrische Wirkungen) sowie die Erscheinungen der Strahlung aus ein- 
heitlichen Gesichtspunkten zu erklären, hat den Vortragenden zu -dem 
Problem geführt: Haben die Begriffe und Functionen, auf welche die 
Fernewirkungen zurückgeführt worden sind (Potential, magnetisches Mo- 
ment, elektrische Strömung, dielektrisches Moment) physikalische Bedeu- 
tung für das Medium, auf dessen Bewegungsgleichungen die Strahlung 
zurückgeführt worden ist, für den Aether? Die Differentialgleichungen 
des Aethers sind bisher in der Hauptsache nur verwendet worden, um 
transversale Schwingungs Vorgänge abzuleiten, aber sie lassen auch longitu- 
dinale Wellen, statische Spannungszustände u. a. zu; stehen diese in Be- 
ziehung zu den Fernewirkungen? 

Der Vortragende giebt Lösungen der Differentialgleichungen des 
Aethers (d. h. des elastischen festen Körpers), welche zur Gravitation 
und den elektrostatischen Wirkungen führen, sobald zwischen den Atomen 
(der ponderablen Materie) und den sie berührenden Aetherelementen ge- 
wisse Wechselwirkungen angenommen werden, wie sie bereits erforderlich 
gewesen sind, um eine Reihe optischer Erscheinungen (Aberration und 
Entrainirung, Dispersion und Absorption) zu erklären. 

Die weitere Hypothese, dass jene Atome (der ponderablen Materie) 
selbst nichts sind als kleine Gebiete, in denen der raumerfüllende Stoff 


9 


den Differentialgleichungen des reibenden Gases — nicht wie ausserhalb 
dieser Gebiete den Differentialgleichungen des elastischen festen Körpers — 
genügt, führt in Verbindung mit einer einfachen Vorstellung über die Con- 
stitution der Leiter und der Dielektrika zu den Gleichungen der elektri- 
schen Strömung und der elektrodynamischen Fernewirkungen, sowie unter 
Anwendung der Weber- Ampere’schen Hypothese zu den magnetischen Er- 
scheinungen. 

Die Bedeutung der Gleichungen des elastischen festen Körpers für 
die elektrostatischen Wirkungen hat übrigens bereits Maxwell und die 
Bedeutung der Gleichungen des reibenden Gases für die elektrodynamischen 
Vorgänge Helmholtz hervorgehoben. 


Zweite Sitzung am 3. März 1881. Vorsitzender : Professor Dr. 
Harnack. 

Herr Dr. B. Proeil spricht: ,, lieber indirecte Regulirung 
von Motoren.“ 

Die Regulirung von Motoren muss auf indirectem Wege, d. h. durch 
Vermittelung motorischer Kraft, erfolgen, sobald der Widerstand in der 
Verstellung des Regulirorgans eine gewisse Grösse überschreitet und direct 
von der Energie eines Regulators nicht gut mehr bezwungen werden kann. 
Der Construction eines allen Anforderungen der Praxis genügenden indi- 
recten Regulirapparates stellen sich aber sehr grosse Schwierigkeiten in 
den Weg und ist dies' auch der Grund, weshalb derartige Apparate noch 
nicht den Eingang in die Praxis gefunden haben, den sie in der That 
verdienen. 

Der Vortragende führt einen von ihm construirten indirecten Regulir- 
apparat vor, der sowohl in theoretischer, wie praktisch kinematischer 
Beziehung besondere Eigenthümlichkeiten bietet. Sein Apparat besteht 
aus einem gewöhnlichen Wendegetriebe, dessen Kuppelungshülse direct 
von einem darüber befindlichen Regulator gehoben oder gesenkt wird. 
Die Kuppelungshülse umgreift ein gegabelter zweiarmiger Hebel, der am 
Gestell des Apparates drehbar gelagert, auf dem entgegengesetzten Ende 
mit einem Auge versehen ist. Durch dieses Auge ist eine mit je zwei 
Spiralfedern armirte Auslösungsstange gesteckt, die ihrerseits proportional 
dem von der Wechselwelle des Wendegetriebes abgeleiteten Ausschlag 
eines Zahnsectors vertical verschoben wird. Mit der Verschiebung der 
Auslösungsstange ist eine Spannungszunahme einer der beiden Spiral- 
federn verbunden, die zu der durch die Geschwindigkeitsänderung erzeug- 
ten freien Energie des Regulators in eine solche Wechselwirkung tritt, 
dass derselbe dadurch genöthigt wird, die Kuppelung eher zum Ausrücken 
zu bringen, als er es aus eigener Initiative thun würde. Dadurch ent- 
steht eine Verflachung der Geschwindigkeits wellen, wodurch allein die Ent- 
stehung eines neuen Beharrungszustandes ermöglicht werden kann. 


10 


Kedner gellt nun auf die Theorie des Apparates näher ein und zeigt 
an Diagrammen und durch Kechnung, welche Gesetze sich in Bezug auf 
den Verlauf der Regulirung aufstellen lassen. Bei Annahme einer Pro- 
portionalität zwischen Weg und beschleunigender Kraft entstehen sehr 
einfache Beziehungen, die es ermöglichen, sogar die Ausgleichszeit, d. h. 
die Zeit, welche von der Störung bis zur Wiedergewinnung eines neuen 
Beharrungszustandes verfliesst, zu berechnen. Die theoretische Forderung, 
dass der mit der Einleitung der entgegengesetzten Drehrichtung im Wende- 
getriebe verbundene Zeitverlust so klein wie möglich sei , hat Redner 
durch Construction eines besonderen Einfallmechanismus erfüllt, der die 
Kuppelung unbeschadet der nachfolgenden Auslösung mit Maschinenkraft 
zum Eingriff bringt, sobald nur der Regulator die Tendenz zeigt, den 
Eingriff zu bewirken. Er erklärt die Einrichtung des Mechanismus und 
theilt die damit gewonnenen Versuchsresultate mit, insbesondere das wich- 
tige Resultat, dass er mit dem Apparat im Stande gewesen, eine leere 
Dampfmaschine, hei welcher derselbe die Expansion verstellte, in voll- 
kommen gleichförmigem Gange zu erhalten und in kürzester Zeit (nach 
wenigen Secunden) den Beharrungszustand herzustellen, wie oft auch eine 
Spannungsänderung des Admissionsdampfes durch Drosselung vorgenommen 
werden mochte. 

Zum Schluss weist der Vortragende auf die Möglichkeit hin, mit seinem 
Apparat grosse Widerstände mit Sicherheit zu überwinden und seine Ver- 
wendbarkeit zur Ausbildung schnell gehender, mit Expansionsregulirung 
versehener Dampfmaschinen. 

Herr Prof. Dr. Voss demonstrirt zwei im mathematischen Seminar 
des Polytechnikums von Herrn Stud. Frey berg ausgeführte Flächenmodelle, 
durch welche der reelle und imaginäre Theil der doppelt periodischen 
Function Sinam, senkrechte über dem Periodenparallelogramme ausgebreitet, 
veranschaulicht werden. 


Dritte Sitzimg am 5. Mai 1881. Vorsitzender: Prof. Dr. Harnack. 

Herr Prof. Dr. Voss spricht: Ueher ein neues Princip der 
Abbildung krummer Oberflächen auf einander. 

Das Längenelement einer beliebigen Fläche lässt sich im Allgemeinen 
auf die Form: 

ds^ = edu2 -|- 2f du dv gdv^ 

bringen, in welcher e und g gegebene Functionen von u und v, f da- 
gegen für die betreffende Fläche charakteristisch ist. Jede Fläche wird 
demnach in einem gewissen Bereiche als Deformation irgend einer anderen 
betrachtet werden können, bei welcher die Abmessungen nach dem Curven- 
system u = const., v = const. ungeändert bleiben. Die weiteren Fragen 
über die Eigenschaften solcher Abbildungen werden insbesondere für die 
Fälle e = g = 1, e== 1 g = u2 besprochen. 


11 


IIL Section für vorliistorisclie Forschungen, 


Erste Sitzung am 10. Februar 1881. Vorsitzender: Hofapotlieker 
Dr. Caro. 

Herr Dr. Caro eröffnet die Versammlung unter Vorlage verschie- 
dener Büchereingänge. 

Herr Geh. Hofrath Dr. Geinitz legt eine Anzahl wohlgelungener 
Photographien aus dem Ervethal in Frankreich vor, woselbst Fräulein 
von Boxherg, die Uebersenderin der Bilder, ihre rühmlichst bekannten 
Ausgrabungen in den Höhlen von Rochefort etc. zur Zeit noch ausführt. 

Herr Osborne giebt einen ausführlichen und anziehenden Bericht 
über die XI. Generalversammlung der Deutschen Anthropologischen Ge- 
sellschaft zu Berlin, welche auch von Isismitgliedern in erfreulicher An- 
zahl besucht war. Er bespricht insbesondere die Mittheilungen von Schlie- 
mann, die Excursion nach dem Spreewald u. s. w. 

Herr Dr. Caro bringt eine Anzahl schriftlicher Notizen eines Deut- 
schen aus Chile und Peru, welche sich auf dei dort noch vorhandenen 
Baudenkmäler der Inkazeit beziehen. 

Der bekannte Reisende Herr Dr. Alfons Stübel ergänzt in aus- 
gezeichneter Weise die Notizen und bespricht eingehend die alten Bau- 
werke von Quela, deren Bestimmung wahrscheinlich mit dem Cultus der 
alten Inkas zusammenhing. 

Zur Vorlage gelangen eine stattliche Anzahl prähistorischer Gegen- 
stände, welche speciell in Sachsen gefunden worden sind, unter denen drei 
prächtig verzierte Lanzenspitzen aus der Nähe von Bautzen, Bronzefiguren 
von Grossenhain und ein kleines Gefäss aus Bronzehlech aus der Nähe 
von Pegau besonders hervorzuheben sind. Die Gegenstände gehören in 
das Museum des Königl. Sächs. Alterthums Vereins zu Dresden. 


12 


IV. Section für Physik und Chemie. 


Erste Sitzung am 17 » Februar 1881. Vorsitzender: Hofrath Dr. 
Schmitt. 

Der Vorsitzende hegrüsst die Versammlung, dankt für die Wahl zum 
Vorsitzenden und spricht seine Freude darüber aus, dass Herr Professor 
Neubert die Wahl zum zweiten Vorsitzenden der Section angenommen hat. 

Herr Professor Hempel hält hierauf einen ausführlichen Vortrag 
über den Bessemer Process und dessen Entwickelung in den letzten 
Jahren. Hierauf behandelte er weiter das Thomas-Gilchrist’sche Entphos- 
phorungsverfahren des Eisens. Derselbe führt schliesslich in höchst ge- 
lungener Weise experimentell die verschiedenen Stadien des Bessemer 
Processes vor. 

Herr Professor Abendroth zeigt einen verbesserten Bunsen’schen 
Gasbrenner, welcher von Terquem in den Comptes rendus beschrieben 
wurde und der von Stöhrer in Leipzig für 18 Mk. zu beziehen ist. 

Hieran schliesst Herr Hofrath Töpler eine kurze Mittheilung über 
die Construction solcher Lampen, sowie von Gebläsen. 


Zweite Sitzung am 34. März 1881. Vorsitzender: Hofrath Dr. 
Schmitt. 

Nach Verlesung des Protokolls hält Herr Hofrath Töpler einen 
längeren Vortrag über Capilarität s-Erscheinungen, welche er durch 
eine Reihe äusserst instructiver und glänzender Experimente vorführt. 


Die Sitzung am 16. Juni 1881 kam in Wegfall. 


13 


V. Section für Zoologie. 


Erste Sitzung am 3. März 1881. Vorsitzender: Professor B. Vetter. 

Der Vorschlag des Vorsitzenden, besondere Keferirabende einzuricbten, 
wird mit dem Bemerken angenommen, dass auch gewöhnliche Sitzungs- 
abende dazu verwendet werden könnten. 

Es wird beschlossen, bei der Hauptversammlung die Subscripton auf 
„Fauna und Flora des Golfes von Neapel, herausgegeben von der 
Zoolog. Station von Neapel“, zunächst für drei Jahre (ä 50 Mk.) zu be- 
antragen. Die beiden ersten Bände: ,,Ctenopboren“, von Dr. C. Chun, 
und „Fierasfer“, von Prof. Emery, liegen zur Ansicht vor. 

Herr Dr. 0. Schneider sendet zwei Exemplare von Pinnotheres sp, 
ein, welche hierselbst in Austern gefunden worden sind. 

Der Vorsitzende giebt ein kurzes Keferat über: „Die Coelom- 
tbeorie“, von 0. und K. Hertwig (IV. Heft ihrer „Studien zur Blätter- 
tbeorie“). Jena 1880. 


Zweite Sitzung am 3. Mai'1881. Vorsitzender: Professor B. Vetter. 
Der Vorsitzende legt Darwin’ s neuestes Werk: „Das Bewegungs- 
vermögen der Pflanzen“, sowie eine längere Arbeit von M. Braun vor 
über „Die Entwickelung des Wellenpapageis (Melopsittacus undulatusy\ 
1. Hälfte, aus ,, Arbeiten a. d. zool.-zoot. Inst. Würzburg. V.“ 

Derselbe tbeilt mit, dass bei der augenblicklichen finanziellen Lage 
der Gesellschaft leider von der Subscription auf „Fauna und Flora 
des Golfes von Neapel“ abgesehen werden muss. 

Herr Dr. Ebert referirt über „Anatomie von Taenia per foliata 
von Z. Kahane (Zeitschr. f. wiss. Zool. 34. Bd.), mit Berücksichtigung 
früherer Arbeiten von Sommer und Landois. 

Hierauf referirt der Vorsitzende über M. von Davidoff’s „Beiträge 
zur Vergl. Anatomie d. bint. Gliedmassen der Fische“ (Morph. Jahrb. V. 
und VI), sowie über Olga Metschnikoff: „Zur Morphol. d. Becken- und 
Scbulterbogens der Knorpelfische“ (Zeitschr. f. wiss. Zool. 33). 


Dritte Sitzung am 33. Juni 1881. Vorsitzender: Professor B. Vetter. 
Referate des Herrn 0. Tbüme über: Möbius, „Die Auster und die 
Austernwirthscbaft“, Berlin 1877, sowie des Herrn Vorsitzenden über: 
Möbius, „Die Bewegungen der fliegenden Fische durch die Luft“, aus 
Zeitschr. f. wiss. Zool. XXX, Suppl. 1878. 


14 


VI. Section für Botanik. 


Erste Sitzung’ am 13. Januar 1881. Vorsitzender: Prof. Dr. Drude. 

Herr Blaschka legt eine grosse Zahl frisch angekommener 
Exemplare von Fucus vesiculosus und serratus vor und erörtert im An- 
schluss an dieselben einige allgemeine Fragen über die Algenflora der 
Meere, namentlich auch über die Existenz grosser, vollständig frei in den 
Oceanen schwimmender Algenanhäufungen. 

Herr Oberlehrer Wobst legt ein von Herrn E. Hippe in Königstein 
in der Umgebung Pirnas entdecktes Exemplar von Loranthus europaeus 
vor, eine neue und interessante Bereicherung der Flora Sachsens, welche 
sie dem nahe gelegenen Böhmen verdankt. Loranthus hat nun seine Nord- 
westgrenze bis gegen Dresden vorgeschoben; er wächst auch an der Pir- 
naer Localität (bei Dohma, Zeester Rittergutsrevier) auf Quercus pedun- 
CMlata^ und zwar recht häufig. 

Herr Handelsschullehrer Thüme legt eine vortreffliche Abbildung der 
jetzt ihrer Rinde wegen zur berühmten Drogue werdenden Handelspflanze 
Argentiniens, Aspidosperma QuebracJio Schlchtd., vor, welche die Firma 
Gehe & Co. in ihrem und der Wissenschaft Interesse nach einem argen- 
tinischen Originalbilde in farbiger Lithographie hat anfertigen lassen. 

Der Vorsitzende erläutert darauf in ausführlicher Weise die Con- 
struction und Anwendung des Skioptikons als Demonstrationsapparat, be- 
sonders für Pflanzenanatomie und Entwickelungsgeschichte; die auf dem 
weissen Papierschirm erzeugten Bilder zeigten sich auch bei Anwendung 
des (übrigens stark rauchenden) Petroleumdoppelbrenners genügend scharf, 
wenngleich die Anwendung des Kalklichtes ihre Klarheit ungemein för- 
derte. Der Preis des in Thätigkeit gezeigten, dem botanischen Institute 
des Polytechnikums gehörigen Apparates beträgt incl. Kalklichtbrenner 
128 Mk.; je 25 der schönen, von Wigand in Zeitz verfertigten Photo- 
gramme kosten 33 Mk, 


Zweite (ausserordentliche) Sitzung’ am 3. Februar 1881. (Erster 
Literatur abend.) Vorsitzender: Professor Dr. Drude. 

Herr Freiherr D. v. Biedermann referirt über: Maxime Cornu’s 
J^tudes des Fhylloxera vastatrix. (Aus: Memoires presentes par 
divers savants ä l’Academie des Sciences Tom. XXVI. Nr. 1.) 


15 


„Die Vhylloxera mstatrix liat trotz ihrer Kleinheit eine solche zer- 
störende Wirkung auf die Rebcultur gezeigt, dass bald nach ihrem ersten 
Auftreten vor ungefähr 11 Jahren Gelehrte und Behörden sich veranlasst 
sahen, eingehender mit der Natur des Insekts sich zu beschäftigen. Dies- 
seits wie jenseits des Rheins entfaltete sich eine grosse Thätigkeit und ist 
das genannte Werk eine Frucht derselben. 

In der Vorrede betont Cornu die Schwierigkeiten, welche dem 
Beobachter bei der Untersuchung, namentlich der Wurzeln, entgegen- 
stehen, theils wegen der Kleinheit des Insekts, theils auch dadurch, dass 
es sich ziemlich tief unter die Oberfläche und dort bis an die feinsten 
Saugwurzeln zurückzieht, welche leicht beim Ausgraben abreissen. Beides 
wurde dem Ref. vielfach von Mitgliedern der zur Untersuchung der Wein- 
berge für Sachsen eingesetzten Reichscommission geklagt. 

Die Untersuchungen Cornu’s geschahen in der Zeit vom April 1873 
bis ins späte Frühjahr 1874, umfassen also einen genügenden Zeitraum. 

Er theilt seine Arbeit über dieselben in zwei Hauptabschnitte, deren 
erster auf 189 Seiten die Kr ankhei-tser scheinungen und deren 
zweiter auf 165 Seiten das Insekt behandelt. 

Der erste Theil zerfällt wieder in fünf Abschnitte, nämlich: 1) Be- 
weis der Identität der Fhylloxera auf Blättern, mit der an den Wurzeln, 
welchen er durch direct angestellte Versuche zu führen unternommen; 
2) Zerstörungen an den Luft- und Blattorganen, wobei er auf den anato- 
mischen Bau dieser Organe näher eingeht; 3) Darstellung der Zerstör- 
ungen an den Wurzeln; 4) die Ursachen der Zerstörungen durch die 
Fhylloxera und 5) Wurzelauftreibungen, welche man leicht mit den durch 
die Fhylloxera hervorgebrachten verwechseln kann. Es kommen solche 
namentlich bei den Leguminosen (so bei Fhaseolus, Vicia u. a.) vor und 
werden durch den Parasiten Anguillula Marioni erzeugt, doch ist die Ge- 
stalt der Auftreibungen hier eine andere als bei den durch die Fhylloxera 
erzeugten. 

Der zweite Theil behandelt in neun Abschnitten die Natur des In- 
sekts, worauf Ref. jedoch, als in die zoologische Section gehörig, hier nicht 
näher eingehen will. 

Dem Werke sind 24 lithographische Tafeln beigegeben, von welchen 
die ersten 16 die Krankheitserscheinungen an den ober- und unterirdi- 
schen Organen des Weinstockes in z. Th. sehr starker Vergrösserung, die 
8 folgenden aber das Insekt vom Ei an in seinen verschiedenen Ent- 
wickelungsstadien zeigen. Die Tafeln sind, wie wir dies bei französischen 
Werken gewohnt sind, in der Zeichnung wie in der Ausführung ganz vor- 
trefflich hergestellt. 

Als Anhang endlich ist eine Arbeit vonDuclaux vom Jahre 1877 gegeben 
über die Verbreitung der Fhylloxera im südöstlichen Frankreich, mit gra- 
phischer Darstellung des Verbreitungsbezirkes. Diese Arbeit ist eine niehr 
statistische und berührt die naturwissenschaftlichen Fragen gar nicht. 

des. Isis in Dresden, 1881. — Sitzungsber. 2 


16 


Wenngleich Cornu Mittel zur Bekämpfung der Reblaus auch nicht 
anzugeben weiss, so ist seine Arbeit immerhin von grossem wissenschaft- 
lichen Interesse. 

Er hat während der Beobachtungsdauer das Insekt von seiner ersten 
Entwickelung an sorgfältig studirt und Versuche darüber angestellt, welche 
Rebsorten und Theile der Pflanze es am meisten vorzieht, und hat dabei 
gefunden, dass es kräftig wachsende Stöcke und Sorten am wenigsten be- 
fällt. (Man ist jetzt zu der Erfahrung gekommen, dass Viüs solemnis und 
Yorh Madeira gar nicht angefallen werden und dass nur durch Veredelung 
der alten Stöcke mit diesen Sorten gefährdete Weinberge erhalten werden 
können.) 

Wenn das Insekt auf den Blättern Gallen gebildet hat — was es aber 
bei uns gar nicht thut — so lassen sich die Larven, wenn sie ausgeschlüpft 
sind, herunterfallen und gehen an die Wurzeln, wo sie sich einzeln oder 
in Colonien an der Epidermis der Saugwurzeln festsetzen, den Zellsaft 
aussaugen und 'auf diese Weise die Auftreibungen an denselben hervor- 
bringen, welche eine charakteristische, halbmondförmige Gestalt haben, 
woran sie leicht zu erkennen sind. Die Epidermalzellenwände erhalten 
dabei in der Umgebung des Sitzes der Reblaus alle eine radiale Richtung 
(Tf. XII. 3. Tf. XIII. 3. Tf. XV. 3). Die nach und nach ausgesaugten 
Würzelchen vertrocknen und bedingen dadurch den Tod der Rebe. Wenn 
sie eine Pflanze zerstört haben, so sollen sie alle mit einem Male, comme 
par magie, verschwinden. 

Die Vermehrung ist, wie bei allen Parasiten, eine ziemlich starke und 
hat Cornu in wenig Wochen von einer Laus über 300 Nachkommen 
erhalten. 

Fragt man nun, welche Mittel giebt er zur Vertilgung oder Vertrei- 
bung des Insekts an, so muss man leider zugeben, dass auch er kein 
anderes anzugeben weiss, als gänzliche Ausrottung der einmal inficirten 
Weinanlagen, und als Präservativ die Vermeidung des Bezugs von Reb- 
pflanzen aus Gegenden, wo man die Reblaus vermuthen kann. 

In neuerer Zeit wird, und wie man mir versicherte, mit Erfolg, flüs- 
siger Schwefelkohlenstoff angewendet, den man in der Nähe der Stöcke in 
den Boden giesst, doch dürfte dieses Mittel wenig Anwendung im Grossen 
finden; denn einmal ist es zu theuer, und dann bedürfen die Pflanzen, 
welche durch die schädliche Wirkung dieses Stoffes angegriffen werden, 
als Gegengift eine kräftigere Düngung.“ (D. Frhr. v. Biedermann.) 

Darauf bespricht Herr Maler Seidel eine Abhandlung aus den 
Schriften der König sherger physih.-ölconom. Gesellschaft, Jahrg. XIX 
(1878), S. 153: 

„R. Ca spar y berichtet an genannter Stelle über ein ausgezeichnetes, 
im Jahre 1876 im Gneisenauer Wäldchen bei Gerd au en in Preussen 
entdecktes (das dritte bekannt gewordene deutsche) Exemplar der Al- 
stroemer ’schen Hängefichte, Piniis viminalis Alstr . , Ficea excelsa Lk. 


17 


var. vimimlis Casp., von welchen er zugleich eine vorzügliche Ab- 
bildung giebt. 

Der 55 — 60 Fuss hohe, im Stamme, 3 Fuss über dem Boden, bei- 
nahe 1 Fuss dicke und etwa 60 Jahre alte, vortrefflich entwickelte Baum 
zeigt die Eigenthümlichkeiten der ebenso auffallenden, als malerisch schö- 
nen, wie äusserst seltenen Form in besonderer Schönheit: nämlich sehr 
dünne und sehr lange peitschen- und strickförmig bis zu 1 ‘ Länge senk- 
recht herabhängende Aeste, 2., wie 3 . bis 5 . Grades. 

Die zahlreichen Aeste 1. Grades, in nur 2 — 5zähligen Quirlen stehend, 
sind fast wagrecht abstehend. Die untersten den Boden berührenden sind 
14 — 15 Fuss lang. Die Aeste 2. Grades sind sehr zahlreich, die des 
3 . Grades noch häufig, die des 4 . und 5 . Grades sehr selten. 

Die Dicke der Aeste 2. Grades ist sehr gering, am Ursprünge nur 
4 — 10 mm; ein solcher Zweig, der 21 Jahresabsätze zeigte, war am Grunde 
5 mm, eine lange Strecke 7 mm und gegen das Ende 4 mm dick. Anato- 
misch lässt sich das Alter der Aeste 2. Grades nicht feststellen, denn 
ihre Jahresringe sind ganz undeutlich, ein Ast, der äusserlich 20 Jahres- 
absätze zeigte, Hess unten im Querschnitt nur sehr undeutlich 10 concen- 
trische Holzlagerungen beobachten. 

Die Nadeln bieten ebenfalls nichts Auffallendes, unter den Knospen 
sind sie angedrückt, und zwar allseitig (in 0/13 Stellung), sonst abstehend, 
und erhält dadurch der Zweig allerdings etwas rosenkranzförmiges. Sie 
dauern meist nur 5 — 6 Jahre, selten 8, wie bei den normalen Exemplaren 
der Umgebung. Da die Zweige 2. — 5 . Ordn. in der Dicke sehr wenig zu- 
nehmen, so erhalten sich die Nadelkissen länger als ausserdem. Zweige 
2. Ordn. waren an 19 und 20 Jahre alten Partien noch mit Nadelkissen 
versehen, solche 1. Ordn. hatten sie meist nach dem 6. — 10. Jahre ab- 
gestossen, selten erst nach dem 12. und 14 . Jahre. 

Die 12 — 15 cm langen Zapfen boten meist Beispiele seltener Stel- 
lungsverhältnisse der Schuppen, übrigens waren sie, wie auch der Samen, 
nicht abweichend gebildet. 

Herr Sucker in Arklitten hat aus Stecklingen mit Glück junge 
Exemplare gezogen, so dass eine weitere Verbreitung der schönen Spielart 
in Aussicht steht, während es noch zweifelhaft ist, ob die aus Samen er- 
haltenen Pflanzen sich der Mutterpflanze ähnlich entwickeln w^erden. 

Das von Alström entdeckte und 1777 beschriebene erste bekannte 
Exemplar dieser Varietät zu Malmby in Südermanland bei Stockholm 
hatte bis zu 10 Fuss Länge herabhängende Gruppen von Aesten 2. — 5. 
Ordnung ; es war mindestens noch einmal so alt als das Gneisenauer, denn 
sein Stamm hatte am Boden 6 Fuss Umfang. 

Die Hängefichte ist nicht mit der Schlangenfichte (Picea excelsa 
Lk. var. virgata) zu verwechseln. Letztere hat wenige Aeste und alle, die 
1., 2. — 5. Grades sind, alle fast wagerecht abstehend, sehr lang, die Breite 
des Baumes daher grösser als seine Höhe, oft mehr als doppelt. 

2 * 


18 


Ca spar y berichtete über diese Form, von der er daselbst drei Exem- 
plare gut abbildete, wie auch über andere Spielarten sehr ausführlich in 
den Schriften d. phys. -ökon. Gesellsch. zu Königsberg, Jahrg. XIV. 1873, 
S. 115.“ (C. F. S.) 

Alsdann referirt Herr Oberlehrer Engelhardt über: Zur Geschichte 
der Ginglw - Splügen Bäume von Prof. Osw. Heer. (Bot. Jahrb. f. Syst., 
Pflamengesch. ii. Bflanzengeogr. v. A. Engter. Bd. I. Heft I. S. 1 — 13.) 

,, Während die Familie der Eibenbäume in Europa zur Jetztzeit nur 
durch Taxus baccata L. vertreten ist, hat sie sich in anderen Erdtheilen 
zu einer Reihe von Gattungen entfaltet, unter denen sich auch der ost- 
asiatische Gingho biloba L. befindet. Ein Unicum jetzt, war er es nicht 
in der Vorwelt. In der rhätischen Stufe erscheint G. crenata Br. sp., 
im braunen Jura folgen 13 Arten (von Ust Baiei allein 7 Arten be- 
kannt), welche beweisen, dass dies Geschlecht in ihm eine grosse Rolle 
spielt, wozu noch die nahe sich anschliessenden Gattungen Bhipidopsis, 
Baiera, Trichopitys, Czelianowshia und Phoenieopsis kommen. Da sie in 
Ostsibirien in weitaus grösster Menge auftreten, so muss dieses als eigent- 
licher Bildungsherd für dieselben angenommen werden. Ausser Baiera, 
welche noch in zwei Arten aus der unteren Kreide bekannt ist, erlöschen 
die übrigen Gattungen bereits im Braunjura. Ginglco allein setzt sich fort 
bis in unsere Tage, im Wealden eine Art, in der mittleren Kreide eine 
Art, im Eocän zwei Arten, im Miocän zwei Arten, im Pliocän eine Art 
repräsentirend. Vom Jura rückwärts blickend begegnen uns Baiera im 
Keuper und Obercarbon, TricJiopitys im Obercarbon, Bicranopliyllum in 
der obersten Abtheilung des Kohlenbeckens von St. Etienne. Mit ihnen 
zugleich treten die Abietineen und Taxodien auf; die erloschene Familie 
der Cordaitiden lässt sich sogar bis ins Devon zurück verfolgen. In ihnen 
kaben wir die ältesten Blüthenpflanzen unserer Erde zu begrüssen.“ 

(Engelhardt.) 

Herr Oberlehrer Dr. Schunke referirt über eine Arbeit von Prof. 
Jentsch in den Schriften der Köniqsberqer physihal.- Ökonom. Gesellschaft, 
Jahrg. XIX (1878): 

Die Moore der Provinz Preussen. ,,Nach den bisherigen, viel 
zu niedrigen Angaben sind 4,4 Proc. — über 50 Q Ml. — der Oberfläche 
der Provinz Preussen mit Mooren bedeckt, während beispielsweise die Pro- 
vinz Pommern 10,2 Proc., Provinz Brandenburg 8,7 Proc., Posen 7 Proc. 
Moorboden besitzen sollen. Jentsch unterscheidet acht Moortypen; am 
häufigsten finden sich Hochmoore und Grünlandsmoore. Erstere 
bilden sich in hochgelegen muldenförmigen Becken durch Ansiedelung von 
Torfmoosen, letztere entstehen in todten WasseiTäufen, an Flussufern, da- 
durch, dass diese ruhigen Gewässer von einer Pflanzendecke überzogen 
werden. Auf dem Grunde der Grünlandsmoore findet sich meist ein 
kalkig-sandiger Niederschlag, der Wiesenmergel. 


19 


Die übrigen Typen weichen in ihrer Bildung nur wenig von diesen 
Haupttypen ah und es kommt bei ihnen hauptsächlich darauf an, oh sie 
über oder unter dem Grund wasser gelegen sind. Die hellen Torfe sind 
die jüngeren, die braunen die mehr zersetzten. Die braunen Torfe sind 
wegen des hohen Gehaltes an Stickstoff und Asche ein günstigerer Boden 
für den Pflanzenbau als der helle, ebenso ist seine Heizkraft wegen des 
geringen Gehaltes an Sauerstoff eine weit grössere. 

Technisch verwendet wird der Moostorf, indem man ihn zu Pappe, Pack- 
papier etc. verarbeitet hat, Torfkohle und Coaks aus ihm bereitet und 
Leuchtstoffe von ihm gewinnt. Allgemein ist seine Verwendung als Feuer- 
ungsmaterial in den Haushaltungen, in Glasfabriken, Eisengiessereien, be- 
sonders aber in Brennereien und Ziegeleien. 

Für die Landwirthschaft erhalten die Moore dann hohe Bedeutung, 
wenn sie mit Schlick überdeckt werden; sie geben dann einen vortreff- 
lichen Wiesenwuchs und ausgezeichnetes Kartofifelland. Besonders günstig 
ist der Moorboden der Weidewirthschaft und der Waldcultur. 

Es wäre sehr wünschenswerth , dass die traurigen Gegenden der 
Tucheier Haide, wo die Arbeit vieler Tausend Hände nutzlos verschwendet 
wird, aufgeforstet und dafür passende Gebiete des preussischen Moor- 
bodens dem Ackerbaue gewonnen würden.“ (Dr. Sch unke.) 

Schliesslich verliest Herr Oberlehrer Wobst eine Mittheilung über 
Becquerel’ s Entersuchungen, betreffend die geringen schützenden Wirk- 
ungen der Schneedecke auf die Pflanzen, und macht alsdann weitere histo- 
risch und für Studien in der Veränderung der Flora Dresdens sehr in- 
teressante Mittheilungen über ein altes Florenverzeichniss von Dresden 
(das älteste), welches als Manuscript aus dem vorigen Jahrhundert in der 
hiesigen Königl. Bibliothek aufbewahrt ist. (Siehe darüber den Aufsatz 
in den ,, Abhandlungen''^^ Th. H dieses Jahrgangs.) 

Herr Geh. Hofrath Dr. Geinitz macht im Anschluss an voriges 
einige Mittheilungen über die vermuthliche Person des Verfassers jener 
Flora von Dresden, Dr. Schultz. 


Dritte Sitzung am 10. März 1881. Vorsitzender: Prof. Dr. Drude. 
Der Vorsitzende trägt vor: „Ueber die Methoden der phytophäno- 
logischen Beobachtungen und ihre Anstellung in der Flora von Sachsen.“ 
(Siehe die ,, Abhandlungen'^ dieses Jahrganges, S. 3 — 24.) 


Vierte Sitzung am 13. Mai 1881. Vorsitzender: Prof. Dr. Drude. 
Der Vorsitzende widmet dem Andenken des inzwischen verstorbenen, 
früher in Dresden, letzthin in Meissen ansässigen Botanikers Dr. L. Baben- 
horst ehrende Worte; die Versammlung giebt durch Erheben von den 
Sitzen dem ehrenden Andenken ihrerseits Ausdruck. 


20 


Die Section bescliliesst, an die Hauptversammlung eine Petition zu 
richten in dem Sinne, dass bei der durch die finanzielle Lage der Gesell- 
schaft nothwendig werdenden Beschränkung der Bibliotheksausgaben ausser 
der schon beschlossenen Einziehung des Just’schen hotanischen Jahres- 
lerichts höchstens noch auf die Oesterreichisch-hotamsche Zeitschrift in 
Zukunft nicht mehr abonnirt werde, dass aber die Pringsheim’schen 
Jahrbücher für imssenschaftliehe Botanik und ebenso die Botanische Zei- 
tung unbeschränkt weiter gehalten werden möchten. 

Der Vorsitzende hält darauf einen Vortrag über „Pringsheim’s 
Chlorophylluntersuchungen.“ Die Entwickelung unserer Kenntnisse über 
das Chlorophyll wird von dem Erscheinen der Arbeiten von Kraus {Die 
Chilorophyllfarb Stoffe, 1872) und Pfeffer (Wirkung des farbigen Lichtes 
auf die Assimilation; Arbeiten des botan. Instituts in Wilrzburg L Heft L) 
in die neueste Literatur hinein kurz verfolgt, und im Anschluss daran werden 
Pringsheim’s kritische und eigenartige Studien nach dessen Mittheil- 
ungen in den Monatsberichten der Königl. Akademie zu Berlin, 5 Abthei- 
lungen von October 1874 bis 1880, und besonders in dessen Jahrbüchern 
für wissenschaftliche Botanik, Bd. XH, Heft 3 (1881) erörtert. 

Der Vortragende schliesst mit dem Hinweis auf gewisse Schwierigkeiten 
und dunkle Punkte, welche in den sonst klaren Untersuchungen vorhanden 
zu sein scheinen, und welche vielleicht zu Modificationen der neuen Theorie, 
jedenfalls aber zu neuen Untersuchungen und weiteren Publicationen führen 
müssen. 


21 


VIL Hauptversammlungen. 


Erste Sitzung am 27» Januar 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Prof. Dr. Geinitz. 

Der Vorsitzende gedenkt mit warmen Worten der im vorigen Jahre 
verstorbenen Mitglieder der Gesellschaft, und zwar der wirklichen Mit- 
glieder Geh. Regierungsrath v. Kiesenwetter, des Dr. F. Mehwald 
und Apotheker Schneider in Dresden, der correspondirenden Mitglieder 
Dr. F. Prestel in Emden, Nees von Esenheck in Breslau, Graf 
Louis Francois dePourtales zuBeverley, Mass. und des Directors Ru- 
dolph Ludwig in Darmstadt, ferner des gleichfalls verstorbenen Nicht- 
mitgliedes Fritz Bürki, Stadtraths im alten Grossrath von Bern. Hieran 
anschliessend, gedenkt Herr Oberlehrer Dr. Schneider des Hinscheidens 
und der Verdienste des berühmten Egyptologen Mariette-Bey in 
Alexandrien. 

Herr Apotheker Gustav Hoffmann spricht über die Früchte von 
Eucalyptus globulus Lahillardiere 'und legt davon Exemplare aus Spa- 
nien vor. 

Herr Dr. E. Dathe hält einen Vortrag über Gletscherspuren in Nord- 
deutschland. (Siehe Abhandlungen S. 25 — 31.) 


Zweite Sitzung am Februar 1881, Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Prof. Dr. Geinitz. 

Apotheker Carl Bley macht Mittheilung von dem erfolgten Hin- 
scheiden des correspondirenden Mitgliedes Kawall, Pastors zu Pussen 
in Kurland. 

Herr Oberlehrer Engelhardt hält den angekündigten Vortrag über 
die Entstehung der Gebirge nach älteren und neueren Ansichten, wozu 
noch Herr Dr. Raspe seine Erklärung über Erdbeben und Gebirgs- 
bildung — als Erscheinungen der Zusammenziehung — giebt. 


Dritte Sitzung am 31, März 1881, Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. 
Dr. Geinitz. 

Der Vorsitzende des Verwaltungsrathes , Herr Dr. 0. Schneider, 
erstattet Bericht über den Kassenabschluss der „Isis“ vom Jahre 1880 


22 


s 

(siehe Anlage A S. 28). Zu Eevisoren desselben werden die Herren Putscher 
und Freiherr v. Biedermann gewählt. Der Voranschlag für das Jahr 
1881 findet einstimmig Genehmigung (siehe Anlage B S. 29). 

Schluss der Sitzung nach 9 Uhr. 


Vierte Sitzung am 38. April 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. 
Dr. Geinitz. 

Die Herren Freiherr v. Biedermann und Bentier Putscher haben 
das vorjährige Rechnungswerk geprüft. Freiherr v. Biedermann berichtet 
über diese Revision und findet die Rechnung für richtig, worauf dem 
Kassirer, Herrn Hofbuchhändler Warn atz, von Seiten der Versammlung 
Decharge ertheilt wird. 

Der Vorsitzende gieht die betrübende Mittheilung von dem Ableben 
der Herren Dr. Rabenhorst*) in Meissen und Director des zoologischen 
Gartens Albin Schöpf in Dresden und erinnert mit warmen Worten an 
die Verdienste der Verstorbenen um die Naturwissenschaft. 

Apotheker Bley macht Mittheilungen über den früher schon und 
wieder neuerdings als ein die Haut kräftig frottirenden Schwamm empfoh- 
lenen Luffa-Schwamm, welcher das Fasernetz des Fruchtgehäuses einiger 
Z^^/^^^-Arten , z. B. Luffa Aegyptiaca Miller (Egypten) und Luffa Petola 
Seringe (China und Cochinchina), bildet, das man zu Abreibungen des 
Körpers nach warmen Bädern benutzt. Gebleicht dient es auch zur An- 
fertigung von Bilderrahmen, Papier, Körbchen und Netzen. 

Hierauf hält Herr Professor Dr. H artig einen Vortrag über: Die 
Auffassung chemischer Processe vom einheitlichen Stand- 
punkte der Technologie. 

Aus der vergleichenden Betrachtung einer grösseren Anzahl bekannter 
Werkzeuge, welche ebensowohl feste, wie flüssige und gasförmige Körper 
sein können, wurde dargelegt, dass an denselben die folgenden sechs all- 
gemeinen Bethätigungsformen sich nachweisen lassen: 1) Einleitung, 
2) Aufsammlung, 3) Durchleitung mechanischer Arbeit, 4) eigentliche 
Werkerzeugung (Orts- oder Formänderung des Werkstückes), 5) Stützung 
des Werkstückes (Verbindung mit dem Erdkörper), 6) Stützung der Werk- 
zeugstheile gegen einander (Erzielung der Zwangläufigkeit). Es wurde 
ferner gezeigt a) dass in der Regel zwei oder mehrere dieser Functionen 
demselben individuell ausgehildeten Werkzeugsbestandtheil zufallen; 
b) dass jede dieser Functionen gelegentlich auch einem oder mehreren 
zu diesem Zwecke eigens gestalteten Werkzeugsbestandtheilen, die gegen 
die übrigen sich deutlich abgrenzen, ausschliesslich übertragen ist, wobei 


*) Ein Nekrolog dieses ausgezeichneten Gelehrten erscheint im nächsten Hefte. 

Pie Red. 


23 


jedoch die übrigen Functionen niemals gänzlich abgestreift werden; c) dass 
auch jede dieser Functionen dem Werkstück selbst zufallen kann. 

So lässt sich an dem Hecheln des Flachses, an dem Abschleifen klei- 
nerer Werkstücke auf dem ruhenden Schleifstein, an dem Hobeln der Fass- 
dauben auf der sogen. Stossbank des Böttchers und an mehreren anderen 
Arbeiten zeigen, dass das Werkstück die Function der Arbeitseinleitung 
übernehmen kann. 

Zur Arbeitsaufsammlung dient das Werkstück, wenn wir das Zer- 
spalten eines Holzklotzes auf der mit dem Rücken nach unten gerichteten 
Axt bewirken oder einen Hammerkopf auf dem kegelförmigen Ende des 
Stieles durch Aufstossen zu befestigen suchen ; Schmiedestücke von grosser 
Länge werden zuweilen in solcher Art gestaucht, dass man sie pendel- 
artig aufhängt, in Schwingung versetzt und gegen einen ruhenden Stein 
oder Amboss anstossen lässt. 

Wie das Werkstück die Function der Hindurchleitung von Be- 
wegung und Kraft übernehmen kann, lässt sich an dem Drahtziehwerk, 
an den Röhrenpressmaschinen, an der Töpferscheibe, an der Drehbank, 
an dem Abschrot, an dem Dübeleisen und anderen Werkzeugen de- 
monstrireii. 

Seine eigene Stützung vermag das Werkstück zu bewirken bei tech- 
nischen Processen, welche an dem Erdkörper selbst vorgenommen werden, 
bei den bergmännischen Gewinnungsarbeiten, bei der Gesteinsbohrung, bei 
den Baggerbeiten, beim Einrammen der Pfähle, bei der landwirthschaft- 
lichen Bodenbearbeitung; derselbe Functionswechsel liegt auch schon vor, 
wenn die Arbeitsprocesse an so grossen und schweren Werkstücken vor- 
zunehmen sind, dass die aus ihrem Eigengewicht hervorgehende Reibung 
hinreicht, die Verbindung mit dem Erdkörper zu bewirken. 

Das üeberraschende bei dem „Ei des Columbus“ ist darin zu erken- 
nen, dass die Function des Stützens, die hier besondere Veranstaltungen 
zu erfordern schien, dem Werkstück selbst übertragen wurde. 

Die Herbeiführung der Zwangläufigkeit des Werkzeuges wird in 
verschiedenem Betrage von dem Werkstück übernommen bei den Arbeiten 
des Schreibens , Zeichnens, Malens , Hobelns , Bohrens , Ausreibens , Spal- 
tens ; beim Imprägniren des Holzes nach der Methode von Boucherie wird 
die antiseptische Flüssigkeit (Werkzeug, später Werkstück) durch die 
natürlichen Saftgänge des Holzes zwangläufig geführt. 

Am beachtenswerthesten ist aber die Thatsache, dass das Werkstück 
vielfach auch die Function der unmittelbaren Werkerzeugung über- 
nehmen kann, indem es entweder während des Arbeitsprocesses aus dem 
Werkzeug dauernd hervorgeht (so bei den Arbeiten des Nageins, Schrau- 
bens, Einrammens von Pfählen, des Flechtens und Webens, der Papier- 
bildung, des Malens mit dem Pinsel, des Färbens und Drückens, des 
Warmaufziehens von Reifen, des Giessens und Löthens, der galvanoplasti- 
schen Copirung, der Cementirung des Stahles etc.) oder von einem der 


24 


Werkzeuge dauernd aufgenommen wird (Reinigung einer beschriebenen 
Tafel mit dem feuchten Schwamm, Trocknung feuchter Materialien durch 
einen Luftstrom, Sortenbildung durch Sedimentirung, Extrahirung lös- 
licher Substanzen durch Flüssigkeiten, Bleichprocesse , Aetzen des Glases 
und der Metalle u. s. w.). Die Betrachtung der hier sich darbietenden 
Reihen von Arbeitsprocessen führt zu dem Ergebniss, dass die Function 
der Werkerzeugung bei den chemischen Processen immer dem Werk- 
stück, bez. seinen kleinsten Theilen (Molekülen), zufällt; das chemisch 
afficirte Molekül bildet Werkstück und Werkzeug zugleich; in diesem Sinne 
erscheint die Einführung des Begriffes ,,Molekular-Werkzeug“ ge- 
rechtfertigt. Man gelangt mittelst desselben zu einer übersichtlichen, 
gleichartigen Auffassung der mechanischen, chemischen und physikalischen 
Arbeitsprocesse, wie solche an manchen hochentwickelten Maschinen sich 
vereinigt vorfinden. 

Ausserdem — und hierin lag die unmittelbare Veranlassung zu der 
vorgeführten Untersuchung — ermöglicht die neue Auffassung die Besei- 
tigung grober Irrthümer, welche sich neuerdings in Hinsicht auf die gegen- 
seitige Werthschätzung mechanischer und chemischer Erfindungen ein- 
geschlichen haben, vergl. Civilingenieur Jahrg. 1881, S. 53; Patentblatt 
1880, S. 39 u. 46. 


Fünfte Sitzung* am 30. Juni 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath Prof. 
Dr. Geinitz. 

Der Vorsitzende gedenkt zunächst der hingeschiedenen Mitglieder, des 
Staatsrathes a. D. Professor Dr. M. J. Schleiden, geh. am 5. April 1804 
in Hamburg und gest. am 22. Juni 1881 in Frankfurt a. M., welcher der 
Isis seit 1866 angehört hat, und des Majors a. D. Westphal, Mitglied 
der Isis seit dem Jahre 1872, über dessen Leben wir seinem Bruder, Herrn 
Hauptmann Westphal in Sonderburg, nachstehende Notizen verdanken: 

Major a. D. Ernst Kuno Westphal wurde am 9. März 1828 in 
Lüneburg geboren, wo sein Vater Landes-Oekonomie-Commissar, später 
Landes-Oekonomie-Rath bei der dortigen Landdrostei war. Von seinem 
6. Jahre an besuchte er das dortige Gymnasium und bezog im Jahre 1 844 
das Polytechnikum in Hannover, um sich dem Eisenbahnbaufache zu wid- 
men. Er gewann hier jedoch zu den Naturwissenschaften eine so grosse 
Neigung, dass er sich nach kaum zweijährigem Studium entschloss, das 
Polytechnikum mit der Universität in Göttingen zu vertauschen, wo er sich 
ganz dem Studium der Chemie und Mineralogie widmete. Zwei Jahre 
Schüler von Wöhler, verliess er im Frühjahr 1848, enthusiasmirt für das 
von Dänemark bedrückte Schleswig-Holstein, Göttingen und trat in Altona 
als Freischärler in das Tann’sche Freicorps, in welchem er bis zu dem 
im August abgeschlossenen Waffenstillstand von Malmö den Feldzug gegen 
Dänemark mitmachte. Nach der Auflösung des Corps in seine Vaterstadt 


25 


zurückgekehrt, trat er als Cadet in das dort garnisonirende 5. Infanterie- 
regiment, wozu sein Vater um so lieber seine Zustimmung gab, als er 
selbst als Offizier in den Freiheitskriegen von 1813 und 1815 gefochten 
batte. Nachdem er nach einigen Monaten das Offiziersexamen bestanden, 
wurde er zu Anfang des Jahres 1849 Lieutenant in dem in Osnabrück 
garnisonirenden 7. Infanterieregimente. Im Jahre 1852 wurde er Adju- 
tant, in welcher Stellung er, inzwischen zum Premierlieutenant avancirt, 
bis zu seiner im Jahre 1862 erfolgenden Ernennung zum Hauptmann 
zweiter Klasse blieb. Als solcher mit der Führung eines in Emden statio- 
nirten Detachements seines Regiments beauftragt, blieb er dort, bis er zu 
Anfang des Jahres 1866, zum Hauptmann erster Klasse ernannt, eine 
Compagnie in dem in seiner Vaterstadt Lüneburg garnisonirenden 5. In- 
fanterieregimente bekam. Nur kurze Zeit sollte ihm der heimische Aufent- 
halt vergönnt sein. Im Juni bekam das Regiment plötzlich Befehl, nach 
Göttingen zu marschiren, wo die hannoversche Armee eilig concentrirt 
wurde, um sich für den gegen Preussen bevorstehenden Feldzug zu mobi- 
lisiren. Nachdem er an der Spitze seiner Compagnie nach den anstrengen- 
den langen Märschen und Bivouacs mit grosser Bravour in der blutigen 
Schlacht von Langensalza gefochten, wurde er in Folge der mit Preussen 
abgeschlossenen Capitulation mit den übrigen hannoverschen Offizieren 
bis zur definitiven Regelung der Verhältnisse beurlaubt. Auf einer Bade- 
reise erholte er sich von den Strapazen des Feldzuges und ging dann nach 
Berlin, wo er mit Eifer an der dortigen Universität Vorträge über Erd- 
kunde und Meteorologie (n. Dove) hörte. Nachdem er sich zu Anfang des 
Jahres 1867 zum Uebertritt in die preussische Armee gemeldet hatte, 
wurde er im März zum Compagniechef im zweiten Brandenhurgischen 
Infanterieregiment ernannt. Als das damals noch im Königreich Sachsen 
stehende Regiment bald darauf in seine alten Brandenhurgischen Garni- 
sonen einrückte, kam er nach Guben, wo er im Herbst des folgenden 
Jahres mit dem Charakter als Major seinen Abschied nahm, um sich ganz 
wieder seinem Lieblingsstudium der Naturwissenschaften zu widmen. Nach- 
dem er kurze Zeit in Lüneburg und darauf in Hannover gelebt hatte, 
siedelte er im Frühjahr 1871 nach Dresden über, wo er mit regem Eifer 
das Studium der Naturwissenschaften, namentlich der Mineralogie und 
Geologie betrieb, wofür seine Beschreibung eines Porphyrganges mit losen 
Orthoklaskrystallen im Elbthalgebirge (N. Jahrb. f. Min. 1874, p. 33) 
und seine „Geologische Skizze des böhmischen Mittelgebirges“ (Sitzungsb. 
d. Isis 1875, p. 1) das beste Zeugniss ablegen. Hierzu boten ihm unsere 
Gesellschaft, sowie der Verein für Erdkunde in Dresden und die Deutsche 
geologische Gesellschaft in Berlin, deren Mitglied er war, vielfache An- 
regung, und als er nach einigen Jahren wegen eines asthmatischen Lei- 
dens den geognostischen Excursionen entsagen musste, widmete er sich 
mit gleichem Eifer der Käferkunde, wodurch er auch mit unserem früheren 
verdienten Vorsitzenden, Geh. Reg.-Rath v. Kiesenwetter, enger befreundet 


26 


ward. Sein asthmatisches Leiden verhinderte seit einem Jahre auch diese 
Beschäftigung und er konnte zuletzt nur noch Unterhaltung in leichter 
Lectüre und Schachspiel suchen, das ihm im hiesigen Schachclub noch 
acht Tage vor seinem Hinscheiden erfreute. Am 7. Mai 1881 \var er 
ruhig und schmerzlos entschlafen. Am 11. Mai, als seine irdische Hülle 
auf dem hiesigen Trinitatiskirchhofe beigesetzt worden war, wurde un- 
mittelbar darauf auch sein früherer Regimentscommandeur im hannover- 
schen 7. Infanterieregimente, der Oberst a. D. Devaux, auf demselben 
Kirchhofe beerdigt. 

Es folgen hierauf Mittheilungen des Verwaltungsrathes über Biblio- 
theksangelegenheiten durch den Vorsitzenden des Verwaltungsrathes, Herrn 
Dr. 0. Schneider, und Beschlussnahme über das Forthalten einiger 
Zeitschriften. 

Apotheker C. Bley zeigt ein Exemplar einer von ihm seit 1868 ge- 
pflegten und in diesem Frühjahre noch vor dem Legen eines Eies cre- 
pirten Testudo graeca. 

Von anderen wissenschaftlichen Mittheilungen werden entgegen- 
genommen : 

1) Der in den nächsten Tagen bevorstehende Abschluss des ersten 
Heftes der Abhandlungen und Sitzungsberichte der Isis, Januar 
bis Juni 1881. 

2) Vorlegung einer Photographie eines grossen Araucariten- Stammes, 
der in Chemnitz aufgestellt und durch Geheimrath Dr. Göppert 
in Breslau genauer untersucht worden ist, welchem Letzteren das 
K. mineralogisch-geologische Museum diese Photographie verdankt. 
Nach Messungen des Herrn Apotheker Leuckart in Chemnitz be- 
trägt die Höhe dieses Stammes 2,24 m, sein unterer Umfang 
2,72 m und sein oberer Umfang 2,57 m. 

Bei dieser Gelegenheit wird von dem Vorsitzenden erwähnt, dass nach 
Mittheilung des Herrn Dr. Sterzei in Chemnitz gegen Ende März d. J. 
bei Chemnitz ein riesiger Stamm von Psaronius (sogen. Staarstein) ge- 
funden worden ist, dessen oberer Durchmesser bei 52 cm Höhe: 38 : 65 cm, 
dessen unterer Durchmesser 55 : 80 cm beträgt. Derselbe ist in dem dor- 
tigen städtischen Museum aufgestellt, das überhaupt zahlreiche und recht 
interessante Kieselhölzer aus der Umgegend von Chemnitz enthält. 

3) Eine Notiz über die Entdeckung der Spuren der Trias bei Brom- 
berg durch Dr. A. Jentzsch in Königsberg i. Pr., sowie des 
Lias bei Dobbertin in Mecklenburg durch Professor E. Geinitz 
in Rostock. 

4) Eine Abhandlung * von P. Herbert Carpenter über Mesocrinus 
Fischeri Gein. sp. {Antedon Fischen Gein. Elbthalgeb. H. p. 18. 19. 

Taf . 6. Fig. 9 — 12 aus dem Plänerkalke von Strehlen. 

On two new Crinoids from the Upper Chalk of Soutliern Sweden (Quart. Journ. 
of the Geol. Soc. for May 1881). 


27 


5) Eine Arbeit von Franz Bayer, Gymnasiallehrer in Tabor, über 
Palaeobatrachus bohemicus H. v. Meyer aus der Braunkohle von 
Freudenbain an der sächsisch-böhmischen Grenze.*) 

6) Neueste Untersuchungen von Oberbergrath Dr. Stuhr in Wien: 
,,Zur Morphologie der Calamarien.“**) 

Noch berichtet Herr Hr. 0. Schneider über sicilianische Bernsteine, 
von denen nur ein Theil Bernsteinsäure enthält und zu dem ächten Bern- 
steine gezählt werden kann, während andere, wie namentlich der schwarze 
Bernstein, nach Untersuchung von Dr. Frenzei in Freiberg keine Bern- 
steinsäure führt und daher zu den Retiniten gehört. 


]^eii aiifgeuommeiie wirkliclie Mitglieder; 


1. Herr Forstingenieur- Assistent Wilsdorf in 
Dresden, 

2. Herr Assistent C. F. Härter in Dresden, 

3. Herr Dr. Körner in Dresden, 

4. Herr Cantor Johannes Lodny 

5. Herr Leopold Brückner in Dresden, 

6. Herr Bergingenieur Hermann in Dresden, 

7. Herr Apotheker C. Gottfried Ludwig Raben - 
hörst in Dresden, 

8. Herr Premierlieutenant a. D. Chalybäus, 

Secretär und stellvertretender Beamter im I 
Königl. Standesamt Hl in Dresden, 

9. Herr Institutslehrer Emil König in Dresden, aufgenommen am 
28. April 1881. 

10. Herr Dr. Wilhelm Pabst in Dresden, 

11. Herr Lehrer Anton Schmidt, 


aufgenommen 
am 27, Jan. 1881. 


aufgenommen 
am 24. Febr. 1881. 


aufgenommen 
am 31. März 1881. 


aufgenommen 
am 30. Juni 1881 . 


*) Sitzimgsb. d. k. bökm. Ges. d. Wiss. 26. Nov. 1881. 

Sitzungsb. d. k. Akad. d. Wiss. I. Abth. Mai 1881. 


Heinriclx ‘Warnatzs z. Z. Cassirer der Isis. 


28 


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Gassen -Abschluss der ISIS vom Jahre 1880. 

Position. S^innalime. Position. Aui^g^abe. 


29 


B. 

Voranschlag 

für das Jahr 1881, nach Beschluss des Verwalt uii^srathes vom 30. März 
hl der Hauptversammluiig^ vom 31. März 1881. 


Gehalte 

Inserate 

Heizung und Beleuchtung 
ßuchhinderarbeiten . . 

Bücher und Zeitschriften 
Sitzungsberichte . . . 

Schneider’s Kaukasuswerk 
Insgemein 


Mk. 

75 

55 


55 

55 


55 


450 

100 

130 

100 

610 

750 

200 

150 


Summa Mk. 2490 


Heinrich Warnatz, 
d. Z. Kassirer, 


^0 


An die Bibliothek der Gesellschaft Isis sind in den Monaten 
Januar bis Juni 1881 an Geschenken eingegangen: 


Aa 2. 

Aa 9a. 

Aa 14. 

Aa 23. 

Aa 27. 
Aa 34. 
Aa 42. 
Aa 43. 
Aa 47. 

Aa 48. 
Aa 52. 
Aa 63. 
Aa 64. 
Aa 68. 

Aa 69. 
Aa 70. 

Aa 71. 
Aa 72. 
Aa 80. 
Aa 82. 

Aa 83. 
Aa 85. 
Aa 87. ' 
Aa 90. 

Aa 92. 

Aa 95. 
Aa 101. 

Aa 126. 

Aa 137. 

Aa 148. 


Abhandlungen, herausgegeben v. d. naturw. Ver. zu Bremen. VII. Bd. Hft. 1. 2. 
Nebst Beilage Nr. 8. Bremen 80. 8. 

Bericht über die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft 1879/80. Frank- 
furt a. M. 80. 8. 

Archiv d. Ver. für Naturgesch. in Mecklenburg. 34. Jahrg. Neubrandenburg 
1880. 8. 

Bericht über d. Thätigkeit d. St. Gallischen naturf. Ges. Jahrg. 78/79. St. 
Gallen 80. 8. 

Bericht, 19. — 21., d. Offenbacher Ver. f. Naturkde. 77/80. Offenbach 80. 8. 
Correspondenzblatt d. naturf. Ver. zu Riga. 23. Jahrg. Riga 80, 8. 

Jahrbuch d. naturhist. Landes-Museums v. Kärnthen. 14. Hft. Klagenfurt 80. 8. 
Jahrbücher d. Nassauischen Ver. f. Naturkde. Jahrg. 31. 32. Wiesbaden 78/79. 8. 
Jahresbericht d. Ges. f. Natur- u. Heilkde. zu Dresden. Jahrg. 78/80. Dresden 
1881. 8. 

Jahresbericht, 65., der naturf. Ges. in Emden. Jahrg. 79 80. Emden 80. 8. 
Jahresbericht, 22., 29. u. 30., d. naturhist. Ges. in Hannover, Hannover 72. 80. 8. 
Lotos. Jahrbuch f. Naturw. Neue Folge. I. Bd. Prag 80. 8. 

Magazin, neues Lausitzisches. 56. Bd. II. Hft. Görlitz 80. 8. 

Mittheilungen a. d. naturw. Ver. v. Neu-Vorpommern u. Rügen. 12. Jahrg. 
Berlin 80. 8. 

„ a. d. Osterlande. N. F. 1. Bd. Altenburg 80. 8. 

„ a. d. Ver. d. Naturfreunde in Reichenberg 11. u. 12. Jahrg. 

Reichenberg 80/81. 8. 

„ d. Ges. f. Salzburger Landeskde. 20. Vereinsjahr. Salzburg 80. 8. 

„ d. naturw. Ver. f. Steiermark. Jahrg. 80. Graz 81. 8. 

Schriften d. naturf. Ges. in Danzig. N. F. V. Bd. 1. u. 2. Hft. Danzig 81. 8. 
Schriften d. Ver. zur Verbreitung naturw. Kenntnisse in Wien. 21. Bd. Wien 
1881. 8. 

Sitzungsberichte d. naturw. Ges. Isis. Jahrg. 80. Hft. 1. 2. Dresden 81. 8. 

„ d. physik.-medic. Ges. zu Würzburg für 1880. Würzburg 80. 8. 

Verhandlungen d. naturf. Ver. in Brünn. XVIII. Bd. Brünn 80. 8. 

„ d, naturhist. medic. Ver. zu Heidelberg. II. Bd. 5. Hft. Heidel- 
berg 80. 8. 

„ d. Ver. für Natur- u. Heilkde. zu Pressburg. Jahrg. 73/75. 
N. F. 4. Hft. Pressburg 80/81. 8. 

„ d. K. K. bot. Ges. in Wien. Jahrg. 80. 30. Bd. Wien 81. 8. 
Annals of the New-York Academy of Sciences. Vol. I. 9 — 13. Vol. XI. Nr. 13. 
New- York 1880. 8. 

Transactions, Natural-History of Northumberland, Durham etc. Vol. VII. P. 2. 
Williams 80. 8. 

Memoires de la societe nationale des Sciences naturelles de Cherbourg. Tome VI 
et XXII. Paris 59/79. 8. 

Annuario d. Soc. dei Naturalisti in Modena. Anno 14. Ser. 2 ^. disp. 4. Mo- 
dena 81. 8. 


31 


Aa 150. 

Atti della societä italiana di scienze naturali. Vol. XXII. fase. 1 — 4. Vol. XXIII. 

Aa 152. 

fase. 1. 2. Milano 79/80. 8. 

Atti deir Keale istituto Yeneto di seienze ete. Tomo IV. Ser. V. Disp. 10. 
Tomo V. Ser. Y. Disp. 1 — 10. Tomo YI. Ser. Y. Disp. 1 — 9. Yenezia 
1878/80. 8. 

Aa 158. 

Memorie delF Keale istituto Yeneto di seienze ete. Yol. XX. Parte 2. 3. 
Yol. XXL Parte 1. Yenezia 79. 4. 

Aa 161. 

Rendieonti. Reale istituto Lombardo di seienze e lettere. Ser. II. Yol. XII. 
Pisa 79. 8. 

Aa 163. 
Aa 170. 

Bulletin of the Essex Institute. Yol. 3. Yol. 7. Yol. 11. Salem 71. 75. 79. 8. 
Proeeedings of tlie American Academy of Arts and Sciences. Yol. YIII. P. II. 
Boston 80. 8. 

Aa 187. 

Mittbeilungen d. deutsch. Ges. f. Natur- u. Yölkerkde. Ostasiens. 22. u. 23. Hft. 
Nebst Index für Heft 11 — 20. Yokohama 80;81. 4. 

Aa 189. 
Aa 193. 

Schriften d. naturw. Vereins f. Schleswig-Holstein. Bd. lY. Hft. 1. Kiel 81. 8. 
Atti della Soc. Yeneto-Trentina etc. resid. in Padova. Yol. YII. fase. I. Anno 
1880. Padova 81. 8. 

Aa 198. 
Aa 199. 
Aa 201. 

Jahrbuch d. Ungar. Karpathen-Yereins. YIII. Jahrg. 1881. Kesmark 81. 8. 
Commentari dell’ Ateneo di Brescia p. Fanno 1880. Brescia 80. 8. 

Bollettino della Soc. Adriatica di Science naturali in Trieste. Yol. YI. Trieste 
1881. 8. 

Aa 202. 

Sitzungsberichte d. naturf. Ges. zu Leipzig. 6. Jahrg. 7. Jahrg. Nr. 1. 2. 

Aa 205. 

Leipzig 79/80. 8. 

Berichte über die Yerh. d. naturf. Ges. zu Freiburg i. Br. Bd. YII. Hft. 1 — 4. 
Freiburg i. Br. 77 80. 8. 

Aa 206. 
Aa 208. 

Transactions of the Wisconsin-Academy of Science etc. Yol. lY. Madis. 78. 8. 
Boletin de la Academia nacional de Clencias de la R. Argentina. Tome III. 
Entrega 2 y 3. Cordoba 79. 8. 

Aa 209. 

Atti della Societä Toscana di scienze naturali Proc. Yerb. Nov. 80. Jan. 
Marzo 81. Pisa 80/81. 8. 

Aa 211. 

Archivos do museu nacionale do Rio de Janeiro. Yol. II. Hft. 1 — 4. Yol. III. 

Aa 212. 
Aa 213. 
Aa 226. 

Hft. 1 — 4. Rio di Janeiro 77/78. 4. 

Sitzungsberichte d. phys.-medic. Societät zu Erlangen. 12. Hft. Erlangen 80. 8. 
Jahresbericht, XI., d. Yer. f. Naturk. in Oesterreich ob der Ens. Linz 80. 8. 
Atti della Reale Academia dei Lincei. Anno 278. Ser. III. fase. 1 — 13. Roma 

Aa 226. 

1880/81. 8. 

Atti della Reale Academie dei Lincei. Anno 277. Memorie della Glosse di 

Aa 230. 

Scienze Fisiche, Matematiche e Naturali. Yol. Y — YIII. Roma 80. 4. 

Anales de la Soc. Cientifica Argentina. Nov. Dec. 80. Tomo XI. Entrega I 
bis Y. Buenos-Aires 80/81. 8. 

Aa 233. 
Aa 239. 
Aa 240. 
Aa 243. 
Aa 248. 

Jahresbericht d. naturhist. Yer. von Wisconsin für 80 u. 81. Milwaukee 81. 8. 
Proeeedings of the Royal Society. Yol. 31. Nr. 206. 207. London 80. 8. 

Science Observer. Yol. HI. Nr. 6 — 8. Boston 81. 8. 

Troms 0 Museums Aarshefter III. Troms 0 80. 8. 

Bulletin de la societe Yaudoise des sc. naturelles. 2® Ser. Yol. XYII. Nr. 84. 
Lausanne 80. 8. 

Aa 249. 

Proeeedings of the Belfast Natural History and Philosophy-Soc. for the Ses- 
sions 78/80. Belfast 80. 8. 

Aa 250. 

Natuurkundig Tijdschrift voor Nederlandsch-Indie. Deel 39. 10. Ser. D. 9. 
Batavia 80. 8. 

Aa 251. 

The Norwegian North- Atlantic Expedition 1876/78* Zoology: Fishes. b. R. 
CoUet and Chemistry b. H. Torn 0 e. Christiania 80. 4. 


Qes. Isis in Dresden, 1881. — Sitzungsber. 


3 


32 


Aa 

252. 

Aa 

253. 

Ba 

14. 

Ba 

14. 

Ba 

16. 

Bc 

45. 

Bf 

6. 

Bf 

56. 

Bi 

1. 

Bi 

4. 

Bi 

81. 

Bi 

81. 

Bi 

81. 

Bk 

9. 

Bk 

13. 

Bk 

217. 

Bl 

36. 

Ca 

10b. 

Ca 

16. 

Cc 

59. 

Cf 

24. 

Cf 

24. 

Cf 

24. 

Cf 

24. 

Cf 

24. 

Cf 

24. 

Cf 

24. 

Cf 

24. 

Cf 

25. 

Cf 

25. 

Cf 

25. 

Cf 

25. 

Cf 

25. 

Cf 

25. 

Cf 

25. 

Cf 

25. 

Cf 

26. 


Bulletin de la Soc. Linneenne du nord de la France. Tome IV. Tome V. 
Nr. 91—98. Amiens 78/80. 8. 

Memoires de la Soc. des Sciences physiques et naturelles de Bordeaux. Tome IV. 
Cah. 1 — 2. Bordeaux 80. 8. 

Bulletin of the Mus. of comparatife Zoology at Harvard College. Vol. VI. 

Nr. 8-11. Vol. VIII. Nr. 1—3. and pag. 95-284. Cambridge 80/81. a 
Annual Report of tbe Mus. of comparatife Zoology at Harvard College, for 
1879 80. Cambridge 80. 8. 

Organe d. 1. societad zoologica argentina. Tomo III. Entrega 2 e 3. 

Balfour, M. F., Handbuch der vergleichenden Embryologie. Uebersetzt von 
Dr. B. Vetter. I. Bd. 1. u. 2. Heft. Jena 80. 8. 

Monatsschrift d. deutsch. Ver. zum Schutze der Vogelwelt. 3. u. 4. Bd. Halle 
1878/79. 8. 

Frenz el, Dr. A., Zur Naturgeschichte d. Edelpapageien. Merseburg 81. 8. 
Annales de la Soc. malacologique de Belgique. Tome X. 1 — 3. XH. Bruxelles 
1877/81. 8. 


Proces Verbaux de seances de la Soc. malacol. Annee 79. 81. pag. 53 — 91. 
Steenstrupp, J., Sepiella Gray. Stp. Kopenhagen 80. 8. 

„ „ Prof. Verrils to nye Cephalopod slaegter: Stenotheutis og 

Lestoteuthis. Kopenhagen 81. 8. 

„ „ De Ommatostrephagtige Blaeksprutters indbyrdes Forhold. 

Kopenhagen 80. 8. 

Berliner entomologische Zeitschrift. Inhaltsverzeichniss. Jahrg. 19 — 24 u. Bei- 
lage. Vereinsangelegenheiten. Berlin 80. 8. 

Annales de la Soc. entomologique de Belgique. Tome 23. 24. Bruxelles 80. 8. 
Berg, Dr. C., La vida costumbres de los Termitos. Buenos-Aires 80. 8. 
Menge, A., Preussische Spinnen. Danzig 1866 — 78. 8. 

Acta Horti Petropolitani. Tome VII. fase. I. Petersburg 80. 8. 

Bulletin de la Soc. royale de Botanique de Belgique. Tome 19. fase. 1. 2. 
Bruxelles 81. 8. 

Pariatore, F., Tavole p. unaAnatomia delle Piante aquatiche. Firenze 81. 8. 
Lanzi, Dr. M., II Polviscola Aereo, Osservazioni. Roma 71. 8. 

„ „ „ Diatomee raccolte in Ostia. 

„ „ „ ütilitä della Studio delle Diatomee. Roma 80. 8. 

„ „ „ Le Diatomacee raccolte dalla Spedizione della Soc. Geogr. 

Italia in Tunisia. Roma 76. 8. 

„ „ „ I Batteri Parasitti di Funghi. Osservazioni. Roma 76. 8. 

„ „ „ Sulla Origine e Natura dei Batterie. Roma 74. 8. 

„ „ „ Alcime Diatomacee raccolte in Fisole. Roma 75. 8. 

„ „ „ 11 Fungo della Ferula. Roma 73. 4. 

Trevisan, V., Cheilosaria, nuovo genere di Polyp. Platilomee. 

„ „ Note sur la tribu des Platystomees de la famille des Hypoxy- 

lacees. 

„ „ Conspectus Ordinum Prothallophytarum. 

„ „ MildeUa. Tipo di nuova Tribu di Felii Polipodiacee. 

„ „ Sul genere Dimelaena di Norman. 

„ „ Prime Linee dTntroduzione dello Studio dei Batteri Italiani. 

„ „ Crittogamia. Sülle Gerovaglinee, nuova tribu di Collemacee. 

„ „ Schema di una nuova Classificazione delle Epatiche. Milano 

1877. 4. 

Com es, Dr. 0., Osservazione su alcune specie di Funghi de Napoletano. Na- 
poli 80. 8. 


33 


Da 1. Abhandlimgen d. K. K. geol. Reichsaiistalt Bd. 12. Hft. 2. Wien 80. 4. 

Da 7. Journal of the Royal Geol. Soc. of Ireland. Vol. XV. Part III. Edinburgh 80. 8. 
Da 8. Memoirs of the Geological Survey of India. Vol. XV. 2. Vol. XVII. 1. 2. Cal- 
cutta 80. 8. 

Da 8. Memoirs of the Geological Survey of India. Paläontologia Indica. Ser. XIII. 
Ser. X. Vol. I. Pt. IV. V. Calcutta 80. 4. 

Da 11. Records of the Geol. Survey of India. Vol. XII. Part 4. Vol. XIII. Pt. 1. 2. 
Calcutta 80. 8. 

Da 17. Zeitschrift d. deutsch, geolog. Ges. XXIII. Bd. 4. Hft, Berlin 81. 8. 

Da 21. Report of the Chief Inspect. of Mines for the year 1880. Victoria 80. 4. 

Da 21. Report of the mining surveyors and registrars. 30. 9. 31. 12. Victoria 80. 4. 
Da 22. Annales de la Soc. Geologique de Belgique. Tome VI. Liege 79/81. 8. 

Db 40. Websky, Dr., lieber die Krystallform d. Descloizits u. d. Vanidinits von Cor- 
doba. Berlin 80. 8. 

Db 47. Stelzner, Dr. A., u. Schulze, Dr. H., lieber die Umwandlung d. Destilla- 
tionsgefässe der Zinköfen in Zinkspinell u. Tridymit. Freiberg 81. 8. 

Da 75. Loretz, Dr. H., Ueber Schieferung. Frankfurt a. M. 80. 8. 

De 120c. Bulletin of the Un. St. Geolog, and Geogr. Survey of the Territories. Vol. V. 
Nr. 4. Vol. VI. Nr. 1. Washington 80/81. 8. 

De 142. Jentzsch, Dr. A., Bericht über die geol. Durchforschung d. norddeutschen 
Flachlandes etc. I. Theil: Allgem. physik., geogr. u. alluviale Bildungen. 
Königsberg 81. 4. 

De 146. Geol. Specialkarte d. K. Sachsen. Bl. 75. Sect. Langenleuba. Bl. 115. Sect. 

Zschopau. Bl. 28. Sect. Grimma. Mit Erläuterungen. 

De 153. Friedrich, Dr. 0., Die Johnsdorfer Mühlsteinbrüche u. einige andere ver- 
wandte geognost. Vork. in d. Gegend v. Zittau. Zittau 80. 8. 

De. 154. Macar, J. de, Bassin de Liege. Trace des failles et alletres de couches. 
Liege 80. 8. 4 cartes. 

De 155. Bodmer, Terrassen u. Thalstufen d. Schweiz, ein Beitrag zur Erklärung der 
Thalbildung. Zürich 80. 4. 

Dd 66. Whitney, J. D., The Climatic Changes of Later Geological Times. Cam- 
bridge 80. 4. 

Dd 66 „ „ The Auriferons Gravels of the Sierra Nevada of California^ 

Cambridge 80. 4. with 

Lesquereux, Fossil Plants of the Awrif-Gravels Deposits. 

Dd 86. Meneghini, G., Nuovi fossili delle Alpi. Apuane 80. 8. 

Dd 107. Lieber, J., Zur Kenntniss d. nordböhm. Braunkohlenflora. Prag 80. 8. 

Ec 7. Annalen d. physik. Central-Observatoriums v. H. Wild. Jahrg. 79. Theil 1. 2. 
Petersburg 80. 4. 

Ec 52. Meteorologische u. magnetische Beobachtungen d. K. Sternwarte b. München. 
Jahrg. 80. 8. München 81. 8. 

Ee 3. Journal of the Royal Microscop. Soc. London, Petersbourg. Ser. II. Vol. I» 
Part I. 

Fa 7. Mittheilungen d. K. K. geogr. Ges. in Wien. 23. Bd. Jahrg. 80. Wien 80. 8. 

Fa 9. Bericht, 38., über d. Mus. Francisco-Carol. nebst 32 Liefer. d. Beiträge zur 
Landeskde. v. Oesterreich ob d. Ens. Linz 80. 8. 

Fa 18. Jahresbericht, II., d. geogr. Ges. zu Hannover 80/81. Hannover 81. 8. 

Fb 96. Burmeister, Description physique de la Republique Argentine. Tome HL 
nebst Atlas. Livraison II. Lepidopteres. Buenos-Aires 79/80. 4. 

Fb 109. Calliano, G., Die Ruine Rauenstein im Helenenthale nächst Baden b. Wien. 
Baden 81. 8. 

Fb 110. Procter, J., Klima, Boden, Wälder etc. von Kentucki, verglichen mit denen 
des Nordwestens. Frankfort, Kentucki 81. 8. 


34 


G 54. 
G 55. 

G 60. 
G 60. 

G 70. 

G 71. 
G 74. 

G 75. 
G 76. 

Ha 20. 
Ha 27. 
Hb 87. 

Hb 87. 

Hb 87. 
Hb 88. 
Hb 89. 
Hb 90. 
Jb 49. 
Jb 50. 

Jb 51. 

Jb 52. 

Je 36. 
Je 63. 
Je 69. 
Je 77. 

Je 78. 

Je 79. 


Bulletino di Paletnologia Italiana. Anno 6. Nr. 11. 12. Reggio 80. 8. 
Verhandlungen d. Berl. Ges. f. Anthropol., Ethnol. u. ürgesehiehte. Jahrg. 80. 
Jan. bis Hee. Berlin 80. 8. 

Pigorini, L., Antieo Sepolereto di Bavolone nel Veronese 80. 8. 

„ La Paletnologia nel Congresse internazionale Geografieo di Ve- 

nezia del 81. 8. 

Vierteljahrshefte, württembergisehe, f. Landesgesehiehte. Jahrg. III. Hft. 1 — 4. 
Stuttgart 80. 8. 

Pamätky, Arehäologike a Mistopisne. Dilu 11. sesit 9. 10. Praze 80. 8. 
Contributions to the Arehaeology of Missouri ete. of the St, Louis Aeademy 
of Seienee. Part I. Pottery. Salem 80. 4. 

Arehiv, neues, f. säehs. Geseh. u. Alterthumskde. I. Bd. Hft. 1—4. Dresden 80. 8. 
Steenstrupp, J. , Nogle i Aaret 1879 til Universitetsmuseet indkomine Bi- 
trag til Landets forhistoriske Fauna. Kopenhagen 80. 8. 

Versuehsstationen, die landwirthsehaftl. 26. Bd. Hft. 4. Berlin 81. 8. 

Gehe & Comp., Handelsbericht April 81. Dresden 81. 8. 

Trevisan, V., Sulla causa dell’ asfissia dei globuli del sangue nella difterite. 
1879. 8. 

„ „ Intorno alla comparsa della Phylloxera vastatrix nel Cant. d. 

S. Gallo. 

„ „ Della conv. di fondare vivai nazionali di viti resist alla filossera. 

Issel, Dr. A., Istruzioni scientifiche Pei Viaggiatori. Roma 81. 8. 

Pacini, F. Dr., Del Processo Morboso del Colera Asiatico etc. Firenze 80. 8. 
Grassi, E. Dr., II primo Anno della Clinica Osserica etc. Firenze 80. 8. 
Lanzi, Dr. M., Alcune Parole in Risposta al Signore Paolo Petit. Paris 79. 8. 
Trevisan, V., Dei Meriti Scientifici d. defunto Senat. Guiseppe d. Notaris. 
Milano 77. 8. 

Bericht über die Feier d. SOjähr. Doctorjub, d. Dr. H. Burmeister. Buenos- 
Aires 80. 8. 

Zur Gedächtnissfeier mehrerer um d. Zittauer Gymnasium hochverdienter 
Männer. Zittau 80. 8. 

Programm de la Soc. Batave de Philosophie Experimentale de Rotterdam 80. 8. 
Programm d. K. S. Polytechnikums z. Dresden. Studienjahr 80/81. Dresden 81. 4. 
Verzeichniss d. neuen W'erke d. K. öffentl. Bibliothek zu Dresden. Dresden 81. 8. 
Bericht über die Verwaltung d. K. Sammlungen f. Kunst u. Wissenschaft zu 
Dresden 78/79. Dresden 80. 8. 

Katalog d. Bibi. d. techn. Hochschule zu Braunschwleig. I. Abth. Braun- 
schweig 80. 8. 

Statuten d. Ges. zur Verbreitung wissensch. Kenntnisse in Baden. Baden 80. 8. 

Osmar Thüme, 

z. Z. I. Bibliothekar der Gesellschaft Isis. 



Druck von E. Blockmann & Sohn in Dresden. 


35 


ISTekrolog. 


Dr. €rottlob Ludwig Rabenhorst. 

Am 24. April d. J., 3^/4 Uhr Nachmittags, verschied sanft nach langen 
Leiden im 76. Jahre zu Meissen Herr Dr. Grottloh Ludwig Raben- 
horst, Ritter des Albrechtsordens , der bedeutendsten Forscher einer auf 
dem Gebiete der kryptogamischen Gewächse. Der Dahingeschiedene ward 
am 22 . März 1806 zu Treuenbrietzen in der preussischen Provinz Branden- 
burg, woselbst sein Vater, Carl Rahenhorst, Kaufmann und Kämmerer 
war, geboren. Seinen ersten Schulunterricht erhielt derselbe im Hause 
seiner Eltern durch Privatlehrer, später bei einem Geistlichen. War schon 
im Knaben die Lust, Pflanzen zu sammeln, frühzeitig erwacht, so musste 
sich dieselbe noch steigern, als R. im Jahre 1822 als Lehrling in die 
Apotheke seines Schwagers, des Apothekers Leidolt in Belzig, eintrat. 
Nach sehr fleissig vollbrachter Lehrzeit diente er vom Octoher 1825 
bis zum Octoher 1826 als Einjährig -Freiwilliger bei dem 20 . Infanterie- 
regiment in Brandenburg. In den nächsten Jahren arbeitete er, wie für 
Apotheker gesetzlich vorgeschrieben, in versQjiiedenen Apotheken Deutsch- 
lands und studirte dann in Berlin, wo er im Jahre 1 830 die Approbation 
zum Apotheker erster Klasse erlangte. Schon im folgenden Jahre kaufte 
R. die Apotheke in Luckau in der Lausitz und verheirathete sich mit 
Friederike geborene Krüger aus Treuenbrietzen, mit welcher er bis zum Jahre 
1840, zu welcher Zeit der Tod die Ehe trennte, die glücklichsten Jahre 
verlebte. Der praktischen Thätigkeit als Apotheker entsagte nun der 
Entschlafene durch den Verkauf seiner Officin und gleichzeitiger Ueber- 
siedelung nach Dresden. Hier widmete sich derselbe ganz den botanischen 
Studien und promovirte schon im Jahre 1841 zum Dr. philosoph. Im 
Jahre 1847 trat er eine auf längere Zeit berechnete Reise nach Italien 
an, um dieses schöne Land in botanischer Hinsicht zu erforschen. Er 
kehrte jedoch schon im Herbste desselben Jahres der in Italien herr- 
schenden politischen Gährung halber nach Dresden mit einer reichen Aus- 
beute an Kryptogamen zurück. Diese Reise, die ihn tief in die Abbruzzen 
führte, war mit den mannichfaltigsten Beschwerden und Gefahren ver- 
knüpft. In dem unruhigen Jahre 1849 vermählte sich R. zum zweiten 
Male. Seine ihn überlebende Gattin Louise geh. Beyer hat mit ihm eine 
sehr glückliche Ehe geführt. Aus seinen beiden Ehen sind ihm neun 
Kinder geschenkt, von denen er vier wieder verlor, darunter zwei Söhne 
im Alter von 18 und 19 Jahren, welche zu den besten Hoffnungen be- 
rechtigten. Die Auswüchse in den Miethpreisen für Wohnungen ver- 

Ges. Isis in Dresden, 1881. ~ Sitznngsber. 2. 4* 


36 


anlassten ihn, im Jahre 1875 seinen Wohnsitz von Dresden nach Meissen 
zu verlegen, wo er sich ein herrlich gelegenes Grundstück mit beschei- 
dener Villa kaufte. Dort lebte er still und zurückgezogen von der Welt, 
nur noch seiner Familie und seinen Studien, bis am 20. Februar d. J. 
ein Schlaganfall — der dritte seit 1875 — ihn an das Bett fesselte. In 
dieser Leidenszeit beschäftigten ihn immer noch Studien in dem von ihm 
mit so grossem Erfolge bebauten Felde und noch am 29. Mai 1880 stellte 
er dem Verf. dieses einen ansehnlichen Beitrag für die Sitzungsberichte 
der „Isis“ in Aussicht. Der 20. April d. J. brachte ihm leider einen 
vierten Schlaganfall; er verlor die Sprache und Besinnung und beendete 
sein thätiges Leben am viertfolgenden Tage. 

Ein kleiner Kreis Verwandter und Freunde war zu seinem Begräbniss 
herbeigekommen, darunter der Geh. Hofrath Dr. Geinitz, welcher am Grabe 
dem Entschlafenen namens der Leopoldin. - Carol. Akademie und der „Isis“ 
Worte des Dankes und der Anerkennung der hohen Verdienste desselben 
um die von ihm im Leben vertretene Wissenschaft, deren Pionnier er 
gewissermassen gewesen sei, widmete. 

Von seinen Werken und Sammlungen, die er im Dienste der Wissen- 
schaft schrieb und herausgab, sind aufzuzeichnen: 

Rabenhorst: Flora Lusatica. 2 Bde. 1839. 

— Populär-praktische Botanik. 1843. 

— Deutschlands Kryptogamen-Flora. 2 Bde. 1844 — 53. (Leipzig, 
Kummer.) 

— Die Süsswasser-Di^tomaceen (Bacillarien). 1853. 

— Flora des Königreichs Sachsen. 1859. 

Helmert und Rabenhorst: Elementarcursus der Kryptogamenkunde. 
1863. 

Rabenhorst: Beiträge zur näheren Kenntniss und Verbreitung der 
Algen. 1863 — 68. 

— Kryptogamenflora von Sachsen. Theil I: Algae, Musci, Hepa- 
ticae. Theil H: Lichenes. 1863. 

— Flora Europaea Algarum aquae dulcis et submarinae. 1864 - 68. 

Gonnermann und Rabenhorst: Mycologia Europaea. Abbildungen 
aller in Europa bekannter Pilze nebst Text. 9 Hefte. 1869 — 72. 
(Unvollendet.) 

Raben hörst: Hedwigia, ein Notizblatt für kryp togamische Studien. 
1852—78. 

— Die Algen Sachsens resp. Mitteleuropas. 100 Dec. mit 1000 
getrockn. Spec. 1848 — 61. 

— Algae Europ. exsicc. Fortsetzung der Algen Sachsens. Dec. 1 — 159 
mit mehr als 1600 getrockn. Species nebst Text. 1861 — 79. 

— Die Bacillarien Sachsens mit Tafeln und Originalspec. 1848 — 52. 

— Klotschii Herbarium vivum mycologicum sist. Fungorum per- 
totam Germaniam crescent. collectionem perfect. Bd. H. 
8 Cent. 1855—60. 

— Fungi Europaei exsiccati 26 Centurien. 1861—79. 

— Kryptogamensammlung, systematische Uebersicht über das 
Reich der Kryptogamen, in getrocknneten Exemplaren mit 
Illustrationen. Sect. I: Pilze. 151 Spec. 1876. 


37 


Rabenhorst: Cryptogamae vascuiares Europaeae, 5 Fase, mit 160 
getrockn. Species. 1858 — 72. 

— Bryotheka Europaea. Die Laubmoose Europas. Fase. 1—27 
mit über 1450 getrockn. Spec. 1858 — 75. 

— Eichenes Europaei. Die Flechten Europas. Ungefähr 1000 
Blätter mit getrockn. Flechten. 1855 — 79. 

— Cladoniae Europaeae. Die Cladonien Europas (mit Text ver- 
sehen). Ungefähr 500 Arten und Formen in getrockn. 
Exempl. 1860 — 63. 

Gott sehe und Raben hörst: Hepaticae Europaeae. Die Lebermoose 
Europas. Decas 1 — 66 mit 660 getrockn. Spec., vielen Kupfer- 
tafeln und Text. 1856 — 78. 

— Characeae Europaeae. 5 Fase. enth. 121 getrockn. Species. 

Im December des Jahres 1861 legte R. Grund zu einem Unterstützungs- 
fond für Wittwen und Waisen mittellos verstorbener Naturforscher Europas 
und verfasste einen vorläufigen Entwurf der Statuten. 

Bei einem Leben voll mühsamer Arbeit konnte es R. nicht an An- 
erkennungen und Auszeichnungen fehlen. Für die Flora Lusatica erhielt 
er von Sr. Maj. dem König Friedrich August von Sachsen im Jahre 1841 
zwei prachtvolle Vasen aus Meissner Porzellan übersendet. Als Anerken- 
nung für Deutschlands Kryptogamenflora verlieh ihm im Jahre 1845 Se. 
Maj. der König Friedrich Wilhelm IV. von Preussen die preussische gol- 
dene Medaille für Wissenschaft ünd Kunst, während ihm sein Landesherr 
mit der gleichen sächsischen Medaille auszeichnete. Auch der Nachfolger 
Friedrich Augusts, Se. Maj. der König Johann, anerkannte im Jahre 1864 
seine Verdienste durch Verleihung des Ritterkreuzes des Albrechtsordens. 
Im Jahre 1873 wurde ihm auf der Wiener internationalen Ausstellung in 
Folge der Ausstellung von Lehrmitteln seitens der Königl. Sächsischen 
Regierung die Verdienstmedaille zuerkannt. Im Jahre 1841 wurde er zum 
Mitglied der K. K. Leopold.-Carolin. Akademie der deutschen Naturforscher 
ernannt. Er war Ehrenmitglied der pharmaceutischen Gesellschaft in St. 
Petersburg (1840), des naturforschenden Vereins zu Brünn (1861), der 
naturforschenden Gesellschaft in Görlitz (1865), der schlesischen Gesell- 
schaft für vaterländische Cultur in Breslau (1861), der Gesellschaft „Isis“ 
in Dresden, sowie des naturwissenschaftlichen Vereins in Reichenberg 
(1865) etc. und correspondirendes und wirkliches Mitglied zahlreicher Ver- 
eine des In- und Auslandes. Im Jahre 1870 erhielt er für seine Flora 
Europaea Algarum von der Pariser Akademie den von Desmoziere gestif- 
teten Preis für die beste oder nützlichste Arbeit über Kryptogamen. Im Jahre 
1863 wurde von ihm gemeinsam mit W. Ph. Schimper der kryptogamische 
Reiseverein gegründet, wodurch R. und Sch. sich grosse Verdienste um 
die Durchforschung vieler Gebiete Europas durch die Anregung, die sie da- 
durch namhaften Gelehrten gaben, erwarben. 

In den 40 er Jahren wurde ihm wiederholt die Ehre zu Theil, von 
Sr. Maj. dem König Friedrich August von Sachsen in dessen Gesellschaft 
gezogen zu werden, auch ertheilte er Seiner Königlichen Hoheit dem 


38 


Prinzen Albert (jetzt Se. Maj. König von Sachsen), Unterricht in der 
Mikroskopie. Mit seinem Namen wurden folgende Pflanzen geschmückt: 

Campylodiscus Babenhorstii dänisch. 

Eunotia Babenhorstii Cleve et Grün. 

Binnularia Babenhorstii Ralfs. 

Symploca Babenhorstii Zeller. 

Schisosiphon Babenhorstianus Hilse. 

Micrasierias Babenhorstii Cohn et Kirchner. 

Ciiciirbitaria Babenhorstii Auerswald. 

Sordaria Babenhorstii. 

üromyces Babenhorstii J. Kunze = Uromyces Erythronü D. C. 

Üstilago Babenhorstiana Kühn. 

Geäster Babenhorstii J. Kunze. 

Agaricus galera Babenhorstii. 

Babenhorstia gen. Fries. 

R. war von seinen Standesgenossen hochverehrt. Jede au ihn ge- 
richtete Frage um diesen oder jenen Gegenstand des botanischen Wissens 
beantwortete er in der liebenswürdigsten Weise, öfter nach ein Paar 
Jahren, wenn sich augenblicklich keine gründliche Antwort auf eine solche 
Frage ertheilen Hess. Bei seiner Lectüre entging ihm kein Fehler, ohne 
dass er nicht eine berichtigende Notiz dem Autor schrieb, was ihm 
gewiss 7iianche Stunde Arbeit gebracht hat. Der Umgang mit ihm 
war höchst belehrend und aufmunternd. Gern unterhielt er sich über 
Musik und Theater, wozu ihm seine Ruhestunden sehr oft Gelegenheit 
gaben. Seine Correspondenz war eine ausgebreitete und bei seiner 
ihm angeborenen Noblesse eine gewiss kostspielige. Rabenhorst war Natur- 
forscher von Beruf und hatte es nicht nöthig, den Kampf um das Dasein 
zu führen, wenngleich er kein reicher Mann war, wie Manche glaubten. 
Seine Beziehungen zu Männern der Wissenschaft waren sehr zahlreich. 
Er verkehrte brieflich mit Alexander von Humboldt, den beiden Nees von 
Eseubeck, Alexander Braun, Ehrenberg, Kützing, Göjppert, de Brebisson, 
Nägeli, de Bary, Elias Fries, Hornung, Ascherson, Cohn etc. 

R. gehörte zu Denen, die im Anschauungsunterrichte einen wesent- 
lichen Vortheil für den Lernenden erblickten. Daher stammt auch seine 
Liebe, Sammelwerke zu veranstalten, die er denn auch bei seiner tiefen 
Kenntniss der Formen der kryp togamischen Gewächse auf das Zweck- 
mässigste ausstattete. Die extremen Anschauungen über die Gebilde der 
Natur billigte er nicht, er trat ihnen aber auch nicht schroff entgegen, 
wie es sein wohlwollender Charakter nicht anders mit sich bringen konnte. 

Bewahren wir dem Verewigten das dankbarste Gedächtniss. Wohl 
uns, dass wir uns seiner noch immer erfreuen können, weil er noch unter 
uns weilt in seinen Werken und weil er uns einen Grundbau hinteiiassen, auf 
dem wir in seinem Geiste weiter bauen können. So wird sein Name auch 
späteren Zeiten zum Segen gereichen und das Grosse und Würdige, was 
er geleistet hat, wird fortdauernd Saat und Ernte sein. C. Bl. 


39 


L Section für Mineralogie und Geologie. 


Vierte Sitzung’ am 13. October 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Herr Dr. Deichmüller , Assistent am K. Mineralogisch-geologischen 
und prähistorischen Museum, referirt über die zwei folgenden Schriften: 

1) H. Credner, Die Stegocephalen (Lahyrinthodonten) aus dem Roth- 
liegenden des Plauenschen Grundes bei Dresden. I. Theil. (Zeit- 
schrift der deutschen geolog. Ges. 1881. pag. 298.) 

Die geringe Zahl der bisher bekannten Stegocephalenreste aus dem 
Carbon und Perm Deutschlands ist neuerdings durch die Entdeckung 
zahlreicher Ueberreste dieser Sauriergruppe im Rothliegenden des Plauen- 
schen Grundes bei Dresden beträchtlich vermehrt worden.*) Dieselben 
entstammen dem unteren der beiden Kalkflötze, welche den oberen 
Schichten der unteren Dyas oder dem mittleren Rothliegenden des Wind- 
berges eingelagert sind, und welches bei Niederhässlich bei Deuben unter- 
irdisch abgebaut wird. Das Gestein ist ein grauer, durch dünne Letten- 
schichten in ebene Platten abgesonderter dolomitischer Kalk. Die wenigen 
bisher von dieser Localität bekannten organischen Reste sind in Geinitz, 
Dyas beschrieben und beschränken sich auf einen Saurierzahn (Onchiodon 
lahyrintMcus Gein.^, Ueberreste eines Fisches aus der Familie der Sau- 
roiden, eine Anthracosia und von Pflanzen auf Aster ophyllites spicatus 
Guth. und Annularia carinata Gutb. Das Museum der geologischen 
Landesuntersuchung von Sachsen ist nun in Besitz einer grossen Anzahl 
der erwähnten Stegocephalenreste gelangt und beabsichtigt der Verfasser, 
das artenreiche Material in einer Reihe von Aufsätzen zu behandeln, 
deren jeder eine oder mehrere Species einer Gattung enthalten soll, und 
liegt das 1. Heft, die Gattung Branchiosaurus Fritsch mit Br. gracilis 
Credner vor. 

Zu dieser Gattung gehören nach Fritsch auch Protriton und Pleu- 
roneura Gaudry, doch ist "der Name Branchiosaurus vorzuziehen, weil 
dieser nicht nur der ältere ist, sondern auch Fritsch zuerst eine genaue 
Beschreibung dieser Gattung gab und ihr die Stellung bei den Stegoce- 


Vergl. H. B. Geinitz, Sitzungsber. Isis. Dresden 1881. pag. 4. 


40 


phalen zuwies. Von den fünf böhmischen Arten derselben kommen beim 
Vergleich mit den sächsischen Exemplaren nur Br. salamandroides und 
umbrosus Fritsch in Betracht, und ist vor Allem Ersterer wegen seines 
vortrefflichen Erhaltungszustandes zu berücksichtigen, auch ist der Letztere 
vielleicht nur als Abkömmling des Ersteren anzusehen. Die sehr ein- 
gehende Untersuchung der Reste von ca. 100 Individuen der sächsischen 
Art, deren Länge zwischen 45 und 70 mm schwankte, führt zu folgendem 
Resultate: Bramhiosaurus gracilis Credner hat eine viel schwächere und 
schlankere Wirbelsäule, mächtiger entwickelte Chorda, stärker hervor- 
tretende und ausgeschweifte Querfortsätze der Wirbel und schmale und 
spitzfünfseitige Supraoccipitalia. Ober- und Unterschenkelknochen sind 
länger und schlanker, als die des Ober- und Unterarmes, wodurch die 
hinteren Extremitäten länger erscheinen, während bei Br. salamandroides 
Fritsch das umgekehrte Verhältniss stattfindet. Alle diese Unterschiede 
lassen die sächsische Art schlanker und zierlicher erscheinen, als die böh- 
mische und haben den Verfasser veranlasst, erstere als neue Art auf- 
zustellen. 


2) H. Credner, Die geologische Landesuntersuchung des Königreichs 
Sachsen während der Jahre 1878 — 81. (Mittheil. d. Ver. f. Erd- 
kunde. Leipzig 1880.) 

Bis zum Jahre 1878 waren ausser einer im Interesse der geologischen 
Landesuntersuchung unternommenen Zusammenstellung aller auf die geo- 
logischen Verhältnisse Sachsens bezüglichen Schriften durch A. Jentzsch: 
„Die geologische und mineralogische Literatur des Königreichs Sachsen 
von 1835 — 73. Leipzig 1874“ von der geologischen Specialkarte nur sechs 
Blätter erschienen, die bis zum Mai 1881 um weitere 18 Blätter vermehrt 
wurden, während 11 Blatt noch in diesem Jahre vollendet werden. Jeder 
Karte sind Randprofile und ein Heft Erläuterungen beigegeben, um den 
Ueberblick über den geologischen Bau der betreffenden Gegend zu erleich- 
tern. Ausserdem sind noch Ueber sichtskarten mit kurzen Erläuterungen 
in Aussicht genommen, von denen die erste, das sächsische Granulitgebirge 
umfassend, noch in diesem Jahre erscheinen wird, nachdem schon 1880 
ein ,, Geologischer Führer durch das sächsische Granulitgebirge“ veröffent- 
licht worden ist. 

Die bereits erschienenen, resp. noch im Laufe dieses Jahres voll- 
endeten 35 Blätter vertheilen sich auf fünf verschiedene geologische Gebiete : 

1) Dem Erzgebirge gehören die Sectionen Annaberg, Elterlein, 
Marienberg, Geyer, Zschopau, Lossnitz und Burkhardtsdorf an. In diesem 
Gebiete kommen ausser untergeordneten tertiären Ablagerungen und dilu- 
vialen und alluvialen Absätzen der Flüsse, Torfen und Mooren nur Glieder 
der Gneiss-, Glimmerschiefer- und Phyllitformation' Cambrium und 
Eruptivgesteine zur Darstellung. Die ersteren beiden sind durch Museo vit- 


41 


und zweiglimmerige Gneiss- und Glimmerschiefer in zahlreichen Abänder- 
ungen und Uebergängen vertreten, mit untergeordneten Einlagerungen 
von krystallinischen Kalksteinen, Amphiboliten , Magneteisenerzen u. A., 
Phyllitformation und Cambrium können im Erzgebirge wegen zahlreicher 
Uebergänge und grosser petrographischer Aehnlichkeit nicht scharf von 
einander getrennt werden. Die Eruptivgesteine treten als Granite, Sye- 
nite, Glimmerdiorite und -porphyrite, Quarzporphyre und Basalte auf. 
Besonderes Interesse nehmen die Erscheinungen des Contactmetamorphis- 
mus in Anspruch, die sich hofartig um den Granitstock von Aue geltend 
machen und die von Dr. Dalmer näher beschrieben worden sind. 

2) Im erzgebirgischen Becken mit den Sectionen Chemnitz 
(zwei Blatt), Stollberg-Lugau (mit zwei Profiltafeln), Lichten stein und 
Zwickau (mit einem Blatt Profilen) und Theilen der Sectionen Hohenstein, 
Glauchau, Burkhardtsdorf und Lössnitz ist vor Allem die Steinkohlen- 
formation und das Kothliegende mächtig entwickelt, neben untergeordneten 
Ablagerungen von Zechstein und buntem Sandstein. Das Kothliegende 
überlagert das dortige Carbon discordant, da zwischen beiden eine bedeu- 
tende Denundation des letzteren stattgefunden hat, und ist Ersteres, vor- 
läufig nur für das erzgebirgische Becken, wegen der Lagerungsverhältnisse 
der einzelnen Schichtencomplexe' zu den Porphyren und Melaphyren in 
ein unteres, mittleres und oberes getheilt worden. Die Untersuchungen 
des paläontologischen Materials ergaben das Resultat, dass das Carbon 
des erzgebirgischen Beckens den Saarbrückener und unteren Ottweiler 
Schichten im Saar-Rheingehiet entspricht, ohne scharfe Grenze zwischen 
beiden, in Böhmen den Schwadowitzer und Miröschauer Schichten. Die 
von der carbonischen scharf getrennte Flora des dortigen Rothliegenden 
zeigt als Hauptcharaktere einen grossen Reichthum an Farnen, Coniferen 
und Cordaiten, das Auftreten echter Cycadeen, die Armuth an Lycopodiaceen, 
Sphenophyllen und an Pflanzen überhaupt im Vergleich zum Carbon. Sie 
stimmt mit der von Saalhausen ganz, mit der von Weissig und dem Roth- 
liegenden des Plauenschen Grundes im Wesentlichen. Dem Rothliegenden 
des erzgebirgischen Beckens entsprechen am besten die Ablagerungen von 
Braunau und Ottendorf, Wünschendorf, Neurode und Naumburg in der 
Wetterau. Wegen des wenn auch höchst seltenen Auftretens von Cal- 
lipteris conferta, Psaronius, Calamitea striata und histriata und Walchia 
piniformis in der Steinkohlenformation des Plauenschen Grundes wird auf 
ein jüngeres Alter derselben geschlossen und sie zum Kohlenrothliegenden 
von Weiss gestellt. 

3) Das Granulitgebirge (Mittelgebirge) mit den Sectionen Wald- 
heim, Döbeln, Penig, Mittweida, Hohenstein, Glauchau, Frankenberg- 
Hainichen und Schellenberg-Flöha besteht im Wesentlichen aus Granulit-, 
Glimmerschiefer- und Phyllitformation mit Silur, Devon und Kulm an der 
äussersten Grenze. Die vorherrschenden Gesteine sind Granulit mit Bänken 
von Biotit-, Cordierit-, Granatgneiss , Amphibolschiefer etc., Garben- und 


42 


Fruchtschiefer und Phyllite, welch letztere bei Hainichen durch Epidot- 
Amphibolschiefer vertreten sind. Durchsetzt wird das Gebiet von zahl- 
reichen granitartigen, seltene Mineralien führenden Gänge. 

4) Der von den Thälern der Mulden durchfurchte nordwestliche 
Abfall des Mittelgebirges mit den Sectionen Leisnig, Colditz, Roch- 
litz, Frohburg , Langenleuba und Grimma wird besonders vom Roth- 
liegenden, von Eruptivgesteinen und Tuffen derselben gebildet, die sich 
flach auf die Schichtenköpfe der die Granulitzone umgebenden Glimmer- 
schiefer, Phyllite und devonischen Gesteine auflagern, überdeckt von braun- 
kohlenführendem Oligocän und Diluvialgebilden. Die mit den Eruptiv- 
gesteinen (Quarzporphyren, Porphyriten etc.) verbundenen Tuffablagerungen 
werden von Gängen verschiedener Porphyre und Pechsteine durchsetzt. 

5) Auf den dem Leipziger Flach lande angehörenden Sectionen 
Lausigk, Borna, Liebertwolkwitz und Naunhof sind, wenige silurische Grau- 
wacken, Porphyre, Porphyrite und Tuffe ausgenommen, nur Oligocän, Di- 
luvium und Alluvium vertreten. Ersteres gliedert sich in drei Abthei- 
lungen, deren mittlere, das marine Oligocän, nur im Innern der Leipziger 
Oligocänbucht, auf den Sectionen Leipzig und Liebertwolkwitz entwickelt 
ist, während an anderen Orten nur die untere und obere Abtheilung mit 
ihren weissen Sanden, Kiesen, Thonen und Braunkohlenflötzen vertreten 
ist. Das Diluvium der genannten Sectionen weist nur Gebilde der Eis- 
zeit, Rundhöcker, Gletscherschliffe, nordische Geschiebe und altdiluviale 
Absätze der Flüsse mit ihren meist dem Erzgebirge entstammenden Ge- 
röllen auf. Ein besonderes Gewicht wurde bei diesen Sectionen auf die 
Nutzbarmachung der geologischen Specialkarte für die Landwirthschaft 
gelegt. 

Weitere 18 Sectionen, und zwar im Erzgebirge: Kupferberg, Zöb- 
litz , Schwarzenberg , Kirchberg , Ebersbrunn , Schneeberg , Eibenstock, 
Falkenstein und Plauen; im er zgebirgi sehen Becken: Meerane; im 
Mittelgebirge: Rosswein und^Langhennersdorf; im Leipziger Flach- 
lande: Brandis, Leipzig, Thallwitz, Pegau und Zwenkau; im Lausitzer 
Hügellande: Stolpen, sind schon in Angriff genommen oder sollen noch 
im Laufe dieses Jahres begonnen werden. — 

Hierzu bemerkt Herr Geh. Hofrath Geinitz, dass die Gründe, welche 
für die Stellung der Steinkohlenformation des Plauenschen Grundes zu den 
tiefsten Schichten des Rothliegenden angeführt werden, wohl keinenfalls 
genügend sind, dass man vielmehr die als Beweise hierfür bezeichneten 
wenigen Pflanzenreste wohl nur als Vorläufer für die in der Zeit des Roth- 
liegenden später erfolgte volle Entwickelung dieser Arten betrachten könne. 
Er macht ferner darauf aufmerksam, dass sich die Ablagerung der so- 
genannten grauen Conglomerate an der Basis der unteren Dyas oder des 
unteren Rothliegenden im Gebiete des Plauenschen Grundes ganz ähnlich 
entwickelt habe, wie in dem erzgebirgischen Bassin. 


43 


Herr Dr. Deich mü Iler berichtet ferner über das Vorkommen ceno- 
maner Versteinerungen im Gebiete des unteren Quaders und unteren Plä- 
ners in der Gegend von Dohna. (S. Abh. XL) 

Der Vorsitzende bespricht hierauf die ältesten Spuren fossiler Pflanzen 
in Sachsen, die er aus dem Dachschiefer von Lössnitz, aus dem Frucht- 
schiefer von Weesenstein und aus dem körnigen Kalke von Tharandt vor 
Augen führt und giebt ferner Nachweise über eine spärliche fossile Flora 
in dem Porphyrtuff des Kohlberges bei Schmiedeherg, (S. Abh. IX.) 

Herr 0. Thüme erfreut die Anwesenden durch eine eigenthümliche 
Concretion von Brauneisensand in der Form einer zierlichen ^ im Quader- 
sandstein von Posteiwitz, welche in dem allen Besuchern unseres K. Mine- 
ralogischen Museums wohlbekannten Curiositäten - Schranke Aufnahme 
finden soll. 


Fünfte Sitzung am 8. Deceinher 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Die nach Beginn der Sitzung vorgenommene Wahl der Beamten für 
das Jahr 1882 ergab folgendes Kesultat: 

Zum Vorsitzenden wurde gewählt: 

Herr Realschul- Oberlehrer H. Engelhardt. 

Als dessen Stellvertreter: Herr Bergingenieur Purgold. 

Als Protokollant: Herr Dr. W. Pah st. 

Als dessen Stellvertreter: Herr Carl Härter, Assistent für Geo- 
däsie am Königl. Polytechnikum. 

Der bisherige Vorsitzende legt die Carta geologica d’Italia, 
publicata per cura delle Ufficio geologica, 1881, im Massstabe von 
1 : 1,000,000, vor, welche ihm Herr Dr. A. Stübel von dem in Bologna 
1881 abgehaltenen Geologen-Congress freundlichst mitgebracht hatte, und 
berichtet nach den ihm von dieser Seite gewordenen Unterlagen über den 
Besuch und den Verlauf dieses zweiten internationalen Congresses. 

Es sei hier aus einem Berichte des Professor Carl A. Zittel, Mün- 
chen,"^) darüber noch hervorgehoben: ,,Eine grosse Tragweite gewannen 
die Berathungen über Herstellung einer einheitlichen Colorirung der geo- 
logischen Karten, Man einigte sich leicht über die wesentlichsten Ge- 
sichtspunkte und auf Antrag von Dr. Mojsisovics, Wien, wurde die Her- 
stellung einer geologischen Ueber sichtskarte von Europa mit Zugrunde- 
legung der angenommenen Farben-Scala beschlossen. Ueber den Mass- 
stab, über die Behandlung der Topographie, über die Kosten, überhaupt 
über die ganze Ausführung einer solchen Karte gab der Director der 
preussischen Landesanstalt, Geheimrath Hauchecorne, Berlin, so sach- 
kundige und eingehende Aufklärung, dass der Congress fast einstimmig 
Berlin als den Ort für die Herausgabe der Karte und die bekannte 

*) Beilage zur Allgemeinen Zeitung, Nr. 308, 1881. 


44 


Dechen’sche geologische lieber sichtskarte von Deutschland hinsichtlich des 
Massstabes und der Terrainbehandlung als Muster bestimmte. Die Ge- 
heimräthe Beyrich und Hauchecorne, Berlin, welchen ein aus sechs 
Mitgliedern — Daubree, Paris, Giordano, Rom, v. Mojsisovics, 
Wien, V. Möller, St. Petersburg, Topley, London und Renovier, 
Lausanne — bestehendes internationales Comite die Materialien liefern 
wird, sind mit der Ausführung dieser grossen Aufgabe betraut.“ — 

Hierauf entwickelt Herr Dr. W. Pa bst in einem eingehenden Vor- 
trage über die mikroskopische Beschaffenheit der Gesteine die Methoden 
der Gesteinsuntersuchung in der modernen Petrographie *) unter Vorlegung 
und Erläuterung zahlreicher von ihm ausgeführter Präparate und deren 
Abbildungen. 


Vergl. seine Aufsätze in der Zeitschrift „Natur‘‘ 1881. Nr. 9. 15. 19. 


45 


11. Section für Botanik. 


Fünfte Sitzung’ am 6. October 1881. Vorsitzender: Prof. Dr. Drude. 
Herr Osmar Thüme legt Pflanzen des höchstgelegenen sächsisch- 
erzgebirgischen Hochmoores, des sogen. Kranichsees bei Karlsfeld, vor 
(Juncaceen, Carices, Empetrum, Swertia perennis, emch Mulgedium alpinum 
var. flore albo, Gnaphalium norwegicum und Streptopus amplexifolius von 
Oberwiesenthal) und schildert den dortigen Vegetationscharakter. 

Der Vorsitzende legt im Anschluss an Herrn 0. Thüme ’s Vortrag 
über Chamisso’s Leben (siehe Hauptversammlung vom 29. September) 
ein Aquarellbild der schönen Cocospalme St. Catharina’s an der brasilia- 
nischen Küste neben Prov. Rio Grande do Sul, Coeos Eomamoffiana 
Cham., vor; dasselbe ist von Chamisso und dem Zeichner der Rurik- 
Expedition Choris entworfen und befindet sich durch eine Schenkung 
Chamisso’s an den verstorbenen v. Martins im Königl. Herbarium zu 
München, von wo es augenblicklich hierher ausgeliehen ist. Die Palme, 
wahrscheinlich in der ganzen benachbarten Provinz Rio Grande do Sul 
und in Parana weit verbreitet und durch grosse, dem Aquarell nach am 
Stamm herabhängende Blüthenkolben ausgezeichnet, ist von Chamisso 
bestimmt worden, den Namen des Anstifters jener berühmten Rurik-Expe- 
dition der botanisch arbeitenden Nachwelt zu überliefern. 

Der Vorsitzende behandelt dann als Hauptvortrag „Schleiden’s Ein- 
fluss auf die Entwickelung der Botanik 1840 — 1856“, veranlasst durch den 
am 23. Juni d. J. zu Frankfurt a. M. erfolgten Tod des berühmten geist- 
reichen Reformators der Botanik und Begründer der entwickelungs- 
geschichtlichen Richtung in derselben, Matthias Jacob Schleiden.*) 
Herr Geh. Hofrath Geinitz fügte Personalnotizen zu Schleiden’s 
Leben hinzu und erwähnte, dass derselbe während seines Aufenthaltes in 
Dresden Mitglied unserer Gesellschaft Isis und kürzere Zeit hindurch auch 
Vorsitzender der botanischen Section gewesen sei. 


Die wichtigsten Personalnotizen finden die Benutzer unserer Gesellschafts- 
bibliothek in der „Botanischen Zeitung“ 1881, Nr. 32 (p. 519 — 520) durch de Bary 
kurz zusammengestellt. 


46 


Sechste Sitzung am 17. November 1881. Vorsitzender: Professor 
Dr. Drude. 

Wahl der Beamten für die zoologische und botanische Section (siehe 
Bericht der Hauptversammlung). 

Herr A. Weber referirt über zwei einander in ihren Resultaten sich 
direct widersprechende Untersuchungen in Betreff der Nützlichkeit von 
thierischer Nahrung für carnivore Pflanzen, beide angestellt an Droseren; 
die beiden Arbeiten sind: E. v. Regel, ,,Ueber Fütterungsversuche mit 
Drosera longifoUa Sm. und Drosera rotundifolia L.“ Gartenflora, 1879, 
p. 104), deren Resultat gegen Charles und Francis Darwin’s Mei- 
nung und Untersuchung die Nützlichkeit animalischer Kost leugnet; ferner: 
M. Rees, ,,Vegetationsver suche an Drosera rotundifolia mit und ohne 
Fleischfütterung. Ausgeführt von Dr. Ch. Kellermann und Dr. E. von 
Raumer“ (Botanische Zeitung, 1878, Nr. 14 und 15). Nach ausführ- 
licher Beschreibung der in beiden Versuchsreihen innegehaltenen Methoden 
und der Finzelresultate hebt Ref. im nothwendigen Vergleich der ein- 
zelnen, im Widerspruch stehenden Ergebnisse der beiden Arbeiten Fol- 
gendes hervor: „Die Resultate lauten: 

a) Für das Allgemeinbefinden der Pflanzen: 


Bei V. Regel: 

Die ungefütterten Pflanzen wuchsen 
auffallend kräftiger, als die gefütter- 
ten. Nach der Ueher Winterung waren 
die gefütterten Pflanzen theils ab- 
gestorben, theils bildeten sie weniger 
kräftige Triebe, als die ungefütterten. 


Bei Rees: 

In gesundem Aussehen war eine 
entschiedene Bevorzugung der ge- 
fütterten, gegenüber den ungefütter- 
ten Pflanzen, nicht zu verkennen.*) 
Nur hinsichtlich der Bildung der 
Seitenknospen waren die ungefütter- 
ten Pflanzen im Vortheil vor den 


gefütterten. 

b) Für die Entwickelung der vegetativen Organe: 


Bei V. Regel: 

Die Blätter der gefütterten Pflan- 
zen bekamen schwarze Flecke und 
verdarben zum Theil ganz, so dass 
die Fütterung zuweilen eine ganze 
Woche eingestellt werden musste, 
weil zu befürchten stand, dass die 
ganze Pflanze verderben könnte. 


Rees 

erwähnt nichts über das Aussehen 
der Blätter; da er aber den gefüt- 
terten Pflanzen insgesammt ein ent- 
schieden günstigeres Aussehen zu- 
schreibt, so sind sicherlich die Blät- 
ter dabei inbegriffen. Er findet aber, 
dass die Durchschnittsblattzahl, die 
zu Anfänge des Versuches zu Gunsten 
der ungefütterten Pflanzen stand, 
nach beendigtem Versuche zu Gun- 
sten der gefütterten umschlug. 


'*) Nach seiner Angabe sollen auch bei Fr. Darwin die gefütterten und nicht gefüt- 
terten Sätze schon in Wuchs und Farbe zu Gunsten der gefütterten zu erkennen gewesen sein. 


47 


c) In den Reproductionsorganen: 


Bei Rees (und Darwin) 
finden wir das gegentheilige 
gebniss. 


Er- 


Bei V. Regel 

sind die ungefütterten Pflanzen den 
gefütterten überlegen 

1) in der Zahl der Samenkapseln ; 

2) im Gewicht derselben; 

3) in der Zahl der darin enthal- 
tenen Samen; 

4) im Gesammtgewicht der Samen. 

Die einzige Uebereinstimmung herrscht darin, dass die einzelnen Samen 

der gefütterten Pflanzen schwerer waren, als die der nicht gefütterten. 

Diese Erscheinung sucht aber Regel damit zu erklären, dass die 
Samen der gefütterten Pflanzen sich besser ausbilden konnten, weil ihrer 
weniger in einer Kapsel vorhanden waren, und dieser scheinbare Vortheil 
werde durch die viel bedeutendere Anzahl der Samen, welche die ungefüt- 
terten 'Pflanzen trugen, zu Gunsten der letzteren umgewandelt. 

Auffällig ist, dass sich nach Rees kein Unterschied im Stickstoff- 
gehalt der Samen gefunden hat. Man sollte meinen, wenn die Broseren 
wirklich fleischfressende (oder besser: fleischverdauende) Pflanzen seien, 
dann müsste sich auch ein höherer Stickstoffgehalt im Samen der gefüt- 
terten Pflanzen nachweisen lassen. 

Noch sei auf zwei Verschiedenheiten der Versuchsmethoden hin gewiesen : 

1) Nach Rees’ Bericht ist von Raumer und Kellermann mit Blatt- 
läusen, bei V. Regel aber mit Fleischstückchen gefüttert worden. 
Rees hält aber schliesslich — nach Francis Darwin ’s Er- 
folgen — die Fleischfütterung für vortheilhafter. 

2) Nach V. Regel sind die Pflanzen künstlich befruchtet worden. 
Rees erwähnt nichts über die Befruchtung. Da nun sowohl bei 
künstlicher, als auch bei natürlicher Befruchtung der Befruch- 
tungsact sehr ungleichmässig ausfallen kann, so können auch die 
Versuchsergebnisse über die Zahl der Samenkapseln, die Zahl der 
Samen und deren Gewicht keinen entgiltigen Entscheid geben.“ 

A. Weber. 


Der Vorsitzende bespricht darauf das Vorkommen der Krummholz- 
kiefer in Sachsen, im Anschluss an eine ihm von Herrn Conservator 
A. Weise in Ebersbach (Oberlausitz) zugegangene Sendung, Zweige 
und Zapfen der Oberlausitzer Krummholzrace enthaltend, welche der Ver- 
sammlung vorgelegt und in Bezug auf die Unterschiede gegen die erz- 
gebirgische Krummholzrace durch deren Vergleich erläutert werden. (Siehe 
„Abhandlungen“ Nr. XII.) 

Herr Geh. Hofrath Geinitz hatte Rindenstücke von Sequoia (Wel- 
lingtonia) gigantea aus Californien zur Ansicht gebracht. 


48 


UL Section für vorhistorische Forschungen. 


Zweite Sitzung; am 3. Movember 1881. Vorsitzender: Hofapotheker 
Dr. Caro. 

Zur Vorlage und Besprechung gelangen eine Anzahl werthvoller 
illustrirter Schriften über vorgeführte Funde in der Grafschaft Wernige- 
rode, herausgegeben vom Sanitätsrath Dr. Friedrich daselbst. Dieselben 
sind von dem Verfasser der Isisbibliothek zum Geschenk gemacht. 

Fernerhin gelangt zur Vorlage das erste Heft eines illustrirten Samm- 
lungswerkes für Vorgeschichte, herausgegeben vom Alterthumsverein des 
Regierungsbezirkes Marienwerder. Die Fundobjecte sind durch photo- 
graphischen Druck hergestellt, welche Methode sich für vorliegende Fälle 
durch Zweckmässigkeit und Billigkeit auszeichnet. 

Frau Floren'tine Siemers hält hierauf einen Vortrag über „Insel- 
schanzen in den schottischen Seen“ und erläutert ihre Ausführungen durch 
eine grosse Anzahl Zeichnungen. 

Herr Dr. Caro bespricht die geistige Entwickelung und den Glauben 
der alten Germanen. 

Herr Dr. Deichmüller giebt einige Notizen über prähistorische 
Funde bei Dux in Böhmen und legt die entsprechenden Skizzen vor. 

Herr Geh. Hofrath Prof. Dr. Geinitz giebt folgendes Referat zu 
den Sitzungsberichten : 

John Evans, The ancient Bronze implements, weapons, and Orna- 
ments of Great Britain and Ireland. London, 1881. 8®. 509 p. 540 Holz- 
schnitte im Text. (Vorgetragen in der Hauptversammlung am 24. No- 
vember 1881.) 

Der Verfasser hatte schon früher die „Ancient Stone Implements etc. 
of Great Britain“ bearbeitet und hat nun seine eingehenden Forschungen 
auf die Bronzezeit ausgedehnt, worüber sein stattliches Werk hier vor 
Ihnen liegt. Eine scharfe Grenze zwischen Stein- und Bronzezeit oder 
zwischen Bronze- und Eisenzeit lässt sich auch in Britannien nicht ziehen. 
Auch ist der Gebrauch des Kupfers während der Bronzezeit keineswegs 
ausgeschlossen. Von einem Kupferalter' liegen jedoch in Europa nur sehr 
schwache Spuren vor, wenn dasselbe auch für Nordamerika Geltung haben 
mag. Interessanten historischen Notizen über die Verwendung der Me- 
talle bei den Alten folgen in verschiedenen Abschnitten die Beschreibungen 


49 


und Abbildungen der verschiedensten Bronzegeräthe, wie der Gelte, wel- 
ches Wort dem lateinischen celtis oder celtes, Meisel, entstammen soll und 
von welchen flat celfs oder flache Gelte, flanged celts oder Kragencelte, 
tüinged celts oder Flügelcelte und Palstäbe, mit und ohne henkelartige 
Schnürlocher (loops) , und socJceted celts, Dillen- oder Hohlcelte, welche 
meist mit einem henkelartigen Schnürloche versehen sind, unterschieden 
werden. Hiervon führen die Abbildungen 179 verschiedene, zum Theil 
eigen thümlich verzierte Formen vor. Die Befestigungsart der verschie- 
denen Gelte ist im 6. Kapitel ausführlich beschrieben und sind durch die 
Figuren 180 — 189 noch besonders veranschaulicht. Das 7. Kapitel be- 
handelt die mannichfachen Meisel (chisels), Hohlmeisel (gouges), Hämmer, 
Ambos und andere Werkzeuge, wie namentlich Sägen und Feilen, Zangen, 
Pfriemen und Angelhaken (Fig. 190 — 230). Sicheln verschiedener Art 
werden im 8. Kapitel Fig. 231 — 238 abgebildet, Messer und Rasirmesser 
behandelt in grosser Mannichfaltigkeit Kapitel 9 mit den Abbildungen 
239—276; Dolche und deren Hefte nebst Rapieren werden im 10. und 
11. Kapitel besprochen mit den Abbildungen 277 — 341; die Schwerter 
folgen im 12. Kapitel mit den Abbildungen 342 — 363; hieran schliessen 
sich Kapitel 13 die dazu gehörigen Scheiden und Halter (scabbards und 
chapes) mit den Figuren 364 — 377; zahlreiche Köpfe von Lanzen oder 
Speeren in Kapitel 14 mit Abbildungen 378—427, unter denen sehr ab- 
weichende Formen auftreten. Schilden und Helmen ist das 15. Kapitel 
gewidmet (Fig. 428 — 437); Trompeten und eine eigenthümliche Klingel 
oder Klapper werden unter Fig. 438—446 beschrieben; die Gewandnadeln 
oder Pins sind Kapitel 17 besprochen und in den Figuren 447 — 465 ab- 
gebildet, worauf in dem Kapitel 18 elegante Halsringe (torques), Arm- 
ringe (bracelets), Ohrringe und andere Schmucksachen (Fig. 466 — 492) 
entgegentreten, während Kapitel 19 mit Fig. 493 — 508 Schnallen, Knöpfe 
u. s. w. , Kapitel 22 die schönen Gefässe., Kessel u. s. w. aus Bronze 
vorführen. 

Kapitel 21 verbreitet sich über die Art der Metallgemenge, Formen 
und die Methode der Anfertigung der Bronzegeräthe (Fig. 509 — 540; Ka- 
pitel 22 sucht die Ghronologie und den Ursprung der Bronze festzustellen, 
wobei der Verfasser folgende Resultate gewinnt: 

1) dass flache Gelte und Dolchmesser, welche häufig in Hünengräbern 
(barrows) gefunden werden, selten in Menge beisammen Vor- 
kommen; 

2) dass Kragencelte (flanged celts) und Palstäbe gelegentlich zu- 
sammen liegen, während die letzteren oft mit Hohlcelten (socheted 
celts) vergesellschaftet sind; 

3) dass ausgehöhlte Waffen nur selten mit Kragencelten zusammen 
Vorkommen ; 

4) dass gewisse Speerköpfe oder Dolche nie in Gesellschaft der Hohl- 
celte gefunden werden; 

Ges. Isis tu Dresden, 1881. — Sitaungsber. 


5 


50 


5) dass Halsringe (torques) häufiger mit Palstäben, als mit Hohl- 
celten zusammen verkommen und hauptsächlich auf die westlichen 
Landstriche Britanniens beschränkt sind; 

6) dass hier und da Schwerter und Scheiden, Dolche und Zwingen 
zusammen getroffen wurden, ohne irgend einen Palstab oder ein 
Hohlcelt : 

7) dass Schwerter oder ihre Bruchstücke nicht mit Kragencelten zu- 
sammen gefunden wurden, während 

8) Hohlcelte oft in Begleitung von Schwertern und Speerköpfen oder 
mit letzteren allein auftreten; 

9) dass Hohlcelte oft von Hohlmeiseln (gonges) begleitet werden und 
etwas weniger häufig von Hämmern und Meisein, obgleich dort, 
wo solche Werkzeuge Vorkommen, sich gewöhnlich auch Speer- 
köpfe zeigen; 

10) dass Kessel oder die dazu gehörenden Ringe sowohl in England 
als Irland mit Holzcelten zusammen getroffen wurden; 

11) dass dort, wo man Formen für Metall in Vorräthen (hoards) be- 
gegnet ist, in der Regel auch jene für Hohlcelte nicht fehlten; 

12) dass sich letztere stets auch zeigen, wo Klumpen von Kupfer oder 
rohem Metall im Vorrath angehäuft sind. 

Der Verfasser schätzt das Alter der Einführung der Bronze in Bri- 
tannien auf 1200 — 1400 Jahre v. Chr., vielleicht sogar 1500 Jahre v. Chr., 
wofern die Phönicier die Verwendung des Zinnes und wahrscheinlich auch 
des Kupfers nach England übertragen haben. 

John Evans hat nicht unterlassen, die britischen Bronzefunde mit 
jenen in Skandinavien und dem Continente zu vergleichen, wodurch sein 
umfassendes und gediegenes Werk noch mehr allgemeines Interesse er- 
halten hat und als ein in jeder Beziehung höchst lehrreiches zu be- 
zeichnen ist. . H. B. Geinitz. 


51 


IV. Section für Physik und Chemie. 


Dritte 8itzuiig^ am 30. October 1881. Vorsitzender: Professor Dr. 
Schmitt. 

Der Vorsitzende referirt über die Resultate einer Untersuchung, 
welche er in Gemeinschaft mit seinem Assistenten, Dr. Andresen, aus- 
geführt hat. Dieselbe behandelte die Darstellung des Trichlorparamido- 
phenols und dessen Derivate. 

Die Hauptpunkte der Mittheilung waren folgende : Das Paramidophenol 
H N 

Ce Hl o"h lässt sich ohne wesentliche Bildung von gechlorten Chinonen 

und Chinonimiden sehr leicht direct durch Chlorgas dreifach chloriren, 
sobald es in stärkster Salzsäure suspendirt, der Einwirkung des Chlors 
ausgesetzt wird. Man erhält auf diese Weise das salzsaure Trichlorpar- 
H N H CI 

amidophenol Ce H4 CI3 q jj und gewinnt die freie Base , indem man 

die wässerige Lösung dieses Salzes mit kohlensaurem Natrium fällt. Die- 
selbe krystallisirt aus einer heissen alkoholischen Lösung in farblos glän- 
zenden Nädelchen, welche bei 59 ^ C. zu einer bräunlichen Flüssigkeit 
schmeken. Das Trichlorparamidophenol bildet zwar mit Säure spec., 
mit Salz- und Schwefelsäure gut krystallisirte Salze, seine Basicität ist 
aber durch die drei Chloratome so erheblich verringert, dass das salz- 
saure Salz beim Kochen in wässeriger Lösung sich zerlegt, unter Ab- 
spaltung der freien Base. Die kalte wässerige Lösung dieses Salzes 
lässt sich leicht durch Chlorkalksolution in Trichlorchinonchlorimid 
0 

Cq H CI3 > überführen, welches bei der Reaction sofort aus der Flüssig- 
NCl 

keit sich als flockige, lockere Masse abscheidet; aus heissem Alkohol um- 
krystallisirt, erhält man es in langen, stark glänzenden, schwach gelblich 
gefärbten Prismen. 

• Das Trichlorchinonchlorimid ist ein ausserordentlich reactionsfähiger 
Körper, es setzt sich mit Anilin leicht in salzsaures Anilin, Chlor ammon 
und in Dichlorchinondianilid um, und zwar verläuft dieser Process in 
quantitativer Weise nach folgender Gleichung: 


5 * 


52 


0 

Ce HCl3 > + 3 Ce H5 N H2 + Hg 0 
NCl 


Trichlorchinon- 

chlorimid 


Anilin 


H4 N CI + 


Ce H5 H2 N HCl + 


salzsaiires Anilin 


O2 
Ce (n 
CI2 


Ce H5 

H 


Dichlorchinondi- 

anilid. 


Chlor- 
ammon 

Dieses Dichlorcliinondianilid krystallisirt in gelben schillernden Blätt- 
chen und ist identisch mit dem Keactionsproduct, welches bei der Ein- 
wirkung von Anilin auf Trichlor- und Tetrachlor-Chinon entsteht. 

In einfachster Weise setzt sich auch das Trichlorchinonchlorimid mit 
dem Dimethylanilin, sobald man die beiden in alkoholischer Lösung auf- 
einander einwirken lässt, um. Es bildet sich hierbei neben salzsaurem 
Dimethylanilin Trichlorchinondimethylanilenimid : 

0 

Cg CI3 H > + 2 Cg H5 N (C H3)2 = Cg H5 N (C H3)2 N HCl + 
NCl 


Drichlorchinon- 

chlorimid 


Dimethyl- 

anilin 

0 


salzsaures Dimethyl- 
anilin 


CgCIgH > 

NCg H4 N (C H 3)2. 

T rieh lorchinondimethyl - 
anilenimid. 

Diese letztere Verbindung scheidet sich in prachtvollen zolHangen, 
goldgrünschillernden Nadeln aus der alkoholischen Flüssigkeit, nachdem 
dieselbe einige Zeit gestanden hat, ab. Dieselbe ist im Wasser unlös- 
lich, wird aber leicht von Alkohol und Aether aufgenommen, die Lös- 
ungen sind sämmtlich schön blaugrün gefärbt und diese Farbe lässt sich 
leicht auf Faserstoffe übertragen. 

Durch reducirende Substanzen wird der Farbestofif in eine Leuko- 
verbindung übergeführt, indem sich durch Aufnahme von 1 Molekül 
Wasserstoff Trichlordimethylanilenamidophenol bildet : 


0 

CeCLH > 

NCg H4 N (C H3 


+ a = Cc CIs H ^5 g 

C« H4 N (C H3)ä 


Trichlorchinondimethyl- 

anilenimid 


Trichlordimethylanilen- 
amidophenol. 

Dieses Umsetzungsdroduct ist in Wasser, selbst heissem, fast unlös- 
lich, leicht löslich in Aether, Benzol und heissem Alkohol. Es krystallisirt 


53 


in weissen, schimmernden Prismen, die man am besten durch Umkrystalli- 
sation aus Alkohol erhält. Das Trichlordimethylanilenamidophenol ver- 
bindet sich mit Säuren zu gut krystallisirenden Salzen, die deshalb leicht 
darstellbar sind. Es hat aber ausserdem als Phenol-Derivat auch die 
Fähigkeit, mit Ammoniak, sowie Alkalien Verbindungen einzugehen. Diese 
Salze lösen sich ausserordentlich leicht in Wasser, können aber nicht iso- 
lirt werden, da die Lösungen derselben unter dem Einfluss der Atmosphäre 
sich rasch tief blaugriin färben, indem die zwei Wasserstoffatome oxydirt 
werden und der Farbstoff zuriickgebiklet wird. Der Farbstoff, für dessen 
technische Verwerthung an und für sich der Umstand hinderlich ist, dass 
er nur in spirituoser Lösung angewendet werden kann, ist vielleicht doch 
in die Farbentechnik einzuführen, wenn man die Zeuge mit der ammo- 
niakalischen Lösung der Leukoverbindung tränkt und dann die Entwicke- 
lung des Farbstoffs durch Dämpfen bei Zutritt der Luft bewirkt. 

Die einzelnen Reactionen wurden während des Vortrages experimentell 
zur Anschauung gebracht. 

Die weiteren angekündigten Mittheilungen mussten wegen der vor- 
gerückten Zeit auf die nächste Sitzung verschoben werden. 


Vierte Sitzung am 15. December 1881. Vorsitzender: Professor Dr. 
Schmitt. 

Für das Jahr 1882 werden beim Beginn der Sitzung folgende Be- 
amte gewählt: 

Als erster Vorsitzender: Herr Prof. Dr. Schmitt. 

Als zweiter Vorsitzender: Herr Prof. Dr. Abendrot h. 

Zum Protokollanten: Herr Dr. R. Möhlau. 

Zu dessen Stellvertreter: Herr Dr. Pröll. 

Hierauf hält Herr Dr. Andresen einen Vortrag über den Werth 
der thermochemischen Untersuchungen für die Entwickelung der Chemie. 
Derselbe erörterte eingehend die von J. Thomsen aufgestellte Theorie 
der Kohlenstoffverbindungen (Ber. d. deutsch, ehern. Gesellschaft 13,1321). 
Nach einer kurzen Beschreibung des Thomsen’schen Calorimeters bespricht 
der Vortragende noch die Art und Weise, wie die von dem genannten Ge- 
lehrten erlangten Resultate zur Lösung solcher Constitutionsfrageii ver- 
werthet werden können, welche^ auf die Bindungsart der Kohlenstoff- 
atome unter sich Bezug haben. 


54 


V. Section für reine und angewandte 
Mathematik. 


Vierte Sitzung* am 8. Vovember 1881. Vorsitzender: Professor Dr. 
Har nack. 

Herr Baurath Prof. Dr. Frankel spricht: lieber den Satz der 
„kleinsten Deformationsarbeit elastischer Systeme.“ Wirdein 
elastischer Körper der Einwirkung äusserer Kräfte unterworfen, welche 
denselben innerhalb der Elasticitätsgrenze deformiren, so werden hierdurch 
innere Kräfte her vor gerufen, deren Arbeit für den Gesammtbetrag der De- 
formation ein Minimum ist. Schreibt man daher die Bedingungen für 
dieses Minimum der elastischen Kräfte an, so lassen sich, unter Berück- 
sichtigung des geometrischen Zusammenhanges des elastischen Systems, 
alle unhekannten inneren Kräfte bestimmen. 

Der Vortragende giebt den Beweis und mehrere Anwendungen des 
genannten Satzes. 


Fünfte Sitzung am 1. December 1881. Vorsitzender: Professor Dr. 
Harnack. 

Herr Geh. Rath Prof. Dr. Zeuner spricht: 

lieber einige Fragen der mathemathischen Statistik mit 
Vorzeigung demographischer Modelle. 

Ausgehend von der bahnbrechenden Arbeit Knapp’s*) und dessen 
Unterscheidung verschiedener Gesammtheiten von Lebenden und Gestor- 
benen zeigt der Vortragende zunächst, auf welchem Wege Knapp durch 
graphische Darstellung in der Ebene den Einblick und die Ableitung der 
mathematischen Ausdrücke für die genannten Gesammtheiten zu erleich- 
tern suchte und schliesst daran eine ausführliche Besprechung der von 
ihm selbst angegebenen Methode**) der graphischen Darstellung. 

Denkt man sich im Raume drei auf einander rechtwinkelig stehende 
Axen und trägt man auf der Axe OX die Geburtszeit t auf, parallel 

Knapp: lieber die Ermittelung der Sterblichkeit aus den Aufzeichnungen der 
Bevölkerungs-Statistik. Leipzig, 1868. 

Zeuner: Abhandlungen aus der mathematischen Statistik. Leipzig, 1869. 


55 


zur Axe OY das Alter x und dann als dritte der drei Coordinaten 
parallel der Axe OZ die Grösse z auf, die als die Dichtigkeit der 
Lebenden bezeichnet wird, so erhält man durch z = f (x,t) die Gleichung 
einer krummen Fläche, aus deren Discussion sich mit Leichtigkeit jede 
beliebige Gesammtheit von Lebenden oder Gestorbenen ergiebt. Die 
krumme Fläche fällt dachförmig ab und schneidet die drei Coordinaten- 
ebnen in Curven, die eine bestimmte statistische Bedeutung haben. Setzt 
man, in der als bekannt vorausgesetzten Funktion, x = o, so erhält man 
durch z = f (o,t) die Schnittcurve in der Ebene XOZ, die Ordinaten z 
stellen dann die Geburtendichtigkeit im Zeitpunkte t dar, zdt reprä- 
sentirt die Zahl der Geborenen im Zeiträume t bis t -|- dt und das In- 
tegral von ti bis t2 genommen, ist die Anzahl der Geburten innerhalb 
des Zeitraumes L bis t2 (Generation) ; dieselbe erscheint als der Flächen- 
inhalt der von der Geburtencurve und von der Anfangs- und End- 
ordinate abgegrenzten Fläche. Der Verlauf der Geburtencurve lässt 
sich für eine bestimmte Bevölkerung durch Zählung der Geborenen in 
aufeinander folgenden gleichen Zeitabschnitten leicht graphisch auf die an- 
gegebene Weise zum Ausdruck bringen. 

Setzt man in der Gleichung der krummen Fläche z == o, so ergiebt 
0 = f (x,t) die Schnittcurve mit der XOY-Ebene, dieselbe stellt die Curve 
des höchsten Alters, den verschiedenen Geburtszeiten entsprechend dar. 

Wird endlich in der Fläche t constant gesetzt, so erhält man die 
Schnitte, welche durch verticale, der Ebene YOZ parallele Ebenen ent- 
stehen; die betreffenden Curven stellen die der betreffenden Geburtszeit t 
entsprechenden Absterbecurven (Mortalitätscurven) dar. 

In Anschluss an das Vorstehende wird nun gezeigt, wie durch ver- 
schiedene Verticalschnitte und Projicirung derselben auf die XOZ -Ebene 
die verschiedenen Gesammtheiten von Lebenden und Gestorbenen dem 
wirklichen Werthe nach zum Ausdruck gelangen, sobald man den 
Verlauf der krummen Fläche als bekannt voraussetzt (vergl. das oben 
citirte Buch) und hieran knüpft sich eine Besprechung der neueren Ar- 
beiten von Lewin, Becker und Lexis, wobei gezeigt wird, dass deren gra- 
phischen Darstellungen schon vollständig in der besprochenen enthalten, 
aber unvollständiger sind, da sie die verschiedenen Werthe der Gesammt- 
heiten gar nicht zur Anschauung bringen. Der Umstand, dass Lewin und 
Becker schiefwinkelige, statt recht winkelige Coordinatenaxen in Vorschlag 
bringen, ist unwesentlich. 

An diese allgemeine Besprechung schliesst sich nun die Vorzeigung 
zweier grösserer Gypsmodelle, welche der Vortragende von dem Director 
des statistischen Bureaus im Königl. Handelsministerium in Rom, Herrn 
Professor Bodio, zum Geschenk erhalten hatte und welche von dem In- 
spector im gleichen Bureau, Herrn Luigi Perozzo entworfen und construirt 
worden sind. 


56 


Die beiden schönen und werthvollen Modelle stellen die vom Vor- 
tragenden angegebene und oben besprochene krumme Fläche räumlich 
dar, und zwar führen sie die Zusammensetzung und Bewegung der Be- 
völkerung in Schweden vom Jahre 1750 bis 1875 vor Augen. Die oben 
besprochenen Schnitte sind auf der Fläche durch Zeichnung der verschie- 
denen Schnittcurven deutlich gemacht und man erkennt mit einem Blicke, 
in welcher Weise innerhalb der angegebenen langen Zeitstrecke in Schwe- 
den die Geburtenzunahme stattgefunden, wie die Bevölkerung von Jahr 
zu Jahr zugenommen hat, wie sich die Menschen hierbei nach dem Alter 
gruppiren, wie die Bevölkerung bei allen einzelnen Zählungen nach dem 
Alter zusammengesetzt war und welche Aenderungen allmälig im Absterbe- 
gesetz eingetreten sind. Auch alle Haupt- und Nebengesammtheiten von 
Lebenden und Gestorbenen lassen sich am Modelle für jedes Zeitintervall 
mit Leichtigkeit ihrer Grösse nach erkennen. 

Das eine Modell entspricht genau dem Vorschläge des Vortragenden 
mit der einzigen, aber unwesentlichen Abweichung, dass die Coordinaten- 
ebene YOZ nicht senkrecht auf der Ebene XOZ steht, sondern um 60 
gegen dieselbe geneigt ist. In dem anderen Modell ist die krumme Fläche 
in Polarcoordinaten dargestellt, doch würde sich dasselbe an dieser Stelle 
ohne Zuhilfenahme einer Figur nicht wohl deutlich machen lassen. 

Zum Schluss betont der Vortragende, dass das unter der ausgezeich- 
neten Leitung des Professors Bodio stehende statistische Bureau in Eom 
insbesondere durch Herrn Perozzo seine Aufmerksamkeit mit schönen Er- 
folgen den Ergebnissen zuwende, auf welche bis jetzt die mathematische 
Statistik geführt habe. 


57 


Yl. Section für Zoologie. 


Vierte Sitzung’ am 10. November 1881. Vorsitzender: Professor Dr. 
B. Vetter. 

Der Vorsitzende übergiebt: Balfour, Handbuch der Embryologie, 
11. Bd, erste Hälfte, als Geschenk für die Bibliothek^ empfiehlt zur An- 
schaffung für später Franke, Die Reptilien und Amphibien Deutsch- 
lands (Preis 2 Mk.) und erinnert an die schon früher beschlossene An- 
schaffung von „Fauna und Flora des Golfes von Neapel.“ 

Es folgen Mittheilungen der Herren Geh. Hofrath Dr. Geinitz und 
0. Thüme. 

Der Vorsitzende hält hierauf einen Vortrag: ,,Zur Entwickelung des 
Nervensystems der Wirbelthiere.“ 


58 


VIL Hauptversammlungen. 


Sechste Sitzung’ am 35. August 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Nach einigen geschäftlichen Mittheilungen durch den ersten Secretär 
der Gesellschaft, Apotheker Carl Bley, erweckte die Anzeige von dem 
Tode des hochverdienten Hofrath Dr. Paul Cartellieri in Franzensbad, 
welcher am 17. Juli d. J. im 75. Lebensjahre verschieden ist, allgemeine 
Theilnahme. Dieser hochgeschätzte Brunnenarzt, dem man auch wich- 
tige Untersuchungen über die Geologie von Franzensbad verdankt, hat 
unserer Gesellschaft seit dem Jahre 1868 als Ehrenmitglied angehört und 
namentlich auch der Kasse der Isis zahlreiche freiwillige Beiträge zu- 
fliessen lassen. — 

Hieran schliesst der Vorsitzende zunächst folgende Mittheilung: 

Am 12. August d. J. ist abermals eines der hochverehrtesten Mit- 
glieder unserer Gesellschaft Isis aus dem Leben gerufen worden, der Ober- 
appellationsgerichts-Präsident a. D. Dr. Konrad Sickel, Mitglied der 
1. Kammer der Ständeversammlung, welcher unserer Isis seit dem Jahre 
1860 angehört hat, ihr stets das wärmste Interesse bewiesen und bis zu 
seinem Lebensende erhalten hat. Er ist an den Folgen eines im Januar 
d. J. erlittenen Schlaganfalles im 80. Lebensjahre sanft verschieden. 
Werfen wir einen Rückblick auf die Entwickelungsgeschichte unserer Isis, 
so erkennen wir am besten die grossen Verdienste, die sich Herr Präsi- 
dent Sickel um unsere Gesellschaft erworben hat. Mit seinem schon 
früher von uns geschiedenen Freunde, Herrn Geh. Justizrath Dr. Sieb- 
drat, nahm er einen hervorragenden Antheil an der Reorganisation der 
Gesellschaft, wodurch dieselbe nach einem langjährigen fast permanenten 
Directorium in wohlgeordnete constitutionelle Verhältnisse übergeführt 
worden ist. Der gegen Ende des Jahres 1865 berathene Entwurf der noch 
heute im Wesentlichen geltenden Statuten war ganz vorzugsweise ein 
Werk von ihm und seines Freundes Siebdrat. Diese neuen Statuten 
hatten in der Hauptversammlung der Isis vom 21. December 1865 An- 
nahme gefunden und haben unter dem 9. März 1866 die Bestätigung des 
Ministeriums des Cultus und öffentlichen Unterrichtes erlangt. Mit dem 


59 


Jahre 1866 beginnt die neue Aera der Gesellschaft Isis.*) Von dieser 
Zeit an ist Dr. Sickel ununterbrochen Mitglied ihres Verwaltungsrathes 
geblieben und hat ausserdem an sehr vielen Sitzungen der Gesellschaft, 
soweit es nur seine beschränkte Zeit erlaubte, persönlichen Antheil ge- 
nommen und hier, namentlich aus den Gebieten der Zoologie und Bo- 
tanik, manche anregende Mittheilung gegeben. Als Mitglied des Verwal- 
tungsrathes war es dem Verewigten wohl bekannt, wie die Kassen Verhält- 
nisse der Gesellschaft, trotz ihrer gewissenhaften und uneigennützigen 
Verwaltung, nur sehr bescheiden sein konnten. Dr. Sickel ermöglichte da- 
her die wünschenswerthe Erwerbung zweier Actien des zoologischen Gar- 
tens durch Schenkung zweier solchen am 27. Februar 1868, in seiner Be- 
scheidenheit durch ein nicht genannt sein wollendes Mitglied. Die Isis 
wird ihrem treuen Berather und warmen Freunde für alle Zeiten ein 
dankbares Andenken erhalten. — Ich habe Ihnen nun, fährt der Vor- 
sitzende fort, von einem erfreulicheren Ereignisse zu berichten: Unter 
dem 29. Juli d. J. hat Herr Kaufmann Franz Ludwig Gehe von Pontresina 
aus 30 0 Mark als freiwilligen Beitrag an die Kasse der Isis gelangen 
lassen, der als ein erwünschter Anfang zur Begründung eines Fonds zur 
Erweiterung der Thätigkeit der „Isis“ zu betrachten ist. Unser berühmter 
Landsmann, welcher der Isis seit 1846 angehört, hat hierdurch sein reges 
Interesse für die von der Isis verfolgten Zwecke aufs Neue in einer sehr 
dankenswerthen Weise bewiesen. 

Unsere Gesellschaft verfolgt, wie bekannt, insbesondere drei Haupt- 
zwecke: 1) die naturwissenschaftliche Erforschung des Vaterlandes; 2) die 
öflentliche Mittheilung der hierbei gewonnenen Resultate; 3) die Erweite- 
rung und Verbreitung allgemein naturwissenschaftlicher Kenntnisse. 

Schon jetzt ist die Bibliothek der ,,Isis“, die in einem Raume des K. 
Polytechnikums aufgestellt und eben so leicht zugänglich ist, wie die eigene 
Bibliothek des Polytechnikums, durch die vielen kostbaren Werke, welche 
die Gesellschaft meist durch Tausch gegen ihre Publicationen erhält, 
höchst werthvoll und ein willkommener Ersatz für die Bibliothek der 
Kaiserl. Leopoldinisch-Carolinisch Deutschen Akademie, die uns durch ihre 
Uebersiedelung nach Halle a. S. verloren gegangen ist. 

Die Einnahmen der Gesellschaft sind zumeist auf die beschei- 
denen Beiträge ihrer Mitglieder beschränkt, welche zur Zeit nur durch 
die Zinsen einiger freiwilligen Beiträge zur Kasse, wie namentlich von 
100 Mk. durch Herrn Karl Kesselmeyer in Manchester und 300 Mk. 
durch Herrn Rentier Hermann Ackermann im Jahre 1875 und einem 
von dem Letzteren 1876 hochherzig gestifteten Legate von 5000 Mk. zur 
Unterhaltung der Bibliothek vermehrt worden waren. 

Um aber die Thätigkeit der ,,Isis“ in Bezug auf Erforschung des 
vaterländischen Bodens, wo noch ein sehr weites Feld offen liegt, mehr 


*) Vgl. Sitzungsber. d. Isis 1865. p. 71, 72, 74 und 1866. p. 1, 2. 


60 


und mehr erweitern zu können und zugleich eine Garantie bieten zu 
können, dass die Verhältnisse der Gesellschaft so wohlgeordnete bleiben, 
als sie es gegenwärtig sind, bedarf es noch eines Fonds von 20,000 bis 
30,000 Mk. Zur Erlangung dieses verhältnissmässig kleinen Fonds be- 
darf es keines Peabody oder John Hopkin’s, welche in den Ver- 
einigten Staaten Nordamerikas Millionen von Dollars für wissenschaftliche 
Museen und Lehrmittel niedergelegt haben; es bedarf wahrscheinlich nur 
einigei' Freunde der edlen und segensreichen Bestrebungen unserer „Isis“, 
und diese werden sich finden, denn die Freude, wohl zu thun und die 
Wissenschaft zu unterstützen,' ist nicht allein eine amerikanische Tugend, 
sondern vor Allem in unserem Heimathlande gar Vielen ein inniges 
Bedürfniss. 

Ein Besuch des Professor Othniel Charles Marsh vom Yale Col- 
lege in New Haven Coun. am 17. August d. J. veranlasste den Vorsitzen- 
den, von Neuem die grossen Verdienste hervorzuheben, die sich Professor 
Marsh um die Erforschung fossiler Wirbelthiere in den Vereinigten 
Staaten erworben hat (vgl. Sitzungsber. d. Isis 1880, p. 64). Auch ist es 
Professor Marsh vornehmlich gewesen, der als Neffe des verewigten Mr. 
Peabody eine Hauptanregung zu dessen grossartigen Stiftungen für 
naturwissenschaftliche Zwecke gegeben hat. Auf Vorschlag des Vorsitzen- 
den wird Professor 0. C. Marsh einstimmig zum Ehrenmitgliede der Ge- 
sellschaft Isis ernannt. 

Es erfolgt hierauf auch die Aufnahme des Herrn Julius Pfitzner, 
vorgeschlagen durch Herrn Maler Fischer, als wirkliches Mitglied der 
Gesellschaft. 

Weiter folgen Vorlagen ausgezeichneter Präparate von lebenden Bryo- 
zoen, welche Herr Professor Dr. Leipner in Bristol angefertigt hat und 
durch Vermittelung des Herrn Kaufmann Carl Aug. Hantzsch, Dresden, 
grosse Plauensche Strasse Nr. 4, abzugeben bereit ist. Sie erfreuten sich 
um so mehr der allgemeinen Anerkennung, als an ihnen noch die Arme 
der kleinen Polypen sehr deutlich hervortreten. 

Eine briefliche Notiz des Herrn Amtsrath Struckmann in Hannover 
brachte die Nachricht, dass derselbe in diesem Sommer bei umfangreichen 
Ausgrabungen in der Einhornhöhle am Harz sehr interessante Resul- 
tate erzielt habe, indem er dort eine alte Kulturschicht aus vorhistori- 
scher Zeit aufdeckte. Dieselbe enthielt neben zahlreichen menschlichen 
Gebeinen und Artefacten eine grosse Anzahl von Resten noch lebender 
und bereits verschwundener Thiere. Etwas Weiteres wird man wohl bald 
durch diesen eifrigen Forscher an anderen Orten erfahren. 

Nach einer Besprechung des Programms für die 54. Versammlung 
deutscher Naturforscher und Aerzte, welche am 18. bis 24. September 
d. J. in Salzburg abgehalten werden soll, ergriff Herr E. Z sch au das 
Wort, um über einige neue Vorkommnisse von Mineralien in dem Erz- 
gebirge zu berichten. Seine anregenden Mittheilungen bezogen sich 


61 


namentlich auf prächtige Krystalle von Scheelit, Topas und Pharmakosi- 
derit aus dem Granit von Ehrenfriedersdorf, welche durch ihn der vater- 
ländischen Sammlung unseres K. Mineralogischen Museums einverleibt 
worden sind. An diesen farblosen Topaskrystallen, welche auf Orthoklas 
aufsitzen, kommen die Flächen oo P, oo Pg und P oc vor, letztere als 
Säule vorwaltend. 

Hieran anschliessend, berichtet der Vorsitzende noch kurz über einen 
in der ersten Hälfte des August von ihm ausgeführten Ausflug in das 
Fichtelgebirge und die fränkische Schweiz. Hatten ihn in dem Fichtel- 
gebirge besonders die grossartigen Granitpartien der Luisenburg bei Wun- 
siedel, des Waldstein bei Weissenstadt und der Weiss Main Felsen am 
Ochsenkopf gefesselt, die wohl von keiner anderen Granitlagerstätte unserer 
Erdoberfläche übertroffen werden und die er schon auf seiner ersten Reise 
vor 51 Jahren anzustaunen Gelegenheit fand, so bot ihm ein Besuch des 
freundlichen Bades Berneck mit seinen von Diabasen durchbrochenen Devon- 
schiefern durch seinen ganz anderen Gebirgscharakter einen neuen Reiz 
dar, um so mehr, als durch C. W. Gümbel’s gediegene Veröffentlich- 
ungen*) diese an Natur Schönheiten so reichen und in geologischer Be- 
ziehung höchst lehrreichen Landstriche erst förmlich aufgeschlossen worden 
sind. Ein Besuch der Specksteinfahrik des Herrn Laubeck in Wun- 
siedel gab erwünschten Aufschluss über die Verarbeitung des namentlich 
auf der Carolinenzeche und Luisenzeche in der Sallach bei Göpfersgrün 
gewonnenen Specksteins zu Gasbrennern, deren täglich dort gegen 
7000 Stück angefertigt werden. 

In der weit bekannten und grossartig betriebenen Ackermann’ sehen 
Granitschleiferei der Herren Lehmann & Häberlein in Weissenstadt ver- 
arbeitet man ausser den verschiedenen mittel- und feinkörnigen Graniten 
insbesondere auch prächtige diabasische und dioritische Gesteine des 
Fichtelgebirges, welche unter dem Namen „Syenit“ und ,, Porphyr“ in den 
Handel gelangen, Granit aus Sachsen, und zwar von Kölln bei Meissen, 
wo die genannten Herren einen eigenen Bruch besitzen, und seihst aus 
Schweden. Man war in diesem Etablissement eben damit beschäftigt, 
jenen grossen verkieselten P^aromws-Stamm aus dem Rothliegenden von 
Chemnitz zu durchschneiden, über welchen Dr. Sterzei in Sitzungsher. d. 
Isis 1881. p. 26 berichtet hat. 

Eine der reichsten Sammlungen von Gesteinen des Fichtelgebirges ist 
die des Apotheker Schmidt in Wunsiedel, die von dem Vater des jetzigen 
Besitzers gegründet worden ist und auch in neuerer Zeit noch erweitert 
wird. Einen weit höheren Glanzpunkt aber bietet für Oberfranken die 


Dr. C. W. Gümbel, Geognostische Beschreibung des Fichtelgebirges mit dem 
Frankenwalde und dem westlichen Verlande. Mit 2 geognostischen Karten, 1 Blatt Ge- 
birgsansichten, zahlreichen dem Text beigegebenen Plänen, Holzschnitten und Zeich- 
nungen von Gesteinsdünnschliffen und Versteinerungen. Gotha, 1879. 698 S. 


62 


klassische Sammlung von Sauriern und anderen Versteinerungen des 
Muschelkalkes und rhätischer Pflanzen etc. aus den Umgebungen von 
Bayreuth und diluvialer Säugethiere aus den fränkischen Höhlen dar, 
welche Eigenthum der dortigen Kreisdirection ist und in der höheren 
Realschule aufgestellt wurde. Dieselbe ist unter der Aegide des früheren 
Präsidenten von Andrian vorzüglich durch den verstorbenen Professor 
C. Fr. W. Braun zusammengebracht worden und hat reiches Material für 
die bekannten Monographien von Graf Münster, Goldfuss, Herrn, von Meyer, 
Hofrath Schenk u. a. Paläontologen geliefert. Durch die Liebenswürdig- 
keit der Herren Director Heydner und Gustos Professor Wegeier ist 
diese unschätzbare Sammlung leicht zugänglich. 

Die von Bayreuth nach Nürnberg führende Eisenbahn erleichtert den 
Weg in die fränkische Schweiz, die wir von Pegnitz aus über Pottenstein 
bis Müggendorf durcheilten, um von dem letzteren Orte aus noch eine 
Reihe von Wanderungen in die typischen Dolomitregionen des oberen oder 
weissen Jura des Frankenlandes mit seinen zahlreichen berühmten Höhlen, 
jenen reichen Fundstätten des Höhlenbären und seiner Zeitgenossen, aus- 
zuführen. 

Die grösste und schönste dieser Höhlen ist ohne Zweifel die Sophien- 
höhle bei Rahenstein. Findet man darin auch keine Gelegenheit mehr 
zum Sammeln fossiler Thierreste, so trifft man hier doch noch vollstän- 
dige Schädel des Höhlenbären, Hirschgeweihe u. s. w. im Kalksinter ein- 
gebettet, der uns übrigens in den prachtvollsten Stalaktiten und Stalag- 
miten ent gegen tritt. Auch kann man sich von dem Müller HansHösch 
in der Neumühle von Rabenstein, einem eifrigen Sammler von Alter- 
thümern und fossilen Thierresten aus der Umgegend, manches interessante 
Vorkommen verschaffen. 

Zwar weit kleiner, aber sehr nett und gut aufgeschlossen ist ferner 
die Rosenmüllerhöhle bei Muggendorff und die Oswaldhöhle bei Müggen- 
dorf, am reichsten an fossilen Thierresten ist die Zoolithenhöhle bei 
Gailenreut. 

Uebrigens sind alle Ausflüge an und in die wunderbaren Dolomit- 
felsen der fränkischen Schweiz, deren petrographischer Charakter überall 
auf eine Umwandlung von Kalkstein durch bittersalzführende Gewässer 
oder Dolomitisirung hinweist, in jeder Beziehung höchst lohnend. Die 
wohlgeschichteten Kalksteine des weissen Jura, die den Dolomit unter- 
lagern, sind reiche Fundgruben für Versteinerungen, namentlich planulater 
Ammoniten, vor allem Ämmonites polyplocns Rein, und Belemnites has- 
tatus Blainv., von welchen der thätige Kaufmann Fr. Limmer in 
Müggendorf in seinem kleinen, aber sehenswerthen Museum prachtvolle 
Exemplare neben grossen paläontologischen Seltenheiten besitzt. Wir 
können Herrn Limmer’s uneigennützigen Sammeleifer nur bewundern und 
wünschten nur, dass sich dieser eifrige Sammler entschliessen möge, mit 
seinen paläontologischen und vorhistorischen Schätzen dort ein kleines 


63 


öffentliches Museum zu begründen, das einen neuen Anziehungspunkt für 
die zahlreichen Besucher seiner herrlichen Umgebungen bilden würde. Es ' 
ist ein grosser Vortheil für Verbreitung der Bildung und des Interesses 
an solchen Schätzen, wenn dieselben nicht nur an einzelnen Central- 
stellen zusammengehäuft werden, sondern auch in vielen kleinen Provinzial- 
museen vertreten sind. 


Siebente Sitzung am 39. September 1881. Vorsitzender: Realschul- 
Oberlehrer Dr. 0. Schneider. 

Die in der letzten Hauptversammlung vom 25. August gegebene An- 
regung zur Begründung eines grösseren Fonds, wodurch die Thätigkeit 
der Isis erweitert werden soll, hat herrliche Früchte getragen. Wiederum 
verdankt die Gesellschaft einem ihrer hochverehrten Mitglieder, dessen 
Name nicht öffentlich genannt werden soll, zu diesem Zwecke einen frei- 
willigen Beitrag von 1000 Mark, und es wird daher auch hier dem hoch- 
herzigen Freunde und Förderer unserer Bestrebungen im Namen der Isis 
durch den Vorsitzenden der wärmste Dank ausgesprochen. 

Hierauf legt der Vorsitzende, anknüpfend an frühere Mittheilungen, 
eine grosse Suite sicilianischer Bernsteine von schwarzer, gelber, gelb- 
rother, hyacinthrother und Granatfarbe vor, die zum Theil Fluoreszenz 
zeigten, und bespricht die Untersuchungen von Dr. Helm in Danzig, denen 
zu Folge alle diese fossilen Harze keine Bernsteinsäure enthalten. Letz- 
teres gilt auch von dem ebenfalls in rohen Stücken zur Ansicht gebrachten 
Bernstein von Scanella in Mittelitalien, während der in sechs zum Theil 
bearbeiteten Exemplaren vorgelegte rumänische Bernstein durch starken 
Gehalt an Bernsteinsäure dem «baltischen Bernsteine nahe steht. Mit 
diesem kommen im S amlande mehrere andere fossile Harze vor, von denen 
Geesit Helm’s, sowie die dunkleren Harze Stantinit und Beckerit zur 
Besprechung und Vorlegung gelangen. Letztere beiden von Pieszczeck 
aufgestellten neuen Species verwirft Dr. R. Klebs, da seiner Ansicht nach 
unter den dunklen fossilen Harzen der Ostseeküste 4 — 5 verschiedene Fos- 
silien zu unterscheiden sind und die Beschreibung Pieszczeck’s so allgemein 
gehalten ist, dass es unmöglich erscheint, seine Benennungen genau zu 
deuten. — 

In einem eingehenden Vortrage gedenkt Herr Oberlehrer 0. Thüme 
des Lebensganges und der Verdienste des auch als Botaniker berühmten 
Dichters A. v. Chamisso, dessen 100 jähriger Geburtstag in diesem 
Jahre gefeiert worden ist. 


Achte Sitzung am 37. October 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Als neue Mitglieder werden aufgenommen: die Herren Regierungs- 
Assessor von Studnitz, Consul Augustus P. Russ, Fabrikbesitzer Emil 
Waltsgott in Dresden und Baron von Witzleben in Blasewitz. 


64 


Herr H. Krone überreicht eine Schrift über die auf den Auckland- 
' Inseln 1874 und 1875 von ihm gesammelten JDiptera^ bearbeitet von Pro- 
fessor Josef Mik in Wien. (Verb. d. K. K. zool.-botan. Ges. in Wien, 1881.) 

Herr Leopold Weisel aus Prag legt Burkhardt’s Sammlung 
der wichtigsten europäischen Nutzhölzer, herausgegeben vom 
technologischen Museum in Wien, zur Ansicht vor, welche 40 Tafeln mit 
drei verschiedenen Schnitten nebst Erläuterungen enthält und durch L. 
Weisel, in Prag zu beziehen ist. Diese treffliche Sammlung hat auch in 
hiesigen naturwissenschaftlichen und technologischen Kreisen viel Anklang 
gefunden. 

Sodann berichtet Herr Bergingenieur Purgold über die im Laufe 
dieses Sommers von ihm besuchten Erzlagerstätten (sogen. Kiesstöcke) 
von Agordo im Venetianischen, von Schmölnitz in Ungarn und anderen 
Erzvorkommnissen im Zipser und Gömörer Comitat. 

Ferner bespricht Herr Schuldirector Th. Keibisch die Uebertragung 
des Samens von Loranthus durch eine Drossel, unter Vorzeigung eines 
dadurch sehr eigenthümlich deformirten Stammstückes aus Guatemala. 

Herr Realschul- Oberlehrer Engelhardt richtet die Aufmerksamkeit 
auf nachstehende Abhandlungen: 

Programm der Gewerbeschule zu Köln (1881) mit einer Abhand- 
lung über künstliche Darstellung von Mineralien. 

Geognostisch-petrographische Mittheilungen aus dem Geb weder 
Thale, von Director Dr. Gerhard, Gebweiler, 1880. 

Programm der Realschule H. Ordn. und des Progymnasiums zu 
Homburg a. d. H., 1881, mit einer Abhandlung über die 
Wälder während der Tertiärzeit, von Dr. H. Spranek. 

Programm der Realschule in Meiningen, 1881, mit einer Ge- 
schichte der Geologie Thüringens, von Dr. Emmrich. 

Die Flora des tertiären Diatomaceenschiefers von Sulloditz im 
böhmischen Mittelgebirge, von Jos. Wentzel (Sitzungsber. d. 
K. Ak. d. Wiss. in Wien. LXXXHI. Bd. 1. Abth. 1881). 

Derselbe verbreitet sich über seinen letzten Ausflug nach dem nörd- 
lichen Böhmen, der ihn, entgegengesetzt von Stur, zur Annahme geführt 
hat, dass die bekannten Priesener Thone bei Bilin mit den pflan zenreichen 
Preschener Thonen gleichalterig sind, worüber die genaueren Nachweise 
folgen sollen. Ebenso hatte Herr Engelhardt auf dem Winterberge bei 
Kundraditz eine reiche Ausbeute an tertiären Pflanzen gemacht. Er legt 
schliesslich ein von C. Dölter untersuchtes Braunkohlenharz von Dux 
vor, sogenannten Duxit, dessen chemische Untersuchung 78,25 C, 8,14 H, 
13,19 0, 1,94 Asche und 0,42 Schwefel ergeben hatte, und gedrechselte 
Braunkohle von Salesl. 

Herr Baron von Biedermann gedenkt einer von ihm beobachteten 
eigenthümlichen Pilzbildung an Vallisneria spiralis. 

Der Vorsitzende, welcher nach einem Ausfluge nach Rostock seinen 
Rückweg über Lübeck, Hamburg und Berlin genommen hatte, rühmte vor 


65 


Allem das segensreiche Wirken der Lübecker Gesellschaft zur Beförderung 
gemeinnütziger Thätigkeit, die auch zwei sehenswerthe Sammlungen in 
das Lehen gerufen hat und erhält: die Sammlung Lübeckischer 
Alterthümer, Breitestrasse Nr. 786 und die Naturaliensammlung, 
Breitestrasse Nr. 805. 

Die letztere Sammlung, zu welcher die Sammlungen des Dr. Wal- 
baum einen guten Stamm geliefert [haben, wurde namentlich durch den 
1876 verstorbenen Carl Julius Milde sorgfältig gepflegt und wird jetzt 
von dem thätigen Gustos Dr. Lenz verwaltet. Es finden sich darin die 
weit bekannte Sammlung von Gorillas des Dr. Brehmer und eine an- 
sehnliche Sammlung von Tertiärversteinerungen, welche Dr. Wichmann 
in Rostock dahin abgegeben hat und die sehr reich an den interessanten 
Vorkommnissen in den sogenannten „Sternherger Kuchen‘‘ von Sternberg 
in Mecklenburg ist. 

Unter den unerschöpflichen Sammlungen Berlins war es diesmal 
besonders das von Geheimrath Hauchecorne begründete Museum für 
Bergbau und Hüttenkunde, in dem Gebäude der K. Bergakademie und 
geolog. Landesanstalt, Invalidenstrasse Nr. 44, auf das sich sein Interesse 
richtete und worin er mehrere genussreiche und belehrende Stunden ver- 
lebte. Es steht diese reiche und praktisch geordnete Sammlung von Roh- 
materialien , Hüttenproducten und allerhand daraus erzeugten Kunst- 
producten wohl einzig in ihrer Art da. 

Als neues grossartiges Institut trat ihm in der unmittelbaren Nähe 
des vorher genannten die K. Landwirthschaftliche Hochschule 
entgegen, an welcher die Professoren Orth und Nehring mitwirken. 
Das, Parterre des stattlichen Gebäudes hat in seinen mittleren Räumen 
eine permanente Ausstellung landwirthschaftlicher Geräthe aufgenommen, 
welche sehr beachtenswerth ist; die anderen Räume des Parterre sind 
namentlich für zoologische und vergleichend anatomische Sammlungen be- 
stimmt, mit deren Aufstellung Professor Nehring eifrigst beschäftigt ist. 
Dieselben enthalten die ansehnlichen Sammlungen des früheren Professor 
Hänsel in Proskau und die berühmten durch die bekannten Arbeiten des 
früheren Besitzers klassisch gewordenen Sammlungen von Nathusius 
auf Hundisburg. Hier sind demnach die reichsten Sammlungen von Arten 
und Varietäten der Gattungen Canis, Sus, Bos, Cervus etc. vereinigt, wie 
z. B. die Gattung Canis allein durch etwa 800 wohlpräparirte und genau 
untersuchte Schädel vertreten ist. 

Die Aufstellung der geologischen Sammlungen in der Königl. Univer- 
sität hat unter Direction des Geheimrath Beyrich durch Professor 
Dam es seit einem Jahre wieder höchst erfreuliche Fortschritte gemacht, 
die mineralogischen Sammlungen erfreuen sich der schon früher an den 
Breslauer Sammlungen bewunderten Thätigkeit und Accuratesse des Pro- 
fessor Websky und seines Assistenten Dr. Arzruni. 

Qes. Jsfs in Drenäen, 18SL — Sitzungsber, p 


66 


Noch ein Blick in das Märkische Pr ovinzial-Museum, dessen 
Aufstellung im Cöllnischen Rathhause, Breitestrasse, unter Direction des 
Stadtrath Friedei, durch den Gustos Dr. Buchholz in diesem Jahre 
glücklich beendet worden ist. Ausser den vielen prähistorischen Gegen- 
ständen, welche den Besucher hier fesseln, zieht vor Allem hier auch eine 
Lutherbibel, Basel, 1509, das Interesse aut sich, mit zahllosen eigen- 
händigen Bemerkungen von Dr. Martin Luther aus dem Jahre 1542, die 
es wahrscheinlich machen, dass Dr. Luther gerade dieses Exemplar bei 
seiner Bibelübersetzung vorzugsweise gebraucht hat. 


Neunte Sitzung am 24, November 1881 . Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Durch Herrn Maler Flamant wird als wirkliches Mitglied vor- 
geschlagen: Herr Verlagsbuchhändler Streit, zum wirklichen Mitgliede 
wird ernannt: Herr Dr. Richard Möhlau, Assistent am K. Polytech- 
nikum. In die Reihe der correspondirenden Mitglieder treten die früheren 
wirklichen Mitglieder: Professor Dr. Zetzsche und Dr. Dathe wegen 
ihres Umzuges nach Berlin. Zu correspondirenden Mitgliedern werden er- 
nannt: die Herren August Weise in Ebersbach, Oberlausitz, und Dr. med. 
A. Friedrich in Wernigerode, welchem Letzteren die Gesellschaft eine 
werthvolle Zusenduog von Schriften über prähistorische Gegenstände 
verdankt. 

Es wird beschlossen, in Schriftentausch mit der von Prof. Dr. Leim- 
bach in Sondershausen geleiteten Gesellschaft ,,Irmischia“ zu treten. 

Hierauf gedenkt der Vorsitzende der schweren Verluste, welche die 
Wissenschaft neuerdings durch den Tod einiger hervorragender Männer er- 
litten hat, wie des: 

Professor Dr. C. G. Giebel in Halle a. S., Mitglied der Isis seit 
1862, t am 14. November 1881, 

Professor Dr. Karl F. Peters in Graz, f am 7. November, 

Dr. jur. Friedr. Scharff in Frankfurt a. M., f am 19. November, 
Ami Boue, des Nestor der Geologen, geb. am 16. März 1794 
in Hamburg, f am 22. November zu Wien, 

Professor Dr. Paul Günther Lorenz, geb. zu Altenburg, Prof, 
der Botanik in Cordoba, Argentinien, f am 5. November in 
Conception-del-Uruguay. — 

Zur weiteren Mittheilung des Vorsitzenden gelangt ein Referat des- 
selben über die vortreffliche Schrift von John Evans: The ancient 
Brome Implements, iveapons, and Ornaments of Great Britain and Ire- 
land. London, 1881. 8^. 509 p. mit 540 Holzschnitten im Text. 

Man verschreitet nun zur Berathung eines Antrages, die Honorirung 
eines Beamten für den Betrieb und Vertrieb der Zeitschrift des Isis be- 
treffend, welcher Annahme fand. 


67 


In den hierauf vorgenommenen Neuwahlen der Beamten für das Jahr 
1882 werden gewählt zum ersten Vorsitzenden der Gesellschaft: 

Herr Geh. Hofrath Dr. Geinitz; 

als Stellvertreter desselben und zugleich Vorsitzender des Ver- 
waltungsrathes : Herr Professor Dr. Harnack; 
als Kassirer: Herr Hofbuchhändler H. Warnatz; 
als erster Secretär: Herr Dr. J. V. Deichmüller; 
als zweiter Secretär: Herr Dr. Th. H. Schunke; 
als erster Bibliothekar: Herr 0. Thüme; 
als zweiter Bibliothekar: Herr Professor Dr. B. Vetter. 

Zur Ergänzung des Verwaltungsrathes wegen des Statuten- 
gemässen Ausscheidens zweier Mitglieder, eines Todesfalles und eines frei- 
willigen Austrittes aus demselben, wurden gewählt die Herren: 

Geheimrath Dr. Zeuner, Director des K. Polytechnikums; 
Civilingenieur F. A. Siemens, Inhaber einer Glasfabrik; 
Landgerichts- Assessor Gg. Conr. Flohr und 
Oberstlieutenant a. D. von Bültzingslöwen, sämmtlich in 
Dresden. 

Schluss der Sitzung halb 10 Uhr. 


Zehnte Sitzung am 22 » December 1881. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Als neue Mitglieder werden aufgenommen: die Herren Veiiagsbuch- 
händler Streit, Fabrikbesitzer Karl Vogel, Apotheker Witt und Dr. Willi- 
bald Hentschel. 

Der Vorsitzende theilt das Resultat der Wahlen sämmtlicher Beamten 
der Gesellschaft für das Jahr 1882 mit und stellt für dieses Jahr die 
Abhaltungen von 12 Hauptversammlungen, 5 Sitzungen der zoologischen, 
5 der botanischen, 5 der mineralogischen, 5 der vorhistorischen, 4 der 
physikalisch chemischen und 6 der mathematischen Section in Aussicht. 

Hierauf hält Herr Dr. F. Hirth vom K. Chines. Seezollverwaltungs- 
dienst in Shanghai folgenden Vortrag: 

lieber das Beamtenwesen in China. 

Nach einer Besprechung der Etymologie des Wortes „Mandarin“, 
eines allen europäischen Sprachen gemeinsamen Fremdwortes, womit ein 
Beamter des chinesischen Reiches bezeichnet werde, hebt der Vortragende 
die wichtige Stellung hervor, die der Beamte in China gegenüber allen 
anderen Ständen einnimmt. Gegen das Beamtenthum verschwindet die 
Aristokratie des Adels, der Geistlichkeit, des Reichthums. Grundlage der 
Carriere des Beamten ist im Princip seine Erziehung, speciell seine lite- 
rarische Vorbildung, deren Resultate in stufenweise abgelegten Prüfungen 
von der Regierung ermittelt werden. Die wissenschaftliche Erziehung 


68 


beginnt, wie bei uns, mit dem sechsten Lebensjahre. Wie jeder Ameri- 
kaner sein Patent zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewissermassen 
bei der Geburt in der Tasche trägt, so steht es jedem Sohne anständiger 
Eltern frei, durch Talent und Fleiss die höchsten Würden zu erwerben. 
Nur gewissen Klassen, wie z. B. den Söhnen von Schauspielern oder Haus- 
dienern, ist es verboten, sich um ein Staatsamt zu bewerben. Von der 
grössten Wichtigkeit sind bei der Heranbildung der künftigen Beamten 
die abzulegenden Prüfungen. China ist das Land, der Examina. So 
schablonenmässig dieselben betrieben werden, sind sie doch im Laufe der 
Jahrhunderte die Triebfeder der chinesischen Cultur geworden, bilden sie 
doch mit ihren substantiellen Belohnungen, die dem Strebenden in Gestalt 
von Amt, Rang und öffentlichem Einfluss winken, den Sporn zur geistigen 
Beschäftigung bei einem Volke, das ohne diese materielle Anregung viel- 
leicht trotz seiner Literatur hinter sich selbst zurückgeblieben wäre. 

Der Vortragende entwickelt, mit Heranziehung einiger praktischer 
Beispiele, den Studiengang des Studirenden. Die Methode ist anfangs 
mechanisch. Ein didaktisches Gedicht, das sogenannte Santzeking, das 
die wichtigsten Lehren der Lebens- und Naturphilosophie und die Ele- 
mente der später zu betreibenden Wissenschaften enthält, wird vom Schüler 
zunächst papageienartig so lange nachgesprochen, bis Auge, Ohr und 
Zunge mit dem Silbenschatz dieser ersten Lesefibel vollständig vertraut 
sind; nur eins fehlt noch, das Verständniss. Danach werden früh die 
Klassiker in Angriff genommen und nun wird so lange auswendig gelernt, 
gelesen, geschrieben, interpretirt, bis der junge Mann in den Schriften des 
Confucius und des Mencius bibelfest genug ist, um — wie wir akademisch 
zu sagen pflegten — ,,ins Examen zu steigen.“ 

Die Examina werden zunächst in den Kreishauptstädten (Hien) ab- 
gelegt. Wer hier gut bestanden, darf sich demnächst an einem grösseren 
Examen in der Departements -Hauptstadt (Fu) betheiligen. Die weitere 
Instanz liegt in der Provinzial-Hauptstadt, wo eine Art Baccalaureus, der 
Grad des Siutsai, erworben wird, der den Besitzer über die summa- 
rische Verurtheilung zur Prügelstrafe seitens eines gewöhnlichen Richters 
erhebt. Wie unser Doctor philadelphicus, hat auch der chinesische Siutsai 
seine Würde oft mit 200, 500 oder 1000 Dollars erkauft. Schwieriger 
ist das zweite Provinzialexamen, wo der Rang des Küjen, der nächst 
hohen Würde, errungen wird. Von 4000 bis 8000 Candidaten, die sich 
zu diesem Examen zu melden pflegen, bestehen gewöhnlich nur einige 
Sechzig, darunter Individuen in jedem Lebensalter von 19 bis 60 Jahren. 
Die schriftlichen Aufgaben, sowie die mündlich zu beantwortenden Fragen 
betreffen die Erklärung der Klassiker, Geschichte der vaterländischen Lite- 
ratur, die alte Geographie, die Verwaltung in ihrer historischen Entwicke- 
lung u. s. w. und setzen ein wahrhaft encyclopädisches Wissen voraus. 

Der Vortragende beschreibt hierauf das dem Examen zu Grunde 
liegende Verfahren, sowie die örtlichen Einrichtungen der Examengebäude, 


69 


speciell der Stadt Canton, die er in den Jahren 1870 bis 1875 bewohnt 
hat. Von den als Küjen bestanden habenden Candidaten werden einige 
sogleich im Staate angestellt, andere müssen warten oder rüsten sich zu 
der noch höheren Staatsprüfung in Peking, wo der Grad des Chin-shih 
oder „vorgerückten Gelehrten“ erworben wird und wo in je drei Jahren 
nur einige Hundert Candidaten bestehen. Nur einer kleinen auserlesenen 
Schaar ist es Vorbehalten, die nächste und höchste Stufe zu ersteigen, die 
Ehre, sich ein Glied der kaiserlichen Akademie der Wissenschaften oder 
Hanlin, d. h. „Pinselwald“, nennen zu dürfen, eines Collegiums, das 
dem Namen nach gewissermassen einen Wald von Pinseln, resp. Schreib- 
federn, bildet, indem von seinen Mitgliedern vorausgesetzt wird, dass sie 
eine gute Feder schreiben. 

Je höher das abgelegte Examen, defeto grösser die Aussichten auf 
hohe Staatsanstellungen. Specielle Examina bestehen im Militärdienste. 
Redner schildert aus eigener Anschauung eine Truppenrevue, die vor etwa 
10 Jahren vor dem Vicekönig von Canton stattfand, ein Schauspiel, das 
im Ganzen den Eindruck hinterliess, als ob viel zu viel Gewicht auf 
körperliche Fertigkeiten, wie Bogenschiessen, athletische Uebungen und 
allerhand Circuskunstsücke, gegenüber den Kenntnissen in der Taktik und 
verwandten Disciplinen, gelegt würde. 

Die Examina, wie geschildert, bilden dem Princip nach die Pforte 
zum Staatsdienst, doch gehört der Verkauf von Stellen, sowie von äusseren 
Rangtiteln zu den sanctionirten Einnahmen des Hofes. 

Die äusseren Abzeichen der Mandarinen sind der Knopf (dem Range 
nach: roth, blau, krysl allen, weiss, golden) und das Putze, eine auf 
Brust und Rücken des Obergewandes erscheinende Stickerei, bei den Civil- 
beamten, sowie deren Frauen einen Vogel, bei den Offizieren der Armee 
ein Rauhthier darstellend. Nach einer detaillirten Schilderung der Man- 
darinenuniform werden die Functionen der einzelnen Beamten einer Er- 
örterung unterzogen, wobei der gesammte Organismus der chinesischen 
Staatsverwaltung zur Besprechung kommt. 

Die Justiz liegt noch im Argen. Die Criminalgesetze, im Ta-ching- 
lü-li, dem Strafcodex der Chinesen, niedergelegt, würden genau befolgt, 
immerhin ein leidliches System der Rechts Vollstreckung repräsentiren ; aber 
die Ausführung wird so häufig umgangen, das Recht wird so häufig zum 
Vorwand zu ungerechten Verfolgungen gemacht, dass sich in der Praxis 
nicht viel Gutes über die dortige Rechtspflege sagen lässt. 

Die Centralverwaltung in Peking besteht im Wesentlichen aus einem 
geheimen Cahinet und sechs Ministerien, denen sich ein Colonialministe- 
rium und das sogenannte Tsungli-Yamen, das auswärtige Amt, anreihen. 
Letzteres besteht insbesondere zur Regelung des Verkehrs mit den Euro- 
päern. Unter diesem Ministerium, dem auch Prinz Kung, ein Onkel des 
Kaisers, der einflussreichste Staatsmann von kaiserlichem Geblüt, angehört, 
steht unter Anderen der General-Zollinspector, ein Engländer, als Chef 


70 


der von Europäern geleiteten Seezollverwaltung, zugleich die rechte Hand 
der Regierung in auswärtigen Angelegenheiten. Ein eigenthümliches In- 
stitut bilden die Tutschayüan, die Censoren — schlichte, ehrliche Beamte 
zu dem Zwecke ernannt, die Fehler ihrer Collegen zu kritisiren. Die 
Mandarinen beziehen als nominellen Gehalt nur geringe Summen, ein Vice- 
könig nicht ganz 9000 Pfund Sterling, ein Taotai, der höchste Macht- 
haber in einem etwa dem Königreiche Württemberg entsprechenden Ge- 
biete, nur 1000 Pfund Sterling; dazu werden gute Posten oft nur auf 
kurze Zeit vergeben und muss beim Tode eines der Eltern jeder Mandarin 
auf drei Jahre abdanken. Daher mag es kommen, dass ungesetzliche 
Einnahmen, Geschenke und Erpressungen den grösseren Theil der Subsi- 
stenzmittel beim Beamten bilden. 

Der Vortragende bespricht zum Schluss einzelne Züge aus dem Leben 
der Beamten, insbesondere auch die Etiquette, die für den schriftlichen 
wie den mündlichen Verkehr in allen Einzelheiten genau regulirt ist. 

Dr. H. Br. Geinitz. 


Freiwillige Beiträge zur Gesellscliaftskasse zahlten 

die Herren: Apotheker Sonntag in Wüstewaltersdorf 3 Mk. ; Hofrath 
Dr. Castelleri in Franzensbad 10 Mk.; Ingenieur Prasse in Adorf 
5 Mk.; Dr. med. Wohlfahrt in Dippoldiswalde 5 Mk.; Franz Lud- 
wig Gehe in Dresden 300 Mk. ; Ungenannt in Dresden 1000 Mk. In 
Summa: 1323 Mk. 


Heinrich Warnatz. 


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Im Jahre 1882 leitet die Geschäfte der ISIS folgendes 
Beamten - Collegium : 

Vorstand. 

Erster Vorsitzender: Herr Geh. Hofrath Dr. H. B. Geinitz. 

Zweiter Vorsitzender: Herr Professor Dr. A. Har nach. 

Kassirer: Herr Hofbuchhändler H. Warnatz. 

Directoriiim. 

Erster Vorsitzender: Herr Geh. Hofrath Dr. Geinitz. 

Zweiter Vorsitzender: Herr Professor Dr. Harnack. 

Als Sectionsvorstände: 

Herr Hofapotheker Dr. Caro. 

Herr Professor Dr. Drude. 

Herr Eealschul-Oberlehrer Engelhardt. 

Herr Professor Rittershaus. 

Herr Hofrath Professor Dr. Schmitt. 

Herr Professor Dr. Vetter. 

Erster Secretär: Herr Dr. J. V. Deichmüller. 

Zweiter Secretär: Herr Oberlehrer Dr. Schunke. 

Verwaltungsrath. 

Vorsitzender: Herr Professor Dr. A. Harnack. 

1. Herr Apotheker C. G. H. Baumeyer. 

2. Herr Rentier E. Schür mann. 

3. Herr Geheimrath Director Dr. Zeuner. 

4. Herr Civilingenieur und Fabrikbesitzer Friedr. Siemens. 

5. Herr Landgerichts- Assessor G. C. Flohr. 

6. Herr Oberstlieutenant a. D. v. Bült zingslö wen. 

Kassirer: Herr Hofbuchhändler H. Warnatz. 

Erster Bibliothekar: Herr Handelsschullehrer 0. Thüme. 

Zweiter Bibliothekar: Herr Professor Dr. Vetter. 

Secretär: Herr Oberlehrer Dr. Schunke. 

Sections- Beamte. 

I. Section für Zoologie. 

Vorstand: Herr Professor Dr. B. Vetter. 

Stellvertreter: Herr Gymnasiallehrer Dr. G. R. Ebert. 

Protokollant: Herr Dr. med. Raspe. 

Stellvertreter: Herr Handelsschullehrer 0. Thüme, 


72 


II. Section für Botanik. 

Vorstand: Herr Professor und Director Dr. 0. Drude. 
Stellvertreter: Herr Oberlehrer Dr. Keil. 

Protokollant: Herr Obergärtner Kohl. 

Stellvertreter: Herr Oberlehrer F. A. Peuckert, 

III. Section für Mineralogie und Geologie. 

Vorstand: Herr Realschul- Oberlehrer H. Engelhardt 
Stellvertreter: Herr Bergingenieur A. Purgold. 

Protokollant: Herr Dr. W. Pah st. 

Stellvertreter: Herr Assistent C. Härter. 

IV. Section für Physik und Chemie, 

Vorstand: Herr Hofrath Professor Dr. R. W. Schmitt. 
Stellvertreter: Herr Professor Dr. G. W. Abendroth. 
Protokollant: Herr Assistent Dr. R. Möhlau. 

Stellvertreter: Herr Civilingenieur Dr. W. R. Pröll. 

V. Section für vorhistorische Forschungen. 

Vorstand: Herr Hofapotheker Dr. L. Caro. 

Stellvertreter: Herr Porzellanmaler C. E. Fischer. 
Protokollant: Herr Dr. H. A. Funke. 

Stellvertreter: Herr Handelsschullehrer Dr. F. C. E. Deckert. 

' VI. Section für reine und angewandte Mathematik. 

Vorstand: Herr Professor T. Rittershaus. 

Stellvertreter: Herr Professor Dr. A. Voss. 

Protokollant: Herr Oberlehrer Dr. G. Helm. 

Stellvertreter: Herr Professor Dr. A. Harnack. 


Eedactions - Comite. 

Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des H. Vor- 
sitzenden und des II. Secretärs. 

P: 


An die Bibliothek der Gesellschaft Isis sind in den Monaten 
Juli bis December 1881 an Geschenken eingegangen; 


Aa 3. Abhandlungen d. naturf. Ges. in Görlitz. 17. Bd. Görlitz 81. 8. 

Aa 9a. Bericht über die Senckenbergisch-naturf. Ges. 1880/81. Frankfurt a/M. 81. 8. 
Aa 11. Anzeiger d. Ak. d. Wissenschaften in Wien. VoL 7. Nr. 1 — 25. Wien 81. 8. 

Aa 24. Bericht über die Sitz. d. naturf. Ges. zu Halle im Jahre 1880. Halle 80. 8. 

Aa 26. Bericht, 26., d. oberhess. Ges. für Natur- u. Heilkunde. Giessen 81. 8. 

Aa 41. Gaea, Zeitschrift f. Natur u. Leben. 25. Jahrg. Hft. 1 — 12. Bonn 81. 8. 

Aa 51. Jahresbericht d. naturf. Ges. Graubündens. N. F. 23. u. 24. Jahrg. Chur 81. 8. 
Aa 60. Jahreshefte f. vaterl. Naturkunde in Württemberg. 37. Jahrg. Stuttgart 81. 8. 
Aa 62. Leopoldina, Zeitschr. d. K. Leopoldinischen Akademie. Hft. 17. Nr. 1 — 22. 

Aa 64. Magazin, neues Lausitzisches, 57. Bd. 1. Hft. Görlitz 81. 8. 

Aa 88. Verhandlungen d. naturw. Ver. in Karlsruhe. 8. Hft. Karlsruhe 81. 8. 

Aa 93. Verhandlungen d. naturhist. Ver. d. preusg. Bheinlande u. Westfalens. 36. Jhrg. 
1. Hft. 37 Jhrg. 2. Hft. Bonn 80/81. 8. 

Aa 94. Verhandlungen u. Mittheiluiigen d. Siebenbürg. Ver. f. Naturwissenschaften in 
Hermanstadt. 31. Jahrg. Hermannstadt 81. 8. 

Aa 96. Vierteljahrsschrift d. naturf. Ges. in Zürich. 24. u. 25. Jahrg. Zürich 79/80. 8. 
Aa 117. Proceedings of the Ac. of Natural Science of Philadelphia. Part I — III. Phila- 
delphia 80. 8. 

Aa 119. Report on the New-York State Museum of Natur. History. Part 27—31. Al- 
bany 75—79. 8. 

Aa 120. Report annual of the Board of Regents of the Smithsonian Institution for the 
year 1879. Washington 80. 8. / 

Aa 132. Annales de la Societe Linneenne de Lyon. 26. u. 27. Bd. Lyon 79/80. 8. 

Aa 133. Annales de le Societe d’Agriculture, d’Histoire naturelle etc. de Lyon. 5. Ser. 

Tome II. 1879. Lyon et Paris 80. 8. 

Aa 134. Bulletin des Naturalistes de Moscou. Anno 7. Moscou 81. 8. 

Aa 138. Memoires de l’Academie de Dijon. Ser. III. Tome 6. Annee 1880. Dijon 81. 8. 
Aa 139. Memoires de FAcademie des Sciences, helles lettres etc. de Lyon. VoL 24. 
Lyon 79/80. 8. 

Aa 144. Publication de Flnstitute royale de Luxembourg. Section des Sciences naturelles. 
Tome XVIII. Luxembourg 81. 8. 

Aa 145. Mittheilungen d. Copernicus-Ver. f. Wissenschaft u. Kunst zu Thorn. III. Hft. 
Thorn 81. 8. 

Aa 148. Annuario de Soc. dei Naturalisti in Modena. Anno XV. Disp. 1. 2. 3. Ser. IP. 
Modena 81. 8. 

Aa 152. Atti del Reale Istituto Veneto di scienze ed arti. Tome VI. Ser. V. Disp. X. 
Venezia 79/80. 8. 

Aa 170. Proceedings of the American Academy ofArts and Sciences. Vol. XVI. Boston 
1881. 8. 

Aa 171. Bericht d. naturw. med. Vereins in Innsbruck. XI. Jahr. 80/81. Innsbruck 

1881. 8. 

Aa 174. Schriften d. Ver. für Gesch. u. Naturgesch. d. Baar etc. in Donaueschingen. 
IV. Hft. Tübingen 82. 8. 

Aa 179. Jahresbericht d. Ver. für Naturkunde zu Zwickau. 1880. Leipzig 81. 8. 

7 


74 


Aa 183b. Memoires of the Peabody-Academie of Science. Vol. V. Nr. 5. 6. Salem 81. 8. 
Aa 185. Bulletin of the Bufialo Soc. of the Natural Sciences. Vol. III. Nr. 5. Buffalo 
1877. 8. 

Aa 187. Mittheilungen d, deutsch. Ges. f. Natur- u. Völkerkunde Ostasiens. 24. Hft. 
Yokohama 81. 8. 

Aa 199. Commentari dell’ Ateneo di Brescia p. l’Anno 1881. Brescia 81. 8. 

Aa 204. Verhandlungen d. naturw. Ver. v. Hamburg u. Altona. 1880. N. F. V. Ham- 
burg 81. 8. 

Aa 209. Atti della Societa Toscana di Scienze Nat. residente in Pisa. Mem. Vol. V. 
fase. 1. Pisa 81. 8. 

Aa 217. Archives du Musee Teyler. Ser. H. Part I. et Suppl. IV. Catalogue Systeme 
de la Collection Paleontologique. Harlem 81. 8. 

Aa 226. Atti della R. Accademia dei Lincei. Anno 278. Ser. HI. Vol. V. fase. 14. 279. 
Ser. HI. Vol. VI. fase. 1. Roma 81. 8. 

Aa 230. Annales d. 1. Sociedad Cientifica Argentina. Juni 81. Buenos-Aires 81. 8. En- 
trega I. II. IV. Tomo XII. 

Aa 231. Jahresbericht, IX., des westphäl. Provinzial- Ver. f. Wissenschaft und Kunst. 
München 81. 8. 

Aa 239. Proceedings of the Royal-Society. Vol. 31. Nr. 1 — 6. London 81. 8. 

Aa 242. Bericht, 28., d. Ver. f. Naturkunde zu Cassel. 1880/81. Cassel 81. 8. 

Aa 244. Proceedings of the Natural-Historye Society of Glasgow. Vol. IV. Part H. 
79/80. Glasgow 81. 8. 

Aa 247. Bulletin de la Soc. de Sciences naturelles de Neuchatel. T. XII. 2. Hft. Neu- 
chatel 81. 8. 

Aa 248. Bulletin de la Societe Vaudoise des Sciences naturelles. 2. Ser. Vol. XVII. 
Nr. 85. 86. Lausanne 81. 8. 

Aa 251. Den Norske Nordhavs-Expedition. 1876 — 1878. HI. Zoology. Gephyrea ved D. 

C. Danielsen ag Johan Koren. Christiania 81. 8. 

Aa 254. Mittheilungen d. naturf. Ges. in Bern. I. Hft. 1878 — 1880. (937—1003.) Bern 
1879/81. 8. 

Aa 255. Verhandlungen d. Schweizerischen naturforsch. Ges. in Brieg. Jahresber. 79/80. 
Lausanne 81. 8. 

Aa 255. Verhandlungen d. Schweizerischen naturforsch. Ges. in St. Gallen. Jahresber. 
1879/80. St. Gallen 79. 8. 

Aa 256. Schriften d. neurussischen Ges. d. Naturforscher Bd. VI. Hft. 1. 2. Bd. VII 
Hft. 1. Odessa 79/80. 8. (In russischer Sprache.) 

Aa 257. Arbeiten d. Ges. d. Naturforscher a. d. K. Univ. in Charkow. Bd. 13. 14 
1879/80. Charkow 80/81. 8. (In russischer Sprache.) 

Ba 6. Correspondenzblatt d. zool.-mineral. Ver. in Regensburg. 34. Jahrg. Regens- 
burg 80. 8. 

Ba 20. Meddelanden af societas pro fauna et flora Fennica. Hft. 6— 8. Helsingfors 
1881. 8. 

Bb 55. Societe zoologique de France: De la Nomenclature des etres organises. Paris 
1881. 8. 

Bc 45. Balfour, Fr., Handbuch d. vergleich. Embryologie. H. Bd. I. Hft. üebersetzt 
von Dr. B. Vetter. Jena 81. 8. 

Bk 9. Deutsche entomologische Zeitschrift. 25. Jahrg. Hft. 1. 2. Berlin 81. 8. 

Bk 12. Entomologisk Tidskrift v. Jac. Spängberg. Bd. 1. Hft. 1. 2. 1881. Stock- 
holm 81. 8. 

Bk 218. Westhoff, Fr., Die Käfer Westfalens. 1. Abth. Bonn 81. 8. 

Bk 219. Mik, J., Diptera, ges. v. H. Krone auf den Aucklandinseln. Wien 81. 8. 

Ca 11. Recueil d. memoires et des travaux p. la Soc. Botanique du Grand-Duche de 
Luxembourg. Nr. 4. 6. Luxembourg 80. 8. 


75 


Ca 13. Bulletin des travaux de la Societe Murithienne du Valais. 1880. fase. X. Neu- 

chatel 81. 8. 

Cf 24. Lanzi, Dr. M., Sul Placodium albescens. Körb, del Colosseo. Roma 80. 8. 

„ „ „ L’Agaricus tumescens. Viv. Roma 81. 8. 

Da 4. Jahrbuch d. K. K. geol. Reichsanstalt. Bd. 31. Hft. 1. Wien 81. 8. 

Da 16. Verhandlungen der K. K. geol. Reichsanstalt. Jhrg. 1881. 1 — 6. 12 — 18. 

Wien 81. 8. 

Da 17. Zeitschrift d. deutsch, geol. Ges. Bd. 33. Hft. 1. 2. Berlin 81. 8. 

Da 21. Reports of the Mining Surveyors et Registrars. March, June 1881. Victoria 81. 8. 

Da 21. Mineral Statistics of Victoria for the year 1880. Victoria 80/81. 8. 

De 81. Sandberger, F., Geologische Erscheinungen in nassen Jahren. Würzburg 
1881. 8. 

De 120c. Bulletin of the United States Geol. u. Geogr. Survey of the Territories. Vol. VI. 
Nr. 2. Washington 81. 8. 

De 146. Credner, Dr. H. , Die geol. Landesuntersuchung d. K. Sachsen während 

1880/81. Leipzig 81. 8. 

„ „ „ Geol. Specialkarte d. K. Sachsen nebst Erläuterungen: 

Nr. 26 Sect. Liebertwolkwitz Nr. 27 Sect. Naunhof. 
Nr. 42 Sect. Borna. Nr. 43 Sect. Lausigk. Nr. 78 Sect. 
Frankenberg-Hainichen. Nr. 126 Sect. Lössnitz. Nr. 139 
Sect. Annaberg. Leipzig 81. 

De 156. Liebe, Dr. K. Th., Die Seebedeckungen Ost-Thüringens. Gera 81. 8. 

Dd 19. Fritsch, Dr. A., Fauna d. Gaskohle u. der Kalksteine der Permformation 
Nordböhmens. Bd. I. Hft. 3. Prag 81. 8. 

Dd 29. Hall, J., On the Relation of the Niagara and Lower Helderberg Formations, 

and their Geographical Distribution in the Unit. St. et 
Canada. 

„ „ Descriptions of Bryozoa and Corals of the Lower Helderberg Group. 

Albany 74/80. 8. 

„ „ The Hydraulic Beds and Associated Limestones at the Falls of the 

Ohio. Albany 77. 8. 

Dd 108. Credner, Dr. H., Die Stegocephalen a. d. Rothliegenden des Plauenschen 
Grundes b. Dresden. I. Theil. Berlin 81. 8. 

Dd 109. Taramelli, F., Monografia Stratigrafica e Palaeontologica del Lias nellePro- 
vince Venete. Veneria 80. 8. 

Ec 2. Bullettino meteorologico. Ser. II. Vol. I. Nr. 1 — 6. Moncalieri 81. 4. 

Ee 3. Journal of the Microscopical Society. II. Ser. Vol. I. Nr. 1 — 5. London 81. 8. 
Fa 8. Notizblatt d. Ver. f. Erdkunde zu Darmstadt. IV. Folge. 1. Hft. Darmstadt 80. 8. 
Fa 16. Mittheilungen d. Ver. f. Erdkunde z. Halle a/S. Halle a'S. 81. 8. 

Fb 98. Press el. Fr., Münster-Blätter. II. Hft. Ulm 80. 8. 

Fb 111. Moschkau, Dr. A., Der Cottmar b. Walddorf. 2. Aufl. Oybin 81. 8. 

G 5. Mittheilungen v. Freiberger Alterthumsverein. 17. Hft. Freiberg 81. 8. 

G 54. Bullettino di Paletnologia Italia. Anno 7. Nr. 3 — 6. Milano 81. 8. 

G 55. Verhandlungen d. Berliner Ges. f. Anthropoh, Ethnograph, u. Urgeschichte. 
Jhrg. 81. Jan. bis März. Berlin 81. 8. 

G 77. Friedrich, Dr. A., Beiträge zur Alterthumskunde der Grafschaft Wernige- 
rode. II. Wernigerode 68. 4. 

„ „ „ Crania Germanica Hartagowentia. 1. Hft. mit 22 Taf. 

Nordhausen 65. 4. 

„ „ Abbildungen von mittelalterlichen u. vorchristlichen Alter- 

thümern im vormal. Bisthum Halberstadt etc. Wernige- 
rode 72. 8. 


76 


G 77. Friedrich, Dr. A., Scaphocephalus aus einer altdeutschen Grabstätte bei 
Mahndorf b. Halberstadt. Wernigerode 76. 8. 

Ha 1. Archiv f. Pharmacie. Bd. 218. Nr. 1—3. 5-7. 9—10. Halle 81. 8. 

Ha 9. Mittheilungen d. ök. Ges. im K. Sachsen. Jhrg. 80/81. Dresden 81. 8. 

Ha 14. Memorie dell’ Academia d’Agricultura etc. di Verona. Ser. II. Yol. 51. fase. 1. 2. 
Verona 81. 8. 

Ha 20. Die landwirthschaftl. Versuchsstationen. Bd. 22. Bd. 27. Nr. 1— 3. Berlin 77/81. 8. 
Ha 26. Bericht über d. Veterinärwesen im K. Sachsen f. d. J. 1880. Dresden 81. 8. 

Ha 27. Gehe, Handelsbericht. Sept. 81. Dresden 81. 8. 

Hb 75. Peter mann, Dr. A., Station Agricole de Gembloux. Nr. 22 — 24. Gembloux 
1881. 8. 

Hb 91. Was sei ge. Ad., Essais pratiques d. dem. modele de Forceps-Tarnieu. Paris 
1881. 8. 

Hb 92. Gsch eidien, Dr. R., Die Kronenquelle zu Obersalzbrunn. Breslau 81. 8. 

Hb 93. Frey tag, Bad Oeynhausen (Rehme) in Westfalen. Minden 80. 8. 

Je 93. Programm d. K. S. Polytechnikums zu Dresden. 81 82. Dresden 81. 8. 

Je 80. Tüchtigste Verslag van het Naturkuiidig Genootschap te Groningen. Groningen 
1880. 8. 


Für die Bibliothek der Gesellschaft ISIS wurden vom 
Januar bis December 1881 folgende Bücher angekauft: 

Aa 9. Abhandlungen d. Senckenbergisch-naturf. Ges. XII. Bd. 1. u. 2. Hft. Frank- 
furt a/M. 80. 4. 

Aa 98. Zeitschrift für die gesammten Naturwissenschaften v. C. Giebel. Jhrg. 1881. 
Nr. 1 — 4. Halle 81. 8. 

Aa 102. The Annals and Magazine of Natural History. Vol. VH. Nr. 1 — 11. 

Aa 107. Nature. Vol. 23. Nr. 584—632. London 81. 4. 

Ba 10. Zeitschrift f. wissensch. Zoologie. Bd. 35. Hft. 1 — 4. Bd. 36. Hft. 1. 2. 

Ba 21. Zoologischer Anzeiger. Nr. 73 — 99. Leipzig 81. 8. 

Ba 23. Zoologischer Jahresbericht f. 1879. Herausg. von d. zool. Station zu Neapel. 
I. u. H. Hft. Leipzig 80. 8. 

Bb 54. Bronn, Dr., Klassen u. Ordnungen d. Thierreiches. VI. Bd. HI. Abth. Lief. 

13—17. 22—24. Leipzig 81. 8. 

Bl 35. Huxley, Der Krebs. Braunschweig 81. 8. 

Ca 2. Hedwigia. Notizblatt f. Kryptog. Studien. Jhrg. 1881. 1 — 12. 

Ca 3L Jahrbücher f. wissensch. Botanik. Bd. 12. Hft. 3. 4. 

Ca 8. Zeitschrift, .österr.-botanische, Jhrg. 1881. Nr. 1 — 12. Wien 81. 8. 

Ca 9. Zeitung, botanische, 39. Jhrg. Nr. 1—52. 

Ca 12. Just, Botanischer Jahresbericht. VI. Jhrg. II. Abth. I. Hft. Berlin 80. 8. 

Cd 61. Griesebach, A., Gesammelte Abhandlungen u. kleinere Schriften zur Pflanzen- 
geographie. Leipzig 80. 8. 

Da 6. Jahrbuch f. Mineralogie. Jhrg. 1881. Nr. 1 — 3. Beilagenband. Hft. 1 — 2. 

Eb 33. Zeitschrift f. angewandte Electricitätslehre. Nr. 1 — 24. 

Ee 2. Journal of Microscopical Science. VHI. Bd. Nr. 82 — 84. 

G 1. Anzeiger f. schweizerische Alterthumskunde. Jhi'g. 81. Nr. 1-4. 

G 52. Schliemann, Dr. H., Ilios, Stadt u. Land d. Trojaner. Leipzig 81. 8. 

Osmar Thüme, 

z. Z. I. Bibliothekar der Gesellschaft Isis. 


Druck von E. iJlochmaun und Sohn in Dresden. 


Abhandlungen 

der 

naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden. 


1881 . 




L Anleitung zu pliytopliänologisclien Beobachtungen 
in der Flora von Sachsen. 

Yon Prof. Dr. Oscar Drude. 


In dem Programm, welches unter dem Titel: ,,Eine moderne Bearbei- 
tung der Flora von Sachsen“*) vor mehr als Jahresfrist eine Uebersicht 
über die verschiedenen wissenschaftlichen Gesichtspunkte einer Flora 
Saxonica entwickelte, sind unter denselben die phänologischen 
Beobachtungen genannt, auch ist daselbst (1. c. p. 15) eine Andeu- 
tung darüber gegeben, wie dieselben anzustellen seien und welche Zwecke 
sie verfolgten. Die dort ausgesprochene Absicht von mir, für Sachsen 
eine neue, auf Grund meiner früheren in den Landen Braunschweig und 
Hannover seit 1874 angestellten Beobachtungen und gewonnenen Erfahr- 
ungen verbesserte Anweisung zu phytophänologischen Beobachtungen zu 
geben, soll nun jetzt an dieser Stelle ausgeführt werden, nachdem ich im 
Sommer 1880 die floristischen Verhältnisse Sachsens recognoscirt habe, 
und ich hege die Erwartung, dass bei dem Interesse, welches eine erneute 
Darstellung der Florenverhältnisse des Königreichs schon jetzt sich ver- 
schafft hat, eine Reihe von beobachtungslustigen Jüngern der Scienüa 
amabilis diesem hier lange unbeachtet gebliebenen Zweige der Floristik ihre 
lebhafte Theilnahme und energische Mitarbeiterschaft nicht versagen werden. 

Wenngleich der ganze Zweck dieser kleinen Abhandlung ein direct 
praktischer ist, indem sie zunächst nur auf die Bedürfnisse der Flora 
Sachsens Bezug nimmt und die Methoden, welche in der Phytophänologie 
bisher zur Verwendung oder nur zum Vorschläge kamen, nur in der Ab- 
sicht erläutern soll, um den Beobachtern eine präcise Instruction an die 
Hand zu geben, welche zum Gewinn einheitlich hervorgegangener Resul- 
tate, deren Ueberarbeitung und zusammenhängende Darstellung ich mir 
selbst erbitte, führen soll und mit möglichster Genauigkeit befolgt werden 
muss, so halte ich es doch zugleich für nothwendig, gewissermassen als 
Einleitung zu dieser Instruction die Tendenz der phytophänologischen 
Beobachtungen etwas eingehender auseinander zu setzen, als es in meinem 
vorjährigen Programm geschehen ist, damit jeder Theilnehmer an diesen 
Beobachtungen deren Tragweite kennt und damit vor falschen Zahlen- 
spielen gewarnt werde. Ausführlich auf diesen allgemeinen Theil einzu- 
gehen, halte ich jedoch für um so weniger in diesen Abhandlungen am 
Platze, je mehr Specialkenntnisse sowohl in Pflanzenphysiologie als Klima- 
tologie und der älteren phytophänologischen Literatur dazu erforderlich 
sind; wenn wir erst eine Reihe von Jahren hindurch feste Zahlen aus 
guten vergleichenden Beobachtungen gewonnen haben werden, und wenn 
es sich darum handelt, Gesetzmässigkeiten in den schwankenden Ziffern 


*) Sitzungsber. d. Isis, Jahrgang 1880, p. 12~16, 

Oes. Isis in Dresden, 1881. — Abb. 1. 


1 * 


4 


zu suchen und dieselben pflanzengeographisch zu verwerthen, dann wird 
es eher nothwendig sein, die Theorien, welche die Wissenschaft als Aus- 
druck solcher Gesetzmässigkeit aufzustellen versucht hat, einer eingehenden 
Kritik zu realen Zwecken zu unterwerfen. 

Die Beobachtung phytophänologischer Erscheinungen ist eine sehr 
alte; jeder seine Flora untersuchende Botaniker macht sie mehr oder 
weniger bewusst mit durch. Das Erblühen gewisser allgemein verbreiteter 
Blumen, das Ausschlagen gewisser Bäume und Sträucher sah man in ver- 
schiedenen Jahren und an verschiedenen Orten nur ungefähr auf dieselbe 
Zeit fallen, in unseren Klimaten (im nördlichen Waldgehiete beider Hemi- 
sphären, wo fast allein bisher solche Beobachtungen vergleichend angestellt 
worden sind) aber besonders in den Frühlingsmonaten oft sehr verschieden- 
artig eintreten. Da man leicht bemerken konnte, dass einer Verschieden - 
artigkeit in der Blüthenentwickelungszeit und dem Ausschlagen der Bäume 
eine eben solche im Klima parallel ging, so charakterisirte man das Ein- 
ziehen des Frühlings durch beide; da nun die klimatologischen Beobach- 
tungen schon lange, bevor man die Aufblüh- und Ergrünungszeiten weit 
verleiteter Pflanzen vergleichend statistisch festgestellt hatte, eine hin- 
reichende Charakterisirung für geographisch verschieden gelegene Orte 
ergeben hatten, so lag nichts näher, als die Beobachtungen über die Ent- 
wickelungsphasen der Pflanzenwelt an diese anzuknüpfen und zu ver- 
suchen, ob sich nicht die doppelten Zahlenreihen aufeinander zurück- 
beziehen Hessen. So entstand mit Erweiterung der phänologischen 
Beobachtungen zugleich das Bestreben, die Entwickelungsphasen be- 
stimmter, viel beobachteter Pflanzen auf die allgemeinsten Beobachtungen 
der Meteorologie, auf die Temperaturgrade, in irgend einer Weise zurück- 
zuführen. 

Allein so viele Versuche auch in dieser Beziehung gemacht sind, so 
ist keiner von wirklich durchschlagendem praktischem Erfolge gewesen, 
was sich theoretisch leicht erklären lässt. Sogar wenn man unberück- 
sichtigt lassen wollte, dass in dem die Pflanzenentwickelung eines be- 
stimmten Ortes bedingenden Klima nicht die Temperatur allein in Frage 
kommt, sondern auch Lichtvertheilung und Feuchtigkeit, sogar wenn man 
die Vernachlässigung dieser beiden Factoren damit entschuldigen wollte, 
dass die Temperatur in gewisser Weise auch von ihnen mit Eechenschalt 
ablegt, weil helle Sonnentage im Sommer hohe Temperaturgrade , trübe 
Tage dagegen eine wenig schwankende Temperatur mittlerer Höhe zur 
Folge haben, so hat sich noch keine Methode finden lassen, um in 
Zahlen alle jene Schwankungen der Wärme auszudrücken, welche auf eine 
sich entwickelnde Pflanze ein wirken. Man lässt sich stets eine Einseitig- 
keit zu Schulden kommen, indem man entweder Mittel von Schatten- 
temperaturen oder nur von Sonnentemperaturen zur Bildung von Wärme- 
summen verwendet, welche ein Maass für die jeder Vegetationsphase ent- 
sprechende Wärme Wirkung sein sollen und daher, wie man voraussetzt, 
für dieselbe Pflanze an demselben Orte stets gleich sein müssten; man 
lässt sich ferner eine Willkür zu Schulden kommen, indem man mit der 
Berechnung dieser Wärmesummen an einem beliebigen Tage beginnt 
(meistens mit dem 1. Januar), der durchaus nicht der erste oder vielleicht 
bei anderen Pflanzen noch längst nicht der erste zu sein braucht, dessen 
Temperatur einen Einfluss auf das Leben verschiedener Pflanzen besitzt; 
endlich hat man eingesehen, dass die zufällige Eigenartigkeit der Scala 
unserer Thermometer, welche bei der Bildung von Wärmesummen mathe- 


5 


matisch zum Subtrahiren der unter dem Gefrierpunkte liegenden Grade 
von der Summe der über ihm befindlichen zwingt, kein natürlicher Maass- 
stab für das Pflanzenleben ist, hat aber dessen Unnatürlichkeit noch nicht 
beseitigen können. Denn die Vernachlässigung aller Temperaturgrade 
unter Null schliesst die gewiss nicht richtige Voraussetzung ein, dass 
Nachtfröste, auch in den Monaten April und Mai, keine direct retardi- 
rende, sondern eine nur nicht begünstigende Wirkung auf die Entwickel- 
ungsgeschwindigkeit der Pflanzen besässen; und die Methode v. Oet- 
tingen’s,*) nach welcher für jede Pflanze ein eigener, Schwellentempe- 
ratur genannter, Nullpunkt in Rechnung zu setzen ist, leidet daran, dass 
aus denselben Temperaturbeobachtungen, welche zum Auffinden des 
Schwellen-Temperaturpunktes benutzt werden, auch die Wärmesummen 
unter Berücksichtigung eben dieser Schwellentemperatur gebildet werden 
müssen, so dass hier eine gegenseitige Correctur und überhaupt nur Prü- 
fung unmöglich ist. Bildet man endlich Temperatursummen nur aus 
Maximis (an Insolations- oder Schattenthermometern), so entsteht wieder 
die Unnatürlichkeit der Vernachlässigung der Minima oder überhaupt der 
einer Weiterent Wickelung hinderlichen Temperaturen. Man kann aus 
dieser kurzen Andeutung der Methoden, mit deren Hülfe man die Cor- 
relation zwischen Klima und Pflanzenleben ziffergemäss darstellen wollte, 
ersehen, dass das Thermometer zwar auch alle jene Schwankungen der 
natürlichen Wärmeverhältnisse durchmacht, weiche im Pflanzenleben zur 
Geltung kommen, dass aber die aus den Thermometerablesungen gewon- 
nenen Wärmegrade viel schlechtere, weil einseitige, Darstellungen der 
Wärmeverhältnisse der freien Natur enthalten, als die den letzteren in 
toto folgenden Entwickelungsphasen der Pflanzenwelt. Wir können daher 
einstweileu, bis wir die Quecksilberthermometer zu besseren Berechnungs- 
methoden der uns gespendeten Wärmemenge für naturhistorische Zwecke 
zu verwenden gelernt haben, die Pflanzen, in ihrer Entwickelung beobachtet, 
als noch bessere Thermometer betrachten, und wenn wir diesem Gedanken 
huldigen, so erhält dadurch die Phytophänologie schon einen bestimmten 
Zweck. 

Von Werth können natürlich nur vergleichende Beobachtungen 
sein, Vergleichungen sowohl der verschiedenen Jahre in ihrer Erscheinungs- 
form an demselben, wie an verschiedenen Orten. Und wenn es sich um 
geographische Verschiedenheiten handelt, so ist alsbald der wichtige Unter- 
schied zwischen Abschätzung des Klimas an Quecksilberthermometern und 
an Vegetationsphasen derselben Pflanzen zu erläutern, dass die Queck- 
silberthermometer aller Orten unverändert sind und überall mit gleichem 
Maasse zu messen gestatten, während die Pflanzen, als Maassstab für das 
Klima und die Wärme speciell benutzt, veränderlich sind und daher nur 
relative Gültigkeit besitzen. Die Birken am Nordcap belauben sich bei 
niederer Temperatur als die in der Dresdner Haide und haben zu allen 
weiteren Entwickelungsstadien sowohl weniger Zeit als weniger Wärme 
nöthig; Soldanella alpina im botanischen Garten erträgt in den Monaten 
tiefsten Winters in milden Jahren oft viel höhere Wärmegrade, ohne aus- 
zutreiben und Blüthen zu entwickeln, als sie an ihren natürlichen Stand- 
orten an sich unbenutzt vorübergehen lassen würde; die in Madeira ein- 
geführten Buchen entblättern sich bei Temperaturen, welche unsere Buchen 


*) Phänologie der Dorpater Lignosen in: Archiv für die Naturkunde Liv-, Ehst- 
und Kurlands, Bd. VIII, Lief. 3; Dorpat 1879. 


6 


im vollsten Laubsclimuck treffen, und der milde Winter dort ohne Frost 
und Schnee erspart ihnen dennoch nicht die Ruheperiode. Die Eigen- 
thümlichkeit derselben Art, an verschiedenen Orten verschiedene Anfor- 
derungen an das Klima zu stellen, so zwar, dass stets das für ein ge- 
deihliches Vegetiren Günstigste daraus hervorgeht, entspringt der physio- 
logischen Anpassungsfähigkeit derselben, welche bei den Pflanzen ver- 
schieden stark entwickelt ist und wird als Acclimatisation bezeichnet. Aus 
der Acclimationsfähigkeit der Pflanzen folgt weiter, dass, wenn überhaupt 
irgend eine Berechnung aus den Temperaturgraden gezogen werden könnte, 
welche nicht nur annähernd (wie nach den Methoden Hoffmann’s, 
Tomaschek’s, v. Oettingen’s), sondern auch absolut richtig eine 
Correlation mit bestimmten Entwickelungsphasen gewisser Pflanzen ent- 
hielte, dass alsdann diese Zahl nur für den einen Ort Gültigkeit besässe, 
für den sie berechnet wäre, nicht aber für entferntere Orte mit verschie- 
denem Klima. So hat Schaffer*) herausgerechnet, dass die nach ver- 
schiedenen Methoden gebildeten Temperatursummen oder Durchschnitts- 
temperaturen für dieselbe Phase derselben Pflanze zu Pruntrut in der 
Schweiz höhere Werthe ergeben als in Giessen. Dieses letztere Ergebniss 
ist wiederum ein interessantes und zeigt, dass man auch aus der schlech- 
ten Coincidenz irgendwie gebildeter Temperatur-Durchschnitte oder - Sum- 
men recht interessante Resultate gewinnen kann ; aber natürlich stört die 
darin sich aussprechende Acclimatisation die Schärfe der Beobachtungen 
an sich. Belaubte sich z. B. ein Baum stets bei denselben Temperatur- 
verhältnissen, so brauchte man nur an einem Orte letztere zu messen 
und könnte an allen anderen Orten die Belaubung jenes Baumes, sofern 
er dort wüchse, als Thermometer benutzen; wenn nun aber auch die Be- 
laubung in höheren Gebirgslagen oder unter höheren Breiten im All- 
gemeinen ceteris paribits später vor sich geht, als im milden Klima des 
Thaies oder niederer Breite, so bewirkt doch die Acclimatisation, dass die 
Belaubung in Gebirgen sich nicht um so viel (sondern um weniger) ver- 
spätet, als die vorher bestimmte höhere Temperatur dort später eintrifft; 
es scheint daher jeder Vegetationsphase an jedem Orte ein ganz beson- 
deres Temperaturmaass, abgesehen von den übrigen klimatischen Beding- 
ungen, zu entsprechen, welches an Orten von gleicher klimatischer Be- 
schaffenheit gleich oder wenigstens nahezu gleich sein kann. Nur so kann 
es erklärt werden, dass Hoffmann**) die nach seiner Methode berech- 
neten Temperatur summen für die Blüthe von Lilium candidum (in Giessen 
zu 2834 0 R, in Gera zu 2827 o R, in Frankfurt a. M. zu 2813 o R ge- 
funden) ihrer ungefähren Gleichheit wegen als Beweis für die Richtigkeit 
seiner Wärmesummenbildung aufführen konnte. Damit scheint auch Lins - 
ser’s***) Gesetz ungefähr zu stimmen. — Trotz der Acclimationsfähig- 
keit bleibt aber immer noch ein beträchtliches Stück zeitlicher Verschieden- 
heit im Eintritt einer bestimmten Pflanzenphase für mit verschiedenem 
Klima begabte Orte übrig; mit zunehmender Höhe und Breite tritt bei 
derselben Pflanze ceteris parihus stets Verspätung ein und diese kann, in 
Tagen ausgedrückt, den klimatischen Unterschied zweier der Vergleichung 
unterworfener Orte verständlicher bezeichnen als deren Mitteltemperatur, 


*) lieber die Abliängigkeit der Blütlienentwickelimg der Pflanzen von der Tempe- 
ratur. Inaugural-Diss. Bern 1878. 

Botan. Zeitung 1880, pag. 470. 

Memoirs de TAcadem. imper. de sciensces de St. Petersbourg, ser. VII. t. XI. 
Nr. 7. 1867. 


7 


zumal da der Ackerbau in seinen einzelnen Phasen an bestimmte Entwicke- 
lungsmomente der wilden Pflanzen, nicht an bestimmte Temperaturen an- 
zuknüpfen pflegt. 

Wenn ich also auch den Vergleichen phänologischer Erscheinungen 
mit klimatologischen Factoren durchaus nicht eine wissenschaftliche Be- 
rechtigung an sich absprechen will, sondern nur auf anderen Wegen, als 
es bisher versucht wurde, es für sehr der Mühe werth halte, auf diese 
Weise den Bedingungen und Wechselfällen des pflanzlichen Lebens nach- 
zuspüren, so liegt für mich doch der Hauptwerth der vielen Beobachtungen, 
welche schon angestellt worden sind und die ich in Zukunft auch im Ge- 
biete unserer Landesflora angestellt sehen möchte und selbst anstellen 
werde, in der leicht verständlichen Charakteristik, welche auch auf kleinem 
Gebiete verschiedene Orte durch Beobachtung der Zeit, an welcher die- 
selbe Vegetationsphase in ihnen eintritt, erhalten. In dieser Beziehung 
können sehr leicht sehr werthvolle Beobachtungen gesammelt werden, 
welche einen klar verständlichen Ausdruck der Landesculturfähigkeit geben, 
natürlich immer nur einen relativen, indem ein Ort mit dem anderen auf 
dieselben Phasen hin verglichen und nach ihnen abgeschätzt wird. Wir 
haben um so mehr alle Veranlassung, zahlreiche Beobachtungen zu diesem 
Zwecke zu sammeln, als soeben eine breite Grundlage durch Ho ff mann*) 
geschaffen worden ist, welche die Entwickelungszeiten der Aprilblüthen 
einer Keihe gewöhnlicher Pflanzen für die ganzen deutschen Lande mit 
Hinzuziehung eines Theiles der Nachbargebiete kartographisch und tabella- 
risch darstellt; diese Grundlage ist natürlich noch nicht vollendet, da das 
Material von Beobachtungen noch längst nicht dazu ausreichte; es ist die 
Aufgabe der einzelnen Bezirke, und unsere Aufgabe für das Königreich 
Sachsen, die Grundlage in ihren Einzelheiten zu verbessern. 

Auf der genannten Karte ist zu ersehen, um wie viel Tage früher 
oder später als in Giessen das Erwachen des hauptsächlichsten Theiles 
der Frühlingsflora in Centraleuropa eintritt; ziehen wir die auf Sachsen 
bezüglichen Angaben heraus, so finden wir folgende Zahlen, die zunächst 
als einziger Maassstab für die zeitliche Entwickelung unserer Frühlings- 
flora zu betrachten sind: Alle Stationen in Sachsen und Umgebung zeigen 
Verspätung gegen Giessen (welche in unserer Breite ostwärts von 
Giessen allgemein zu bemerken ist, da die Isochimenen in Deutschland 
ungefähr meridionalen Verlauf haben und, von West nach Ost gerechnet, 
stets kälteres Klima an zeigen), schwankend zwischen 2 und 36 Tagen; 
von folgenden Orten sind die Tage der Verspätung angegeben: 


Leipzig 2 Tage, 

Dresden 4 ,, 

Zwenkau 10 „ 

Bodenbach .... 14 „ 

Annaberg, untere Stadt 15 ,, 


Wermsdorf .... 17 Tage, 

Annaberg, obere Stadt 19 ,, 

Grüllenburg .... 21 „ 

Freiberg 24 „ 

Reitzenhain .... 31 „ 

Ober- Wiesenthal . . 36 „ 


Es wird Demjenigen, der Sachsen auch nur, wie ich selbst einstweilen, 
oberflächlich kennen gelernt hat, nicht entgehen, dass diese Zahlen un- 
möglich ein richtiges Bild des Frühlingseintrittes in unser Land liefern 
können; damit soll aber nicht das Geringste gegen den hochverdienten 


*) Petermann’s MittheUimgen aus J. Perthes’ geogr. Anstalt, 1881, Nr, I, p. 19, 

Taf. 2. 


8 


Verfertiger dieser Karte und Tabellen gesagt sein, sondern die Schuld 
trifft Diejenigen, welche dafür hätten sorgen können, dass genauere 
Beobachtungen längere Jahre hindurch angestellt worden wären. Jeden- 
falls ist es für uns jetzt um so mehr nothwendig, diese Beobachtungen 
nachzuholen, und ich möchte folgende Discussion an einige der genannten 
Zahlen anschliessen, welche sich auf meine Beobachtungen im Vorjahre, 
wo ich bereits phänologische Beobachtungen flüchtiger Art für meine 
Zwecke sammelte, stützt. Es ist zu bezweifeln, dass Bodenbach gegen 
Dresden um 10 Tage in der Entwickelung zurück ist, und ich habe diese 
nicht zum Königreich gehörige Station deswegen hier mit erwähnt, weil 
sonst keine in dem südöstlichen Theile unseres Elbthales angeführt ist. 
Noch mehr muss auffallen, dass Grüllenburg 21 , Annaberg aber nur 
15 Tage hinter Giessen zurück sein soll, während eher das Umgekehrte 
zu erwarten wäre. Ebenso verhält es sich mit Freiberg, dessen Verspä- 
tung, verglichen mit den erzgebirgischen Bergstädten, entschieden zu gross 
angegeben ist; denn weder im Tharandter Walde mit seiner Blösse um 
Grüllenburg, noch in den umliegenden Thälern der Wilden Weisseritz und 
und Freiberger Mulde herrscht jener ausgesprochene Bergcharakter, der 
sich sofort bemerklich macht, wie ich später noch ausführlicher aus der 
Vertheilung der Pflanzen zu beweisen hoffe, sobald man in diesen Thä- 
lern, südwärts vordringend, auf den eigentlichen westöstlich streichenden 
Gebirgszug trifft, dem die Gebiete von Annaberg, Keitzenhain, Ober- 
Wiesenthal angehören. Die Verspätung der Flora in Ober- Wiesen thal mag 
verglichen werden mit Zahlen, welche auf meine Veranlassung früher in 
Clausthal (Harz) gewonnen wurden und ebenfalls auf Hoffmann’s Karte 
wiedergegeben sind; dort beträgt die Verspätung 46 Tage, also 10 Tage 
mehr. Fast möchte ich glauben, dass zwischen der Florenentwickelung 
auf dem kalten Clausthaler Plateau in 2000' Meereshöhe trotz der be- 
kannten Temperaturdepression, die der ganze Harz zeigt, und der des 
höheren Erzgebirges kein grosser Unterschied sein werde, dass also die 
Verspätung in Oberwiesenthal wohl noch grösser sein kann. 

Dies Alles wird sich hoffentlich in einigen Jahren sicher heraussteilen, 
sobald nur die nothwendigen Beobachtungen angestellt sein werden. Un- 
nöthig wird es wohl sein, noch ausdrücklich auf die Bedeutung jener Ver- 
spätung aufmerksam zu machen, die beispielsweise sich darin zeigt, ob 
die Buchen sich Ende April oder Ende Mai belauben, oder wegen klima- 
tischer Ursachen, welche eine noch bedeutendere Verspätung zur Folge 
haben würden, überhaupt von einer bestimmten Gebirgslocalität aus- 
geschlossen sind. Was die Landescultur an jedem einzelnen Orte leisten 
kann, drückt sich in diesen Marksteinen der ursprünglichen Natur von 
selbst aus. — 

Ich gehe nun dazu über, eine ausführliche Anweisung zur Anstellung 
der phytophänologischen Beobachtungen in Sachsen zu geben, welche uns 
zu einer grossen Zahl von Beobachtungen hoffentlich in Kürze verhelfen 
wird. Diese Instruction ist eine zweifache: die eine betrifft Beobachtungen 
an Pflanzen, welche in und um Ortschaften allgemein cultivirt werden 
und nur im höheren Gebirge nicht mehr culturfähig sind ; die zweite greift 
zu Beobachtungen an nur im Naturzustände oder in den einer normalen 
Forstcultur unterworfenen Waldungen lebenden Pflanzen. Die erstere soll, 
da sie leicht zu vollführen ist und sehr geringe botanische Kenntnisse 
voraussetzt, an sehr vielen Orten vertheilt werden und zu Beobachtungen 
anregen; die letztere beansprucht das Interesse von in der einheimischen 


9 


Flora gut bewanderten und gern selbstthätigen Botanikern, soll daher 
weniger durch die Masse, als durch die Güte der Beobachtungen nützlich 
sein, und soll ausserdem nicht nur den rein phänologischen Zwecken, son- 
dern noch anderen Tendenzen einer Florendurchforschung angepasst sein. 

A, Anleitung zu phänologischen Beobachtungen an 
Culturpflanzen, 

Es soll beobachtet werden das Oeffnen der ersten Blüthe, die 
erste und allgemeine Fruchtreife, die Blattentfaltung und 
die Blattentfärbung gewisser allgemein bekannter Holzgewächse, oder 
Zwiebelgewächse, oder Stauden. Dieselben sollen in ihren Entwickelungs- 
phasen nur in freigelegenen Gärten, öffentlichen Anlagen oder in nächster 
Umgebung der Städte resp. Dörfer beobachtet werden, für Dresden bei- 
spielsweise im botanischen Garten, im Grossen Garten u. s. w., nicht aber 
in der Dresdner Haide, also nur da, wo die mildernden Culturverhältnisse 
herrschen. Sind gewisse Pflanzen in höheren Gebirgsortschaften nicht 
mehr culturfähig, so ist für diese an Stelle der Phasenentwickelung neben 
ihren Namen ein f zu setzen, sobald als es sicher bekannt ist, dass die be- 
treffende Pflanze dort nicht mehr im Freien Blüthen und Früchte ent- 
wickelt. Können gewisse andere Pflanzen aus irgend welchen Gründen 
nicht zur Beobachtung gelangen, hat man deren Entwickelungsphase über- 
sehen oder fehlen sie zufällig in den Gärten,*) so sind die zugehörigen 
Kubriken ohne weiteren Zusatz offen zu lassen. Auch hier muss als ober- 
stes Princip geltend gemacht werden, lieber lückenhafte, aber sichere 
Daten zu geben, als sichere mit unsicheren gemischt und lückenlose. 

Die ausgewählten Beobachtungspflanzen sind sämmtlich nicht kritisch 
(die zwei Eacen der deutschen Eiche sind mit Absicht ausgeschlossen); 
auch die Schlehe (Frunus spinosa) betrachte ich als eine einzige gute 
Art, obgleich mir auf der Naturforscherversammlung in Cassel eingeworfen 
wurde, dass unter ihr eine ganze Keihe von Arten (besser wohl „Racen“) 
versteckt sei; sollten diese sich durch ungleichzeitiges Erblühen an dem- 
selben Orte documentiren , so würde ich um besondere Notiz dieser Er- 
scheinung wie anderer derselben Erscheinungsweise bitten und alsdann 
würden diese Beobachtungen noch neue Aufschlüsse ertheilen können. Es 
ist das Wichtigste, dass wirklich erst einmal unbeirrt Beobachtungen an- 
gestellt werden; was sich dann aus ihnen ergiebt, mag später zur Dis- 
cussion gelangen. 

Aber dem ersten Zwecke dieser Anweisung gemäss müsste ich darum 
ersuchen, dass die Beobachter sich möglichst an die reinen Typen der 
alsbald zu nennenden Beobach tungsspecies halten ; es sind also Individuen 
mit ungefüllten, normalen Blüthen auf die Blüthezeit hin zu prüfen, die 
Belaubung beispielsweise nicht an der gelbblätterigen oder zerschlitzten 
Varietät von Sambucus nigra zu notiren, sondern an der Stammart u. s. w. 
Die Racen unter Apfel- und Birnbäumen wie Weinstock sind zwar sehr 
zahlreich, scheinen aber die Blüthezeit so wenig zu beeinflussen, dass ich 
diese wichtigen Culturpflanzen deswegen nicht von der Beobachtung aus- 

*) Ich werde von jetzt an dafür Sorge tragen, dass der Königl. botanische Garten 
zu Dresden im Stande sein wird, wenigstens die fraglichen Zwiebelgewächse und Stauden 
auf Verlangen abzugeben. Die neu gepflanzten Gewächse sollen aber wenigstens ein volles 
Jahr an dem ihnen angewiesenen Orte sich entwickeln, ehe ihre Entwickelungszeiten 
notirt werden. 


10 


schliessen wollte, nur wähle man freistehende Pflanzen zur Beobachtung. 
Die Cerealien und andere wichtige einjährige Culturgewächse sind dagegen 
aus dem Grunde absichtlich ausgeschlossen, weil ihre Blüthezeit wesent- 
lich von der Saatzeit, also von der menschlichen Willkür, abhängt. 

Von folgenden Pflanzen soll das Oefi'nen der ersten Blüthe, das 
erste Stadium des Erhlühens, notirt werden: 


1. Eranthis hiemalis Salisb. 

2. Galanthus nivalis L. 

3. Leucojum vernum L. 

4. Corylus Ävellana L. 

5. Hepatica trüoba DC. 

6. Cornus nias L. 

7. Muscari botryoides Milk 

8. Narcissus Pseudo- Narcissus L. 

9. Bibes Grossularia L. 

10. Bibes rubrum L. 

11. Taraxacum officinale Wigg. 

12. Prunus spinosa L. 

13. Prunus Padus L. 


14. Pyrus communis L. 

15. Pyrus malus L. 

16. Syringa vulgaris L. 

17. Narcissus poeticus L. 

18. Aesculus Hippocastanum L. 

19. Sorbiis aucuparia L. 

20. Crataegus Oxyacantha L. 

21. Sambueus nigra L. 

22. Vitis vinifera L. 

23. Philadelphus coronarius L. 

24. Tilia grandifolia Ehrh. 

25. Tilia parvifolia Ehrh. 

26. Lilium eandidum L. 


Die Reihenfolge der 26 Beobachtungspflanzen ist der ungefähren, für 
die meisten mitteldeutschen Orte gültigen Aufblühfolge entsprechend ge- 
wählt; die Aufblühfolge erleidet aber zuweilen nicht unerhebliche Ver- 
änderungen. 

Zu diesen Pflanzen ist also in den Tabellen dasjenige Datum in Zif- 
fern (die römische Monatszahl voran und die arabische Tageszahl von 
ihr durch einen Punkt getrennt, wie V. 33 für den 23. Mai) hinzuzu- 
fügen, an welchem unter der grossen Zahl schwellender Blüthenknospen 
die ersten geöffneten Blüthen sichtbar werden. Es wird selten eine ein- 
zelne geöffnete Blüthe sein, welche man erblickt, wenigstens an solchen 
Pflanzen, die (wie die Syringe und die Rosskastanie) mit einer Fülle von 
Blüthenständen bedeckt zu sein pflegen, und es ist die Bezeichnung „erste 
Blüthe“ auch nur so zu verstehen, dass die ersten Blüthen einer grösseren 
Zahl gleichmässig entwickelter Blüthenstände oder Pflanzen zur Entfal- 
tung gelangen. Es ist sogar möglich, dass abnormer Weise eine einzelne 
Pflanze gegen die Regel vorläuft und sich dadurch merklich von denen 
ihrer Umgebung auszeichnet: solche nicht normale Fälle sollen hier un- 
berücksichtigt bleiben; als normale erste Blüthen haben solche zu gelten, 
auf die bei gleichbleibendem günstigen Wetter schon anderen Tages neue 
nachfolgend zu erwarten sein werden. Man kann natürlich das genaue 
Eintreten der Zeit der ersten Blüthe nur durch wiederholtes Hingehen zu 
den zur Beobachtung auserkorenen Pflanzen festsetzen; verfügt man nicht 
über die dazu nöthige Zeit, so können durch Interpoliren dennoch ziemlich 
sichere Zahlen erlangt werden. Trifft man z. B. einen Strauch, welchen 
man vier Tage zuvor mit noch durchaus festgeschlossenen Knospen 
beobachtet hat, nunmehr in voller Blüthe, so wird man aus Vergleich 
aller Pflanzen, die von derselben Art zugleich noch daneben stehen und 
unter Berücksichtigung des Wetters der vorhergegangenen Tage ziemlich 
leicht bestimmen können, ob die erste Blüthe drei, zwei oder einen Tag 
zuvor sich geöffnet haben wird , und ist man ungewiss darüber, wie' es 
bei denen leicht der Fall sein kann, welche die Entwickelungsgeschwindig- 
keit der Beobachtungspflanzen vordem noch nicht controlirt hatten, so 


11 


würde die Mitte, der zweitvorhergegaDgene Tag, ein jedenfalls nur mit 
kleinem Fehler behaftetes Datum, wenn nicht das wahrhaft richtige, sein. 
Doch möchte ich nicht, dass die Beobachter wissentlich Zahlen, welche 
sich um mehr als einen Tag von der Wahrheit entfernen können, ohne ? 
in die Tabellen eintragen; kann der Fehler sogar schon vier Tage oder 
mehr betragen, so wird es am besten sein, die betreffende Eubrik unaus- 
gefüllt zu lassen. 

Es sind nun noch mehrere Einzelheiten zu verabreden in Bezug 
darauf, was man bei einigen der Beobachtungspflanzen unter erster Blüthe 
zu verstehen 'habe: Bei 1. Eranthis Memalis die Entfaltung der Kelch- 
blätter, welche von dem Aufspringen der Antheren der äussersten Staub- 
gefässe begleitet zu sein pflegt; bei % und 3. Galanthus und Lemojum 
das Entfalten des Perigons (nicht das Hervortreten der Knospe aus dem 
scheidigen Vorblatt); bei 4. Gorylus das Herausschieben der empfängniss- 
fähigen (etwa 2 mm langen) rothen Narben aus den weiblichen Blüthen, 
nicht aber das Ausschütten des Blüthenstaubes durch die männlichen 
Kätzchen, was schon vorher beginnt; bei 5. Hepatica die Entfaltung der 
blauen Perigonblätter unter gleichzeitigem Aufspringen der äussersten 
Antheren; bei 6. Gornus das Oeffnen der Einzelblüthen, nicht der Blüthen- 
dolden; bei 7. Muscari das Oeffnen der vorher kugelig - geschlossenen 
blauen Perigone ; bei 11. Taraxacum das strahlige Ausbreiten der äusser- 
sten Zungenblüthen ; bei allen übrigen diesen erklärten entsprechend oder 
in selbstverständlicher Weise. 

Schon diese genannten Pflanzen sichern wegen ihrer weiten Verbrei- 
tung und weil sie auch an anderen Orten zu Objecten phänologischer 
Beobachtungen gewählt sind, den Anschluss Sachsens an die grosse euro- 
päisch-sibirische Flora und ebenso die folgenden Phasen. 

Von folgenden Pflanzen soll die Fruchtreife notirt werden: 

10. Eihes rubrum L. 21. Sambucus nigra L. 

19. Sorbus aucuparia L. 18. Aesculus Hippocastanum L, 

Die Fruchtreife ist wichtig, um neben der Entwickelungszeit einer 
Pflanze im Frühjahre deren Geschwindigkeit in dem Ablauf ihrer weiteren 
Lebensprocesse beurtheilen zu können; in heissen Sommern und bei den 
langen Tagen hoher Breiten reifen die Pflanzen im Allgemeinen rascher 
ihre Früchte aus. Zu gewissen Zwecken ist daher das Beobacbten der 
Zeit zwischen erster Blüthe und erster Frucht das Wichtigste, und ich 
würde die Fruchtreife von viel mebr Pflanzen zur Beobachtung empfohlen 
haben, wenn mich nicht frühere Erfahrungen gelehrt hätten, dass die 
Fruchtreife auf den phytostatischen Tabellen am schlechtesten ausgefüllt 
zu werden pflegt, vielfach mit Unsicherheit notirt wird und oft auch wirk- 
lich nur schwer genau zu ermitteln ist. Ich habe mich daher jetzt auf 
das geringste Maass der Anforderungen beschränkt und sehr leicht zu 
beobachtende Fruchtreifen aus den 26 vorher aufgezählten Blüthen- 
entwickelungen ausgewählt, welche in zwei Stadien notirt werden können : 
mit e. Fr. mag die erste Fruchtreife bezeichnet werden, welche sich zu 
der allgemeinen, a. Fr. zu bezeichnenden verhält, wie die erste Blüthe zu 
der (in dieser Tabelle nicht zu notirenden) allgemeinen Blüthe. Bei den 
ersten drei Beobachtungsobjecten Nr. 10, 19 und 21 giebt sich die Frucht- 
reife durch Färbung, Weichheit und Geschmack der Beeren zu erkennen, 
bei Nr. 18 durch Ausfallen der glänzend braunen Samen aus der von 
selbst aufspringenden Fruchtschale. 


12 


Von folgenden Bäumen soll die Blattentfaltung und die dem all- 
gemeinen Abfallen der Blätter vorhergehende Laubverfärbung an- 
gegeben werden: 

27. Betula alba L., var. pendula. 

28. Salix alba L. 

29. Aesculus Hippocastanum L. 

30. Fagus silvatica L. 

31. Tilia grandifolia Ehrh. 

Obgleich die Hängebirke von der mit aufrechten Zweigen versehenen 
Varietät in der Entwickelungszeit nicht abzuweichen scheint, so ist es 
doch wohl besser, einstweilen die Beobachtungen auf die am allgemeinsten 
angepflanzte Form zu beschränken; Salix alba ist als Kopfweide überall 
zu finden ; die beiden Lindenarten unterscheiden sich bekanntlich schon 
durch die Belaubungszeit sehr charakteristisch, da Nr. 32 T, parvifolia 
sich gegen Nr. 31 erheblich zu verspäten pflegt, und ebenso noch besonders 
in der Blüthe; unter 34 Fraxinus ist die normale Form der deutschen 
Wälder, nicht die var. pendula gemeint, obgleich die Hängeesche sich auch 
zu derselben Zeit zu belauben scheint. Der schwierigeren Unterscheidung 
anderer Baumracen wegen, welche constante Differenzen in ihren Ent- 
wickelungsphasen zeigen, sind die Ulmen und Eichen aus dieser Tabelle 
ausgeschlossen. — 

Die Blattentfaltung ist in zwei Stadien zu beobachten, welche als 
erstes (e. Bl.) und zweites (a. BL), als erste und allgemeine Belaubung 
unterschieden werden mögen. Unter dem ersten Stadium ist das Hervor- 
schieben der ersten, noch gefalteten und nicht ausgebreiteten Blättchen 
zu verstehen, nachdem die vorher fest geschlossene Blattknospe sich ge- 
streckt und die äusseren Knospenschuppen abgeworfen oder wenigstens 
gelockert hat, also jenes Stadium, in dem z. B. bei der Esche oder Ka- 
stanie jede Knospe gleichsam von einer kleinen grünen Krone überdacht 
ist. Allmählich, je nach der grösseren oder geringeren Gunst des Wetters, 
welches um diese Jahreszeit nicht selten noch durch rauhe Tage bei an- 
haltend nördlichen oder östlichen Winden sehr ungünstig sich gestaltet, 
geht dann dieses erste Stadium in das zweite über, wo die zuerst hervor- 
getretenen Blätter sich horizontal ausgebreitet und an ihren Stielen ge- 
streckt haben, so dass der ganze Baum nunmehr eine zwar noch sehr 
lichte, aber doch als solche schon weithin auffallende Beblätterung erhalten 
hat. Es ist zwar unmöglich, eine ganz bestimmte Grenze für jedes der 
beiden Stadien anzugeben und es bleibt hier das meiste dem eigenen 
Urtheil der Beobachter überlassen, so dass auch Differenzen, welche nur 
aus dem letzteren entspringen, nicht ausgeschlossen sind. Allein gröbere 
Fehler sind nicht zu befürchten, und da zwei verschiedene Stadien hier 
beobachtet werden müssen, so kann ein Ausgleich um so eher zu Stande 
kommen. 

Die Entlaubung kann nur in dem Stadium der allgemeinen Gelb- 
färbung der Blätter derselben Bäume angegeben werden; der Abfall der 
Blätter richtet sich hauptsächlich nach dem Eintritt des ersten Nacht- 
frostes, der die meistens schon vorher entfärbten Blätter massenhaft an 
ihren Insertionsstellen sprengt. Auch dieses Stadium, welches natürlich 
von dem Verfärben einzelner Blätter absieht und auf die der ganzen 
Laubkrone sich zu stützen hat, ist einer sehr scharfen Zeitbestimmung 
nicht fähig; allein eine Differenz von wenig Tagen, die durch die subjective 


T%m parvifom j^iUrn. 

33. Juglans regia L. 

34. Fraxinus excelsior L. 

35. Bobinia Pseudacacia L. 


13 


Meinung des Beobachters herbeigeführt werden kann, ist hier weniger 
schädlich, da aus der zwischen Belaubung und Blattentfärbung liegenden 
Anzahl von Tagen auf die Länge der Vegetationszeit der Bäume an dem 
Beobachtungsorte geschlossen werden soll. — 

Es soll hier nun noch auf einiges alle Beobachtungen gemeinsam 
Betreffendes aufmerksam gemacht werden, und zwar gilt Alles, mit Aus- 
schluss der Anweisung zur Form der auszufüllenden Tabellen, auch für 
die Anleitung B. zu phänologischen Beobachtungen an Pflanzen natürlicher 
Standorte. 

Es ist nämlich zunächst meine Pflicht, darauf hinzuweisen, dass die 
Beobachtungen, zu denen ich die vorstehende Anleitung gegeben haben 
wollte, oft auf grössere Schwierigkeiten in ihrer gewissenhaften Erfüllung 
stossen, als Manche, die nach dem Gelesenen mit frischem Muthe daran 
gehen wollen, im Voraus ahnen werden. Ich habe selbst erst allmählich 
die grosse Zahl entgegenstehender Hindernisse kennen gelernt und hoffe 
gerade dadurch in den Stand gesetzt worden zu sein, eine verbesserte und 
leichter ausführbare Instruction ertheilen zu können, ebenso wie auch die 
Zuverlässigkeit meiner Zahlennotizen sich von Jahr zu Jahr durch Ver- 
werthung früherer Erfahrungen steigert. Aber eine Keihe von Schwierig- 
keiten ist nicht zu vermeiden und ich kann nicht besser auf sie aufmerksam 
machen, als durch Anführung sehr schätzenswerther Mittheilungen, welche 
mir Herr Apotheker And ree in Münder am Süntel (Hannover) hat zu- 
kommen lassen, nachdem er auf meine Veranlassung hin sich an den ge- 
meinschaftlichen phänologischen Beobachtungen des Jahres 1876 betheiligt 
hatte. Die betreffenden Stellen seines damaligen Briefes, welche die un- 
mittelbaren Eindrücke und das unbefangene Urtheil eines umsichtigen 
Beobachters wiedergeben, lauten folgendermassen: 

„Dieses Jahr (1876) wird sich überhaupt nur sehr schlecht zum 
„Beobachtungsjahre geeignet haben, da es ganz abnorme Witterungsverhält- 
,,nisse bot. Die Waldbäume trugen keine Früchte; die Nachtfröste zerstörten 
„sehr viel, was in den heissen Apriltagen vorzeitig herausgekommen war. 
,,Im Herbst nun fing der Laubfall plötzlich an, als nach wochenlangen 
„Regengüssen bei sturmartigem Ostwinde Frost eintrat; bei den meisten 
„Gewächsen wurde die Vegetationszeit dadurch plötzlich unterbrochen. 
,,Auch im Sommer färbten sich bei anhaltender Dürre die Blätter der 
„Buchen, welche an den Kalkhängen des Süntels an felsigen, trockenen 
„Stellen stehen, so dass im August schon ganze Partien des Waldes 
,, herbstlich aussahen. Ganze Flächen junger Buchenpflanzen gingen zu 
,, Grunde, weil der Boden tiefer ausgetrocknet war, als die Wurzeln hinab- 
„reichten. Die Beerenfrüchte des Waldes, deren Sammeln hier einen wich- 
„tigen Erwerbszweig der ärmeren Klasse bildet, verdorrten vor völliger 
„Reife. Kurz es traten alle möglichen Kalamitäten ein, welche das Jahr 
„sehr ungünstig gestalteten. 

„Erlauben Sie mir noch die Bemerkung, dass solche von verschie- 
,,denen Botanikern angestellten Beobachtungen meiner Ansicht nach immer 
„den individuellen Charakter der resp. Beobachter tragen müssen und sich 
,, deshalb schlecht zur Vergleichung und zu allgemeinen Schlüssen eignen. 
„Man kann ja leicht mit Bestimmtheit angeben, wann man die erste Blüthe 
„von einer Art gesehen, aber über alle übrigen Daten lässt sich streiten. 
„Ob gerade an dem bestimmten Tage die meisten Blüthen entfaltet sind, 
„ist sehr schwer festzustellen; kommt man an einem der folgenden Tage 
„hin, dann glaubt man noch mehr zu sehen. So ist es mir z. B. mit 


14 


„Cardamine pratensis ergangen. Die Primula-Arten und Corydalis blühen 
„an den Hecken und in den Grasgärten vor der Stadt vierzehn Tage bis 
„drei Wochen früher, als auf den Bergwiesen und in den Wäldern. Wenn 
„man diese Verhältnisse nicht berücksichtigt — und das können ver- 
„schiedene Beobachter nie gleichmässig — wird man immer falsche 
,, Resultate bekommen. Die Fruchtreife ist bei den meisten Pflanzen gar 
„nicht so leicht zu bestimmen, denn wenn die Fmtwickelung beendet ist, 
„folgt das Trocknen, das Aufspringen, Abfallen u. dgl. und es kommt eben 
„auf die Ansichten des Beobachters an, welchen Tag er als den wirklichen 
,, Zeitpunkt der Reife an sehen will. Um einzelne Tage kann man sich da 
„gar zu leicht irren, und bei einem so kleinen und klimatisch so wenig 
„verschiedenen Gebiete kommt es eben nur auf Tage an. Ebenso ist es 
„mit der Belaubung. Zwischen dem Sprengen der Knospe und der völligen 
„Entfaltung liegen Tage oder Wochen, je nachdem wir Sonne und Wärme, 
„oder trübe kalte Tage haben. Dann kommen noch so viele physikalische 
,, Momente in Rechnung, z. B. freie oder geschützte Lage, Besonnung, 
,, Boden- und Feuchtigkeitsverhältnisse etc. etc., die alle mit in Rechnung 
„gezogen werden müssen. An benachbarten Plätzen zeigt die Entwickelung 
,,der Frühlingspflanzen oft wochenlange Unterschiede; wenn z. B. das Eis 
,, von besonnten Hängen längst geschmolzen und das Schmelzwasser abgeflossen 
„ist, sind die feuchten, schattigen Wiesengründe noch gefroren und bieten' 
„die Flora der Abhänge erst drei bis vier Wochen später. Wenn nun an 
,,zwei verschiedenen Beobachtungspunkten solche extreme Lagen zum Ver- 
„gleich herangezogen werden, die vielleicht für jeden einzelnen der Orte 
„als Normalstandorte gelten, was soll das für Resultate geben? .Diese 
,, Schwierigkeiten sind mir erst diesen Sommer, als ich hier und in anderen^ 
„Gegenden auf derartige Verhältnisse mehr achtete, aufgefallen und dieselben 
„scheinen mir, so lange mehrere Beobachter fungiren, unüberwindbar. Je 
,,mehr Beobachtuiigsorte Sie haben, je mehr Daten angegeben sind und 
,,je längere Jahresreihen beobachtet wurden, desto mehr werden sich solche 
„Fehler ausgleichen lassen; aber unsichere Zahlen geben nie sichere Resultate. 

,,Ich halte die Feststellung der von Ihnen angedeuteten Verhältnisse 
,,auch für sehr wichtig, glaube aber, dass es nur auf die Weise möglich 
,,ist, dass ein Einzelner zu den Entwickelungszeiten mehrere gut gewählte 
,,Orte in verschiedener Lage unmittelbar hintereinander besucht (was ja 
,,bei den jetzigen Eisenbahnverbindungen leicht zu ermöglichen ist), und 
„diese Untersuchungen eine Reihe von Jahren an denselben Orten fortsetzt. 
,,Nur so hat man die Sicherheit, dass alle Verhältnisse gleichmässig be- 
„rücksichtigt werden und das Gesammtbild der Vegetation verleitet nicht 
,,so leicht zu Trugschlüssen, als es einzelne Zahlen thun; Lokalfloristen 
„würden Sie dabei gewiss gern unterstützen.“ 

Diese Bemerkungen eines geschätzten früheren Mitarbeiters an phäno- 
logischen Beobachtungen sind hier um so mehr am Platze, als sie die- 
jenigen, welche Lust zu letzteren besitzen sollten, im Voraus darüber auf- 
klären, dass selbst der grösste Fleiss und die beste Genauigkeit nicht alle 
Schwierigkeiten beseitigen können. Viele der genannten Schwierigkeiten 
existiren aber in der gegenwärtig hier vorliegenden Instruction nicht mehr. 
Besonders habe ich es durch Theilung derselben in zwei, eine an Cultur-, 
die andere an wilden Pflanzen, erreicht, dass die Hauptmasse der Beob- 
achtungen in der Umgebung der Ortschaften angestellt werden soll, und 
diese greifen hauptsächlich zu der am meisten objectiv sich darbietenden 
Phase, der ersten Blüthe; die ungleich zeitige Entwickelung in der Um- 


15 


gebung derselben Ortschaft ist aber nur gering, verglichen mit der in der 
freien Natur. Hier freilich kann man wochenlange Verspätungen in kalten 
Thälern, moosigen Gründen u. s. w. gegenüber sonnigen Abhängen finden; 
aber sind denn die Notizen über solche Verspätungen nicht auch Zeugnisse 
des Naturlebens? Soll z. B. für einen Ort wie Tharandt überhaupt nur 
eine mittlere Zahl für die Blüthezeit der Primeln, welche in den Schluchten 
an den Zuflüssen der Weisseritz unter der Laubdecke erblühen, und derer, 
welche hoch oben auf dem Plateau der Freiberger Strasse auf Sumpfwiesen 
wachsen, festgestellt werden? Oder ist es nicht vielmehr gerade interessant, 
in der verschiedenen Entwickelungszeit derselben Pflanze an verschiedenen 
Standorten derselben Gegend sowohl biologische Züge für die betreffende 
Pflanze als bequeme Charakteristika der Vegetationsformationen zu er- 
halten? — Meine erste Instruction, welche 1876 zur Vertheilung gelangt 
war, litt erstens daran, dass sie nur Beobachtungen im Freien, an dort 
einheimischen Pflanzen, verlangte; ich stehe jetzt aber auf dem Stand- 
punkte, dass ich es nach der Erforschung der natürlichen Vegetations- 
verhältnisse auch im Interesse eines gewissen geographischen Zweiges für 
wichtig und nützlich halte, die Culturfähigkeit der verschiedenen Orte 
eines kleinen Gebietes unter sich nach der Pflanzenentwickelung zu ver- 
gleichen, und daher ist die Anleituug A. entstanden und hier vorangestellt. 
Zweitens forderte meine damalige Instruction die Beobachtung der Phasen 
an Pflanzen „normaler Standorte“, und die Blüthezeiten derselben Pflanzen 
an anderen Standorten konnten nur anmerkungsweise beigefügt werden; 
jetzt sollen in der Anleitung B. so viel Zahlen über Blüthezeit etc. mit 
Hinzufügung des jedesmaligen Standortes gegeben werden, als der Beobachter 
anzuführen für gut befindet. — Ein einzelner Beobachter kann aber eine 
hinreichende Zahl von sicheren Daten nicht einmal innerhalb eines so reich 
mit allen Verkehrsmitteln gesegneten Landes, wie das Königreich Sachsen 
ist, gewinnen; er kann, selbst wenn er der Phytophänologie seine ganze 
Zeit widmen könnte und wollte, nicht in genügend kleinen Zwischenräumen 
das Erzgebirge, das Elbsandsteingebirge, die nordischen Haiden und die 
Thüringen angrenzenden Landstrecken besuchen. Mehrere Beobachter 
müssen es sein, aber diese sollen durch verschiedene Ausflüge nach ver- 
schiedenen Richtungen von ihrem Stationsorte aus einander in die Hände 
arbeiten und sich gegenseitig ergänzen; sie sollen so ein Naturbild ent- 
stehen lassen, während aus den nach der Anleitung A. gewonnenen Daten 
sich ein Culturbild ergiebt. 

Dann muss ich noch ausdrücklich bitten, dass die Beobachter bei der 
Ausfüllung ihrer Tabellen nur keine übertriebene Aengstlichkeit an den 
Tag legen mögen; Beobachtungsfehler kommen immer vor, durch Mittel- 
nahme aus einer grösseren Zahl von Beobachtungen werden dieselben ver- 
wischt; persönliche Fehler, die sogar bei astronomischen Beobachtungen 
aus der subjectiven Nervenanlage der einzelnen Beobachter entspringend in 
die Wagschale fallen, kommen natürlich hier in grossem Maassstabe vor, 
hindern aber nicht, dass dennoch recht gute und interessante Resultate 
erzielt werden; man denke nur an die oben mitgetheilten, doch gewiss 
Jedem interessanten Zahlen über die Verzögerung des Frühlingseintritts 
im Erzgebirge, und tröste sich damit, dass dieselben auf entschieden sehr 
flüchtigen Beobachtungen beruhen. ■ — Und wenn ungünstige Jahre mit 
abnormen Witterungs Verhältnissen eintreten, die gewiss nicht fehlen wer- 
den, weswegen sollen dann deren Abnormitäten nicht ebenso gut registrirt 
werden, als das normale Verhalten anderer Jahre? Weswegen soll man 


16 


hinter „Allgemeine Lauhverf ärbung “ eventuell bei der Buche nicht be- 
merken, dass dieselbe der Trockniss wegen schon im August eingetreten 
ist? Ist dies nicht eine natürliche Folge natürlicher Bedingungen, welche 
für die Biologie unserer Bäume von Interesse ist? Weswegen sollen nur 
die Temperaturen jenes Sommers an zahlreichen Stationen registrirt wer- 
den, und nicht auch das, was sie zur Folge haben und was für den 
Menschen so wichtig ist, so sehr mit der Frage nach materiellem Vortheil 
oder Nachtheil zusammenhängt? 

Im schlimmsten Falle lässt man die Rubriken, welche man mit gutem 
Gewissen nicht auszufüllen vermag, leer; es handelt sich weder um einen 
einzelnen Beobachter, noch um ein einzelnes Jahr, wenngleich jedes mit- 
wiegt. Es kommt nur darauf an, dass die wissenschaftliche Kraft der 
zahlreichen Floristen nicht vergeudet, sondern zu Beobachtungen angeregt 
werde, welche bisher noch fehlten und doch Resultate versprechen. Jeder, 
der irgend welche Veranlassung findet, als genauer Beobachter und mit 
bestimmtem Zweck die Pflanzen seiner ihm wohl vertrauten Umgebung 
anzusehen, hat schon für seine eigene geistige Weiterbildung persönlich 
den grössten Vortheil davon und wird zur strengeren Wissenschaft hin- 
gezogen. — Meteorologische Notizen sollen diesen Beobachtungen nur aus- 
nahmsweise hinzugefügt werden, da ja die damit beauftragten Stationen 
das Nothwendige liefern; nur dann ist die Hinzufügung einer kurzen, all- 
gemein gehaltenen Notiz, wie „starker Nachtfrost“, vielleicht auch Angabe 
des Temperaturminimums u. dergl., ferner „Schneefall“, „Gewitterregen“, 
erwünscht, wenn dadurch eine ausnahmsweise Verzögerung oder Verfrühung 
gewisser Phasen, welche direct dadurch beeinflusst werden, erklärt werden 
soll oder wenn dadurch eine grössere Garantie für die Genauigkeit der 
Beobachtung gegeben werden soll. 

Noch ist die Frage von Wichtigkeit, zu erläutern, ob, besonders bei 
den phänologischen Beobachtungen an Culturpflanzen, in jedem Jahre an 
demselben Orte womöglich dieselben Pflanzenindividuen als Beobachtungs- 
objecte gewählt werden sollen oder nicht. Ich möchte diese Frage bejahen, 
wenngleich ich das Gegentheil nicht für sehr schädlich halte, und zwar 
deswegen, weil es gut ist, wenn die von einem Beobachtungsorte kom- 
menden Beobachtungen verschiedener Jahre unter sich möglichst einheitlich 
sind. Das Klima von Dresden, welches die hiesige königl. meteorologische 
Station beobachtet und publicirt, ist auch nicht das Klima von Dresden, 
sondern von dem einen zu Dresden gehörigen Punkte, wo die Station 
liegt; der Thermometrograph an der Augustusbrücke zeigt sich oft be- 
deutend verschieden, und die Instrumente im botanischen Garten nehmen 
wiederum ihren eigenen Gang; um aber mit irgend welchen verlässlichen 
Angaben zu thun zu haben, wechselt man nicht mit der Lage der Stations- 
punkte, und so muss es auch zu dem hier vorliegenden Zwecke mit der 
Auswahl der Beobachtungspflanzen sein. Dazu kommt, dass die Beobachter 
am leichtesten alljährlich zu den alt bekannten Plätzen hingehen können, 
dass sich nicht selten überhaupt nur ein einzelner Baum von einer der 
genannten Arten in ihrer Nähe befinden wird, so dass Viele unstreitig 
stets dasselbe Individuum, oder wenigstens die Pflanzen genau derselben 
Localität, zu ihren Beobachtungen wählen werden; der Gleichförmigkeit 
wegen ist es daher am besten, dieses Allen zu empfehlen. Die Meisten 
werden wohl die verschiedenen Beobachtungspflanzen an verschiedenen 
Orten aufsuchen müssen, wenn nicht ein botanischer Garten sie alle ver- 
einigt; in ersterem Falle wähle man womöglich gleichartige Localitäten, 


17 


d. h. solche, an denen einige der überall nie fehlenden Pflanzen gut über- 
einstimmende Entwickelungsstadien zeigen. 

Zum Schluss dieser Anleitung A habe ich noch die Bitte, dass die 
Beobachter ihre Beobachtungen in möglichst gleichmässig eingerichtete 
Tabellen eintragen mögen, da dies meine Arbeit, dieselben gemeinschaftlich 
zu verarbeiten, wesentlich erleichtert; aus dem Grunde möge man die 
nachfolgenden kleinlichen Vorschriften entschuldigen. Als Format dieser 
Tabelle A wähle man Briefbogen in gewöhnlichem grossen Octav (etwa 
22^2 cm X 14 cm, also etwa im Format dieser Isisberichte), und theile 
deren erstes Blatt (2 Seiten) in 30 Querspalten ein für die 26 Beobach- 
tungen der ersten Blüthe und die 4 der ersten und allgemeinen Frucht- 
reife, welche letzteren an die Blüthenbeohachtungen derselben Art in neuer 
Spalte angeknüpft werden; die dritte Seite theile man in 18 Querspalten 
für die erste wie allgemeine Belaubung und die allgemeine Laubverfärbung 
der Pflanzen 27 — 35 in je zwei Spalten, und lasse die vierte Seite frei 
zu eventuellen Bemerkungen, meteorologischen Notizen u. dergh, welche 
durch die Nummern 1 — 35 signirt werden und als dazu gehörige An- 
merkungen erscheinen. 

Die erste Blüthe wird nur durch das Datum bezeichnet, den Frucht- 
reifen und Belaubungsphasen werden die oben angegebenen Abkürzungen 

e. Fr., a. Fr., e. Bl. und a. Bl. vorgesetzt, während die allgemeine Ent- 
laubung (am Verfärben erkannt) wiederum nur durch das Datum allein 
bezeichnet wird. Die erste Seite des bezeichneten Formates würde- sich 
demnach mit willkürlich angenommenen Datumzahlen so zu gestalten haben : 


Ort; Jahr: 18 Beobachter; N. N. 


1 

Eranthis hiemalis 

III. 2. 

2 

Galanthus nivalis 

III. 5. 

3 

Leucojum vernum 

III. 12. 

4 

Corylus Ävellana 

III. 15. ? 

5 

Hepatica triloba 

III. 25. 

6 

Cornus mas 

III. 22. 

7 

Muscari botryoides 

IV. 1. 

8 

Narcissus Fseudo-N. 

— 

9 

Bibes Grosstdaria 

IV. 20. 

10 

Bibes rubrum 

IV. 22. 

— 

— — 

e. Fr. VII. 5. — a. Fr. VII. 15. 

11 

■ Taraxacum officin. 

IV. 21. 

12 

Brunns spinosa 

IV. 21. 

13 

— Badus 

IV. 25. 





2 


18 


Die zweite Seite enthält die übrigen Blüthen — und die wenigen (3) 
damit verbundenen Fruchtreifebeobachtungen; die dritte Seite würde etwa 
so ausseben (wiederum mit willkürlichen Zeitangaben): 


Ort: Jahr: 18 Beobachter: N, N. 


27 

Betula alba 

e. Bl. IV. 9. — a. Bl. IV. 19. 

— 

Entlaubung 

X. 25. 

28 

Salix alba 

e. Bl. IV. 19. 

— 

Entlaubung 

X. 23. 

29 

Aesculus Hippoc. 

e. Bl. IV. 12. - a. Bl. IV. 20. 

— 

Entlaubung 

X. 27. (Erster Nachtfrost!) 

30 

Fagus silvafica 

e. Bl. IV. ||. — a. Bl. V. 1. 

— 

Entlaubung 

X. 22. 

31 

Tilia grandifolia 

e. Bl. IV. 20. — a. Bl. ? 

— 

Entlaubung 

— 


etc. 



Eine Zeitbezeichnung wie unter 30, für die Blattentfaltung der Buche, 
empfiehlt sich in solchen Fällen, wo eine bestimmte Phase mit solcher 
Langsamkeit eintritt, dass man für dieselbe keinen bestimmten Tag an- 

23 

geben kann; man notirt dann die Grenztage; — * bedeutet also, dass das 


25. 


erste Stadium am 23. April begonnen und am 25. April beendet sei. 

Auf der vierten Seite könnte dann z. B. folgende Bemerkung Platz 
gefunden haben: 

,,Zu 31 . Allgemeine Belaubung wegen der auf die e. Bl. folgenden 
kalten Tage sehr allmählich eingetreten und nicht sicher anzugeben.“ 
Das Zeichen des Kreuzes für aus natürlichen Gründen fehlende 
Beobachtungsohjecte ist schon oben empfohlen. Selbstverständlich ist wohl, 
dass jede Tabelle nur für ein einziges Jahr und für je einen einzigen Ort 
auszufüllen ist. 


B. Anleitung zu phänologischen Beobachtungen an Pflanzen 
natürlicher Standorte. 

Nach den weitläultigen Erläuterungen, welche ich der Anleitung A 
habe zu Theil werden lassen, kann ich mich hier um so kürzer fassen, 
um so mehr, als die Besonderheiten der hier anzustellenden Beobachtungen 
so wie so Anspruch auf ein tiefer gehendes botanisches Verständniss 
machen, und da die mit denselben verbundene Mühe meistens eine so 
grosse ist, dass nur Floristen, welche ihrem Gegenstände sehr zugethan 
sind und die sich daher schon selbst in unsere Flora eingelebt haben, 
sich an diesen Beobachtungen betheiligen werden. Es ist besonders 
wünschenswerth, dass sich dieselben in den verschiedenen Theilen und 
Regionen der sächsischen Gebirge finden mögen, damit letztere auch in dieser 
Hinsicht ausführlich pflanzengeographisch charakterisirt werden können. 


19 


Es sind 80 Pflanzen als Beobachtungsobjecte ausgewählt, welche aller- 
dings durchaus nicht im ganzen Königreiche wachsen, sondern vielfach 
(wie Ranunculus aconitifolius etc.) nur dem Berglande und dessen Thälern 
zugehören, den Haidedistricten aber fehlen. Es ist daher hier gleichfalls 
Anwendung von f als Zeichen des Fehlens zu machen, wenn in dem 
ganzen Gel3iete, welches einer einzelnen Tabelle zugehört, eine der Pflanzen 
nicht wild vorkommt. Die Beobachtungspflanzen sind sowohl Holzgewächse 
als Stauden; von allen soll zur Beobachtung gelangen: 1) Die Blüthezeit, 
sowohl das Oeffnen der ersten als folgenden Blumen bis zur Vollblüthe; 
unter der letzteren wird das Stadium verstanden, in welchem die meisten 
Blüthen sich erschlossen haben, bevor die zuallererst geöffneten Blüthen 
verblüht, d. h. zum Fruchtansatz übergegangen sind und ihre äusseren 
Blüthentheile verloren haben. Es ist klar, dass man bei Beobachtungen 
im Freien, oft auf weiteren Ausflügen, nicht so leicht und genau ein be- 
stimmtes Stadium einer Phase erreichen kann, als wenn man die Pflanzen 
seines Gartens beobachtet; daher musste auf die Forderung des Kotirens 
nur der ersten Blüthe in diesen Beobachtungen B verzichtet und eine 
allgemeinere Blüthennotiz zugestanden werden, welche nicht nur phyto- 
phänologischen, sondern allgemein floristischen Studien dienstbar sein soll. 

Es soll das Oeffnen der ersten Blüthe mit Fl. bezeichnet werden, die 


( 4 ) 


und ±- 


t) 


Vollblüthe mit Fl. i4-\ und die Zwischenstadien zwischen 

durch einen Bruch, der sich um so mehr 1 nähert, je mehr das Stadium 
der Vollblüthe erreicht wird; findet man z. B. bei Oxalis Äcetosella ebenso 
viele Exemplare mit Knospen als Blüthen, so würde dies Stadium mit 




zu bezeichnen sein. 


Ich weiss wohl, dass hier dem subjectiven Ermessen wiederum ein 
weites Feld eröffnet ist, aber einstweilen finde ich kein Mittel, um die 
Blüthezeit genauer anzugeben ; wünschenswerth bleibt natürlich immer die 
Angabe der ersten Blüthe. — Es soll 2) bei den Holzgewächsen und bei 
einigen Stauden die Zeit der Fruchtreife unter Fr. mit Datum angegeben 
werden. Auch hier würde es wünschenswerth sein, die erste und allge- 
meine Fruchtreife zu unterscheiden; aber ich halte es mit Beobachtungen 
im Freien kaum vereinbar für die meisten Beobachter, und wünsche lieber 
eine Zeitangabe zwischen beiden Stadien; man gebe also z. B. für die 
Heidelbeeren diejenige Zeit als die der Fruchtreife an, in welcher schon 
die meisten Sträucher essbare Beeren tragen, ohne dass aber die Haupt- 
masse der Beeren gereift und die ersten schon überreif sind. — Es soll 
3) bei den Holzgewächsen die Zeit der Belaubung unter [Fol. I] und 
[Fol. II] mit Datum angegeben werden, wobei [Fol. I] dem vorhin (in 
Anleitung A) e. Bl. genannten Stadium, und [Fol. II] dem a. Bl. ge- 
nannten entspricht; die Erklärung dieser beiden Stadien ist schon oben 
gegeben. Dazu kommt ferner bei denselben Pflanzen 4) die allgemeine 
Entfärbung der Blätter, welche dem Abfall vorhergeht, unter Def oh, und 
zwar ist wiederum dabei von der Entfärbung einzelner Blätter abzusehen 
und vielmehr die der Gesammtheit in das Auge zu fassen. Endlich kommt 
noch bei einigen Stauden 5) das Stadium des Hervorspriessens hinzu, was 
mit Vrn. (von vernatio abgeleitet) bezeichnet werden mag, und das dem 
Blättertreiben der Hölzer entspricht; es ist das jenes charakteristische 
Stadium des Frühlings, wo in den Wäldern einige bis dahin verborgen in 
der Erde schlummernde Pflanzen sich über der Erde zeigen, wo die Mai- 


2 * 


^0 


iblumen und andere noch als ganz zusammengeschlossene Cylinder sicht- 
bar werden. 

Ich lasse nun zunächst das systematische Verzeichniss derjenigen 
Pflanzen folgen, welche ich zu unseren Beobachtungen empfehle; es ist 
bei jedem Namen mit den eben erläuterten Zeichen FL, Fr., Fol. I — II, 
Defol. und Vrn. hinzugelügt, welche Entwickelungsphasen beobachtet 
werden sollen. 

1. Sarothamnus scoparius Wimm. — Fl. Fr. 

2. Genista tinctoria L. — Fl. 

3. Ononis ißpinosa L. — Fl. 

4. Orobus vernus L. — Vrn. Fl. 

5. Ituhus idaeus L. — Fl. Fr. Fol. I — II. 

6. Geum rivale L. — Fl. 

7. Rosa canina L. — Fl. 

8. Crataegus Oxyacantlia L. — Fl. Fr. 

9. Sorbus aucuparia L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

10. Prunus spinosa L. • — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

11. — avium L. — Fl. Fr. 

12. — Padus L. — Fl. Fr. Fol. I— II. Defol. 

13. Lythrum Salicaria L. — Vrn. Fl. 

14. Epilobium angustifolium L. — Fl. Fr. 

15. Sedum aere L. ~ Fl. 

16. Saxifraga granulata L. — Fl. 

17. Parnassia palustris L. — Fl. Fr. 

1 8. Peucedanum palustre Mncli. — Fl. 

19. Meum athamanticum Jacq. — Fl. 

20. Cornus sanguinea L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

21. Daphne Mesereimi L. — Fl. Fr. Fol. I — II. 

22. Stellaria holostea L. — Fl. 

23. Lychnis Flos Cuculi L. — Fl. 

24. Visearia vulgaris Röhl. — Fl. Fr. 

25. Polygonum Bistorta L. — Fl. 

26. Oxalis Acetoselia L. — Fl. 

27. Viola palustris L. — Fl. Fr. 

28. Acer Pseudoplatanus L. — Fl. Fr. Fol. I — 11. Defol. 

29. — platandides L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

30. Evonymus europaeus L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

31. Rhamnus Frangula L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

32. Hypericum perforatum L. — Fl. Fr. 

*33. Salix Caprea L. — Fl. Fr. Fol. I— II. Defol. 

34. Populus tremula L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

35. Cardamine pratensis L. — Fl. 

36. Anemone nemorosa L. — Vrn. Fl. 

37. Hepatica triloba DG. — Fl. 

38. Rannunculus aconitifolius L. — Fl. 

39. Ainus glutinosa Gärtn. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

*40. Betula alba L. — Fl. Fr. Fol. I — IL Defol. 

*41. Corylus Avellana L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

42. Carpinus Betulus L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

43. Fagus silvatica L. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

*44. Quercus pedunculata Ehrh. — Fl. Fr. Fol. I— II. Defol. 

*45. — sessiliflora Sm. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 

*46. Vlmus montana With. — Fl. Fr. Fol. I — II. Defol. 


21 


47. Calluna vulgaris Salisb. ~ FL 

48. Vaccinium Myrtillus L. — Fl. Fr. Fol. I — 11. Defol. 

49. — Vitis Idaea L. — Fl. Fr. 

50. Ärmeria vulgaris W. — Fl. 

51. Frimula elatior Jacq. — Fl. Fr. 

52. — officinalis Jacq. — Fl. 

53. Lysimachia vulgaris L. — Fl. Fr. 

54. Campanula rotundifolia L. — Fl. 

55. — Trachelium L. — Fl. 

56. Phyteuma spicatum L. — Fl. 

57. Tussilago Farfara L. — Fl. 

58. Solidago Virgaurea L. — Fl. 

59. Arnica montana L. — Fl. 

60. Chrysanthemum Leucanthemum L. — Fl. 

*61. Hieracium Pilosella L. — FL 

62. Succisa pratensis Mnch. — FL 

63. Samhucus racemosa L. — FL Fr. Fol. I— II. Defol. 

64. Vihurnum Opulus L. — FL Fr. ' 

65. Pedicularis silvatica L. — FL 

*66. Pulmonaria officinalis L. — FL 

*67. Colchicum antumnale L — FL Vrn. Fr. 

68. Majanthemum hifolium DC. — Vrn. FL 

69. Convallaria majalis L. — Vrn. FL 

70. — multiflora L. — Vrn. FL 

71. Orchis latifolia L. — Vrn. FL 

72. — Morio L. — Vrn. FL 

73. Car ex praecox Jacq. — FL 

74. Aira flexuosa L. — FL 

75. — caespitosa L. — FL 

*76. Avena flavescens L. — FL 

*77. Älopecurus pratensis L. — FL 

*78. Pinus silvestris L. — FL Fr. Fol. I — II. 

*79. Abies pectinata DC. — FL Fr. Fol. I — II. 

*80. — excelsa Lam. — FL Fr. Fol. I — IL 

Anmerkungen zu den mit * versehenen Species (welche hier nur 
mit ihrer Nummer namhaft gemacht werden). 33 ; es ist die gewöhnlichste 
Normalform dieser gemeinen Art gemeint und man darf keine Zeitbestim- 
mungen an Bastarden vornehmen. — 40; es sind die Formen der Birke, 
an denen die Entwickelungsphasen beobachtet sind, hinzuzufügen (var. 
pendula, verrucosa etc.^; B. puhescens gilt in diesem Falle als andere 
Art; unter Blüthe sind die Entwickelungen der ? Kätzchen zu notiren, 
da das Lockern und Stäuben der I zu unregelmässig vor sich geht. — 
41 ; gleichfalls die Blüthezeit nach der Empfängnissfähigkeit der Narben 
in den $ Blüthen zu beurtheilen. — 44 und 45; es ist wünschenswerth, 
dass bei dieser Gelegenheit Studien über das Vorkommen dieser beiden 
kaum als ächte Arten zu betrachtenden Racen mitgetheilt werden, und 
zwar über Verbreitung und verschiedenzeitige Entwickelung. — 46; die 
Bergulme scheint die einzige Art auf dem linken Elbufer bis zum Erz- 
gebirge hin zu sein, wenigstens im östlichen Theile Sachsens; wo diese 
Art, die sich durch den der Fruchtmitte genäherten Samen von TJ. cam- 
pestris (mit viel näher der Fruchtbasis liegendem Samen) unterscheidet, 
durchaus fehlen sollte (in den Haiden?) und durch TJ. campestris ersetzt 
ist, kann letztere an deren Stelle in den Tabellen zur Beobachtung ge- 
langen; wo beide Vorkommen, kann eine vierfache Spalte mit denselben 


22 


Phasen für U. campestris unter 46a eingeschoben werden. — 61 ; es ist 
die gewöhnliche Form mit unterseits deutlich röthlichen Zungenblüthen 
gemeint. — 66; nach dem Erblühen der ersten Stöcke von Pulmonaria 
erblühen oft andere sehr viel später; es muss daher die erste Blüthezeit 
mit Vorsicht festgestellt werden, da sie für Beurtheilung der Waldflora 
von Wichtigkeit ist. — 67 ; unter Vrn. ist hier das Hervorspriessen der neuen 
Blätter des Frühjahres verstanden, welche die aus der Herbstblüthe hervor- 
gegangene Kapsel umschliessen. — 76 und 77; diese beiden Gräser sind 
auf Wiesen irgend welcher Art zu beobachten, nicht in Chausseegräben 
und an anderen nicht rein natürlichen Standorten. — 78, 79 und 80; die 
Bestimmung der Phasen bei den Coniferen ist schwierig, darf aber wegen 
der Wichtigkeit dieser Bäume nicht ausgeschlossen werden; unter Fl. no- 
tire man die Entwickelung der I Blüthen nach dem Stäuben beurtheilt, 
unter Fr. das Ausfliegen der gereiften Samen oder den Zustand der 
Zapfen, iii welchem dieselben die gereiften Samen entlassen können, unter 
Fol. I notire man das Austreten der festgeschlossenen Cylinder junger 
Nadeln aus den trockenen, braunen Hüllschuppen und unter Fol. II das 
Strecken und Ausbreiten der Nadeln an ihren jungen Zweigen in dem 
Stadium, welches dem oben besprochenen Ausbreiten der Blätter der Laub- 
bäume am meisten entspricht. — 

Einrichtung der Tabellen. Die der Anleitung B folgenden Ta- 
bellen sind natürlich nicht in so enge Grenzen eingeschlossen, als die 
über Culturpflanzen ; je nach dem einen oder anderen Gebiete, in welchem 
der Beobachter die Phasen notirt, können einige Pflanzen als fehlend 
notirt werden, anstatt die vorgeschriebenen Phasen der Reihe nach unter 
ihrem Namen zu verzeichnen. Vor geschrieben sind im Ganzen 168 
Beobachtungen an den 80 Pflanzen, FL, Fr., Fol. I — II und Defol. als be- 
sonders gerechnet; diese sollen je eine Querspalte in den Tabellen für 
sich einnehmen, weil aber die Entblätterung nur wenig Raum für sich 
beansprucht, so kann sie jedes Mal da, wo sie zur Beobachtung empfohlen 
ist, in der Spalte mit Fol. I — II zusammen notirt werden, so dass höch- 
stens je drei Spalten die Phasen einer Species angeben, meistens aber 
nur je zwei oder je eine. Durch Zusammenziehen der Defol. mit Fol. werden 
20 Spalten erspart; es bleiben also noch 148, welche auf einen Bogen zu 
vier Seiten vertheilt werden mögen, so dass jede Seite 37 Querspalten 
erhält; als Format für diese Tabellen empfiehlt sich daher nur der ge- 
wöhnliche Folioschreibbogen (jede Seite 33 cm X 21 cm), dessen Höhe 
zum Abtheilen von 37 Spalten pro Seite genügt. Ueber die Spalten der 
ersten Seite kommt der Beobachtungsort (Wohnort des Beobachters), Jahr 
und Name des Beobachters zu stehen; am linken Rande der Seiten stehen 
die Speciesnamen in fortlaufender Reihe von 1 — 80 und die Phasen, welche 
von denselben beobachtet werden sollen. Für jede Phase muss genügend 
Raum sein, um vielleicht nicht nur eine, sondern mehrere Zeitbestim- 
mungen einzutragen, welche jedes Mal durch eine möglichst kurze Stand- 
ortsangabe (nöthigenfalls unter Hinzufügung der Meereshöhe in Metern) 
erläutert werden; es soll also, um an das frühere Beispiel zurück zu 
erinnern, die Möglichkeit existiren, die Blüthezeit von Frimula elatior im 
Walde neben der auf Bergwiesen desselben Beobachtungsortes zu notiren ; 
diese verschiedenen Angaben werden einfach von links nach rechts an- 
einander gereiht."^) Die Bezeichnung des Datums ist wie früher in römi- 
schen und arabischen Ziffern. 


*) In dem Schema auf folgender Seite mussten leider aus Mangel an Raum die 
einzelnen Angaben unter, statt neben einander gesetzt werden. 


23 


Der Anfang einer solchen Tabelle würde also mit willkürlichen Zeit- 
angaben und Ueberspringung einiger Species etwa so aussehen können: 


Beobaclitungsort; Jahr; 18 Beobachter? 


1 

Sarothamnus scopar. 

FL 


V. 25 an sonnigen Felsen. — 

VI. 8 im Gebüsch. 


— — 

Fr. 

VII. 12 an sonnigen Felsen. — 

VII. 24 im Gebüsch. 

2 

Genista tinctoria 

Fl. 

— 

4 

Orobus vernus 

Vrn. 

IV. 5 feuchte Laubwälder im Thal. 

— 

— — 

Fl. 


(~) IV. 23 feuchte Laubwälder i. Th. 
(“) IV. 29 daselbst, ^ <iaselbst. 

6 

Geum rivale 

Fl. 

1 

1 

1 

V. 15 im Ufergeröll des Flusses, 

(oö) Wiesen. 

VI. 5 auf Bergwiesen 300 m. 

7 

Mosa canina 

FL 

1 

VI. 17 in Gebüschen an Felsen. 

9 

Sorbus aiicuparia 

FL 

1 

1 

1 

^-18 auf sonnigen Felsen. 

V. 23 daselbst. 

V. 24 in Wäldern. 

— 

~~ ~ 

Fr. 

Beginn der Fruchtreife VIII. 8 auf 
Felsen, Vollreife VIII. 15 daselbst. 

— 

— — 

Fol. 

DefoL 

(Fol. I) IV. 10 auf Felsen. — (Fol. II) 
IV. 20 daselbst. — DefoL X. 
15 daselbst. 

10 

Prunus spinosa 

FL 

1 

( 

IV. 21 auf sonnigen Hügeln. 

V. 1 daselbst. 


etc. 




24 


Aus diesen erdachten Beispielen wird die Einrichtung der Tabellen, 
sowie ich sie im Auge habe, ersichtlich werden; was daraus in Wirklich- 
keit wird, hängt natürlich von der Sorgsamkeit des jeweiligen Beobach- 
ters ah. Nur das sei noch hinzuzufügen, dass mit der Ausfüllung dieser 
letzteren Tabelle B ein viel höherer Zwek verbunden ist, als mit rein 
phänologischen Beobachtungen zum Zweck von Vergleichung der Ent- 
wickelungszeiten; es soll hieraus ein Bild der Flora von Sachsen, gewon- 
nen an den Phasen sehr weit verbreiteter oder besonders charakteristi- 
scher' Pflanzen, hervorgehen, welches zugleich den Einfluss der Standorts- 
verhältnisse auf die Entwickelung ihrer pflanzlichen Bewohner klärt. 
Welche allgemeineren Resultate aus der Ueberarheitung einer grösseren 
-Zahl mehrjährig ausgefüllter Tabellen sich ergeben können oder werden, 
ist jetzt noch nicht zu beurtheilen, sondern muss ruhig abgewartet werden 
in der Hoffnung, dass gute Beobachtungen auch hier gute Erfolge nach 
sich ziehen werden. ^ 

Noch ist daran zu erinnern, dass jede Tabelle nur die Zustände in 
einem ganz kleinen Excursionsgebiete statistisch darstellen soll, und zwar 
in einem Gebiete von gleichförmiger Beschaffenheit. Es kann daher ein 
solches Gebiet in den Haidegegenden viel grösser und wenigstens sorgloser 
abgegrenzt werden, als in den Gebirgen und Hügellandschaften. Ein 
Beobachter in Dippoldiswalde dürfte beispielsweise die südlich hinter Dorf 
Schmiedeberg aufsteigende Bergkette nicht mehr in den Bereich seiner auf 
Dippoldiswalde lautenden Tabelle einrechnen, weil dort die wohl charak- 
terisirte Bergflora beginnt; wohl aber könnte diese Bergkette von Alten- 
berg oder Bärenburg aus zu dem dortigen Gebiete zugerechnet werden. 
Eine genaue Angabe über die Grösse der einzelnen Districte lässt sich 
nicht machen ; auch hier ist dem eigenen Ermessen und guten Urtheil der 
Beobachter das Beste zu überlassen. 

Ich erbitte mir die Einsendung aller Tabellen, welche verfertigt sind, 
im November desselben Jahres. 

Die Mühe, welche die Anstellung genauer Beobachtungen verursacht, 
ist, wie schon mehrfach hervorgehoben, nicht gering, aber sie belohnt sich 
selbst durch das eingehendere Verständniss, welches der Beobachter der 
Natur abgewinnt. In dieser Hinsicht kann ich nur die Worte Cohn’s 
wiederholen, welche dieser in seinem Bericht über in Schlesien 1853 — 1855 
angestellte phänologische Beobachtungen aussprach: „Wer sich einmal 
daran gewöhnt hat, die wunderbare Entwickelungsreihe, die namentlich 
beim Erwachen der Natur im Frühling sich darstellt, mit aufmerksamem 
Blick zu verfolgen, der erwartet mit nicht geringerer Spannung von Jahr 
zu Jahr den Wiedereintritt jedes einzelnen Phänomens, als der Kunst- 
freund der Aufführung eines klassischen Tonwerks oder Dramas beiwohnt, 
das, so oft er es auch schon genossen, doch bei jeder Wiederholung 
immer neu erscheint und jedesmal andere, bisher übersehene Schönheiten 
offenbart,“ 


25 


11. Uelber Grletseherspureii in Norddeutschland. 

Von Dr. E. Dathe* 


In den letzten Jahren wurde eine Eeihe von wichtigen Erscheinungen 
im Gebiete des norddeutschen Diluviums beobachtet, welche auf die Ent- 
stehung desselben neues Licht zu verbreiten, neue Ansichten, die zwar 
schon in früheren Jahren angebahnt, aber nicht recht gewürdigt worden 
waren, zu w^ecken begannen. Infolge dieser Beobachtungen sah sich ein 
grosser Theil der norddeutschen Geologen bewogen, die Drifttheorie auf- 
zugehen und sich einer neuen Theorie • — • der Gletschertheorie — 
zozuwenden, also derjenigen Theorie, welche die Entstehung des nordi- 
schen, speciell auch des norddeutschen Diluviums auf allgemeine Ver- 
gletscherung dieser Landstriche zurückführt. Vorbereitet war dieser Um- 
schwung durch die gründlichen Arbeiten der schwedischen und norwegi- 
schen Geologen (Torell, Nordenskiöld, Erdmann, Heiland), welche darthaten, 
dass nicht nur ganz Schweden und Norw^egen ehemals vergletschert, son- 
dern dass auch zwischen den dortigen glacialen Bildungen und den deut- 
schen Diluvialbildungen die grösste üebereinstimmung zu herrschen scheine. 
Welches sind aber die Beweise für eine Vergletscherung innerhalb Nord- 
deutschlands? Sind Gletscherspuren in Norddeutschland vorhanden und 
welche sind diese? 

Ein jeder Gletscher, das lehren die Beobachtungen an den Gletschern 
der Alpen, in Skandinavien, Grönland etc., schreitet, so lange er wächst, 
zu Thale. Auf diesem Wege hobelt er den Eelsgrund ah, indem er durch 
sein Gewicht und die an seinem Boden mit sich führenden Steinmassen 
fortwährend den festen Felsen angreift und ahschleift; dadurch vermehrt 
er aber das Material seiner Grund- und Seitenmoränen und verzeichnet 
gleichzeitig seinen zurückgelegten Weg, indem er gerundete Felshöcker 
und auf denselben Schliffe und Schrammen hinterlässt. Zu ächten Glet- 
scherspuren zählen also erstlich Schliffe, Schrammen und Kritzer auf an- 
stehendem Felsen, zweitens aber auch die Moränen mit ihren Scheuer- 
stemen, das sind mehr oder minder abgeschliffene und meist mit Schram- 
men und Kritzen versehene Geschiebe. — Diese Spuren für eine Verglet- 
scherung Norddeutschlands sind nun thatsächlich vorhanden. Wenden wir 
uns deshalb zunächst der Betrachtung der Gletscherschliffe auf norddeut- 
schem Boden zu. 

Das Diluvium ruht in Norddeutschland grösstentheils auf der aus 
losen Gerollen, Banden und Thonen aufgebauten Braunkohlenformation, 
seltener ragen aus diesen Hügel von festen Gesteinen hervor. Nur an diesen, 
nicht an jenen, konnte ein von Skandinavien zu uns vordringender Glet- 
scher in Felsschliffen und Schrammen seine unverkennbaren Spuren zurück- 
lassen. ~ Bis jetzt sind an neun verschiedenen Punkten Gletscherschliffe 
beobachtet worden; nämlich auf dem Muschelkalke von Küdersdorf bei 

ff es. Isis in Dresden, 1881. — Abh. 2. 


26 


Berlin, dem Galgenberge bei Halle, dem Kappenberge, Keinsdorfer Berg 
und dem Pfarrberg bei Landsberg, am Dewitzer Berg bei Taucha, dem 
kleinen Steinberge bei Beucha, bei Colmen in den Hohburger Bergen unfern 
Wurzen und bei Lommatzsch. Ich möchte mir zunächst gestatten, Ihre 
Aufmerksamkeit auf zwei sächsische Vorkommen, auf das des Dewitzer 
Berges und das Lommatzscher zu lenken. Danach werde ich mich den 
Rüder sdorfer und Hohburger Gletscherschliffen zuwenden, um hierbei einige 
geschichtliche Bemerkungen über diesen Gegenstand einzuflechten. 

Im Jahre 1877 wurden Gletscherschliffe auf dem aus Quarzporphyr 
bestehenden kleinen Steinberge bei Beucha von Professor Credner 
in Leipzig entdeckt; danach, und auf dessen Veranlassung, wurden die des 
Dewitzer Berges von Dr. Penck in Leipzig gefunden. Beide Vorkommnisse 
sind von Ersterem beschrieben worden. Die Schliffe von Dewitz sind 
bei weitem die deutlichsten ; sie befinden sich auf einer Kuppe von Quarz- 
porphyr, welche mit Geschiebelehm bedeckt ist. Abräumungen beim Stein- 
bruchsbetrieb legten dieselbe zum grossen Theil bloss; es fand sich die 
gesammte Oberfläche in zahlreiche kleine Hügel, welche Rundhöcker ge- 
nannt werden, umgestaltet und die meisten waren, vorzüglich auf der 
Nordseite des Hügels, abgeschliffen und polirt. Auf den Schliffflächen, 
welche oft so glatt sind, dass sie spiegeln, bemerkt man unendlich viele 
geradlinige, bis Millimeter tiefe und breite und oft 1 m lange Furchen, 
die Gletscher schrammen und daneben noch zahlreiche kürzere, die Kritzer. 
Alle Schrammen besitzen die Richtung NNW — SSO, welches zugleich 
die Bewegung des Gletschers für diese Gegend anzeigt. Die vollständige 
Parallelität der Schrammen beweist, dass die Kraft, welche sie verursachte, 
eine einheitliche, continuirlich wirkende, keine von wechselnden Zufällig- 
keiten abhängige war. 

Die Dresden am nächsten liegenden Gletscherschliffe wurden von mir 
im Jahre 1879 bei Lommatzsch nachgewiesen. Beim Bau der Eisen- 
bahnlinie Lommatzsch-Nossen wurde bei dem Dorfe Wahnitz ein Hügel 
von Granitgneiss blossgelegt, welcher unter dem 6 m mächtigen Diluvium 
verborgen war. Die freigelegte Oberfläche des Gesteins war durchweg 
glatt geschliffen und man nahm beim Fühlen mit der Hand durchaus keine 
bemerkenswerthe Rauhigkeit wahr, denn die Quarze und Feldspathe sind 
gleichmässig abgeschliffen und keiner ragt über die Ebene der Schliff- 
flächen hervor. Höchst überraschend war aber die Herausarbeitung, Mo- 
dellirung der Gesteinskuppe in zahlreiche hügelartige Erhabenheiten, die 
Rundhöcker, welche durch 0,5 m tiefe und noch breitere, von N — S ver- 
laufende kanalartige Furchen getrennt wurden. Es gewährte das Ganze den 
Anblick einer um vieles verkleinerten, von zahlreichen Thälern durch- 
schnittenen Hügelreihe. — Sämmtliche Rundhöcker besassen Schliffflächen, 
die sich im Grade der Abschleifung fast nicht unterschieden. An den 
meisten Schliffflächen, sowohl denjenigen auf dem Scheitel, als auch den- 
jenigen, welche sich an den Wangen der Felshöcker befanden, Hessen sich 
mehrere Millimeter tiefe und breite linienartige Vertiefungen und Riefen, 
welche die Quarze und Feldspathe geradlinig durchschnitten, beobachten. 
Der Verlauf dieser Schrammen war der Richtung der tiefen kanalartigen 
Furchen entsprechend und verliefen beide von N nach S. Von grosser 
Wichtigkeit ist die die geschliffene Felsoberfläche unmittelbar bedeckende 
Schicht des Diluviums; sie bestand aus einem Haufwerke von eckigen, nur 
zum Theil abgeriebenen Bruchstücken und Blöcken von Granitgneiss, wie 
er daselbst ansteht. Nach oben mengen sich zwischen das mehr ab- 


27 


geschliffene Granitgneissmaterial auch nordische Gesteine, wie Gneisse, 
Granite, Quarzite, Feuersteine etc. ein. Die ganze Blockanhäufung war fest 
ineinander gepresst, indem grosse und kleinere Gesteinsstücke gleichsam 
zu einem Mauerwerk zusammen gefügt sind ; durch sandiges, thoniges und 
grusiges Material wurde die Verkittung der Bruckstücke und Blöcke so 
innig und das Gefüge so fest, dass bei der Ausschachtung des Bahn- 
einschnittes nur durch Anwendung der Spitzhacke eine langsame und 
schwierige Bewältigung stattfinden konnte. Es ist dies eine Beschaffen- 
heit und Ausbildungsweise, wie sie in Schweden und Norwegen an den 
Grundmoränen beobachtet wird und unter den Namen Grundgrus, Botten- 
grus, Krosssteinsgrus bekannt ist. 

Die Schliffe bei Halle und Landsberg sind von Prof. v. Fritsch 
und Dr. Lüdecke in Halle bekannt und von Letzterem kurz beschrieben 
worden. Sämmtliche Schliffe befinden sich auf Quarzporphyr und sind an 
etlichen Stellen qm gross ; an einer Stelle am Pfarrberge sind sie 3 m 
lang; alle sind durch deutliche Schrammen ausgezeichnet, wovon eine gegen 
2 cm tief ausgehobelt war. Die ältesten bekannten Gletscherschliffe in 
Norddeutschland sind die Eüder sdor fer. Mündliche Mittheilungen sind 
von Prof. Gust. Rose in Berlin an den schwedischen Geologen Seftström 
darüber gemacht worden und des Letzteren Notizen in der schwedischen 
Akademie der Wissenschaften geben uns davon Kenntniss. Seftström ver- 
öffentlichte im Jahre 1836 seine berühmten Untersuchungen über die 
Schrammen und Schliffe auf Gesteinskuppen Schwedens und bereiste in 
demselben Jahre Deutschland, um hier eben solche aufzufinden. Rose’s 
Mittheilung an Seftström besagt, dass der Verwalter der Rüder sdorfer 
Kalkbrüche die Oberfläche des Kalkfelsens geschliffen und mit deutlichen 
Schrammen versehen gefunden habe. Diese Kunde war aber in Vergessen- 
heit gerathen, bis sie Toreil 1875 wieder ans Licht zog und in demselben 
Jahre in Gemeinschaft mit einigen Berliner Geologen die Rüdersdorfer 
Schliffe neu entdeckte. Als im vorigen Sommer die Deutsche geologische 
Gesellschaft eine Excursion dahin unternahm, waren gleichfalls Schliffe 
mit Schrammen und eine Anzahl Riesenköpfe, die auch als Beweis für das 
Glacialphänomen von Vielen angesehen werden, daselbst der Beobachtung 
zugängig. -- 

Carl Friedr. Naumann hat Anfang der vierziger Jahre die ersten Fels- 
schliffe in Sachsen, und zwar in den Hohburger Bergen bei Wurzen, 
entdeckt und zuerst 1844 und 1846 beschrieben. Eine weitere Beschrei- 
bung über diesen Gegenstand, seine letzte Arbeit, welche erst nach seinem 
Tode im Neuen Jahrbuch für Mineralogie erschien, giebt uns nochmals 
Aufschluss darüber. — Es unterliegt keinem Zweifel, dass Naumann wirk- 
lich im Jahre 1844 ächte Gletscherschliffe beobachtet hat, wie ja von 
Morlot schon anerkannt wurde. Es sind jedenfalls alle von N. beschrie- 
benen, auf horizontalen oder wenig geneigten Flächen vorkommenden 
Schliffflächen ächte, so namentlich diejenigen, welche er vom grossen 
Kewitzschenberge , dem Holzberge und Spielberge bei Golmen beschreibt, 
sowie auch einige andere Vorkommen. Es geht aus N.’s Beschreibung 
hervor, dass es wirklich glatte, polirte und fein geritzte Flächen gewesen 
sind, was er daselbst gesehen hat. Alle jenen verticalen Flächen aber, 
welche ein mehr genarbtes und gefirnisstes Aeussere und flaserige, 
nicht geradlinig und gleichmässig verlaufende Vertiefungen besitzen, so 
namentlich das Vorkommen am kleinen Berge südlich von Hohburg, sind 
weder Gletscherschliffe noch Gletscherschrammen. Es sind entweder Ver- 


28 


witterungsformen der Felsen oder, was wahrscheinlicher, eine durch Flug- 
sand hervorgerufene Erscheinung, also die auch anderweit nachgewiesene 
Erscheinung der sogenannten Sandcuttings , was N. 1874 auch indirect 
andeutet. 

Es war nicht günstig, dass der kleine Berg bei Hohhurg im Jahre 
1874 von einer Anzahl Mitglieder der Deutschen geologischen Gesellschaft 
gerade zur Entscheidung der Frage besucht wurde, weil da, wie gesagt, 
wirklich keine ächten Fels- resp. Gletscherschliffe zu sehen sind. Auch 
Heim hat wohl vorzugsweise seine Aufmerksamkeit auf diesen Punkt ge- 
lenkt, obwohl er von einem Punkte bei Liptitz deren Aechtheit anerkennen 
musste. So wurde denn die Existenz dieser Gletscherschliffe mehrere 
Jahre hindurch geleugnet oder wenigstens in Zweifel gezogen. Im ver- 
gangenen Jahre ist das Vorhandensein ächter Gletscherschlifife in dem 
Colmener Revier der Hohburger Berge indess erhärtet worden. Es haben 
z. B. die Herren Rothpletz in Zürich und Kalkowsky in Leipzig, wie ich 
aus ihren Mittheilungen ersehe, nicht nur Rundhöcker, sondern auch 
Schliffe und Schrammen von besonderer Schönheit daselbst beobachtet. 

Es sei schliesslich noch angeführt, dass der schon genannte Schwede 
Seftström ,,gestossene“, d. i. jedenfalls geschliffene Gesteinskuppen bei 
Moritzburg und solche auch oberhalb Pirna auf hartem Sandsteine 
beobachet haben will. — So haben erst die letztjährigen Entdeckungen 
von Gletscher schliffen auf norddeutschem Boden Anstoss gegeben, die 
Gletschertheorie in Norddeutschland ernstlich zu discutiren, während die 
älteren Beobachtungen unter dem herrschenden Einfluss der Drifttheorie nie 
recht zur Geltung kamen und sogar allmählich in Vergessenheit gerietheu. 

Bei seinem Vorrücken von Skandinavien bis zur Südgrenze des Dilu- 
viums in Norddeutschland hat der Gletscher oder, wie wir vielmehr rich- 
tiger sagen, das Inlandeis, d. i. eine wohl mehrere hundert Meter mäch- 
tige zusammenhängende und sich bewegende Eisdecke, wie wir sie z. B. 
aus Grönland kennen, ausser Schliffen und Rundhöckern noch andere Spu- 
ren hinterlassen. Sie überschritt auf diesem Wege die lockeren und nach- 
giebigen Ablagerungen der Kreide- und Tertiärformation und durch den 
ungeheueren Druck und mächtigen Schub der darauf lastenden und darüber 
hingleitenden Eismassen wurden die Gesteinsschichten gestaucht, zerrissen, 
überkippt oder zusammengeschoben, festere Lagen derselben wurden indess 
vollständig zerstückelt, in die Moräne hineingezogen und darin vertheilt. 
Am grossartigsten bekundet sich diese mechanische Druckwirkung des In- 
landeises auf Möen, Rügen und W^ollin, wo früher horizontal liegende 
Kreideschichten in riesengrosse Schollen zerbrochen und dann aufgerichtet 
wurden, welche uns jetzt als Kreidefelsen jener Insel entgegentreten. 

Im kleineren Massstabe sind diese Verdrückungen der Schichten 
namentlich überall an den Tertiärthonen in Norddeutschland zu beobach- 
ten; so sind gar häufig, z. B. bei Teutschenthal bei Halle, die Thon- und 
Braunkohlenschichten wundersam gebogen und in den Geschiebelehm 
hineingezogen, während dieser wiederum sackförmig in die tertiären Thone, 
Sande und Braunkohlen eingreift; ferner sind Schollen und Nester von 
Braunkohle und tertiären Sanden im Geschiebelehm vertheilt. Aehnliche 
Beispiele weist namentlich auch die Tertiärformation des Samlandes in 
Ostpreussen auf, wo ähnliche Schichtenstörungen von Zaddach beschrieben 
worden sind. Während so immer die oberen Theile der Schichtenkörper 
Störungen aufweisen, lagern die untern Theile ungestört; es ergiebt sich, 
dass der Gletscherdruck diese Störungen hervorgerufen hat. 


29 


Die Riesentöpfe, röhrenartige Aushöhlungen in festem Gestein 
von oft mehreren Metern Tiefe und entsprechender Breite, erfüllt von 
Lehm, Sand und Kies, wie solche neuerdings auf dem Muschelkalke bei 
Rüdersdorf, dem Jurakalke an der Odermündung, auf dem Gypse von 
Wappno, auf dem Muschelkalke in Schlesien gefunden worden sind, wer- 
den von mancher Seite gleichfalls als deutliche Beweise der Vergletsche- 
rung der betreffenden Gegenden angeführt. Es ist wohl möglich, dass 
dieselben Gletscherbächen und Strudeln ihre Entstehung verdanken ; strenge 
Beweiskraft kann ich denselben nicht zuerkennen, da Strudellöcher, wie 
die Riesentöpfe auch heissen, durch fliessendes und strömendes Wasser, 
welches nicht in directem Zusammenhänge mit Gletschern steht, ebenso 
gut hervorgebracht werden können. 

Wie bereits erwähnt, ist ein anderes untrügliches Kennzeichen für die 
Vergletscherung einer Gegend, das Vorhandensein von Moränen, mögen es 
Grund- oder Endmoränen sein. Auch diese sind in Norddeutschland vor- 
handen, denn als Grundmoräne jenes mehrfach genannten Inlandeises muss 
der Geschiebelehm angesprochen werden. Seine Charakteristik wurde ein- 
gangs gegeben und als Hauptmerkmal sein ordnungsloses, ungeschichtetes 
Gefüge und die Führung von fremden Geschieben und Blöcken angeführt. 
So ist die Grundmoräne der Gletscher der Jetztzeit und der Eiszeit in 
allen Erdstrichen beschaffen. Die erfahrensten Kenner jetziger Gletscher, 
wie Torell, Heliand, Nordenskiöld, Johnstrupp, erkennen im norddeutschen 
Geschiebelehm die Grundmoräne einer früheren Vergletscherung an. Die 
grösseren Gesteinsfragmente einer Grundmoräne, davon kann man sich 
gleichfalls bei jedem heutigen Gletscher überzeugen, sind mehr oder minder 
vollkommen abgerieben, abgeschliffen und wohl auch mit Schrammen und 
Kritzern versehen; dergleichen Gerölle nennt man, wegen der scheuernden 
Wirkung des Gletschers, Scheuer steine. Sie sind die sichersten Be- 
weise für den Charakter einer Lehmablagerung als Grundmoräne und für 
das Vorhandensein von Gletschern; denn die Gletscherbewegung ist die 
einzig bekannte Naturkraft, durch welche Schliffe, Schrammen und Kritzer 
auf Geröllen erzeugt werden. 

Die Schliffflächen befinden sich an den Scheuersteinen zuweilen auf 
mehreren Seiten, oft aber auch nur an einer Seite, während die übrigen 
ziemlich rauh sind; oft sind sie nur handgross, manchmal nehmen sie 
auf den grossen, mehrere Kubikmeter haltenden Blöcken fast 0,5 qm 
ein. Nach dem Gesteinscharakter sind sie verschieden glatt, oft spiegel- 
glatt, wie namentlich silurische Kalksteine gar häufig mit den pracht- 
vollsten Schliffflächen und Schrammen ausgestattet sind. Diese Erschei- 
nung ist aber nicht nur an den skandinavischen Blöcken und Geschieben 
in der Regel vorhanden, es sind meist über 90 Procent derselben ge- 
schliffen und geschrammt, sondern sie wiederholt sich auch an den Ge- 
röllen und Geschieben einheimischen Ursprungs, welche mit jenen in bun- 
tem Wechsel im Geschiebelehm eingebettet sind. So findet man im Ge- 
schiebelehm der Gegend von Berlin geschliffene Geschiebe des Rüdersdorfer 
Muschelkalkes, ebenso in der Umgebung von Halle den dort anstehenden 
Muschelkalk. Auch im nördlichen Sachsen betheiligen sich heimathliche 
Geschiebe am Aufbaue des Geschiebelehmes und sind namentlich die Grau- 
wacken von Leipzig und Oschatz trefflich geschliffen und geritzt, wie 
namentlich die Funde im Geschiebelehm von Mischütz bei Döbeln be- 
kundet haben, wo ausserdem Fruchtschiefer aus der Strehlaer Gegend 
gleich trefflich geschliffen und geschrammt sich vorfanden. Es ist das 


30 


Vorhandensein von einheimischen geschliffenen Geschieben von der grössten 
Wichtigkeit; denn es beweist, dass das Inlandeis jene Gegenden bedeckt 
und die aufgenommenen Gesteinsfragmente hei ihrem Transporte nach 
Süden geschliffen und geschrammt hat. Neben diesen bereits aufgeführten 
Gesteinen aus Norddeutschland verdienen noch die Kreide und ihre Feuer- 
steine im Geschiebelehm besonderer Erwähnung. Ein gut Theil des Kalk- 
gehaltes in demselben rührt von Kreidehrocken her, welche vorzugsweise 
nahe der Ostseeküste bis ungefähr nach Berlin in überreichlicher Menge und 
von bedeutenden Grössen — es gieht ganze Schollen von Kreide im Di- 
luvium, von welchen oft Jahre lang Kalköfen gespeist werden — verbreitet 
sind und oft eine hellere Färbung desselben bedingen. Was nun die 
Feuersteine anlangt, so sind diese, weil leicht kenntlich, scheinbar überall 
in grossen Mengen zugegen und dürfen als das verbreitetste heimathliche 
Gestein innerhalb des Geschiebelehmes gelten. 

An der Südgrenze des Diluviums, wie in Sachsen, wo die festen Ge- 
steine in Hügeln in grosser Zahl aus demselben hervorragen und die dilu- 
viale Decke bis zur Mächtigkeit von wenigen Metern zusammenschrumpft, 
ist die Betheiligung des einheimischen Materials an der Zusammensetzung 
des Geschiebelehmes auffallend gross. So sind in Sachsen die Quarz- 
porphyre und Porphyrtuffe des Leipziger Kreises bis in und über das 
Granulitgebirge gewandert, die Granulite wiederum über den Südwall des 
Granulitgebirges bis in die Frankenherger Gegend, der Nephelindolerit 
des Löbauer Berges ist bis an die sächsisch - böhmische Grenze geführt 
worden. 

Nachdem der Vortragende über die Verbreitung der nordischen Ge- 
schiebe im norddeutschen Diluvium berichtet hatte, fuhr er wörtlich fort: 
Wenn aus den bisherigen Darlegungen hervorgehen dürfte, dass der Ge- 
schiebelehm Norddeutschlands die Grundmoräne des Inlandeises dar stellt, 
fragt es sich, sind auch Endmoränen vorhanden. Es muss vorausgeschickt 
werden, dass in dieser Beziehung noch wenige Beobachtungen vorliegen; 
dass Endmoränen vorhanden und jedenfalls allgemeiner verbreitet sind, 
als uns jetzt bekannt, ist höchst wahrscheinlich. 

Eine solche Endmoräne wurde von Berendt in Berlin bei Liepe, einige 
Meilen von Eberswalde in der Mark Brandenburg, nachgewiesen; sie be- 
steht aus einer Anhäufung von oft Kubikmeter grossen Blöcken mit Glet- 
scherschliffen, zwischen welchen ein sandiger, kalkhaltiger Lehm liegt; 
sie bildet einen ostwestlich verlaufenden Höhenrücken. Aehnliche wall- 
artige Anhäufungen kehren weiter nördlich , in der mecklenburgisch- 
pommerschen Seenplatte wieder und dürften sich gleichfalls in ihrer Struc- 
tur als Endmoränen erweisen. 

Zum Schluss möchte ich noch die Frage berühren, ob es eine ein- 
malige oder mehrmalige Vergletscherung in Norddeutschland gab. 

Bis jetzt habe ich von dem Geschiebelehm im Allgemeinen gesprochen 
und seine Lagerung stets unberücksichtigt gelassen. Die gewöhnliche 
Lagerung des Diluviums in Sachsen ist Geschiehelehm und darunter Sande 
und Kiese. Bei Berlin hingegen ist auf grosse Strecken folgendes Profil 
massgebend : 

1) Geschiehelehm , . . 3 m. m. 

2 ) Sand und Kies . . . 10 „ „ 

3) Geschiehelehm ... 3 „ „ 

4) Sand — „ 


31 


Beide Gescliiebelehme enthalten geschliffene nordische Geschiebe in 
Menge und im Sande zwischen ihnen hat sich Paludina dilmiana^ sowie 
Reste von Elephas primigenius, Bhinoceros^ Canis^ Cervus etc. gefunden. — 
Es scheint sonach, dass der untere Geschiebelehm einer älteren Mo- 
räne entspricht, dessen Gletscher sich zurückzog. Nach dieser Zeit, wo 
der Gletscher nicht da war, konnten die Säugethiere in der Umgegend 
leben, deren Reste sich jetzt im Sande finden. Nach dessen Ablagerung 
brach indess die zweite Eiszeit ein, die Gletscher gingen über die Sande 
hin und Hessen als Grundmoräne den oberen Geschiebelehm zurück. 
So hätten wir zwei Vergletscherungen Norddeutschlands mit einer da- 
zwischen liegenden Interglajcialzeit. 

Ob die diluvialen Kiese und Sande als Bildung von Gletscherbächen 
angesehen werden müssen oder ob dieselben durch eine zeitweilige See- 
bedeckung des Landes entstanden sind, darüber gehen die Meinungen 
der Forscher noch weit auseinander. Eines müssen und dürfen wir je- 
doch bezüglich der Bildung der diluvialen Kies- und Sandablagerungen 
festhalten, nämlich: dass ihr nordisches Material gleichfalls nur durch 
Gletscher zu uns gelangt ist. 


32 


III. lieber einige Feldspath-Zwillinge. 

Yon A. Purgold. 

(Winkelangaben nach Kupffer, Flächenableitung nach Naumann.) 


Die gewöhnlichsten und bekanntesten Zwillinge des Feldspathes sind 
die nach dem Karlsbader Gesetze, d. h. bei denen die Individuen 
mit parallelen Hauptaxen parallel dem Klinopinakoid M = oo 5 c» und 
um 180 Grad gegen einander verdreht sich durchdringen. Diese Art der 
Verwachsung ist für porphyrisch eingewachsene Zwillinge charak- 
teristisch; durch das Vorherrschen des Klinopinakoides M pflegen sie 
dickere oder dünnere Tafeln zu bilden, die von prismatischen, domatischen 
und basischen Flächen begrenzt werden. Im Gegensatz dazu erscheinen 
die porphyrisch eingewachsenen einfachen Krystalle bekanntlich meist 
durch vorwaltende Ausdehnung in Richtung der Kanten P/M zwischen 
Basis P == oP und Klinopinakoid M == oo T als quadratische Säulen, 
deren Grundflächen durch die sehr untergeordneten Prismenflächen 
T = OD P zugeschärft sind. — Bei der Häufigkeit der Individuen kann es 
nicht fehlen, dass die Zwillingskrystalle unter einander oder auch mit ein- 
fachen Individuen wiederum zur Verwachsung gelangen, meist aber ohne 
Gesetzmässigkeit. Von gesetzmässigen derartigen Verwachsungen sei 

hier angeführt ein herzförmiger Vier- 
ling vom Gängerhäusel bei Pet- 
schau zwischen Karlsbad und Marien- 
bad in Böhmen. Zwei einander vollkom- 
men gleiche, also nicht enantiomorphe 
Zwillinge des Karlsbader Gesetzes, deren 
jedes Individuum aus vorherrschendem 
Klinopinakoid M == oo p oo, Basis P = oP, 
hinterem doppelt steilerem Hemidoma 
y = 4" 2 P oo und untergeordnetem Prisma 
T = oo P besteht, haben die Pinakoid- 
ebene M gemeinschaftlich und sind inner- 
halb derselben nach einer Parallelebene 
mit y = 4" 2 P oo miteinander verwachsen, 
wie beistehende Skizze klar macht. Da P/y = 99o 38', P zu Axe = 63» 53', 
also y zu Axe = 35® 45', so müssen im Vierling die Hauptaxen den Winkel 
von 710 30' einschliessen , womit die Angaben des Anlege-Goniometers 
stimmen. Von scharfen Messungen kann bei derartigen Krystallen nicht 
die Rede sein, wohl aber stimmt auch das Augenmaass mit dem ein- 
springenden Winkel Pi/ym = 171® 8', und der fast ebenen Fortsetzung 
der Spaltbarkeit aus Piv in Pi unter dem sehr stumpfen Winkel Pi/Piv 
= 1600 44'. 


Petscbau. 



Qes. Isis in Dresden, 1881. — Abh. 3. 


33 


Im Klingstein des Brüxer Schlossberges finden sich kleine herz- 
förmige und auch gekreuzte Sanidine, welche im Allgemeinen an eben be- 
schriebenen herzförmigen Vierling erinnern. In dem Berichte des natur- 
wissenschaftlichen Vereines zu Aussig vom Jahre 1877 bestimmt Herr 
Oheim dieselben jedoch als innerhalb der Ebene des Klinopinakoids M 
parallel der Fläche t = 5 P (X) Weiss = — 2 P oo Naum. verwachsen. 

Vom Karlsbader Zwillingsgesetz im mathematischen Sinne nur gra- 
duell, in der Art des Auftretens aber sehr wesentlich verschieden ist 
eine Art der Zwillingsbildung, die bisher nur in Drusen und Klüften des 
Granits gefunden wurde. Die Ebene der Verwachsung ist zwar auch hier 
das Klinopinakoid M bei parallelen Hauptaxen, die Individuen dringen 
aber nicht ineinander ein, sondern berühren einander blos mit den Klino- 
pinakoiden; da nun ferner in allen beobachteten derartigen Fällen die 
Pole der Individuen begrenzt sind durch die Basis P = o P und durch 
das Hemidoma x =: -f- P welches letztere im Gegensatz zur Basis P 
matt erscheint, in der Neigung zur Hauptaxe aber nur um lo 54' von 
ihr abweicht, so entstehen durch solche Verwachsung Striegau u. Baveno. 
scheinbar domatisch begrenzte Prismen, deren Domen- 
flächen aber in der Projection sich dar stellen als 
durch Horizontalkanten P/x und Pi/xi und durch 
rechtwinkelig dagegen verlaufende flache Einknick- 
ungen vierfach getheilt, so dass je zwei glänzende 
und je zwei matte Felder einander diagonal entgegen- 
stehen. An Krystallen von Striegau in Schlesien 
scheint dieses Vorkommen nicht gar selten zu sein, merk- 
würdiger Weise findet es sich aber auch zu Baveno, und zwar unmittelbar 
zusammen mit den anderen bekannten Zwillingen dieses Fundortes, welche 
dem Bavener Gesetz den Namen gegeben und welche einen gänzlich 
verschiedenen Charakter besitzen. Uebrigens sind bei jedem dieser zweierlei 
Zwillinge in gleicher Weise die Prismenflächen T = x P mit Chloritstaub 
bedeckt, die übrigen Flächen frei davon. 

Das eben erwähnte Bavener Gesetz dürfte seine schönsten und 
interessantesten Repräsentanten weniger in Baveno, als an den Adularen 
der verschiedenen Fundorte des Gotthardgebirges und vom Schwar- 
zenstein imZillerthal finden. Letztere besitzen eine bezeichnende 
Eigenthümlichkeit, auf die hier wohl aufmerksam gemacht werden darf. 
Sämmtliche Schwarzensteiner Zwillinge des Bavener Gesetzes zeigen näm- 
lich auf den Prismenflächen T = oo P ausnahmslos eine oder mehrere 
flache Einknickungen, die offenbar von vicina len Flächen herrühren, 
deren Lage den Prismenflächen sich sehr annähert, ohne sie vollständig 
zu erreichen und deren Parameter für xPy x sehr gross, y sehr nahe = 1, 
höchst ungefüge Ausdrücke geben würden. An der Zwillingskante der 
Bavener Zwillinge sollen nach der Rechnung die Prismenflächen T einen 
Winkel von 169^ 30' miteinander machen, wo anstatt der normalen 
Prismenflächen aber deren erwähnte Vicinalflächen die Zwillingskante bilden, 
wird der Winkel sehr merklich stumpfer, nähert sich dem gestreckten 
= 1800. Genaue Messungen würde nur das Reflectionsgoniometer liefern, 
dessen Anwendung aber die Grösse und sonstige Beschaffenheit der Kry- 
stalle entgegenzustehen pflegt. Während an den Zwillingen vom 
Schwarzenstein die beschriebenen Einknickungen der Prismenflächen nie 
fehlen, auch wenn der Zwilling nur zu unvollständiger Ausbildung ge- 
langte, so sind an den einfachen Krystallen dieses Fundortes, die wohl 

3 



34 


zu den schönsten gehören, welche es gieht, diese Flächen vollkommen 
glatt und glänzend und dadurch sofort von einem halben Zwilling zu 
unterscheiden. 

Die Tendenz des Bavener Zwillingsgesetzes ist augenscheinlich die 
Herstellung einer tetragonalen Symmetrie. Bisweilen aber bleibt 
hier die Natur auf halbem Wege stehen, sei es, weil der Stoff zu mangeln 
begann, oder weil er zu früh erstarrte oder aus sonst einem Grunde. Als 
das Ergebniss solcher Ursachen und Verhinderungen kann das Zwillings- 
gesetz gelten, nach welchem die Individuen parallel der Hauptspaltung 
nach basischem Pinakoid P = oP und 180^ um die Hauptaxe gegen 
einander verdreht, verwachsen sind. Je nach der Verschiedenheit der vor- 
herrschenden Flächen fällt das Ansehen der Zwillinge verschieden aus, 
bei allen aber schneiden die Hauptaxen einander unter dem Winkel von 
1270 46'. — Am bekanntesten sind die so verwachsenen Gottharder 
Prismen, von denen jedes für sich ausserdem noch oft an einer Ver- 
wachsung nach dem 
Bavener Gesetz Theil 
nimmt. Seltener ent- 
steht ein halbes Kreuz, 
wie an einem grossen 
Adular von Rauris 
im Sa Izbur gischen, 
noch seltener treten die 
Prismenflächen so fast 
gänzlich zurück , wie 
an kleinen Krystallen 
vonBaveno, die mit- 
hin ein drittes Ge- 
setz der Zwillingsver- 
wachsung von diesem berühmten Fundort zur Anschauung bringen. An 
ihnen ist x/xi = lOO^ 40'. 


Rauris. 


Baveno. 










t 


Als Manebacher Gesetz ist eine Zwillingsverwachsung titulirt 
worden, die ebenfalls parallel der Basis P = oP, aber mit der Klino- 
diagonale als Umdrehungsaxe stattfindet, nachdem im Jahre 1863 Herr 
Professor Blum einen Zwilling von Meiersgrund bei Manebach am Thü- 
ringer Wald, dem altbekannten Fundorte unzähliger Zwillinge, nach dem 
Karlsbader Gesetz, als jener Regel entsprechend, beschrieben hat. Jeden- 
falls sind im Meiersgrund solche Zwillinge nach P = oP äusserst selten, 
so dass jene Titulatur wenig gerechtfertigt erscheint. Wohl aber finden 
sich daselbst ziemlich häufig Karlsbader Zwillinge, an denen in Folge 
der Ausbildung der Individuen, abgesehen von genauer Winkelhestim- 
mung, Fläche für Fläche einer Fläche der Blum’schen Beschreibung ent- 
spricht. Die nach dem Klinopinakoid M. = (yc ^ oc ziemlich ausgedehnten 
Tafeln sind nämlich begrenzt an den Längsseiten durch die Prismen - 
flächen T = c» P, an den schmalen Seiten durch je vier pyramidale 
Flächen als den Zuschärfungen n = ex? der Basis P = oP und den Zu- 
schärfungen 0 == -|- P des Hemidoma x = -f- P cx). Beim Mangel jeg- 
licher Spaltbarkeit in Folge der vorgeschrittenen Umsetzung in kohlen - 
sauren Kalk ist es nicht schwer, das Klinopinakoid M = 00 T ^ niit dem 
basischen Pinakoid P = oP zu verwechseln, wonach auch die übrigen er- 
wähnten Flächen angenähert in die Stellung gelangen würden, welche die 
Blum’ sehe Beschreibung ihnen zuweist. — Auch unter den bekannten 


35 


rothen Orthoklasen der Valfloriana im Fleimser Thal sind solche Karls- 
bader ZwilKnge, wie eben geschilderte von Manebach, keineswegs selten, 
wie ja beide Fundstätten darin die grösste Aehnlichkeit miteinander be- 
sitzen, dass ihre Feldspathe porphyrisch in Tuff eingeschlossen sind, aus 
welchem ausser dem von Professor Blum beschriebenen Fall überhaupt 
noch keine anderen Feldspathzwillinge , als nach dem Karlsbader Gesetz 
bekannt geworden sind. 

Sternsapphir (Korund) aus China. 

Notiz von A. Purgold. 

Lavendelblaue, an den Kanten durch- 
scheinende sechsseitige Säule, 15 mm hoch, 

20 mm im Durchmesser, begrenzt von den 
beiden basischen Flächen, auf deren einer 
ein von der Mitte der Kanten ausgehender, 
radial verlaufender sechsstrahliger Stern, 
auf der anderen ein gleichseitiges, an den 
Winkeln etwas abgestumpftes Dreieck, dessen Seiten den rhomboedri- 
schen Spaltungsflächen gleichlaufen, sehr deutlich sichtbar sind. 







3 * 


36 


IV. Dr. A.Baltzer: Der mecliaiiisclie Contact von Gneiss 
und Kalk im Berner Oberland. 

(Beiträge zur geologischen Karte der Schweiz, 20. Lief.) Bern, 1880. 4^. 255 S. Mit Atlas 

von 13 Taf. und 1 Karte. 

Yon Dr. H. B. Geinitz. 


Der Verfasser giebt hier ein Gesammtbild der tectonischen und mecha- 
niscben Verhältnisse der nördlichen Contactzone des Aarmassivs, d. h. 
derjenigen Kegion desselben, wo die krystallinischen Gesteine an die jünge- 
ren Sedimente stossen. Bei diesem Contact denkt der Verf. nicht an 
eine eruptive Einwirkung des Gneisses oder Gneissgranites , sondern nur 
an Veränderungen, die an der Gneissgrenze auftreten. Die von ihm auf- 
genommene geologische Karte, im Maassstahe von 1 : 50.000, erstreckt 
sich auf den weiten Raum der mechanischen Contactzone zwischen dem 
Lauterhrunner und Keussthale. Der Atlas enthält ausserdem nicht nur 
zahlreiche Profile, sondern auch wirkliche Ansichten von des talentvollen 
Verfassers geschickter Hand gezeichnet, die mit der Karte zusammen ein 
deutliches Gesammtbild der Verhältnisse geben. 

In dem ersten Abschnitte des Werkes gieht Dr. Baltzer zunächst eine 
historische Einleitung, welche durch die dabei ausgeübte Kritik sehr lehr- 
reich wird, da sich darin der Wechsel geologischer Anschauung im Laufe 
der Zeiten recht spiegelt. Schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts 
beobachtete Samuel Studer in Bern, dass am Gstellihorn Gneiss- und 
Kalkschichten mit einander wechseln. Die erste gedruckte Nachricht einer 
Auflagerung von Gneiss auf Kalk rührt von C. Es eher aus dem Jahre 
1814 her. Hugi erkannte diesen Kalk zuerst als petrefactenführend. Die 
wesentlichsten Verdienste um die Beobachtung der einschlägigen Verhält- 
nisse erwarben sich B. Studer und E scher. Studer anerkennt zwar die 
Wichtigkeit des Seitendrucks bei der Gebirgsbildung, hält aber für das 
Centralmassiv an der Ehe de Beaumont’schen Gebirgstheorie fest. Die 
neue Theorie der Gebirgsbildung steht in schroffem Gegensätze zu den 
früheren Ansichten, wie sie von den meisten Geologen bisher vertreten 
< worden sind und noch vertreten werden. Neuerdings hat Professor Heim 
in Zürich eine wichtige Arbeit über den Mechanismus der Gebirgsbildung 
publicirt, worin er den Versuch macht, die mechanischen Lehren über 
Gebirgsbildung zu systematisiren. Nach Baltzer stellen die Contacte im 
Berner Oberlande vielleicht das Extrem einer mechanischen Umwandlung dar. 

Das Finsteraarmassiv ist ein ca. 22 Stunden langes und 3 — 4 V 2 Stun- 
den breites, ONO. streichendes Ellipsoid. Dasselbe ist im Grossen und 
Ganzen nach Studer aus zwei Granitzonen und zwei Schieferzonen zu- 
sammengesetzt. Das ganze Gebiet umfasst vorwiegend Hochgebirg und 
Gletscher, im Westen beginnend in dem Berner Oberländer Gebirgswall 
mit Jungfrau, Mönch und Eiger u. s. w. Schon topographisch fällt die 

Ges. Isis in Dresden, 1881, ~ Abh. 4. 




37 


Grenzregion durch die scheinbar senkrechten, dem Urgebirg zugekehrten Ab- 
stürze (Schichtenköpfe) des oberen Jura (Hochgehirgskalk) auf, welche zu 
den höchsten in den Alpen bekannten gehören. 

Ein zweiter Abschnitt des Werkes behandelt das Gesteinsmate- 
rial der Contactzone: 

1) Gneiss der nördlichen Gneisszone des Massivs, mit vorherrschen- 
dem grauem Gneiss mit ca. 65 Proc. Kieselsäuregehalt; untergeordnet 
kommen jedoch darin auch Kieselsäure -reichere vor. 

2) Casannaartige Schiefer, wozu quarzreiche Phyllite, sogen. Helvetan- 
schiefer, die sich noch nicht genauer charakterisiren lassen, Glimmer- 
schiefer und gewisse Quarzite gehören. 

3) Anthracitschiefer als muthmasslicher Vertreter der Steinkohlen- 
formation. 

4) Sandstein und Arkose. 

5) Verrucano oder Sernifit, im engeren Sinn aus klastischen Gemeng- 
theilen von Quarz, Ortho- und Plagioklas, Kali- und Magnesiaglimmer be- 
stehend, hier und da mit Thonschieferbrocken etc.', wahrscheinlich ein 
Aequi valent des Kothliegenden. 

6) Röthidolomit und dolomitischer Kalk, wiewohl petrefactenleer, doch 
wegen seiner gelblich-rothen Farbe ein willkommener Horizont für Geogno- 
sten. lieber diesem vielleicht den Zechstein vertretenden Gesteine folgen: 

7) Quarterner Schiefer, hierauf 8) Lias, 9) Dogger oder mittler Jura 
mit verschiedenen Zonen, 10) Ober- Jura oder Malm. 

Von jüngeren Ablagerungen werden 

11) eocäne Bildungen mit Parisian, Bartonian oder Nummulitensand- 
stein; und 

12) Quartärbildungen, wie erratische Blöcke und Tuff von Grindel- 
wald, sowie schlüsslich auch 

13) nutzbare Mineralien hervorgehoben. 

Die geogn OS tische Beschreibung der wichtigsten Aufschlüsse 
bildet den dritten Abschnitt. 

Die grossen Abstürze an der Nordseite der 4157 m hohen Jungfrau 
bestehen bis zu einer Höhe von über 3000 m aus Kalkstein, während die 
noch 800 m hohe Decke von Gneiss gebildet wird. Am wichtigsten sind 
die Lagerungsverhältnisse auf der Südseite im tief eingeschnittenen Koth- 
thale (Taf. HI. Fig. 7.). Der Kalk sendet hier von Norden her zwei mäch- 
tige C-förmige Falten in den Gneiss hinein, sogen. Kalkkeile (Taf. 1. 11. HL 
Fig. 4. 7.). Die Länge des unteren Keils beträgt 1900 m bei 800 m 
scheinbarer und 400 m wirklicher Mächtigkeit. 

Der äussere architektonische Aufbau des Mönchs ist regelmässiger 
und einfacher als der der Jungfrau. Auf einem mächtigen Sockel von 
Oberjurakalk, der bis zu 3200 m ansteigt, liegt wie eine Koppe der Gneiss 
auf in einer Mächtigkeit von ca. 900 m (Taf. HI. Fig. 1. 2. 5. 6. 8.). 

Die geologischen Verhältnisse des Mettenberges sind auf Taf. IV er- 
sichtlich. Jeder Besucher des Grindelwaldes kennt die gewaltigen, über 
1200 m mächtigen Kalkabstürze, welche gegen Norden die Basis des 
Mettenberges bilden. Sie gehören dem oberen Jura an und treten mit 
Gneiss vielfach in Contact. 

Das Wett erb orn (Taf. V) nimmt durch merkwürdige Lagerungs- 
verhältnisse eine hervorragende Stellung unter den Gipfeln des Finsteraar- 
massivs ein. Auch hier sind die mächtigen Kalkpfeiler von Gneiss bedeckt. 

Das Gstellihorn (Taf. VI und VII) ist derjenige Punkt der Contact- 
linie, wo nicht nur das gegenseitige Ineinandergreifen von Gneiss und 


38 


Kalk am grossartigsten sicli darstellt, sondern auch die begleitenden Phä- 
nomene, Schichtung, Schieferung und Klüftung im Gneiss, Umwandlung 
von Oberjurakalk in weissen und bunten Marmor gut entwickelt sind. Das 
Gstellihorn stellt ein mechanisches Faltungssystem der krystallinischen 
Schiefergesteine mit den echten Sedimenten dar. 

Von der Sohle des Urhachthales steigt die geschlängelte Grenze von 
Gneiss und Kalk gegen Gstellihorn hinauf (Taf. VII. Fig. 3.). Weiter oben 
bildet der Gneiss fünf Falten (sogen. Keile, Taf. VL). Die erste ist zer- 
rissen und dazwischen in Kalk eingepresst; das abgerissene Stück hat 
ca. 300 m Länge bei 66 m Mächtigkeit. Die zweite Gneissfalte ist ca. 
600 m lang und an 50 m mächtig, die dritte etwa halb so lang und we- 
niger mächtig, die vierte 1200 m lang und 75—150 m mächtig, die fünfte 
bildet den Gipfelkeil des Gstellihorns, ist 350 m lang und 90 m mächtig. 

Die Zwischenbildungen sind vertreten durch Sandstein, graue und 
grüne Schiefer (Sernftschiefer), Röthidolomit und mitteljurassische Schich- 
ten oder sogen. Dogger, und Oberjurakalk. 

Contactverhältnisse zwischen Kalk und Gneiss am Laubstock oder 
Pfaffenkopf stellen Taf. VIII, zwischen ürbachthal und Innertkirchen etc. 
Taf. VII und VIII dar. 

Im Bereiche der Gadmer-Doppelschlinge (Taf. IX) falten sich 
von zwei Seiten her die Sedimente in den Gneiss hinein, in der Weise, 
dass zwei liegende Querfalten sich bilden, deren Axen senkrecht zu dem 
Streichen des Gebirges stehen. Der Gneiss nimmt an der Faltung dieser 
Zwischenbildungen Theil, wie die Profile durch die regelmässige Wechsel- 
lagerung zeigen. An anderen Orten (Mettenberg, Schickenegg an der 
Jungfrau), wo ebenfalls die Zwischenbildungen aufgewulstet und gefaltet 
sind, bleibt der Gneiss unberührt davon. 

Weitere Contactverhältnisse zeigt auch Taf. X. 

Fünf Kilometer südlich von der geschilderten Hauptcontactlinie zieht 
sich eine wenig mächtige, sedimentäre Kalkfalte durch das Centralmassiv 
hindurch, welche parallel der Gneissschichtung eingeklemmt ist und NO. 
bis ONO. streicht. Dahin gehört die Kalkzone von Blauberg -Färnigen- 
Intschi p. 156. 

Baltzer’s Beobachtungen über die geologischen Verhältnisse nördlich 
der Contactlinie sind noch nicht abgeschlossen, doch erhalten wir schätz- 
bare Mittheilungen über die kleine Scheidegg, die Umgebungen von Grindel- 
wald, die Kette der Engelhörner u. s. w. auf Taf. IX. 

Vierter Abschnitt. Allgemeine Verhältnisse der nörd- 
lichen Contactzone des Finsteraarmassivs (p. 175). Das alte 
Gneissgebirge war im Ganzen sehr einfach gestaltet; die abnormen Ueber- 
lagerungen und Faltungen gehören einer späteren Zeit an. Während 0. 
vom Haslithale die Sedimente im Allgemeinen regelmässig über das Ur- 
gebirg hingelagert sind oder doch nur kleine Falten in den Gneiss hinein 
bilden, tritt vom genannten Thal westwärts die Region grossartiger Falten 
auf, an denen Ur- und jüngeres Sedimentgebirg sich gleichmässig bethei- 
ligen. Gleichzeitig wird das Urgebirg immer massiger und compacter, 
Firn- und Gletscherbedeckung zusammenhängender. Hier bildet der Gneiss, 
indem er sich über den sedimentären Kalk vordrängt, meilenweit die 
höchsten Zinnen des Hochgebirges. So kommt es, dass Jungfrau, Mönch, 
Mettenberg in ihrer nördlichen Grundmasse aus oberem Jura bestehen, 
während die Gipfel aus mächtigen Gneissmassen zusammengesetzt sind, 
die nach Süden mit der Hauptmasse des Gneisses in directem Zusammen- 
hänge stehen. Die Ueberlagerung der jüngeren Sedimente durch Gneiss 


39 


ist als ein Faltungsprocess anzusehen. C- oder S-förmige gefaltete Kalk- 
massen zeigen eine einfache Ueberlagerung durch Gneiss, sogen, einfache 
Faltung (Taf. X. Fig. 2.). Bei Doppelfalten liegt über einer solchen 
Falte eine zweite ebenfalls von Gneiss bedeckte Kalkfalte auf (Taf. 1. IL IIL 
Fig. 4. 7.). Hier und da wechseln mehrere gefaltete Kalkmassen und Gneisskeile 
ab. Isolirte sedimentäre Kalkmassen im Gneiss und Gneissmassen im Kalk 
sind entweder durch Erosion isolirt worden oder durch Abreissen bei dem 
mechanischen Process der Faltung. Unter den mechanischen Gesteins- 
wandlungen an der Contactgrenze werden hervorgehoben : geknetetes Aus- 
sehen und Granitischwerden des Gneisses, Umwandlung des oberen Jura- 
kalkes in Marmor etc. 

Fünfter Abschnitt. Die Ansichten über den Gneiss des 
Finsteraarmassivs, seine Lagerung, Entstehung u. s. w. Die 
Fächer structur, die zu den am längsten bekannten Eigenthümlichkeiten 
der centralen Massive gehört, wird verschieden erklärt. Nach Studer 
sind die Finsteraarhornfächer bildenden Gneisse und Gneissgranite als 
eruptives Magma aus einer oder mehreren Spalten der Erdrinde hervor- 
getreten. Der Zeitpunkt der Keilbildung und Ueberlagerung des Kalkes 
durch Gneiss wird zwischen Jura und Kreide verlegt, also vor die grosse 
Haupthebung der Alpen. Der Contactgneiss wäre demnach jünger, als die 
Sedimente, in welche er eindringt. Dieses granitische weiche Magma er- 
hielt bei der Erstarrung eine Tafelstructur , während die durch Paralle- 
lismus der Glimmerblättchen bedingte Schieferung als eine Folge des 
Druckes aufzufassen ist. 

Favre verwirft die Hebungen von unten nach oben, an deren Stelle 
er Seitendruck setzt; er spricht sich gegen einen teigartigen Zustand des 
Granitgneisses aus und nimmt Faltung des krystallinischen Gebirges im 
festen Zustande an. 

V. Fritsch und Pf aff nehmen die Fächer Stellung als ein secundäres 
Phänomen, hervorgebracht durch ein Nachsinken der steil stehenden kry- 
stallinischen Schichten. Dieses Nachsinken erfolgte durch die erodirende 
Thätigkeit des Wassers bei. der Bildung der grossen Längsthäler. Nach 
Pfaff soll nun auch die Ueberlagerung der Kalke durch die krystallini- 
schen Gesteine (am Montblanc) durch die erwähnte Ursache erfolgt sein, 
was nach den Beobachtungen von Baltzer unzureichend ist ; vielmehr 
weisen die Contactverhältnisse auf gewaltige Druckkräfte hin und diese 
Druckdifferenzen in verschiedenen Niveaus haben wohl auch die Fächer- 
stellung erzeugt. 

L. V. Buch nahm an, die Mitte der Fächer bestehe aus gangförmigem 
Granit, der den Gneiss zu beiden Seiten zurückgebogen habe. Auf dem 
Wege des Experiments suchte Daubree die Frage der Fächerbildung zu 
lösen. Nach ihm sind Gneisse durch Druck schieferig gewordene Gra- 
nite. Granitische Massen, welche er etwas fester als blos teigartig an- 
nimmt, wurden von unten nach oben auf einer Spalte bis zu 4000 m ge- 
hoben. An der Oberfläche angelangt, waren sie nicht mehr dem un- 
geheueren Drucke ausgesetzt und es breiteten sich nur die einzelnen, durch 
Seitendruck entstandenen Tafeln fächerförmig auseinander. 

Nach Studer hat der Gneiss als granitischer Teig das Kalkgebirg 
gleichsam eingewickelt und die Schieferung entstand erst später durch 
Druck. Hiernach müsste aber der Gneiss jünger sein, als die petrefacten- 
führenden Sedimente. Dem gegenüber steht aber die Ansicht, dass der 
Gneiss älter und nur die Ausbildung des Fächers und die Ueberschieb- 
ungen jünger, als die Sedimente seien. 


40 


Nach Baltzer sind Formationen von ganz verschiedenem Alter als 
ein Ganzes gleichmässig, also gleichzeitig gebogen, wo doch die älteren 
beim Act der Biegung bereits erhärtet sein mussten. Er nimmt mit 
Heim, Süss, Albr. Müller u. A. die Möglichkeit der hruchlosen 
Schichtenbiegungen im festen Zustande an, wenn nur ein gehöriger Druck 
von allen Seiten dabei mitwirkt. Dies wird auch durch Experimente von 
Tresca bestätigt, welcher durch die Oeffnung eines im üehrigen ge- 
schlossenen Cylinders Blei, Zinn, Silber, Kupfer und sogar Stahl heraus- 
presste. (Compt. rend. 1874.) Heim und Baltzer suchten für Tresca’s 
Theorie, wonach jeder Druck auf feste Massen ein Fliessen derselben 
hervorzuhringen strebt, Stützen zu liefern. 

Dagegen wenden Lehmann, Pfaff und Stapff ein, was für Blei und 
Stahl gelte, sei noch nicht für Kalk, Gneiss und Granit bewiesen. Hat 
man aber l)ewiesen, dass jene Biegungen in den Alpen erst zur Pliocän- 
zeit bei der grossen Haupthebung der Alpen entstanden sein können, so ist 
der Schluss unabweisbar, dass die Gesteine in längst verhärtetem Zu- 
stande unter allseitigem Druck gefaltet wurden. Nach Allem kann ein 
durch Seitendruck gestautes Gneissgebirg sich auch im festen Zustande 
gefaltet haben. Es liegt kein weiterer Grund vor, dem Gneiss des Finster- 
aarmassivs sein hohes Alter zu bestreiten und ihn als ein jung eruptives 
Gestein zu betrachten. 

Baltzer glaubt, für das von ihm untersuchte Gebiet an einer theil- 
weisen Aufrichtung vor Absatz des Verrucano festhalten zu müssen. 
Später ist die Haupthehung und Faltung der Alpen erfolgt. 

Ein weiterer von Heim und Baltzer hervorgehohener Beleg für die 
Gneissfaltung liegt noch in der Analogie oder in der mechanischen Aequi- 
valenz zwischen dem Gneiss des Finsteraarhornmassivs und dem Eocon der 
Glarner Doppelschlinge. So heisst jene grossartige, von A. Escher er- 
kannte, doppelt S-förmige Biegung zwischen Khein- und Keussthal, durch 
welche viele Meilen weit die älteren Schichten auf Eocän zu ruhen kommen. 

Ueberhlicken wir nochmals den untersuchten Theil des Aaarmassivs, 
so erkennen wir in demselben ein grossartiges System von Gewölben 
krystallinischer Gesteine. Dieselben sind im Mittelbau entblösst, an den 
Flügeln dagegen vom wunderbarsten Faltenwurf der Sedimente discordent 
bedeckt. Einzig in seiner Art verhält sich der nördliche Band des Ur- 
gebirges, wo Gneiss und Kalk grossartige Faltungs-, Schieferungs- und 
mechanische Umwandlungserscheinungen zeigen. Alle diese Falten ge- 
horchen einer und derselben Begel, nämlich: die im Gneiss eingeschlossenen 
sedimentären Kalkmassen längs des Aarmassivnordrandes sind die zer- 
stückelten Beste einer grossen liegenden Falte. Die wunderbar compli- 
cirte Fältelung des Bandgebirges des Massivs führt immer wieder auf den 
Gedanken, dass diese concordanten Gesteine des verschiedensten Alters im 
festen Zustande gebogen wurden. 

Im Allgemeinen hat demnach Dr. Baltzer das Problem der Gebirgs- 
bildung von der rein mechanischen Weise aufgefasst, die früher vernach- 
lässigt worden war, wodurch er mit heutigen weit verbreiteten Anschau- 
ungen über Gebirgsbildung mehr im Einklänge steht, als mit älteren Theorien. 

In einem Zusatze, betreffend die Entstehung von Biesentöpfen, will 
B. dieselben nicht als Beweise für die frühere Existenz von Gletschern gelten 
lassen, sondern bringt sie vielmehr mit alten Bach- und Flussläufen in 
Verbindung, deren es in den Alpen viele giebt. 


41 


V. lieber H. Wolf: Geologische Gruben-Kevierkarte des 
Kohlenbeckens von Teplitz-Dux-Brüx. 

(Wien, 1880.) 

Von A. Purgold. 


Am 10 . Februar 1879 gescbab im Braunkohlenbergbau des Döl- 
linger-Schacbtes zwischen Dux und Ossegg ein unterirdischer gewal- 
tiger und massenhafter Einbruch lauwarmen Wassers so plötzlich, dass 
19 der dort beschäftigten Bergleute dem Tode des Ertrinkens nicht zu 
entfliehen vermochten und dass ausser den sämmtlichen Grubenbauen des 
Döllinger- Schachtes auch die nächst benachbarten zwei grossen Kohlen- 
werke Nelson und Fortschritt sich in kurzer Zeit ebenfalls mit W asser 
füllten, später auch noch die Werke Viktorin und Gisela. — Von der 
Einbruchstelle im Döllinger über 6 V 2 km Luftlinie entfernt, in der Rich- 
tung ONO (Std. 4 — 10 Grad des bergmännischen Compasses), befindet 
sich das Stadtbad zu Teplitz, wo der weltberühmte heisse Heilquell 
entspringt, welchem die Stadt Teplitz ihren Ruf und Charakter als Kur- 
ort verdankt. Am Tage nach der Katastrophe des Döllinger begann diese 
„Urquelle“ im Stadtbad kärglicher und kärglicher aus den historischen 
Löwenköpfen zu fliessen und am 13. Februar versiechten diese ganz, nach- 
dem der Wasserspiegel im Quellenschacht so tief gesunken war, dass er 
das Abflussrohr nicht mehr erreichte und noch fortwährend sich er- 
niedrigte. 

Ob solch verhängnissvollen Vorganges selbstverständlich allgemeiner 
Schrecken in Teplitz und laute Rufe um Hülfe, die zunächst an die Statt- 
halterei in Prag und ans Staatsministerium in Wien sich richteten, worauf 
denn aus Prag Professor Laube und aus Wien Bergrath Wolf auf der 
Stätte des Unglücks in kürzester Frist als Sachverständige eintrafen. — 
Der Zusammenhang zwischen beiden Katastrophen , der im Döllinger- 
Schacht und der in Teplitz, war ganz unzweifelhaft, obwohl zwischen 
beiden so weit von einander entfernten Orten eine äusserliche geologische 
Verbindung nicht besteht und auch eine innerliche bis dahin nicht ver- 
muthet worden war. Um Klarheit in diese Verhältnisse zu bringen, um 
hier wie dort Hülfe zu schaffen und der Wiederholung ähnlicher Vorfälle 
möglichst vorzubeugen, unternahm denn Bergrath Wolf die Bearbeitung 
und Herausgabe des vorliegenden Kartenwerkes, zugleich mit dem weite- 
ren Programm, damit auch dem reich entwickelten Bergbau dieser Gegend 
die sehnlichst gewünschte Lagerungskarte des Kohlenflötzes zu 
liefern. 

Das Kartenwerk selbst besteht innerhalb des Rahmens einer grossen 
Wandkarte von 2,80 m Länge und 2,16 m Höhe aus 16 Blättern. Da 
das Hauptstreichen der dargestellten Gegend parallel dem Südfusse des 

Ges. Isis in Dresden, 1881. — Abh. 5. 


42 


Erzgebirges ungefähr von SW nach NO gerichtet ist, so verläuft es 
schräg gegen die Ränder des Rahmens und die dadurch frei gebliebenen 
Winkel werden durch das Titelblatt und durch drei Blatt Profile aus- 
gefüllt, welch letztere auch noch auf benachbarten Blättern fortgesetzt 
sind; für die Hauptkarte verbleiben also zwölf Blätter. 

Wie der Titel besagt, umfassen die Kartenblätter das Kohlen- 
becken Teplitz-Dux-Brüx von Mariaschein im Osten bis Seestadtl im Westen 
(= 28 km Länge bei 16 km mittlerer Breite) nebst zwischenliegenden und 
nächst angrenzenden anderen Formationen. Die topographische Dar- 
stellung ist im Maassstab von 1 : 10,000 durch horizontale Aequidistanten 
von 10 zu 10, stellenweise von 20 zu 20 m senkrechten Abstandes auf 
Grundlage der neuesten Aufnahmen des K. K. militär-geographischen Insti- 
tutes geschehen und die geologische Darstellung durch Buntdruck mit 
23 Farben. Durch diese sind folgende Gesteins- und Bodenarten unter- 
schieden : 

Alluvium. 

1. Schwemmland. 2. Moorboden. £ 

Diluvium. 


Ossegger Schichten. 


3. Löss oder Lehm. 4. Schotter. 

Tertiär - Formation. 

5. Erdbrandgesteine. 

6. Hangender Schieferthon. 

7. Lockerer Sand und Sandstein. 

8. Kohlenflötz. 

9. Phonolithtuff. 

10. Phonolith. 

11. Basalttuff. 

12. Basalt. 

13. Weisse und bunte Thone. 

14. Liegend Sand und Quarzit. 

Kreide-Formation. 

15. Thoniger Pläner. 

16. Kalkiger Pläner. 

17. Hornstein -Pläner. 

18. Unterer Exogyrensandstein oder Korycaner Schichten. 

19. Porphyreon glomerat oder Hippuritenschichten. 

Paläozoische Gesteine. 


Saazer Schichten. 


Scaphiten- und Teplitzer Schichten. 


20. Porphyrtuff. 21. Porphyr. 

Azoische Gesteine. 

22. Granit. 23. Gneiss und Glimmerschiefer. 

Ausser den auf Landkarten solchen Maassstabes hergebrachten An- 
gaben von Bächen und Teichen, Ortschaften und einzelnen Gebäuden, 
Eisenbahnen, Strassen und Wegen verschiedenen Ranges finden sich hier 
auch noch die Begrenzungen des mannigfach vertheilten und stellenweise 
recht zersplitterten bergmännischen Eigenthums und innerhalb derselben 
Schächte, unterirdische Grubenbaue, abgebaute Kohlenfelder, wichtigste 
Verwerfungen des Flötzes, Verlauf des Kohlenausbisses und der Mulden- 
axe, ausgeführte Tiefbohrungen und bei ihnen und den Schächten An- 
gabe der Tiefe und Mächtigkeit des durchsunkenen Flötzes. Zeichnung 
und Schrift sind meist sauber und klar, nur bei den unterirdischen 


43 


Angaben zuweilen verwischt und undeutlich, was daher rührt, dass zu 
viel hat gegeben werden sollen. — Der Buntdruck des geognostischen 
Theiles ist ganz vorzüglich. 

Blatt 1 und 2 enthalten den Anfang von zehn geologischen Pro- 
filen, die auf den benachbarten Blättern zur Fortsetzung und Schluss 
gelangen. 

Blatt 3 bringt die Umgebungen von Ohergeorgenthal bis Schloss 
Eisenberg im Westen. In der mittleren Seehöhe von 300 m zieht sich 
dem Südabhange des Erzgebirges entlang der nördliche Ausstrich des 
Kohlenflötzes, der im grossen Ganzen als richtig anzunehmen ist. Die 
hier bestehenden Kohlenwerke Lyell, Glückauf, Segen Gottes und Antonia 
sind alle dem Ausgehenden nahe und erstrecken wegen der Steilheit des 
Einfallens sich nicht weit gegen das Innere der Kohlenmulde, wo also 
jeglicher Aufschluss noch fehlt, nicht einmal ein Bohrloch vorhanden ist. 
Der angegebene Verlauf der Muldenaxe ist also ziemlich willkürlich an- 
genommen und wird wohl seiner Zeit als ein gut Stück nördlicher, etwa 
unter der Station Obergeorgenthal gelegen, sich heraussteilen. 

Blatt 4, südlich hier anschliessend, gewährt über die Lage der 
Muldenaxe ebenfalls keine sichere Auskunft, da die Bohrungen und Schürf- 
ungen um Holtschitz und Neundorf, sowie die Bergbaue Robert bei Sta- 
tion Holtschitz und Washington bei Triebschitz dazu nicht ausreichen. 
Leber dies werden auch hier wiederholte Verwerfungen in ungefährer Rich- 
tung des nächstliegenden Ausstriches nicht fehlen. — Am Ostrande des 
Blattes ist die Lage der Commerner und Tschauscher Sauerbrunnen an- 
gegeben und in geringer Entfernung davon die des Brüx er Sprudels. 
Erstere beide sind schwache Säuerlinge, deren Ursprung innerhalb des 
tiefgründigen Moorbodens liegen dürfte, der Brüxer Strudel aber ver- 
dankt seine Entstehung lediglich dem Bergbau. Das K. K. Aerar hatte 
sich vorgesetzt, das Liegende der Braunkohlenformation hier zu er- 
schliessen und zu diesem Zwecke ein Bohrloch gestossen. 46 m unterm 
Kohlenflötz wurde bei 127,36 m grobkörniger Sandstein angebohrt, aus 
welchem am 8. Februar 1877 ein starker Säuerling bis 60 cm frei über 
die Mündung des Bohrloches hervorsprudelte, in der Minute etwa 1 cbm 
Wasser von 18 Grad R. ergebend. Als das Wasser dann aus der Tiefe 
von 135,67 m einige Gneissstückchen mit in die Höhe gebracht, wurde 
die Bohrung eingestellt. Da das Bohrloch auf dem Eigenthum der Stadt 
Brüx liegt, ging der Sprudel in deren Besitz über; seine chemische Natur 
reiht ihn zu den schwach eisenhaltigen alkalireichen Säuerlingen, mit ein 
wenig Kieselerde und Schwefelwasserstoff und einer Spur von kohlen- 
saurem Lithion. Die Hofinungen, damit die Zahl der berühmten böhmi- 
schen Kurorte alsbald um einen zu vermehren, haben sich bis jetzt noch 
keineswegs erfüllt. 

Blatt 5 enthält die Fortsetzung der auf Blatt 1 angefangenen Profile. 

Blatt 6 bringt neben einigen Profilen hauptsächlich die Oberleutens- 
dorfer, Brucher und Ladunger Bergbaue, sämmtlich nahe dem Ausgehenden, 
mit vielen Bohrungen gegen das Innere der Mulde. Das Ausgehende des 
Flötzes erhebt sich hier am xibhang des Erzgebirgs von 330 bis 420 m 
Seehöhe. 

Blatt 7 schliesst sich südlich hier an und führt uns über das Mulden- 
Tiefste, gleichsam in die offene See hinaus, wo bisher noch gar kein Berg- 
bau stattfindet, sondern von verschiedenen Unternehmern nur eine Anzahl 
Sondirungen vorgenommen ist und in der Nähe von Maltheuern neuer- 


44 


dings eine grosse Schachtanlage in Angriff genommen wurde, die sich 
noch im Bau befindet. Wenn die Zeiten erst wieder zur Eröffnung neuer 
Kohlenwerke einladen, wird das Bereich dieses Kartenblattes vermuthlich 
das Feld der lebhaftesten Thätigkeit werden, bis dahin bleibt auch der 
hier angegebene Verlauf der Muldenaxe zweifelhaft und willkürlich. 

Südlich schliesst hier an Blatt 8, mit der Stadt Brüx im Mittel- 
punkt, das erste, welches bis an den südlichen Ausbiss des Kohlen- 
flötzes reicht. Dieser läuft am Nordfusse der Phonolith- und Basaltberge 
in der wechselnden Höhe von 250 bis 270 m hin, und seiner Nähe ist es 
zuzuschreiben, dass hier ein lebhafter Bergbau umgeht, durch den die 
Flötzlagerung ziemlich gut bekannt ist. Im unterirdischen Bereiche des 
Annaschachtes entspringt dem Kohlenflötz ein Sauerbrunnen von ähn- 
licher Beschaffenheit, wie der Brüxer Sprudel. Die Nähe der Phonolithe 
des Schlossberges und des Breitenberges leitet ganz ungezwungen darauf, 
jenen unterirdischen Säuerling mit ihnen in Verbindung zu bringen, so 
dass wohl auch dem Brüxer Sprudel, der zwar weiter vom Phonolith ent- 
fernt, dafür aber auch beträchtlich tieferen Ursprunges ist, die ent- 
sprechende Herkunft aus Phonolith zuzusprechen ist. 

Welch geologische Störungen in diesen Umgebungen herrschen, wird 
unter Anderem durch eine Bohrung erwiesen, nur 400 m nördlich von 
Schacht Julius I. entfernt, die von 120 m an bis zur Gesammttiefe von 
287 m, also 167 m lang, fortwährend in Kohle gebohrt hat, ohne sie zu 
durchsinken. Thorheit wäre es, solch enorme Ziffer für die Flötzmächtig- 
keit anzunehmen, vielmehr ist vorauszusetzen, dass das allerdings sehr 
mächtige Flötz steil aufgerichtet und durch eine Verwerfung übereinander 
geschoben sei. 

Auf Blatt 8 finden die Profile I und IT ihr südliches Ende, deren 
Verlauf aus den Karten ersichtlich wird. Beide durchqueren sie in ge- 
ringer Entfernung von einander die Kohlenmulde und zeigen in schema- 
tischer Kegelmässigkeit die Reihenfolge vom Diluvium durch das Dach der 
Kohle zum Flötz , dessen liegende Schichten , unmittelbar auf Gneiss 
ruhend, am Nordflügel ziemlich steil, am Südflügel viel sanfter geneigt 
und am letzteren den Gneiss durch Phonolith oder Basalt unter Tage ab- 
geschnitten. Diese beiden Profile unterscheiden sich nur dadurch von 
einander, dass auf Profil I, etwa mit Ausnahme der Ausbisse in N. und S., 
das Kohlenflötz und überhaupt die ganze Schichtenfolge in noch ungestör- 
terer Lagerung als in Profil H gezeichnet ist, aber hoffentlich nicht in 
der sehr anfechtbaren Meinung, dass solches wirklich der Fall sei, son- 
dern wohl nur aus dem Grunde, weil die auf Blatt 7 angegebenen Bohr- 
versuche es unvermeidlich machten, in Profil H einige Verwerfungen auf- 
zunehmen, zu denen in Profil I der Mangel jeglichen Aufschlusses in der 
Tiefe, mit einziger Ausnahme des Brüxer Sprudels, allerdings keine Ver- 
anlassung geben konnte. Die bei Besprechung von Blatt 3 geäusserte 
Ansicht von der vermuthlich nördlicheren Lage der Muldenaxe, gilt selbst- 
verständlich auch für Profil I und wfird gerade durch dieses eher bestä- 
tigt als widerlegt. Sehr Schade ist es, dass die südlichen Endpunkte der 
beiden Profile nicht um weniges weiter nach Osten verlegt wurden, für 
Profil I etwa durch den Breitenberg, für II durch den Spitzberg, dann 
wäre durch I die Darstellung der höchst interessanten Lagerung in den 
Bergbauen der Brüxer Gesellschaft, durch II eine Autklärung über die 
wichtige Frage erfolgt, ob die seichte, fast zu Tage ausgehende Lage des 
Kohlenflötzes in der Theresienzeche eine ursprüngliche ist oder ob sie die 


45 


Folge von Verwerfungen oder von Abschwemmungen ist ; desgleichen wären 
die sehr merkwürdigen Störungen in den Juliusschächten sichtbar geworden. 

Blatt 9 enthält die Ortschaften Klostergrab, Kosten, Tischau 
mit ihren Umgebungen und den in der Höhe von 310 bis 375 m sich am 
Gebirge hinziehenden nördlichen Ausbiss des Kohlenflötzes, dem sich eine 
ganze Reihe Bergbaue anschliesst. Auch begegnen wir hier zum ersten 
Mal dem Porphyr und unzweifelhaften Gesteinen der Kreideformation, 
nämlich Pläner und Exogyren -Sandstein, die von hier nach Osten als be- 
ständige Unterlage unserer Kohlenformation gelten müssen, während weiter 
westlich sie als solche weder über, noch unter Tage bekannt geworden 
sind. Ausserdem stellen sich aber auch einige Basaltkuppen bei 
Strahl ein, in denen wohl mit Recht die Ursache der Abtrennung des 
schmalen Kohlenstreifens anzuerkennen ist, der nördlich vom Hauptflötz 
von Klostergrab bis Strahl sich erstreckt. Auch innerhalb des Haupt- 
flötzes südlich der Muldenaxe und parallel mit ihr wird in der Ausdeh- 
nung von Kosten bis Tischau ein schmaler Lettenrücken angegeben, der 
möglicher Weise die Folge der basaltischen Erhebungen im Doppelburger 
Thiergarten ist. Eben genannte Muldenaxe aus der Eichwald-Wistritzer 
Gegend, von Nordost her kommend, verläuft bei der Kostener Glashütte 
an einer Verwerfungsspalte, die einen Flötztheil bis nahe unter Tage 
herausgehoben hat, wo er durch Erdbrand zerstört wurde. — Der Süd- 
abfall jenes Lettenrückens bewirkt eine Längstheilung der Kohlenmulde, 
deren südliche Axe auf Blatt 10 wieder zur Darstellung kommt. 

Blatt 10 ist wohl das wichtigste des ganzen Kartenwerkes. Es ent- 
hält die Grundrisse der bedeutenden Bergbaue zwischen Ossegg 
und Dux, darinnen die Einbruchstelle des Wassers im Döllinger-Schacht, 
von welchem aus die benachbarten Kohlenwerke in einem Umfange über- 
schwemmt wurden, der aus der Karte zu ersehen ist. Desgleichen findet 
sich die Riesenquelle zwischen Dux und Loosch, deren allmäh- 
liches Versiechen den Teplitzer Quellenbesitzern bei minderer Sorglosig- 
keit ganz wohl zur rechtzeitigen Warnung dienen konnte, endlich die 
Erdfälle bei Loosch. — Im nördlichen Theile des Blattes sind die 
isolirten Porphyrpartien von Janegg und des Herrenhübels angegeben 
nebst den umgebenden Hornsteinplänern und Porphyrconglomeraten, letz- 
tere des Näheren als Hippuritenschichten bezeichnet. Diese Porphyre 
machen die unterirdische Verbindung zwischen dem erzgebirgischen und 
dem Teplitzer Porphyr sichtbar. 

Der Döllinger-Schacht, unter den hiesigen Kohlenwerken das 
letzte, ist für die jüngste Bergwerks- und Quellenkatastrophe von erster 
und verhängnissvollster Wichtigkeit. Durch die in ihm betriebenen Ar- 
beiten wurde der Kluft eine Oeffnung verschafft, durch welche der Weg 
des Wassers, das bisher in der Urquelle des Teplitzer Stadtbades seinen 
Ausfluss fand, sich umkehrte und hierher richtete in die unterirdischen, 
zum Zweck der Kohlengewinnung hergestellten Räume. Dass hierbei die 
Niveauverhältnisse in erster Linie mitwirken, ist augenscheinlich. Aber 
gerade beim Döllinger-Schacht ist die Tiefencote, die sonst bei keinem 
Schacht oder Bohrloch fehlt, leider nicht angegeben, an der Ein- 
bruchsstelle wäre sie gleichfalls sehr angenehm und wichtig gewesen. Von 
der Einbruchsstelle aus ist in der Richtung auf Janegg zu durch eine 
Doppellinie der „Janegger Verwurf“ und auf Teplitz zu der „Teplitzer 
Verwurf“ bezeichnet, zur symbolischen Andeutung, dass die Wasser- 
einbruchstelle wie mit Janegg, so auch mit der Urquelle im Teplitzer 


46 


Stadtbad durch eine Verwerfungskluft in Verbindung stehen möge — eine 
Ansicht, die dadurch unterstützt erscheint, dass jene Linie nahe der 
Kiesenquelle vorbeigeht, deren Communication mit den Teplitzer Quellen 
seit langer Zeit notorisch ist und die geraume Zeit vor Eintritt des Un- 
glücksfalles bedenklich abgenommen hatte und schliesslich ganz ausblieb. 
Ferner liefen in geringer Entfernung nördlich vom „Teplitzer Verwurf“ 
zwei, und etwas weiter südlich von ihm noch zwei kleine Erd fälle, die 
sich wenige Tage später bildeten, nachdem das Wasser der Stadtbadquelle 
in Teplitz gesunken war, so dass anzunehmen ist, sie seien entstanden in 
Folge der Verminderung oder des Aufhörens des Wasserdruckes von 
unten. Hier wäre ein Profil erwünscht gewesen, das zeigte, wie der Quellen- 
ausfluss aus den Löwenköpfen im Stadtbad 203 m, die Einbruchsstelle im 
Döllinger 159 m Seehöhe besitzt, wie die Verwerfungskluft neben letzterer 
das Liegende der Kohle (vermuthlich Hornsteinpläner) in steiler Aufrich- 
tung mit dem Kohlenflötz in Contact bringt und alsbald dahinter der 
Porphyr aufsteigt; wie ferner der Euss des Döllinger-Schachtes auf einem 
Flötzrücken zwischen zwei Verwerfungen 6 m oberhalb der Einbruchs- 
stelle sich befindet, wie endlich hinter einer ganzen Reihe Verwerfungen 
das Füllort des Nelson-Schachtes in nur 90 m Seehöhe sich befindet und 
directe Verbindung mit Fortschritt-Schacht und durch diesen mit Döllinger- 
Schacht besitzt, so dass Nelson und Fortschritt sich nothwendig mit 
Wasser füllen mussten, nachdem dieses bis zur Verbindungsstrecke ge- 
stiegen war und desgleichen Gisela und Viktorin mit bezüglich 161 und 
151 m Seehöhe am Füllort in Folge des Ueberdruckes diesem Schicksal 
nicht entgehen konnten, obwohl zwischen ihnen und Döllinger noch be- 
trächtliche Kohlenpfeiler anstehen. Damit wäre Jedem, der sich dafür 
interessirt, hinlänglicher Anhalt geliefert, sich eine eigene Meinung zu 
bilden und wären auch die Schachttiefen von Döllinger mit 54 m, von 
Nelson mit 131 m, von Fortschritt mit 62 m, von Gisela mit 69 m und 
von Viktorin mit 75 m auf einen Blick zu übersehen gewesen. 

Uebrigens erachtet Referent die Wasserverbindung zwischen Döllinger und 
Stadtbad für nicht so einfach, als eine vom Verfasser angenommene Kluft 
sein würde, die unmittelbar von einem Endpunkt zum anderen hinläuft, 
denn dann müsste das Verhalten der Teplitzer Quelle anders sein, als es 
sich zeigt und namentlich müsste der Einfluss der Temperatur der in den 
Schächten nach wie vor auftretenden wilden Wasser in Teplitz sich 
äusserst fühlbar machen, während der Wärmegrad der Therme in Teplitz 
sich wesentlich auf der nämlichen Höhe wie vorher erhält. Referent hält 
die Hornsteinpläner in Berührung mit dem Porphyr bei Janegg und 
am Herrenhübel für das Product der Einwirkung heissen Wassers auf 
den Pläner, wegen der fast vollständigen Uebereinstimmung mit den 
Quellenproducten von Teplitz-Schönau, einschliesslich der Barytkrystalle 
hier wie dort. Jene Hornsteinpläner würden demnach die Stellen be- 
zeichnen, an denen vormals die Teplitzer Quellen zu Tage traten auf dem 
vom Erzgebirge herabkommenden Porphyrrücken, der eine unterirdische 
Wasserscheide zwischen Teplitz einerseits und Dux-Ossegg andererseits 
bildet. Durch Verkieselung schlossen sich die Ausflusskänäle und die 
W^asser wurden genöthigt, sich durch die Klüfte des Porphyrs einen neuen 
Weg zu suchen. Wo sie den geringeren Widerstand fanden, flössen sie 
aus ; so lange sie auf der Dux-Ossegger Seite sich anstauen mussten, liefen 
sie also auf die Teplitzer Seite, als dort ihnen der Ausweg geöffnet wurde, 
folgten sie dem letzteren. Der Porphyrrücken aber verhindert, dass auch 


47 


die wilden Wasser der Ossegger Schäclite in die Zuflüsse der Teplitzer 
Quellen gelangen. Die Riesenquelle bei Dux-Loosch würde dann einem 
Seitenkanal angehören, welchem die Arbeiten im Döllinger viel näher als 
den Teplitzer Zuflüssen liegen, ebenso wie auch die Erdfälle bei Loosch. 

Ausser den nun oft genannten Werken findet sich auf Blatt 10 im 
Süden die Kreuzerhöhungszeche des Duxer Kohlenvereins , deren 
höchst merkwürdige Lagerungsverhältnisse leider ein Profil vermissen 
lassen, das zugleich auch Aufschluss über die Hebung der Duxer Pläner- 
insel gewährt haben würde. Ein zwischen Procopi- und Gisela-Schacht 
hindurchstreichender, technisch sehr wichtiger Flötzrücken ist auf der 
Karte unberücksichtigt geblieben. 

Blatt 11 enthält die Gegend von Dux über Ladowitz nach Bilin 
und die in ihr reichlichst angesetzten Kohlen werke. Da der Ausbiss des 
Kohlenflötzes auf der Osthälfte des Blattes liegt, so ist seine Westhälfte 
auch fast ganz von Kohlenwerken frei. Am Nordrand fallen zunächst 
die ausgedehnten Abbaue, guten Theils Tagebaue, der Dux-Bodenbacher 
Eisenbahn und der Sylvesterzeche in die Augen, dann im Osten unter 
anderen die der Hartmann- Schächte, ferner im Süden jenseits der Bila 
auf der Höhe von Bilin die Rudiay des Fürsten Lobkowitz, endlich auf 
der Westhälfte, ganz am Südrande am Abhange des Rothenberges bei 
Prohn, die König Albert- und Anton Einsiedler-Schächte. 

Auf Blatt 11 endigt Profil V, dessen Verlauf zwischen so vielen 
ausgerichteten Werken ihm einen weniger schematischen Charakter, als 
den vorhergegangenen Profilen giebt. 

Blatt 12 enthält die südliche Ergänzung der Stadt Bilin und zu 
den erwähnten Bergbauen bei Prohn, ferner den Biliner Sauerbrunnen, 
den Borzen, die Erdbrandgesteine bei Schwindschitz am Steinberg und 
Fuchsberg, welche die früher bedeutendere Ausdehnung des Kohlenflötzes 
beweisen. Sehr interessante Basaltgänge bei der Prohner Dampfmühle, 
welche die Richtung der Verwerfungen im Kohlenfeld von Anton Ein- 
siedler zu bestimmen scheinen, würden in einer neuen Auflage der Karte 
wohl einen Platz verdienen. 

Auf Blatt 12 finden die Profile HI und IV ihr südliches Ende. 
Profil HI geht unmittelbar neben den Bauen des Franzschachtes hin, ohne 
dessen specieller zu gedenken und zeigt jenseits der Bila, wie hoch oben 
am Zlatnigger Berg der Pläner und sein Hangendes steil aufgerichtet sind. 

Profil IV geht vom Spitzberg auf Blatt 6 zum Bilathal, um in der 
steilen Erhebung des Borzen zu endigen. 

Blatt 13 schliesst sich wieder dem nördlichen Kohlenausbiss längs 
des Erzgebirges an, der hier von 355 m Seehöhe bis 250 m im Osten 
sich senkt. Es begreift die Gegend von Eichwald bis Graupen-Maria- 
schein und reicht südlich bis dicht an die Stadt Teplitz. Die im Probst- 
auer Park hervortretenden Basalte zwingen um ihren Nordfuss herum das 
südliche Ausgehende der Kohlenmulde zu einer tief einschneidenden Bucht. 
Durch dieselbe wird die Breite der Kohlenmulde nördlich von Probstau 
bis auf weniger als 1 km zusammengedrängt und etwa an der schmäl- 
sten Stelle derselben liegt ein Flötzrücken, den wir auf der Karte ver- 
missen. Dieser Flötzrücken scheidet nicht blos das Feld der Pauline- 
Helene vom Britanniafeld, sondern trennt überhaupt die ganze Teplitz- 
Dux-Brüxer Kohlenmulde von der Karbitz-Mariascheiner , deren vollstän- 
dige Begrenzung dadurch ringsum auch nach Westen geschlossen wird. 
In Fortsetzung der erwähnten Basalte von Probstau liegt zwischen Soborten 


48 


und Turn ein ganz schmaler, nur 350 m breiter, oberflächlich aus Kohlen- 
letten bestehender Kücken, an dessen Nordabfall der westliche Ausbiss 
der Mariascheiner Mulde und an dessen Südabfall der östliche Ausbiss 
der Teplitzer Mulde sich anlegen. — Die aus Britanniafeld nach Dobblhof 
und Elbefeld hinüber streichenden zahlreichen Klüfte und Verwerfungen 
machen durch ihren Parallelismus ihre Natur als Verlauf von Bruchebenen 
in Richtung der erfolgten Senkung oder Hebung sehr anschaulich. Dass 
im Gebiete der hier südlich anliegenden Bergbaue solche Klüfte nicht an- 
gegeben sind, darf nicht als Beweis dafür angesehen werden, dass deren 
keine vorhanden wären. — In Folge der Aufschlüsse durch den Bergbau 
ist die Lage der Muldenaxe ziemlich richtig gezeichnet, doch erkennen wir 
nicht, was zur Zweitheilung dieser Axe am Paulinen- Schachte bewogen 
haben mag, da gerade hier jeder bezügliche Aufschluss mangelt und aller 
Bergbau sich noch auf dem steilen Nordflügel der Mulde befindet. 

Die auf der Karte an der Dux-Bodenbacher Eisenbahn nördlich von 
Mariaschein angegebene Granitinsel ist uns nicht bekannt; die zweite 
noch weiter nördlich in der von Knödl herabkommenden Schlucht als 
Granit bezeichnete Stelle ist die Zwicker Pinge, ein vom uralten Zinn- 
bergbau herrührender Tagebruch im Greisen, dessen Urzustand aller- 
dings Granit gewesen sein kann. 

Blatt 14 zeigt in der Mitte des Nordrandes die Stadt Teplitz, rechts 
und links die Ergänzungen zu den bei Blatt 13 erwähnten Bergbauen. 
Dass da der erste Blick nach der Lage der Thermalquellen sucht, ist 
natürlich, die ist aber leider ohne Bezeichnung geblieben. Für die Herkunft 
der Schönauer Quellen dürfte der Hornsteinpläner zwischen der Stefanshöhe 
und der gegenüber liegenden Porphyrkuppe nicht ohne Bedeutung sein. 
Die grossen Flächen, welche die Erdbrandgesteine auf der Karte ein- 
nehmen, geben ein Bild von der früheren Verbreitung des Kohlenflötzes. 
Am Südrand des Blattes ragt das Nordende einer tiefen Bucht der Kohlen- 
mulde von Krzemusch herein. 

Auf Blatt 14 endigt Profil IX. Es durchschneidet die Kohlenmulde 
fast an ihrer schmälsten Stelle, zeigt dann deutlich den V^iederansatz des 
h’lötzes bei Turn und endigt jenseits des Teplitzer Schlossberges bei Dra- 
kowa. Die Ansicht, dass der Porphyr am Abhange des Schlossberges so 
weit unterirdisch fortsetze, als hier angegeben, dürfte wohl nicht über 
allem Zweifel erhaben sein. 

Blatt 15 zeigt zunächst im Westen die Kohlenwerke von Hosto- 
witz und weiter östlich die des Ida-Stollens bei Wohontsch. Auf letzteren 
sei aufmerksam gemacht, weil hier das erste Beispiel einer zweifellosen 
Ueberlagerung des Kohlenflötzes durch Basalttuff vorliegt, wie sich eben- 
falls am nahen Jacobi- Stollen bei Schwatz wiederholt. Bei den hier um 
Krupei herum ganz richtig mit Nr. 11 als Basalttuff bezeichneten 
Schichten ist übrigens der rothe Ueberdruck vergessen worden, da sie 
statt der richtigen violetten Farbe die lichtblaue des Pläners irrthümlich 
bewahrt haben. Das Gneissinselchen nordöstlich von Ratsch ist nicht zu 
übersehen. 

Auf Blatt 15, dem letzten, endigen nicht weniger als vier Profile, 
nämlich VI, VII, VHI, X. 

Auf Profil VI. tritt der Porphyrrücken von Janegg charakteristisch 
hervor und an seinen Abhängen sind einerseits der Janegger, andererseits 
der Teplitzer Verwurf schematisch sichtbar gemacht. 


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Auf Profil VII sind beiderseits vom Herrenhübel wieder der Janegger 
und der Teplitzer Verwurf angegeben, welch letzterer dort den Porphyr 
ziemlich unnatürlich abschneiden soll. Dass zwischen den zwei Verwerf- 
ungen, wo Station Kosten liegt, unter der Kohlenformation und über dem 
Gneiss kein Pläner angegeben wurde, ist wohl nur ein Versehen, auf 
welches hier aufmerksam zu machen erlaubt sein möge. 

Profil VIII geht in der Stadt Teplitz durch das Stadtbad und an 
Prasseditz vorüber in die Basaltkuppe von Kirchhöfel und in die Gneiss- 
insel von Ratsch, hinter der es endigt. Auf diesem Profil endlich wird 
der Teplitzer Urquelle gedacht, am Rande der Kreidemulde im Por- 
phyr, auf welcher die Stadt steht. Dicht daneben ist eine Verwerfung im 
Porphyr wieder als „Teplitzer Verwurf“ bezeichnet, dem wir nun schon 
öfter begegnet sind. Im vorliegenden Profile indessen ist entweder die 
Neigung dieses Verwurfes irrthümlich nach rechts, anstatt nach links ge- 
zeichnet, oder die im Liegenden der Verwerfungskluft angegebene 
Senkung des Porphyrs ist irrthümlich oder endlich die Darstellung im 
Profil ist die richtige und dann wäre sie durch ihre Unwahr scheinlichkeit 
besonders bemerkenswerth. — Parallel mit dieser Spalte der Urquelle ist 
noch eine zweite im Bereich der Stadt Teplitz angegeben, als Spalte zu 
Frohns Brunnen, der beim Sinken des Wasserspiegels der Urquelle seinen 
Stand ebenfalls erniedrigte. An einer der Verwerfungen im Kohlenfeld 
von Neubescheert Glück findet sich auch der „Janegger Verwurf“ wieder. 

Profil X ist. Dank den vielen auf seinem Wege liegenden Kohlen- 
werken, weniger schematisch als die meisten übrigen. 

Bei den bis jetzt betrachteten zehn Profilen sind die Höhen im dop- 
pelten Maasse der Längen und letztere im nämlichen wie die Hauptkarte 
(1 : 10 , 000 ) ausgeführt. Als unterstes in der Reihe auf Blatt 2 findet 
sich aber noch ein Profil durch die tiefste Flötzlage längs der 
Hauptmuldenaxe von Seestadtl bis Mariaschein, dessen Höhen- 
linien im gleichen Maassstabe wie bisher (1 : 5000), dessen Längen aber 
im Maassstabe 1 : 50,000, also 1/5 von dem der Hauptkarte gezeichnet 
sind. Da der Verlauf der Muldenaxe zumeist durch noch unerschlossenes 
Feld geht, in dem mit wenig Ausnahmen erst von Ullersdorf an östlich 
der Bergbau alt und entwickelt genug ist, um die tiefste Flötzlage, d. h. 
die Muldenaxe, zu erreichen, so ist von der vorliegenden Darstellung auch 
keine grosse Genauigkeit zu verlangen. Immerhin sei es gestattet, hier 
die schon bei der Besprechung von Blatt 13 geäusserte Ansicht des Refe- 
renten zu wiederholen, dass etwas östlich von Probstau das Flötz als 
Grenze zwischen der Teplitzer und der Mariaschein- Kar bitzer Kohlen- 
mulde einen Rücken bildet, von dem es östlich wie westlich abfällt, ab- 
weichend von der Darstellung auf dem Profil, die von Kosten an östlich 
ihm ein ununterbrochenes Fallen bis Dobblhofschacht zuerkennt. 

Endlich ist auf einen Umstand noch aufmerksam zu machen, der in 
den Profilen unberücksichtigt geblieben, dass nämlich etwa von Dux an 
gegen Westen Lettenschichten sich als taube Zwischenmittel zwischen die 
Kohle einschalten und das bis dahin ungetheilte Kohlenflötze in drei, stellen- 
weise mehr Bänke theilen, die öfter als besondere Flötze aufgelührt werden. 
Selbstverständlich wird durch dergleichen Zwischenmittel der Abstand 
zwischen oberster und unterster Kohlenschicht vergrössert. Wird nun 
dieser Abstand wie gewöhnlich als Flötzmächtigkeit eingeführt und die 
Angabe der tauben Zwischenmittel unterlassen, so kann das Urtheil über 
Kohlenmenge* und Abbauverhältnisse leicht irre geleitet werden. 

4 


50 


Beim schliesslichen Rückblick auf das vorliegende Kartenwerk ist 
nun ganz ausdrücklich anzuerkennen, dass, trotz aller geäusserten Aus- 
stellungen und Wünsche, die Hauptkarte eine sehr schätzbare, bisher 
schmerzlich entbehrte Grundlage liefert, welche die zuverlässige Darstel- 
lung der Lagerung des Braunkohlenflötzes gestattet und hoöentlich später 
auch die noch fehlenden Kohlenfelder östlich von Mariaschein über Kar- 
bitz bis Arbesau, Türmitz, Schallan, westlich von Seestadtl über Komotau 
bis Brunnersdorf umfassen wird. Durch solche Ausdehnung würde dann 
auch die ohnehin nutzlose Fiction einer Wandkarte hinfällig, deren be- 
engender Rahmen sichtlichen Einfluss auf Zahl und Lage der Proflle aus- 
übt. Sowohl um die Lagerung des Kohlenflötzes zuversichtlich zu er- 
kennen, als auch um die Herkunft der Teplitzer Thermen zu beurtheilen, 
würde noch eine grössere Reihe von Profilen erwünscht sein, welche 
namentlich in der unmittelbaren Nachbarschaft der Bergbaue weniger 
schematisch gehalten werden könnten. Eine neue Auflage kann solchen 
Mängeln leicht abhelfen und die inzwischen rasch sich mehrenden neuen 
Aufschlüsse ebenfalls möglichst berücksichtigen. 


51 


YL Die Versteinerimgen des lithographischen Schiefers 
im Dresdener Museum. 

Yon Dr. H. B. Geinitz, 


Das Königliche mineralogisch-geologische und prähistorische Museum 
in Dresden hat seit seiner Wiederherstellung, oder richtiger Neuschaf- 
fung, nach seiner gänzlichen Zerstörung durch Brand in dem Jahre 1849 
aus dem lithographischen Schiefer von Solenhofen und Eichstädt in Süd- 
hayern sehr heachtenswerthe Sammlungen erworben, deren Reichhaltigkeit 
aus dem Folgenden erhellen wird. 

Schon gegen das Ende des Jahres 1853 überliess Dr. med. Popp 
aus Eichstädt dem Museum eine Reihe auserwählter und zum Theil höchst 
seltener Versteinerungen aus den Umgebungen von Eichstädt, unter wel- 
chen insbesondere jene beiden Medusen das Interesse erregten, welche 
Professor Dr. Haeckel in Jena im neuen Jahrbuch für Mineralogie 1866, 
p. 257 als Bhi^ostomites admirandus und Bh. lithographicus beschrieben 
und über welche sich später auch Dr. A. Brandt in St. Petersburg, 1871, 
weiter verbreitet hat. 

Am 3. Juni 1873 folgten ein kostbares Exemplar eines Pterodactylen, 
und zwar des BhampJiorhynclms longimanus Wagner, Münster, Var. Gem- 
mingi H. v. Meyer, mit wohlerhaltener Flughaut, ähnlich dem vom Yale 
College in Newhaven, Conn. für 3428 Mk. angekauften Prachtexemplare, 
und das vollkommene Skelet eines Homoeosaurus Maximiliani H. v. Meyer 
nach, welche der verewigte Commerzienrath Max Hauschild von Martin 
Krauss in Eichstädt für 1117 Mk. erkauft hatte, um sie unserem minera- 
logischen Museum zu verehren. 

Die bedeutendste Erwerbung geschah indess im Juni 1875 aus dem 
Nachlasse des verstorbenen Bergmeisters von Elterlein in Ober -Eich- 
städt, welcher eine lange Reihe von Jahren hindurch mit aller Liebe und 
Sachkenntniss die Versteinerungen seiner klassischen Umgegend gesammelt 
und aufbewahrt hatte. 

Es ist dankbarst anzuerkennen, dass die Hinterlassenen des Ver- 
ewigten sich in pietätvoll-patriotischer Weise bewogen fühlten, diese 
Schätze ihrem engeren Vaterlande Sachsen zukommen zu lassen, anstatt 
dafür in dem fernen Auslande einen wahrscheinlich weit höheren Kauf- 
preis zu erzielen. 

Ueber die Fische aus dem lithographischen Schiefer im Dresdener 
Museum ist in neuester Zeit eine monographische Arbeit des Herrn Pro- 
fessor Dr. Benjamin Vetter im vierten Hefte der „Mittheilungen aus 
dem K. mineralogisch-geologischen und prähistorischen Museum in Dres- 
den“, Kassel, 1881, 4®. 118 S. 3 Taf. veröffentlicht worden, die Bestim- 
mung der Crustaceen ist von Herrn Assistent Deichmüller durchgeführt, 

Ges. Isis in Dresden, 1881. — Abli. 6. 


52 


alle übrigen organischen Beste sind von H. B. Geinitz untersucht, mit 
Ausnahme der Insekten, deren eingehende Sichtung Herr Deichmüller 
bereits vorbereitet. 

Da aus der von Elterlein’ sehen Sammlung bei Lebzeiten des Besitzers 
unserem Wissen nach nichts Wesentliches ausgeschieden oder abgegeben 
worden ist, so gewinnt man durch die nachstehendeUebersicht wenigstens ein 
annäherndes Bild von der Vertheilung der verschiedenen Organismen im 
lithographischen Schiefer von Eichstädt und von dem Vorherrschen einiger 
Arten, unter denen insbesondere Saccocoma pectinata Goldf. am aller- 
häufigsten gefunden wird. 

Mit Ausnahme des eben genannten Fossils entspricht im Allgemeinen 
eine jede einfache Platte, mit oder ohne Gegenplatte, einem Indivi- 
duum der verschiedenen Arten, deren Gesammtzahl 1680 beträgt und die 


sich in folgender Weise vertheilen: 




Gattungen. 

Arten. 

Exemplare oder 




Individuen. 

Chelonier 

1 

1 

1 

Lacertier 

1 

1 

2 

Pterosaurier 

2 

3 

6 

Fische 

24 

48 

474 

Crustaceen 

20 

48 

581 

Würmer 

2 

2 

2 

Cephalopoden 

7 

21 

224 

Pelecypoden 

1 

1 

6 

Quallen 

2 

3 

4 

Strahlthiere 

3 

3 

22 

Pflanzen 

7 

9 

21 


70 Gattungen. 

140 Arten. 1343 Ex. 

Insekten (noch unbestimmt) . 



337 „ 




Sa. 1680 Ex. 


Die von uns unterschiedenen Arten sind folgende: 


A. Thiere. 

I. Chelonia. Schildkröten. 

1. Idiochelys Fitsingeri v. Mey 1. 

II. Lacertia. Eidechsen. 

2. Homoeosaiirus Maximiliani v. Mey. 2. 

III. Pterosauria. Flugechsen. 

3. Pterodactylus micronyx v. Mey 1. Original. 

Pt. sp 2. 

5. PhamphorJiynchm Gemmingi v. Mey 3. 

IV. Fische. 

1. Ganoidei. 

a. CoelacantJiidae. 

6. Macropoma Willemoesii Vetter 1. Original. 

7. Coelacanthus harlemensis Winkler 1. Original. 

b. Pyenodontidae. 

8. Gyrodits macropJitJialmus Ag 7. 

9. — titanius Wagn 2. 


53 


c. Euganoidei. 

a, Heterocerci. 

10. Coccolepis BucJclandi Ag. 

ß. HomocercL 


1. Original. 


12. 

— macropterus Vetter . . . 

. . 1. 

13. 

Histionotus parvus Vetter .... 

. . 1. 

14. Eusemius Beatae Vetter 

. . 1. 

15. 

Ophiopsis serrata Wagn 

. , 4. 

16. 

Pholidophorus latimanus Ag. . . . 

. . 1. 

17. 

— microps Ag 

. . 1. 

18. 

— micronyx Ag. . . . 

. . 1. 

19. 

— magnus Vett. . . . 

. . 5. 

20. Strohilodus giganteus Wagn. . . . 

. . 1. 

21. 

Aspidorhynchus acutirostris Ag. . . 

. . 12. 

22. 

— mandihularis Ag. 

. . 4. 

23. 

Belonostomus tenuirostris Ag. . . . 

. . 2. 

24. 

Biplolepis elega^is Vett 

. . 1. 

25. 

— Wagneri Vett 

. . 1. 


— sp 

. . 1. 

26. Hypsocormus insignis Wagn. . . . 

. . 1. 

27. 

Agasswia titania Wagn 

. . 2. 


Original. 

Original. 

Original. 


(2,55 % der Fische.) 


d. Teleostei. 

28. Caturus furcatus Ag 13. 

29. — cyprinoides Wagn 2 

30. — contractus Wagn 8 

31. — macrurus Ag 1 

32. — ferox Winkler 10. 

33. Eurycormus duhius Vett 1 

34. Megalurus polyspondylus Mün 1 

35. — hrevicostatus Ag 1 

36. LopJiiurus minutus Vett 1 

37. Thrissops formosus Ag. 3 

38. — salmoneus Ag 4 

39. — — var. angustus Ag. . . 20. 

40. — — var. cephalus Ag. . . 17 

41. Leptolepis sprattiformis Ag 182. 

42. — Voithi Ag 5 

43. — macrolepidotus Ag 2 

44. — polyspondylus Ag 4 

45. — Knorri Ag 130 

46. Tharsis Germari Giebel 3 

47. — radiatus Gieb 4 

48. — elongatus Gieb 1 

49. — intermedius Gieb 3 

50. — parvus Gieb 1 

51. — microcephalus Gieb 2 

2. Placoidei. 

52. 1 Thyellina sp 1 

53. Asterodermus platypterus Ag, 1 


Original. 
(2,74 o/o) 


(2,11 »/o) 

Original. 


Original. 


(4,22 »/«) 
(3,58 %) 
(38,36 o/o) 


(27,4 o/o) 


54 


3. Anhang. 

a. Coprolithen von Fischen ... 1. 

b. Cololithen von Fischen .... 1. 

c. Lumbricarien. 

iMmbricaria recta Mün 1. 

— intestinum Mün 17. 

— Colon Mün 10. 

V, Crustacea. Krebse. 

1 . Isopoda. 

54. Urda rostrata Mün 2. 

55. — punctata Mün. sp 2. 


2 . Stomatopoda. 


sp 


56. Sculda pennata Mün. , 

3. JDeeapoda 

57. Eryon propinquus Schl. sp. 

58. — elongatus Mün. 

59. — arctiformis Schl. sp. 

60. — bilobatus Mün. 

61. — Schuberti v. Mey. 

62. — Bedtenbacheri Mün. 

63. Eryma modestiformis Schl. sp. 

64. — leptodactylina Germ, sp 

65. — elongata Mün. sp. 

66. — minuta Schl. sp. . 

67. — fuciformis Schl, sp 

68. Pseudastacus pustulosus Mün, 

69. Magila latimana Mün. 

70. — robusta Mün. 

71. Glyphea pseudoscyllarus Schl. sp. 

72. Mecochirus longimanus Schl 

73. — Bajeri Germ. 

74. — brevimanus Mün 

75. — dubius Mün. sp. 

76. Palinurina longipes Mün. 

77. — tenera Oppel 

78. — pygmaea Mün. 

79. Phyllosoma priscum Mün. sp. 

80. Penaeus speciosus Mün. sp. 

81. — intermedius Opp. . 

82. — Meyeri Opp. . . 

83. IBauna angusta Mün. . . 

84. IBombur complicatus Mün. . 

85. Acanthochirus longipes Opp. 

86. — cordatus Mün. sp. 

87. — angulatus Opp. 

88. Bylgia spinosa Mün. . . . 

89. Brobna deformis Mün. . . 

90. — curvirostris Mün. sp. 

91. Busa monocera Mün. . . . 

92. — denticulata Opp. . , 


macrura. 


sp. 


sp. 


(8,26 

(6,19 


%) 


12 . 

2 . 

14. 

2 . 

4. 

8 . 

15. 

39. (6,71 o/o der Krebse.) 

3. 

9. 

12 . 

2 . 

1 . 

1 . 

12 . 

48. 

36. 

14. 

5. 

20. (3,44 o/o) 

6 . 

17. 

20 . 

28. 

12 . 

31. (5,33 o/o) 

1 . 

2 . 

8 . 

13. 

14 . 

2 . 

6 . 

1 . 

2 . 

1 , 


(3,44 

(4,82 


V 


55 


93. Aeger insignis Opp 12. 

94. — üpularius Schl, sp 27. (4,65 %) 

95. — elegans Mün 2. 

96. — IBronni Opp 1. 

97. — armatus Opp 10. 

98. Hefriga serrata Mün. ....... 17. 

99. — Frischmanni Opp 3. 

100. Flder ungulatus Mün 2. 

4. Poecilopoda. 

101. Limulus WalcJii Desm 4. 

— sp 19. 

VI. Vermes. Würmer. 

102. Eunieites atavus Ehlers 1. 

103. Epitrachys rugosus Ehl 1. 

VII. Moll usca. 


sp 


1. Cephalopoda. Kopffüsser. 
104. Äcanthoteuthis speciosa Mün. 

— Ferrusaci Mün 

Coccoteuthis hastiformis Küpp 
Leptoteuthis gigantea Mün. sp 
Plesioteuthis prisca Küpp. sp. 

109. var. semistriata Mün. . . 

110. — angusta Mün. sp. . . 

— hrevis Mün. sp. . . . 

— acuta Mün. sp. . . . 

Celaeno scutellaris Mün. 

Belemnites hastatus Blainv. 

Ammonites Ülmensis Opp. 

— Autharis Opp. . 

— hyhonotus Opp. 

— latus Opp. . . 

Opp. . 

V. Buch 

euglyptus Opp. . 

~ Bous Opp. . . 

— steraspis Opp. . 

— tenuilohatus Opp. 

Aptychus ülmensis Opp. , 

— latus Park. . , 

lamellosus Park. 


105. 

106. 

107. 

108. 


111 . 

112 . 

113. 

114. 

115. 

116. 

117. 

118. 

119. 

120 . 
121 . 
122 . 

123. 

124. 


(26,78 % der Cepha- 
lopoden.) 


6 . 

2 . 

3. 

1 . 

60. 

1 . 

1 . 

1 . 

4. 

1 . 

1 . 

29. (12,94 %) 

1 . 

1 . 

5. 

4. 

9. 

1 . 

3. 

5. 

1 , 

3. 

26. 

55. 


2. Pelecypoda, Muscheln. 

125. Posidonomya socialis Goldf. sp. . . . , 6, 

VIII. Acalepha. Quallen, 

126. BMzostomites admirandus Hackel ... 1. (Original.) 

127. — lithographicus Hackel . . 1. (Original.) 

128. Medusites sp. . 1. 

IX. Kadiata. Strahlthiere. 

1. Aster oidea. Seesterne. 

129. Geocoma carinata Goldf. sp. . . . . . 


1. 


56 


2. Crinoiäea. Haarsterne. 

130. Saccocoma pectinata Goldf. sp 15. (auf besond. Platten.) 

131. Gomatula pennata Schl, sp 6. 

B. Pflanzen. 

132. Codites serpentinus Sternberg .... 7. 

133. Münsteria clavata Stb 1. 

134. Halymenites cernuus Mün 2. 

135. Chondrites sp 1. 

136. Gaulerpites colubrinus Stb 2. 

137. Gonfervites filaria (Lumbricaria filaria) 

Mün. sp 2. 

138. — cönjunctus (Lumbricaria conjj 

Mün. sp 3. 

139. Arthrotaxites princeps Ung 2. 

140. — Frischmanni Ung. ... 1. 


i7 


Abhandlungen 

der 

naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden. 


1881. 



VII. lieber einige Kalkspatli-Krystalle. 

Von A. Purgold. 


1, Drei Kalkspathe von Island. 

Seit im Jahre 1670 durch den Dänen Erasmus Bartholin der Kalk- 
spath auf Island und an ihm die Eigenschaft der doppelten Strahlen- 
brechung entdeckt wurde, hat dieser Fundort für die physikalische Kry- 
stallographie eine geradezu historische Bedeutung erlangt und behauptet 
sie bis zur Stunde, da für das Studium und die physikalische Anwendung 
der Doppelbrechung und damit zusammenhängende Polarisation er un- 
bestritten die meisten und besten Exemplare liefert. — Des Cloizeaux be- 
schreibt das Isländer Vorkommen als einen von Labrador -reichem Ana- 
mesit umschlossenen Krystallblock von 18 m Länge und 4 m Höhe am 
Ufer des Baches Silfurlakir und das Innere des Blockes als durch zwischen- 
gelagerten Desmin in einzelne grosse Kry stalle zertheilt. Auf der Welt- 
ausstellung zu Paris 1867 war ein 50—60 cm langes, ringsum ausgebil- 
detes Skalenoeder R3 zu sehen, an der Oberfläche ganz mit Desmin- 
bündeln gespickt, das meines* Wissens jetzt sich in der Sammlung des 
dortigen Pflanzengartens befindet. In der Hegel aber sind die Stücke nur 
von Spaltungsflächen umgrenzt und natürliche Krystallflächen gehören zu 
den Seltenheiten, welche daher, wo sie sich vorfinden, ein besonderes In- 
teresse verdienen dürften. Deshalb erlaube ich mir denn. Ihnen einige 
hierher gehörige Exemplare vorzulegen. 

Erstes Exemplar bereits von Hessenberg in seinen mineralogi- 
schen Mittheilungen Heft 7 beschrieben und auf Taf. I, Fig. 7. 8. 9. 10 
abgebildet und erläutert. Nach diesem ausgezeichneten Beobachter zeigt 
das Stück die Flächen 

R.4R. lOR.— 4R5/3 .Ris/s, 

von denen das Romboeder 10 R und das Skalenoeder — dR^/s daran zum 
ersten Male beobachtet wurden, übrigens erst in Heft 8 der neuen Folge 
seiner mineralogischen Notizen vom Jahre 1873, das Rhomboeder 10 R 
aus dem 1866 ursprünglich aber irrig angebenen 9 R corrigirt wurde. Der 
Beschreibung durch Hessenberg mögen nur wenige Worte über die physi- 
kalische Beschaffenheit der verschiedenen Flächen beigefügt werden. Die 
natürlichen R Flächen unterscheiden sich von den ihnen parallelen Spal- 
tungsflächen sogleich durch ihr mattes Aussehen, während die Spaltungen 
fettigen Glasglanz besitzen. Die unter R liegenden Flächen 4R sind glas- 
glänzend und glatt; die unter diesen gelegenen Flächen 9R zwar auch 
glänzend, aber löcherig. 

Ausser den nun genannten äusseren Flächen zeigt im Inneren des 
Spaltungsstückes eine seiner Diagonalebenen sich als wie mit Staub 

Qes. Isis in Dresden, 1881. — Abh. 7. 5 * 


60 


bestreut. Durch die Winkel dieser inneren Ebene mit den Kanten der 
Spaltungsform bestimmt sie sich leicht und sicher als dem Skalenoeder R 3 , 
dem gewöhnlichsten Skalenoeder des Kalkspaths, angehörig. 

Zweites Exemplar. Der eine Pol des Spaltungsrhomboeders ist 
durch eine grosse Fläche abgestumpft, die durch den gut gemessenen 
Winkel von 120 ^ 15 ' zur darunter liegenden Spaltungsfläch^e sich als eine 
Fläche des sehr stumpfen Romboeders — R erweist, für welches durch 
die Rechnung sich jener Winkel = 120 ^ 23 ' ergiebt. Diese grosse Fläche 
— 1/4 E ist nicht glatt und eben, sondern über und über von engen 
parallel wiederholten Zickzacklinien bedeckt, welche nur einige in geraden 

Linien angeordnete Reihen kleiner glänzender 
Dreieckchen zwischen sich lassen , während 
alles Uebrige matt ist. Endlich liegt am Fusse 
der so cannellirten Fläche noch eine grössere, 
stark horizotal gefurchte, sonst aber glän- 
zende Fläche, welche mit jenen kleinen Drei- 
ecken einspiegelt, ihnen also parallel ist. Bei- 
stehende Skizze bringt etwas vergrössert die 
allgemeine Anordnung der Linien zur An- 
schauung, ihre Zartheit aber vermag sie nicht 
wiederzugeben. Der Winkel der Zickzacklinien aufwärts wie abwärts, 
und also auch der Winkel an der Spitze der kleinen Dreiecke, konnte sehr 
angenähert = 11 60 bestimmt werden. Diesem Winkel entspricht der Pol- 
winkel der Fläche des Rhomboeders 2/5 R^ der nach der Rechnung 
= 1100 21' sein soll. In der That wird von Zippe das Rhomboeder 
2/5 R beim Kalkspath als gar nicht selten, wenn auch ohne Angabe eines 
Fundortes, aufgeführt. Die Neigung von 2/. R zu R berechnet sich 
= 156 <^ 57 ', die zu — 1/4 E = 144 « 39 '; leider vermochte ich nicht, die 
entsprechenden Flächen auf ihre Uebereinstimmung mit diesen Berech- 
nungen zu prüfen. — Das durch die darunter liegenden matten Flächen 
angedeutete Skalenoeder muss offenbar ein aus dem als 2/5 R vermutheten 
Rhomboeder abgeleitetes sein und da stellt sich denn das Skalenoeder 
2/5 R 2 mit den Polkanten von 125 o und von 152 ^ 3 ' als das wahrschein- 
lichste heraus, welches aus dem Ahrnthal, aus Derbyshire und von Mon- 
tecchio Maggiore am Kalkspath bereits bekannt, ja von Hessenberg mine- 
ralogische Notizen, neue Folge, 
Heft 8, 1873 von Island selber 
bestimmt ist und welches unter 
anderen die beiden Rhomboeder R 
und — V2 E in sich verhüllt. Da- 
rauf bezügliche Messungen waren 
mir indessen trotz aller Bemüh- 
ungen nicht möglich. 

Drittes Exemplar. Eine 
Polkante des Spaltungsrhomboe- 
ders ist durch eine breite Fläche 
— ^2 E gerade abgestumpft. Pa- 
rallel dieser letzteren durchsetzen 
fünf Ebenen das Spaltungs- 
stück, das sich also als aus sechs 
Rohmboederabschnitten parallel — 1/2 E zusammengesetzt beweist. Auf 
den entsprechenden Spaltungsflächen hinterlassen jene Ebenen deutliche 
Einkerbungen und diesen gleichlaufend durchziehen feine Horizontal- 




61 


linien jede Ebene im Innern des Spaltungsstückes. Bei näherer Betrach- 
tung geben sich diese Linien als die von G. Rose zuerst beschriebenen 
offenen Kanälchen zu erkennen, die dadurch entstehen, dass die pa- 
rallel — 1/2 R eingeschalteten Zwillingslamellen ihre Ebene nicht durchaus 
innehalten, sondern parallel in eine andere überspringen. An den Seiten- 
flächen sind einige Mündungen dieser Kanälchen erkennbar. Die Fläche 
— 1/2 fl' ist also hier keine natürliche, sondern eine Gleitfläche, auf 
der eine kleine Leiste parallel der Combinationskante noch stehen ge- 
blieben ist. 

An der einen Ecke des Stückes ist ein beim Kalkspath seltener 
muscheliger Bruch nicht zu übersehen. 

. 2, Kalkspath von der Knappen wand. 

Die Knappenwand im Obersulzbachthal im Pinzgau ist seit etwa 1867 
in Ruf gekommen als Fundort der bekannten schönen Epidote und Apa- 
tite, mit denen zusammen auch noch Asbest, Chlorit, Sphen, Bergkrystall 
und Kalkspath Vorkommen, letzterer als jüngstes der genannten Mine- 
ralien, da er sie öfters umschliesst. Vorwaltende Form ist das primäre 
Rhomboeder R in Combination mit dem ersten stumpferen — 1/2 
Flächen des letzteren parallel den Combinationskanten stark gestreift, da 
sie dadurch sich bildeten, dass auf die R Flächen sich Lamellen von 
abnehmender Grösse auflegen, deren Kanten den Polkanten parallel 
laufen. Die R Flächen sind perlmutterglänzend , auch da , wo sie noch 
unter den aufgelagerten Lamellen hervorblinken und mit feinen Streif- 
ungen parallel den Kanten versehen. 

Bisweilen geschieht der Aufbau der Flächen nicht direct durch La- 
mellen, sondern diese Lamellen setzen sich erst zusammen durch An- 
einanderreihung kleiner Rhomboederchen , die alle nach den 
nämlichen Axen parallel gerichtet sind und bei deren geringer Grösse 
schliesslich eine continuirliche Krümmung über den R Flächen sich heraus- 
bildet. Im Innern verfliessen diese Rhomboederchen gleichmässig in ein- 
ander, nach aussen aber bilden sie zusammen in wohlorientirter Anord- 
nung eine feingekörnte krumme Oberfläche, auf der alle einander 
entsprechenden Rhomboederflächen gleichzeitig einspiegeln. Geschieht solcher 
Aufbau gleichmässig, so entstehen ziemlich regelmässige Linsen; wird 
eine Fläche vorwaltend, so bilden sich windschiefe und sattelförmige Kry- 
stalle, deren Entstehungsweise auch dann noch durch innere Streifung 
sich verräth, wenn die ursprüngliche gekörnte Oberfläche durch Verwit- 
terung sich glättete. — Wird eine Axe vorwaltend, so ziehen sich die 
Linsen in die Länge, und tritt dann noch Zwillingsbildung hinzu, so 
kommen gar sonderbare keulen-, ja fast birnenförmige Gestalten heraus, 
aber ohne das gleichzeitige Einspiegeln der unzähligen kleinen Flächen zu 
hindern oder zu stören. 


62 


VIII. Flora Dresdens und seiner Umgebung. 

Von Christian Friedrich Schulze. 

Bearbeitet von C. A. Wobst, Eealschiüoberlehrer. 


Einleitung. 

Während verschiedene Städte und Provinzen im letzten Viertel des 
vorigen Jahrhunderts schon recht brauchbare Floren und Standorts- 
verzeichnisse der sie umgebenden Gewächse besitzen, fehlten sie für Dresden 
und seine Umgebung fast gänzlich. 

Die ältesten Nachrichten über genannte Stadt verdanken wir einem 
Dresdner Arzte, Schulze, welcher 1770 im „Neuen Hamburgischen Magazin“ 
und zwar im 7. Bande circa 50 Species der vorzüglichsten Pflanzen des 
Schooner Grundes erwähnt. Ferner 1773 im 13. Bande derselben Zeit- 
schrift ,, Nachricht von verschiedenen in der Dresdner Gegend befindlichen 
Kräutergewächsen.“ Hier zählt er etwa 80 Arten auf, welche innerhalb 
Dresdens selbst oder dessen allernächsten Umgebung von ihm beobachtet 
wurden. 

Im Besitz der hiesigen Königlichen Bibliothek fand sich nun eine, 
noch von keinem Dresdner Botaniker erwähnte und berücksichtigte, also 
unbekannte Handschrift (Mise. Dresd. B. 276c) unter dem Titel: ,, Flora 
von Dresden“, ohne Angabe des Verfassers und der Zeit ihrer Entstehung, 
in welcher man über 500 Phanerogamen - und circa 100 Kryptogamen- 
Arten mit meist Linne’schen Namen in alphabetischer Ordnung verzeichnet 
findet. Nur sehr wenige wurden nach älteren Beobachtern, wie C. Bauhin 
und A. Haller, bestimmt. In diesen 600 Species sind alle Klassen der 
Sporengewächse und etwa 100 Familien der Samenpflanzen vertreten. 

Das Gebiet, über welches sich das Vorkommen genannter Arten er- 
streckt, umfasst den grössten Theil des Dresdner Kreises, nur die sächsi- 
sche Schweiz und das höhere Erzgebirge sind vom Verfasser nicht be- 
rücksichtigt worden; dasselbe geht also bedeutend weiter, als das 1773 von 
Schulze veröffentlicht. Es liegt innerhalb der Linie, welche folgende Orte 
verbindet: Pillnitz, Berggiesshübel, Dippoldiswalde, Tharandt, Meissen, 
Moritzburg, Pulsnitz, Eadeberg. — Die wichtigsten Excursionen sind am 
Schlüsse genauer ausgeführt. 

Von den in dieser Flora aufgezählten Gewächsen ist ein Theil, aber 
ein sehr geringer, unrichtig bestimmt, was seine Erklärung darin findet, 
dass dem Verfasser ausser älteren Werken von C. Bauhin und Haller nur 
Linne’s „Species plantarum“ und „Flora suecica“ zu Gebote standen. Von 
ihnen lassen sich der grösste Theil durch Vergleich mit den Angaben 
älterer Floristen, namentlich Ficinus, und ihrem jetzigen Vorkommen 
richtig stellen, so dass nur eine geringe Anzahl unverständlich bleibt. 

Qes. Isis in Dresden, 1881. — Abli. 8. 


63 


Mit ziemliclier Sicherlieit lässt sich Folgendes berichtigen: Byssus 
phosphorea (an Stöcken im Planenschen Grunde) — eine Dematium spec. 
Äsplenium murinum (in den Felsenklüften des PI. Gr.) — Asplenium 
Adiantum nigrum (von Ficinus sparsam an Felsen bei der Pulvermühle 
im PL Gr. angegeben) — Folypodium cristatum (c? und ? häufig im PI. 
Gr.) — Aspidium Filix mas. und A. Füix femina Sw. ; Fquisetum fluvia- 
tile (an der Elbe, der Kugelfabrik gegenüber) — E. palustre. Älisma su- 
hulata (im Stadtgraben am Bär) — A. plantago var. lanceolata. Ahies 
alha et rubra (am Fischhaus) — Pinus Ahies et Picea, Salicornia herhacea 
(auf dem Sand vor dem schwarzen Thor zur rechten Hand) — Salsola 
Kali. Passerina cileata (bei dem ersten Weinberge unweit Lo schwitz) — 
Thesium alpinum. Plantago Psyllium (auf den sandigen Feldern um das 
Lämmchen) — P. arenaria W. K., Valeriana Phu (Weesenstein) — V. 
officinalis, Valeriana Locusta (im PI. Gr.) — Valerianella olitoria Mnch., 
Lactuca virosa (an der Mauer der Gräfin Mosczinsky Garten, am schwarzen 
Thor, am Walde rechts durch die Loschwitzer Biela unweit der dürren 
Biela, ingleichen an der Elbe vom ersten Weinberge nach Loschwitz). — 
Auf den ersten Standorten vielleicht richtig, an der Elbe entschieden L. 
Scariola. Gampanula glomerata (an den Festungswerken des Bärs) — - 
C. rapunculoides , Galium ruhioides (im PL Gr.) — G. horeale, Ajuga 
pyramidalis (häufig) — A. genevensis, Marrubium album (am Bär) — 
M. vulgare, Stachys annua (im PL Gr. am Kupferhammer nach Potschappel 
am Fusse des Berges zur rechten Hand) — St. recta, Hyoscyamus albus 
(am Dippoldiswaldaer Weg) — H. pallidus Kit., Solanum vulgare 
(häufig) — S. nigrum, Antirrhinum repens (unweit des Wilsdruffer Thores 
in der Stadt an der Mauer) — Linaria Cymbalaria MilL, Antirrhinum 
Peloria (am Moritzburger Teiche) — Linaria vulgaris MilL mit regel- 
mässiger Blüthe, Digitalis lutea (auf Felsen im PL Gr.) — Digitalis 
ambigua Murr., Orobanche ramosa (in der Gegend der Remise seitwärts 
Friedrichstadt und auf der grossen Insel bei Pillnitz) — 0. Galii Duby. 
(auf den Elb wiesen noch 1861 vom Inspector des hiesigen Königl. botani- 
schen Gartens gesammelt). Anagallis Monelli (an dem hohen Ufer der 
Weisseritz bei Hainsberg) — A. coerulea Schreb., Androsace maxima (auf 
den Feldern hinter der Stückgiesserei-Garten und an den Rändern der 
grossen Schanze beim Feldschlösschen) — A. septentrionalis, Gaucalis lep~ 
tophylla (auf den Aeckern um Strehlen) — G. daucoides, Laserpitium 
angustifolium (im Walde hinter der Presse bei Loschwitz) — L. prute- 
nicum, Pastinaca süvestris (an den Gräben beim rothen Hause im Grossen 
Garten) — P. sativa, Sium nodiflorum (an der Brücke bei Tolkewitz) — 
S. angustifolium, Anemone Pulsatilla (unter den Kiefern an der Elbe, auf 
dem Sandberge vor dem schwarzen Thor), wohl abweichende Form von 
A. pratensis. Glematis Flammula (im Gebüsch des PL Gr.) — G. recta 
oder Vitalba verwildert. Thalictrum flavum (auf den Wiesen der Remise 
bei Friedrichstadt) — T. flexuosum Bernh., Gheiranthus erysimoides 
(häufig) — Erysimum cheiranihoides, Sisymbrium palustre (in der zwischen 
den sandigen Anhöhen an der Elbe vor dem ersten Weinberge befind- 
lichen Schlucht. Diese Pflanze ist zwar von einigen Kräuterkundigen zu 
dem Geschlecht der Brassicarum gerechnet worden , da aber dieselbe mit 
der von Herrn v. Hallern beschriebenen und abgelDÜdeten Pflanze völlig 
übereinkommt, so haben einige diesen Namen beibehalten ; es leugnet aber 
Herr v. Haller selbst nicht, dass er im Anfänge ungewiss gewesen, ob er 
diese Pflanze für Thlaspi, Nasturtium, Turriditem oder Brassicam halten 


64 


sollte) — vielleicht Boripa austriaca Rchb.? Biscutella didyma (auf den 
sandigen Anhöhen an der Elbe beim ersten Weinberge) — B. laevigata^ 
Thlaspi montanum (auf den sandigen Anhöhen am ersten Weinberge) — 
T. alpestre, Buffonia tenuifolia (auf der Wiese bei Reisewitz) — vielleicht 
Sahulina tenuifolia (diese Pflanze wurde später noch einmal von Groh am 
Mühlgraben im PI. Gr. gesammelt) — GypsopMla prostrata (hinter des 
Gehegereuters Haus bei Blasewitz), wohl var. von G. muralis. Saponaria 
Vaccaria (auf den Wiesen im Gehege) — S. officinalis, Malva parviflora 
(bei Briessnitz) et rotundifolia (häufig) — M. vulgaris Fr. und silvestris, 
Euphorhia Portlandica (häufig) — E. Gerardiana Jacq. , Mercurialis Z $ 
(im PI. Gr. hinter der Königsmühle auf dem Felsen) — M. perennis, Ge- 
ranium rotundifolium (häufig) — G. pusillim, Oenotliera parviflora (zur 
linken Hand im Mordgrunde) — 0, muricata, Astragalus Glaux (auf den 
Ackern vor Cotta) — A. Cicer. 

Bei Chenopodium ist ausser glaucum noch verzeichnet ,,Ch. B.“ da- 
hinter ein undeutliches H?; da es sich hier allein um Ghenop. Botrys 
und Bonus Henricus handelt, kann nur das Letztere gemeint sein. 

Viel Schwierigkeiten scheinen dem Verfasser auch einige noch heute 
kritische Genera bereitet zu haben. So ist bei Viola eine einzige Species, 
F. martia, (häufig) verzeichnet ; unsicher bleibt es daher, ob damit Linne’s 
odorata, canina oder liirta oder vielleicht alle drei zu verstehen sind, da 
sie Bauhin unter F. martia angiebt. Von den Weiden ist nur Salix Helix 
(im PI. Gr. unter der Brücke seitwärts des Ufers der Weisseritz und am 
Windberge) und von den Rosen Bosa canina (im PI. Gr.) erwähnt. 

Die Culturgewächse sind nur in geringer Anzahl berücksichtigt 
worden. Es werden von den bei uns nicht wild vorkommenden angeführt : 
Fagus Castanea (bei Sobern in Menge, wo sie gepflanzt werden; in- 
gleichen in verschiedenen Weinbergen allhier); Morus alba et nigra (beim 
Feldschlösschen und bei Hosterwitz); Hedera quinquefolia (Japanischer 
Palaisgarten); Cornus mas. (in der grossen Allee nach dem Palais des 
Grossen Gartens); Aesculus Hippocastamm (in der Friedrichstädter Allee); 
Glycyrrhim glahra (wird in einigen Weinbergen unterhalten). 

Als nur verwildert sind zu betrachten : Bumex pulcher (in Rieschens 
Garten unweit des Hauses); Tanacetum Balsamita (an den Moritzburger 
Teichen); Melissa Calamintha (auf den Feldern zwischen Reisewitz und 
dem Feldschlösschen). 

Gänzlich unverständlich bleiben aber folgende: Lichen vulpina (hinter 
dem Fischhaus an den Brunnen von P. H. nach der runden 5); Junger- 
mannia conica [Spec. plant, nicht erwähnt] (unter der Quelle am Pors- 
berge); Polypodium fontanum (unter dem Brückchen über den Graben 
beim Feldschlösschen); Potamogeton ramosum (in den Sümpfen hinter 
Gruna) und Gallitriche natans (am Moritzburger Mittelteich), beide von 
Linne nicht angegeben; Valeriana minor (im PL Gr. rechter Hand gegen 
die Weisseritz beim Holzrechen); Bidens frondosa (Graben beim Feld- 
schlösschen und an dem von Mosczinsky’s bis zum Grossen Garten); Car- 
duus defloratus (an der Elbe beim Festungswerke der Bär und auf der 
Wiese am Dohnaer Schlage); Centaurea napifolia (am Wege vom Schlage 
bis nach Strehlen) ; Coreopsis tripteris (im Graben beim Feldschlösschen) ; 
Gotula coronopifolia (ebendaselbst); Boronicum Pardalianches (häufig); 
Lappa rosea Bauh. (am Ufer der Elbe beim Festungswerke der Bär); 
Teucrium Chamaedrys (häufig); Daucus mauritaniea (in dem Graben bei 
der grossen Schanze und beim Feldschlösschen); Cardamine virginica (auf 


65 


der grossen Insel bei Pillnitz da, wo die Brücke zum Feuerwerk gewesen); 
Cochlearia glastifolia (auf der Wiese rechter Hand vor dem Dohnaer 
Schlag gegen den Grossen Garten); Hesper.is verna (im PL Gr. an dem 
zur linken Hand der Weisseritz unweit des Kupferhammers befindlichen 
Felsen); Galega officinalis (häufig); Lotus ornithopodioides (auf der 
trockenen Wiese unter dem Bär); Anagyris foetida (vor dem Wilsdruffer 
Thor bei der Baderei). 

Wer ist aber der Verfasser dieser Flora? Bei Vergleichung derselben 
mit den von Schulze veröffentlichten und schon oben erwähnten Artikeln 
fielen Schreiber eine Reihe von Bemerkungen auf (man vergleiche die Zu- 
sätze zu Lappa rosea^ Lolycnemum arvense, Fragaria silvestris^ Salicornia 
herhacea, Sisymbrium palustre etc.), welche auch in ihren orthographischen 
und stylistischen Eigenthümlichkeiten so genau übereinstimmen, dass er 
mit ziemlicher Sicherheit genannten Schulze*) als Verfasser dieser 
Flora annehmen darf. Leider war es unmöglich, eine zweite Handschrift 
Schulzens zum Vergleich zu erhalten. — Offenbar aber hatte er die Ab- 
sicht, eine Flora Dresdens fertig zu stellen; zu diesem Zwecke legte er 
im Voraus ein Verzeichniss der seiner Meinung nach um Dresden vor- 
kommenden Gewächse, vielleicht nach Spec. plant, alphabetisch geordnet, 
an und trug die beobachteten Standorte in dasselbe ein. Letzteres muss 
er bis in sein Alter fortgesetzt haben, was verschiedene, mit der zittern- 
den Hand eines Greises niedergeschriebene Notizen darthun. 

Da er nun die Nachricht über verschiedene in der Dresdner Haide 
vorkommende Kräutergewächse 1773 veröffentlichte, zu welcher Arbeit ge- 
nannte Flora sicher als Grundlage diente, so dürfte ihre Entstehung wohl 
in das dritte Viertel des vorigen Jahrhunderts zu setzen sein. 

Seine oder richtiger Linne’s Namen sind in der folgenden Arbeit bei- 
behalten worden; nur da, wo sich des Verständnisses halber Schwierig- 
keiten einstellten, mussten die synonymen Benennungen angegeben werden. 

Im ersten Theile folgt eine Aufzählung aller von Schulze beobachteten 
Arten ; hingegen sind im zweiten die wichtigsten Excursionen mit den selte- 
neren Vorkommnissen ausgeführt. Gewinnt man doch hierdurch einen 
Ueberblick über den Pflanzenreichthum verschiedener Thäler unseres Vater- 
landes und zugleich eine genauere Kenntniss derjenigen Formen, welche 
selten geworden oder gänzlich verschwunden, von denen erstere mit „!“, 
letztere mit ,,f“ bezeichnet sind. 

Sollten sich einige Unrichtigkeiten oder falsche Deutungen mit ein- 
geschlichen haben, was bei den fast unüberwindlichen Schwierigkeiten 
solcher Arbeiten leicht möglich ist, so bittet der Bearbeiter um freund- 
liche Entschuldigung. 

Ferner ist derselbe auch überzeugt, dass mit Veröffentlichung dieser Flora 
keine Lücke in der Wissenschaft ausgefüllt wird; immerhin hat sie aber als 
ältestes Pflanzenverzeichniss von Dresden und seiner Umgebung einiges 
historisches Interesse. 


*) Christian Friedrich Schulze, geh. 1730 in Wildenhain bei Torgau, studirte in 
Leipzig und wirkte später als „Baccalaureus und Practicus der Arzneygelahrheit“ in 
Dresden. Ausser verschiedenen medicinischen Schriften und Abhandlungen und einigen 
zoologischen und botanischen Artikeln waren es namentlich mineralogische und paläonto- 
logische Untersuchungen, welche er der Nachwelt hinterlassen. 


66 


Zum Schluss sei auch an dieser Stelle Herrn Königl. Bibliothekar 
Dr. Schnorr von Carolsfeld für freundliche Ueberlassung des Manuscriptes 
der wärmste Dank ausgesprochen. 


I. Verzeichniss der von Schulze beobachteten Pflanzen. 

Fu ngi. 

Agaricus androsaceus, muscarkis. 

Boletus hovinus, luteus^ perennis, suaveolens, suberosus^ versicolor, 
viscidus (B. scaber Bull^, Byssus phosphorea (Bematium sp.?j. 

Clavaria coralldides, muscoides, ophioglossoides. 

Lycoperdon Epidendron (Lycogala miniatum)^ pedunculatum, stellatum 
(Geäster hygrometricus Pers.^. 

Mucor Erysiphe. Bezim lentifera. 

Tremella purpurea, Auricula, 

Eichenes. 

Byssus antiquitatis (Collema nigrum k.). 

Lichen atro-virens^ barbatus^ caninus, cocciferus, cornucopioides fraxi- 
neus, fusco-ater, hirtus, miniatus , parietinus, pyxidatus, prunastri^ pul- 
monarius^ pustulatus^ rangiferinus, scriptus, subulatus, uncialis. 

Algae. 

Conferva reticulata, rivularis. TJlva granulata. 

Hepaticae. 

Anthoceras laevis. Blasia pusilla. 

Jungermannia albicans^ bicuspidata, bidentata, ciliaris, dilatata, epi- 
phyTla, pinguis^ quinquedentata, tamarisci. 

Marchantia conica, polymorpha. 

Targionia hypophylla. 

Musci. 

Sphagnum palustre. 

Bryum apocarpum, extinctorium, pulvinatum, subulatum. Buxbaumia 
aphylla. 

Fontinalis antipyretica, pennata. 

Hypnum complanatum, cupressiforme, cuspidatum, palustre., rutabulum, 
triquetrum. 

Mnium annotinum^ polytrichoides, purpureum, serpyllifolium, setaceum. 
Bolytrichum commune. 

Filices. 

Asplenium Adiantum nigrum? Trichomanes. 

Acrostichum septentrionale. Osmunda Spicant. 

Bolypodium Filix mas., Filix femina, fragile, vulgare. Bteris aquilina. 
Ophioglossum vulgatum. 

Lycopodiaceae. 

Lycopodium clavatum, complanatum, Selago. 

Equisetaceae. 

Equisetum arvense, limosum, palustre, silvaücum. 


67 


Gramineae. 

Ägrostis spica venti. Aira cristata, flexuosa. Älopecurus genicu- 
latus^ pratensis. Andropogon Ischaemum. Anthoxanthum odoratum. Arundo 
Calamagrostis, Phragmites. 

Brim media, Bromus arvensis, inermiSy sterilis. Cynosurus cristatus. 

JDactylis glomerata. Elymus arenarius^ caninus. Festuca decumhens, 
dumetorum, elatior, ovina. Holms mollis, odoratus. 

Lolium temulentum. Nardus stricta. 

Panicum crusgalli, sanguinale., viride. 

Phalaris arundinacea. Poa nemorosa, trivialis. 

Cy peraceae. 

Carex arenaria, caespitosa, cyperoides.^ Jiirta, muricata, vesicaria^ viil- 
pina. Cyperus flavescens., fuscus. Eriophorum polystachyum ^ vaginatum. 
Scirpus acicularis, palustris, silvaticus. 

Alismaceae. 


Alisma Plantago et var. lanceolata, Sagittaria sagittifolia. 

Juncagineae. 

Triglochin palustre. 


Butomus umbellatus. 


Butomeae. 


Juncaceae. 

Juncus articulatus, huffonius, effusus, filiformis. 


Colchicaceae. 

Colchicum autumnale. 

Liliaceae. 

AJlium vineale. Anthericum ramosum. 

Ornithogalum luteum, minimum, umhellatum. Tulipa silvestris. 


Smi laceae. 

Convallaria hifolia, majalis, Polygonatum. Paris quadrifolia. 

Hydrocharideae. 

Hydrocharis Morsus ranae. 

Irideae. 

Iris Pseud-acorus. 

Amaryllideae. 

Leucojum vernum. 

Or chideae. 

Ophrys ovata. Orchis conopsea, coriphora, Morio, ustulata. 


Najadeae. 

Potamogeton crispus, natans, perfoliatus, pusillus. 

Lemnaceae. 


Lemna minor, trisulca. 
Acorus Calamus. 


Aroideae. 


68 


Typhaceae. 

Sparganium erectum, natans. Typha angustifolia, latifolia. 

Conif er ae. 

Juniperus communis. Pinus Äbies, Picea, silvestris. 

Callitrichineae. 

Callitriche autumnalis, verna. 


Betulaceae. 

Betula alba, Ainus. 

Cupuliferae. 

Carpinus Betulus. Corylus Avellana. Fagus Gastanea, silvatica. 


Ulmaceae. 

Moreae. 


Ulmus campestris. 

Morus alba, nigra. 

Urticaceae. 

Parietaria officinalis, Urtica dioica, urens. 

Gannabineae. 

Humulus lupulus. 

Salicineae. 

Populus tremula. Salix Helix. 


Ghenopodeae. 

Ghenopodium Bonus Henricus, glaucum. Salsola Kali. 


Amar antaceae. 
Amarantus Blitum. Polycnemum arvense. 

P olygoneae. 

Polygonum amphibium, aviculare, Convolvulus. 
pulcher. 

Santalaceae. 

Thesium alpinum. 

Daphnoideae. 

Daphne Me^ereum. 

Aristolochieae. 

Asarum europaeum. 


Bumex maritimus, 


Plantago arenaria W. K. 

Valerianeae. 

Valeriana dioica, Loeusta, officinalis. 


Dipsaceae. 

Dipsacus Fullonum (silvester Huds.^, pilosus. Scabiosa arvensis, 
columbaria, succisa. 

Gompositae. 

Achillea Ptarmica. Anthemis tinctoria. Arnica montana. Artemisia 
Absynthium, campestris. Aster annua. Bellis perennis. Ghrysanthemum 


69 


'corymhosum , Leucanthemum, Conyza squarrosa. Coreopsis hidens, tri- 
partita. Erigeron acer. Eupatorium cannahinum. Filago arvensis. Gna- 
phalium arenarium^ dioicum, silvaticum, uliginosum. Inula dysenterica, 
Pulicaria. Matricaria ChamomiUa, Parthenium. Senecio nemorensis, sa- 
racenicus^ silvaticus. Tanacetum Balsamita, vulgare. Tussilago Far- 
fara, hyhrida. Xanthium Strumarium. 

Ardium Lappa. Carduus crispus^ nutans. Garlina vulgaris. Gen- 
taurea Cyanus, Jacea, phrygia. Cnicus oleraceus. Onopordon Acanthium. 
Serratula tinctoria. 

Ghondrilla juncea. Cichorium Intyhus. Crepis tectorum. Hieracium 
murorum, Pilosella. Lactuca Scariola, virosa. Lampsana communis. Leon- 
todon hispidus, Taraxacum. Prenanthes muralis, purpurea. Scor^onera 
humilis. Sonchus oleraceus a. laevis. Tragopogon pratensis. 


Campanulaceae. 

Campanula rapunculoides^ rotundifolia. Jasione montana. 
spicatum. 

Puhiaceae. 


Phyteuma 


Asperula arvensis., cynanchica, odorata. Galium Aparine^ horeale, mon- 
tanum, rotundifolium ^ silvaticum, uliginosum. Sherardia arvensis. Va- 
lantia cruciata. 

Lonicereae. 

Lonicera Xylosteum. Viburnum Opulus. 

Oleaceae. 

Ligustrum vulgare. 

Asclepiadeae. 

Asclepias Vincetoxicum. 

Gentianeae. 

Gentiana Centaurium, cruciata, Pneumonanthe. Menyanthes trifoliata. 

Lahiatae. 


Ajuga genevensis, reptans. Ballota nigra. Clinopodium vulgare. Ga- 
leopsis Tetrahit. Glechoma hederaceum. Lamium album, macidatum, pur- 
pureum. Leonurus Cardiaca. Lycopus europaeus. Marrubium vulgare. 
Melissa Calamintha. Melittis Melis sophyllum. Mentha aquatica, arvensis. 
Nepeta Gataria. Origanum vulgare. Prunella laciniata, vulgaris. Salvia 
pratensis, silvestris. Scutellaria galericulata, hastifolia. Stachys arvensis. 
recta. Teucrium Scordium, Thymus Acinos, Serpyllum. 


Verbenaccae. 

Verbena officinalis. 

Asperif oliae. 

Anchusa officinalis. Borago officinalis. Cerinthe minor. Echium 
vulgare. Lithospermum arvense. Lycopsis arvensis. Myosotis arvensis, 
Lappula, scorpioides (palustris). Pulmonaria officinalis. Symphytum offici- 
nale, tuberosum. 

C onvolvulaceae. 

Convolvulus arvensis, sepium. 

Cuscuteae. 

Guscuta europaea. 


70 


Solanaceae. 

Atropa Belladonna. Datura Stramonium. Hyoscyamus niger, palliäus 
Kit. Solanum dulcamara, nigrum^ villosum. 

Scr ophular ineae. 

Antirrhinum Cymhalaria, Linaria., minus. Digitalis amhigua Murr. 
Gratiola officinalis. Limosella aquatica. Scrophularia aquatica^ nodosa. 
Verhascum nigrum, Thapsus. Veronica agrestis, Beccahtmga , officinalis ^ 
scutellata, serpyllifolia. 

Rhinantlieae. 

Euphrasia Odontites, officinalis. Melampyrum arvcnsc, nemorosum^ 
silvaticum. Pedicularis silvaüca. Bhinanthus Crista galli. 

Or ohancheae. 

Lathraea squamaria. Orohanche galii Duby. 

Primulaceae. 

Anagallis arvcnsis, coerulea. Androsace scptentrionalis. Lysimacliia 
Nummularia, thyrsiflora^ vulgaris. Primula elatior, officinalis. Trientalis 
europaea. 

Ericaceae. 

Erica vulgaris. Ledum palustre. Vaccinium Myrtillus, Oxycoccos, 
Vitis idaea. 

Pyrola minor^ rotundifolia^ umhellata. Monotropa Hypopitys. 

Umhelliferae. 

Acgopodium Podograria. Aetliusa Gynapium. Astrantia major. Atha- 
manta Mcum, Orcoselinum. Carum Carvi. Caucalis daucoides. Chaero- 
phyllum aromaticum^ hulbosum. Cicuta virosa. Conium maculatum. Daucus 
Garota. Eryngium campestre. Heracleum Sphondylium. Hydrocotyle vul- 
garis. Laserpitium prutenicum. Ocnanthe fistulosa. Pastinaca sativa. 
Phellandrium aquaticum. PimpincUa Saxifraga. Selinum carvifolium. 
Sium Falcaria^ angustifolium. Tordylium Anthriscus. 

Araliaceae. 

Adoxa Moschatellina. Hedera Helix, quinquefolia. 


Cornus mas. 


Corneae. 

Lorantheae. 


Viscum album. 

Gr assulaeeae. 

Sedum acre, sexangulare. 

Saxifragaceae. 

Chrysosplenium alternifolium. Saxifraga granulata. 


Banunculaceae. 


Actaea spicata. Adonis aestivalis. Anemone Hepatica, nemorosa, 
pratensis, ranunculoides. Clematis Vitalba. Caltha palustris. Delphi- 
nium Consolida. Myosurus minimus. Nigella arvensis. Ranunculus aqua- 
tilis, arvensis, Ficaria, Flammula, sceleratus. Thalictrum flexuosum Beruh. 


71 


Berber ideae. 

Berberis vulgaris. 

Bapaveraceae. 

Chelidonium majus, Fumaria bulbosa^ officinalis. Papaver Ehoeas. 

Cruciferae. 

Arabis Halleri, Thaliana. Cardamine amara, Impatiens, pratensis. 
Erysimum Alliaria, Barbar ea^ eheiranthoides ^ officinalis. Sisymbrium 
Loeselii, Nasturtium, Sophia. Turritis glabra, Jiirsuta. 

Alyssum ealycinum., ineanum. Biscutella laevigata. Cochlearia Co- 
ronopus, Draba. JDraba verna. Iberis nudicaulis. Isatis tinctoria. Le- 
pidium ruderale. Lunaria rediviva. Myagrum paniculatum, perenne, sati- 
vum. Thlaspi arvense^ alpestre^ Bursa pastoris^ campestre. 

Besedaceae. 

Beseda luteola. 

Nymphaeaeeae. 

Nymphaea alba^ lutea. 

Cistineae. 

Cistus Helianthemum. 

Broseraceae. 

Brosera longifolia^ rotundifolia. Parnassia palustris. 

Violaceae. 

Viola martia. 

Cucurbitaceae. 

Bryonia alba. 

Portulaceae. 

Montia fontana. 

Caryophylleae. 

Corrigiola littoralis. Herniaria glabra. Illeeebrum verticillatum. 
Spergula arvensis. Alsine media. Arenaria rubra, serpyllifolia. Ceras- 
tium arvense, semidecandrum. Holosteum umbellatum. Sabulina tenui- 
folia, Sagina procumbens. Stellaria graminea, Holostea. 

Agrostemma Githago. Cucubalus baccifer, Behen. Bianthus prolifer, 
Superbus. Gypsophila muralis. Lychnis dioica, Viscaria. Saponaria 
officinalis. Silene nutans. 

Malvaceae. 

Malva Alcea, silvestris, vulgaris Fr. 

Hypericineae. 

Hypericum montanum, perforatum, pulcJirum. 

Elatineae. 

Elatine Hydropiper. 

Acerineae. 

Acer campestris, platanoides. 

Hippocastaneae. 

Aesculus Hippocastanum. 

Poly galeae. 

Polygala vulgaris. 


72 


Gelastrineae. 

Bvonymus europaeus, 

jRhamneae. 


Hhamnus cathartica. 

Euphorhiaceae. 

Euphorbia Cyparissias, Esula, Gerardiana Jacq. , Peplus. Mercurialis 
perennis. 

G eraniaceae. 

Geranium cicutarium, pratense, pusillum, Eobertianum. 


Linea e. 

Linum catharticum. 

Oxaliäeae. 

Oxalis Acetoselia. 

B alsamineae. 

Impatiens Noli tangere. 

Oenother eae. 

Circaea lutetiana. Epilobium angustifolnm.., montanum, palustre. Oeno~ 
thera biennis, muricata. 

Holorageae. 

Myriophyllum spieatum.^ verticillatum. 


Trapa natans. 
Lythrum Balicar ia. 


Trap eae. 

Lythrarieae. 
Peplis Bortula. 


Pomaceae. 

Crataegus Oxyacantha, Mespilus germanica. 

Bosaceae. 

Agrimonia Eupatoria. Alchemilla vulgaris. Comarum palustre. Fra- 
garia vesca. Gemit urbanum. Potentilla alba, recta, reptans, supina, 
verna. Poterium Sanguisorba. Bosa canina. Bubus caesius , Idaeus. 
Sangmsorba officinalis. Sp)iraea Aruncus, Filipendulaj Ülmaria. Tormen- 
tilla erecta. 

Amygdaleae. 

Prunus Padus. 

Papilionaceae. 

Anthyllis Vulneraria. Astragalus Cicer, glycyphyllos. Coronilla varia. 
Cytisus nigricans. Ervum hirsutum. Genista germanica, tinctoria. Gly- 
cyrrhiza glabra. Hedysarum Onobrychis. Lathyrus pratensis, tuberosus. 
Lotus corniculatus. Medicago falcata. Ononis spinosa. Ornithopus per- 
pusillus. Orobus niger, vernus. Spartium scoparium. Trifolium Melilo- 
tlium album, montanum. JJlex europaeus. Vicia Cracca. 


73 


11. üebersicht der Standorte, nach Excursionen geordnet. 

Dresden-Altstadt. 

(NB. Ein grosser Theil der innerhalb der Stadt angeführten Gewächse 
sind in Folge localer Veränderungen verschwunden.) 

Am Zwinger (Stadtgraben bei demselben etc.) : Lemna minor. Aster 
annuus. Conium maculatum. Reseda luteola. Bryonia alha. Sagina pro- 
cumhens. Hedysarum Onobrycliis. 

Am Stadtgraben beim Festungswerke der Bär: Panicum 
sanguinale. Alisma Plantago et var. lanceolata. Sagittaria sagittifolia. 
Butomus umhellatus. Potamogeton perfoliatus. Lemna trisulca. Sparga- 
nium erectum. Marrubium vulgare, Verbascum nigrum, Thapsus. Reseda 
luteola. 

Auf dem Sand beim Zimmerhof: Cochlearia Coronopus.! 

Bei Stückgiessers Garten: Polycnemum arvense.l 

Am Lämmchen: Plantago arenaria W. K. 

Am weiten Kirchhof: Linum catharticum. 

An der Kaitzbach (innerhalb der Stadt) : Marcliantia polymorpha. 
Seutellaria galericulata. 

Auf dem böhm. Kirchhof (jetziger Johannesplatz): Datura Stra- 
monium. 

Vor dem Pillnitzer Schlage: Xanthium Strumarium. 

Vor dem Dohnaischen Schlage: Dipsacus Silvester Huds. 

An der Frau Gräfin Mosczinsky Garten (am Dohnaischen 
Schlage): Typha angustifolia, latifolia.f Chenopodium glaucum. Lactuca 
virosa. Nasturtium aquaticum.-f 

Plätze und Felder vor und um den Grossen Garten: JLrdmm 
Lappa. Carduus crispus, Onopordon Acanthium. Tussilago Farfara, 
Asperula cynanchica. Salvia pratensis. Stacliys arvensis. f Pastinaca sativa. 

Im Grossen Garten: Agaricus Androsaceus. Tremella Auricula. 
Lichen caninus, eoeeiferus, cornucopioides. Carex caespitosa. Potamogeton 
natans. Parietaria officinalis. f Polygonum amphibium. Cornus mas. 
Biscutella laevigata.-f Trapa natans. Potentilla recta.! 

Am Seethor wall: Hyoscyamus niger. 

Am Rieschischen Garten (in der grossen Plauenschen Strasse): 
Rumex pulcher (verw.). 

Um da5 Feldschlösschen: Conferva reticidata, rivularis . Seirpus 
palustris^ silvaticus, Sparganium erectum. Yeronica Beccabunga. An- 
drosace septentrionalis.^ Ranunculus sceleratus.-f Montia fontana. Poten- 
tilla supina.'\ 

An der Papiermühle: Asperula arvensis.-\ 

In der Friedrichstadt: Callitriche autumnalis, verna. Conium 
maculatum. 

An derWeisseritz: Conferva reticulata. ülva granulata. Marchan- 
tia polymorpha. Potamogeton pusillus. Ranunculus aquatilis. 

In der Remise seitwärts Friedrichstadt und im Ostra- 
geh ege: Conferva rivularis. Ophioglossum vulgatum.’\ Lolium temulentum. 
Ophrys ovata.-\ Orchis conopsea,-f coriophoraff Morio^ ustulata.-f Hydro- 
charis Morsus ranae.y Cerinthe minor. -f Antirrhinum minus. Yeronica 

6 


74 


scutellata. Oröbanche Galii Dub.f Thalictrmn flexuosim Bernh. Alyssmn 
imamim. Saponaria officinalis. Evonymus europaeus. Euphorhia Peplus, 
Gerardiana Jacq. Hedysarum Onohrychis. 

Dresden-Neustadt. 

Vor dem weissen Thor: Pumex maritimus. Älyssum calycimim. 
Myagrum paniculatum. 

Vor dem schwarzen Thor: Lycopodium complanatum.^ Lemna 
trisulca.'\ Salsola Kali. Pumex maritimus. Eipsacus pilosus.! Chon- 
drilla juncea, f Lactuca virosa. Scorsonera humilis.-\ Anemone pratensis. 

An der Kugelfabrik: Carex arenaria.-\ Chondrilla juncea. ülex 
europaeus. f 

An und um das Fischhaus: Plasia pusilla. Eriophorum poly- 
stachyum, vaginatum. Juncus filiformis. Atropa Belladonna. Trientalis 
europaea.l Vaccinium Oxycoccus.! Arahis Halleri. Cardamine amara. 
Prosera longifolia, rotundifolia.l Potentilla alba.f 

Im Mordgrunde: Buxbaumia aphylla. Convallaria Polygonatum. 
Oenothera muricata.! Cytisus nigricans. Genista germanica. 

In der Dresdner Haide: Clavaria muscoides. Lycoperdon Epi- 
dendron, pedunculatum , stellatum. Fontinalis pinnata. Lycopodium Se- 
lago. f Ledum palustre. f Viscum album. Cytisus nigricans. 

An der Elbe (oberhalb der Augustusbrücke bis Loschwitz) : Equi- 
setum limosum,-\ palustre. Panicum sanguinale. Potamogeton perfoliatus. 
Lactuca Scariola. Inula dysenterica. Limosella aquatica. Gratiola offici- 
nalis. Euphorbia didcis. Oenothera biennis. Myriophyllum spicatum. 

(Unterhalb bis Uebigau): ülva granulata. Bromus inermis. Datura 
Stramonmm. Chaerophyllum bulbosum. 

Am Lehmann’schen (jetzt Lincke’schen) Bade: Bromus 
arvensis. Holcus mollis. Elymus arenarius. Matricaria Parthenium. 
Kanthium Strumarium. Ligustrum mdgare. 

Schlucht am ersten Weinberge: Scabiosa Columbaria. Thlaspi 
alpestre. 

Am Naumann’schen Weinberge (eine kleine halbe Stunde über 
das Lincke’sche Bad hinaus): Anthericum ramosum. Senecio saracenicus. 
Lycopus europaeus. Gratiola officinalis. Monotropa Hypopitys. Pyrola 
umbellata. ! Arenaria, rubra. Hypericum pulchrum. f 

Umgegend von Dresden. 

Loschwitz bis Wachwitz. 

Thesium alpinum. Lactuca virosa. Athamanta Oreoselinum.l Eryn- 
gium campestre. Laserpitium prutenieum.l Pianthus prolifer.! Lmpatiens 
Noli tangere.! 

Pillnitz. 

Arundo Calamagrostis. Phalaris arundinacea. Hydrocharis Morsus 
ranae. Oröbanche Galii Dub. f Conium maculatum. Lsatis tinctoria. ! 
Cucubalus baccifer.l Malva Alcea. Myriophyllum verticülatum. 

Auf und am Porsberge. 

Jungermannia eiliaris , pinguis. Marchantia conica. Hypnum com- 
planatum, rutahidum, triquetrum. Prenanthes purpurea, Lathraea Squamaria. 


75 


Striesen. 

Carex muricata, vulpina. Veranica smtellata. 

Blasewitz. 

Boletus hovinus, viscidus. Lycoperdon steUatum. Lichen subulatus, 
uncialis, Ghondrilla juncea.! Filago arvensis. Gnaphalium arenarium.! 
Scorzonera humilis.l Leonurus Cardiaca. Byrola rotundifolia.f Mono- 
tropa Hypopitys. 

Tolkewitz bis Laubegast. 

Panicum sanguinale. Anemone pratensis,! 

Gruna. 

Phellandrium aguaticum. ! Comarum palustre. ! 

Strehlen. 

Colchicum autumnale. Allium vineale. Veronica agrestis, serpylli- 
folia. Melampyrum arvense. ! Caucalis daucoides. ! Sium Falcaria. Adonis 
aestivalis.! Lathyrus tuberosus. 

Beiök,' Leubnitz, Prohlis. 

Colchicum autumnale. Potamogeton crispus. Centaurea phrygia.! 

Gr oss- Sedlitz. 

Andropogon Ischaemum. ! 

Weesenstein. 

Anthoceros laevis. Valeriana officinalis. 

Maxen. 

Gentiana cruciata.! Athamanta Meum.! 

Berggiesshübel. 

Asarum europaeum. Prenanthes purpurea. Trientalis europaea. ! 

Kaitzgrund, 

Peziza lentifera. Alopecurus geniculatus. ! Iris Pseud-acorus. Acorus 
Calamus. Typha angustifolia,-\ latifolia.-\ Scabiosa Columbaria. Senecio 
nemorensis. Serratula tinctoria. Asperula arvensis. ^ Betonica officinalis. 
Lycopus Guropaeus. Pedicularis silvatica.! Astrantia major.! Gochlearia 
Draba. Hypericum montanum. ! 

Plauenscher Grund, 
a. Plauen. 

Lycoperdon pedunculatum. Peziza lentifera, Lichen atro-virens, fusco- 
ater, miniatus, scriptus. Targionia hypophylla. Bryum extinctorium, subu- 
latum. Fontinalis antipyretica. Mnium annotinum. Acrostichum septen- 
trionale. Asplenium Adiantum nigrum.f Polypodium Filix mas.., F.ilix 
femina, vulgare. Festuca dumetorum, elatior, ovina. Ornithogalum luteum, 
minimum.! Tulipa silvestris.f Convallaria majalis, Polygonatum. Paris 
quadrifolia. Leucojum vernum.f Daphne Mezereum.! Valeriana minor. 
Anthemis tinctoria. Artemisia Ahsynthium.! Chrysanthemum Corymbosum.! 
Conyza squarrosa. Erigeron acer. Phyteuma spicatum. Galium boreale,! 
montanum, rotundifolium , uliginosum. Lonicera Xplosteum.! Viburnum 

6 ^ 


76 


Opulus. ! Asdepias Vincetoximm. Melittis MelissophyUum.f Stachys reda. 
Thymus Acinos. Cuscuta europaea. Digitalis amhigua Murr.! Verbascum 
nigrum. Veronica Deccabunga. Anagallis Schrb.f Primula offici- 

nalis. Adoxa Moschatellina. Sedum sexangulare. Actaea spieata. I Ane- 
mone Hepatica, ranunculoides, Clematis Vitalba. f Myosurus minimus. 
Banunculus Flammula. Fumaria bulbosa. Cardamine Impatiens.I Lu- 
naria rediviva. Sisymbrium Loeselii.! Turritis glabra, hirsuta. Sabulina 
tenuifolia.f Cerastium semidecandrum. ! Silene nutans. Stellaria graminea. 
Evonymus europaeus. Bhamnus cathartica. ! Mercurialis perennis. Bubus 
Idaeus. Spiraea Aruncus, Ulmaria. Prunus Padus.f Astragalus glyei- 
phyllos. Cytisus nigricans. Ornithopus perpusillus. ! Orobus niger, ! vernus. 
Trifolium montanum. 

Potschappel. 

Ulva crenulata (Hainsberg). Humulus Lupulus. Asperula odorata.-\ 
Melittis Melissophyllum.f Mentha aquatica. 

Auf dem Windberge. 

Daphne Mesereum. Atropa Belladonna. Pyrola rotundifolia. Actaea 
spieata. 

Tharandt. 

Lichen pulmonaria. Paris quadrifolia. Daphne Mezereum. Betonica 
officinalis. Origanum vulgare. Atropa Belladonna. Pyrola minor. Atha- 
manta Meum, Oreoselinum. Lunaria rediviva. 


Triglochin palustre. f 
Menyanthes trifoliata. 


Mohorn. 

Grüllenburg. 
Spartium scoparium. 


Kesselsdorf. 

Triglochin palustre. f 

Cotta. 

Car ex muricata. Tussilago hybrida. Salvia pratensis, silvestris.I Scro- 
phularia aquatica. f Thlaspi campestre. Parnassia palustris, Astragalus 
Cicer. ! 

Briessnitz. 

Ornithogalum umbellatum. Valantia Cruciata. Chaerophyllum aroma- 
ticum. Spiraea Filipendula. 


Schooner Grund. 

Boletus suaveolens, suberosus, versicolor. Tremella pur pur ea. Junger- 
mannia bicuspidata, bidentata, dilatata, quinquedentata. Anthericum ramo- 
sum.I Phyteuma spimtum. Galium silvaticum. Viburnum Opulus. Clino- 
podium vulgare. Symphytum tuberosum. Melampyrum silvaticum. Anemone 
Hepatica. Fumaria bulbosa. Dianthus superbus.f Mespilus germanica. 

Weisstropp. 

Fragaria vesca, silvestris (mit purpurrother Blüthe). 

Meissen. 


Berberis vulgaris. 

Neudorf bis Uebigau. 
Nigella arvensis.l Myagrum perepne, sativum. 


77 


Am Dippelsdorfer Teiche (unweit Moritzburg). 

Hyoscyamus pallidus.-f Corrigiola litoralis. Illecehrum verticillatum. 
Gypsophila muralis. 

Moritzburg. 

Garex cyperoides. Cyperus flavescens, fuscus. Iris Pseud-acorus. Hydro- 
charis Morsm ranae. Sparganium natans. Tanacetum Balsamita.'\ Pru- 
nella laciniata.! Scutellaria hastifolia.! Äntirrhinum Peloria. Lysimachia 
thyrsiflora. Hydrocotyle vulgaris. OcManthe fistulosa. Phellandrium aqua- 
ticum, Nymphaea alha. Corrigiola litoralis. Illecehrum verticillatum. Ela- 
tine Hydropiper. Epilohium palustre. MyriopJiyllum spicatum. Comarum 
palustre. Anthyllis Yulneraria, 

Scbönborn (bei Radeberg). 

Lycoperdon stellatum. Cytisus nigricans. 

Radeberg. 

Cicuta virosa.j- 

Gro SS -Naundorf (bei Pulsnitz). 

Sparganium natans. Matricaria Parthenium. Gentiana Centaurium. 
Betonica officinalis. Teucrium Scorodonia. 

An und auf dem Keulenberge (bei Pulsnitz). 

Gentiana PneumonantJie. Vaccinium Oxycoccus. Drosera longifolia, 
rotundifolia. 


78 


IX. lieber die ältesten Spuren fossiler Pflanzen 

in Sachsen. 

Von Dr. H. B. Geinitz. 


Es kann nicht befremden, dass einzelne Paläontologen, die sich nur 
wenig mit der Untersuchung fossiler Pflanzen beschäftigt haben, manche 
von den meisten Fachmännern anerkannte Gattungen und Arten, nament- 
lich aus den älteren Gehirgsformationen, nicht anerkennen wollen, so 
lange nicht kohlige Pflanzensubstanz und deutliche organische Structur 
noch daran zu erkennen sind und dass sie derartige Körper trotz ihrer 
regelmässigen und constanten Form überhaupt nicht für Organismen, son- 
dern für anorganische Gesteinsbildungen halten. So Anden wir auffallender 
Weise selbst in der trefflichen Lefhaea geognostica von Ferd. Körner, 1880, 
p. 129 u. f. als „vermeintliche Gattungen von See- Algen , welche für 
Körper von überhaupt nicht organischer Natur errichtet sind,“ die Gat- 
tungen: Eophyton Toreil, 1868, BJiyssophycus Hall, 1825, PalaeopJiycus 
Hall, 1847, Asterophycus Lesquereux, 1876, Conostichus Lesq., 1876, Spi- 
rophyton Hall, 1863, FJiysophycus Schimper, 1869, Älectorurus Schimp., 
1869, Phy Codes Richter, 1850, Harlania Göppert, 1852 (Artliropliycus 
Haiy, Oldhamia Forhes und Spongülopsis Gein., 1864 aufgeführt. 

Solch ein negatives Urtheil findet auch eine Stütze in der von A. G. 
Nathorst neuerdings veröffentlichten Arbeit über Spuren einiger wirbel- 
losen Thiere und deren paläontologische Wichtigkeit.*) Diese mahnt uns 
zu grosser Vorsicht in der Beurtheilung derartiger Vorkommnisse und 
zeigt uns von Neuem, wie scheinbar gleiche oder doch ganz ähnliche Formen, 
denen man in den Erdschichten begegnet, oft einen sehr verschiedenen 
Ursprung haben können. Ohne hier näher auf diese wichtige Arbeit ein- 
zugehen, möchte ich nur auf einige solcher mehrfach angezweifelten Orga- 
nismen zurückkommen, welche in Sachsen gefunden worden sind. 

1. Pflanzenreste aus dem cambrischen Dachschiefer von 
Lössnitz, welche der damalige Bergfactor dieser Brüche, Herrinspector 
Herbrig in Zwickau, im Jahre 1870 entdeckte, wurden von mir in 
Sitzungsher. der Isis in Dresden, 1871, p. 1 als Palaeophycus macro- 
cystoides Gein. aufgeführt. Hierüber äussert sich in den Erläuterungen 
■zur geognostischen Specialkarte des Königreichs Sachsen, Section Löss- 
nitz, Erläuterungen, 1881, p. 26, Herr K. Dalmer mit folgenden Worten : 
„Die im Communebruch bei Lössnitz hier und da sich einstellenden, früher 
als Fucoiden gedeuteten wulstförmigen Erhöhungen von zum Theil stiel- 

*) Om Spar af nagra Evertebrerade Djur M. M. och deras paleontologiska bety- 
delse. (Stockholm, 1881. Kongl. Svenska Vetenskaps-Akademiens Handlingar. Bandet 18, 
Nr. 7.) 

Ges. Isis in Dresden, 1881. — Abb. 9. 


79 


artiger Form, welche mitunter ebenso wie die Schieferungsflächen des Ge- 
steines eine feine Fältelung aufweisen, dürften anorganischen Ursprunges, 
und zwar wohl als Druckerscheinungen, aufzufassen sein. Dafür spricht 
unter Anderem der Umstand, dass die Schieferuiigsflächen, denen jene Ge- 
bilde angehören, transversale sind und von der wahren Schichtung in 
wechselnden, nicht unbeträchtlichen Winkeln geschnitten werden.“ ■ 

Es liegen uns von diesen Körpern zehn Platten vor, von welchen vier 
dem K. Mineralogischen Museum, zwei dem K. Polytechnikum und vier 
Herrn Inspector Herbrig gehören. 

Auf zwei grauen Thonschieferplatten treten sie als fast geradlinige 
Wülste von nahe 5 mm Stärke und gegen 16 cm Länge, ziemlich scharf 
getrennt von der umgebenden Gesteinsmasse deutlich hervor und zeichnen 
sich durch dunklere, schwärzliche, offenbar von Kohlenstoff herrührende 
Färbung aus, wie dies bei ähnlichen Fucoiden des Thonschiefers häufig 
der Fall ist. Ihre feine querrunzelige, durch schiefe Streifung meist etwas 
netzförmige Structur mag eine zufällige sein und, wie dies Herr Dalmer 
auffasst, einer transversalen Fältelung des Schielers entsprechen und es 
scheint ihre Oberfläche ursprünglich fast glatt gewesen zu sein. Vier 
andere Exemplare, die in einem grünlich-grauen talkigen Thonschiefer 
oder Phyllit eingeschlossen sind, erscheinen als etwas breitere, unregel- 
mässigere und gebogene längliche Wülste, die von der ' Gesteinsmasse nur 
undeutlich getrennt und fast glatt sind, sich aber gleichfalls durch ihre 
dunklere, schwärzliche Färbung daraus gut hervorheben. 

Für die hohle Beschaffenheit des Stengels spricht ein Exemplar in 
dem Dresdener Museum, welches in einer Ebene fünf schiefe elliptische 
Querschnitte eines gebogenen Stengels erkennen lässt, dessen dicke Wan- 
dung durch die intensiv schwarze Färbung von dem mittleren mit Ge- 
steinsmasse ausgefüllten grünlich-grauen Hohlraum geschieden ist. 

Von allen diesen weicht in seiner Form ein Exemplar des Herrn In- 
spector Herbrig wesentlich ab, da es seiner Form und Grösse nach dem Rücken- 
schilde einer Sepia, wie FlesioteutMs prisca Rüpp. sp. aus dem lithogra- 
phischen Schiefer weit ähnlicher als einem Fucoiden ist. Wahrscheinlich 
ist es durch die zufällige Berührung einiger in der Nähe gelegener Stengel 
oder Zweige derselben Pflanze entstanden und ist ausserdem einem Exem- 
plare des bekannten Fhy Codes circinnatus von Heinersdorf bei Loben stein, 
das sich in dem Dresdener Museum befindet, nicht unähnlich. 

Der Fucoide von Lössnitz entspricht der Diagnose, welche J. Hall, 

1 847, Palaeontology of New York, I, p. 7, für Falaeophycus gegeben hat : 
„Stern terete, simple or branched, cylindric or subcylindric; surface nearly 
smooth, without transverse ridges, apparently hollow.“ 

Bei der früheren Annahme eines höheren Alters der takonischen 
Dachschiefer von Wurzhach hei Lobenstein lag ein Vergleich dieses Fu- 
coiden mit Palaeophycus mucrocystoides Gein. *) sehr nahe, doch ist diese 
Art durch ihre breitere regelmässigere Form und ihre bestimmte Structur 
der Oberfläche davon verschieden. 

Zur Aufstellung einer neuen Art können die bis jetzt in dem Schiefer 
von Lössnitz aufgefundenen natürlich nicht genügen, zumal es noch frag- 
lich ist, ob das zuletzt erwähnte Phycodes-ähnliGhe Exemplar und Jene vor- 
herrschende walzige oder stielartige Form zusammengehören. Wir müssen 


*) H. B. Geinitz und K. Th, Liebe, Takonische Schiefer von Wurzbach, Akt, 
d K. Leop. Car. D. Ak. 1866. 


80 


uns vorläufig damit begnügen, in unserem Palaeophycus eine unverkenn- 
bare Art dieser Fucoiden- Gattung in früher für azoisch gehaltenen cam- 
brischen Schichten Sachsens nachgewiesen zu haben. 

2. Pflanzenreste in dem Fruchtschiefer von Weesen- 
stein. Das in dem K. Mineralogischen Museum zu Dresden befindliche 
Bruchstück eines cambrischen oder huronischen Frucht Schiefers von Weesen- 
stein, auf welchem eine sehr deutliche calamitenartige Streifung wahr- 
zunehmen ist, wurde am 9. Mai 1872 durch den damaligen Polytechniker, 
jetzigen Professor Naumann in Jedo, in meiner Gegenwart aufgefunden 
und ist von mir (Sitzungsber. d. Isis, 1872, p. 126, Taf. T, Fig. 1) be- 
schrieben und abgebildet worden. Man ist vollkommen berechtigt, diesen 
Abdruck ebenso gut wie das ihm ziemlich ähnliche Eophyton Linnaeanmn 
Toreil aus der Sparagmit-Etage Schwedens für einen Pflanzenrest zu er- 
klären, wenn auch Nathorst a. a. 0. Taf. 9, Fig. 4, 5 und Taf. 10, 
Fig. 4, 5 in dem Eophyton Linnaeanum Toreil nur die Spuren der auf 
thonigem Schlamme fortgeschleppten Algen erkennt. 

3. Pflanzenreste in dem körnigen Kalksteine von Tha- 
randt. Der am nordwestlichen Ende von Tharandt an der Grenze des 
Tharandter Felsitporphyrs und des alten Thonschiefers oder Phyllits auf- 
tretende graue, körnige Kalkstein ist in den „Geognostischen Wander- 
ungen von Bernhard Cotta“, 1836, I. p. 10 u. f. schon genau beschrieben 
worden. Es ist mir nicht bekannt, dass früher irgend ein organischer 
Ueberrest in ihm aufgefunden worden wäre und hat dieser Kalkstein bis- 
her immer als sogenannter Urkalk gegolten, vielmehr glaube ich annehmen 
zu dürfen, dass dies zum ersten Male auf einer Excursion mit Studirenden 
des K. Polytechnikums am 12. Juni 1880 geschah. Dieser interessante 
Fund bezieht sich auf ein Stammstück von 13,5 cm Länge und ca. 18 cm 
Umfang, das mit einer dünnen Lage von anthracitischem Kohlenstoffe, 
sogenannter Kohlenblende, bedeckt ist, wodurch es sich von der um- 
gebenden dunkelgrauen Kalksteinmasse deutlich hervorhebt. Auch das 
Innere des Holzkörpers ist mit einer feinkörnigen, grauen Kalksteinmasse 
erfüllt. An seiner Oberfläche ist dasselbe ringsum durch ungleiche und 
unregelmässig gestreifte Längsrippen ausgezeichnet, wodurch es dem ent- 
rindeten Stamme eines Lepidodendron , wie namentlich L. (Sagenaria) 
Veltheimianmn,^) ähnlich wird, an welchem die Spuren von Blattnarben 
verloren gegangen sind. Dasselbe schliesst sich daher wohl am nächsten 
einer Lycopodiacee, und zwar einem Lepidodendron, an. Das Hauptstück 
wird in der geologischen Sammlung des K. Polytechnikums, ein kleineres 
Bruchstück in dem Pultschranke Nr. 63 des K. Mineralogisch-geologischen 
Museums aufbewahrt. 

4. üeber Spuren fossiler Pflanzen in dem Porphyr- 
gebiete des Kohlberges zwischen Dippoldiswalde und 
Schmiedeberg. (Hierzu Taf. I.) 

Der zwischen Schmiedeberg und Dippoldiswalde gelegene Kohlberg 
zieht sich von SW. nach NO. von der rothen Weisseritz unterhalb 
Schmiedeberg nach Ober-Frauendorf bis zum Lungwitzthale. Sein west- 
licher Abhang grenzt an den Gneiss an, im Norden und Osten wird er 
von dem sogenannten Syenitporphyr (oder Granitporphyr) umgeben. Sein 
Kücken besteht aus einem lichtgrünlich-grauen, Quarz und Orthoklas 


*) Geiiiitz, Darstellung der Flora des Hainichen-Ebersdorfer und des Flöbaer 
Kolilenbassins, 1854, Taf. 6, Fig. 2, 3. 


81 


führenden Felsitporphyr und Felsittuff, der theils als ein sehr feinkörniges 
und rauhes Gestein, theils als dichte Masse erscheint, die einen muscheligen 
bis splitterigen Bruch zeigt, kantendurchscheinend wird und bei ihrer 
Härte zwischen 6 und 7 nicht selten der Hälleflinta oder einem Petro- 
silex gleicht. 

Eugen Geinitz hat diese Gesteine des Kohlberges einer mikrosko- 
pischen Untersuchung unterworfen und theilt darüber Folgendes mit: 

„Der Felsittuff oder nach älterer Bezeichnung ,, Thonstein“ des Kohl- 
berges bei Schmiedeberg ist ein dichtes, theils porphyrisches Gestein, welches 
als ein echter Tuff von Felsitporphyr ohne fremdes klastisches Material 
zu bezeichnen ist. Die porphyrische Ausbildung des Gesteines zeigt in 
einer lichtgrünlich-grauen dichten Grundmasse zahlreiche kleine, in 
weissen Kaolin umgewandelte Feldspathstücke, rauchgrauen Quarz und 
einige bronzeschillernde Biotitblättchen. An der Oberfläche zeigt das beim 
Anhauchen thonig riechende Gestein durch das Weggeführtsein der Feld- 
späthe ein feinporöses Aussehen. Die genannte Ausbildung findet sich im 
Schichtenwechsel, verbunden mit dem dichten Gestein, welches auch in 
selbstständigen Platten auftritt. Dieses dichte Gestein ist theils noch fein 
porös und dann wenig hart, stark thonig riechend, theils auch ganz 
dicht, scheinbar homogen, hornsteinähnlich und dann härter als Stahl und 
V on flachmuscheligem Bruch ; es hat eine ausgesprochen gelblich-grünliche 
Nüance des Grau. In dieser dichten Masse treten vereinzelt Quarz- oder 
kaolinisirte Feldspathkörner auf. 

Die mikroskopische Analyse ergab folgenden Befund : Die Quarze sind 
theils Krystalle, theils eckige Bruchstücke von einheitlichen Krystallen, 
mit Glas- und Grundmasse und auch reihenförmig angeordneten Flüssig- 
keitseinschlüssen. 

Der Biotit tritt in grösseren selbstständigen Partien auf, meist ge- 
wundene und gestauchte Krystallblättchen darstellend, stellenweise mit 
zahlreichen secundären Epidotkörnchen. Oft schmiegen sich Glimmer- 
blättchen an die grösseren Quarzkörner an. Der Feldspath ist stets in 
trüben Kaolin mit etwas Ferrit vollständig umgewandelt. Er kommt in 
Eorm von meist zerbrochenen Krystallstücken oder von unregelmässigen 
Flecken vor. Ein Theil der krystallographisch begrenzten farblosen por- 
phyrischen Elemente, die aus einem Aggregat von Chalcedon bestehen, 
sind als Pseudomorphosen von Kieselsäure nach Feldspath anzusehen. Viel- 
leicht sind auch einige der lichtgrünen Flecken in der Grundmasse mit 
Aggregatpolarisation als Pseudomorphosen von Glimmer, resp. Nakrit nach 
Feldspath zu deuten. 

Die Gesteinsgrundmasse ist ein sehr dichtes, inniges Gemenge von 
Quarz, vielleicht auch zersetztem Feldspath und lichtgrünen Schuppen von 
Glimmer oder zum Theil auch Nakrit, dem Kaolin ähnlichen wasser- 
haltigen Thonerdesihcat, von lebhaften Aggregatpolarisationsfarben. Das 
letztgenannte Mineral tritt auch in Form von kurzen Nadeln, resp. 
Leisten auf. 

An manchen Stellen der Grundmasse waltet der farblose Quarz-, resp. 
Chalcedonbestand vor mit nur wenig Glimmer, resp. Nakrit, an anderen 
treten umgekehrt Flatschen der grünlichen Substanz mit Aggregatpolari- 
sation auf. 

Dieselbe Zusammensetzung zeigen die ganz dichten und harten Varie- 
täten, nur sind hier die Elemente ganz fein. Auch treten vereinzelt bräun- 
liche, winzige Eisenoxydpünktchen auf. 


82 


Kleine Quarzadern durchziehen oft das Gestein, auch Quarzdrusen 
finden sich als Spaltausfüllungen. 

Das gesammte Material des beschriebenen Tulfes hat wenig echt klasti- 
sches Aeussere, vielmehr trägt es deutlich die Spuren einer späteren theil- 
weisen Umwandlung — Silicificirung und Kaolinisirung , letzteres mit 
Glimmer- und Nakritbildung — an sich. 

Das Gestein hat grosse Aehnlichkeit mit dem im westlichen Sachsen 
verbreiteten Tuffrothliegenden. (S. Erläut. z. geol. Specialkarte d. Königr. 
Sachsen. Section Frohhurg, S. 17.)“ 

Zahllose Platten oder Scherben dieser Felsitgesteine, welche beim Aus- 
roden der dortigen Waldung zum Vorschein gelangen, hatten schon seit 
1871 die Aufmerksamkeit des Herrn J. 0. Wohlfarth, praktischen 
Arztes in Dippoldiswalde, und des Herrn Lehrer Saupe in Obercarsdorf 
(jetzt in Dorfhain) auf sich gezogen. Fs war diesen aufmerksamen 
Beobachtern nicht entgangen, dass sich namentlich in jenen dichten felsi- 
tischen Platten, wenn auch höchst selten nur, Spuren fossiler Pflanzen 
zeigen, wovon mir die ersten Exemplare durch Herrn Wohlfarth am 
30. Mai 1873 freundlichst zugesandt wurden. Dieselben beanspruchen 
trotz ihres mangelhaften Erhaltungszustandes, da es meist nur kleine 
Fragmente von Abdrücken sind, welche keine Spur von kohliger Substanz 
hinterlassen haben, doch in geologischer Beziehung besonderes Interesse. 
Es handelt sich zunächst darum, ob in dem Porphyrgebiete des Kohl- 
berges Andeutungen einer carbonischen oder dyadischen Flora, also eine 
Flora der Steinkohlenzeit oder des Kothliegenden, vorhanden sind. 

Bei der Aehnlichkeit dieser lichtgrünlich-grauen Porphyre und Por- 
phyrtuffe des Kohlberges mit gewissen grünlich-grauen Porphyren des 
oberen Erzgebirges, welche bei Zaunhaus, Rehfeld und Schönfeld die 
schwachen Steinkohlenflötze der Sigillarienzone durchbrochen und anthra- 
citirt haben, während ihre Geschiebe in den tiefsten Schichten der zur 
Zone der Farne gehörenden Steinkohlenablagerung des Plauenschen Grundes 
gefunden werden, schien das Alter jener Porphyrtuffe zwischen die mittlere 
Etage der Steinkohlenformation, oder die Sigillarienzone und die obere 
Etage derselben oder die Zone der Farne zu fallen. Ich wurde hierdurch 
veranlasst, in meiner ersten Notiz über die Funde am Kohlberge in Sitz- 
ungsber. der Isis, 1873, p. 89 die Worte zu brauchen: ,, Spuren von Stein- 
kohlenpflanzen aus dem Porphyrgebiete des Kohlberges.“ Neuere Funde 
machen es jedoch wahrscheinlich, dass man es hier mit einer etwas jünge- 
ren Flora, einer dyadischen oder Flora des Rothliegenden, zu thun hat 
und dass diese Porphyrtuffe eher mit den jüngeren Felsitporphyren von 
Dippoldiswalde, als mit jenen älteren sogenannten „Kohlenporphyren“ 
des oberen Erzgebirges in Beziehung treten. Zu erwähnen ist noch, dass 
hier und da im Gebiete des Kohlbergrückens kugelige Knollen des licht- 
grünlich-grauen Kohlberg-Porphyrs in den plattenförmigen dichten Felsit- 
tuffen eingeschlossen sind, wie auch einige körnige feldspathreiche Ein- 
schlüsse von Gneiss darin Vorkommen. 

Zahlreiche Stücken jener Porphyrtuffe sind mit Rutschflächen ver- 
sehen, welche nicht selten an das Gefüge von Lycopodiaceenhölzern er- 
innern, die in der That auch nicht zu fehlen scheinen. Wenigstens zeigen 
sich Spuren von flachgedrückten Stämmen mit warzenförmigen, in ihrer 
Mitte eingesenkten Astnarben, die kaum anders gedeutet werden können. 

Was überhaupt im Laufe der letzten zehn Jahre durch die oben ge- 
nannten Herren und durch mich selbst von organischen Resten in den 


83 


Tuffen des Kohlberges gesammelt worden ist, lässt sich auf folgende 
Arten zurückführen: 

1. Noeggerathia cuneifoUa Kutorga sp. 

1838. Sphenopteris cuneifoUa Kutorga, Beitrag zur Kenntniss der organischen 
Ueberreste des Kupfersandsteines am westlichen Abhänge des Ural, p. 32. 
Taf. 7, Fig. 3. 

1845. Noeggerathia cuneifoUa Brongniart in Murchison, de Verneuil und de 
Keyserling, Geologie de la Russie, II. p. 9. PI. A. Fig. 3. 

1860. Desgl. V. Eichwald, Lethaea rossica, I. p. 256. Taf. 13. Fig. 16. 

1870 — 72. Psygmophyllum cuneifoUum Schimper, Traite de Paleontologie vege- 
tale, II. p. 194. 


Fig. 1. Fig. 2. 



Noeggerathia cuneifoUa Kutorga sp. vom Kohlberg hei Schmiedeberg- 

Die vorliegenden Reste Fig. 1 und 2 rühren von schmalen keil- 
förmigen Blättern her, welche die guten Abbildungen vollkommenerer 
Exemplare, namentlich bei Kutorga und v. Eichwald, vorführen. Diese 
Blättchen oder ’ Fiederchen sind von einfachen, breiten und flach gerunde- 
ten, fast geraden Nerven durchzogen, welche sich durch Zwischenlagerung 
neuer Nerven vermehren. Diese Blättchen trennen sich unter einem sehr 
spitzen Winkel von der Spindel ab, die je nach ihrer verschiedenen Breite 
von einer oder mehreren dicken Längsrippen durchzogen ist, welche in 
den Blattnerven fortsetzen. Mehrere der am Kohlberge gefundenen Frag- 
mente lassen sich theils auf solche Spindeln, theils auf Blattbruchstücke 
selbst zurückführen. 

Ob man diese Pflanze noch zu Noeggerathia stellen kann, unter deren 
Arten wenigstens die für die Gattung typische N. foliosa Stb. eine ab- 
weichende Befestigung ihrer Blätter zeigt oder ob man sie wieder auf 
einen Farn zurückführen muss, vielleicht auf JDoleropteris , wie es nach 
Grand’Eury, Memoire sur la Flore carbonifere du dept. de la Loire, 
p. 193, wahrscheinlich wird, soll hier nicht weiter verfolgt werden. Hier 
handelt es sich zunächst nur um die Identität der in dem Porphyrgehiete 
des Kohlberges gewöhnlichsten Pflanze mit einer in dem Kupfer Sandsteine 
an dem westlichen Abhange des Urals charakteristischen Pflanze der Dyas 
oder permischen Formation. 

2. Walchia piniformis Schlotheim sp. 

Beschreibung und Synonyme vergl. in Geinitz, Leitpflanzen des Roth- 
liegenden, 1858, p. 17, oder Dyas, 11. 1862, p. 143. 


84 


Wie bekannt, ist Wdlchia piniformis eine der wichtigsten Leitpflanzen 
der untersten Dyas in ganz Europa und bat ebenfalls die Entwickelung 
dieser Formation in Nordamerika, wie namentlich auf Prince Edwards 
Island, wesentlich mit erkennen lassen. 

Unter den Pflanzenresten des Kohlberges zeigt ein junger Zweig grosse 
Aehnlichkeit mit dem in unserer Dyas, 11. Taf. 31. Fig. 2 abgebildeten 
Exemplare. 

3. Ob ein undeutlicher fructificirender Farn, der mit Walchia 
piniformis zusammenliegt, auf Pecopteris (Cyatheites) arhorescens 
Schloth. sp. zurückgeführt werden kann, wie dies nach der Form seiner 
Fiederchen und ihren zahlreichen einfachen Seitennerven wahrscheinlich 
wird, kaon erst durch neue Funde bekräftigt werden. Bekanntlich ist 
diese weitverbreitete Art sowohl in der Steinkohlenformation, als auch 
in dem Rothliegenden eingebürgert. 

4. ScJiütda anomala Gein. 

1863. ' Geinitz im Jahrb. f. Min. p. 525. Taf. 6. 

1864. Desgl. (incl. Anthodiopsis Beinertiana in 
den Abbbildungen) Göppert, die fossile 
Flora der Permiscben Formation, p. 161. 
Taf. 23. Fig. 1—6; Taf. 24. Fig. 1. 2.3.5. 

Ein kleiner, kugelig-ovaler, gegen 5 mm 
grosser gestielter Fruchtzapfen, an welchem 
mehrere Reihen spiralig angeordneter läng- 
licher Schuppen unterschieden werden, nähert 
sich dem Frucht stände einer Schützia, welche 
Conifere allerdings nach weit besseren Exem- 
plaren zuerst aus dem Brandschiefer des Roth- 
liegenden von Ottendorf bei Braunau be- 
schrieben worden ist. Als männliche Frucht- 
ähre dieser Pflanze ist JDictyophthalmius Schrol- 
lianus Göppert, a. a. 0. p. 164. Taf. 24. 
Fig. 4 und 6; Taf. 25. Fig. 1 — 4, aufzu- 
fassen, welche gleichfalls mit Fruchtzapfen 
„ ^ ^ . -rr , , zusammen in dem Brandschiefer der unteren 

“igrerslmSb/rg.’^"“' Reissig bei Pillnitz nachgewiesen 

worden ist. 




Galamites cf. infractus Gutb. aus 
Porphyrtuff des Kohlberges bei 
Schmiedeberg. 


5. Galamites sp. 

An einem gegen 5 mm starken, gleich- 
förmig längsgestreiften Stengel, der leider 
keine deutliche Gliederung wahrnehmen lässt, 
zweigt sich ein junger Ast ab, dessen ver- 
kehrt-kegelförmiger Anfang eine ähnliche 
Längsstreifung wie der Stengel und eine 
deutliche Gliederung zeigt, was mit einer 
dem Galamites infractus Gutbier ähnlichen 
Art sehr wohl vereinbar ist. 

Spuren einer breiter-rippigen Art scheinen 
durch das unregelmässige und spitze Inein- 
andergreifen der gestreiften Längsrippen auf 
Galamites gigas Brongniart hinzuweisen. 

6. ? Delesserites Wohlfarthianus Gein. 

Ein ziemlich problematischer Körper, bei 


85 


dem es sich zunächst darum handelt, ob man überhaupt mit einem Pflanzen- 
rest oder einer zufälligen anorganischen Bildung, wie etwa den „ripple marhings“ 
englischer Autoren, zu thun hat, wurde durch Herrn J. 0. Wohlfarth am 
14. Juli 1873 in dem lichtgrünlich-grauen Felsittuff des Kohlberges entdeckt. 

Die Oberfläche der gegen 25 cm langen und 17 cm breiten Platte ist 
mit starken dachförmigen Erhebungen bedeckt, die sich mit einfacher oder 
zweifacher Gabelung unter sehr spitzen Winkeln, und zwar einseitig von 
einer rechts liegenden Hauptrippe aus, verzweigen. Jede derselben be- 
sitzt eine gerundete und fast glatte erhabene mittlere Kante, von welcher 
nach beiden Seiten hin ziemlich gleichmässige und fast parallele Seiten- 
falten unter spitzen Winkeln nach dem Rande der blattartigen Ausbreitungen 
verlaufen. Diese sind anfangs schwach gebogen und setzen dann fast geradlinig* 
bis an den Rand fort. Die sie trennenden Zwischenfurchen erscheinen glatt. 

Es lässt sich kaum annehmen, dass diese hohen, bis 5 cm breiten dach- 
förmigen Erhebungen mit ihren Seitenfalten eine blosse Gesteinsabsonde- 
rung sind, da diese Structur der Oberfläche schon in ca. 1,5 cm Tiefe im 
Gestein verschwindet und dort einer fast ebenen Fläche Platz macht.. 
Wollte man hierbei vielleicht an Wurmspuren denken, wie sie z. B. James 
Hall in der Palaeontology of New York, Vol. II. PI. 3 abbildet, so spricht 
gegen eine solche Deutung die steife Beschaffenheit und die wiederholte 
Gabelung der hier vorliegenden Verzweigungen. Viel näher liegt es, diesen 
Rest auf eine Pflanze zurückzulühren , deren systematische Stellung hier 
zu ermitteln ist. Wenn auch die regelmässigen Seitenfalten an den dach- 
förmigen blattartigen Erhebungen dieser Platte einigermassen an die Nerva- 
tion der Taeniopteriden oder an die Blattstellung mehrerer Lycopodiaceen 
erinnern, so sprechen doch alle übrigen Erscheinungen dagegen, diesen 
fraglichen Körper den Farnen oder Lycopodiaceen einzuverleiben und es 
würde nur in der Klasse der Algen ein Platz dafür sein. 

Zunächst nähern sich seine wellenförmig- und schiefgefalt^ten blatt- 
artigen Ausbreitungen dem Fucoides Agardhianus Brongn. (Hist, des Veg. 
foss. I. p. 79. PI. 6. Fig. 5. 6) aus tertiären Schichten des Monte Bolca 
bei Verona, welchen Schimper (Traite de Paleont. veg. I. p. 176. PI. 4. 
Fig. 10) zu Delesseria Lamx. stellt. 

Die Einfachheit des Blattes dieser Art kann kein Hinderniss bilden, 
unsere Pflanze mit ihren gabelnden Verzweigungen der Gattung Delesseria 
zuzurechnen, da unter anderen bei Delesseria Gasolana Schimper (Fu- 
coides Gasolanus Bgt.^ eine fiederspaltige Theilung des Blattes eintritt, 
und namentlich bei Delesserites sphaerocoecoides Ettingshausen (die mio- 
cäne Flora des Monte Promina, Wien, 1855. p. 8. Taf. 1. Fig. 1) und 
Sphaerococcites flahelliformis Ettingsh. (eb. p. 8. Taf. 1. Fig. 2. 3), welche 
beide Arten nach Schimper zu Delesseria gehören, durch die Art ihrer 
Gabelung eine Annäherung an unser Fossil ergeben. 

Uebrigens zeigt uns das Auftreten der letztgenannten Arten in der 
Flora des Monte Promina, dass die fossilen Delesserien nicht blos auf 
Meeresablagerungen beschränkt sind. Wenn dieser Körper daher über- 
haupt zu den Pflanzen gehört, so würde die Gattung Delesserites Stb. ihn 
aufnehmen können. Für eine Charakteristik der Art sind die einseitige (?) 
und wiederholte spitzwinkelige Gabelung der starken dachförmigen Rippen 
hervorzuheben, deren blattartigen Ausbreitungen wellenförmig gefaltet sind. 
Es ist indess nicht unmöglich, dass sich von der rechts gelegenen Haupt- 
rippe aus, die nur als Fragment vorhanden ist, auch nach der rechten 
Seite hin ähnliche Verzweigungen gebildet haben, wie dies sichtbar auf 
der vorliegenden Platte nach der linken Seite hin der Fall gewesen ist. 


86 


X. lieber die Fortschritte der geologischen Forschungen 

in Nordamerika. 

Von Dr. H. B. Geinitz. 

(Fortsetzung der Mittheilungen in Sitzungsberichten der Isis 1880. p. 59 — 75.) 


1. James Hall: Palaeontology of New York. VoL V. Part 11. 
Gasteropoda, Fteropoda and Ceplialopoda of the Upper Helderherg, Ha- 
milton, Fortage and Chemung Groups. Albany, N. Y., 1879. 4<^. 492 p. 
113 PL 

Es giebt wenige Forscher, welche die Wissenschaft in einer so nach- 
drücklichen Weise bereichert und gefördert haben, wie der Verfasser der 
Falaeontology of New York, Professor James Hall, Staatsgeolog von 
New York. Von diesem grossen, der von ihm geleiteten Geological Survey 
of the State of New York entsprossenen Werke liegen uns vor: 

Vol. I, enthaltend Beschreibungen und Abbildungen der organischen 
Reste der unteren Abtheilung des New York-Systems, dem Aequiva- 
lente der unteren Silurformation in Europa. Albany, 1847. 4®. 338 S. 
87 Tafeln.. 

Vol. II, enthaltend Beschreibungen und Abbildungen der organischen 
Reste der unteren und mittleren Abtheilung des New York-Systems, des 
theilweisen Aequivalentes der mittleren Silurformation Europas. Albany, 
1852. 40 . 362 S. 85 Taf. 

Vol. IV. Part I, enthaltend Beschreibungen und Abbildungen der 
fossilen Brachiopoden der Ober-Helderberg-, Hamilton-, Portage- und 
Chemung-Gruppen , welche in Amerika die Devonformation Europas ver- 
treten. Albany, 1867. 4o. 428 S. 63 Taf. 

Illustrations of Bevonian Fossils: Gasteropoda, Fteropoda, Cephalo- 
poda, Crustacea and Corals of the Upper Helderherg-, Hamilton- and Che- 
mung- Groups, als Vorläufer weiterer Veröffentlichungen der Palaeontologie 
von New York. Albany, 1876, 4®. 7 S. 74 Tafeln mit Gasteropoden, Ptero- 
poden und Cephalopoden, 23 Taf. mit Trilobiten und anderen Crustaceen, 
38 Taf. mit Korallen. 

Vol. V. Part II, enthaltend Beschreibungen und Abbildungen der 
allermeist in den „Illustrations of Devonian Fossils“ dargestellten Gastero- 
poden, Pteropoden und Cephalopoden, aber zum Theil in veränderter An- 
ordnung und sehr erweiterter Form. Albany, 1879. 4o. 492 S. 120 Taf. 

Von Gasteropoden treten uns hier entgegen: 

Flatyeeras Conrad (Orthonyehia Haiy 23 Arten, FlatystomaQiom. 14, 
Strophostylus Hall 2, Macrocheilus Phill. 4, Cyclonema Hall 6, Loxonema 
Phill. 19, Callonema n. gen. 3, Euomphalus Sow. (Straparollus Montp 8, 
Fleuronotus Hall 1 , Falaeotroehus Hall 1 , Turho L. 1 , Fleurotomaria 

Oes. Isis in Dresden, 1881. — Abb. 10. 


87 


Defr, 24, Murchisonia de Vern. 6, Beller ophon Montf. 24, CyrtoUtes Con- 
rad 2, Forcellia Lev. 2 Arten. 

Die Pteropoden sind vertreten durch: Tentaculites Schl. 6 Arten, 
Styliola Lesueur 5 , Coleoprion Sandb. 1 , Coleolus n. gen. 6 , Hyolithes 
Eichw. 6, Clathrocoelia n. gen. 1 und Conularia Mül. 6 Arten. 

Von Cephalopoden werden beschrieben: 

Orthoceras Breyn 68 Arten, Bactrites Sandb. 1, Gomphoceras Sow. 26, 
Cyrtoceras Goldf. und Gyroceras de Kon. 22, TrochocerasBsiTT. & Hall 10, 
Nautilus Breyn 13, Goniatites de Haan 20 Arten, die insgesammt durch 
ganz vorzügliche Abbildungen zur Anschauung gebracht werden. Sehr 
dankenswerth ist es, dass der Verfasser nicht allein genaue Diagnosen für 
Gattungen und Arten giebt, sondern bei den Pteropoden und Cephalo- 
poden auch die Geschichte der Gattungen und die Verbreitung ihrer Arten 
in den paläozoischen Formationen Nordamerikas übersichtlich zusammen- 
stellt. Im Allgemeinen ist, wie in allen Veröffentlichungen des unermüd- 
lichen Verfassers, ein enormer Fleiss auf die Bewältigung des massen- 
haften Materials verwendet worden, wodurch die Wissenschaft wiederum 
wesentlich gefördert wird. Sämmtliche Arten sind als für Amerika eigen- 
thümlich betrachtet, was im Allgemeinen der Fall ist, wenn auch einige 
Arten europäischer Formen ihnen sehr nahe treten, wie Goniatites Oweni 
Hall, p. 470—473. PL 73. Fig. 1 — 8; PL 74. Fig. 9. 10, dem Goniatites 
retrorsus v. Buch, einige Arten von Tentaculites, Styliola etc. 

Die Eingangs genannten „Illustrations of Bevonian Fossils‘‘, weiche 
im Voraus veröffentlicht worden sind, weisen schon jetzt eine grosse An- 
zahl an Trilobiten, Tai 1 — 21, aus den Gattungen Calymene, Homa- 
nolotus, Pliaeops, Balmanites, Acidaspis, Liclias, Proetus und Phillipsia, 
Arten von Bithyrocaris, Taf. 22 — 23, und von Korallen, Tai 1 — 39, nach, 
alle meisterhaft dargestellt, deren Beschreibungen man in einem späteren 
Bande der Palaeontology of New York wahrscheinlich bald entgegen- 
sehen darf. 


2. Thirtieth annual Report on the New York State Museum of Na- 
tural History by the Kegents of the University of the State of New York. 
Albany, 1879. 8®. 256 p. — Das unter Direction von Professor James 
Hall stehende Museum veröffentlicht in seinen Jahresberichten ausser den 
Specialberichten für die einzelnen naturwissenschaftlichen Zweige auch 
schätzbare monographische Abhandlungen, von welchen hier nur die aus 
dem Gebiete der Geologie hervorgehoben werden sollen: 

Bemerkungen über die Lithologie der Adirondacks von 
Alb. B. Leeds. Nach einigen Mittheilungen über die noch unzuläng- 
liche Erforschung der Adirondacks im nördlichen New York, von welchen 
noch ein grosser Theil als Wildniss bezeichnet wird, wendet sich Prof. 
Leeds insbesondere dem dort vorherrschenden ,, Norischen System“ zu, 
welchen Namen Sterry Hunt für das Ober-Lorenzische System (Upper 
Laurentian) empfohlen hat. Indem er unter Norit die Gebirgsarten zu- 
sammenfasst, in welchen Labrador oder andere trikline Feldspathe, so- 
genannte Anorthosite, vorherrschen, unterscheidet er wieder specieller: 
hypersthenische, amphibolische und pyroxenische Norite, anstatt Hyperit, 
Diorit und Dolerit, in welche die Norite übergehen mögen, von denen sie 
indess besonders durch ihre schichtenartige Structur verschieden sind. Die 
letztere mag den Verfasser verleitet haben, alle jene Norite für ursprünglich 


88 


sedimentäre metamorphisclie Producte zu halten, welche Entstehung er 
selbst den Doleriten zuerkennen möchte. 

J. W. Hall & R. Fritz Gaertner: über die Structur diQY Astraeo- 
spongia meniscus Rom., p. 111. PL 3, aus silurischen Schichten von West 
Tennessee. 

J. Hall, über die Gattung Flumalina, p. 255. PI. 4. Die in Devon- 
schichten des Staates New York entdeckten Arten von Flmnalina bilden 
einfache oder gabelnde Zweige, welche nach beiden Seiten hin mit gleich 
langen, schmalen, linearen, geraden Fiederchen dicht besetzt sind, die in 
einer Ebene liegen und an der Rhachis mehr oder weniger aufgerichtet 
sind. Sie erinnern zunächst an Lycopodiaceen und wurden deshalb auch 
von Dawson 1862 als Lycopodites Vanuxemi bezeichnet, nachdem sie 
B. F. Shumard schon 1855 als Filicites gracüis beschrieben hatte. Prof. 
J. Hall glaubt nähere Verwandtschaft dieser Formen in der Familie Flu- 
mularidae zu erkennen. 

Thirty-first annual Report of the New York State Museum of Natural 
History. 1879. 78 p. Enthält: C. D. Walcott, Bemerkungen über einige 
Durchschnitte von Trilobiten aus dem Trentonkalke, über Füsse von Tri- 
lobiten aus der Hudson river Gruppe von Cincinnati, Ohio und über Eier 
von Trilobiten, p. 61 — 67. PI. 1 , sowie Beschreibungen neuer Arten von 
Trilobiten, p. 68. 

R. Fritz Gaertner, Bemerkungen über Phlogopit, p. 72. 

3. James Hall: lieber die Beziehungen des Oneonta- oder Montrose- 
sandsteins Vanuxems zu den Sandsteinen der Cats Kill Mountains. 
(Science, a weekly Record of scientific Progress. Dec. 11. 1881. p. 290.) 

4. Museum of Comparative Zoology at Harvard College, Cambridge, 
Mass. 

Annual Report of the Curator, Alexander Agassi z. Cambridge, 
1 880. 8^. Es sind seit Begründung des berühmten Museums durch Louis 
Agassiz 20 Jahre vergangen. Seit dieser Zeit nimmt sein Gebäude, das 
uns das Titelblatt vorführt, einen mehr als dreifachen Raum ein und sieht 
einer noch bedeutenderen Erweiterung entgegen, worüber ein Plan bei- 
gefügt ist. Dem Museum stehen jetzt vor als Präsident: Charles W. 
Eliot, als Curator Alexander Agassiz, als Secretär J. D. Whitney 
und Theod. Ly man. Als Beamten fungiren ausser dem Curator: J. D. 
Whitney, Professor der Geologie, Hermann A. Hagen, Professor der 
Entomologie, N. S. Shaler, Professor der Paläontologie, Will James, 
Professor der Physiologie und vergleichenden Anatomie, Th. Ly man, 
Assistent für Zoologie, Ch. E. Hamlin, Assistent für Conchyliologie und 
Paläontologie, J. A. Allen, Assistent für Ornithologie, W. Faxen, Assi- 
stent im zoologischen Laboratorium, W, M. Davis jr., Assistent im geo- 
logischen Laboratorium, S. W. Gar man, Assistent für Herpetologie und 
Ichthyologie, E. L. Mark, Assistent im zoologischen Laboratorium, M. E. 
Wadsworth, Assistent für Lithologie, J. W. Fewkes für Radialen, 
P. Ro etter, Artist, Miss F. M. Slack, Bibliothekarin. 

. Leider hat das Museum durch den am 17. Juli 1880 erfolgten 
Tod des Grafen Louis F. de Pourtales, geb. am 4. März 1824 in 
Neuchätel, des Lieblingsschülers, treuen Freundes und Stellvertreters von 
Louis Agassiz und seines Nachfolgers Alexander Agassiz einen sehr 
schweren Verlust erlitten. Die biographische Skizze des Verewigten ist 
von Al. Agassiz in den Proceedings of the American Academy of Arts 
and Sciences, Cambridge, 1881, niedergelegt. Wir hatten die Freude, diesen 


89 


Pionnier für Tiefseeforschungen in Amerika (vergl. Sitzungsber. der Isis 
1874, p. 177 11 . f.) während seines wiederholten Aufenthaltes in Dresden 
oft in unserem Kreise zu sehen, welchem er seit dem Jahre 1870 als Mit- 
glied angehört hat. 

Die wissenschaftlichen Leistungen des Museums entsprechen dem be- 
währten Rufe der vorher genannten Mitarbeiter. Wir beschränken uns 
darauf, einige der neuesten Publicationen des Museums aus dem Gebiete 
der Geologie hervorzuheben: 

Memoirs of the Museum of Comp. Zoology, Vol. VI. I, Cambridge, 
1879/1880. 40 . J. D. Whitney, The auriferons Gravels of the Sierra Na- 
vada of California. 569 p. 

Die von Whitney geleitete Geological Survey of California, deren 
hochwichtige Resultate von ihm in der 1865 erschienenen Geology von 
Californien, Vol. I, zusammengestellt worden sind (vergl. Geinitz im Jahrb. 
f. Mineralogie 1866, p. 610 u. 741), hat durch Beschluss des gesetzgeben- 
den Körpers von Californien im Jahre 1874 eine unliebsame Sistirung er- 
fahren. Um so dankenswerther ist es, dass das Museum of Comparative 
Zoology at Harvard College dem verdienten Geologen Gelegenheit bot, 
seine reichen Erfahrungen über Californien weiter zu veröffentlichen. 

Cap. I dieses Werkes betrachtet einleitend im Allgemeinen die topogra- 
phischen und geologischen Verhältnisse Californiens, welche in dem oben 
bezeichneten ersten Bande der Geologie ausführlich geschildert worden sind. 

Cap. II behandelt speciell die tertiären und recenten goldführenden 
detritischen und vulkanischen Ablagerungen an dem westlichen Abhange 
der Sierra, deren Verbreitungsgebiete und Lagerungsverhältnisse, auch 
durch Karten und Profile erläutert werden. Einige Abbildungen ver- 
anschaulichen sowohl den hydraulischen Bergbau (hydraulic Mining) Taf. A 
und J, wie den Bergbau mittels Tunnels, der unter mächtigen basaltischen 
Lavadecken oder vulkanischen Tuffen nach den goldführenden Kiesen und 
anderen Sedimenten getrieben wird. (Taf. F und K.) 

Cap. III untersucht die Fossilien in den goldführenden Kiesen. Es 
kommen hier mikroskopische Organismen, fossile Pflanzen 
und thierische Reste in Betracht. Erstere, die als Infusorienlager 
zusammengefasst werden, haben zum Theil schon in Ehrenberg’s Mikro- 
geologie, 1854 und in anderen Schriften desselben*) das allgemeine In- 
teresse auf sich gezogen. 

Professor Whitney weist zahlreiche sogenannte Infusorienlager selbst 
in vulkanischen Gebieten nach und giebt für das Vorkommen von Dia- 
tomaceen an solchen Stellen eine naturgemässe Erklärung, welche selbst- 
verständlich die vulkanische Natur dieser Organismen gänzlich ausschliesst. 

Dje fossilen Pflanzen, welche Leo Lesquereux in einem be- 
sonderen Berichte beschrieben hat,**) weisen meist auf pliocäne Ab- 
lagerungen hin, während einige mit miocänen Formen nahe Verwandtschaft 
zeigen. (Jahrb. f. Min. 1878. p. 969.) 

Die t hierischen Reste in der „Auriferons Gravel Series‘^ waren 
bis jetzt ziemlich spärlich vorgekommen, da das „Hydraulic Mining“ 
ihrer Auffindung nicht günstig zu sein scheint. Sie gehören meist zu den 
Vertebraten, welche Dr. Leidy untersucht hat. Whitney hebt p. 239 u. f. 
von ihnen hervor: Bhinoeeros hesperius Leidy, Elotherium superlum Ldy., 


*) Ehrenberg, über die wachsende Kenntniss des unsichtbaren Lebens als fels- 
bildende Bacillarien in Californien, 1870. 

Memoirs of the Museum of Comp. Zoology, Vol. YI, Nr. 2. 


7 


90 


Felix imperialis Ldy., Canis sp., Bos latifrmis Ldy., Äuchenia californiea 
Ldy. , Cervus sp. , Mastodon americanns Cuv. am häufigsten vertreten, 
ferner Elephas cf. Columbi Falc., und Pferde, deren Reste nach jenen des 
Mastodon in Californien am gewöhnlichsten sind. 

Besonderes Interesse beanspruchen menschliche üeberreste und Kunst- 
producte in diesen Ablagerungen und unter ihnen namentlich ein mensch- 
licher Schädel von Calaveras County, ein Zeitgenosse des Mastodon, fos- 
siler Elephanten und anderer ausgestorbener Thiere in Californien, wel- 
cher Taf. I lebhaft vor Augen tritt und nach Ansicht von Whitney wohl 
ein miocänes Alter beansprucht. 

Im Cap. IV folgen theoretische Erörterungen über die Entstehung 
jener goldführenden Ablagerungen, die Verbreitung der detri tischen und 
vulkanischen Materialien an dem westlichen Abhange der Sierra Nevada, 
ihr geologisches Alter, den lithologischen Charakter und die Eigenthümlich- 
keiten des Kieses oder „Gravel“, die Gestaltung und Beschaffenheit ihres 
Untergrundes, den Ursprung des Goldes und seiner Vertheilung in dem 
,,Gravel“, die dasselbe begleitenden Erze und Mineralien. 

Es ist Thatsache, dass die Hauptquellen für das in den gravels vor- 
kommende Gold Quarzgänge sind, wiewohl man es auch in Gesteinen 
des Untergrundes ohne Quarz an trifft. Die Bildungsepoche der gold- 
führenden Quarzgänge fällt mit der Aufrichtung der Kette der Sierra und 
der Metamorphosirung ihrer Sedimentgesteine zusammen. Die granitische 
Axe der Kette, welche nach Schluss der Juraepoche emporgedrungen zu 
sein scheint, ist nicht der metallführende Theil der Sierra; die Metalle 
haben vielmehr ihren Sitz in den metamorphischen Schichten, welche den 
Granit begleiten und deren Metamorphosirung und Imprägnirung mit 
metallischen Bestandtheilen mit der später ein getretenen vulkanischen 
Thätigkeit in naher Beziehung stehen mag. 

Oekonomische Betrachtungen über die Gewinnung des Goldes bilden 
den Schluss. 

Als Appendix unter A sind noch Specialberichte über die ,,Gravel 
Mining Region“ von Californien, in Placer, Nevada, Yura, Sierra, Plumas 
und Butte Counties beigefügt, welche 1879 von W. H. Pettee untersucht 
wurden. 

Unter B eine Zusammenstellung der 1871 von W. A. Goodyear aus- 
geführten geologischen Untersuchungen und Erörterungen der mit der 
,,Gravel Question“, also jenen goldführenden Kiesablagerungen, in Be- 
ziehung stehenden allgemeinen Verhältnisse. 

Eine Ueber sicht der Höhenpunkte in der Region der goldführenden 
Gravels in der Sierra Nevada bildet den Schluss des ganzen Werkes, wel- 
ches übrigens von 24 Blättern mit Karten, Profilen und Ansichten (A — Y) 
und zwei grossen Karten begleitet wird, deren eine die Ausdehnung der 
Hydraulic Mining-Operationen in einem grossen Theile von Californien 
zeigt, während die andere eine Uebersicht über die Verbreitung der wich- 
tigsten goldführenden Kiesablagerungen zwischen dem Middle Fork of the 
American Biver und dem Yuba River gewährt. 

J. D. Whitney: The Climatic Changes of later Geological Times. 
(Mem. of the Mus. of Comp. Zool. Vol. VII. Nr. 2. Part 1.) Cambridge, 
1880. 40 . 120 p. — Diese wichtige, namentlich auf Beobachtungen in den 
Cordiller en Nordamerikas basirte Arbeit bildet einen Supplement zu der 
vorher besprochenen, mit welcher sie gleichzeitig entstanden ist. Sie be- 
handelt zunächst die Glacialerscheinungen und die Geologie der Oberfläche 


91 


an der pacifi sehen Küste. Einleitenden Bemerkungen über Gletscher- 
erscheinungen und Gletscherwirkungen überhaupt und die sich hierauf be- 
ziehenden üblichen Bezeichnungen führen den Verfasser auf die frühere 
Vergletscherung der Sierra Nevada, der Pacifischen Küste und der Cor- 
dilleren im Allgemeinen. Unter sorgfältiger Benutzung aller bei den ver- 
schiedenen, seit 20 Jahren in Nordamerika durchgeführten grossartigen 
Landesuntersuchungen gewonnenen Resultate gewinnt er hier dasjenige 
umfassende Vergleichmaterial mit anderen Welttheilen, welches zu er- 
langen und zu bewältigen vor langer Zeit schon das Streben des ver- 
ewigten Louis Agassiz gewesen war. (Jahrb. f. Min. 1867. p. 676.) 

Bei allen Erörterungen hierüber treten die reichen Erfahrungen, so- 
wie der umsichtige und vorurtheilsfreie Blick des Professor Whitney in 
anerkennenswerther Weise hervor. Es ist sicher, spricht er p. 3 selbst 
aus, dass unter den Geologen in den letzten Jahren eine entschiedene 
Neigung vorgeherrscht hat, die Wichtigkeit der Gletscherwirkungen zu 
überschätzen. In den ersten Stadien geologischer Discussionen wurde die 
Thätigkeit der Oceane als Hauptfactor betrachtet, dann kam das Eis auf 
die Tagesordnung und erst in der neuesten Zeit wurden Regen- und Fluss- 
wirkungen als wichtige Agentien für Bildung, Fortführung und Absetzung 
zertrümmerter oder detritischer Materialien anerkannt. Das Studium des 
„gravels“ der Sierra Nevada weist unverkennbar auf die grosse geologische 
Thätigkeit der Flüsse hin, während die spätere Thätigkeit der Gletscher, 
welche die grosse californische Kette einst bedeckten, nur eine unter- 
geordnete Rolle als geologisches Agens gespielt hat. 

Dem zweiten Kapitel der Schrift: the desiccation of later geological 
times liefert den Nachweis, wie sich der Wassergehalt der Atmosphäre, 
der Seen und Flüsse an der westlichen Seite des nordamerikanischen Con- 
tinents allmählich verringert und welchen Einfluss dies Verhältniss auf die 
klimatischen Verhältnisse ausgeübt hat. Es sollen noch weitere Erörter- 
ungen über diese Verhältnisse folgen. 


5. Bulletin of the Museum of Comparative Zoology at Harvard Col- 
lege. 8^. Vol. VII. Cambridge, 1880. Bemerkungen über die Geo- 
logie der Eisen- und Kupferdistr icte des Lake Superior. Von 
M. E. Wads wort h. 157 p. 6 PI. — Die Literatur über diesen geo- 
logisch interessanten und technisch so wichtigen Landstrich ist eine sehr 
reiche, wie man aus der p. 133 — 157 gegebenen üebersicht der verschie- 
denen Schriften ersieht, welche die Geologie, Mineralogie und physika- 
lische Geographie des Lake Superior behandeln. Die wichtigsten derselben 
und die darin entwickelten, von einander oft sehr abweichenden Ansichten 
über die Natur und das Alter der dort vorherrschenden Gebirgsarten und 
die Herkunft der massenhaft vorkommenden Eisenerze und enormen 
Massen gediegenen Kupfers und Silbers werden von dem Verfasser kritisch 
beleuchtet. Er schliesst seine Ansichten am nächsten jenen von Foster 
und Whitney an, welche in verschiedenen Berichten derselben 1849 bis 
1861 veröffentlicht worden sind. Hiernach sind die dortigen Eisenerze 
nicht in den Schiefern eingelagert, sondern vielmehr mit den sie beglei- 
tenden Jaspiskluftausfüllungen verbunden, die einen eruptiven Ursprung 
haben. Die Ablagerungen des Kupfers, dessen Ursprung noch in Dunkel 
gehüllt ist, sind aus wässerigen Lösungen hervor gegangen. Wahrschein- 
lich -werden aber auch dieser jüngsten Schrift noch manche andere über 
dieselben Fragen nachfolgen. 


7 * 


92 


Mit „Treliminary Beport on the Echini^‘ beginnt Alexander Agassiz 
(Bulletin Vol. VIII. Nr. 2) die Veröffentlichung von Berichten über die Re- 
sultate der unter seiner Leitung im Carribischen Meere 1878 — 79 und 
längs der Atlantischen Küste der Vereinigten Staaten während des Som- 
mers 1880 ausgeführten Forschungen. 

C. D. Walcott: The Trilobite, netv and old evidence relating to its 
organimtion. (Bulletin, Vol. VIII. Nr. 10.) Cambridge, 1881, p. 191 — 224. 
PI. 1—6. 

Zum ersten Male wurden 1870 durch E. Billings deutliche, geglie- 
derte Füsse an einem Asaplviis platycephalns Stockes aus dem Trenton- 
kalke von Ottowa nachgewiesen (Jahrb. f. Min. 1871. 545), 1873 beschrieb 
V. Eichwald im Jahrb. f. Min. p. 1. Taf. 1 einen gegliederten Trilobiten- 
fuss und einen Trilobitenfühler aus Esthland, im October 1873 wurde die 
Aufmerksamkeit von Louis Agassiz wieder auf die Füsse des Asaphus 
platycephaliis gerichtet, worauf Walcott diesen Gegenstand sieben Jahre 
lang eitrigst verfolgt hat. (Vergl. Jahrb. f. Min. 1877. 558 und 1879. 199.) 
Seine Untersuchungen an 3.500 vollständigen und 2.200 sich zu Durch- 
schnitten eignenden Trilobiten sind nun abgeschlossen und die Existenz 
von gegliederten Füssen an vielen Trilobiten kann nicht mehr bezweifelt 
werden, wie man dies nach den umfassenden und gediegenen Monographien 
über Trilobiten von Burmeister, Barrande u. A. zu thun berechtigt war. 

In Folge dessen sind aber die Trilobiten nicht mehr als Blattfüsser 
oder Bhyllopoden aufzufassen, sondern als Arthropoden. Ihre systematische 
Stellung ist nach Walcott folgende: 

Arthropoda. 

Klasse Poecilopoda. 

Unterklasse Merostomata. Unterklasse Palaeadae. 

Ordnung Xiphosura. Ordnung Trilohita. 

Ordnung Enrypterida. 

Für jede dieser Unterklassen und Ordnungen wird eine genaue Diagnose 
aufgestellt. Bei den Trilobiten ist besonders hervorzuheben: 

„Cephalic limbs serving as mouth Organs“, demnach Kaufüsse 
oder accessorische Mundtheile Burmeister’s, und: 

„Thoracic segments bearing jointed legs and attached branchiae“, 
oder: Rumpfglieder mit gegliederten Beinen und ansitzenden Kie- 
men; endlich: 

Alle Segmente sind mit Anhängseln (appendages) versehen. — 

H. A. Hagen: The Bevonian Insects of New Brunswick. (Bull. 
Vol. VIII. Nr. 14. Cambridge, 1881. p. 275 — 284.) — Dr. Hagen be- 
spricht hier die in Sitzungsber. der Isis 1880, p. 74 erwähnte Arbeit von 
Sam. Scudder über die devonischen Insecten von New-Brunswick, indem 
er bei Untersuchung derselben zu Schlüssen gelangt ist, welche von den- 
jenigen des genannten Autor sehr abweichen. 

6. Einige andere Schriften von Sam. H. Scudder über fossile In- 
secten, welche in unserem letzten Berichte noch nicht mit erwähnt werden 
konnten, sind folgende: 

Sam. H. Scudder: über die ersten in amerikanischen Tertiär- 
schichten entdeckten Spuren fossiler Insecten und Beschreibung von zwei 
Arten Carabiden aus interglacialen Ablagerungen von Scarboro’ Heights 
bei Torento, Canada. Washington, Aug. 15. 1877. 8^. p. 741 — 764. 


93 


Beiträge zur Insecten -Fauna der Tertiärschichten von Quesnel in 
British-Columbia. (Keport of Progress, 1876 — 77, Geol. Surv. of Ca- 
nada.) 8^. 8 p. 

Insecten aus den Tertiärschichten der Nicola- und Similkameen-Flüsse 
in Britisch- Columbien. (Rep. of Progr., 1877 — 78, Geol. Surv. of Ca- 
nada. 8®. 11 p.) 

The Tertiary Lake Basin of Flmissant, Colorado. (Hayden’s Bulle- 
tin of the U. S. Geolog, a. Geogr. Survey, Vol. VI. Nr. 2. p. 279—300. 
Mit Kartenskizze.) Hier wird ein grosser Reichthum an fossilen Insecten 
nachgewiesen, welcher besonders mit Oeningen verglichen wird. 


7. J. W. Dawson: Palaeontological Notes. (The Canadian Natura- 
list, Vol. X. Nr. 1. 8®. 11 p.) Eine neue Art von Piloceras Salter aus 
untersilurischem kalkigem Sandstein bei Lachute hat wegen des sehr 
weiten Siphos, dessen Ausfüllung einem zusammengedrückten Kegel gleicht, 
in welchen sich eine kegelförmige Höhle einsenkt, den Namen PI. amplum 
erhalten. 

Aus devonischen Schichten von Sandusky wird ein nur 1 mm grosser 
kugeliger Rhizopode als Sacammina? (Galcisphaera) Erana Daws. be- 
schrieben, in dessen körnig-kalkige Wandung sich eine Oeffnung einsenkt. 

Als neue devonische Pflanzen aus dem Bay von Chaleur beschreibt 
Dawson: Arehaeopteris Gaspimsis Daws., Cyclopteris obUisa Lesq. und 
Cycl. Browni Dawson. 

8. Dr. C. A. White giebt in diom American Naturalist, April, 1880, 
p. 273 eine üebersicht über den Fortschritt der Invertebraten- 
Palaeontologie in den Vereinigten Staaten für das Jahr 1880. 

9. Die Kenntniss der fossilen Vertebraten ist wiederum durch 
Professor 0. C. Marsh mächtig gefördert worden, von welchem hier drei 
Abhandlungen vorliegen : 

0. C. Marsh, über das Sternum bei den Dinosauriern. (Americ. 
Journ. Vol. XIX. May, 1880, p. 395. PI. 18.) 

lieber jurassische Säugethier e als Repräsentanten von zwei neuen 
Ordnungen. (Amer. Journ. Sept. 1880. Vol. XX. p. 235.) 

Die Hauptcharaktere der Amerikanischen jurassischen Dinosaurier. 
(Amer. Journ. Febr. 1881. Vol. XXL p. 167. PI. 6—8.) 

lieber eine neue Ordnung ausgestorbener jurassischer Reptilien 
(Coeluria). (Amer. Journ. 1881. Vol. XXL p. 339. PL 10.) 

Entdeckung eines fossilen Vogels in jurassischen Schichten von Wyo- 
ming, Laopteryx prisoiis. (Ebenda, p. 341.) 

lieber amerikanische Pterodactylen. (Ebenda, p. 342.) 

Die amerikanischen jurassischen Dinosaurier. (Amer. Journ. Vol. XXL 
p. 417. PL 12—18.) 

Neue jurassische Säugethiere. (Ebenda, p. 511.) 

Restauration des Dinocerus mirahile. (Amer. Journ. 1881. Vol. XXII. 
p. 31. PL 2.) 

10. Professor E. D. Cope in Philadelphia entwickelt wie früher eine 
ausserordentliche Thätigkeit. Die von ihm neuerdings erschienenen Ab- 
handlungen sind: 

TheBodentia of the American Miocene. (American Naturalist, July, 1881.) 

On the Effect of impacts and straims on the Feet of Mammalia, (Amer. 

Nat. July, 1881.) 


94 


The Temporary Dentition of a new Creodont; and a Laramie Saurian 
in the Eocene. (Amer. Nat., August, 1881.) 

On some Mammalia of the lowest Eocene heds of New Mexico. (Fa- 
laeont. Bulletin, Nr. 33. Amer. Phil. Soc. Sept. 17. 1881.) 

On the Canidae of the Loup Forh Epoch. (Hayden’s Bull, of the U. 
St. Geol. a Geogr. Surv. Vol. VI. Nr. 2.) 

Beview of the Bodentia of the Miocene Period of North America. 
(Hayden’s Bull. Vol. IV. Nr. 4.) 

Die Arten des amerikanischen Mioeän, mit Einschluss der Loup Fork 
Gruppe, vertheilen sich wie folgt: 


Hystricomorpha. 
Hystricidae. 
Hystrix Ij. ... 
Sciniomorpha, 
Mylagaididae. 
Mylagaidus Cope . 
Farn.? 

Heliscomys Cope 
Castoridae. 
Eucastor Leidy . 

Castor L 

Isehyromyidae. 
Ischyromns Leidy 
Sci'uridae. 
Meniscomys Cope 
Gymnoptychus Cope 
Scinriis L. ... 

M y o m 0 r p h a. 
Muridae. 

E'iimys Leidy . . 

Ilespero7nys Waterh. 
Paeicidus Cope . . 

Geo^nyidae. 
Pleiiroliciis Cope 
Entoptyclms Cope . 
Lagomorpha. 
Leporidae. 

Palaeolagus Leidy . 
Pa^iolax Cope . . 

Lepus L 


White 

River. 


Truckee. 


Loup 

Fork. 

1 


11. Der (Sitzungsber. 1880, p. 61) erwähnte Vol. V. des Bulletin of 
the United States Geological and Geographical Survey of the Territories, 
welchen Dr. F. V. Hayden veröffentlicht hat, schliesst in der Ende des 
Jahres 1880 erschienenen Nr. 4 mit einer sehr vollständigen Bibliographie 
der amerikanischen Ornithologie ab, welche die Seiten 521 — 1072 erfüllt. 

Vol. VI dieser wichtigen Bulletins, deren ersten Hefte im Jahre 1874 
erschienen sind, wird vorbereitet. 

12. Dem vorjährigen Berichte von Fug. W. Hilgard, Professor 
der Agricultur und Botanik an der Universität von Californien (Sitzungsb. 
1880, p. 67) schliesst sich ein ähnlicher Report für das Jahr 1880 (üni- 
versity of California, College of Agriculture, Sacramento, 1881) an, weh 


95 


eher die Fortschritte in der agronomischen Untersuchung des Staates 
bezeichnet. 

13. In geologischer Beziehung haben ferner John J. Stevenson, 
Professor der Geologie an der Universität der City of New York über 
einige noch wenig gekannte Gegenden Yirginiens einen schätzbaren Bei- 
trag geliefert: Ä geological Beconnaissance of Barts of Lee, Wise, Seoft 
and Washington Counties, Va. (Proc. of the American Philos. Soc. Jan. 
1881. p. 219—262.) xYuf der von ihm beigefügten Karte werden Coal 
Measures (Steinkohlenablagerung), Quinnimount- Gruppe, Unter -Carbon, 
Devon, Ober- und Unter-Silur unterschieden und es werden die Lagerungs- 
verhältnisse durch zahlreiche Profile im Text bildlich und schriftlich er- 
läutert. 

14. Das Ihnen Allen rühmlichst bekannte American Journal of 
Science and arts von James D. Dana, E. S. Dana und B. Silliman, 
welches zuerst das wissenschaftliche Leben in Amerika erregt und bis 
jetzt auf das Wesentlichste gefördert hat, enthält wie in allen früheren 
Jahrgängen namentlich auch sehr schätzbare mineralogische Abhandlungen, 
unter denen hier nur liervorgehoben werden sollen: 

G. W. Ha wes, über flüssige Kohlensäure im Rauchtopas (Vol. XXL 
p. 203) und über die gasartigen Substanzen in dem Rauchtopas von 
Branchville, Conn. (Vol. XXL p. 209.*) 

G. J. Brush, über amerikanische Schwefel -Selen -Quecksilber mit 
Analysen des Onofrit von Utah. (Vol. XXL p. 312.) 

B. Silliman, über Türkis von New Mexico. (Vol. XXII. p. 67.) 

E. S. Dana, über smaragdgrünen Spodumen von Alexander County, 
N. Carolina (Vol. XXII. p. 179) und Mineralogische Notizen von B. Sil li - 
man (Vol. XXII. p. 198), die sich auf Vanadinit und andere Vanadate, 
Wulfenit, Krokoit, Vauquelinit u. s. w. von Arizona beziehen. 

Unter den geologischen Abhandlungen der letzten Bände lenken 
vor Allem die Feststellungen von J. D. Dana, Geological Relations of 
the Limestone Belts of Weichester County, New York, die Aufmerksam- 
keit auf sich. (Vergl. Vol. XX. p. 21, 194, 359, 450, Vol. XXL p. 425, 
Vol. XXII. p. 103.), 

15. In der in den letzten Tagen erschienenen Geology of North Ca- 
rolina, Raleigh, 1881, wird im Cap. I die Mineralogie des Staates durch 
F. A. Genth und W. C. Kerr ausführlich behandelt und das Vorkommen 
von 178 verschiedenen Mineralien nachgewiesen. 

Es sind folgende Arten: Gold, Silber, Platin, Palladium, Kupfer, 
Eisen, Blei, Antimon, Schwefel, Diamant, Graphit; Wismuthglanz, Tetra- 
dymit, Molybdänglanz, Silberglanz, Bleiglanz, Altait, Bornit, Zinkblende, 
Kupferglanz, Troilit, Magnetkies, Schreibersit , Pyrit, Kupferkies, Barn- 
hardtit, Markasit, Arseneisen, Arsenkies, Nagyagit, Kovellit; Proustit, 
Nadelerz oder Aikinit, Tetraedrit; Steinsalz oder Halit, Hornsilber oder 
Kerargyrit, Eisenchlorid im Meteoreisen; Flussspath, Yttrocerit; Roth- 
kupfererz, Kupferschwärze , Korund, Haematit, Titaneisenerz oder Me- 
naccanit, Spinell, Gahnit, Magnetit, Chromit, Uranpecherz, Rutil, Anatas, 
Brookit, Pyrolusit, Braunit, Hausmannit, Diaspor, Göthit, Brauneisenerz, 
Gummit, Psilomelan, Wad, Senarmontit, Wismuthocker oder Bismit, Mo- 


’*') lieber die Methoden zur Untersuchung von Kohlensäure. (Vergl. Al. A. Julien, 
on the Examination of Carbon Dioxide in the Iluid Cavities of Topaz. Journal of the 
American Chemical Society, Vol. III. p. 1 — 12.) 


96 


lybdänocker oder Molybdit, Quarz, Opal; Enstatit, Pyroxen, Spodumen, 
Amphibol, Smaragdit, Arfvedsonit, Krokydolith, Beryll, Chrysolith, Granat, 
Zirkon, Vesuvian, Epidot, Allanit, Zoisit, Phlogopit, Biotit, Muskovit, 
Labrador, Andesit, Oligoklas, Albit, Orthoklas, Turmalin, Fibrolith, Cyanit, 
Topas, Euklas, Titanit, Staurolith; Kupfergrün oder Chrysocolla, Kiesel- 
zink, Talk, Pyrophyllit, Stilpnomelan , Glaukonit, Serpentin, Deweylit, 
Kerolith, Genthit, Kaolin,’ Saponit, Halloysit, Pinit, Margarodit, Para- 
gonit, Damourit, Culsageeit, Kerrit, Maconit, Pennin, Prochlorit, Chlori- 
toid, Willcoxit, Margarit, Dudleyit, Uranotil, Uranocker, Zippeit; Py- 
rochlor, Hatchettolith, Tantalit, Columbit, Yttrotantalit, Samarskit, Euxe- 
nit, Aeschynit, Rutherfordit, Fergusonit, Rogersit; Ytterspath oder Xeno- 
tim, Apatit, Pyromorphit, Monazit, Vivianit , Olivenit, Pseudomalachit, 
Lazulith, Skorodit, Wavellit, Pharmakosiderit , Dufrenit, Phospuranylit, 
Autunit, Salpeter; Wolframit, Rhombisches Wolframiat oder „Rhombic 
Tungstate of Lime“, Scheelit, Cuproscheelit , Stolzit; Baryt, Anglesit, 
Bleichromat oder Krokoit, Eisenvitriol oder Melanterit, Zinkvitriol oder Gos- 
larit, Kupfervitriol oder Chalkanthit, Alunogen, Jarosit, Montanit; Calcit, 
Dolomit, Magnesit, Siderit, Rhodochrosit, Cerussit , Malachit , Azurit, Bis- 
mutit; Anthracit, Steinkohle, Lignit und Succinit. 


97 


XI. Ueber das Vorkommen cenomaner Versteinerungen 

bei Dohna. " 

Von Dr. J. V. Deiolimüller. 


Schon seit längerer Zeit sind die Lagerungsverhältnisse der Quader- 
und Plänerschichten der Gegend um Dohna durch die Arbeiten von Geinitz 
und von Naumann und Cotta hei Aufnahme der älteren geologischen 
Karte von Sachsen bekannt, doch galten diese Schichten bisher für ver- 
hältnissmässig arm an Fossilien, da nur an sehr wenigen Orten zum Sam- 
meln derselben Gelegenheit geboten war. Einige in neuerer Zeit hinzu- 
gekommene Aufschlüsse haben jedoch gezeigt, dass sich auch hier dem Sammler 
ein reiches Feld der Ausbeute darbietet und dass einzelne Fundorte recht 
wohl den wegen ihres Reichthums an Petrefacten schon lange bekannten 
und noch immer ausgiebigen cenomanen Plänern des Plauenschen Grundes 
bei Dresden und Gamighügels bei Leubnitz ebenbürtig zur Seite gestellt 
werden können. Die erste Nachricht von dem Vorkommen zahlreicher 
cenomaner Versteinerungen in dortiger Gegend verdanke ich Herrn Gym- 
nasiast Lange aus Dohna, der mir von dort einige Arten zur Bestimmung 
brachte, die aus dem unteren Quader Sachsens noch nicht oder nur als 
Seltenheiten bekannt waren und die mich veranlassten, der dortigen Ge- 
gend eine grössere Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Resultate mehrerer 
zum Theil mit Herrn Geh. Hofrath Geinitz dahin unternommener Ausflüge 
sollen im Folgenden in aller Kürze niedergelegt werden. 

Die tiefsten Schichten unseres Quadergebirges, der cenomane untere 
Quader, sind in einem schon seit langer Zeit betriebenen Bruche hinter 
der Brandmühle bei Dohna aufgeschlossen, wo die circa 3 m mächtige 
Werkbank einen ziemlich festen, feinkörnigen, glimmerhaltigen Sandstein 
liefert, der zu verschiedenen baulichen Zwecken Verwendung findet. Ver- 
steinerungen sind hier ziemlich selten und um so schwieriger zu sammeln, 
da der Bruchbetrieb sehr eingeschränkt ist, doch fanden sich: 

CaUianassa antiqua Otto, Ostrea carinata Lam., 

Inoceramus striatus Mant., Catopygm Älhensis Gein., 

?Pecten elongatus Lam., Pygurus Pampas de la Beche, 

— decemcostatus Mün., Spongia Saxonica Gein., 

Spondylus Hystrix Gold., Kechia annulata Glocker, 

von denen einige Arten wegen ihrer Seltenheit im sächsischen Quader 
interessant sind. Ueber lagert wird dieser Quadersandstein von einer 60 cm 
mächtigen Schicht eines lockeren Quarzconglomerates, dessen bis zu 12 mm 
grosse Körner durch ein thonig-mergeliges Zwischenmittel gebunden sind 
und das stellenweise rein thonige Ausscheidungen zeigt. Ueber diesem 

Qss. Isis in Dresden , 1881, — Abh. 11. 


98 


ruht in einer Stärke von 1,5 m ein sehr festes eisenschüssiges Quarz - 
conglomerat, welches die Grenze zwischen unterem Quader und unterem 
Pläner bildet, der in einer Mächtigkeit von ungefähr 6 m darüber ab- 
gelagert ist. Dieser tritt hier als glaukonitischer Plänersandstein auf, der 
in seinen tieferen Schichten in dicken Platten abgesondert, nach oben hin 
dünnplattig und stark zersetzt ist, und in dem bis jetzt noch keine hos- 
silien gefunden worden sind. Ueberdeckt werden diese Pläner von Ab- 
lagerungen viel jüngeren Alters, diluvialem Schotter mit zahlreichen Pläner- 
sandsteinfragmenten und Lehm in einer Mächtigkeit von circa 3 m. Die 
Plänerschichten fallen in diesem Bruche unter 5^ nach NO., dem Elb- 
thale zu, ein und werden in ihrer Fortsetzung zu Anfang des Müglitz- 
thales von mittlerem Pläner mit Inoceramiis lahiaUis Schl. sp. überlagert, 
der eine hohe Wand längs des nördlichen Thalgehänges bis in die Nähe 
der Brandmühle bildet. 

Dieselben Lagerungsverhältnisse des unteren Pläners sind in einem 
verlassenen Bruche nördlich von Dohna zwischen dem von dieser Stadt 
nach Lockwitz führenden Fahrwege und dem vom Rittergute Gamig herab- 
fliessenden Gamiger Wasser, einige hundert Schritte seitwärts der Chaussee 
im Müglitzthale, zu beobachten. Der untere Quader wird in diesem Bruche 
nicht mehr anstehend gefunden, scheint aber auch hier, nach den auf der 
Halde herumliegenden üeberresten zu urtheilen, früher abgebaut und nur 
durch den im oberen Theile des Bruches gewonnenen Abraum verschüttet 
zu sein. Als tiefstes anstehendes Glied tritt dasselbe lockere, thonige 
Quarzconglomerat auf, welches an der Brandmühle den unteren Quader 
direct überlagert. Durch Zurücktreten der Quarzkörner und Vorherrschen 
des thonigen Bindemittels geht dasselbe in einen sandigen, viele Kohlen- 
brocken führenden und stellenweise selbst in einen reinen, giimmer reichen, 
an der Luft leicht zerfallenden grauen Schielerthon über, der sich in 
dünne, unebene Platten spalten lässt und dann auf seinen Ablösungs- 
flächen zahlreiche, wenn auch nur äusserst selten näher bestimmbare 
Pflanzenreste führt. Mit Sicherheit liessen sich nur drei Arten erkennen: 

Credneria cimeifolia Br., Frenelites BeicM Ett., 

Profeoides longus Pleer, 

über die ich zum Schluss noch einige Bemerkungen hinzufügen möchte. 
Die nur etwa 10 cm starke Schieferthonschicht wird überlagert von einem 
dem Quader sehr ähnlichen Plänersandstein, der nach oben hin zahlreiche, 
unter einander zusammenhängende linsenförmige Höhlungen zeigt, die mit 
feinem Sande ausgelüllt sind, sehr ähnlich dem Vorkommen des durch 
seinen Reich thum an Serptda gordialis Schl. (S. plexus Sow.^ bekannten 
Sande von Bannewitz, der dem dortigen unteren Quadersandstein auf- 
gelagert ist, doch war hier trotz angestrengten Suchens keine Spur einer 
Serpula zu entdecken. An seiner oberen Grenze geht der Sandstein in 
ein sehr festes Quarzconglomerat über, das auch hier von unterem Pläner 
in einer Mächtigkeit von 5 — 6 m überlagert wird. Der an einzelnen 
Stellen sehr kieselsäurereiche und dann sehr harte Plänersandstein, der 
durch dünnmergelige Zwischenlagen in mehrere Bänke gesondert wird, 
führt : 

Serpula septemsulcata Reich., Vola notahUis Mün. sp., 

Inoceramus striatus Mant., BhyncJionella compressa Lam. 

Die jüngsten Ablagerungen gehören auch hier dem Quartär an und 
sind wie an der Brandmühle durch diluvialen Schotter mit vielen Frag- 
menten von Plänersandstein vertreten. 


99 


Dass der untere Quader in der Nähe der Brandmühle dem Granit 
direct aufgelagert ist, kann in dem aufgelassenen Bruche auf dem rechten 
Müglitzufer, dem Chausseehaus gegenüber, beobachtet werden, wo der- 
selbe in der linken Ecke des Bruches noch ansteht und nach oben hin in 
conglomeratartigen Sandstein und zuletzt in reines Quarzconglomerat über- 
geht, neben welchem hier eine ausserordentlich feste Muschelbreccie auf- 
tritt, die aus zahlreichen Schalen von Ostreen besteht. In dem darüber 
abgelagerten plattenförmig abgesonderten Plänersandstein fanden sich: 


Belemnitella plena Blainv., 
Inoceramus striatm Mant., 

? Beeten Bhotomagensis d’Orb., 
Vota notabilis Mün. sp., 
Ostrea carinata Lam., 


Ostr, (Exogyra) eolumha Lam., 
EhynchoneUa compressa Lam., 
Cupulospongia infundibuliformis 
Goldf. sp. 


Die an den genannten drei Orten auftretenden conglomeratartigen 
Grenzschichten zwischen unterem Quader und unterem Pläner lassen sich 
fast ununterbrochen unter der Stadt Dohna hinweg bis an den südwest- 
lichen Fuss des Kahlbusches verfolgen. In der Stadt selbst treten sie an 
der Stelle auf, wo der Fussweg von der vom Markt ins Thal führenden 
Fahrstrasse abzweigt und überlagern auch dort den unteren Quadersand- 
stein, der, wie ich einer freundlichen Mittheilung des Herrn Geh. Hofrath 
Geinitz verdanke, früher dicht dabei in einem Bruche gewonnen wurde, 
der jetzt aber ausgefüllt und zu Gartenanlagen benutzt ist. Am südwest- 
lichen Fusse des Kahlbusches, am Wege nach Grosssedlitz, den letzten 
Häusern von Dohna gegenüber, stehen dieselben Schichten ziemlich mächtig 
an, in den tieferen Lagen reich an stark zersetzten Granit- und Porphyr- 
brocken, in den oberen viele abgerollte, bis kopfgrosse Granit- und Por- 
phyrgeschiebe enthaltend und durch eine Plänermergelschicht vom Pläner- 
sandstein getrennt, aus dem mir von dieser Stelle 


Belenmitella plena Blainv., 
Opis bicornis Gein., 

Vota quinquecostata Sow. sp., 
bekannt sind. 


Ostrea Hippopodium Nilss., 
Cribrospongia subreticulata Mün, sp., 
SipJionia piriformis Goldf. 


Etwas abweichende Beschaffenheit zeigen die cenomanen Pläner am 
Kahlbusch. Der dortige, dem Dobritzer verwandte Porphyr ist in schönen, 
zum Theil gebogenen Säulen abgesondert, die in dem Bruche fächerförmig 
angeordnet sind und deutliche Fluidalstructur zeigen. In Spalten dieses 
Porphyrs ist ein sehr festes, zahlreiche Porphyrgeschiebe enthaltendes Con- 
glomerat eingplagert, das ganz dem an Syenitgeröllen reichen gleicht, 
welches auf den Höhen des Plauenschen Grundes bei Koschütz die Grenze 
zwischen unterem Quader und Pläner bildet und dem am Fusse des Berges 
und anderen Orten bei Dohna auftretendem Quarzconglomerat entspricht. 
Neben diesen sind auch mergelige Schichten eingelagert, die wie am hohen 
Stein bei Plauen zahlreiche Schwämme enthalten oder wie am Gamig- 
hügel bei Leubnitz ein Haufwerk von Schalen der Exogyra sigmoidea Rss. 
und Jialiotoidea Sow. darstellen, die zu Hunderten auf der Halde auf- 
gelesen werden können, wo sie der Regen aus dem mergeligen Gesteine 
herausgewaschen hat. Dazwischen finden sich zahlreiche andere Arten und 
sind mir von dieser, der versteinerungsreichsten Localität bei Dohna, schon 
43 Arten bekannt, die bis auf sehr wenige bereits aus den cenomanen 
Plänern bei Plauen und Koschütz und anderen Orten bekannt und in; 
„Geinitz, Elbthalgebirge I.“ beschrieben worden sind. 


100 


Es fanden sich dort: 

Pycnodus scrohimlatus Rss., 
Lamna rapJiiodon Ag., 

Oxyrhina angustidens Rss., 
Serpula conjuncta Gein., 

— gordialis Schl., 

? Turbo Eaulini d’Arch., 
Fleurotomaria Geinit^i ‘d’Orb., 
Spondylus striatus Sow. sp., 
Ostrea carinata Lam., 
diluviana L., 
Hippopodium Nilss., 

Ostr. (Exogyra) lateralis Nilss., 
sigmoidea Rss., 
haliotoidea Sow., 
Badiolites Saxoniae Rom., 
Bhynchonella compressa Lam., 
Terebratula phaseolina Lam., 
Terebratulina striatula Mant., 
Cidaris vesiculosa Goldf., 

— Sorigneti Des., 

Oreaster thoracifer Gein., 
Stellaster Blauensis Gein., 
Pentacrinus lanceolatus Rom., 


Synhelia gibbosa Mün. sp., 

? Thamnastraea conferta M. Edw. 

u. H., 

Isis tenuistriata Rss., 
Stichobothrion foveolatum Rss., 
Hippothoa brems Rss., 
Membranipora dilatata Rss., 
Diastopora Oceani d’Orb., 
Meliceritites gracilis Gold., 
Ceriopora micropora Goldf., 
Polyphragma cribrosum Rss., 
Flabellina sp., 

Cribrospongia isopleura Rss. sp., 
Amorphospongia vola Mich., 
Stellispongia Plauensis Gein., 
Forospongia ( Verrucospongia) 
sparsa Rss. sp., 

Epitheles tetragona Goldf., 
Chenendopora undulata Mich., 
Elasmostoma Normannianum 
d’Orb., 

— consobrinum d’Orb., 
Siphonia piriformis Goldf. 


Ihre Zahl wird voraussichtlich durch fortgesetztes Sammeln noch be- 
deutend vermehrt werden und verspricht diese Localität eine reiche Fund- 
stätte cenomaner Versteinerungen zu werden. 

Unter den im Vorhergehenden genannten 64 Arten aus den cenomanen 
Ablagerungen bei Dohna nehmen einige wegen ihrer Seltenheit im Quader- 
gehirge Sachsens ein grösseres Interesse in Anspruch. Die im unteren 
Quadersandstein an der Brandmühle gefundene Callianassa antiqua Otto 
war bisher nur aus dem gleichalterigen Quader von Malter bei Dippoldis- 
walde bekannt, *) während der an der gleichen Localität entdeckte Pygurus 
Lampas de la Beche in Sachsen noch nicht, wohl aber im unteren Quader 
des benachbarten Böhmens, bei Pankratz, und in cenomanen Schichten 
Frankreichs und Englands mehrfach gefunden wurde. 

Von gleichem Interesse ist das Vorkommen ziemlich wohlerhaltener 
Landpflanzen im Gebiete des unteren Quaders bei Dohna, da solche, mit 
Ausnahme der daran ziemlich reichen Schieferthone von Niederschöna, 
meist nur sehr vereinzelt auftreten. Auch bei Dohna Hessen sich nur drei 
Arten näher bestimmen, die alle schon von anderen Orten bekannt sind. 
Am häufigsten sind bis über 1 dem lange, schmal-lanzettliche , nach der 
Spitze und Basis allmählich verschmälerte und dort in den kurzen, dicken 
Blattstiel verlängerte, ganzrandige Blätter mit starkem Mittelnerv und 
ohne Seitennerven, die sehr gut mit den von Heer, Kreideflora der arcti- 
schen Zone p. 110. Taf. XXIX. Fig. 8b und XXXI. Fig. 4. 5. als Pro- 
teoides longus Heer beschriebenen Blättern übereinstimmen, die auch im 


*) Von derselben Art fand ich im vergangenen Sommer ein sehr wolilerhaltenes 
Scheerenpaar im Quadersandstein des Kirnitzschthales, halbwegs zwischen Schandau und 
dem Lichtenhainer Wasserfall, doch dürften diese Schichten jünger sein und denen von 
Kieslingswalda in der Grafschaft Glatz entsprechen, von wo die gleiche Art schon früher 
beschrieben wurde. 


lOl 


Quader Sandsteine der goldenen Höhe gefunden wurden. Daneben treten 
Fragmente grosser Crednerien-^YüiQV auf, u. A. die keilförmige Basis 
eines Blattes, das wegen Mangels der vom Mittelnerv nahezu senkrecht 
ausgehenden basalen Seitennerven mit Credneria cuneifolia Br., die schon 
von Niederschöna, Paulshain und Welschhufa beschrieben wurde, vereinigt 
werden kann. Ein kleiner Zweig mit anliegenden, schuppenförmigen Blät- 
tern gleicht Frenelites Reichii Ett. von Niederschöna, während das Frag- 
ment eines anderen Blattes, ähnlich dem von Lesquereux in Contr. to the 
foss. Flora of the Western Territories I. Cretaceous Flora. Taf. IIL Fig. 1 
abgebildeten Populites lancasfriensis Lesqu. und ein nicht näher bestimm- 
barer Blüthen- oder Fruchtstand auf andere in cenomanen Schichten 
Sachsens noch nicht beobachtete Arten hinweisen. Leider ist wenig Aus- 
sicht vorhanden, dass ihre Zahl noch durch weitere Funde vermehrt wer- 
den könnte, da der Bruch, in welchem die pflanzenführenden Schieferthone 
Vorkommen, aufgegeben und das vorhandene Material ausgebeutet ist. 


102 


XII. lieber das Vorkommen der Kiesengebirgs-Bace von 
Pinus m ontana Mill. in der sächsisch -böhmischen 

Oberlausitz. 

Mitgetheilt von Prof. Dr. Oscar Drude. 


Anfang November d. J. erhielt die botanische Section unserer Gesell- 
schaft eine willkommene Zusendung von Herrn August Weise, *) Conservator 
des Humboldt-Vereins zu Ebersbach in der sächsischen Oberlausitz, die 
ausführliche Beschreibung eines bisher nur wenigen Pflanzenfreunden be 
kannten Vorkommens der Krummholzkiefer (Kniekiefer, Pinus mow 
tana Aut. plur.) und Belegstücke von der Pflanze selbst, welche letzteren 
ihren Platz in der Sammlung des Kgl. botanischen Gartens und in der 
sächsischen Florenabtheilung des jetzt im Polytechnikum beflndlichen Her- 
bariums gefunden haben. Die Beschreibung der Localität und das Vor- 
kommen der stets interessanten Nadelholzart theile ich hier am zweck- 
mässigsten mit den eigenen Worten des sorgfältigen Beobachters und Ein- 
senders mit: 

„Zwischen den Ortschaften Neugersdorf und Seifhennersdorf, sowie 
,,den böhmischen Orten Georgswalde und Rumburg zieht sich auf der 
„Wasserscheide der Spree und Mandau ein Streifen Wald hin, unter welchem 
„zugleich ein den Geognosten bekannter, grosser Quarzgang verläuft. Dieser 
„Waldstreifen wird auf der erwähnten Strecke quer durchschnitten, und 
„zwar im östlichen Theile von der Gersdorf-Seifhennersdorfer Strasse und 
,,der Landesgrenze, im westlichen Theile von der böhmischen Nordbahn und 
„der Georgswalde-Rumburger Chaussee. Der letztere Theil mit seinen Quarz- 
„brüchen führt den Namen ,, Ziegenrücken“ , während man den mittleren 
„Theil, zwischen der Nordbahn und der Landesgrenze gelegen, unter der 
,, Bezeichnung „Steckefichtel“ kennt. Gerade dieser etwas eingedrückte Theil 
,,des Höhenzuges ist mit bedeutenden Ablagerungen von Geschiebesand und 
,,Lehm bedeckt, auf welchem der Wald mehrere nasse Stellen zeigt. Auf 
,, diesem ziemlich ausgedehnten Terrain wächst die Kniekiefer in Tausenden 
„von Exemplaren nach Art der Waldunkräuter, nicht nur als heerdenweise 
„auftretendes Gestrüpp an uncultivirten Plätzen, sondern auch vereinzelt 
„zwischen den Stämmen neuerer Fichten- und Kiefernbestände (Pinus sil- 
^^vestris). An einigen Oertlichkeiten , besonders zwischen höheren Wald- 
„bäumen , streben die kaum armdicken Stämmchen aus gekrümmter Lage 
„bis zu 2 Meter Höhe empor , ähnlich wie die Knieholzbüsche auf den nassen 
„Stellen des Isergebirges ; deshalb bildet sich auch da wegen der grossen 
,,Zahl dieser Stämmchen und Aeste ein an Stöcken und Knütteln reicher 
„Bestand, welcher wohl auch durch seine Sonderbarkeit die Bezeichnung 


Correspondirendes Mitglied unserer Gesellschaft durch Beschluss vom 30. Nov. d. J. 

Ges. Isis in Dresden, 1881. — Abh, 12, 


103 


„„Steckeficlitel“ für diese Waldparthie veranlasst haben dürfte. Ein grosser 
,,Theil dieser Kiefern bleibt jedoch als buschiges, dicht henadeltes und viel- 
,, verzweigtes Gestrüpp nahe am Boden, alle Zweige seitlich nach einer 
„Hauptrichtung treibend. Vor der gemeinen Kiefer, welche häufig zwischen 
,,den Kniekiefern emporwächst, zeichnen sich die letzteren schon von Weitem 
„durch eine mehr gelbgrüne, der Fichte ähnliche Färbung und dichtere an- 
„liegende Benadelung aus. An den verschiedenen Zweigen, Zapfen und 
„Blüthen, welche ich von dem Riesengebirge mitbrachte, konnte ich durchaus 
„keinen Unterschied zwischen den hiergewachsenen erkennen. Diese selt- 
„samen Nadelhölzer sind zwar den Bewohnern der Gegend von jeher be- 
,,kannt und werden sie gewöhnlich als Abnormitäten der gemeinen Kiefer 
„betrachtet und sonst ausser Acht gelassen. Wer dieses Kiefergeschlecht 
„nicht auf dem Riesengebirge oder den Alpen zu sehen Gelegenheit hatte, 
„konnte auch kaum an das Richtige denken. Was mich jedoch ganz be- 
„sonders zur Mittheilung des Vorstehenden bewog, ist eine Entdeckung, 
,, welche ich diesen Sommer an dem Sonnenberge bei Waltersdorf (ein 
,Berg östlich von der Lausche mit Sandsteinbrüchen) machte, wo ich an 
„dem Nordhange desselben fünf ähnliche Knieholzgebüsche antraf und zwar 
„einen in kaum halber Höhe, die andern in der Nähe des felsigen Gipfels 
,, dieses Berges. Es ist daher wahrscheinlich, dass auch noch an andern 
,, Orten des Lausitzer Gebirges diese Holzart wildwachsend aufzufinden ist.“ 

Zunächst ist hierzu zu bemerken , dass das Vorkommen der Krumm- 
holzkiefer in der Oberlausitz an sich in der botanischen Literatur als neu 
zu betrachten ist; die betreffenden sächsischen Floren (Heyn hold 1842, 
Reichen hach 1844, Rabenhorst 1859) geben als Fundorte in Sachsen 
nur die bekannten Stellen im höheren Erzgebirge an der böhmischen 
Grenze bei Gottesgab u. s. w. an, Rabenhorst’ s Flora Lusatica (1839) 
citirt sie überhaupt nicht. Aber auch die ausgezeichnet bearbeiteten und 
in Hinsicht auf Standorte möglichst vervollständigten neueren Floren der 
hierauf bezüglichen Nachbargebiete Sachsens, Fiek und Uechtritz’s 
Flora von Schlesien (1881) sowie Celakovsky’s Prodromus der Flora 
von Böhmen (1867 — 1875) enthalten keine Angabe für die fragliche Pflanze 
in dem Lausitzer Gebirge. 

Das Auffinden neuer Standorte verschiedener Pflanzenarten hat be- 
kanntlich einen sehr verschiedenen Werth; unter der sehr grossen Zahl 
neuer Standortsbeobachtungen, welche alljährlich in den allgemeinen bota- 
nischen Zeitschriften, besonders aber in den Gesellschaftsschriften für 
Central-Europa publicirt werden, kann man dreist die grösste Mehrzahl 
als ziemlich werthlos oder von geringerem Interesse bezeichnen, weil sie 
vielfach nur gewissen allgemeinen Voraussetzungen entsprechen und höchstens 
das rege Interesse an der Pflanzenwelt und angestrengtes Arbeiten in der 
Flora selbst in weiten Kreisen bezeugen, und auch für die Richtigkeit der 
aus allgemeinen Principien (in diesem Falle pflanzengeographischer Natur) 
abgeleiteten Voraussetzungen den vollgültigen Beweis bringen. So ist es 
ziemlich unwichtig, wenn ein auch sonst schon weit verbreitetes Unkraut 
mit der Cultur bestimmter Pflanzen plötzlich in einer neuen Gegend er- 
scheint, obgleich eine vollständige Flora jener Gegend natürlich auch diesem 
uninteressanten und oft unliebsamen neuen Bürger gegenüber ihre Register 
öffnen und die Standorte notiren muss ; auch ist es nicht von grosser Be- 
deutung, wenn jährlich viele neue Standorte solcher Pflanzen besprochen 
werden, welche seit einer Reihe von Jahren durch Acclimatisation aus 
fremden Ländern (bei uns zumeist aus Nord- Amerika) als eingebürgert 


104 


bekannt sind, und welche man nun stetig Terrain erobern sieht. Ich 
glaube, dass Jeder, der darauf ausgeht, beispielsweise das Weiterwandern 
von Mimuhis luteus zu beobachten, jährlich eine erkleckliche Anzahl neuer 
Funde aus eigener Beobachtung anführen könnte, und zahlreiche Notizen 
darüber in der botanischen Vereinsliteratur beweisen das, was meine 
eigenen Beobachtungen an verschiedenen Stellen Deutschlands mir als 
möglich erscheinen Hessen; aber solche Standorte haben an sich wenig 
Werth, und es wird wahrscheinlich bald eine Zeit kommen, wo Mimulus 
so allgemein verbreitet sein wird, wie schon jetzt Oenothera bieMnis oder 
Galinsoga parviflora ( Wiborgia Acmella) , welchen amerikanischen Wan- 
derern man nicht mehr specielle Aufmerksamkeit zuwendet. Für solche 
sich rasch ausbreitende Pflanzen ist nicht die sich vergrössernde Zahl von 
Standorten, sondern die Art und Weise und die Geschwindigkeit ihres 
Wanderns das Interessante, und man thäte daher besser, die Specialnotizen 
aus einer Reihe von Jahren und einem grösseren Gebiete zu sammeln, um 
das Allgemeine daran klarer erläutern zu können, wie es etwa Kerner 
in der Oesterreichisch- botanischen Zeitschrift von 1871 für Budbeckia 
laciniata ausführte, deren Wanderung der Donau entlang sich so schön 
und lehrreich hatte verfolgen lassen. 

Das Auffinden neuer Standorte für solche Pflanzen aber, welche ^seit 
jedenfalls sehr langer Zeit ihren festen Wohnbezirk haben, ausserhalb der 
Grenzen des alten Bezirks, und zumal neuer Standorte für die Kategorie der 
„Glacialpflanzen“ bei uns, welche vermuthlich jetzt nur dort gedeihen, wo 
eine längst entschwundene Periode sie hingelangen Hess, und aus deren 
sporadischer Verbreitung sich die Entwicklungsverhältnisse des betreffenden 
Gebietes in Rücksicht auf geologische und floristische Gestaltung noch jetzt 
aburtheilen lassen, das Auffinden solcher Standorte ist jedenfalls immer 
von Interesse, und letztere verdienen um so rascher publicirt zu werden, 
je grössere Gefahr vorhanden ist, dass die zunehmende Cultivirung des 
Landes jene Standorte zerstört. Denn die Krummholzkiefer in der Ober- 
lausitz kann wohl ohne Zweifel als Glacialpflanze der Hochgebirge Central- 
Europas zurückgeführt werden in ihrem Ursprünge auf die südlich sich 
anschliessenden höheren Gebirge und befindet sich somit auf einem vorge- 
schobenen Posten, der ihr sporadisches Verbreitungsgebiet im deutschen 
Berglande noch ganz erheblich ausdehnt, (der nächste schon länger be- 
kannte Standort derselben Race der Krummholzkiefer ist die böhmische 
Seite des Isergebirges) ; und was man auch von der Wanderungsfähigkeit 
der Pflanzen sagen mag, welche ja in Beispielen wie von Mimulus luteus 
genügend sich zu erkennen giebt, so trifft dieselbe nur bei gewissen Arten 
gleichzeitig zu, und ich halte es doch für sehr wahrscheinlich, dass die 
Krummholzkiefer seit sehr langer (prähistorischer) Zeit vom Riesen- und 
Isergebirge her sich bis zur Oberlausitz verbreitet hat, dass sie sich unter 
den gegenwärtigen Verhältnissen, zwar üppig an den von ihr einmal be- 
setzten Stellen erhält und dem Eindringen fremder Hölzer kräftigen Wider- 
stand entgegen setzt, dass sie aber, einmal in der Oberlausitz ausgerottet, 
trotz der Flugfähigkeit ihrer Samen sich unter den gegenwärtigen Verhält- 
nissen nicht wieder vom Riesengebirge her ansiedeln könnte, sondern wahr- 
scheinlich durch Birke und gewöhnliche Kiefer an der Ansiedelung ver- 
hindert werden würde. Dies scheint mir gerade so wahrscheinlich, wie 
dass das Vorkommen von Anemone alpina und Gar ex vaginata auf dem 
Brocken ebenfalls aus sehr alter Zeit stammt ; auch diese beiden Pflanzen- 
arten würde man wahrscheinlich nicht einmal mehr künstlich, durch Samen 


105 


aus dem Riesen gebirge, an ihrer jetzigen Brockenlocalität erneuert an- 
siedeln können, wenn sie einmal dort ausgerottet wären; sie erhalten sich 
daselbst nur noch als kräftige Stöcke, vermögen aber keine neuen Plätze 
mehr zu gewinnen oder auszutauschen, und Stillstand in dieser Hinsicht 
ist der Beginn des Aussterbens. — Wenn mir daher im Allgemeinen das 
Auffinden wirklich neuer Standorte für solche Pflanzen, welche in ihrer 
gegenwärtigen Verbreitung so ziemlich Stillstand erreicht haben, wichtig 
zu sein scheint, und in Deutschlands Flora besonders für Glacialpflanzen 
des Nordens in den Mooren der norddeutschen Ebene oder für die der 
Alpen und benachbarten Gebirge auf den niederen vorgeschobenen Berg- 
zügen, so wird daraus auch ersichtlich, dass mir das hier besprochene 
Vorhandensein der Krummholzkiefer in der Oberlausitz der sofortigen Be- 
kanntmachung würdig erscheint. 

Ich habe im Vorhergehenden die Besiedelung gewisser Punkte in der 
Oberlausitz durch die Krummholzkiefer vom Riesengebirge her über das 
Isergebirge als am nächsten liegend angenommen, und kann dafür als Be- 
weis die Identität der Race, in der die Krummholzkiefer in den drei ge- 
nannten Bergländern auftritt, anführen. Es geht nämlich sowohl aus der 
allgemeinen Habitusschilderung der Krummholzbestände, wie sie uns als 
Beobachter Herr Weise überliefert, als auch aus der Untersuchung der mir über- 
sendeten Belegstücke davon unzweifelhaft hervor, dass die Krummholzkiefer 
der Oberlausitz zu Firnis montana Mill., var. Fumilio Hke. (Zwergkiefer) ge- 
hört, zu der die schlesischen Floristen jetzt die Race der westlichen Su- 
deten rechnen und die besonders im Riesengebirge selbst, zwischen 1150 m 
und 1400 m undurchdringliche Dickichte bildend, auftritt, und die nach Ce- 
lakovsky (1. c.) ausser an der böhmischen Seite deslser- und Riesengebirges 
auch im Böhmerwalde an einer Stelle gefunden ist. Für unsere Länder ist 
jedenfalls das Riesengebirge als Specialcentrum dieser Race zu betrachten, 
wobei ich die Frage hier uner örtert lassen will, ob sie im Riesengebirge 
selbst als entstanden zu betrachten sei oder von anderen, an Endemismen 
noch jetzt reichen südlicheren Alpenländern dorthin gewandert sein müsse. 

Es ist von besonderem Interesse, dass die seit langer Zeit aus den 
hochgelegenen Mooren des Erzgebirges bekannte Zwergkiefer zu der 
anderen in Süd- und Mitteldeutschlands Bergländern lebenden Race ge- 
hört, die Reichenbach (Flora Saxonica, p. 111) als eigene Art Finus 
oUiqua Saut, citirt, während sie von Willkomm*) (und nach ihm eben- 
falls von Celakovsky und Fiek in den genannten Floren, die ich einst- 
weilen als Muster für die Bestimmungen der sächsischen Flora empfehlen 
möchte, bis letztere selbst neuerdings ausgearbeitet sein wird) und anderen 
dagegen Finus montana Milk, var. uncinata Rmd. benannt ist (siehe z. B. 
in Rossmässler’s Wald, 3. Aufl., bearb. v. Willkomm 1881, p. 311; 
Willkomm ’s ‘Waldbüchlein, p. 32 u. Taf. IX u. s. w.). Ich möchte 
mich übrigens der Meinung Grisebach’s anschliessen , dessen Unter- 
suchungen der Krummholzracen zu ergeben scheinen, dass die als Finus 
uncinata von Ramond beschriebene Conifere der Pyrenäen auf dieses 
Gebirge beschränkt sei; man kann daher, weil alle diese Krummholzracen 
nach systematischen Principien nur den Rang von Racen, nicht den von 
scharf getrennten Arten besitzen, die erzgebirgische Form richtiger Finus 
montana, var. ohliqua (Saut.) benennen, obgleich wahrscheinlich vor der 


*) Willkomm, Beiträge zur Forstbotanik: Versuch einer Naturgeschichte der 
europäischen Krummholzkiefern; Tharandter Jahrb. 1861, p. 166. 


8 


106 


Besclireibiiiig Saut er ’s (1830) die von Link im Jahre 1827 unter dem 
Namen Firnis roümdata die Priorität hat, wenn wenigstens die von Beiden im 
Sinne gehabten Bacen identisch sind. Die Systematik der Krummholz- 
kiefern, beziehungsweise deren Racen (Varietäten), bietet thatsächlich nicht 
wenig Schwierigkeiten und kann auch in manchen Punkten als Muster 
nomenclatorischer Verworrenheit gelten; aber letztere wird leicht über- 
wunden werden und ist wenigstens durch einen kühnen Federstrich für 
immer zu beseitigen, wenn nur die wahrhaften Beziehungen, vvelche die 
Natur bietet, die der Verwandtschaft der Formen zu einander, erst klar 
gelegt sein werden. Letztere sind immer das Wichtigste, kommen sogar 
allein in Betracht, wenn man einmal von dem Formalen der wissenschaft- 
lichen Begriffsbildung und Tradition abstrahirt, und so wollen wir also bei 
der fest begründeten Thatsache stehen bleiben, dass die Racen der Krumm- 
holzkiefer in der Oberlausitz und im oberen Erzgebirge zwei verschiedene 
sind, dass die erstere mit der des Riesengebirges übereinstimmt, während 
die erzgebirgische Race mit aufrechtem, niedrigen Stamme sich allerdings 
auch als Seltenheit in die schlesischen Vorberge und Ebene hinein er- 
streckt, sonst aber zunächst im Böhmer wähl und im angrenzenden Bayern, 
ferner durch die AljDenkette hindurch am häufigsten verbreitet gefunden 
wird. Die dritte deutsche Race, die var. Mughus Scop., kommt für die 
sächsische Flora nicht in Betracht. — Es braucht wohl kaum besonders 
darauf aufmerksam gemacht zu werden, dass sich zwischen die beiden 
Gebiete des Vorkommens zweier verschiedener Racen von Pinus montana 
in Sachsen das Elbsandsteingebirge mit dem Elbthal trennend einschaltet; 
schon in der Verbreitung dieser zwei Racen kann man einen Hinweis er- 
blicken, dass die höheren Bergländer des Königreichs Sachsen verschieden- 
artig von Pflanzen besiedelt sein werden, die Oberlausitz vom Riesen- 
gebirge her, das Erzgebirge mit einer vielfach ganz anders ausgeprägten 
Flora vielleicht vom Böhmerwalde her. Um eine solche Vermuthung zu 
bestätigen, bedarf es jedoch vielfacher zu demselben Ziele zusammen- 
laufender und zwingender Beweisstücke; hier habe ich die Vermuthung 
ausgesprochen, um zu zeigen, wie wichtig in vielen Fällen für die wissen- 
schaftliche Floristik ein genauer, sogar bis auf schwächere Varietäten- 
bildungen eingehender Vergleich des Vorkommens bestimmter Formen an 
bestimmten Oertlichkeiten ist; die systematische und geographische Be- 
trachtung des wirklich Vorhandenen müssen zusammen vergehen und die 
gegenseitigen Beziehungen entwickeln, und nur dies kann floristischen 
Untersuchungen zur wissenschaftlichen Grundlage dienen. 

Anhang. Anatomische Unterschiede in den Nadeln von Pinus mon- 
tana, var. Pmnilio Hke. und von Pinus silvestris L. — Bekanntlich hat 
man die Unterschiede der zu denselben Kreisen gehörigen Kiefernarten in 
die Formverschiedenheiten der Zapfen als die handgreiflichsten gelegt, 
und führt vom Stamm und Nadeln meist nur kurze, ebenfalls hand- 
greifliche Unterschiede an. Es erscheint an der Zeit, in solchen Fällen, 
wo die Vegetationsorgange wegen ihrer äusserlich mehr gleichartigen Bil- 
dung sich nicht bequem diagnostificiren lassen, die weit fortgeschrittene 
Anatomie zu Hilfe zu nehmen, um mehr Angriffspunkte zur genauen Ver- 
gleichung von Arten und Racen zu haben für nothwendige Fälle. Es 
könnte z. B. leicht der Fall eintreten, dass ein zapfenloses, also augen- 
blicklich fast unbestimmbares Herbariumexemplar einer Kiefer auf die 
Zugehörigkeit zu dieser oder jener Form zu untersuchen von Wichtig- 
keit wäre. 


107 


Die Anatomie der Coniferennacleln ist seit lange vergleichend unter- 
sucht,*) dennoch aber noch nicht zu speciellen Diagnosen verwendet. Es 
ist nicht meine Absicht, hier diese Lücke auszufüllen; es wäre dies eine be- 
stimmt formulirte Aufgabe , welche zu lösen manches der Scientia ama- 
bilis huldigende Mitglied unserer Gesellschaft sich berufen fühlen könnte, 
und zu der ich durch Vergleichung der Nadeln der Lausitzer Krummholz- 
kiefer mit der gewöhnlichen Kiefer (aus der Dresdner Haide stammend) 
wenigstens aufmuntern möchte. Leider fehlte es mir zur Hinzuziehung 
der erzgebirgischen Race obliqua (Sauter) an frischem Material. 

Die hier folgenden Unterschiede beider Arten betreffen die mittleren 
Regionen ihrer Nadeln, in zarten Querschnitten, und zwar am besten mit 
Anwendung des mikroskopischen Polarisationsapparates bei 30- bis 300- 
facher Yergrösserung beobachtet. Zunächst zeigen sich die diagnostischen 
Ausdrücke unserer Floren, welche Firnis montana starre und dicke, und 
P. süvestris schmächtigere und biegsamere Nadeln zuschreiben, in den 
Querschnittsformen bestimmter ausgedrückt, indem die Breite der Nadel 
zu ihrer Dicke sich bei P. montana wie 5:3, bei P. süvestris dagegen 
nur wie 5 : 2 verhält; für Beschreibungen sind jedenfalls solche ungefähren 
Proportionen nützlicher als die aus oberflächlicher Betrachtung hervor- 
gegangenen Vergleiche ,, dicker“ und ,, schmächtiger.“ Bei P. montana be- 
sitzt die Epidermis (mit Cuticula) ferner eine Dicke von etwa 1/35 mm, 
bei P. süvestris von etwa ^70 mm. Die übrigen Unterschiede können aus 
folgender Zusammenstellung ersehen werden: 


Nadeln von Firnis montana, 
var. F'umüio Hke. 

Vorhof der Spaltöffnungen sehr 
breit, so dass in der Epidermis durch 
ihn Lücken von 2 Zellen Breite ent- 
stehen, daher sehr auffällig, becher- 
förmig gewölbt. 

Zwei normale Harzgänge (wie 
immer bei Finus) an den Rändern 
der Nadel, und ausserdem ein acces- 
sorischer, viel kleinerer Gang unter 
der Mitte der Oberseite herlaufend, 
zuweilen ein rudimentärer Harzgang 
in der Mittellinie der Unterseite. 
Die stark leuchtenden Bastzellen in 
der Peripherie aller Gänge fast stets 
in einfacher Schicht. 


Eine Sichel schwach verdickter 
(viel weniger als die eben genannten 
Bastzellen glänzender und polarisi- 
render) Zeilen mit deutlicher Mittel- 
lamelle nimmt die Mitte des Blatt- 


Nadeln von Fintis süvestris L. 

Vorhof der Spaltöffnungen schmal, 
von der Breite einer einzigen Epi- 
dermiszelle, glockenförmig, wenig auf- 
fällig. 

Zwei normale Harzgänge (sehr 
weit) an den Rändern der Nadel, 
ausserdem ein accessorischer, fast 
ebenso weiter Gang unter der Mitte 
der Oberseite, und eine grössere 
Zahl (meist 4 — 6) gleichmässig an 
der unteren gewölbten Seite der Na- 
del zerstreut; die letzteren accesso- 
rischen Gänge viel enger als die 
normalen. Die stark leuchtenden 
Bastzellen in der Peripherie aller 
Gänge nicht selten in doppelter 
Schicht vorhanden. 

Eine in die Länge gezogene 
Sichel sehr stark verdickter (wie die 
eben genannten Bastzellen glänzen- 
der und ebenso polarisirender) Zel- 
len mit Intercellularräumen und ab- 


*) Vergi. z. B. Thomas, Coniferenblätter, inPringsheim’s Jahrb. f. wiss. Bot. IV. 
p. 48. — Zur Orientirung empfiehlt sich in diesem Falle Weiss* Allgemeine Botanik; 
I. Anatomie cl. Pfl. p. 290 — 293 als ein den Isismitgliedern in der Gesellschaftsbibliothek 
zugängliches Buch; besser noch De Bary’s Yergl. Anatomie d. Veget. d. Gefässpfl. 


108 


nerven ein und zieht sich an der 
Phloemseite des Strangpaares hin, 
an Brechung den Xylemzellen der 
beiden Stränge im Mittelnerven ähn- 
lich, an Lumen und Wanddicke dem 
übrigen Füllgewehe des Mittelnerven 
um die Stränge ähnlich und nicht 
scharf abgesetzt. 

Xylemzellen des Strangpaares an 
Zahl doppelt, an Raum (Fläche) drei- 
fach grösser als die Phloemzellen. 


gerundeten Wänden nimmt die Mitte 
des Blattnerven ein, füllt den Raum 
zwischen dem Strangpaare und er- 
streckt sich unter der Phloemseite 
desselben 1 — 2 schichtig entlang ; ist 
in Lumen, Glanz und Verdickung, 
von dem übrigen , mit gehöften 
Tüpfeln versehenen Füllgewebe des 
Mittelnerven sehr verschiedenartig. 

Xylemzellen des Strangpaares an 
Zahl den Phloemzellen etwa gleich 
oder wenig mehr, an Raum kaum 
doppelt grösser als dieselben. 


Der schärfste Unterschied könnte in der Zahl der accessorischen 
Harzgänge zu liegen scheinen, doch ist darüber noch die Bemerkung 
hinzuzufügen, dass nach älteren Beobachtungen deren Zahl oft in der- 
selben Art einem starken Schwanken unterworfen zu sein scheint; so soll 
sie gerade bei Finus süvestris zwischen 1 und 22 schwanken! Es würde 
der Mühe werth sein, darüber noch genauere Beobachtungen anzustellen 
und namentlich die niedrigen Moorkiefern mit der ächten Krummholz- 
kiefer zu vergleichen, bei der die Zahl der accessorischen Harzgänge auf 
1 sinkt; jedenfalls glaube ich nach der vorliegenden Untersuchung, dass 
es möglich sein wird, auch in dieser Beziehung die Anatomie zur leichten,, 
sicheren und nothwendigen Unterstützung systematischer Trennungen 
herbeizuziehen, sobald man nur seine Aufmerksamkeit trennenden Unter- 
schieden leichterer Art zuwendet. 


Taf. 1. 


Sitz.-Ber. d. Isis in Dresden 1881. 
Abh. IX. 



Elise Geiniiz, clel., 2/3 nai. .Grösse. 


Lichtdruck von Römmlcr & Jonas, Dresden, 




der 


Naturwissensehaftliehen Gesellschaft 



in Dresden. 


Herausgegeben 

von dem Redaetions-Comite. 


Jahrgang 1882. 

(Mit 5 Tafeln und. 2 Holszsclinitten.) 


Dresden. 

In Commission der Königlichen Hofbuchhandlung von Hermann Burdach. 
(Warnatz & Lehmann.) 

1883. 



Inhalt des Jahrganges 1882 


I. Sitzungsberichte. 

I. Section für Zoologie S. 3. u. 51. -- F. M. Balfour f S. 51. — Ch. Darwin f S. 4. — 

C. G. A. Giebel f S. 3. — Th. Schwann f S. 3. — W. Thomson f S. 4. — 
Geinitz, H. B.: lieber einen Pseudoscorpion aus der Steinkohlenform. v. Zwickau 
S. 3. — Hentschel, W. : lieber die Erklärung der Vererbungs- und Anpassungs- 
erscheinungen S. 3. — Thüme, 0.: lieber Braula coeca N. und Copris lunaris L. 
S. 3. — Vetter, B.: Bef. über Ch. Darwin, „Die Bildung der Ackererde durch 
die Thätigkeit der Würmer“ S. 3; zur Morphologie der Echinodermen S. 51. 

II. Section für Botanik S. 16 u. 52. — G. Bentham f S. 16. — P. G. Lorentz f 
S. 16. — V. Biedermann, D.; lieber die Pflanzengruppe der Mhizantherae Endl. 
S. 22. — Drude, 0.: Bef. über Trommer, E., ,,Vegetations Verhältnisse im Gebiet 
der oberen Freiberger Mulde“ S. 16 ; über phytophänologische Beobachtungen S. 17 ; 
über die Flora Algeriens S. 19; über Darwin’s und Wiesner’s Arbeiten über das 
Bewegungsvermögen der Pflanzen S. 22 ; über Gründung einer deutschen botanischen 
Gesellschaft S. 52; über die Bedeutung der Waldai-Höhe für die Flora von Europa 
S. 55; über Bau und Entwickelung der Kugelalge Volvox S. 60. •— Engelhardt, H.: 
Bef. über Urban, „Geschichte des K. botanischen Gartens in Berlin“ S. 58. — 
Geinitz, H. B. : üeber das botanische Museum der Universität Breslau S. 60. — 
Keil, B.: Ueber die Flora des Kyffhäusergebirges S. 16; Bef. über Wiesner, 
„Das Bewegungsvermögen der Pflanzen“ S. 19. — König, CI. B.: Bef. üder Krasan, 
„Die Erdwärme als pflanzengeographischer Factor“ S. 60. — Thüme, 0.: Bef. 
über Ilildebrandt, „Die Lebensdauer und Vegetationsweise der Pflanzen“ 8.52. — 
Vorlagen S. 19. — Mikroskopische Demonstrationen S. 60. 

III. Section für Mineralogie imd Geologie S. 5 u. 68. — Deichmüller, J. V.: 
Ueber fossile Insecten aus dem Diatomeenschiefer von Kutschlin bei Bilin S. 12; 
über Blattiden aus den ;Brandschiefern der unteren Dyas von Weissig bei Pillnitz 
S. 12; über Tertiärpetrefacten der Bhön S. 71; Bef. über Sterzei, Th., „Paläont. 
Char. der ob. Steinkohlenform. u. des Bothlieg. im erzgebirg. Becken“ S. 5, und 
„Ueber zwei neue Insectenarten aus dem Carbon von Lugau“ S. 6; Bef. über 
H. Credner, „Die Stegocephalen aus dem Bothlieg. des Plauenschen Grundes bei 
Dresden II. und III. Th.“ S. 9 u. 71: Bef. über „Section Leipzig, Brandis und 
Meerane der geolog. Karte von Sachsen“ S. 76. — Dittmarsch, A. : Ueber Salmiak- 
krystalle vom Schader-Hermannschacht bei Zwickau S. 13. — Engelhardt, H. : 
Ueber Phymatocary on Nikayi und Spondplostrobus Smithyi F. v. Müll, aus der 
Braunkohle von Ballarat in Australien S. 5; über die Flora des Brandschiefers im 
Jesuitengraben bei Kundratitz in Böhmen S. 5; über die geolog. Beschaffenheit der 
Umgegend vonWaltsch in Böhmen S. 80;.... und Purgold, A.: Ueber den Braun- 
kohlenbergbau Nordböhmens S. 12. — Funcke, H.: Ueber den Erdbrand von 
Planitz bei Zwickau S. 10. — Geinitz, H. B.: Ueber Versuche nach Kohlen im 

Quadergebirge Sachsens S. 68; über Leitfossilien des Quadersandsteins S. 69; und 

Deichmüller, J. V. : Ueber die fossilen Saurier in dem Kalke des Bothlieg. von 
Niederhässlich im Plauenschen Grunde bei Dresden S. 7. — Pabst, W.: Ueber 
Anwendung der Doppelbrechung und Polarisation des Lichtes bei mikroskopischen 
Gesteinsuntersuchungen S. 5. — Purgold, A. : Ueber die Diamanten des Dresdener 
K. Mineral, Museums S. 9 ; über die Meteoriten im Allgemeinen und die des hiesigen 
K. Mineral. Mus. insbesondere S. 72; über Anatas und Adular (mit Taf. III) S. 73 
und Butil S. 76. — Baspe, F.: Ueber Wirkungen der Wasserleitung und Kanalisation 
auflnfection und Desinfection des Bodens S. 74. — Bichter, 0.: Ueber den Ursprung 
des Wortes Pläner S. 13. — Vorlagen S. 6, 12, 72 und 76. 

IV. Section für Physik und Chemie S. 23 u. 81. — Hempel, W. : Ueber Filtration, 
über Bestimmung des Stickoxyds durch Verbrennung mit Wasserstoff, über Absorption 
des Wasserstoffes durch die flüssige Legirung von Kalium und Natrium, über Auf- 
nahme von Gasen durch vulkanisirten Gummi S. 23. — Hentschel, W.: Ueber die 
Synthese der Salicylsäure S. 82. — v. Heyden, F.: Ueber gelbe und rothe Farb- 
stoffe S. 24. — Legier, L.: Ueber einen neuen, bei langsamer Oxydation des Aethyl- 
Aethers gewonnenen Körper S. 81. — Möhlau, B.: Ueber Farbstoffe aus demStein- 
kohlentheer S. 23. — Toepler, A.: Ueber Plante’s Elektricitätsaccummulator S. 24. 

V. Section für praehistorische Forschungen S. 26 u. 84. — Ed. Desor f S. 27. — 

V. Boxberg, I.: Ueber Ausgrabungen in den Höhlen des Ervethaies, Dep. 
Mayenne, Frankreich S. 27. — Caro, L.: Ueber prähistorische Funde bei Moritz- 
burg und Lockwitz und über Bronzen aus dem Biesenquellenschacht bei Dux, Böhmen 
S. 30. — Fischer, E.: Ueber die Bauart prähistorischer Burgwälle im Elbthal 
S. 26; über prähistorische Funde von Bautzen, Königsbrück, Koschütz, Meissen, Neu- 
sörnewitz und Oberwartha S. 30 u. 84. — Geinitz, H. B.: Ueber den gegenwär- 
tigen Stand der prähist. Forschungen in Frankreich und Deutschland S. 84; Bef. 
über Baltzer, L. , „Glyphes des rochers du Bohuslän (Suede)“ S. 26; über 


IV 


Jentzsch, A., „Die ältesten Spuren des Menschen in Mitteleuropa“ S. 26. — 
Jentzscli, J. A. : üeber alte Spuren von Ackerbau auf Flur Trieske bei Pillnitz 
S. 84. — Sieber, G.: üeber Ausgrabungen bei Kamenz S. 29. — Wiechel: Ueber 
Altertbümer aus der Riesenquelle bei Dux, Böhmen S. 28. — Vorlagen S. 84. 

VI. Section für Mathematik S. 31 u. 85. — Burmester, H.: Ueber die Construction 
der Selbstscbattengrenze bei Rotationskörpern S. 31. — Frankel, W. : üeber 
eine neue Construction seines Dehnungszeigers S. 31; über eine neue Methode zur 
graphischen und mechanischen Bestimmung von Momenten S. 31. — Harnack, A.: 
Ueber die Riemann’sche Theorie der complexen Functionen S. 31. — Ritters- 
haus, T.: Ueber die Methoden zur graphischen und mechanischen Bestimmung von 
Momenten S. 31; über die Kinematik der Dynamomaschine S. 85. — Voss, A.: 
Ueber Translationsflächen S. 31. — Zeuner, G. : Ueber Anwendung graphischer 
Methoden auf thermodynamische Probleme S. 85. 

VII. Hauptversammlungeii S. 32 u. 90. - F. v. Kobell t S. 92. — H. v. Schlagintweit- 
Saküenlünski f S. 32. — F. Wöhler j S. 91. — Verstorbene Mitglieder der „Isis“ 
S. 32 u. 91. — Neu aufgenommene Mitglieder der „Isis“ S. 40 u. 93. — Rechnungs- 
abschluss für das Jahr 1882 S. 34 u. 41. — Voranschlag für 1882 S. 35 u. 42. — 
Freiwillige Beiträge S. 93. — Vermehrung der Bibliothek S. 43 u. 96. — Beamten- 
collegium für das Jahr 1883 S. 94. — Renovirung des Merkel-Denkmals S. 35. — 
Baltzer, A.: üeber den geologischen Bau der Alpen S. 35. — Drude, 0. : 
Charles Darwin und die gegenwärtige botanische Kenntniss von der Entstehung 
neuer Arten S. 91. — Engelhardt, H.: üeber das Rhöngebirge S. 91. — Geinitz, 

II. B.: Ueber den Meteoritenfall von Mocs S. 32 u. 35; üfc die geognostis eben Ver- 
hältnisse des Gotthardtunnels S. 36; über das angebliche Vorkommen von Orga- 
nismen in Meteoriten S. 36; Uebersicht der im Jahre 1882 tagenden naturwissen- 
schaftlichen Wandergesellschaften S. 90; Ref. über Barrande, J. , „Systeme silu- 
rien du centre de la Boheme. Vol. VI.“ S. 33; Ref. über Göpi)ert, „Ueber das 
Steigen des Saftes in den Bäumen“ und Just, L.: „Ueber die Möglichkeit, die 
unter gewöhnlichen Verhältnissen durch grüne beleuchtete Pflanzen verarbeitete 
Kohlensäure durch Kohlenoxydgas zu ersetzen“ S. 90; Ref. über Sieger t, Th., 
„Das Steinkohlenrevier von Oelsnitz-Lugau“ S. 92. — ISlekrolog auf Franz Lud- 
wig Gehe S. 37; Vereinsbote Wilh.Lehmann f S. 39. — Gössel, C. M.: üeber 
Pilzzucht aus Sporen S. 33. --- Günther, R. B.: Ueber die Reinigung mechanisch 
verunreinigter Gewässer durch Torf S. 92. — Hartig, E.: Neue Beobachtungen 
bei der Beanspruchung fester Körper auf Zug S. 39. — Neubert, G. A.: Bericht 
über den Sturm vom 14. October 1881 S. 33. — Nitz sehe: Ueber den gegen- 
wärtigen Stand der künstlichen Fischzucht in Sachsen S. 92. — Reibisch, Th.: 
Ueber Perlenmuscheln S. 35. — Schunke, Th.: Ueber seine Reise durch Dalmatien 
und Montenegro S. 32. — Weber, A.: Ueber die Flora der Fidschi-Inseln S. 91. — 
Vetter, B. : Nekrolog auf Ch. Darwin von Prof. Rütimeyer S. 92. — Vorlagen 
S. 33, 35 u. 40. — Excursion S. 93. 

II. Abhandlungen. 

I. Pur g old, A.: Die Diamanten des Königl. Mineralogischen Museums zu Dresden, 
mit 2 Holzschnitten, S. 3. 

II. Engelhardt, H.: üeber die Flora des Jesuitengrabens bei Kundratitz im Leit- 
meritzer Mittelgebirge, S. 13. 

III. Neubert, G. A.: Resultate aus den Beobachtungen der meteorologischen Station 
zu Dresden, S. 19. 

IV. Geinitz, H. B.: Zur Erinnerung an Eduard Desor, S. 27. 

V. Geinitz, H. B.; Ein fossiler Pseudoscorpion aus der Steinkohlenformation von 
Zwickau, S. 31. 

VI. D eich mü Iler, J. V.: Ueber einige Blattiden aus den Brandschiefern der unteren 
Dyas von Weissig bei Pillnitz, mit Taf. I., S. 33. 

VII. V. Biedermann, D.: üeber die Pflanzengruppe der JRhizantherae Endh, insbe- 
sondere über Bafflesia, mit Taf. II., S. 45. 

VIII. P ur g 0 1 d , A. : Die Meteoriten des Königl. Mineralogischen Museums in Dresden, S. 53 . 

IX. Engelhardt, H. : Einiges über die Rhön und die Rhöner, S. 65. 

X. Möhlau, R. : Die Entwickelung und nationalökonomische Bedeutung der Theer- 
farbenindustrie, S. 81. 

XI. Geinitz, Eug.: Die geologische Beschaffenheit der Umgebung von Stolpen in 
Sachsen, mit Taf. IV. u. V., S. 91. 

XII. Geinitz, H. B.: üeber den gegenwärtigen Stand der prähistorischen Forschungen 
in Frankreich und Deutschland, S. 127. 

XIII. Drude, 0.: Ch. Darwin und die gegenwärtige botanische Kenntniss von der Ent- 
stehung neuer Arten, S. 135. 


Die Autoren sind allein v er antwor flieh für den Inhalt ihrer Abhandlung en> 


Sitzungsberichte 

der 

naturwissenschaftlichen Gesellschaft 



in Dresden. 


1882 . 



3 


L Section ftlr Zoologie. 


Erste Sitzung am 19. .Januar 1883, Vorsitzender: Professor Dr. 
B. Vetter. 

An Stelle des Herrn Dr. Ficke 1, der die Wahl zum ersten Proto- 
kollanten der Section abgelehnt hat, wird Herr 0. Thüme und als zweiter 
Protokollant Dr. Raspe gewählt. 

Handelsschullehrer 0. Thüme giebt einen ausführlichen Nekrolog 
des am 14. November v. J. verstorbenen Prof. Dr. C. G. A. Giebel in 
Halle, correspondirenden Mitgliedes unserer Gesellschaft seit dem Jahre 1862. 

Der Vorsitzende gedenkt des am 10. Januar d. J. in Köln gestorbenen 
Prof. Dr. Th. Schwann aus Lüttich und hebt namentlich seine Bedeu- 
tung als Begründer der thierischen Zellenlehre hervor. 

Derselbe referirt sodann über Darwin ’s neuestes Werk: „Die Bil- 
dung der Ackererde durch die Thätigkeit der Würmer“, mit besonderem 
Hinweis auf frühere Bearbeitungen desselben Gegenstandes, namentlich 
durch Prof. V. Heusen (Zeitschr. f. wiss. Zoologie 1877). 


Zweite Sitzung’ mii 9. März 1883, Vorsitzender: Professor Dr. B. 
V etter. 

Dr. W. Hentschel spricht über: ,,Die Erklärung der Vererbungs- 
und Anpassungserscheinungen“, wobei namentlich die bezüglichen Versuche 
von Darwin (Pangenesis), E. Hering (Gedächtniss) , Ha ecke 1 (Perige- 
nesis der Plastidule) und G. Jaeger (Seelenlehre) erörtert und kritisirt 
werden. 


Dritte Sitzung am 11, Mai 1883. Vorsitzender: Professor Dr. B. 
Vetter. 

Handelsschullehrer 0. Thüme legt mehrere Exemplare der Bienen- 
laus, Braula coeca N., sowie eines Pillendrehers, Copris lunaris L., nebst 
Pille des letzteren vor und beschreibt die Thätigkeit dieser Thiere bei Ver- 
fertigung der Pillen, sowie ihre sonstige Lebensweise. 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz berichtet über das Vorkommen von In- 
secten in der Steinkohlenformation Sachsens, sowie über einen von ihm 

Ges. Ms m Dresden, 1882. — Sitznijgsber, 1. 


4 


neuerdings in dieser Formation entdeckten Aracliniden, einen Pseudoscorpion 
von bedeutender Grösse (50 mm Länge) aus dem Morgenstern - Schacht 
in Reinsdorf bei Zwickau. (S. Abh. V. S. 31.) 

Der Vorsitzende giebt einen kurzen Nekrolog des am 10. März d. J. 
in Edinburg verstorbenen Sir Wyville Thomson, dessen hervorragende 
Verdienste namentlich um die Kenntniss der Crinoiden und dessen bahn- 
brechendes Vorgehen auf dem Gebiete der Tiefseeforschungen — bei den 
Expeditionen der Schiffe ,,Lightning“ und „Porcupine“, vor Allem 
aber als wissenschaftlicher Leiter der grossartigen Expedition des „Chal- 
lenger“ — gebührend gewürdigt werden. 

Derselbe feiert das Andenken an Charles Darwin, gestorben den 
19. April 1882. Nach kurzer Schilderung seines Lebensganges und Auf- 
zählung seiner wichtigsten Werke geht er näher auf die Ursachen ein, 
welche bewirkten, dass die Descendenzlehre bei ihrem ersten Auftreten 
um das Jahr 1800 nicht zur Geltung gelangen konnte, während sie 60 
Jahre später doch so allgemeine Anerkennung fand. Es waren dies 1) der 
Mangel eines genügend vorgebildeten Laienpublikums, 2) die dogmatische 
Fassung der Lehre, die insbesondere noch keine Erklärung für die Zweck- 
mässigkeit in der organischen Natur zu geben vermochte — diese Lücke 
füllte eben erst Darwin’ s Selectionslehre aus, 3) das irrthümliche Be- 
streben, die Lebewesen in eine continuirliche Reihe von allmählich auf- 
steigender Organisationshöhe (,,echelle des etres“) einzuordnen, während 
erst Darwin die stammbaumartige Darstellung des verwandtschaftlichen 
Zusammenhanges der Organismen als die allein richtige nachwies. 

Schliesslich gedenkt der Vortragende der gewaltigen Umwälzung, 
welche der Darwinismus in allen Natur- und Geisteswissenschaften hervor- 
gebracht und der weiteren Umgestaltungen, welche unsere sämmtlichen 
Anschauungen in nationalökonomischer, anthropologischer, ethischer Hin- 
sicht u. s. w. mnter dem übermächtigen Einfluss dieser Bewegung noch 
erfahren werden. 


11. Section für Mineralogie und Geologie. 


Erste Sitzung’ nin 0. Februar 1882. Vorsitzender: Oberlehrer Engel- 
hardt. 

Nach kurzer Ansprache seitens des Vorsitzenden hält Dr. Pah st 
einen längeren Vortrag über die Anwendung der Doppelbrechung und der 
mit derselben verbundenen Polarisation des Lichtes bei mikroskopischen 
Gesteinsuntersuchungen. 

Der Vorsitzende richtet darnach die Aufmerksamkeit auf die neuester] 
literarischen Erscheinungen auf dem Gebiete der Mineralogie und Petro- 
graphie, bringt durch die Güte des Herrn Baron Ferd. v. Müller in 
Melbourne ihm zugekommene Früchte von Fhymatocaryon Nilmyi und 
Spondylostrobus SmytJiii aus der Braunkohle von Ballarat in Australien 
zur Anschauung und bespricht sodann eingehend die Resultate seiner 
Untersuchung der reichhaltigen Flora des Brandschiefers vom Jesuiten- 
graben bei Kundratitz in Böhmen. (S. Abh. II. S. 13.) 

Zum Schlüsse referirt Dr. Deichmüller über: 

1. T. Sterzei. Paläontologischer Charakter der oberen Steinkohlen- 
formation und des Bothliegenden im erzgebirgischen Becken. 
(VII. Bericht der naturwiss. Gesellsch. Chemnitz. 1878 — 80.) 

Die vorliegende Arbeit enthält die Resultate der Untersuchungen der 
zahlreichen organischen Reste des Carbon und Rothliegenden im erzgebirgi- 
schen Becken und bildet eine Ergänzung zu den ,, Erläuterungen zu Sec- 
tion Stollberg-Lugau“ der geologischen Karte von Sachsen. Sie zerfällt 
ihrem Inhalte nach in drei Theile, deren erster die paläontologischen Ver- 
hältnisse der Steinkohlenformation im genannten Gebiet behandelt. 
Der Verfasser gelangt hier zu dem Resultate, dass die jüngere Carbon- 
flora des erzgebirgischen Beckens eine einheitliche, keine Zonenunterschiede 
aufweisende sei, dass eine exacte Parallelisirung der einzelnen Oelsnitz- 
Lugauer Flötze mit denen von Zwickau auf Grund paläontologischer Er- 
gebnisse nicht möglich und das Carbon von Flöha nur als locale Ab- 
weichung des ersteren, nicht aber im Alter davon verschieden sei. Das 
Carbon des Plauenscheu Grundes hält der Verfasser wegen des Auftretens 
einiger den Beginn des Rothliegenden bezeichnenden Arten für jünger, für 


6 


die tiefste Stufe des Rothliegenden , äquivalent den Cuseler Schichten, 
während das erzgehirgische Carbon den Saarbrückener und unteren Ott- 
weiler Schichten im Saar-Rheingebiet entspreche. Der zweite Theil ent- 
hält die Resultate der Untersuchungen der Flora des Rothliegenden 
im erzgebirgischen Becken. Für dieses Hess sich auf Grund des paläonto- 
logischen Befundes eine Dreitheilung, wie sie durch die petrographischen 
Unterschiede gegeben ist, nicht durchführen. Vergleiche mit anderen 
sächsischen Ablagerungen des Rothliegenden (Saalhausen bei Oschatz, 
Weissig bei Pillnitz, Plauenscher Grund und Tulfrothliegendes im nord- 
westlichen Sachsen) zeigten, dass die Flora des Rothliegenden in Sachsen 
überhaupt eine einheitliche ist. Mit dem des Saar-Rheingebietes ist nur 
eine geringe Verwandtschaft vorhanden und ist das sächsische Roth- 
liegende als ein abweichend geartetes Aequivalent der Lehacher Schichten 
zu betrachten. Der dritte Theil enthält ausser der Beschreibung mehrerer 
neuer vor Allem kritische Bemerkungen zu einer grossen Zahl älterer 
Arten der Flora des sächsischen Carbon und Rothliegenden. 


2. T. Sterz el. Ueber zwei neue Insectenarten aus dem Carbon von 
Lugau. (VII. Bericht der naturwiss. Gesellsch. Chemnitz. 1878—80.) 

Bei der von Seiten der geologischen Landesuntersuchung unternom- 
menen paläontologischen Durchforschung des Lugau - Oelsnitzer Carbon 
fanden sich neben den zahlreichen pflanzlichen Resten nur äusserst we- 
nige thierische, von denen hier zunächst zwei Insectenflügel beschrieben 
werden. Der eine ist der Oberflügel einer Schabe, der sich durch Ner- 
vatur und Form von allen bisher bekannten carbonischen Blattiden aus- 
zeichnet und vom Verfasser als zur Gattung Etoblattina Scudd. gehörig 
erkannt und wegen seiner Form mit dem Namen Etohl. lanceolata be- 
zeichnet wird. Das Fossil stammt aus dem Schieferthon des Carbon im 
Gottes-Segen-Schacht in Lugau. Der zweite Flügel zeigt im Geäder die 
meiste Aehnlichkeit mit dem der Gattung Termes, obgleich er wie alle 
fossilen von dem der recenten Arten wesentlich abweicht. Da die Lugauer 
Art Merkmale verschiedener bereits bekannter Untergattungen in sich ver- 
einigt, schlägt, der Verfasser dafür den Gattungsnamen Mixotermes vor 
und bezeichnet die Art als Termes (Mixotermes) Lugauensis. Fundort: 
Sphärosiderit des Hauptflötzes im Gottes-Segen-Schacht in Lugau. 


Zweite Sitzung’ am 33. März 1883. Vorsitzender: Oberlehrer Enge 1- 
hardl. 

Oberlehrer Engelhardt legt folgende Schriften vor: 

J. Velenovsky, Die Flora aus den ausgebrannten tertiären 
Letten von Vrsovic bei Laun. (Abh. d. K. böhm. Gesellsch. 
d. Wissensch. VI. Folge. 11. Bd.) Prag 1881. 


/ 


J. Velenovsky, Die Flora der böhmischen Kreideformation. 
(Beitr. z. Palaeont. Oesterreich-Ungarns u. d. Orients. Heraus- 
gegeben v. E. v. Mojsisovics u. N. Neumayer. 11. Bd. Hft. 1. 2.) 
Wien 1882. 

Dr. Ottomar Novak, Heber böhmische, thüringische, Greifen- 
steiner und Harzer Tentakuliten. (A. a. 0. 11. Bd. Hft. 1. 2.) 
Wien 1882. 

Dr. Deich müller berichtet über die Ergebnisse der von Geh. Hof- 
rath Dr. Geinitz und ihm gemeinschaftlich ausgeführten Untersuchungen 
der Saurier aus dem Kalke des unteren Rothliegenden von Niederhässlich 
bei Deuben. Der Stand der Untersuchung geht aus folgender Publikation 
hervor : 

„K. Mineralogisch-geologisches und prähistorisches Museum in Dresden. 
Am 13. Februar 1882. Die fossilen Saurier in dem Kalke des Roth- 
liegenden von Niederhässlich im Plauenschen Grunde bei Dresden. 

Die Entdeckungsgeschichte der seit dem September 1880 in den tiefsten 
Lagen des Kalkes von Niederhässlich sehr zahlreich auftauchenden Stego- 
cephalen ist von uns - in den Sitzungsberichten der Gesellschaft Isis in Dres- 
den, 1881, p. 4, mitgetheilt worden. Wir haben seit dieser Zeit ihrem Vorkommen 
unausgesetzte Aufmerksamkeit geschenkt, jedoch geglaubt, das zum Theil 
noch unvollständige Material, welches von einigen Arten vorlag, erst durch 
weitere glückliche Funde ergänzen zu müssen, bevor wir zu einer Ver- 
öffentlichung hierüber schreiten wollten. Unterdessen sind unsere Unter- 
suchungen wesentlich erleichtert und gefördert worden durch einige Ver- 
öffentlichungen darüber von Herrn Oberbergrath Prof. Dr. Credner, 
welcher seit Ende des Jahres 1880 sich dieser Thierreste gleichfalls mit 
lebhaftem Eifer angenommen hat. 

Er beschrieb in einer ausführlichen Abhandlung in der Zeitschrift der 
Deutschen Geologischen Gesellschaft, 1881, p. 298 — 330, Taf. 15 — 18: „Die 
Stegocephalen aus dem Rothliegenden des Plauenschen Grundes bei Dresden, I“, 
die dort am häufigsten vorkommende Art als BrancJiiosaurus gracilis 
Credner. (Vgl. auch Sitzungsber. d. Isis 1881, p. 39.) 

Es wurden ferner von ihm in zwei besonderen Abdrücken aus den 
Berichten der naturforschenden Gesellschaft zu Leipzig, 1881, am 11. Oc- 
tober und am 13. December, vorläufige Notizen über drei neue von ihm 
festgestellte Arten gegeben, welche als BrancJiiosmirus amUgstomus, Melaner- 
peton spiniceps und Melanerpeton laürostris n. sp. eingeführt worden sind. 

Da es unsere Absicht ist, statt einzelner Abhandlungen darüber ein 
Gesammtbild der ganzen Saurier-Fauna von Niederhässlich in einem unter 
der Presse befindlichen Quarthefte als „Nachträge zur Dyas II“ zu geben, 
die Fertigstellung der acht dazu bestimmten Tafeln aber noch einige Zeit 
in Anspruch nehmen wird, so unterlassen wir nicht, hier wenigstens einige 
Notizen über die Resultate zu geben, zu welchen unsere bisherigen Unter- 
suchungen geführt haben. 


8 


Sehen wir ab von den durch Credner schon beschriebenen und weiter 
angekündigten Arten von BrancJiiosaurus und Melanerpeton, deren Iden- 
tität sich wahrscheinlich mit mehreren der auch uns in guten Exemplaren 
vorliegenden Formen bald herausstellen wird, so verbleiben uns immer noch 
vier ausgezeichnete Arten übrig, denen nachstehende Zeilen gelten sollen. 

1. Zygosaurus labyrintMcus Gein., ein naher Verwandter des Zygo- 
saunis lucius Eichwald aus dem Kupfersandstein von Orenburg. Dazu 
gehört auch das in Geinitz’ Dyas, p. 3, Taf. 9, Fig. 2 unter dem Namen 
Onchiodon labyrinthicus Gein. als Zahn beschriebene Knochenfragment. Es 
liegen von dieser Art zwei Schädel vor, deren grösserer circa 24 cm Länge 
und circa 18 cm grösste Breite besitzt. Bei der grossen Analogie mit 
Zygosaurus lucius ist eine nähere Bezeichnung seiner Beste hier nicht er- 
forderlich und soll unserer Hauptschrift Vorbehalten bleiben. 

2. Als Archegosaurus latifrons Gein. et Deichm. haben wir einen circa 
11 cm langen Schädel bezeichnet, der sich insbesondere durch ein sehr 
grosses, breites, anscheinend ungetheiltes Stirnbein auszeichnet, das sogar 
zur Aufstellung einer besonderen Gattung Veranlassung geben kann, wo- 
fern sich der Mangel einer Trennung desselben in zwei Stücke noch weiter 
bestätigen sollte. Die Zähne dieser Art besitzen mit jenen des Zygo- 
saurus labyrinthicus viel Aehnlichkeit. Schuppen des Bauchpanzers ähneln 
jenen von Archegosaurus Burm. und von Ophiderpeton Fritsch. 

3. Phanerosaurus pugnax Gein. et Deichm. Zahlreiche, auf zwei 
Individuen von ansehnlicher Grösse zurückführbare Reste dieses Sauriers 
lassen durch die ganz eigenthümliche Beschaffenheit der Wirbel keinen 
Zweifel übrig, dass wir es hier mit einem der nächsten Verwandten des 
Phanerosaurus Naumanni v. Meyer aus dem Rothliegenden von Oberlung- 
witz im Erzgebirgischen Bassin, wenn nicht mit derselben Art zu thun 
haben, was wir so lange nicht sicher entscheiden können, bis uns nicht 
auch von Niederhässlich Lenden- und Beckenwirbel des Thieres vorliegen 
oder bis man bei Oberlungwitz auch Brustwirbel oder andere bei Nieder- 
hässlich damit zusammen vorkommende Reste des Kopfes, des Schulter- 
gürtels und der vorderen Extremitäten aufgefunden haben wird. 

Wichtige Charaktere für Phanerosaurus liegen namentlich auch in 
der Beschaffenheit der Zähne, welche sehr eng aneinander an dem inneren 
Rande des Zahnbeines stehen, nahe ihrer Basis einen elliptischen Querschnitt 
besitzen und mit ihrer längeren Seite aneinander stossen, mit einer radial 
gefalteten Basis aufsitzen, in der Mitte ihrer Länge sich etwas bauchig 
erweitern, um dann in eine Spitze zu verlaufen, welche nach einer Seite 
hin starke Spuren von Abschleifung zeigt. 

Sehr eigen thümlich ist ferner die Form der scapula und des os cora- 
coideum, die eine nähere Verwandtschalt mit den von 0. Marsh neuerdings 
beschriebenen jurassischen Dinosauriern andeuten. 

4. Hyloplesion Fritschi Gein. et Deichm. ist die zierlichste sala- 
manderartige Form unter allen Stegocephalen von Niederhässlich. Unser 


9 


besterlialtenes Exemplar misst von der Spitze des Kopfes bis zum Ende 
des Schwanzes über 70 mm, wovon der Kopf etwa 7 mm, die Wirbelsäule 
bis an das Becken etwas über 30 mm und der Schwanz ebenfalls 30 mm 
einnimmt. Wie H. longicostatum Fritsch, so zeichnet sich auch diese Art 
durch ihre langen dünnen Kippen aus, die an den Brust- und Lenden- 
wirbeln mit einem zweitheiligen, an den ersten Schwanzwirbeln mit einem 
einfachen Kopfe ansitzen. Kleine stachelartige Fortsätze an den übrigen 
Schwanzwirbeln weisen auf einen Ruder schwänz hin. Die Extremitäten des 
Thieres, seine Zähne und seine sehr zarten Schuppen deuten die nahe 
Verwandtschaft mit Limnerpeton Fritsch an, wovon sich Hyloplesion aber 
schon durch die Beschaffenheit seiner langen, dünnen Rij)pen auffallend 
unterscheidet. 

Dr. H. B. G einitz und Dr. J. V. Deichmüller.“ 

ünterdess ist auch die ausführliche Beschreibung der zweiten, von 
Oberbergrath Prof. Dr. Credner benannten Art, des BrancMosaurus am- 
hlystomus erschienen : 

H. Credner. Die Stegocephalen aus dem Rothliegenden des Plauen- 
schen Grundes bei Dresden. II. Theil. (Zeitschrift der deutschen 
geolog. Ges. 1881. pag. 574.) 

Die in genannter Abhandlung beschriebene Art war vom Verfasser 
in den vorläufigen Mittheilungen über die fossilen Stegocephalen von 
Niederhässlich (Bericht der naturforsch. Gesellsch. Leipzig 1881. p. 6) 
nach den bis dahin allein bekannten Schädelresten zur Gattung Lim- 
nerpeton Fritsch gestellt worden, doch haben später hinzu gekommene 
Skelettheile es ausser allem Zweifel gesetzt, dass sie zu BrancMosaurus 
Fritsch gehört, wofür vor Allem der Bau der Wirbelsäule (Wirbel mit 
intravertebral erweiterter Chorda) spricht. Auch die Aehnlichkeit mit 
Melanerpeton pulcherrimum Fritsch ist nur eine äusser liehe. Von dem be- 
reits früher von der gleichen Localität beschriebenen BrancMosaurus gra- 
cilis Credner und den böhmischen Arten dieser Gattung unterscheidet sich 
Br. amblystomus durch die sehr grossen Nasalia, kleinen Postorbitalia, 
kurzen Jugalia, das Vorhandensein eines Scleroticalpflasters , Fehlen der 
Kiemenbögen, grössere Zahl der Rumpfwirbel, schlankere, durch geringere 
Breite der Wirbel im Verhältniss zur Thoraxlänge bedingte Wirbelsäule 
und Vorhandensein eines kräftigen Bauchpari zers. Trotz dieser Verschieden- 
heiten ist es nicht unmöglich, dass ersterer nur den Larvenzustand der 
letztgenannten Art dar stellt, wofür das Fehlen der Kiemenbögen, der kräf- 
tige Bauchpanzer und die im zunehmenden Alter stärkere Entwickelung 
der Nasalia sprechen könnte, wie Aehnliches durch H. v. Meyer bei 
Archegosaurus BecJieni nachgewiesen wurde. 

Bergdirector Purgold hält sodann einen Vortrag über die Dia- 
manten des Dresdener KönigL Mineralogischen Museums, 
(S. Abh. 1. S. 3.) 


10 


Dr. Funcke giebt darauf über den Erdbrand von Planitz bei 
Zwickau nachstehende Mittheilung : 

„Kaum ein Jahrzehnt ist verstrichen, als man noch in vielen grösseren 
Zeitschriften Anpreisungen der Geitner’schen Treibhausgärtnerei in Ober- 
Planitz lag für Tag lesen konnte. In einer Entfernung von circa einer 
Stunde von Zwickau hatte Herr Geitner eine Gärtnerei von Palmen- und 
Orchideenhäusern nebst Ananaszüchterei auf dem Grund und Boden der 
Ober-Planitzer Flur etablirt, welcher seit Menschengedenken durch unter- 
irdischen Kohlenbrand derartig erwärmt wurde , dass das Winterkleid 
unserer Gegend nie darauf liegen blieb, in darüber erbauten geschlossenen 
Räumen aber eine so grosse Wärme angesammelt wurde, wie sie sich nur 
in tropischen Ländern von Natur findet. Da nun aber dieser unterirdische 
Kohlenbrand weiter vorwärts schritt und mit ihm auch die Erwärmung 
der Erdoberfläche sich änderte, sah sich Herr Geitner genöthigt, die heisse 
Luft seinen Treibhäusern durch Röhren und Kanäle zuzuführen; endlich 
aber schritt der Brand nach Süden bis zum Ausstreichen fort, so dass 
diese ziemlich kostspielig gewordene Erwärmung der Häuser nicht mehr 
ausführbar war. Die Gärtnerei ging ein und jetzt sieht man an Stelle 
früherer tropischer Vegetation nur noch, wie vordem, Feldbau. Um diese 
Zeit des schnellen Rückganges der so berühmt gewordenen Gärtnerei, um 
1864 — 1865, war es, als ich auf der Königin-Marienhütte in Nieder-Kains- 
dorf, also in unmittelbarster Nähe des Brandes, als Volontair eisenhütten- 
männische Studien machte. Gerade der Aufenthalt und die Thätigkeit in 
den grossartig angelegten Coakanstalten der Hütte drängten mir beim 
Passiren des unterirdischen Brandes jedesmal die Frage auf, was wohl 
hier unten vor sich gehe, ob wohl nach so langem Glühen ein ähnliches 
Product entstehe, als im Coakofen nach 36 Stunden, ob und wann wohl 
der Brand einmal verlöschen werde, so dass man sich hier dem Kohlen- 
flötze nähern könne. Der Wunsch, den Zeitpunkt zu erleben, wo der 
Brand sein vollständiges Ende gefunden haben werde, hat sich mir schneller 
erfüllt, als ich wohl damals ahnen konnte, denn im Winter 1880 — 1881, 
also nach 16 Jahren, hatte man, nachdem der Brand zum völligen Er- 
löschen gelangt, durch einen Kunstschacht das Flötz erteuft und konnte 
schon im Februar 1881 den Betrieb des Kohlenbaues an dieser Stelle er- 
öffnen. Das fragliche Flötz heisst, da es im Zwickauer Becken deren fünf 
übereinander giebt, das „tiefe Planitzer Pechkohlenflötz‘‘, von dem man 
durch den in nächster Entfernung (ca. 1 km) befindlichen „Alexander- 
schacht“ die feinste Pechkohle schon seit einer langen Reihe von Jahren 
förderte. Aus dem neuen Schachte fördert man vorzugsweise anthraci- 
tische Kohlen. Beim Streckentreiben stellte sich heraus, dass das Ver- 
coaken der Kohle sehr ungleichmässig vor sich gegangen ist, denn oft sind 
Stöcke bis 2 m vom Deckgebirge herein fast unversehrt gelassen, oft aber 
ist auch das Flötz nur 1 bis ^2 ni tief verändert worden; endlich hat 
sich auch ergeben, dass da, wo Verwerfungen und Brüche, zugleich aber 


11 


auch viel Schwefelkies Vorkommen, auch der Brand am stärksten in Thätig- 
keit gewesen ist. 

lieber die Entstehung des Brandes existiren nun sehr viele, meist total 
falsche Angaben. Das Glaubhafteste hierüber ist Folgendes: 

In der „Chronik der Kreisstadt Zwickau. Von Dr. Emil Herzog. 
Zwickau 1845“ finden sich folgende Angaben verzeichnet: 

Die Steinkohlenlager ziehen sich bekanntlich Stunde südlich von 
der Stadt Zwickau von den Dörfern Bockwa, Oberhohndorf und Reinsdorf 
unter der Mulde hinweg bis nach Ober-Planitz, Nieder-Kainsdorf, Neu- 
dörfel, Schedewitz, Marienthal und fallen jenseits wie diesseits der Mulde 
bis unter die Stadt nach Pölbitz, Brückenbergschacht, Eckersbach etc. bis 
zu einer bis jetzt bekannten Teufe von ca. 1000 m. Das Auffinden der 
Kohlenflötze setzt die Sage bis in die Sorbenzeit zurück, doch reichen 
sichere Nachrichten blos bis zum 15. Jahrhundert, ja die Oberhohndorfer 
wurden erst 1530 entdeckt. Bereits im 16. Jahrhundert waren sie selbst 
im Auslande so berühmt, dass der gelehrte Hieronymus Cardanus und 
die Professoren der Universität Coimbra in Portugal derselben in ihren 
Schriften gedenken. Eine grosse Natur merk Würdigkeit bietet nun das seit 
undenklichen Zeiten auf einer Landstrecke zwischen Nieder-Kainsdorf und 
Planitz unterirdisch brennende Kohlenflötz dar, weshalb es hier beständig 
abwechselnd an mehreren Stellen, die sich siedend heiss anfühlen, bald 
schwächer, bald stärker, aus der Erde hervordampft (bisweilen auch mit 
Geräusch) und selbst im härtesten Winter auf dieser Strecke kein Schnee 
liegen bleibt. 

Von Schmidt (H. T. S. 229) und Albinus (dessen Meissn. Berg- 
chronik S. 187) wird die Entzündung der Kohlen in das Jahr 1479 ge- 
setzt und einem bei Verfolgung eines Fuchses unvorsichtigerweise von 
einem Jäger in einen Kohlenschacht abgefeuerten Schuss zugeschrieben, 
was aber sehr unwahrscheinlich ist. Mehr haben drei andere Meinungen 
für sich, nach welchen der Brand entweder durch einen Blitzstrahl oder 
durch Selbstentzündung auf chemischem Wege oder durch das Anzünden 
eines Ameisenhaufens auf einer Stelle, wo die Kohlen zu Tage ausgingen, 
verursacht worden sein soll. 

Der berühmte Mineralog Georg Agricola (Bauer), welcher sich vier 
Jahre als Lehrer an der griechischen Schule zu Zwickau auf hielt und 
diese Schächte mehrmals befahren hat, gedenkt zwar in seinen Schriften 
sehr oft des Brandes, sagt aber ausdrücklich, dass Niemand wisse, wann 
und wie derselbe entstanden sei. Da nun Agricola 1494 zu Glauchau ge- 
boren ist und in seinem 24. Jahre nach Zwickau kam (1518 — 22 Rector 
in Zwickau), hätten folglich damals noch viele Leute am Leben sein 
müssen, die sich der Entstehung des Brandes erinnerten und ihm Nach- 
richt davon hätten geben können. In seinem Buche: De natura eorum, 
quae e terra effluunt IV. pag. 158 sagt er z. B. : Verum incendii prin- 
cipium hominum aetas non novit. Ante quadraginta annos vehementius 


12 


arsit moiis adeo, ut metum meuteret oppido. Quia vero in superficie tan- 
tum ardet, verisimile est, eum ab homine primum accensum fuisse. Das 
von Schmidt angegebene Jahr 1479 ist also nicht wahrscheinlich, sondern 
der Brand muss jedenfalls schon weit früher begonnen haben, wenigstens 
ist Agricola’s, als eines berühmten Mineralogen, Autorität grösser, als die 
des nicht immer zuverlässigen Albinus, auf den sich Schmidt beruft. 
Uebrigens geht aus einigen Bemerkungen Agricola’s, insbesondere aus der 
oben citirten hervor, dass die Kohlen früher zu manchen Zeiten selbst 
zu Tage ausbrannten.“ 

Dr. Deich müller referirt über seine in Nova Acta d. K. Leop.- 
Carol. Akad. d. Naturforscher vol. XLII. Nr. 6. pag. 295. T. XXI jüngst 
erschienene Abhandlung: Fossile Insekten aus dem Diatomeenschiefer von 
Kutschlin bei Bilin in Böhmen. 


Dritte Sitzung’ am 8. Juni 1883. Vorsitzender: Oberlehrer Engel- 
hardt. 

Bürgerschullehrer Zipfel wird zunächst zum ersten Protokollanten 
erwählt an Stelle des nach auswärts berufenen Herrn Dr. Pabst. 

Hierauf legt der Vorsitzende folgende Arbeiten vor: 

J. Felix, Studien über fossile Hölzer. Leipzig 1882. 

J. Felix, Ueber die versteinerten Hölzer von Frankenberg in 
Sachsen. Leipzig 1882. 

E. Dathe, Beiträge zur Kenntniss des Granulits. Berlin 1882. 

E. Dathe, Diabas im Culm bei Ebersdorf in Ost- Thüringen. 
Berlin 1882. 

E. Dathe, Glet scher er scheinun gen im Frankenwalde und voigt- 
ländischen Berglande. Berlin 1882. 

Th. Ebert, Die tertiären Ablagerungen der Umgegend von Cassel. 
Göttingen 1882. 

A. H. Grabau, Ueber die Spiralen der Conchilien mit be- 
sonderer Bezugnahme auf die Naumann’sche Conchospirale. 
Leipzig 1882. 

Dr. Deich müller berichtet über einige von ihm neuerdings unter- 
suchte Blattiden aus den Brandschiefern der unteren Dyas von Weissig 
bei Pillnitz. (S. Abh. VL S. 33.) 

Der Vorsitzende hält sodann einen längeren Vortrag über den Braun- 
kohlenbergbau Nordböhmens, in welchem er sich über Lage und 
Grösse der verschiedenen Becken, den Untergrund der Tertiärbildungen, 
deren Gliederung und Deckgebirge, deren geotektonische Verhältnisse zu- 
nächst verbreitet, dann besonders auf Entstehung und Natur der Kohlen 
eingeht, die häufigen Kohlenbrände bespricht, kurz die Geschichte des Berg- 
baues berührt und die Brüderladenverhältnisse schildert. 

Bergingenieur Purgold schliesst hieran eine Schilderung der Art 
des Abbaues der Kohlen in dem Gebiete. 


13 


Bergschuldirector A. Dittmarsch in Zwickau begleitet eine Sendung 
von Salmiak-Krystallen an Geh. Hofrath Geinitz unter dem 21. April 1882 
mit folgenden Worten: 

„Schon seit längerer Zeit ist die Bildung von Salmiak unter der 
Oberfläche brennender Halden bekannt. Man wusste, dass sie nach an- 
haltenden Eegengiissen stärker erfolgte, als bei trockenem Wetter und er- 
hielt dann und wann ziemlich gut ausgebildete tesserale Krystalle, farblos 
oder wenig gefärbt, allein der Salmiak gehörte doch mehr oder weniger 
zu den Seltenheiten. 

Neuerer Zeit ist behufs der Tilgung des Haldenbrandes auf dem 
Schader-Herrmannschacht bei Zwickau die brennende Halde applanirt und 
mit 1 ^/ 2 — 2 Fuss Lehmdecke versehen worden, um der Luftcirculation im 
Innern der Halde möglichste Schwierigkeiten zu bereiten und dadurch 
dem Feuer im Innern seine Nahrung zu entziehen. Ausserdem werden 
noch die Gruben was ser, welche in der Nachtschicht gehoben werden, über 
dieselbe geleitet und mittelst durch die Lehmschicht gestossener Löcher im 
Innern der Halde vertheilt. Das hierdurch erzielte Resultat ist ein eigen- 
thümliches: die Rauchentwickelung ist verringert, anstatt brenzlicher 
Gase entweichen nur Wasserdämpfe, oft mit eigenthümlich stechendem Ge- 
ruch, in nicht zu bedeutender Menge, so dass es schwer fällt, zu sagen, 
ob durch das Daraufleiten des Wassers der Brand im Innern verringert 
worden ist. Unter der Lehmdecke am Rande der Halde setzt sich zwischen 
den Steinen eine beträchtliche Menge von Salmiak an in Begleitung einiger 
anderer Salze, von denen mir gelbes Schwefelammonium und Realgar auf- 
gefallen sind. 

Die Salmiakmenge kann man wohl nach Centnern bemessen und geht 
man damit um, sie nutzbar zu machen. Der Salmiak ist ganz rein und 
oft schön krystallisirt. 

Krystallindividuen bis zu 1,5 cm Seitenlänge bedecken die Gesteins- 
stücke der Halde,' in Hohlräumen derselben zu Tausenden, aber es erfüllt 
der Salmiak auch die letzteren in derben stängeligen Massen. 

Am Fusse der Halde fliesst das Wasser in Form eines warmen, mit 
wenig Salzen verunreinigten Baches ab. 

Der Vorgang dieser Bildung ist noch nicht aufgeklärt und könnte es 
von grossem Interesse für die Industrie sein, wenn man die Salmiakbildung 
reguliren und den Salmiak regelmässig ansammeln könnte.“ 

Dr. Deichmüller theilt folgende an ihn am 25. April d. J. er- 
gangene Zuschrift mit: 

Der Ursprung des Wortes Pläner. 

Den Namen „Pläner“ pflegt man allgemein im Hinblick auf die tafel- 
förmige Struktur dieses Gesteins von planus, plan, eben, herzuleiten und 
damit einen wissenschaftlichen Ursprung des Wortes vorauszusetzen. Nun 
ist aber bekanntlich die Benennung Pläner eine ursprünglich nur in der 


14 


Dresdener Gegend verbreitete und dort ganz vulgäre gewesen, ein Um- 
stand, der von vornherein weit eher auf eine locale Namenbildung hin- 
weist und die obige Annahme unwahrscheinlich macht. Als ich daher 
bei der Durcharbeitung der im Dresdener Eathsarchive aufbewahrten älte- 
sten Stadtrechnungen häufig einen „Plauener Stein“ als Baumaterial ge- 
nannt fand, kam ich sofort auf die Vermuthung, dass dieser Stein der- 
selbe Pläner sei, welcher in der Gegend des Dorfes Plauen bei Dresden 
noch heute gebrochen wird. Bei näherem Eingehen auf die Sache ward 
diese Vermuthung zur Gewissheit. 

Während des 15. Jahrhunderts wird das fragliche Gestein, welches 
stets von Bauern in Plauen, Löbtau und Cotta geliefert ward und in 
Dresden neben dem Sandstein (,, Gehörne“ genannt) und Ziegeln das ge- 
wöhnliche Häuserbaumaterial bildete , in den Stadtbauamtsrechnungen 
(seit 1427) regelmässig „Plawener Stein“ oder schlechthin „Plawener“ 
genannt. Im Anfänge des 16. Jahrhunderts (z. B. in der Brückenamts- 
rechnung von 1520 ü. a.) findet sich die Form „Plaun erstein“, die 
sich bis in die erste Hälfte des 17. Jahrhunderts erhält. Noch in einer Brau- 
haus-Baurechnung von 1646 kommt der „Plaunerstein“, daneben aber auch 
die ganz verderbte Form ,,Blandter stein“ vor, ein Zeichen, dass bereits 
damals das Bewusstsein von der eigentlichen Herkunft des Wortes nicht 
mehr lebendig war. Es ist vielleicht kein Zufall, dass dieses Schwinden 
der Ueberlieferung in die Zeit des dreissigjährigen Krieges fällt, wo die 
Bauthätigkeit stockte und nur wenige Steine aus Plauen bezogen wurden. 
Die weitere Entwickelung des Wortes ist aufs Deutlichste erkennbar. In 
der ,,Amenr eich’ sehen Hausbaurechnung“ von 1674 erscheint neben dem 
„Plaunerstein“ die weiter abgeschwächte Form „Planer st ein“ und die 
Bartholomäihospital-Baurechnung von 1694 zeigt den Abschluss der Ent- 
wickelung, denn hier tritt gleichzeitig der „Planerstein“ und der „Pläner- 
stein“ auf. Von da an behauptet der „Pläner“ (im Plural „Plänerte“) 
die Alleinherrschaft. 

Die Identität jenes alten Plauener Steins mit unserem Pläner unter- 
liegt keinem Zweifel. Es findet sich nirgends eine Spur davon, dass etwa 
der Syenit des Plauenschen Grundes, der als Plauener Stein bezeichnet 
worden sein könnte, im 15. und 16. Jahrhundert gebrochen und verwen- 
det worden sei. (Dagegen wurde schon 1491 vom Maurer Merten Hogk- 
schar in Plauen Kalkstein aufgefunden, wofür er vom Dresdener Käthe 
eine Belohnung von 10 Groschen erhielt, vergl. die Stadtrechnung von 
1491.) Zum Pflastern der Strassen bediente man sich damals der sogen. 
„Wacken“, freiliegender Feldsteine, die besonders am Elb- und Weisseritz- 
ufer aufgelesen wurden, wie ebenfalls aus den Stadtrechnungen hervor- 
geht. Für die ganz gleichartige Verwendung des „Plauener Steins“ und 
des „Pläners“ will ich aus drei verschiedenen Jahrhunderten je eine Beleg- 
stelle anführen. Es heisst 


1. in der Brückenamtsrechnung von 15 09: „1 Schock I 3 V 2 Groschen 
Graell zcu Plawen vor 21 Fuder Plawner Steine, ein Fuder vor 3^2 
Groschen, zcur Brucken, domit die Locher ausgefullet unnd vorzcwickt.“ 

2. in den Bauzetteln von 1622 (Act. A. XV. 31g.): „2 Gesellen und 
Handlanger haben in der . . . Badstuben die Daffelsteine . . . von neuen 
aussgearheidet und vorsezett, auch mit Blaunerstein und Schiefer vor- 
zwicket . . 

3. in der Kathhausbau- Rechnung von 1741: „3 Ruthen gute und 
zum Wiederausgleichen und Verzwickung> derer neuen Mauern dienliche 
Plänerte sind bey Abtragung derer alten abgebrochenen Mauern und 
eingeschlagenen Keller gefunden . . . worden.“ 

Ich glaube damit den ausreichenden Beweis geliefert zu haben, dass 
der Name Pläner sich vom Dorfe Plauen hei Dresden herschreibt. Sonder- 
bar ist es aber, dass gerade die Plauener Sorte, die dem ganzen Gesteine 
den Namen gegeben, diejenige Struktur am wenigsten zeigt, auf welche 
dieser Name bisher zurückgeführt wurde. 

Dresden, im April 1882. 


Dr. Otto Richter, 
liathsarchivar. 


16 


UL Section für Botanik. 


Erste Sitzung am 2. Februar 1883. Vorsitzender: Prof. Dr. Drude. 

Der Vorsitzende hebt unter den Verlusten, welche die letztvergangenen 
Monate der botanischen Wissenschaft zugefügt haben, den Tod des grössten 
Pflanzenkenners, welcher bis dahin lebte und reiche Früchte aus seinem 
umfangreichen Wissen hervorgehen Hess: G. Bentham in London 
(f 14. November 1881) hervor, und ausserdem den Tod des ehemaligen 
deutschen Bryologen und Pioniers der Florendurchforschung von Argen- 
tinien: Prof. Dr. P. G. Lorentz (f 6. October 1881 zu Concepcion del 
Uruguay). 

Dr. K. Keil bespricht die Flora des Kyffhäusergebirges unter Vor- 
legung zahlreicher Belegexemplare von allen selteneren Pflanzen dieses 
kleinen, für die Gliederung der deutschen Flora sehr interessanten Ge- 
bietes, welches Vortragender im Vorjahre selbst untersucht hat. 

„Das Kyffhäusergebirge , im Norden aus krystallinischen Gesteinen 
und Conglomeraten , im Süden aus Steinsalz führendem Gyps bestehend, 
zeigt, entsprechend dieser Verschiedenheit des Bodens, grosse Mannig- 
faltigkeit der Pflanzenformen, von welchen besonders der Kalk eine An- 
zahl seltener Arten birgt. Das sich anschliessende Soolengebiet von Ar- 
tern und Frankenhausen begünstigte die Entwickelung einer förmlichen 
Seestrandsflora, zeigt aber auch einige, nur ihm und der Magdeburger 
Salzgegend eigenthümliche Formen. Diese Salinengewächse zeigen viel 
höheren Wuchs als die gleichen an der Seeküste wachsenden Arten; die 
Zellen der letzteren, unter steter Einwirkung concentrirter Salzlösung, 
sind einer fortwährenden natürlichen Plasmolyse unterworfen, ihre Turges- 
cenz ist aut ein Minimum reducirt, was ein äusserst geringes Wachsthum 
der vegetativen Organe zur Folge hat.“ (Dr. R. Keil.) 

Prof. 0. Drude bespricht in Kürze einen neuen und schönen Bei- 
trag zur sächsischen Flora: Trommer, E., Oberlehrer: Die Vegetations- 
verhältnisse im Gebiete der oberen Freiberger Mulde. (S. A. aus dem 
9. Jahresber. der Realschule I. Ordn. zu Freiberg; 1881.) 

Die Entwickelung der Flora ist in dieser Schrift wie gewöhnlich nur 
nach den allgemeinen klimatischen Grundzügen behandelt, positive Daten 
dafür fehlen (abgesehen von den in den meteorologischen Beobachtungen 


17 


enthaltenen spärlichen Angaben), und es zeigt sich aufs Neue die Noth- 
wendigkeit vergleichender phytophänologischer Beobachtungen. Dieselben 
sollen nun auch in diesem Jahre ernstlich in Angriff genommen werden, 
nachdem^ das vorige Jahr Anregung und Anleitung dazu in den Abhand- 
lungen unserer Gesellschaft gegeben hat; der Vortragende hat zunächst 
für die kleinere erste Anleitung zu Beobachtungen an Culturpflanzen 
Fragebogen*) drucken lassen, welche zur Ausfüllung nach möglichst gün- 
stig gelegenen Orten des Königreiches versendet werden sollen. Es werden 
der Versammlung zum Vergleiche denselben Zweck verfolgende Frage- 
bogen, welche von Buda-Pesth aus in Ungarn und von Danzig aus in 
Westpreussen vertheilt werden, vorgelegt. 

Es ist für unsere eigene speciellste Localkenntniss wünschenswerth, 
dass in Dresden von mehreren Beobachtern in demselben Jahre die vor- 
geschriebenen phänologischen Beobachtungen angestellt werden, um zu- 
gleich dadurch einen Massstab für die Grösse der Schwankungen und also 
auch füc die Sicherheit eines einzelnen Datums zu erhalten; dabei würde 
allerdings die sich immer deutlicher bewährende Thatsache zu berück- 
sichtigen sein, dass in den Centren grosser Städte die Temperaturmittel 
im Winter erheblich höher sind und also auch ein früheres Eintreten 
neuer Vegetationsentwickelung veranlassen. Prof. Magnus in Berlin hat 
einige Berechnungen publicirt (Monatsschrift d. Vereins z. Beförd. d. Garten- 
baues, Juni 1881), welche zeigen, dass Frühlingsblumen sich im Innern 
Berlins 5 bis 8 Tage eher entwickeln, als in der Peripherie der Stadt in 
einem frei gelegenen grossen Garten; hierfür auch in Dresden Belege zu 
sammeln, würde schwer halten, da hier die Elbthalwinde auf die Ent- 
wickelung massgebend sind und die wärmsten Punkte am Südostrande der 
Stadt zu liegen scheinen. 

Vortragender hat auch im Frühjahr 1881 die Hauptzüge in der Ent- 
wickelung der Flora um Dresden registrirt, um sie zum Vergleich für 
reichere Beobachtungen der nächsten Jahre zu verwerthen; besonders in- 
teressant war die rapide Vegetationsentwickelung, als, nach lange anhal- 
tendem kalten Wetter, am 1. und 2. Mai warme Gewitterluft eintrat und 
nun die bis dahin verzögerte Belaubung der Bäume erfolgte; am 2. Mai 
zeigten sich im Plauenschen Grunde fast momentan Betula alba und 
Sorbus aucuparia in voller Belaubung, und Ulmus montana folgte nur 
einen Tag später. 

Obgleich die Jahre mit plötzlich eintretender warmer Sommer luft 
stets ungünstig für Vergleichung nahe aneinander grenzender Gebiets- 
theile sind, weil es in ihnen nun überall rasch Sommer wird, so ergab 


*) Die Originale sollen in der Bibliothek des K. botanischen Gartens aufbewahrt 
werden, da dieser in erster Linie bei den angeregten Beobachtungen betheüigt ist; die 
später sich für Sachsen ergebenden Kesultate werden wahrscheinlich wiederum in den 
Abhandlungen der Isis publicirt werden. Dr. 

Qes. Isis in Dresden, 1888. ~ Sitzungster. 


2 


18 


sich doch auch im vergangenen Jahre deutlich, dass die Dresdner Haide 
in ihrer Entwickelungszeit gegen die Abhänge des Elbthaies und die Mün- 
dung des Weisseritzthales (Plauenscher Grund) um etwa 3 bis 4 Tage 
zurück ist, vielleicht noch mehr. Die Haide zwischen dem Fjschhause 
und Langebrück erscheint gleichsam nordostdeutsch, die anderen genann- 
ten Gegenden mitteldeutsch. Sichere Daten hierfür in kommenden Früh- 
jahren zu gewinnen ist leicht und vielleicht nicht uninteressant, wenn man 
alsdann nach dem Grunde dieser Erscheinung fragt. 

Um zu zeigen, von welchem Werthe phänologische Angaben für einen 
Vergleich entfernterer Gegenden desselben Vegetationsgebietes sind, werden 
einige Entwickelungsstadien aus dem Frühling 1881 von Dresden und Riga 
hier zusammengestellt; die ersteren sind vom Vortragenden notirt, die 
letzteren verdankt derselbe der freundlichen Correspondenz von Herrn 
Dr. F. Buhse in Friedrichshof bei Riga. 



Erste Blüthe von: 


Volle Blüthe von: 

Primus avium 

§ 

cc 

C(3 

p 

4 

Salix Caprea j 

Anemone 

nemorosa 

Oxalis 

Acetoselia 

Pyrus 

communis 

Populus 

tremula 

Anemone 

nemorosa 

Oxalis 

Acetoselia 

Taraxacum 

officinale 

Majanthemum 

hifolium 

Dresden 

IV. 30. 

IV. 25. 

IV. 10. 

IV. 12. 

IV. 28. 

Datum 

V. 10. 

IV. 12. 

IV. 23. 

V. 3. 

IV. 29. 

VI. 5. 

Riga . . 

V. 27. 

V. 21. 

V. 8. 

V. 6. 

V. 24. 

Datum 

V. 31. 

V.8. 

V. 22. 

V. 28. 

V. 29. 

VI. 17. 

Verspätung 













in Riga . 

27 

i 

26 

28 

24 

26 

Tage 

21 

26 

29 

25 

30 

12 



Erste Belaubung von: 


Prunus 

avium 

Crataegus 

Oxyacantha 

Sorhus 

aucuparia 

Samhucus \ 

racemosa | 

1 

Corylus 

Avellana 

Ainus 

glutinosa 

Quercus 

pedunculata 

1 

! 

Dresden . . 

IV. 23. 

IV. 18. 

IV. 28. 

IV. 12. 

IV. 23. 

IV. 27. 

V. 7. 

Datum. 

Riga 

V. 29. 

V. 24. 

V. 22. 

V. 27. 

V. 22. 

V. 24. 

V. 27. 

Datum. 

Verspätung 

i 


i 






in Riga . . 

36 

36 

24 

1 

45! 

29 

27 

20 

Tage. 


Im Allgemeinen beträgt also die Verspätung von Riga, Dresden gegen- 
über, etwa vier Wochen, die in Bezug auf den Eintritt des Frühlings 
schwer wiegen; man erkennt aber auch aus den wenigen hier angeführten 


19 


Beispielen die Ungleidiförmigkeit der Verspätung bei den einzelnen Arten. 
Die geringere Verspätung von Majanthemum hifoUum allerdings ist schon 
darauf zurückzuführen, dass deren Blüthezeit in den Anfang des Juni 
fällt, wo. die nordischen Gegenden schon stark das Versäumte nachholen; 
dennoch bleiben noch Schwankungen genug übrig, die nur auf die physio- 
logische Eigenartigkeit jeder Species zurückzuführen sind: eine jede will 
mit eigenem Massstabe gemessen sein und stellt selbst einen eigenen Mass- 
stab zur Beurtheilung der klimatischen Verhältnisse dar. 


Zweite Sitzung* am 16 . März 188 ’ 2 . Vorsitzender: Oberlehrer Dr. 
R. Keil. 

Prof. Dr. Drude hält einen Vortrag über ,,die Flora Algeriens“ im 
Anschluss an die allgemeine Charakterisirung dieses Gebietes in dem vor- 
trefflichen, jetzt neu erscheinenden Werke von Dr. E. Cosson in Paris: 
Compendium Florae Atlanticae, welches eine vollständige und auf breite- 
ster Basis aufgebaute Flora der Barbareskenstaaten Marokko, Algerien 
und Tunis enthalten wird. (Vergl. das Aprilheft von Petermann’s Geogra- 
phischen Mittheilungen dieses Jahres.) 

Obergärtner Petasch bringt aus der Alpenflora des botanischen 
Gartens blühende Exemplare von Frimula hirsuta All., P. Äuricula L., 
P. minima L., P. marginata Gurt., Soldanella montana Willd. und JDraba 
ai^oides L. zur Vorlage. 

Handelsschullehrer 0. Thüme zeigt hierauf einen Ast von Pinus 
australis Mich, aus Florida mit 40 cm langen Nadeln, von denen je drei 
in einer Scheide sitzen. 

Dr. Keil legt eine Serie von fünf-, sechs-, sieben- und neunlappigen 
und fünf-, sowie siebentheiligen Epheublättern vor, welche er von Mr. 
Hak er aus London erhalten hatte. 


Dritte (ausserordentliche) Sitzung am 27, April 1883. (Literatur- 
Abend.) Vorsitzender: Prof. Dr. Drude. 

Dr. R. Keil referirt über: Wiesner, „Das Bewegungsvermögen der 
Pflanzen. Eine kritische Studie über das gleichnamige Werk von Charles 
Darwin, nebst neuen Untersuchungen. Wien 1881.“ 

Nachdem schon Darwin’s frühere Untersuchungen über Kletterpflanzen, 
über die Befruchtung der Orchideen, sowie über insektenfressende Pflanzen 
gezeigt hatten, dass die alte Ansicht, der Pflanze komme im Gegensätze 
zum Thiere keinerlei selbständige Bewegung zu, für einige Pflanzengruppen 
nicht festgehalten werden könne, hat Darwin in seinem neuesten Werke 
eine, nach ihm allen Pflanzen ohne Ausnahme zukommende Bewegung be- 
schrieben, welche die primäre Ursache aller übrigen Bewegungserschein- 
ungen sein soll. Diese Urbewegung, welche nach Darwin schon im Keim- 

2 ^- 


20 


ling, später an allen freien Enden wachsender Organe sichtbar ist, durch 
deren Modification Geotropismus, Heliotropismus, Hydrotropismus und 
alle übrigen spontanen, wie paratonischen Nutationen erklärt werden, ist 
im wesentlichen von derselben Art, wie die des Stammes einer kletternden 
Pflanze, dessen Spitze, fortwährend in Kotation begriffen, sich nach allen 
Punkten der Windrose bewegt. Die Ursache dieser, Circumnutation ge- 
nannten Bewegung findet Darwin in der, auf einer Seite verstärkten Tur- 
gescenz der Zellen, deren Folge eine grössere Dehnung des betreffenden 
Theiles der Zellwand ist; dieser Theil krümmt sich convex und veranlasst 
eine, der ganzen Seite sich mittheilende Bewegung des freien Pflanzen- 
theiles. 

In seiner Kritik der Darwin’schen Ausführungen wendet sich Wiesner 
nun vor Allem dagegen, dass die Turgordehnung allein Ursache jener Be- 
wegung sein solle, behauptet vielmehr, dass erst die Gesammtheit aller, 
gleichzeitig eingreifenden Wachsthumsfactoren jene Nutationen veranlasse. 
Durch sorgfältig ausgeführte Experimente zeigt er, dass nur bei einer be- 
stimmten Temperatur, sowie bei Gegenwart von Sauerstoff Bewegungen 
zu Stande kommen, welche letztere sich daher wesentlich von den durch 
einfache Wasser aufnahnie herbeigeführten Krümmungen unterscheiden. 
Trotzdem bieten diese Versuche nur neue Beweise für die auch von Darwin 
fortwährend betonte Thatsache, dass jene Bewegungen nur unter den Be- 
dingungen des Wachsthums sich vollziehen, können aber nicht Darwin’s 
Meinung entkräften, dass von den zahlreichen Wachsthumsfactoren vor- 
züglich die Turgordehnung als Ursache jener Erscheinung angesehen 
werden müsse. 

Bezüglich des Heliotropismus hatte Darwin behauptet, derselbe greife 
den für das Licht empfindlichsten Theil zuerst an und pflanze sich von 
da, gleich einem Reize, auf unbeleuchtete, sogar heliotropisch unempfind- 
liche Theile fort. Zu dieser Meinung war er nach zahlreichen Versuchen 
mit decapitirten Keimlingen gekommen, welche sich nicht heliotropisch 
krümmten wie die unverletzten, ihrer Spitze nicht beraubten Cotyledonen. 

Wiesner wiederholte nun mit der grössten Genauigkeit die Versuche 
Darwin’s, indem er decapitirte Keimlinge im einseitigen Lichte weiter 
wachsen liess. Er fand, dass schon bei einer Abtragung der Spitze in 
der Länge von 4 mm das Wachsthum gegen das der unverletzten bedeutend 
zurückblieb, bei weiterer Decapitation stetig abnahm und endlich ganz 
auf hörte. Mit diesem abnehmenden Wachsthum hielt die heliotropische 
Empfindlichkeit gleichen Schritt. Die letzte Beobachtung Wiesner’s stimmt 
daher mit der von Darwin überein; während dieser jedoch schliesst, dass 
der untere Theil des Hypocotyls nicht heliotropisch reagire, ist durch 
Wiesner’s Versuche festgestellt, dass er nicht der Einwirkung des Lichtes 
folgen kann, da sein Wachsthum durch die Decapitation reducirt ist. Den 
weiteren Folgerungen Darwin’s, die heliotropische Krümmung lasse sich 
also nur auf die Einwirkung der lichtempfindlichen Spitze auf den unteren 


21 


Theil des Stengels zurückführen, begegnet Wiesner mit der Behauptung, 
dass es der meist überhängende Theil des Stengels sei, welcher auf die an 
der concaven Seite befindlichen Zellen drücke und sie im Wachsthum 
hindere, während auf der entgegengesetzten Seite stärkeres Wachsthum 
stattfinde. Durch einen sinnreich construirten Apparat, welcher die Wirkung 
der Schwerkraft ausschloss, wies er die Richtigkeit seiner Behauptung 
nach: der Versuch zeigte, dass nur der obere Theil des Keimlings dem 
Lichte zugekrümmt, der untere aber völlig gerade war. 

Die wichtigste Partie des Darwin’ sehen Werkes besteht in seinen 
Untersuchungen über die Empfindlichkeit des Würzelchens. Darwin fand, 
dass ein leiser, auf die Wurzelspitze einseitig ausgeübter Druck die Wurzel 
nöthigt, in der wachsenden Region, also entiernt von der Angriffsstelle, 
eine Krümmung auszuführen, welche sie vom Orte des Druckes wegwendet; 
es soll auch hier die Wurzelspitze den empfangenen Reiz auf die im 
starken Wachsthum befindliche Zone fortleiten. 

Wiesner konnte nicht die Ueberzeugung gewinnen, dass es die ein- 
fache Berührung oder der Druck sei, welche die Wurzel zwingen, nach der 
entgegengesetzten Seite auszuweichen ; denn Versuche zeigten , wie die 
Wurzel in Quecksilber einzudringen und Fliesspapier zu durchbohren ver- 
mag, ohne sich zu krümmen. Wiesner constatirte durch Experimente, 
dass sogar ein Gegengewicht von 1 Gramm und darüber die Wurzel nicht ver- 
anlasste, sich von der drückenden Fläche wegzuwenden, während Darwin 
dies durch Ankleben eines Car ton Stückchens von der Grösse weniger 
Quadrat-Millimeter erreicht hatte. Wiesner vermuthete daher, dass es die 
durch das Klebmittel verursachte Verletzung sei, welche die Wegbiegung 
veranlasse; er bewies auch wirklich, dass die am Carton klebende Stelle 
des Würzelchens absterbe und so ein heftiges Nachströmen des Saftes in 
den darüber gelegenen Stellen des Würzelchens veranlasse; hieraus lasse 
sich deren convexe Biegung in Folge stärkeren Wachsthums erklären. 
Wenn man diese Krümmung aber auch nicht auf einen Reiz der Wurzel- 
spitze zurückführen kann, so ist dieselbe doch von so biologischer Be- 
deutung für die Pflanze, dass Wiesner vorschlägt, sie zu Ehren ihres Ent- 
deckers Darwinsche Krümmung zu nennen. Den aus dieser Erscheinung 
gezogenen Schluss Darwin’s: die Wurzelspitze wirke wie ein Gehirn nie- 
derer Thiere, indem sie Hindernissen ausweiche und auch die über ihr 
liegenden Theile zu gleichem Verhalten veranlasse, weist Wiesner jedoch 
entschieden zurück, da man durch Vergleichung mit den noch unerklärten 
Nervenreizen der Thiere keine Klarheit erhalte und an deren Stelle un- 
bewiesene Behauptungen stelle, welche sich mit einer nüchternen Natur- 
forschung nicht vertrügen. 

Wiesner’s Kritik geht endlich an die Untersuchung der Frage, ob der, 
von Darwin Circumnutation genannten Bewegung eine allgemeine Verbrei- 
tung im Pflanzenreiche zukomme. Aus zahlreichen, an Wurzeln, Stengeln 
und Blättern vorgenommenen mikroskopischen Beobachtungen geht nun 


22 


hervor, dass lange Strecken hindurch völlig gerades Wachsthum herrscht, 
unterbrochen von unregelmässigen Schwankungen und kleinen oder grösse- 
ren Abweichungen von der vertikalen Kichtung. Diese Versuche waren 
unter völligem Ausschluss des Lichtes vorgenommen worden; liess man 
letzteres nun hinzutreten, so begannen jene „Circumnutationen“ in auf- 
fallender Weise. Daher kommt Wiesner zu dem Schluss, dass die „Cir- 
cumnutation“ eine Folge des Zusammenwirkens der verschiedenartigsten 
Kräfte sei, welche man theils auf äussere Einflüsse, theils auf innere 
Wachsthunisstörungen , hervorgerufen durch ungleichmässigen anatomi- 
schen Bau des Organes, zurückzuführen habe. Je nachdem die von allen 
Seiten einwirkenden Kräfte einseitig verstärkt werden oder sich das Gleich- 
gewicht halten, nimmt die Resultante eine andere Richtung an oder drängt 
zu geradem Wachsthum. 

Eine nach Darwin allen Pflanzen zukommende Urbewegung giebt es 
daher nicht, ebenso wenig sind Heliolropismus, Geotropismus und Hydro- 
tropismus Modificationen jener; dies geht auch daraus hervor, dass 
Wiesner an einzelligen Pilzen zwar Heliotropismus und Geotropismus, 
aber keine Spur von Circumnutation entdeckte. (Dr. R. Keil.) 

Prof. 0. Drude fügt hinzu, dass man aus der soeben ausführlich 
vorgetragenen Gegenüberstellung beider gleichnamiger Arbeiten von Dar- 
win und Wiesner nicht die Meinung gewinnen möge, als ob Letzterer in 
polemischer Weise gegen Darwin’s anregende Betrachtungsweise habe auf- 
treten wollen; im Gegentheil ist Wiesner’s Kritik eine hervorragende 
Leistung, da sie die höchste wissenschaftliche Würde zur Schau trägt und 
nur der Sache der Wahrheit diente. Und auf dem dunklen Gebiete der 
meisten biologischen Kapitel thut es Noth, das wirklich Feststehende von 
dem Gemuthmassten oder nur als Erklärung Naheliegenden zu sondern. 
Nach Darwin’s Werke, welches namentlich in England selbst als die hervor- 
ragendste Leistung des Jahres 1880 betrachtet wurde, hätten Viele, denen 
ein selbständiges physiologisches Urtheil abgeht, meinen können, es sei 
eine neue Lehre zur unanfechtbaren Gewissheit erhoben; auf welchen Grund- 
lagen aber dieselbe steht, zeigt die Möglichkeit einer solchen Kritik des 
berühmten Wiener Physiologen. Selbst wenn man eine Entscheidung 
zwischen Darwin’s und Wiesner’s Ergebnissen nicht zu treffen wagt, ist 
die Hervorhebung der Schwierigkeit einer solchen Entscheidung und die 
Bezeichnung des Problematischen an Stelle einer trügerischen Gewissheit 
ein Glück zu nennen. 


Vierte Sitzung* am 1. Juni 1883. Vorsitzender: Oberlehrer Dr. R. Keil. 
Freiherr D. v. Biedermann berichtet über die Pflanzengruppe der 
JRhimntherae Endl. — Den Auszug aus dem durch zahlreiche Demon- 
strationen an Tafelwerken, eigenen Aquarellen des Vortragenden, sowie 
einigen getrockneten Exemplaren erläuterten Vortrage s. Abh. VH. S. 45. 


23 


IV. Section für Physik und Chemie. 


Erste 8itzuii^ am 16. Februar 1883. Vorsitzender : Hofrath Dr. 
Schmitt. 

Professor Dr. Hempel spricht 

1. über Filtration und speciell über die von Co och und Casa- 
major vorgeschlagenen Filtrirvorrichtungen ; dann werden einige 
vom Vortragenden verbesserte Filtrirmethoden vorgeführt, welche 
sich zu Laboratoriumszwecken besonders empfehlen; 

2. über die Bestimmung des Stickoxyds durch Verbrennung mit 
Wasserstoff; 

3. über die Absorption des Wasserstoffs mittelst der flüssigen Le- 
girung von Kalium und Natrium. 

Diese Metalllegirung wird während des Vortrages dargestellt und der 
Apparat, welcher zu der originellen Absorption dient, vorgezeigt. 

Am Schluss der Sitzung weist noch Prof. Hempel nach, welche er- 
hebliche Quantitäten Gase, und besonders Kohlensäure, von vulkanisirtem 
Gummi aufgenommen werden. 


Zweite Sitzung am 30. April 1883. Vorsitzender: Hofrath Dr. 
Schmitt. 

Dr. R. Möhlau hält einen Vortrag über die 

„Farbstoffe aus dem Steinkohlentheer.“ 

In der Einleitung an den Reiz der über die ganze sichtbare Natur 
ausgebreiteten Farben erinnernd, welcher seine Wirkung in hohem Grade 
auch auf den Menschen äusserte und ihn mit wachsender Cultur und Bil- 
dung dahin trieb, aus eigener Machtvollkommenheit diese Farbenpracht 
zu schaffen, ein Bestreben, welches zur Begründung einer neuen und spe- 
ciell für unser Vaterland in nationalökonomischer Hinsicht die grösste 
Werthschätzung beanspruchenden Industrie geführt habe, wie aus der 
Thatsache hervorgehe, dass Deutschland in Farbstoffen einen jährlichen 
Umsatz von annähernd 30 Millionen Mark erziele, giebt der Vortragende 
an der Hand zahlreicher Experimente und unterstützt durch den Besitz 


24 


einer Sammlung von circa 100 Proben, die er dem liebenswürdigen Ent- 
gegenkommen der vier bedeutendsten deutschen Farbstoffetablissements 
verdankt, nämlich der badi sehen Anilin- und Sodafabrik in Lud- 
wigshafen, der Actiengesellschaft Farbwerke vor mals Meister, 
Lucius & Brüning in Höchst, der Frankfurter Anilinfarben- 
fabrik und derjenigen von Kalle & Co. in Biebrich, einen Ueber- 
blick über die künstlich erzeugten organischen Farbstoffe. Nach Erläute- 
rung der Gewinnung und Zusammensetzung des Theeres, als dessen wich- 
tigste Bestandtheile das Benzol, das Toluol, das Naphtalin, das 
Anthracen und das Phenol erscheinen, geht der Sprecher auf die 
Entwickelungsgeschichte der hieraus darstellbaren Farbstoffe näher ein und 
gedenkt der auf diesem Gebiete besonders thätigen uud verdienten For- 
scher, nämlich A. Baeyer, Caro, Dale und Schorlemmer, 0. Doeb- 
ner, E. und 0. Fischer, P. Griess, Graebe und Liebermann, A. 
W. Hofmannn, H. Kolbe und R. Schmitt, Nietzki, Perkin, 
Runge und 0. N. Witt. Hierauf werden die einzelnen Substanzen vor- 
geführt und die Farbstoffe theils synthetisch dargestellt, theils werden ihre 
charakteristischen Reactionen gezeigt und erklärt. 

Hieran knüpft Dr. von Heyden eine Mittheilung über gelbe und 
rothe Farbstoffe, die durch Nitrification und Bromirung aus Salicylsäure 
gewonnen werden, und zeigt die schönen Farbstoffe vor. 


Dritte Sitzung’ am 15. Juni 1883. Vorsitzender: Hofrath Dr. 
Schmitt. 

Hofrath To epler spricht über Plante’s Elektricitätsaccummu- 
lator, welcher bei Gelegenheit der vorjährigen Elektricitätsausstelluug 
in Paris die Aufmerksamkeit der Fachmänner auf sich lenkte. Vor- 
tragender geht zunächst auf die Geschichte der Accummulatoren ein. Dem 
physikalischen Princip nach gehören dieselben in die Gruppe der sogen. 
Polarisationsketten, als deren erste die Ladungssäule von Ritter zu er- 
wähnen ist. Man weiss durch die Untersuchungen von Carlisle, Cruiks- 
hank und Davy, dass der elektrische Strom, wenn er durch angesäuertes 
Wasser geleitet wird, an den Elektrodenplatten Wasserstoff und Sauer- 
stoff ausscheidet. Hierdurch entsteht ein Gegenstrom, der sogen. Polari- 
sationsstrom, welchen man leicht nachweisen kann, indem man das Volta- 
meter aus dem Stromkreise ausschaltet und die Elektrodenplatten mit 
einem Galvanometer verbindet. Der mit Elektrodenplatten von Platin er- 
haltene Polarisationsstrom ist nur von kurzer Dauer. 1844 hat Poggen- 
dorff eine Vorrichtung, die sogen. Wippe, angegeben, mit welcher mehrere 
Voltameter gleichzeitig geladen und darauf rasch zu einer Polarisations- 
säule combinirt werden können. Eine andere sehr sinnreiche Form wurde 
1864 von Thomson in Kopenhagen construirt. Auch andere Metalle können 
als Elektrodenplatten dienen. Linsteden wies nach, dass Bleiplatten in 


25 


verdünnter Schwefelsäure in Folge der Bildung von Bleidioxyd an der 
positiven Elektrode starke Polarisationsströme geben. Aber erst Plante 
hat durch eine Keihe von mit ausserordentlichem Fleisse durchgeführten 
Versuchen nachgewiesen, dass sich diese letztere Comhination bei geeigne- 
ter Behandlungsweise in hohem Grade als Accummulator für galvanische 
Elektricität eignet. 

Der Vortragende geht hiernach zur Erläuterung des Plante’schen 
Apparates über. Derselbe besteht aus einem cylindrischen Gefäss, welches 
mit einem Gemisch von Wasser mit Vio Volumen Schwefelsäure gefüllt 
ist. In diese Flüssigkeit tauchen zwei spiralig gebogene Bleiplatten, welche 
mit Klemmen zur Aufnahme von Drähten versehen sind. Zum Zwecke 
der Vorbereitung der sogen. Formation eines solchen Elementes soll das- 
selbe vermittelst zweier Bunsenelemente sehr häufig geladen und wieder 
entladen werden, und zwar mit abwechselnder Richtung des Ladungs- 
stromes. Dazwischen soll das Element gelegentlich in langen Ruhepausen 
geladen stehen bleiben. Durch die beschriebene Behandlungsweise wird 
die Capacität des Apparates successive sehr bedeutend erhöht. Später 
ladet man ihn stets in demselben Sinne. Die Ladung ist vollendet, so- 
bald sich reichliche Gasentwickelung zeigt. Die chemischen Vorgänge in 
der Kette sind complicirter, als es auf den ersten Blick scheinen könnte. 
H. Gladestone und A. Tribe haben gezeigt, dass sich Bleisulfat bildet und 
dass diesem eine wesentliche Rolle zugeschrieben werden muss. (Siehe 
Telegraphie- Journal Bd. 10, Nr. 216 und 226.) 

Wie man sieht, so beansprucht der Plante’scbe Accummulator eine 
aufmerksame Behandlung. An demselben hat Faure 1881 eine Abände- 
rung getroffen, indem er die Bleiplatten mit einer Mennigdecke versah und 
damit die Wirkungsdauer des Apparates noch erhöhte. Praktische Ver- 
suche, die im „Conservatoire des Arts et Metiers“ mit 35 derart armirten 
Elementen ausgeführt wurden, ergaben, dass dieselben, 23 Stunden lang 
durch eine Dynamomaschine geladen, welche einen Motor von 1,5 Pferde- 
kraft bedurfte, 11 Glühlichtlampen 10^2 Stunden hindurch in Thätigkeit 
erhalten konnten. Der Vortragende zeigt am Schlüsse, dass vier Plante- 
sche Elemente von je 40 qdem wirksamer Oberfläche mit einem Foucault- 
schen Regulator ein kleines glänzendes Kohlenlicht lieferten und eine 
magnetoelektrische Maschine auf einige Zeit in Rotation zu versetzen im 
Stande waren. 


26 


V. Section für vorhistorische Forschungen. 


Erste Sitzung’ am i2, Januar 1883. Vorsitzender: Porzellanmaler 
E. Fischer. 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz berichtet über die neu erschienene Schrift: 
,^Glyphes des rochers du Bohuslän (Suede), dessines et puhlies par L. 
Balt^er, avec une preface de Victor Rydherg. I. Part. Gothenburg 1881. 
Fol.“, in welcher die eigenthümlichen in Granitfelsen eingegrabenen Fi- 
guren von Bohuslän, die aus prähistorischer Zeit stammen, abgebildet und 
beschrieben sind. 

Derselbe macht ferner auf einen Aufsatz von Dr. A. Jentzsch auf- 
merksam, der über die ältesten Spuren des Menschen in Mitteleuropa 
handelt und in den Schriften der Physikalisch-ökonomischen Gesellschaft 
in Königsberg, 22. Jahrgang, I. Abth., 1881, pag. 9 erschienen ist. 

Den Hauptvortrag hält Herr Maler E. Fischer: „lieber die Bau- 
weise prähistorischer Burgwälle im Elbthale.“ 

Vortragender unterscheidet nach den von ihm gemachten Beobacht- 
ungen bei seinen Untersuchungen hiesiger Burgwälle viererlei Bauweisen 
derselben, nämlich: 

1. Stein wälle mit darüber aufgeschichtetem Brandwalle, umkleidet 
mit abwechselnden Stein- und Erdschichten (z. B. die Schanze hinter 
Koschütz, gewaltig in Anlage und Ausführung). 

2. Brandwälle, bei denen der untere Theil aus einer Lage ver- 
kohlter Holzstämme besteht, über welchen sich eine hohe Schicht ge- 
brannter, mit Stroh oder Gras durchkneteter Lehmstücke befindet. Um- 
kleidet und bedeckt sind dieselben mit Erde (z. B. Wall bei Niederwartha, 
südlich des Burgberges; die sogen. Goldkuppe bei Dispar). 

3. Steinschuttwälle. In der Mitte unter dem aufgeworfenen 
Walle findet man einen bis 1 m breiten Streifen Holzkohle, die mit 
Scherben und Knochen vermengt ist (Wall auf dem Kaupschen im 
Müglitzthale ; die Bosel bei Sörnewitz; die Schanze bei Zehren). 

4. Erd wälle, die nur aus Erde oder Sand aufgeführt sind (der 
Burgberg bei Dispar; die Girschanze bei Dispar; der kleine Bogenwall 
im Lössnitzgrunde; der Sandwall am Pfaffenstein in der sächsischen 
Schweiz), 


27 


Die meisten dieser Burgwälle sind noch Fundstätten von Gefäss- 
sclierben der verschiedensten Structur und Bearbeitung, mannichfaltig so- 
wohl in ihrem Typus, als in ihrer Verzierung. 


Zweite Sitzung am 2, März 1883. Vorsitzender: Hofapotheker Dr. 
L. Caro. 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz spricht Worte der Erinnerung an das 
jüngst verschiedene Ehrenmitglied der Isis, Eduard Desor. (S. Abh. IV. 
S. 27.) 

Fräulein Ida von Boxberg begleitet eine Sendung an das K. Mine- 
ralogische Museum mit folgenden Worten: 

Thevalles, den 27. December 1881. 

„Beide Kistchen enthalten die Fortsetzung meiner Ausgrabungen der 
Höhle von Rochefort (vergl. Isisber. 1877. p. 1 — 5). Eine Abzweigung 
der grossen Wölbung dieser Höhle im Hintergründe rechts, deren Oeff- 
nung durch Erdreich und Felsblöcke ganz verschüttet war, enthielt die 
Knochenreste, die Spuren der Brandstätte, die Steinwerkzeuge und alle 
die Knochengeräthe, welche ich Ihnen im vergangenen Herbst gesendet 
habe. Ich setzte die Arbeit im Sommer fort, ein gangartiger Felsen- 
spalt von 1 m Breite und 60 m Länge wurde ausgegraben und das Re- 
sultat dieser neuen Untersuchungen findet sich in den jetzt abgegangenen 
Kistchen. 

Die von mir beigelegten Pfeilspitzen sind alle dem Plateau Margot 
entnommen, dessen Fläche ich abermals umpflügen Hess. Auffallend ist 
es, dass hier die Pfeilspitzen im Vergleich zu den übrigen Steingeräthen 
sehr vorwalten, vielleicht ein Beweis dafür, dass sie mit zur Erlangung 
von Wasservögeln gedient haben mögen, welche auch nach der Ansicht 
von Professor Gaudry eine Hauptnahrung jener einstigen Höhlenbewohner 
geliefert haben.“ 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz theilt aus einem anderen Briefe von Fräu- 
lein Ida von Boxberg Folgendes mit: 

„Thevalles, den 12. Februar 1882. 

Seit längerer Zeit bin ich mit der Untersuchung einer Höhle be- 
schäftigt, welche Reste vorhistorischer Beerdigung enthält. Diese Höhle, 
welche 16 m über dem Wasserspiegel der Erve liegt, bildet eine kessel- 
artige Vertiefung, deren Untergrund mit dem Elussbette in Verbindung 
zu stehen scheint. Nachdem die Beseitigung von Steinmassen durch 
zwei Arbeiter während acht Tagen so weit vorgeschritten war, dass ich 
in die Oeffnung der Höhle eindringen konnte, Hess ich das Erdreich 
und die Stein anhäufungen des inneren Raumes vorsichtig schichtenweise 
abtragen. Bald wurden nun Reste menschlicher Gebeine, die auf 10 
bis 12 Individuen, darunter auch Kinder, hinweisen, aufgedeckt, doch 
y^aren sie nicht mehr in dem geringsten Zusammenhänge. Zerschlagene 


28 


Kopfstücken lagen zerstreut umher, bald da, bald dort ein Arm oder 
Bein und immer wieder Steinblöcke und Erde darüber. [Jn Willkür lieb 
drängte sich da der Gedanke auf, dass diese Höhle zur Vergrabung der 
Beste verschiedener Schlacbtopfer , vielleicht früherer Anthropophagen, 
gedient haben möge. 

Gleich obenauf wurden nach Abtragung der ersten Steinschicht ge- 
funden : 

ein scharf geschliffenes Steinbeil aus Grünstein, 
die Hälfte eines grossen Messers aus Silex; 

tief unter dem Schutte: 

zwei kleine Feuersteinmesser, ein langer, zugespitzter, dolch- 
artiger Knochen, ein Schaber (grattoir), ein Sägemesser (cou- 
teau scie), eine Pfeilspitze, sowie ein feines, schmales 8 bis 
10 cm langes, scharf geschlagenes Instrument, welches man 
der Verwendung bei Trepanationen zuzuschreiben pflegt, wo- 
für ich indess keine weiteren Beweise fand. 

Nach der Ansicht eines Arztes, welcher meinen Ausgrabungen bei- 
wohnte, weisen die hier gefundenen menschlichen (Jeberreste auf einen 
grossen und kräftigen Bau des Individuums mit kurzem Oberkörper hin, 
ihr Schädel war dick, der Kopf stark nach hinten gezogen, die Zähne 
sind stark und gesund, wenn auch bis fast auf die Wurzel abgenagt. 
Feinere Knochen, wie Rippen, Zehen, Handgelenke, fehlten durchweg 
und sind vielleicht im Laufe der Zeit zerstört worden. 

Ich war sehr erfreut, dass die Auffindung des fossilen Menschen gerade 
den Schlussstein meiner Ausbeute im Ervethale (vergl. Sitzungsber. d. 
Isis 1877. p. 1 — 5) bilden sollte und werde mich freuen, einige Reste 
davon Ihrem Museum bald übergeben zu können. 

Die Fauna war an dieser Stelle nur schwach vertreten. Ich sam- 
melte nur die Reste eines Schakals, vier Köpfchen eines Murmelthieres 
und mehrere Gebisse kleiner Nagethiere, die insgesammt hier nicht 
mehr leben.“ 

Einem Briefe des Sections-Ingenieur Wiechel in Dippoldiswalde an 
Dr. H. B, Geinitz entnimmt man: 

„Dippoldiswalde, den 15. Februar 1882. 

Bei einer gelegentlichen Anwesenheit in Teplitz brachte Herr Wiechel 
in Erfahrung, dass im Verlaufe der vorigen Woche bei der seit einiger 
Zeit im Gange befindlichen Abteufung der Riesen quelle zwischen Teplitz 
und Dux Alterthümer gefunden worden seien. Der Verfasser hatte noch 
Zeit, den Abteufungsort, sowie das Schloss in Dux, wo die Mehrzahl 
der Fundstücke deponirt ist, zu besuchen und sendet als Ergehniss zwei 
Fibeln für das K. prähistorische Museum ein, die er von den Arbeitern 
erworben hat. Von besonderem Interesse ist auf einer derselben ein 
ebenfalls bronzenes scheibenförmiges, aufgenietetes Stück, 


29 


Diese Riesen quelle wurde vor etwa 60 Jahren, da sie die benach- 
barten Feldbesitzer durch Wasserüberschuss schädigte, zugeschüttet und 
mit grossen Wacken verstopft. Die Wassercalamität in Teplitz legte 
den Gedanken der Abteufung an der Stelle der starken ehemaligen 
Quelle nahe und wurde dieselbe in regelrechter Weise mit Schachtzim- 
merung jüngst begonnen und bis etwa 16 m Tiefe gefördert. Schon 
bei 6-— 8 m Tiefe sollen nach sich widersprechenden Angaben der Ar- 
beiter gefunden worden sein : ein grosser, genieteter, ca. 50 cm im Durch- 
messer haltender kupfernerKessel, zweimal mit Nieten geflickt, und 
im Kessel haben sich ungefähr 50 0 Bronzeschmucksachen vom 
Latene- Typus befunden. Von diesen sind 100 — 200 durch die Ar- 
beiter verschleppt worden, die Hauptmasse ist einstweilen im Museum 
des Schlosses Dux (Graf Waldstein ist Besitzer der Riesen quelle) depo- 
nirt, und zwar besteht dieses Depot aus: 
einem kupfernen Kessel (vergh oben), 

etwa 150 Fibeln mit den mannichfaltigsten Verzierungen, mit 
flachem oder verziertem Bügel, auch gekerbten oder anders 
ornamentirten Bügeln, 

gegen 50 ornamentirten Armringen, gleichfalls mit verschiedenen 
Verzierungen, und ca. 100 nicht ornamentirten Armringen, 
ferner etwa 30 Armringen aus wellenförmig auf- und nieder- 
gebogenem Draht, einigen aus verschlungen -wellenförmig ge- 
bogenem schwächerem Draht, 3 Fingerringen etc. 

Ferner ist bei dem Abteufen gefunden worden und in dem Duxer 
Schlosse deponirt: eine bronzene Lanzenspitze und ein eisernes 
Schwert? mit Parirstangen, gegen 45 cm lang und stark verrostet. 
Genauere Nachrichten über die Lage desselben zum Kessel und zu der 
Lanzenspitze waren nicht zu erlangen. Einige Menschenknochen, identi- 
ficirt durch einen Duxer Arzt, bilden den Schluss der interessanten Fund- 
objecte in dem Museum von Dux. 

Dass jener Kessel mit seinem bronzenen Inhalte aus der Marko- 
mannen-Hermundurenzeit stamme, dürfte wohl ausser Zweifel sein und 
vielleicht deutet die grosse Menge der Bronzegeräthe auf einen Königs - 
schätz hin, der hier einst verborgen oder auch geopfert sein mag,^^ 
Herr Rittergutspachter Sieber aus Grossgrabe berichtet, unter Vor- 
legung einer Anzahl vorhistorischer Objecte, über seine Ausgrabungen in 
der Gegend von Kamenz. Es sind meist Flachgräber ohne jede Stein- 
setzung, Bronzebeigaben fehlten fast gänzlich, dagegen waren reichlich 
grössere und kleinere Gefässe vorhanden, welche sämmtlich den Lausitzer 
Typus an sich trugen. Hervorzuheben ist ausserdem noch ein Hügelgrab 
im Walde beim Dorfe Döbra bei Kamenz, von einem aus grossen Platten 
gebildeten Steinkreis umgeben. Die sorgfältige Durchgrabung lieferte nur 
negative Resultate. Vortragender lenkt schliesslich noch die Aufmerksam- 
keit auf einen ziemlich ausgedehnten Erdwall bei Lieske. Derselbe, bis- 


30 


weilen gegen 20 m hoch, lässt sich bis auf 4 km Ijänge verfolgen. Eine 
Besichtigung und Durchforschung dieses noch unbekannten alten Bauwerkes 
soll in Kürze durch eine Anzahl Mitglieder erfolgen. 


Dritte Sitzung am 4. Mai 1883. Vorsitzender: Hofapotheker Dr. Caro. 

Nach Eröffnung der Sitzung erläutert Dr. Caro zunächst eine An- 
zahl von Fundobjecten aus der Nähe von Moritzburg, über deren wei- 
tere Ansammlung und Ausgrabung später nach Vollendung der letzteren 
eingehend berichtet werden soll, und legt ferner vor Urnenreste und eigen- 
artig geformte, scharf gebrannte Ziegelstücke von einem Gräberfelde bei 
Lockwitz. Zur Vorlage gelangen weiterhin von Seiten des Vorsitzenden 
eine Anzahl sehr schöner Bronzen, welche gelegentlich der Abteufung der 
Duxer Riesenquelle in der Quellenspalte bei einer Tiefe von 10 m 
theilweise zerstreut, theilweise in einem leider wenig gut erhaltenen Bronze- 
kessel gefunden wurden. Die Gegenstände sind durch gütige Vermittelung 
der Frau Gräfin Waldstein auf Schloss Dux in den Besitz des Oben- 
genannten gekommen. 

Den Schluss der Sitzung bildet eine längere Discussion über eine be- 
absichtigte Centralisation aller vorgeschichtlichen Sammlungen Sachsens 
zu einem sächsischen Landesmuseum, für welche Idee sich indess nicht 
sämmtliche Anwesende erwärmen konnten. 


Vierte Sitzung am 22, Juni 1883, Vorsitzender: Porzellanmaler 
E. Fischer. 

Der Vorsitzende legt einige Gefässe aus den ürnenfeldern an der 
Schiessbleiche zu Bautzen und von Neu-Sörnewitz vor, die ihm durch die 
Herren Kupferhammerwerksbesitzer Reinhardt in Bautzen und Lehrer 
Windschüttel in Weinböhla überlassen worden sind, und berichtet über 
den Fund eines Feuersteinmessers in der Nähe der Riesensteine bei Meissen. 
Derselbe theilt ferner mit, dass im vergangenen Jahre bei Königsbrück 
eine grössere Zahl prähistorischer Gegenstände, bestehend aus kleinen 
bronzenen Sicheln und zahlreichen Eisengeräthen, gefunden wurden. 




VL Section für Mathematik. 


Erste Sitzung’ am 2, Februar 1883, Vorsitzender: Prof. Ritters- 
haus. 

Baurath Prof. Dr. Frankel erläutert eine neue Construction seines 
Dehnungszeigers und legt mittelst desselben gewonnene Dia- 
gramme vor. 

Hierauf spricht Prof. Dr. Harnack über eine Begründung der 
Riemann’schen Theorie der complexen Functionen, welche 
ohne Benutzung des Doppelintegrales aus der directen Integration der 
beiden partiellen Differentialgleichungen hervoi’geht. 


Zweite Sitzung am 9. März 1883. Vorsitzender: Prof. Ritters- 
h aus. 

Prof. Rittershaus giebt eine Zusammenstellung der Methoden zur 
graphischen und mechanischen Bestimmung von Momenten. 

Hierzu theilt Baurath Prof. Dr. Frankel eine neue, von ihm her- 
rührende Methode mit. 


Dritte Sitzung am 4. Mai 1883. Vorsitzender: Prof. Rittershaus. 
Prof. Dr. Voss spricht über Translationsflächen oder Flächen, 
die durch parallele Verschiebung einer Curve längs einer anderen entstehen. 

Prof. Dr. Bur niest er giebt eine kürzere Mittheilung über Construc- 
tion der Selbstschattengrenze bei Rotationskörpern. 


32 


VIL Hauptversammlungen. 


Erste Sitzung' am 36. Januar 1883. Vorsitzender; Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Der Vorsitzende gedenkt zunächst des am 14. Januar 1882 aus dem 
Leben geschiedenen Staatsministers a. D. , Minister des Königl. Hauses 
und Ordenskanzlers Dr. Johann Paul von Falkenstein, geh. am 
15. Juni 1801 zu Pegau in Sachsen, welcher unserer Gesellschaft seit dem 
Jahre 1855 als Ehrenmitglied angehört hat und unter dessen Ministerium 
die neuen Statuten der Isis am 9. März 1866 bestätigt worden sind. 

Derselbe widmet ferner Worte der Erinnerung an den bekannten 
Naturforscher und Keisenden Hermann von Schlagintweit-Saküen- 
lünski, geh. 1826 in München, wo derselbe am 19. Januar 1882 auch 
verschieden ist. 

Sodann spricht Dr. Schunke über seine im verflossenen Sommer 
unternommene Keise durch Dalmatien und Montenegro und entwirft ein 
lebhaftes Bild von diesen Ländern und ihren Bewohnerü. 


Zweite Sitzung am 33. Februar 1883. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Nach Erledigung verschiedener geschäftlicher Angelegenheiten bringt 
der Vorsitzende ein Schreiben des Siebenbürgischen Museums- Vereins in 
Klausenburg über den Meteoritenfall von Mocs zur Kenntnissnahme, 
wodurch sich Gelegenheit darbietet, Exemplare davon gegen Tausch mit 
anderen Meteoriten oder seltenen Mineralien zu erlangen. Das Schreiben 
lautet : 

,,Freitag den 3. Februar 1881, Nachmittags 4 Uhr, wurde in der 
Richtung von NW. gegen SO. in Klausenburg und an vielen anderen 
Orten Ungarns und Siebenbürgens der Durchgang eines grossen Me-, 
teors beobachtet und einige Minuten später vernahm man hier fernem 
Donner ähnliche tiefe Detonationen, welche die Explosion des Meteors 
verkündigten. Am nächsten Tage kamen Nachrichten von mehreren 
Orten nordwestlich von Klausenburg über stattgefundenen Steinregen 
und Endesgefertigte begaben uns sofort an Ort und Stelle, nahmen die 


33 


Berichte darüber auf und sammelten gegen 100 Stücke der Meteorsteine 
ein, und zwar in den Orten Gyulatelke, Visa, Base, Vajda, Kamaras, 
wo zwar viele, aber kleinere, und Olab-Gyeses, Möcs und Szombattelke, 
wo wenige, aber grosse Steine fielen. Wir benennen diesen Meteoriten- 
fall nach dem vorletzten Orte, einem kleinen Marktflecken, den Me- 
teoritenfall von Mocs (nordwestlicher Theil der Mezöseg in Sieben- 
bürgen), da wir von hier den grössten Stein, 35 kgr 60 dgr schwer, 
erhielten. Der Meteorstein von Mocs gehört der Gruppe der Sporado- 
siderite an, eine genaue Untersuchung ist im Gange. 

Klausenburg, den 10. Februar 1882. 

Dr. Franz Herbich, Gustos- Adjunct. Prof. Dr. Ant. Koch, 1. Gustos 
der min.-geogn. Sammlung des Siebenb. Museums-Vereins.“ 

Herr J. W. H. Put scher legt ein Prachtstück gediegenen Kupfers 
aus Atakama vor. 

Hierauf hält Herr Gärtner und Pilzzüchter G. M. Gössel einen ein- 
gehenden Vortrag über seine- praktischen Erfahrungen bei der auf seinem 
Grundstücke Strehlener Strasse Nr. 24 betriebenen Pilzzucht aus 
Sporen, worauf er eine grössere Anzahl von Sporen zur Anschauung 
bringt. Seine Erfahrungen basiren namentlich auf der Züchtung des 
Ghampignons, der Pflege der Morchel, der Lorchel, des Steinpilzes und 
der Trüffel, sowie auf Beobachtungen am Hausschwamm. 

Ein Auszug aus dem Berichte über den Sturm vom 14. October 1881 
(s. Annalen der Hydrographie und Meteorologie) durch Professor G. A. 
Neubert bildet den Schluss der Sitzung. 


Dritte Sitzung am 30, März 1883. Vorsitzender: Geh. Hofrath Dr. 
Geinitz. 

Der Vorsitzende überreicht der Gesellschaft im Namen ihres Ehren- 
mitgliedes, Herrn Joachim Barrande in Prag, die Fortsetzung seines 
grossen Prachtwerkes über die böhmische Silurformation und theilt hier- 
über Folgendes mit: 

J. Barrande, Systeme silurien du centre de la Boheme. Vol. VI. 

Glasse des Mollusques. Ordre des Acephales. 1881 — 1882. 4®. 

4 Bände Text und 361 Tafeln Abbildungen. (Preis: 280 Mk.) 

Herausgegeben mit Unterstützung des Grafen Ghambord. 

Das erste Kapitel handelt über die Gattungen der silurischen Ace- 
phalen Böhmens, wobei es sich um 58 verschiedene Geschlechter handelt, 
unter denen Babinka, Dalila, Dcerusta, Dualina, Gibbopleura, Kralovna 
(regina), Maminka (matercula), Mila (dilecta), Panenca (puella), Nevesta 
(sponsa), Pantata (pater), Paracardium, Praecardium, Praelima, Praelu- 
cina, Praeostrea, Scharka, Sestra (soror), Silurina, Slava (gloria), Sluha 
(servitor), Sluzka (ancilla), Spanila (venusta), Synek (filius), Tenka (tenuis), 

Qes, Isis in Dresden, 1882. — Sitzungsber. 3 


34 


Tetinka (amita), Vevoda (dux), Vlasta (Heldin einer Legende), Zdimir 
(Mann), in Sa. 29 neu aufgestellt sind. 

Das zweite Kapitel weist die verticale Verbreitung dieser Gattungen 
und ihrer Arten in dem böhmischen Silurbecken nach. 

Das dritte behandelt die Variationen dieser Gattungen und Arten. 

Das vierte untersucht die Verwandtschaften zwischen den Arten 
Böhmens und anderer Länder. 

Dies ist der sechste Band von Barrande’s Riesenwerke, dem kaum ein 
ähnliches zur Seite steht. 

Dem ersten Bande desselben, welcher die Trilobiten behandelt in 
zwei Theilen, schliesst sich ein Supplementband von ähnlichem Umfange 
und mit 35 Tafeln Trilobiten und Crustaceen 1872 an. 

Der zweite Band ist in sechs Bänden und mit 544 Tafeln Abbil- 
dungen von Cephalopoden erst vor wenigen Jahren beendet worden. 

Band III, mit 16 Tafeln, ist der Pteropoden-Ordnung der Mollusken 
gewidmet und 1867 erschienen, 

Band IV, mit den Gasteropoden, ist noch nicht vollendet. 

Band V führt in zwei starken Abtheilungen uns die silurischen Brachio- 
poden vor Augen, die auf 153 Tafeln musterhaft abgebildet worden sind. 

Im Ganzen sind aber in Barrande’s Syst. sil. bis jetzt 1169 Tafeln 
veröffentlicht, deren eine jede ihm ca. 100 fl. zu stehen kommt, wonach 
der hochherzige Mann allein für die Tafeln Abbildungen 116,900 fl. der 
Wissenschaft zum Opfer gebracht hat. 

Die Kosten des Textes mögen nahezu die Hälfte dieser Summe be- 
tragen. 

Die Unterhaltungskosten für ca. 12 Sammler während einer mehr als 
30jährigen Zeitdauer lassen sich hier nicht bemessen. 

Ohne die kräftige Unterstützung seines Freundes und Gönners, des 
Herrn Grafen von Chambord, welche Barrande in jedem Bande von Neuem 
dankbarst hervorhebt, hätte Barrande’s monumentales Werk, trotz der 
Opferfähigkeit und Opfer Willigkeit des Verfassers, niemals geschaffen werden 
können und die gesammte Wissenschaft hat alle Ursache, dafür auch 
diesem Fürsten in einem hohen Grade dankbar zu sein. 

Möchte es aber unserem edlen Ehrenmitgliede, Herrn Joachim Bar- 
rande, vergönnt sein, noch recht lange mit geistiger Frische und Freudig- 
keit, die ihn noch heute beseelt, trotzdem das 80. Lebensjahr von ihm 
überschritten ist, dies Riesenwerk fortzusetzen und, so Gott will, noch 
ganz zu beenden. 

ln seinem letzten Briefe vom 25. März d. J. schreibt er noch selbst: 
,,Je suis aussi tres sensible ä vos voeux pour la continuation de mon 
travail, qui malheureusement exige encore beaucoup d’efforts. A la gräce 
de dien,“ 

Der Vorsitzende des Verwaltungsrathes, Prof. Dr. A. Harnack, er- 
stattet Bericht über den Kassenabschluss der ,,Isis“ vom Jahre 1881 


35 


(s. Anlage A. S. 41). Zu Reclinungsrevisoren werden die Herren Fut- 
scher und Osborne gewählt. Der Voranschlag für das Jahr 1882 
(s. Anlage B. S. 42) wird einstimmig genehmigt. 

Herr Theodor Reibisch legt der Versammlung sächsische Perlen- 
muscheln aus der weissen Elster, der Triebisch, der Röder, der Polenz und 
dem sogenannten Flössel*) bei Ebersbach in der südlichen Oberlausitz vor 
und betont dabei die Eigen thürnlichkeit, dass diese Muschel in kalkarmen 
Gewässern vorkomme und doch sehr vielen Kalk in den Schalen enthalte. 
Ferner giebt derselbe die Gattungsunterschiede der Flussperlenmuschel 
Margaritana Schum, von denen der eigentlichen Unionen an. Bei der 
Besprechung der Perlen selbst unterscheidet er scharf die wahren und 
falschen Perlen, von welchen letzteren er Exemplare von Margaritana 
margaritifera L., Unio pictorum L. und JJnio crassus Retz vorlegt. End- 
lich zeigt der Vortragende noch wahre Perlen aus Mytilus eäulis L. und 
Osirea eäulis L. vor und erwähnt, dass man, ausser in Meleagrina, auch 
in Area, Pinna und Haliotis Perlen gefunden habe. 


Vierte Sitzung am 13. April 1883, Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Die Gesellschaft beschliesst, zur Renovirung des Merkeldenkmals im 
üttewalder Grund einen Beitrag an die Section Wehlen des Gebirgsvereins 
der sächsischen Schweiz zu zahlen. 

Der Vorsitzende legt, anknüpfend an eine frühere Mittheilung, Exem- 
plare des Meteoriten von Möcs in Siebenbürgen und die Abbildungen Mes 
von Prof. Marsh untersuchten, im Yale College in Newhaven, Conn. be- 
findlichen PliampliorliyncJms phyllurus Marsh**) mit Flughäuten, aus dem 
lithographischen Schiefer von Eichstädt, und des Ilesperornis regalis 
Marsh,***) eines Vogels aus der Kreideformation von Kansas, vor. 

Hierauf spricht Prof. Baltzer aus Zürich in eingehendem, durch 
zahlreiche Karten und Profile erläutertem Vortrage über den geo- 
logischen Bau der Alpen, worüber er eine Abhandlung zu den Berichten 
in nahe Aussicht gestellt hat. 


Fünfte Sitzung am 35, Mai 1883. Vorsitzender: Geh. Hofrath Dr. 
Geinitz. 

Unter Bezugnahme auf das jüngste wichtigste Tagesereigniss, die Er- 
öffnung der Gotthardbahn, bespricht Dr. H. B. Geinitz die geognostischen 

'*) Dieser Fundort ist durch Herrn August Weise in Ebershacli festgestellt. 

Sitzungsber. d. Isis 1873. p. 38. — BJiamphorhynchus longimanus, Abhandl. d. 
Isis 1881. p. 51. 

0. Cb. Marsh, Odontornithes, a Monograph on tbe extinct toothed Birds of 
North America, Washington, 1880. 4«. 


30 


Verhältnisse des grossen Gotthardtunnels, welche am anschaulich- 
sten in dem 

„Generellen geologischen Profil in der Ebene des Gotthardtunnels, von 
Dr. F. M. Stapff, Ingenieur-Geolog der Gotthardbahn, im Mass- 
stabe von 1 : 2500, Zürich, 1880“ 
dargestellt sind. 

Auch die in dem Massstahe von 1 : 200 ausgeführten „Geologischen 
Tabellen und Durchschnitte über den grossen Gotthardtunnel, von F. M. 
Stapff“, welche eine Specialbeilage zu den „Berichten des schweizerischen 
Bundesrathes über den Gang der Gotthardunternehmung, Bern, 1874 — 79“, 
bilden, werden vorgelegt. 

Gleichzeitig gedenkt der Vortragende aber auch der früheren geo- 
logischen Arbeiten über dieses Gebiet, insbesondere der trefflichen „Carte 
geologique de la Suisse. Par B. Studer et A. Escher von der Linth, 
Winterthur, 1853,“ 

der vorzüglichen „ Geognostischen Karte des Sanct Gotthard“ mit 
den dazu gehörigen Profilen von Dr. Karl von Fritsch, aufgenommen 
in den Jahren 1864 — 1871, und einiger kleiner Abhandlungen darüber 
von Giordano und Heim (Ern. Favre, Revue geologique Suisse pour 
l’annee 1872, PI. III. (1), 

von „Prof. B. Studer, die Gotthardbahn“, vorgetragen in der geo- 
logischen Section der Berner Naturforschenden Gesellschaft, am 
3. December 1873, 

von ,,Albr. Müller, der Gebirgsbau des St. Gotthard“, Basel, 1875, 
und von 

„F. M. Stapff, Materialien für das Gotthardprofil, Schichtenbau des 
Ursernthales, 4. Aug. 1878.“ — 

Auf einen zweiten, in neuester Zeit viel besprochenen Gegenstand 
übergehend, das angebliche Vorkommen von Organismen in Meteoriten 
betreffend, erinnert der Vorsitzende zunächst an die oft nur zufällig erst 
nach der Berührung der Meteoriten mit der Erdrinde in die ersteren 
mechanisch eingedrungenen organischen Stoffe, worüber er sich schon im 
Jahrbuche für Mineralogie 1843 p. 724 verbreitet hat, und geht hierauf 
näher auf zahlreiche, für Organismen gehaltene Formen ein, welche 
Dr. Otto Hahn in einer, allgemeines Staunen erregenden Schrift: „Die 
Urzelle, Tübingen, 1879“ in den verschiedensten krystallinischen Ge- 
steinsarten und in Meteoriten beobachtet zu haben glaubt. Ohne Ein- 
sicht der betreffenden Präparate ist natürlich nicht zu entscheiden, welche 
dieser von Dr. Hahn für organisch gehaltenen Formen sich mit grösserer 
Wahrscheinlichkeit auf unorganische Gebilde zurückführen lassen und 
welche andererseits vielleicht theilweise nur auf Sinnestäuschungen bei den 
überaus raschen Beobachtungen des Verfassers beruhen. 

In keinem Falle aber ist zur Zeit den weitgehenden Folgerungen, 
welche Dr. Hahn an seine Entdeckungen knüpft, wonach alles Gestein nur 


37 


em Haufwerk und Product von Organismen sei, irgend ein anderer Werth 
beizulegen, als dass sie zu neuen Untersuchungen anregen können und 
zur Vorsicht mahnen. 

Sechste Sitzung am £9. Juni 1883. Vorsitzender: Geh. Hofrath Dr. 
Geinitz. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit Worten der Erinnerung an 
das jüngst verschiedene Mitglied der Isis: Franz Ludwig Gehe, geh. 
am 7. Mai 1810 im Pfarrhause zu Merkwitz bei Oschatz, Begründer und 
Chef des weltberühmten Handelshauses Gehe & Co. in Dresden, ist am 
22. Juni 1882 durch einen sanften Tod von seinen Leiden erlöst worden. 

Ueber sein Leben entnehmen wir dem „Dresdner Anzeiger“ folgende 
Notizen: „Fr. Ludwig Gehe wurde schon in frühester Jugend verwaist 
und dann von seinem Onkel erzogen. Seit beinahe einem halben Jahr- 
hunderte zählte er zu den Bürgern unserer Stadt, an deren öffentlichem 
Leben er, namentlich in früheren Jahren, lebhaften Antheil genommen 
hat. Ein begeisterter Anhänger des constitutionellen Systems, dessen 
Werden er im Hause seines Onkels und Pflegevaters, des im Jahre 1856 
verstorbenen Geheimen Käthes Dr. Winckler, im Verkehre verschiedener 
einflussreicher Persönlichkeiten mit eigenen Augen geschaut hatte, bethei- 
ligte er sich, nachdem er im Jahre 1834 durch Begründung eines eigenen 
Geschäftes in Dresden zu bürgerlicher Selbständigkeit gelangt war und 
die gesicherte Basis einer unabhängigen Stellung gewonnen hatte, auch 
persönlich an den öffentlichen Angelegenheiten der Stadt und des Landes, 
wozu ihm durch seine Erwählung zum Mitgliede des Stadtverordneten- 
Collegiums und später auch der 11. Kammer des Landtages reichlich Ge- 
legenheit geboten war. 

Er that dies im Sinne eines entschiedenen, nach heutigen Begriffen 
freilich sehr gemässigten, von aller unbedingten Gleichmacherei weit ent- 
fernten Liberalismus und ohne seine Meinung sklavisch der Parteidisciplin 
unterzuordnen. So theilte er nicht die Begeisterung für das Communal- 
garden-Institut, in dem er weniger einen Hort der Verfassung, als viel- 
mehr eine unnütze Spielerei erblickte und um dessenwillen er heftige 
Kämpfe zu bestehen hatte. Auch mit den meisten Juristen gerieth er in 
Widerspruch, als er für Abgabe der städtischen Patrimonialgerichtsbarkeit 
an den Staat eintrat und diese mit zäher Ausdauer durchkämpfen half. 

Das Hauptgebiet seiner Thätigkeit war indess das ökonomische. Eine 
umfassende Thätigkeit entfaltete er als Mitglied einer ausserordentlichen 
Deputation zur Ordnung des städtischen Haushaltes. Er war die Seele 
des „Elbschifffahrtscomites“, weiches im In- und Auslande für Befreiung 
der Elbe von den zahlreichen, ehemals den Verkehr hemmenden Zoll- 
stätten, sowie für verbesserte Schifffahrtseinrichtungen thätig war und 
Dresden erst den Vollgenuss der ihm durch den mitten durchflies senden 
herrlichen Strom gebotenen Natur vortheile zuzuwenden bezweckte. Hand 


38 


in Hand damit ging das Bemühen um angemessene Umgestaltung der 
Elbufer. 

Gerade sein Eifer für bestmögliche Gestaltung der Verkehrseinricht- 
ungen brachte ihn nochmals in Differenzen mit einem Theile seiner Mit- 
bürger, da er im Gegensätze zu dem zur Ausführung gelangten Projecte 
die Verlegung des Endpunktes der Böhmischen Bahn in die Pirnaische 
Vorstadt und die Herstellung der Verbindung mit den Neustädter Bahn- 
höfen oberhalb der Stadt erstrebte, um so das ausgedehnte üeberschwem- 
mungsgebiet, dessen Ueberschreitung den langen Viaduct nöthig machte, 
und die Erschwerung des Hinauswachsens der Stadt nach Plauen und 
Räcknitz zu vermeiden, deren Wiederbeseitigung zwanzig Jahre später mit 
grossem Geldaufwande doch nur in unvollkommener Weise gelungen ist. 

Zu diesen verstimmenden Zwischenfällen gesellten sich die Stürme 
des Jahres 1848, durch welche viele seiner ehemaligen Freunde und Ge- 
sinnungsgenossen ihm um ebenso viel zu weit nach links getrieben wur- 
den, wie die folgenden Jahre zu weit nach rechts führten. In Folge dessen 
zog er sich noch vor erreichtem vierzigsten Jahre vollständig vom öffent- 
lichen Leben zurück, um, obwohl von den Vorgängen auf allen Gebieten fort- 
dauernd mit Interesse Kenntniss nehmend, seine Activität ganz seinem 
Geschäfte zu widmen, welches er mehr und mehr zu einer Musteranstalt 
entwickelte und dessen wachsenden Dimensionen nur eine so riesige und 
unermüdliche Arbeitskraft, wie die seinige, auf die Dauer gewachsen war. 
Die Leitung desselben behielt er nämlich, obwohl unterstützt von einem 
ganzen Stabe tüchtiger Hilfskräfte aller Art, so sehr persönlich in der 
Hand, dass er die Hunderte täglich eingehender Briefe selbst zu eröffnen, 
die Instructionen, wo es deren bedurfte, selbst zu ertheilen und die Ant- 
worten, sowie deren Beilagen (Facturen etc.) trotz eines vor einigen Jahren 
erlittenen, übrigens glücklich verheilten Bruches der rechten Hand per- 
sönlich zu unterzeichnen pflegte, ja selbst auf seinen jährlichen Badereisen 
durch eine ihm täglich nachgehende Registrande mit allen Vorgängen 
innerhalb des Geschäftes in genauester Verbindung blieb. Bei aller Rüstig- 
keit fühlte Gehe aber doch das Bedürfniss, eine wissenschaftliche Kraft, 
auf die er sich ganz verlassen konnte, im Geschäft zu haben. Dieser 
Wunsch ging in Erfüllung durch den Eintritt seines Neffen, Herrn 
Dr. Luboldt, der seitdem diesem Zweige speciell vorsteht. Erst nach Ein- 
tritt desselben konnte zur Erweiterung des Unternehmens durch eine 
eigene Fabrikanlage geschritten werden. 

Nur zweimal kehrte er vorübergehend zur Beschäftigung mit öffent- 
lichen Angelegenheiten zurück, einmal, indem er als Deputirter des Han- 
dels- und Fabrikstandes an den Berathungen der 11. Kammer über das 
sächsische Gewerbegesetz Theil nahm und sodann in den Tagen der Noth, 
während der Truppendurchzüge und stürmischen Requisitionen im Juni 
des Jahres 1866, wo er an der Spitze eines spontan gebildeten Verpflegs- 
anites für Neustadt ordnend eingriff. 


39 


Im Uebrigen äusserte sich sein örtliches Wirken nur noch in der 
Unterstützung fremder Thätigkeit, namentlich in zahlreichen, oft in der 
Stille bewirkten Spenden für gemeinnützige Zwecke aller Art. Persönliche 
Auszeichnungen hat Gehe stets abgelehnt, dagegen legte er hohen Werth 
auf die dem Hause am Tage seines vierzigjährigen Bestehens verliehene 
grosse goldene Medaille für Handel und Gewerbe. 

Viele betrauern in dem Dahingegangenen einen freigebigen Förderer 
und Wohlthäter, einen aufrichtigen Freund, einen vorzüglichen Berather 
und Lehrer. Allseitig anerkannt ist der bildende und umgestaltende Ein- 
fluss, den er durch sein Vorbild, man kann wohl sagen auf den Droguen- 
und Chemikalienhandel ganz Deutschlands, ausgeübt hat. Möge dieser 
Anstoss dauernd nach wirken und möge der grossartige, mit etwa 70 
höheren Angestellten (Kaufleuten, Apothekern, Technikern und sonstigen 
Beamten) und ziemlich doppelt so viel Arbeitern und Arbeiterinnen schaf- 
fende Organismus, dessen Schöpfung aus den kleinsten Anfängen heraus 
sein eigenstes Werk gewesen ist, noch recht lange eine Zierde unserer 
Stadt und eine Quelle des Wohlstandes für viele ihrer Bewohner bleiben.“ 
Ein beredtes Zeugniss von der allgemeinen Verehrung des Dahin- 
geschiedenen legte am 25. Juni die ausserordentlich zahlreiche Begleitung 
nach seiner letzten Kuhestätte ab, wo sein Freund und geistlicher Be- 
rather, Herr Pastor Dr. Sülze, noch einmal der geistigen Fülle und der 
hochherzigen Bestrebungen des Verewigten gebührend gedachte. 

Unserer Gesellschaft Isis hat der Verstorbene seit dem Jahre 1846 
als wirkliches Mitglied angehört und derselben zahlreiche Beweise seines 
lebhaften Interesses für ihre Bestrebungen gewidmet. — 

Hierauf macht der Vorsitzende der Gesellschaft Mittheilung von dem 
Tode ihres langjährigen Vereiiisboten Friedrich Wilhelm Lehmann, 
geh. am 3. October 1815 zu Döbeln, welcher nach kurzem Kranksein am 
5. Juni d. J. im hiesigen Stadtkrankenhause verschieden und von da aus 
in aller Stille begraben worden ist. Der Verblichene, welcher fast 30 Jahre 
lang auch an dem K. mineralogischen Museum als Hilfsaufseher thätig 
gewesen ist, hat durch seine Treue, Zuverlässigkeit und unermüdliche 
Thätigkeit bis in die letzten Tage seines bescheidenen Lebens in beiden 
Stellungen sich ein allgemeines Vertrauen und Achtung erhalten, was wir 
noch über sein stilles Grab hin ehrend anerkennen. — 

Regierungsrath Prof. H artig referirt sodann über einige neuere 
Beobachtungen bei der Beanspruchung fester Körper auf Zug. 

Im Anschluss an einige frühere Mittheilungen des Vortragenden (vergl. 
Sitzungsberichte der Isis Jahrg. 1878, S. 97 und 196) wird gezeigt, dass 
mittelst eines selbstregistrirenden Zerreissapparates, welcher eine stetige 
Be- und Entlastung des Versuchsobjectes gestattet, unter Zuhilfenahme 
wiederholter Entlastungen aus den erhaltenen Diagrammen mancherlei Er- 
gebnisse hergeleitet werden können, welche einen tieferen Einblick in den 
Vorgang der Zerreissung gestatten. Es gelingt nämlich 


40 


a) für jeden Spannungszustand anzugeben, welchen Bruchtheil die 
elastische Streckung von der gesammten Dehnung ausmacht; 

b) dieselbe Angabe auch für den Moment zu bewirken, in welchem 
der Maximalwerth der Spannung erreicht ist und die Lösung des 
Zusammenhanges (Abreissung, Querschnittscontraction) beginnt; 

c) eine schärfere Bestimmung über die Lage der Elasticitätsgrenze 
bez. Fliessgrenze herbeizuführen; 

d) die aus der elastischen Nachwirkung sich ergebende Deformation, 
sowie die innere Keibung ersichtlich zu machen; 

e) die Veränderungen, welche der Elasticitätsmodul im Laufe der 
Spannungszunahme erfährt, darzulegen; 

f) nachzuweisen, dass die Elasticitätsgrenze durch die Anspannung 
des Probestückes erhöht wird; 

g) die zur Zerreissung erforderliche Arbeit in diejenigen drei An- 
theile zu zerlegen, welche auf elastische Dilatation, auf bleibende 
Formänderung und auf Verluste (innere Leibung?) entfallen. 

Zur Demonstration wurden mehrere in grossem Massstab gezeichnete 
Diagramme, sowie ein von dem Mechaniker Leuner in Dresden hergestellter 
Zerreissungsapparat benutzt. 

Zum Schlüsse legt Geh. Hofrath Dr. Geinitz die Abbildungen zu: 
„Nachträge zur Dyas 11. Saurier der unteren Dyas“ im Dresdener Museum. 
(Palaeontographica N. F. IX. 1. [XXIX]) vor. (Vergl. auch dieses Heft S. 7.) 


Neu aiifgeiiommene wirkliche Mitglieder: 

1. Herr Dr. Jakob Weleminsky in Dresden, \ 

2. Herr Apotheker Feodor Illing in Dresden, I aufgenommen am 

3. Herr Ingenieur Alexander Vetter in Dresden,! 26. Januar 1882. 

4. Herr Apotheker Schulze in Dresden, J 

5. Herr Buchhalter F. Engelhardt in Dresden,! aufgenommen am 

6. Herr Seminaroberlehrer E. Mehner t in Pirna,/ 23. Februar 1882. 

7. Herr Pastor em. Emil Wilke in Dresden, aufgenommen am 25. 

Mai 1882. 


Neu eriiaiiiite conespondireiide Mitglieder; 

1. Herr Dr. Ottom. Noväk in Prag, aufgenommen am 23. Febr. 1882. 


Kassen -Abschluss der ISIS vom Jahre 1881. 

^^osition. Eliniialime* Position. Aiiisg*abe. 


41 


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Dresden, den 30. März 1882. HeiuLricli 'W’arn.atz, z. Z. Kassirer der Isis. 


42 


B. 

Voranschlag 

für (las Jahr 1883, nach Beschluss des Verwaltungsrathes vom 39. März 
und der Hauptversanimliiug* vom 30. März 1883. 

Gehalte und Gratificationeii Mk. 490 

Inserate 100 

Heizung und Beleuchtung „ 130 

Buchbinder arbeiten 200 

Bücher und Zeitschriften „ 650 

Sitzungsberichte „ 900 

Schneider ’s Kaukasuswerk „ 200 

Insgemein „ 150 

Summa Mk. 2820 


Heinrich Warnatz, 
d. Z. Kassirer. 


An die Bibliothek der Gesellschaft Isis sind in den Monaten 
Januar bis Juni 1882 an Geschenken eingegangen: 

Aa 2. Abhandlungen, herausg. v. naturwissenschafti. Ver. zu Bremen. VII. Bd. 3. Hft. 
Bremen 82. 8. 

Aa 5. Abhandlungen der naturhist. Ges. zu Nürnberg. VII. Bd. Nürnberg 81. 8. 

Aa 18. Bericht, XXVI., des naturhistor. Ver. in Augsburg. Augsburg 81. 8. 

Aa 20. Bericht, VII., d. naturw. Ges. zu Chemnitz. 1878 — 80. Chemnitz 81. 8. 

Aa 28. Bericht über die Thätigkeit d. St. Gail naturwiss. Ges. während 79/80. St. 

Gallen 81. 8. 

Aa 26. Bericht, III., d. oberhessischen Ges. f. Natur- und Heilkunde. Giessen 53. 8. 
Aa 34. Correspondenzblatt d. naturf. Ver. zu Riga. 24. Bd. Riga 81. 8. 
x4k.a 42. Jahrbuch d. naturhistor. Landes - Museums von Kärnthen. 15. Hft. Klagen- 
furt 82. 8. 

Aa 43. Jahrbücher d. Nassauischen Ver. für Naturkunde. Jahrg. 33 u. 34. Wies- 
baden 80/81. 8. 

Aa 46. Jahresbericht, 58., d. schles. Ges. für vaterländische Cultur. Breslau 81. 8. 

Aa 48. Jahresbericht, 66., d. naturf. Ges. in Emden. 1880/81. Emden 82. 8. 

Aa 56. Jahresbericht, 36. — 39., d. Pollichia, n. w. Ver. d. Rheinpfalz. Dürkheim 79/81. 8. 
Aa 60. Jahreshefte d. Ver. für vaterländische Naturkunde in Württemberg. 38. Jahrg. 
Stuttgart 82. 8. 

Aa 63. Lotos, Jahrbuch für Naturwissenschaft. N. F. 2. Bd. Prag 82. 8. 

Aa 64. Magazin, Neues Lausitzisches. 57. Bd. Görlitz 82. 8. 

Aa 70. Mittheilungen a. d. Ver. der Naturfreunde in Reichenberg. 4. 9. 10. 12. 13. 
Jahrg. Reichenberg 73—82. 8. 

Aa 71. Mittheilungen für Salzburger Landeskunde. XXL Vereinsjahr. Salzburg 81. 8. 
Aa 72. Mittheilungen d. naturw. Ver. für Steiermark. Jahrg. 1881. Graz 82. 8. 

Aa 80. Schriften d. naturf. Ges. in Danzig. N. F. V. Bd. IH. Hft. Danzig 82. 8. 

Aa 82. Schriften d. Ver. zur Verbreitung naturw. Kenntnisse in Wien. Wien 82. 8. 

Aa 83. Sitzungsberichte d. naturw. Ges. Isis in Dresden. Jahrg. 81. 2. Hft. Dresden 
1882. 8. 

Aa 85. Sitzungsberichte d. phys.-medic. Ges. zu Würzburg. Jahrg. 81. Würzburg 81. 8. 
Aa 87. Verhandlungen d. naturf. Ver. in Brünn. 19. Bd. Brünn 81. 8. 

Aa 89. Verhandlungen d. Ges. von Freunden d. Naturwissenschaft zu Gera. Die Sec- 
tion für Thierschutz. Gera 81. 8. 

Aa 90. Verhandlungen d. naturhist. -medic. Ver. zu Heidelberg. N. F. III. Bd. I. Hft. 
Heidelberg 81. 8. 

Aa 95. Verhandlungen d. K. K. zool.-botan. Ges. in Wien. 31. Bd. Wien 82. 8. 

Aa 106. Anniversary, V., Memoirs of the Boston Society of Natural History. 1830 bis 
1880 Boston 80. 4. 

Aa 134. Bulletin de la Societe Imperiale des naturalistes de Moscou. Annee 1881. Nr. 2. 
Moscou 81. 8. 

Aa 142. Nouveaux Memoires de la Societe imperiale des naturalistes de Moscou. 
Tome 14. Livr. 2. Moscou 81. 4. 

Aa 149. Atti dell’ Accademia Gionia di scienze naturali in Catania. Ser. III. Tomo XIII 
bis XV. Catania 79/81. 8. 

Aa 150. Atti della Soc. italiana di scienze naturali. Vol. XXIII. Fas. 3. 4. Milano 81. 8. 


44 


Aa 152. Atti del Reale Istituto Veiieto etc, Tome VlI. Ser. V. Disp. I — IX. Venezia 
1880/81.- 8. 

Aa 158. Memorie della Reale Istituto Veneto etc. Vol. XXL Part 2. Venezia 80. 4. 

Aa 161. Rendiconti-Reale Istituto Lombardo in scienze et littere. Ser. II. Vol. XIII. 

Pisa 80. 8. 

Aa 163. Bulletin of tlie Essex Institute. Vol. 12. Nr. 1 — 12. Salem 80. 8. 

Aa 170, Proceedings of the American Academy of arts and Sciences. New Ser. Vol. 8. 

Whole Ser. Vol. 16. Pt. 2. Boston 81. 8. 

Aa 185. Bulletin of tbe Butfalo Soc. of Natural Sciences. Vol. IV. Nr. 1. Buffalo 81. 8. 
x\a 187. Mittbeilungen d. deutschen Ges. für Natur- u. Völkerkunde Ostasieiis. 25. und 
26. Hft. Yokohama 81/82. 4. 

xia 193. Atti della Soc. Veneto-Trentina d. sc. naturali inPadova, Anno 80/81. Vol. VII. 
Fase. 1. 2. Padova 81/82. 8, 

Aa 193b. Bullettino della Soc. Veneto-Trentina d. sc. naturali in Padova. Tome I. 

Nr. 1—5. Tomo II. Nr. 1. Padova 79 — 81. 8. 
x4.a 198. Jahrbuch d. imgar. Karpathen-Ver. IX. Jahrg. 1. Hft. Kesmärk 82. 8. 

Aa 201. Bollettino della Societa Adriatica di scienze naturali in Trieste. Vol. VII. 
Trieste 82. 8, 

Aa 202. Sitzungsberichte d. naturf. Ges. zu Leipzig. VIII. Jahrg. 1881. Leipzig 81. 8. 
Aa 204. Verhandlungen d. Ver. für naturw. Unterhaltungen zu Hamburg. Bd. 4. Ham- 
burg 79. 8. 

Aa 209. Atti d. Soc. Toscana d. scienze naturali. Pr. Verb. Vol. H. HI. Toscana 82. 8. 
x\a 212. Sitzungsberichte d. phys.-medic. Soc. zu Erlangen. 13. Hft. Erlangen 81. 8. 

Aa 217. Origine et but de la fondation Teyler et de son cabinet de physique. 

Aa 217. Archives du Musee Teyler. Ser. II. Ile Part. Harlern 81. 8. 

Aa 226. Atti d. R. Acc. dei Lincei Anno 279. Ser. HI. Vol. VI. Fase. 2 — 12. Roma 82. 8. 
Aa 230. Anales d. 1. Sociedad Cientifica xlrgentina. E. V. Tome XH. E. I — IV. T. XIII. 
Buenos-Aires 82. 8. 

Aa 233. Jahresbericht d. naturhist. Ver. von Wisconsin. 1881/82. Milwaukee 82. 8. 

Aa 240. Science Observer. Vol. HI. Nr, 11. 12. 

Aa 243. Troms 0 Museums. Aarshefter. IV. Troms 0 81. 8. 

Aa 245. Jahresbericht d. Ver. für Naturwissenschaften zu Braunschweig für 80/81. 
Altenburg 81. 8. 

Aa 253. Memoii’es d. 1. Soc. des Sciences pliys. et naturelles d. Bordeaux. 2e Ser, 
Tom. IV. 3e cahier. Paris et Bordeaux 81. 8. 

Aa 254. Mittheilungeil d. naturf. Ges. in Bern. Nr. 711 — 811. 828—873. 874 — 961. 

1018—1029. Bern 1871-1882. 

Aa 255. Verhandlungen d. schweizer, naturf. Ges. in Bern. Jahresbericht 1877 — 78. 

Bern 79. 8. 

Aa 255. Verhandlungen d. schweizer, naturf. Ges. in Basel. Jahresbericht 1875—76. 

Basel 77. 8. 

Aa 255. Verhandlungen d. schweizer, naturf. Ges. in Aarau. Jahresbericht 1880 — 81. 

Aarau 81. 8. 

Aa 255. Actes d. 1. Soc.'Helvetique d. Sciences natur. a Bex. Compte-rendu 76/77. Lau- 
sanne 78. 8. 

Aa 256. Schriften d. neurussischen Ges. d. Naturforscher. Bd. VII. Hft. 2. Odessa 81. 8. 
(In russischer Sprache.) 

Aa 257. Archives Neerlandaises des Sciences exactes et naturelles. Tome XVI. Livr. 1—5. 
Harlern 81. 8. 

Aa 258. Transactions of the New- York Academy of Sciences. 1881 — 82. New-York81. 8. 
Aa 259, Bulletin d. 1. Soc. Ouralieniie d’amateurs d. Sciences natur. Tome VII. Livr. 1. 
Ekatharinenburg 81. 4. 


45 


Aa 260. 
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Aa 262. 

Aa 263. 

Aa 264. 

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Ba 14. 

Ba 14. 

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Bd 1. 
Bk 12. 
Bk 13. 
Bk 193. 

Bk 220. 

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Da 17. 
Da 21. 
Da 22. 
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Db 40. 


Archiv for Mathematik og Natur widenskab. V. Bd. 1. — 3. Hft. Kristiania 80. 8. 
Mittheilungen d. ^rhurgauischen naturforsch. Ges. V. Hft. Frauenfeld 82. 8. 
Bullettino della Societä Veneto-Trentina di Scienze naturali. Tom. II. Nr. 2. 
Padova 82. 8. 

Jahrbücher d. K. Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt. N. F. 
11. Hft. Erfurt 82. 8. 

Bulletin de la Societe Fribourgeoise d. Scienc. naturelles. 1. IL Annee. Compte- 
rendu 1879—81. Fribourg 80. 82. 8. 

Jahresbericht d. Ges. für nützliche Forschungen zu Trier. 1878/81. Trier 82. 8. 
Senoner, Literarische Mittheilungen. (Regensburger Correspondenzblatt.) 82. 8, 
„ Rassegna Entomologica. Wien 82. 8. 

„ Cenni Bibliografici. Palermo 81. 8. 

Correspondenzblatt d. zool.-mineral. Ver. in Regensburg. 35. Jahrg. Regens- 
burg 81. 8. 

Bulletin of the Museum of Comparat. Zoology at Harvard College. Vol. VI. 

Nr. 12. Vol. VII. Nr. 2. Vol. IX. Nr. 1 — 8. Cambridge 82. 8. 

Annual Report of the Curator of the Mus. of Comparat. Zoology at Harvard 
College. Cambridge 81. 8. 

Memoirs of the Mus. of Comparat. Zoology at Harvard College : Cabot, L., The 
Immature State of the Odonata. Part II. Subfamily Aeschnina. 
Mittheilungen d. anthropol. Ges. in Wien. XI. Bd. 1. — 2. Hft. Wien 81. 4. 
Entomologisk Tidskrift. Bd. I. Hft. 3. 4. Stockholm 81. 8. 

Annales de la Soc. Entomologique de Belgique. 25. Bd. Bruxelles 81. 8. 
Bullettino della Soc. Entomologica Italiana. 12. Jahrg. Trim. 1 — 4. 13. Jahrg. 

Trim. 1 — 4. 14. Jahrg. Trimestre I. Firenze 80/81. 8. 

Borre, de A. P., Sur une excursion entomologique en Allemagne pendant le 
mois de Juin et Juillet 1880. Bruxelles 81. 8. 

Oerley, Dr. L., Monographie der Anguilluliden. Budapest 80. 8. 
Verhandlungen d. bot. Ver. d. Provinz Brandenburg. 21. — 23. Jahrg. Berlin 
1880/82. 8. 

Acta Horti Petropolitani. Tom. VH. Fase. II. Petersburg 81. 8. 

(Bulletin de la Soc. Royale de Botanique de Belgique. 20. Bd. 

[Comptes rendus de la Soc. royale de Botanique de Belgique. Bruxelles 81. 8. 
Irmischia. Bot. Monatsschrift. II. Jahrg. Nr. 1—4. Sondershausen 81/82. 8. 
Lindemann, Dr. A., Flora Chersonensis. Vol. I. Odessa 81. 8. 

Abhandlungen d. K. K. geolog. Reichsanstalt. Die Gasteropoden der Meeres- 
ablagerungen d. 1. u. 2. mioeänen Mediterran- Stufe etc. von R. Hörnes u. 
M. Auinger. Bd. 12. 3. Lief. Wien 82. 4. 

Journal of the Royal Geolog. Soc. of Ireland. N. S. Vol.VI. P. 1. Edinburg 81. 8. 
Memoirs of the Geological Survey of India. Vol. XVI. Pt. 2. 3. Vol. XVHI. 
Pt. 1—3. Calcutta 80/81. 8. 

Memoirs of the Geological Survey of India. Paläontologia Indica. (Ser. II. 1 — 4.) 
Vol. I. (Ser. XI. Pt. 1. 2.) Vol. II. (Ser. V. XI. XH.) Vol. HL (Ser. II. 
XI — XIV.) Calcutta 80/82. 4. 

Records of the Geological Survey of India. Vol. XHI. Pt. 3. 4. Vol. XIV. 
Pt. 1 — 4. Calcutta 80,82. 8. 

Zeitschrift d. deutschen geol. Ges. XXXIII. Bd. 4. Hft. Berlin 81. 8. 

Reports of the Mining Surveyors and Registrars. Victoria Sept. 81, Nr. 29. 
Annales d. 1. Societe geologique d. Belgique. Tome VH. Paris 79/81. 8. 
Websky, Heber die Interpretation d. empirischen Octaed-Symbole auf Ratio- 
nalität. Berlin 81. 8. 

,, Heber das Vorkommen von Phenakit in der Schweiz. 


46 


Db 

71. 

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76. 

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53. 

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8. 


Geinitz, Dr. E., Pseudomorphose von Nakrit nach Fliissspatli. Wien 82. 8. 
Dathe, Dr. E., Beiträge zur Kenntniss des Granulits. Berlin 82. 8. 

„ „ Diabas im Culm b. Ebersdorf in Ostthüringen. Berlin 82. 8. 

King, C., I. Annual B,eport of the United States. Geol. Survey. Washington 
1880. 8. 

Geinitz Dr. E., Beitrag zur Geologie Mecklenburgs. Nr. IV. Neubranden- 
burg 82. 8. 

Hauer, v., u. Neumeyer, Dr., Führer zu den Excursionen d. deutschen 
geologischen Ges. nach den allgem. Versammlungen in Wien 1877. Wien 77. 8. 
Pigorini, L., J Terpen della Frisia. Reggio 81. 8. 

Ball, V., A Manual of the Geology of India. Pt. 3. Economic Geology. Cal- 
Gutta 81. 8. 

Dathe, Dr. E., Gletschererscheinungen im Frankenwalder voigtländischen Berg- 
lande. Berlin 82. 8. 

Barrande, J., Systeme Sibirien d. 1. Boheme. Vol. VI. PI. 1 — 361. 4 Bde. 
Prague et Paris 81. 4. 

„ „ Du Maintien d. 1. Nomenclature etablie p. M. Murchison. Paris 

1880. 8. 

„ „ Defense des Colonies. V. Prague et Paris 81. 8. 

„ „ Acephales. Etudes locales et comparatives. Vol. VI. Prague 

1881. 8. 

Winkler, T. C., Etüde Carcinologique sur les genres Pemphix, Glyphea et 
Areosternus. Haarlem 82. 8. 

Sterzei, Dr. T., Paläontologischer Charakter d. oberen Steinkohlenformation 
u. d. Rothliegenden im erzgeb. Becken. Chemnitz 81. 8. 

„ „ Ueber zwei neue Insektenarten a. d. Carbon von Lugau. 

Chemnitz 81. 8. 

Engelhardt, H., Ueber die fossilen Pflanzen d. Süsswassersandsteins von 
Grasseth. Halle 81. 4. 

Noväk, Dr. 0., Ueber böhmische, thüringische, Greifen Steiner und Harzer 
Tentaculiten. Wien 82. 4. 

„ „ Beitrag zur Kenntniss d. Bryozoen d. böhmischen Kreide- 

formation. Wien 77. 4. 

„ „ Fauna d. Cyprisschiefer d. Egerer Tertiärbeckens. Wien 77. 8. 

„ „ Studien an Hypostomen böhm. Trilobiten. Prag 80. 8. 

„ Otak zvane otäzce hercynske. V Praze 81. 8. 

Giov., Dei Fossili Triasici del Veneto etc. Venezia 82. 8. 
Deichmüller, Dr., Fossile Insekten a. d. Diatomeenschiefer von Kutschlin 
b. Bilin. Halle 81. 4. 

Marsh, 0. C., The Whigs of Pterodactyles. New-Haven 82. 8. 

Galle, Dr., Ueber' die Bahn d. am 17. Juni 1873 in Oesterreich u. im östl. 
Deutschland beobachteten hellen Meteors. Breslau 74. 8. 

„ „ Bericht über die Thätigkeit d. meteorologischen, späteren geogr. 

Section d. schles. Ges. 1869. 78 — 80. Breslau 70. 79/81. 8. 

„ „ Annalen d, physik. Centralobservatoriums. Jahrg. 1880. Theil 1. 2. 

Petersburg 81. Fol. 

,, „ Ueber die Regenmenge in Breslau etc. Breslau 82. 8. 

Meteorologische u. magnetische Beobachtungen d. K. Sternwarte b. München. 
Jahrg. 1881. München 82. 8. 

Schenzi, Dr., G., Beiträge zur Kenntniss d. erdmagnetischen Verhältnisse in 
den Ländern d. ungar. Krone. Budapest 81. 4. 

Notizblatt d. Ver. f. Erdkunde zu Darmstadt. IV. F. H. Hft. Darmstadt 81. 8. 


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47 


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80. 

Je 

81. 


Atlas d. 1. Description physique d. 1. Republique Argentine. II. Ser. Mammiferes. 
Buenos-Aires 81. Fol. 

Pres sei, Fr., Münster-Blätter. Ulm 78. 8. 

Beiträge zur Kenntniss von Stadt u. Land Salzburg. Salzburg 81. 8. 

Visitors Guide to Salem. Salem 80. 8. 

Israel, A., Erfahrungen auf Alpenreisen. Annaberg 82. 8. 

Verhandlungen d. Berliner Ges. f. Anthropologie u. Ethnologie etc. Jahrg. 1881. 
Berlin 81. 8. 

Württembergische Vierteljahrshefte f. Landesgeschichte. Jahrg. IV. Hft. 1 — 4. 
Stuttgart 81. 4, 

Pamatky, Archaeologicke a Mistopisnö. Dilu XI. sesit 11 - 14. Praze 81. 4. 
Mehlis, Dr. C. , Der Grabfund a. d. Steinzeit von Kirchheim etc. Dürk- 
heim 81. 8. 

Müller, Dr. J., lieber Alterthümer d. ostindischen Archipels etc. Berlin 59. 8. 
Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. 27. Bd. Hft. 6. 28. Bd. Hft. 1. 
Berlin 82. 8. 

Gehe, Handelsbericht, April 1882. Dresden 82. 8. 

Peter mann, Dr. A., Bulletin d. 1. Station agricole d. Gembloux. Nr. 25. 26. 
Bruxelles 81. 8. 

„ „ Recherches sur la Dyalise des terres arables. Bruxelles 

1882. 8. 

Ma der spach, Liv., Magyarovszäg Vasdrcz-Fekhelyei. Pest 81. 4. (In ungari- 
scher Sprache.) 

Just, Dr., Bericht über die Thätigkeit der badischen Samenprüfungsanstalt. 
Karlsruhe 82. 8. 

Boue, Ami, Dr. m., Autobiographie. Vienne 79. 8. 

Zur Erinnerung an Dr. Paul Günther Lorentz. Kassel u. Berlin 82. 8. 
Jahresbericht d. deutschen Lesehalle a. d. technischen Hochschule zu Wien. 
XI. Jahrg. 80/81. Wien 82. 8. 

K. S. Polytechnikum zu Dresden. Ergänzung zum Programm. Semester 81/82. 
Dresden 82. 8. 

Verzeichniss der neuen Werke der K. öffentl. Bibliothek zu Dresden. Dresden 
1882. 8. 

Eenentachtigste Verslag van het naturkundig Genootschap te Groningen 81. 8. 
Katalog der Ausstellungsgegenstände bei der Wiener Weltausstellung 1873. 
K. K. geol. Reichsanstalt. Wien 73. 8. 

Osmar Thüme, 

z. Z. I. Bibliothekar der Gesellschaft Isis. 









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Sitzungsberichte 

der 

naturwissenschaftlichen Gesellschaft 


in Dresden. 


1882. 



51 


1. Section für Zoologie. 


Vierte Sitzung am 33. November 1883. Vorsitzender: Professor Dr. 
B. Vetter. 

Nach der durch Acclamation erfolgten Wiederwahl der bisherigen 
Sectionsheamten für das nächste Jahr (S. 94) giebt der Vorsitzende einen 
kurzen Nekrolog von Prof. F. M. Balfour in Cambridge, der am 19. Juli 
d. J. am Mont Blanc verunglückt war. Ein Exemplar des ausführlicheren, 
im „Kosmos“ veröffentlichten Nekrologs wird der Bibliothek der „Isis“ 
übergeben. 

Im Vortrag des Vorsitzenden: „Zur Morphologie der Echinodermen“ 
wird nach Darlegung der Ansichten Job. Müller ’s hauptsächlich auf die 
entwickelungsgeschichtlichen Arbeiten von Selenka, Götte, Metschni- 
koff etc. eingegangen und u. A. auf Grund dieser Befunde die Echino- 
dermentheorie Haeckel’s als unhaltbar zurückgewiesen. 


&es. Isis in Dresden, 1882. — Sitziingsber. 2. 


4 * 


52 


II. Section für Botanik. 


Fünfte Sitzung’ a,ni 13. October 1883. Vorsitzender: Prof. Dr. Drude. 

Der Vorsitzende berichtet über die am 16. September d. J. in Eisenach 
von mehr als vierzig Botanikern aller deutschen Gaue auf Anregung der 
Botaniker Berlins und an ihrer Spitze Prof. Pringsheim’s geschehene 
Gründung einer „Deutschen botanischen Gesellschaft“, welche 
den Zweck hat, zum Nutzen der Wissenschaft eine Vereinigung der deut- 
schen Botaniker zu einem grossen collegialen Verbände zu bewirken. Der 
Schwerpunkt für die berathenden und beschliessenden Zusammenkünfte 
liegt in der alljährlich einmal zusammentretenden Generalversammlung, 
für welche Zeit und Ort in der Generalversammlung des vorhergehenden 
Jahres festgesetzt wird (im Jahre 1883 Freiburg i. B. , Zusammenkunft 
vor dem Beginn der Naturforscherversammlung daselbst); in ihr führt 
den Vorsitz der für das laufende Jahr gewählte Präsident der Gesellschaft. 
Ausserdem finden regelmässige Sitzungen das Jahr hindurch in Berlin 
statt, für welche ein besonderes Local-Präsidium gewählt wird, und wo auch 
die Herausgabe regelmässig erscheinender Berichte stattfindet, welche den 
Mitgliedern zugesendet werden. Ehren- und correspondirende Mitglieder 
werden in der Regel nur unter den auswärtigen Botanikern gewählt; die 
des Inlandes zerfallen in ordentliche und ausserordentliche Mitglieder 
mit dem Jahresbeitrag von 15, beziehungsweise 10 Mark für das Jahr. 
Wer der Gesellschaft beizutreten wünscht, hat ^Ibst anzugeben, ob er 
ordentliches oder ausserordentliches Mitglied zu werden wünscht, und muss 
in dieser Eigenschaft von zwei Mitgliedern (ordentlichen oder ausserordent- 
lichen) der Gesellschaft vorgeschlagen werden. — Der Vorsitzende erbietet 
sich zum Vorschläge für solche botanische Isis-Mitglieder, welche Lust 
haben, auch dieser deutschen botanischen Gesellschaft beizutreten. 

Oberlehrer 0. Thüme referirt über Prof. Hildebrand t’s (in Eng- 
1er ’s botanischen Jahrbüchern, Band H, erschienene) Untersuchung : ,,Die 
Lebensdauer und Vegetation sweise der Pflanzen, ihre Ursachen 
und ihre Entwickelung.“ — Nachdem in der Einleitung auf die Extreme, 
die hinsichtlich der Lebenslänge die Pflanzen zeigen, hingewiesen, der Ver- 
schiedenheiten, die sich sowohl bei monocarpischen, als auch bei poly- 
carpischen Gewächsen in dieser Beziehung beobachten lassen , gedacht 


/ 


53 


worden war, wurde eingehend das Verhältniss der verschiedenen Lebens- 
dauer und Vegetationsweise zur systematischen Verwandtschaft besprochen 
und musste als Resultat constatirt werden, dass neben den Species vieler 
Gattungen, deren Vegetationsweise und Lebensdauer als fixirt sich dar- 
stellt, doch auch solche noch vorhanden sind, die in Bezug auf diese Ver- 
hältnisse in Weiterbildung begriffen sein müssen. Ein Blick nach dieser 
Richtung hin auf die höheren Gruppen der Pflanzen gethan, lehrt, dass 
den Thallophyten (wenigstens den meisten Pilzen und kleineren Algen) 
Kurzlebigkeit und zarter Bau eigen; die höheren Kryptogamen dagegen, 
deren Bau compacter, sind meist langlebig, und ebenso erscheinen die 
Gymnospermen und Monocotyledonen, von denen viele verholzen, als lang- 
lebige Formen, während unter den Dicotyiedonen im gemässigten Klima 
kurzlebige und im heissen und kalten Klima langlebige vorherrschen. 

Von Interesse ist die Angabe der Ursachen der verschiedenen Lebens- 
dauer und Vegeta tions weise, welche beide theils in inneren Anlagen der 
Gewächse, theils in äusseren Verhältnissen zu suchen sind. Durch Aende- 
rung der letzteren kann sowohl eine Umwandlung der Lebensdauer, als 
auch der Lebensweise, ja sogar des Habitus der Pflanze eintreten; solche 
Umwandlungen aber können hervorgerufen werden durch Veränderungen 
hinsichtlich der Temperatur, der Feuchtigkeit, der Beleuchtung, der Luft- 
bewegung, der Bodenverhältnisse, der pflanzlichen und thierischen Um- 
gebung etc. Sind denn auch derartige Umwandlungen in Praxis nach- 
weisbar? Diese Frage wird vom Verf. mit ,,Ja“ beantwortet lyad eine Reihe 
verschiedener schlagender Beispiele dafür angeführt, so bewirkten z. B. 
veränderte Saatzeit und sorgsame Auslese die Umwandlung von Winter- 
in Sommerweizen, auf dieselbe Weise wurden Oenothera hiennis L., Malva 
silvestris L. und Beseda alba L. aus zweijährigen in einjährige Gewächse, 
ferner Foeniculum officinale All., Conium maculatum L. und Anchusa 
officinalis L., die eigentlich nur einmal fruchten, in zweimal fruchtende 
Gewächse verwandelt. Auch in botanischen Gärten der gemässigten Zone 
verwandeln sich manche perennirende holzige Gewächse der Tropen, so 
z. B. der bekannte Ricinusstrauch, in einjährige Gewächse. Als Beispiel 
der Umwandlung der Vegetationsweise durch klimatische Verhältnisse 
wurden Pfirsichen, Erdbeeren und die Weinrebe angeführt; diese blühen 
und fruchten bei uns nur einmal im Jahre, während in der feuchten Re- 
gion von Java die ersteren beiden ununterbrochen Blüthen und Früchte 
zeitigen und die Früchte der letzteren zu jeder Jahreszeit sowohl in Cu- 
mana, als auch in Chartum auf den Markt gebracht werden. — In Kürze 
wurde noch referirt über die Beziehung von Lebensdauer und Vegetations- 
weise zum geographischen Vorkommen. In der Nähe des Aequators giebt 
es einige Gegenden, woselbst die Pflanzen das ganze Jahr über vegetiren 
können, so ist dies der Fall z. B. östlich von den Anden, in Nordbrasilien, 
Guyana, auf Java etc.; dort sind die meisten Pflanzen holzig, fast alle 
langlebig und oft fruchtend; in den Gegenden aber, wo eine dörrende 


54 


Hitze den Boden zu einer gewissen Zeit des Jahres frei macht, schiessen 
zwischen den ruhenden Stauden zur Regenzeit die Annuellen hervor, 
welche jedoch zur rechten Geltung erst dort kommen, wo die warme 
Jahreszeit mit der kalten wechselt, während dort, wo letztere wiederum 
vorherrscht, nämlich auf hohen Gebirgen und in nordischen Gegenden, 
die perennirenden und oft fruchtenden Gewächse die Herrschaft erlangen ; 
sie sind aber nicht wie die Gewächse der Tropen oberirdisch fortbestehend, 
sondern mit unterirdischen Dauerorganen versehen. Als Beleg zu dieser 
Behauptung führt der Verfasser eine von Wiest gegebene Zusammen- 
stellung von der Gesammtzahl der in Deutschland und der Schweiz wach- 



Deutschland 

Schweiz 

Einjährige Gewächse . 

. . 1/4,98.'*') 

1/5,06. 

Zweijährige „ 

. . 1/20,18. 

1/19,19. 

Ausdauernde „ 

. . 1/3,14. 

1/3,10. 

Sträucher und Bäume . 

. . 1/8,75. 

1/9,20. 


Nach derselben ist die Zahl der Annuellen in Deutschland grösser, als 
in der Schweiz, woselbst aber wieder mehr zweijährige und ebenso mehr 
perennirende Gewächse verkommen, während in Deutschland die Zahl der 
Sträucher und Bäume wieder höher, als die der kälteren Schweiz er- 
scheint. Vergleicht man diese von Wiest gegebene Tabelle dagegen mit 
der, welche wir in dem von Dr. A. Schnizlein und A. Frickhinger heraus- 
gegehenen Werke über die Vegetationsverhältnisse der Jura- .und Keuper- 
formation in® den Flussgebieten der Wörnitz und Altmühl finden, welche 
Gegend immerhin ein gutes Vegetationsbild unseres Vaterlandes bieten 
dürfte, so stellen sich darnach doch andere Resultate heraus. Das Ver- 
hältniss der Pflanzen von je der gleichen Lebensdauer zusammengenommen 
zur Gesammtzahl ist dort 

bei den Einjährigen . . . . 1/4,4 

„ „ Zweijährigen .... 1/11,8 

„ ,, Ausdauernden . . . 1/1,66 

„ „ Sträuchern und Bäumen 1/11,5 

Nach derselben ist also die Zahl der zweijährigen und perennirenden 
Gewächse in Deutschland bedeutender, als in der Schweiz, woselbst aber 
Bäume und Sträucher in grösserer Zahl vorhanden sind. — Von In- 
teresse ist in der Abhandlung noch das Verhältniss der Lebensdauer in 
den geologischen Perioden, Zunächst waren nur langlebige Arten vor- 
handen; erst nach dem Eintritt eines periodischen Klimas entstanden 
kurzlebige, einmal fruchtende Gewächse, die aber in der Periode der Eis- 
zeit in langlebige Formen zum Theil übergingen. Viele Veränderungen 
wurden alsdann durch den Menschen hervorgerufen, der die Verbreitung 
aimueller, nur einmal fruchtender Pflanzen begünstigte. Es scheint aber 
überhaupt die Bildung annueller Arten, die bei ihrem schnellen und 

d. h. unter nicht ganz 500 Pflanzenarten sind 100 einjährig, u. s. w. 


55 

massenhaften Fruchten die Möglichkeit schneller Umbildung in sich tragen, 
im Fortschreiten begriffen zu sein. (0. Thiime.) 

Prof. Dr. 0. Drude spricht über die Bedeutung der Waldai-' 
Höhe für die Flora Yon Europa. Die Resultate des Eifers, mit wel- 
chem jetzt die Botaniker Russlands die Flora ihres Reiches in sorgsamer 
Einzelbearbeitung kleinerer Gebiete zur allgemeinen Kenntniss bringen, 
kommen zum nicht geringen Theile der Lösung wichtiger Fragen in der 
Pflanzengeographie auch des mittleren und westlichen Europas zu Gute. 
Dies gilt in vollem Maasse von den Untersuchungen Gobi’s, Professor 
in Petersburg, über die Flora des Guberniums Nowgorod und die Pflanzen- 
geograpbie der Waldai-Hölie,*) über welchen letzteren, trotz seiner ge- 
ringen Erhebung (350 m über die Ostsee) floristiscii und pflanzengeogra" 
phisch ausgezeichneten Höhenzug eine Gesammtbearbeitung fehlte und 
wenigstens dem Vortragenden • — vorher nur eine kürzere Zusammen- 
stellung Albert RegeUs nach Excursionen im August 1867 an der Ost- 
grenze vom Gubernium Tscbernigow bekannt war. 

Von besonderem Interesse ist es, die Wirkung der Scheidegrenze zu 
verfolgen, welche die Waldai-Höhe zwischen den Pflanzen der südost- 
russischen Steppen einerseits und den von Nordost her zwischem dem 
Ural und Finnland in breitem Zuge eindringenden west-sibirischen und 
nord- oder nordost-europäischen Pflanzen bildet; durch diesen Umstand 
erhält die Waldai-Höhe und ihr Verbindungsrücken mit dem Ural (die auf 
unseren Karten sogenannte iiralo-alaunische Platte) eine allgemeine Bedeu- 
tung für die Gliederung der Flora Europas. Die Steppenflora im Strom- 
gebiete der unteren Donau, des Dnjester, Dnjepr und Don [charakterisirt 
durch den Mangel an Nadelwald, selbst ohne Finm sihestrisl, und durch 
Auftreten lichter Gehölze von Carpinus BeUdus^ Querem Bobur^ Acer 
tataricum j wildem Pyrus Malus und communis ^ Prunus Ghamaecerasus^ 
Amygdalus nana; ferner durch die Steppenwiesen von Stipa pennata und 
capillata^ mit reichem Blumenflor [von Salvia pratensis, Adonis vernalis, 
Campanula sihirica , Astragalus Cicer , Sanguisorba officinalis , PJilomis 
tuberosa, Artemisia scoparia und campestris und Ahsynthium etc.] dringt 
westwärts und nordwärts in das Innere von Europa hinein so weit vör, 
als sie ihre Existenzbedingungen zu finden vermag und hat sich daher in 
Deutschland weit gegen die westlichen Gaue in immer mehr verein- 
zelten Repräsentanten und Standorten angesiedelt ; letztere bestehen haupt- 
sächlich aus sonnigen Kalkhügeln, wie sie z. B. im Thale der thüringi- 

*) Publicirt 1876 in russischer Sprache. Vortragender ist durch ein Referat Ba- 
taliii's: Apergu des travaux Kusses sur la geographie des plantes de 1875 — 1880, in 
den Berichten des dritten internationalen Geographen-Congresses zu Venedig auf das 
Interesse dieser Arbeit aufmerksam geworden und verdankt das mit drei pflanzengeogra- 
phischen Karten ausgestattete Original der späteren Zusendung des Verfassers; diese 
setzt Vortragenden in den Stand, Zusätze zu seinem Referat im „Geographischen Jahr- 
buch für 1882“ (Gotha 1883), S. 167, zu machen und die Arbeit von seinem Standpunkte 
aus -zu belenciiten. 


56 


sehen Saale sich finden, wo zuerst der westdeutsche Botaniker, an andere 
Formen gewöhnt, kleine Gruppen östlicher Pflanzen bemerkt, die ihm als 
'etwas Fremdartiges und Beziehungen zu einem anderen Erdstrich Auf- 
weisendes entgegentreten. 

Viele Pflanzen, welche ihren Ursprung unter dieser Genossenschaft 
südost-russischer Wiesensteppenpflanzen gehabt haben mögen, sind ausser- 
dem so gleichmässig und so weit über einen grossen Theil Europas zwi- 
schen Frankreich, Grossbritannien und den unter gleicher Breite liegenden 
südlichen Ausläufern des Ural verbreitet, dass man ihren eigentlichen Ur- 
sprung nur noch zu errathen vermag, und die genannte Genossenschaft 
von Pflanzen verliert sich daher sehr allmälig gen Westen. Nicht so gegen 
Norden, wo die Waldai-Höhe und die uralo-alaunische Platte ihr einen 
Widerstand entgegensetzen, stark genug, die Mehrzahl dieser Pflanzen zu 
einander sehr genäherten nördlichen Vegetationslinien in den Breiten von 
Tula, Moskau, Kasan, Perm oder höchstens in der höheren Breite von 
Wologda zu zwingen, weil bis hierher auf den rauhen Höhen nördliche 
und nordöstliche (sibirische) Pflanzen haben Fuss fassen können, welche 
dieser südöstlichen Pflanzengenossenschaft in der Concurrenz überlegen 
sind. Vortragender zeigt am Verlauf einiger ausgewählter Vegetations- 
linien (von Adonis vernalis^ Campanula sibirica, Feucedamm Oreoseli' 
num^ Ecliium vulgare^ Helichrysum arenarium)^ dass diese südöstlichen 
Pflanzen auf ihrem Zuge gegen Norden an dem genannten sehr sanften 
liügelzuge gebrochen und nun in mehr oder weniger einfachen Bogen um 
die Waldai-Höhe herumgehend sich bald mehr, bald weniger weit in das 
westliche Europa, speciell Deutschland, hinein verbreitet haben, dort mit 
scharfen Vegetationslinien gegen Westen oder Nordwesten zu enden pflegen, 
sich übrigens theilweise auch in das Mittelmeergebiet hinein zu verbreiten 
vermocht haben. 

Nicht minder interessant sind die südlichen und südwestlichen (d. h. 
gegen Süd und Südwest gerichteten) Vegetationslinien der anderen Pflanzen- 
genossenschaft, welche zwischen dem nördlichen Ural und Finnland aus 
nordeuropäischen und arktisch-sibirischen Bürgern gemischt sich nieder- 
gelassen hat und vielfach als ihre südwestlichste Station die Gegenden um 
die Waldai-Höhe aufweist. Für diese Pflanzen ist es Regel, dass ihre 
Grenze gegen Süden am Ural in der Breite von Perm beginnend und sich 
westwärts über Wiatka und Wologda [am südlichen Rande der wenig aus- 
gesprochenen Wasserscheide zwischen Kaspischem und Schwarzem Meere 
einerseits und dem nördlichen Eismeere beziehungsweise dem Weissen 
Meere andererseits] zur Waldai-Höhe hinziehend hier in scharfen Bogen 
nordwärts oder nordwestwärts umspringt, um quer durch Finnland hin- 
durch nach Lappland zu verlaufen ; viele dieser Pflanzen finden sich übri- 
gens in der Nähe des Ural auch erst in höherer Breite, besonders erst 
im Quellen gebiet der Petschora, und folgen mit ihrer Vegetationslinie der 
genannten Wasserscheide alsdann viel genauer in westsüdwestlicher oder 


57 


südwestlicher Richtung, springen aber, an der Waldai-Höhe oder in deren 
Nähe angelangt, ebenfalls nach Norden oder Nordwesten um und würden 
immer ein gradliniges Auslaufen durch Finnland und Lappland hindurch 
bis zur Küste des nördlichen Skandinaviens zeigen (also eine geknickte 
Vegetationslinie von der Form V in Europa haben, deren südlicher 
Wendepunkt an der Waldai-Höhe liegt), wenn nicht die skandinavischen 
Fjelde vielen dieser Pflanzen noch einzelne Stationen auch im südlicheren 
Theile dieser Halbinsel geboten hätten. Als Beispiel hierfür beschreibt 
Vortragender ausführlich den Verlauf der Grenzlinien von Nardosmia 
(Petasites) frigida und Mulgedium sibiricum; auch Conioselinum Fischeri 
würde ein anderes passendes Beispiel dazu liefern, wenn nicht hier eine 
neue Eigenthümlichkeit im Verlauf der Grenze hinzukäme. Diese von 
Wimmer und Grabowski in der Flora Silesiae (Bd. I, S. 266) im Jahre 
1827 beschriebene Art zeigt schon durch ihre Autoren, dass sie auch 
Mitteleuropa berührt; zwar sind hier ihre Standorte nur sporadisch, näm- 
lich im Gesenke und in den Karpathen Siebenbürgens; aber ihre weitere 
Ausdehnung über die Waldai-Höhe südwärts hinaus in das Flussgebiet 
des Dnjepr bis weit südlich von Smolensk und ihr Vorkommen in der 
nordostdeutschen Ebene bei Tilsit beweist, dass diese Pflanze von der 
normalen südlichsten Station ihrer ganzen sibirischen Genossenschaft, 
nämlich der Waldai-Höhe, weiter gegen Süden und Süd westen vorzudringen 
vermochte und daher in Gebirgen einzelne Stationen besetzte, welche man 
als Reste einer grösseren gemeinsamen Verbreitung in vergangenen küh- 
leren Perioden betrachten kann. Dadurch erhalten wir einen Hinweis, 
wie wir uns die getrennten alpin - karpathischen Areale und nordost- 
russisch-sibirischen Areale mancher berühmten Pflanzen, der Pinus Cembra 
und Larix europaea an ihrer Spitze, als ursprünglich durch die Waldai- 
Höhe und ihre Umgebung vereinigt vorstellen können, ohne uns allzu 
sehr auf theoretischem Boden zu bewegen. Denn der Bezirk der Silber- 
erle, Almis incana^ zeigt uns noch jetzt ein solches Areal, welches auch 
unter den gegenwärtigen, für die Ausbreitung kälterer Pflanzen nicht gün- 
stigen klimatischen Bedingungen ungetrennt geblieben ist, trotzdem aber 
doch in einen grossen nordrussisch- skandinavischen und einen zweiten 
alpin-karpathisch-sudetischen Bezirk zerfällt; zwischen beiden als Verbin- 
dungsstationen liegen ihre Standorte in den russischen Ostseeprovinzen 
und in der Ebene nördlich von den Karpathen. Aber bei sehr vielen 
anderen Pflanzen ist bekanntlich das nordeuropäische Areal in der Ebene 
und das mitteleuropäische Areal in den Hochgebirgen ein völlig geson- 
dertes geworden; sfehr viele andere Pflanzen besitzen auch entweder nur 
das eine oder das andere Areal je nach ihrem Ursprung hier oder dort, 
ohne sich weithin haben verbreiten zu können. 

Die Waldai-Höhe selbst hat, wie aus dem Gesagten hervorgeht, eine 
hauptsächlich nordische Flora, selbst die Eiche kommt nur ganz vereinzelt 
noch vor und nicht mehr auf dem Plateau, welches von Kubus Chamae- 


58 


\ 


morus^ caesms und saxatilis , Vacdnium uliginosum und Vitis idaea^ 
Oxycoccus, Galluna, Andromeda mit Linnaea horealis besetzt ist und nor- 
dische Kriechweiden (Salix Lapponumf) besitzt, von Bäumen an diesen 
rauhen Stellen nur Sorbus aucuparia, Prunus Padus, Betula odorata und 
pubescens. Dieser Flora entspricht die Temperatur; schon in einer Höhe 
von nur 550 russ. Fuss = 170 m ist die Mitteltemperatur während der 
Hälfte des Jahres unter Null, während die Monate Juni bis August im 
Temperaturmittel etwa dem Dresdens gleich kommen. Die von Prof. Gobi 
mitgetheilte Tabelle für die Meereshöhe 170 m enthält folgende Monats- 
mittel : 

Decbr. — 7^,4 März — 6^,0 Juni + 15o,0 Sept. -f 8^8 

Jan. — 110,5 April -f lo,3 Juli + 170,3 Oct. -f 

Febr. ~ 10o,3 Mai + 10o,l Aug. + 14o,0 Nov. — 40,6. 


Sechste (aiisserordeiitliclie) Sitzung am 2. ]\ovember 1882 . (Literatur- 
Abend.) Vorsitzender: Prof. Dr. Drude. 

Oberlehrer H. Engelhardt referirt über: Urban, ,, Geschichte des 
Königl. botanischen Gartens in Berlin.“ (Jahrb. d. K. bot. Gart. u. d. 
bot. Museums zu Berlin. Bd. I.) 

Der grössere Theil des jetzigen botanischen Gartens, um die Mitte 
des 17. Jahrhunderts mit Hopfen für die kurfürstliche Brauerei bepflanzt, 
ward nach 1679 unter der Regierung des Kurfürst Friedrich Wilhelm von 
Michelmann zu einem Baum- und Küchengarten umgewandelt. König 
Friedrich 1. machte aus ihm einen Lustgarten mit Glas- und Treibhäusern, 
der sparsame Friedrich Wilhelm 1. aber überliess ihn der Verwaltung 
seines Leibarztes Gundelheimer, der sein Möglichstes that, ihn in einen 
botanischen zu verwandeln, aber leider schon nach zwei Jahren starb, 
worauf der Garten, dem Verfalle entgegeneilend, im Jahre 1718 der So* 
cietät der Wissenschaften zugewiesen wurde, mit dem Befehle, zugleich 
den Aufwand zu bestreiten. Diese, ihn als unnütze Last betrachtend, 
wollte ihn anfangs veipachten, was aber nicht erlaubt wurde, und that 
nur das Nöthigste an ihm. So blieb er ’’ vorzugsweise dem Anbau der 
Apothekerkräuter für die Hofapotheke gewidmet. Nachdem die literarische 
Societät zu einer Akademie der Wissenschaften erhoben war, erhielt Gle- 
ditsch die Aufsicht. Der Anbau der Apotheker kräuter hörte fortan auf, 
eine Baumschule wurde angelegt, ein Reglement entworfen. Alles in den 
besten Zustand versetzt. Während des siebenjährigen Krieges aber wurden 
dem. Garten die zu seinem Bestehen nöthigen Mittel entzogen, seine An- 
lagen zerstört. Nach ihm vermochten Gleditsch’s Vorstellungen nicht 
mehr zu erzielen, als dass man den Aesthetiker Sulzer ersuchte, einen 
Plan zu entwerfen, nach welchem der akademische Garten in den Stand 
gesetzt und später unterhalten werden sollte. Nach und nach entstanden 


59 


die neuen Anlagen. Unter der Leitung des Leibarztes Mayer fehlte es 
nicht an Vorschlägen zu Verbesserungen, wohl aber an deren Ausführungen. 

Im Jahre 1801 wurde Willdenow die Reorganisation des Gartens 
übergeben. Seine nächste Aufgabe widmete er der Erhaltung der vor- 
handenen Gewächse, dann der Aufführung zweckmässig eingerichteter Ge- 
wächshäuser und der Herbeischaffung neuer Gewächse. In letzter Be- 
ziehung trat er mit allen ausländischen Fachgenossen, mit Besitzern grosser 
Handelsgärten, sowie mit Samenhändlern in Verbindung und unterhielt 
einen lebhaften Tauschverkehr. Die sich von Jahr zu Jahr steigernden 
Bedürfnisse erheischten immer grössere Mittel. Mit seltener Energie wusste 
er die Bewilligung derselben durchzusetzen. So ist zu erklären, dass, 
während andere wissenschaftliche Institute Berlins Rückschritte machten, 
der botanische Garten sich sichtlich hob. Im Jahre 1809 ward er der 
Akademie abgenommen und der neugegründeten Universität mit angemes- 
sener sicherer Dotation zugewiesen. Nach W.’s Tod erhielt Lichten - 
stein die vorübergehende Leitung, die nur auf Erhaltung des Bestehenden 
gerichtet war. Im Jahre 1815 wurde Link zum Director ernannt, dessen 
Streben durch den Minister Stein von Altenstein besonders begün- 
stigt wurde. Man begann damit, junge Leute in entfernte Erdgegenden 
zu senden, um Eigenthümliches und Neues direct herbeischafPen zu lassen 
und fuhr mit dem Samenaustausch fort. Besonders hervorgehoben zu 
werden verdient, dass man auch aus den grossen Gärten der Niederlande 
und Englands , die mit Leichtigkeit aus den Colonien interessante Ge- 
wächse herheizuschaffen vermochten, sowie Deutschlands Doubletten in 
grosser Anzahl bezog. In Folge dessen entstanden nach und nach eine 
grössere Anzahl von Neubauten, so dass am Schlüsse des Jahres 1832 
18 Gewächsabtheilungen gezählt werden konnten. Hand in Hand damit 
ging die Erweiterung des Areals für die sich ebenfalls mehrenden Frei- 
landgewächse und die Abtrennung des Universitätsgartens. Wir lassen 
uns hier nicht weiter auf Einzelheiten ein und erwähnen nur, dass nach 
und nach der Garten zu dem bedeutendsten Europas sich gestaltete, 
der seinem eigentlichen Zwecke, zu wissenschaftlichen Untersuchungen das 
Material zu liefern, vollständig nachgekommen war. Nach Link’s Tode 
fand die Uebergabe des Gartens an Braun statt. Sein Bestreben war 
es zunächst, den Garten auch zu einem anziehenden und bequemen Bil- 
dungsmittel für das grössere Publikum zu errichten, wozu die Einrichtung 
eines Victorienhauses anfangs wesentlich beitrug. Neues Areal wurde an- 
gekauft und zugerichtet, das wissenschaftliche Beamtenpersonal vergrössert, 
die zerstreuten Stauden wurden nach dem natürlichen System umgepflanzt, 
verbesserte Neubauten unternommen, die Pflanzen vermehrt. Seine, wie seiner 
bedeutenden Schüler Arbeiten zeugen nur zu laut, dass er als des Gartens 
Hauptbestimmung ansah, der fortschreitenden Wissenschaft in ausgedehnter 
Weise einen der Entwickelung förderlichen Boden zu unterbreiten, ihn zu 
einem Pflanzengarten im umfassendsten Sinne zu machen. Sein Nach- 


60 


folger ist Eich 1er, dessen segensreiche Thätigkeit bereits jetzt schon in 
Neuschöpfungen zu erkennen ist. Zur Zeit beträgt die Anzahl der Ge- 
wächshäuser 36. In ihnen wurden 1877/78 10,069 Arten und Varietäten, 
welche 2159 verschiedenen Gattungen angehörten, in 39,843 Exemplaren 
cultivirt und überwintert. Die Anzahl der im Freien cultivirten Baum- 
und Straucharten beträgt ca. 1300 Arten, der im freien aushaltenden 
Stauden etwa 3900 Arten; ausserdem sind vorhanden ein Alpinum, das 
Stück der zweijährigen Pflanzen, das annuelle Stück und das Braun- 
denkmal. Bedeutend ist das Herbar, klein die Bibliothek. 

(H. Engelhardt.) 

Hieran knüpft Geh. Hofrath Geinitz einige Mittheilungen über das 
botanische Museum der Universität Breslau, dessen Sammlungen durch 
den rastlosen Eifer seines Dirigenten, Prof. Göppert, zur Zeit etwa 
20,000 Nummern umfassen, bis jetzt aber noch einer eigenen gesammten 
Aufstellung an besonderem Raume entbehren. 

Darauf referirt Oberlehrer CI. R. König über: Krasan, ,,Die Erd- 
wärme als pflanzengeographischer Factor“ (En gier ’s botan. Jahrbücher, 
Bd. 11). [Eine kritische Besprechung hat der Herr Referent für den 
nächsten Theil der Sitzungsberichte zum Druck zu geben bestimmt.] 


Siebente Sitzung' am 7, Deceniber 1883. Vorsitzender: Professor 
Dr. Drude. 

Nach der Wahl der Sectionsheamten für das folgende Jahr (siehe die 
Zusammenstellung derselben am Schluss dieses Heftes) hält Prof. 0. Drude 
einen ausführlichen Vortrag über Bau und Entwickelung der Kugel- 
alge Volvox. [Der Vortrag war von mikroskopischen Demonstrationen 
an frisch verfertigten Präparaten begleitet, die in drei Reihen von 6 be- 
ziehentlich 8 Entwickelungsstadien und Färbungsmethoden unter 20 
Mikroskopen aufgestellt waren; 12 Mikroskope mit ausgezeichneten Sy- 
stemen hatte zum Zweck der Vervollständigung der noch nicht ausreichend 
grossen Zahl von Mikroskopen in der botanischen Abtheilung des Poly- 
technikums Herr Wilhelm Schubert, Inhaber des hiesigen mikroskopi- 
schen Museums, leihweise zur Verfügung gestellt und hatte deren Auf- 
stellung selbst in bereitwilligster Weise übernommen.] Bei der ausführ- 
lichen Behandlung, welche Volvox bereits in der botanischen Literatur*) 

*) Hervorziilieben ist besonders: Prof. Dr. F. Cohn, Die Entwickelungsgescbicbte 
der Gattung Volvox [Festschrift, dem Geh. Medicinalrath Prof. Dr. Göppert am 11. Ja- 
nuar 1875 gewidmet von der Universität Breslau]. Dasselbe in kürzerem Auszuge aber 
mit derselben Tafel in Cohn ’s Beiträgen zur Biologie der Pflanzen, Bd. I. Heft 3. 
Ferner: Dr. Kirchner, Entwickelungsgeschichte des Volvox minor [Cohn ’s Beitr. z. 
Biol. d. Pfl. Bd. III. Heft 1. S. 95. — Mit dem aus diesen Schriften geschöpften sicheren 
Wissen kann man alsdann noch interessante Einzelheiten aus Ehrenberg’s berühmtem 
Werk: Die Infusionsthierchen als vollkommene Organismen [Leipzig 1838], S. 67 mit 


61 


gefunden liat, sind hier nur einzelne Erörterungen und gelegentliche Zu- 
sätze am Platze. Dieselbe betreifen sämmtlich die kleinere der beiden bis 


Taf. IV, lernen. Letzteres Werk ist in der Königl. öffentl. Bibliotkek, die Beiträge zur 
Biologie der Pflanzen sind in der botanischen Bibliothek des Polytechnikums vorhanden. — 
Das gesammte Verhalten der Entwickelungsweise und des Aussehens von Volvox ist von 
dem ersten Entdecker dieser anziehenden und durch ihre Bewegungsform auch heute 
noch unter vielen merkwürdige Alge so vortrefflich geschildert, dass es bei dem Alter 
dieser Entdeckung und bei dem berühmten Namen des Entdeckers Antonius aLeeuwen- 
hoek passend und der Zwecke unserer naturforschenden Gesellschaft würdig erscheint, 
diesen ersten Bericht ausführlich hier in Uebersetzung erscheinen zu lassen. Derselbe 
flndet sich in einem Briefe Leeuwenhoek’s an Johannes Sloane vom 14. Januar 1700 
(A. a Ijeeuwenhoek, Opera omnia, Volumen III: Epistolae ad Societatem reg. anghcam 
et alios illustres viros. Leiden 1719, 8»; in der Königl. öffentl. Bibliothek zu Dresden 
unter Hist. nat. B. 348. — Epistola 122, p. 149 — 154), und zwar in folgender Erzählung ; 

„Ich hatte dieses Wasser — es ist vorher von kleinen Culices die Rede 

gewesen — „am 30. August (1699) aus Gräben und Pfützen sammeln lassen; nach 
Hause zurüchgehehrt, bemerkte ich bei aufmerksamer Betrachtung der grossen Zahl 
loinziger, zu den verschiedensten Gattungen gehöriger Thierchen, die im Wasser hin 
und her jagten, auch eine grosse Menge runder Organismen (Particulae), die im sel- 
bigen Wasser schwammen und sich zu bewegen schienen; sie kamen an Grösse ehva 
Sandkörnern gleich. 

Als ich diese Organismen unter das Mikroskop brachte, bemerkte ich, dass sie 
nicht allein rund seien, sondern auch, dass ihre äussere Membran mit sehr vielen vor- 
ragenden Theilchen bestreut war, die ihrerseits dreieckig mit einem in eine Spitze aus- 
laufenden Ende zu sein schienen. 

Da auf einem grössten Kreise dieses kugeligen Organismus 80 solcher Einzel- 
theilchen vertheilt erschienen, in regelmässiger Ordnung und in gleichmässigen Ab- 
ständen, so musste dieser loinzige Körper mit nicht weniger als 2000 solcher hervor- 
ragender Theilchen bedeckt sein. 

Es gewährte mir dies Alles ein sehr anregendes Schauspiel, weil diese Körper, so 
oft ich sie beobachtete, niemals ruhig dalagen und ihre Vorwärtsbewegung von Um- 
loälzungen begleitet war, und zwar so sehr, dass ich mich zuerst davon für überzeugt 
hielt, diese Kugeln seien Thierchen. Je kleiner sie übrigens ivaren, um desto mehr 
zeigten sie eine stark grüne Färbung, ivährend andererseits auf der Aussenseite der 
grösseren, die an Masse sehr dicken Sandkörnern gleich kamen, kein Grün zu er- 
kennen war. 

Je ein einzelner dieser Organismen enthielt in seinem Innern eingeschlossen 5 oder 
6, 7, ja sogar einige bis 12 winzige Kügelchen, von derselben Structur, wie der sie ein- 
schliessende Körper. 

Als ich unter anderen einen von den grösseren Kugelkörpern in einem Wasser- 
tröpfchen ziemlich lange unterm Mikroskop beobachtet hatte, sah ich, wie in seiner 
Aussenseite ein Biss entstand, aus dem eins der eingeschlossenen Kügelchen mit schön 
grüner Farbe heraustrat und nun dieselbe Beivegungsart im Wasser annahm, die die 
grössere Kugel, aus der es hervorgegangen toar, vorher besessen hatte. 

Aber darnach lag die erstere, grössere Kugel unbeweglich still, und nach einem 
kurzen Zeitraum schlüpfte ein zweites und bald ein drittes Kügelchen durch den Biss 
heraus, und so ging es fort, bis alle herausgetreten ivaren und jedes eine selbständige 
Bewegung erhalten hatte. Nach Verlauf von einigen Tagen war die frühere Kugel 
wie im Wasser aufgelöst und ich konnte keine Spur mehr von ihr entdecken. 

Bei diesen Beobachtungen wunderte ich mich besonders darüber, dass bei allen 
den verschiedenen Beivegungen, die ich an der ersten (grösseren) Kugel beobachtet hatte. 


jetzt sicher bekannt gewordenen Arten, welche Vortragender allein genau 
zu untersuchen Gelegenheit hatte; in einem Wasserfasse des hiesigen 
Königl. botanischen Gartens fand sich diese Art in diesem Herbst in un- 
geheuerer Menge, während von der grösseren Art kein einziges Exemplar 
sich dazwischen zeigte. 

Diesen grösseren und kleineren Volvox hat man, je näher beide be- 
kannt werden, desto sicherer als zwei „gute Arten“ zu unterscheiden, und 
ihre Benennung giebt zunächst Veranlassung zu einer kritischen Frage. 
Zwar betrifft diese eine rein formale Sache, aber die Wissenschaft hat nun 


ich niemals gesehen habe, dass sieh eins der eingeschlossenen Kügelchen schon im In- 
nern bewegte, obgleich sich dieselben nicht gegenseitig durch Berührung hinderten, son- 
dern sie blieben unverrücJct von einander getrennt. 

Viele würden beim Betrachten dieser Kiigelbewegungen im Wasser darauf schivö- 
ren, dass sie es mit lebendigen Thieren zu thun hätten, und besonders wenn sie die- 
selben sich bald hierher, bald dorthin umwälzend tvenden und dabei fortschwimmen 
sähen. Während aber eine grosse Menge dieser Kügelchen in einer Flasche auf bewahrt 
wurde, die ausserdem auch noch lebende Thierchen enthielt, bemerkte ich, dass die 
ersteren alle nach drei Tagen verschwanden, ohne dass ich von ihnen in der Flasche 
nur noch eine einzige hätte finden können.“ 

[Es folgt nunmehr noch die Beschreibung einer zweiten Beobachtimgsreihe (mit 
einer Figur, welche Volvox unverkennbar deutlich darstellt, S. 151), bei welcher zwei 
grössere Kugeln, welche ihrerseits je fünf kleine Kügelchen einschlossen, und eine dritte 
Kugel mit sieben winzig kleinen eingeschlossenen Kügelchen, in ein 8 Zoll langes Glas- 
röhrchen mit einem Wasserfaden darin in horizontaler Lage gethan und der weiteren 
Entwickelung überlassen wurden; die mit in dem Glasröhrchen befindliche Luft konnte 
durch Erwärmen und Abkühlen eine Bewegung des Wasserfadens nach rechts oder links 
veranlassen und dabei die sehr grosse Beweglichkeit der im Wasser befindlichen Volvox 
zeigen. Nach vier Tagen waren die beiden grösseren Kugeln geplatzt und zehn kleinere 
Kügelchen schwammen an ihrer Stelle mit grosser Beweglichkeit umher, während die 
dritte Kugel erst nach weiteren zehn Tagen ihre sieben Kügelchen entliess, welche ihrer- 
seits schon fünf Tage früher selbst die Anlage zu eigenen Tochterkügelchen in ihrem 
Innern gezeigt hatten.] 

„Zu welchem Zwecke aber diese kugeligen Organismen erschaffen sind, 

das weiss ich nicht. 

Da ich aber bemerkte, dass die grosse Zahl jener, zusammen mit den vielen win- 
zigen Thierchen in der grossen Flasche befindlich gewesenen Kugeln im Verlauf von 
drei Tagen völlig verschwunden loar, so lag der Gedanke nahe, ob nicht diese Kugeln 
zur Speise und Ernährung der loinzig kleinen Thierchen geschaffen seien.“ 

[Ehrenberg hat sein* oft Räderthierchen im Volvox beobachtet, welche sich durch 
die Gallertmembran hindurchgefressen hatten.] 

„Da nun ferner klar ist, dass diese oft genannten Kugeln nicht durch Urzeugung, 
sondern nach demselben Fortpflanzungsgesetze entstehen, nach welchem, gemäss unserer 
Kenntniss, alle Pflanzen und Samen sich entwickeln (weil nämlich jeder einzelne Samen, 
so klein er auch sein mag, schon in sich die Pflanze enthält, die aus ihm hervorgehen 
loird) , so können tvir schon mehr als zuvor über die natürliche Vermehrung aller 
Wesen gewiss sein. Was mich anbetrifft, so scheue ich mich nicht, bestimmt auszu- 
sprechen, dass jene kleineren, in den grösseren eingeschlossenen Kügelchen die Stelle 
der Samen vertreten und dass nicht ohne sie jene kugeligen Organismen sich bilden und 
vermehren können.“ 


63 




einmal eine Form nötliig, und man sollte denken, die grosse Mühe, welche 
vergangene Perioden der Botanik und auch noch die Gegenwart diesen 
Formfragen zu zollen pflegte, sei nicht ganz ohne Grund aufgewendet. Da- 
her kann Vortragender dem Verfahren Cohn’s (Festschrift etc., S. 27) 
nicht zustimmen, wo dieser empfiehlt, weil nun einmal in der Nomen- 
clatur von Yolvox Verwirrung eingetreten sei, die alten Namen ganz fallen 
zu lassen und beide Arten nach dem charakteristischen Merkmale zu be- 
nennen, den einen ,,Volvox monoicus^\ den anderen ^^Volvox dioicus^‘. 
Was es mit der Benennung nach einem zutreffend charakteristischen 
Merkmal zu bedeuten hat, geht daraus hervor, dass nach Kirchner’s 
Auseinandersetzungen über die Sexualvertheilung bei dem „ Yolvox dioicus“ 
Cohn’s derselbe nunmehr etwa ^ßichogamus^^ oder ähnlich zu benennen 
sein würde, weil er beide Geschlechter entwickelt, aber so aufeinander fol- 
gend, dass Selbstbefruchtung in derselben Kugel nicht leicht wird statt- 
finden können. Es möge daher hier der Artikel 60 der „Lois de la nomen- 
clature botanique“*) in Erinnerung gerufen werden: Nul n’est auto~ 
rise ä changer un mm sous pretexte qu’il est mal choisi, qu’il n’est pas 
agreahle, qu’un autre est meilleur ou plus connu, qu’il n’est pas d’une la- 
tinite suffisamment pure, ou par tout autre motif contestable ou de peu de 
valeur. 

Es ist in der That kein zwingender Grund vorhanden, die alten Namen 
in diesem Falle zu verwerfen; denn wenn Carter und Andere Verwir- 
rung hineingebracht haben, so vermehren sie dadurch nur die Synonyme 
in unangenehmer Weise, ohne die Begründung der alten Namen selbst zu 
erschüttern. In wie vielen ähnlichen Fällen ist so etwas nicht bei den 
Blüthenpflanzen geschehen! Man könnte zweifelhaft sein, ob Lin nee unter 
Yolvox Glohator die grössere oder kleinere Art oder beide verstanden 
habe, aber Ehren berg hat den Namen aufgenommen und durch die 
ausführlichste Beschreibung und Abbildung begründet : ihn möchte man als 
eigentlichen Autor des fest begründeten Yolvox Glohator ansehen. Zwar 
hat er dieselbe Art in geschlechtlicher Fructification und mit sternförmigen 
Eisporen versehen für eine andere Form gehalten und als dritte Yolvox- 
Art unter dem Namen F. stellatus beschrieben und abgebildet; aber dies 
ist eben auch nur ein durch seine ünkenntniss entstandener Irrthum, der 
Name nothwendig ein Synonym zu F Glohator. Aber auch die kleinere 
Art hat Ehrenberg aufgefunden, beschrieben und abgebildet, und zwar so, 
dass man dieselbe unzweifelhaft wieder erkennend identificiren kann; er 
hat dieser Form wegen der goldgelben Sporen den Namen F. aureus ge- 
gegeben. Da nun Stein seinen F minor im Jahre 1854 aufstellte, so 
besitzt Ehrenberg’s Benennung aus dem Jahre 1831 die Priorität und die 
zwei Arten würden mit folgenden Namen und Synonymen auftreten: 

*) Redigees par A. de Candolle; Paris 1867. 

Vergleiche Artikel 56 der „Lois...“: Lorsqu’on divise une espece en deux ou 
plusieurs especes, la forme qui avait le plus anciemiement le nom est celle qui le conserve. 


64 


1. Volvox Globator Ehrenb. , Infusionsth. S. 68, Taf. IV. Fig. 1. 
(1.838.) 

Syn. : F. stellakis Ehrenb., Infusionsth. S. 72, Taf. IV. Fig. 3. 

F. monoicus Cohn, Entwickel. d. Gttg. Volvox^ S. 27. 

(1875.) 

2. Volvox aureus Ehrenb., Abhandl. d. Akad. d. Wiss. zu Berlin 1831, 
S. 77. Infusionsth. S. 71, Taf. IV. Fig. 2. 

Syn.: F minor Stein, Die Infusorien etc. S. 46. (1854.) 

F. dioicus Cohn, Entwickel. d. Gttg. Volvox^ S. 27. 

(1875.) 

Die sonstige Literatur, wo bald dieser bald jener der angeführten 
Namen (auch in falscher Weise!) angewendet ist, braucht hier nicht citirt 
zu werden: höchstens ist die Bemerkung am Platze, dass für die zweite 
Art der Name F. minor sich bisher einbürgerte und auch von Dr. Kirchner 
in der Kryptogamenflora von Schlesien und in der entwickelungsgeschicht- 
lichen Studie (Beitr. z. Biol. d. Pfl., Bd. III.) stets angewendet wurde. — 
Die charakteristischen Eigenschaften des Volvox aureus liegen, so lange 
man nicht die sexual-reproductiven Colonien zum Vergleich hat, nicht 
sowohl in der Zahl der Tochterkugeln (welche zwar sehr oft zu nur 4, 
viel öfter aber zu 7 oder 8 wie bei F Glohaior in der Mutterkugel sich 
entwickeln), als vielmehr in der Gesammtzahl der die einzelne Kugel selbst 
zusammensetzenden Zellen, in der Grösse der ganzen Colonie und der die- 
selbe zusammensetzenden Einzelzellen, und, wie es scheint, in dem Fehlen 
der Tüpfelkanäle bei F. aureus. Die Zahl der Einzelzellen jeder Colonie 
wird von den Beobachtern des F. Globator zu 3000 bis gegen 12000 an- 
gegeben; bei F. aureus hat Kirchner eine neunfache Theilung der .aus 
der Spore schlüpfenden Eizelle einer neuen Colonie beobachtet, was bei 
regelrechter Theilung 2^=512 Zellen für die Colonien der kleineren Art 
geben würde. Vortragender findet aber bei ihr die Zeilenzahl zwischen 
mehr als 512 und 900 gelegen, so dass es scheint, als wenn eine grössere 
oder geringere Zahl der 512 Einzelzellen noch ein Mal eine Theilung ein- 
gingen. Die Zählungen wurden von der Gemahlin des Vortragenden aus- 
geführt, und zwar mittels eines Fadenkreuzoculars , dessen Faden-Schnitt- 
punkt genau auf die Mitte einer günstig zu beobachtenden Kugel einge- 
stellt wurde ; es wurden die Zellen nur in einem der 4 sichtbaren 
Quadranten gezählt (ein Mai ausserdem noch eine befriedigende Control- 
zählung an den übrigen Quadranten vorgenommen), welche durch Multipli- 
cation mit 4 die Zahl der Zellen auf der nach oben liegenden Halbkugel 
ergab, durch Multiplication mit 8 die Gesammtzahl der Zellen. Als 
niedrigster Werth unter 6 verschieden grossen Kugeln ergab sich 600, als 
höchster 888 Zellen. — Zu diesem in allen Fällen leicht festzustellenden 
Unterschiede des F. aureus von F. Globator kommt dann noch der der 
ganzen Kugelgrösse; nur die eben ausschlüpfenden vegetativen Tochterkugeln 


65 


scheinen bei beiden Arten ziemlich gleiche Grösse zu besitzen , denn 
es fand sich dieselbe nach unseren Messungen bei F. aureus im Durch- 
messer zu 100 MikrO"Mm., und dieselbe Grösse wird auch für V, Globator 
angegeben; während aber letzterer bis zu 700 oder 800 Mikro-Mm. beran- 
wächst, also fast Millimetergrösse erreicht, haben von F. aureus die 
grössten Exemplare noch kein halbes Millimeter im Durchmesser erreicht 
(höchste Messung zu 460 Mikro-Mm.). Endlich ist es niemals , und mit 
keinem Eeagens möglich gewesen, an den untersuchten Exemplaren des 
F. aureus die Tüpfelkanäle zu erkennen, welche nach Cohn u. A. in den 
jüngeren Lehensstadien die Einzelzellen von F. Globator durch die Gallert- 
membran hindurch verbinden; sowohl junge als alte Zellkugeln zeigten 
nur freie*) Einzelzellen, deren gegenseitiger Abstand in dem Augenblicke, 
w "0 die Tochterkugel auszuschwärmen pflegt, noch kleiner ist als der Durch- 
messer der Zellen selbst, sich dann aber allmälig bis auf das Drei- oder 
Vierfache vom Zelldurchmesser vergrössert. Der Durchmesser der ein- 
zelnen sterilen , ausgewachsenen Einzelzellen selbst schwankte bei den 
untersuchten Exemplaren von F. aureus zwischen 4, 5 oder höchstens 
6^2 Mikro-Mm., während nach Kirchner’s Messungen die schlesische Krypto- 
gamenflora (Bd. II, S. 87) diesen Durchmesser für die Zellen von 
F. Globator zu 2 — 3 Mikro-Mm. angiebt ; es enthält demnach die kleinere 
Kugel die grösseren Zellen, und wäre dies nicht so, so müsste bei der 
Zahlendifferenz in den Zellen der einen und der anderen Colonie der 
Unterschied in der Gesammtgrösse der Kugeln auch noch erheblicher 
ausfallen. 

In Bezug auf die Sexual-Reproduction sind nach gegenwärtigen Unter- 
suchungen keine Zusätze zu dem schon Beschriebenen zu machen; es fand 
sich die Zahl der weiblichen Zellen gewöhnlich zu 8 in einer Colonie, 
und die Grösse derselben vor der Befruchtung zu 30 — 40 Mikro-Mm. ; zu- 
weilen waren auch nur 6 oder 7 weibliche Zellen entwickelt, so dass hei 
Anwendung schwacher Vergrösserungen die weiblichen Zellen von jugend- 
lichen Tochter colonien in der Entwickelung ein nur wenig verschiedenes 
Aussehen zeigen. Auffallend war aber, dass trotz der Jahreszeit, in 
welcher diese Studien gemacht wurden, die Geschlechtsthätigkeit der 
Pflanzen eine sehr geringe war; gegen Ende November waren keine 
schwärmende Spermatozoiden und keine reifende Sporen zu finden, es 


*) Auch die Abbildung von Dr. Kirchner (in Cohii’s Beitr. 2 . Biol., Bd, III, Taf. VI. 
Fig. la) zeigt nur einzelne, von einander völlig getrennte Zellen, ohne correspondirende 
Tüpfelkanäle. In Ehrenberg's Figur dagegen (am angegebenen Orte Taf. IV. Fig. 2) 
sind die Einzelzellen durch grüne Querstrichelchen verbunden, welche als Tüpfelkanäle 
gedeutet werden könnten; man darf indessen vermuthen, dass diese Zeichnung nicht 
ganz der Natur entsprechend dargestellt ist, wenigstens nicht so, wie ein jetziges 
Mikroskop mit Immersionssystemen das Bild bei scharfer Einstellung zeigt; schwache 
Vergrösserungen ergeben Bilder, welche dem Ehrenberg’s sehr ähnlich sind. 

Qesi. Isis in Dresden, 18S8, — Sitzungsber. 2. 


5 


66 


hatten im Gegentheil die meisten ausgewachsenen Kugeln ihre Cilien ein- 
gezogen und waren auf den Boden des Behälters, in dem sie sich vorher 
unter starker Vermehrung herumgetummelt hatten, gesunken, mit vege- 
tativ erzeugten Tochtercolonien in sich, von denen nur selten noch einmal 
eine oder die andere ausschwärmte. Möglich, dass auch diese Weise, den 
Winter zu überstehen, möglich ist, und dass ohne sexuelle Sporenerzeugung 
die Pflanze im nächsten Frühjahr dadurch in neue Vegetation tritt, dass 
Tochterkugeln von genügender Grösse aus den ruhenden Muttercolonien 
ausschwärmen. 

Von Färbemitteln, welche angewendet waren, um bald die Gallert- 
membran, bald die Einzelzellen deutlicher sichtbar zu machen, hat sich 
besonders schön das Hämatoxylin bewährt; innerhalb von 2 — 4 Tagen 
hatte die Gallertmembran ein intensives Violett angenommen, welches 
zwischen allen Einzelzellen ein ungemein scharfkantiges Netz von zu- 
sammenstossenden Mittellamellen zeigte, letztere am dunkelsten gefärbt, 
und um die grün gebliebenen Zellen selbst einen stark lichtbrechenden, 
ungefärbten hellen Ring; doch verschwindet diese schöne Färbung allmählig 
wieder, wenn die Hämatoxylin-Gallertmembranen in Glycerinflüssigkeit 
conservirt werden sollen, und ist schon nach 4^ — 5 Tagen ziemlich abge- 
blasst; bei der Untersuchung leistet sie aber immer gute Dienste, um die 
Gallertmembranen der sich entwickelnden Tochter kugeln innerhalb der 
Mutterkugel deutlicher sichtbar zu machen. Ausser Jodtinctur war zur 
Färbung der sich theilenden Zellen Anilinblau (Methylviolett) besonders 
gut verwendbar, welches nach mehreren Tagen die jugendlichen Colonien 
so intensiv gefärbt hatte, dass die Stadien der Zelltheilungen sehr leicht 
zu untersuchen waren. Mit alkoholischer Borax-Carminlösung entstand 
nach vieltägigem Liegen (von Exemplaren, welche vorher in Osmiumsäure 
getödtet waren) eine zart rosenrothe Färbung, welche den Wimperkanal 
an der Spitze der Zellen durch die Gallertmembran hindurch besonders 
klar machte; aber auch die so gefärbten Kugeln zeigten keine Tüpfel- 
kanäle als Communication zwischen den Einzelzellen untereinander. 

Die Frage, ob Volvox als ein Einzelwesen oder als eine Colonie anzu- 
sehen sei, in der jede einzelne Zelle als morphologisch selbständig nur 
durch eigenthümliche Entwickelungsart mit ihren Nachbarinnen verkettet 
bleibe, ist bekanntlich im letzteren Sinne durch Ehrenberg entschieden, 
der Volvox als hohlen Monadenstock deutete. Seine Argumentation ist 
hinfällig geworden, weil die Frage von Neuem aus der gegenwärtigen 
Kenntniss der Algen heraus zu lösen war; aber das Resultat ist das 
gleiche geblieben: auch heute wird Volvox als Colonie betrachtet, in 
welcher eine derartige Arbeitstheilung eingetreten ist, dass von der 
grossen Zahl mit einander verbunden bleibender Zellen nur einige wenige 
entweder zur vegetativen Vermehrung (Erzeugung von Tochterkugeln) 
oder zur Sexual-Reproduction (Erzeugung von Antheridien und Oogonien) 
auserlesen sind, welche unzweifelhaft das dazu nöthige plastische Material 


67 


von den anderen, sterilen Zellen mit erhalten und von denselben ernährt 
werden. In der Argumentation dieses sehr eigenthümlichen Verhaltens, 
durch welches Volvox vielleicht das grösste Interesse beansprucht, braucht 
der Kürze wegen nur auf Falke nberg’s*) klare Auseinandersetzung ver- 
wiesen zu werden, welche die über Volvox vorhandene Literatur in 
diesem letzten, wesentlichsten Punkte in sehr lehrreicher Weise vervoll- 
ständigt hat. Merkwürdig ist übrigens dabei immerhin, dass nicht allein 
diese Colonie in ihrer Vermehrungsfähigkeit eine physiologische Einheit 
darstellt, sondern auch dass die in der Gallertmembran zusammen- 
tretenden Zellen ein Gewebe bilden , welches einem morphologisch ein- 
heitlich entstandenen durchaus gleicht; dies letztere stellt sich bei Be- 
trachtung der durch Hämatoxylin deutlich gefärbten Mittellamellen klar 
heraus. Es ist hier eben eine sehr hoch entwickelte Art und Weise der 
Colonienbildung vorhanden, indem die Einzelzellen von dem Augenblicke 
an, wo sie als fertig ausgebildete Schwärmer sich von einander trennen 
könnten, gerade in der entgegengesetzten Weise Alles zu Stande bringen, 
was einen vielzelligen einheitlichen Organismus vor Einzelzellen auszeichnet. 


*) Encyclopädie der Naturwissenschaften. — Handbuch der Botanik, heraus- 
gegeben von Prof. Hr. Schenk, Bd. II; II.: Die Algen, von Dr. P. Falkenberg; 
S. 284—287. (1882.) 


5 ^ 


68 


UL Section für Mineralogie und Gleologie. 


Vierte Sitzung am 19. October 1883. Vorsitzender: Oberlehrer 
Engelhardt. 

Geh, Hofrath Dr. Geinitz hält einen Vortrag: 

lieber Versuche nach Kohlen im Quader gebirge Sachsens. 

Da auch in neuester Zeit in diesem Jahre wieder Versuche nach 
Kohlen im Quadergebiete ausgeführt wurden, welche voraussichtlich 
eben so vergeblich sein werden, wie alle früheren, möchte ich heute noch 
einmal auf diese älteren Versuche zurückkommen: 

Versuche in den tiefsten Schichten des unteren Quaders bei Nieder- 
schöna, bei Paulsdorf, nordwestl. von Dippoldiswalde, und bei Leite- 
ritz und Mohschatz bei Dresden, wo graue, Pflanzen führende Schiefer- 
thone zwischen Sandsteinbänken eingelagert sind, welche Kohlenbrocken 
und unreine Kohlenletten führen.*) Solche Süsswasserbildungen wie diese 
Schieferthonschichten inmitten des Quadersandsteins, einer entschiedenen 
Meeresbildung, bezeichnen die nahe Küste des alten Quadermeeres, wo 
Flüsse in dasselbe einmündeten, Schlamm aller Art mit sich führend und 
zugleich Pflanzenreste, welche zu der dunkelgrauen bis schwärzlichen 
Färbung der Gesteine und kehligen Ueberreste Veranlassung gaben. Diese 
Quaderkohle ward noch an keinem Orte Sachsens und Böhmens abbau- 
würdig befunden. Ueberall ist sie zu lettenreich, überall eine zu locale, 
untergeordnete Bildung. 

Dies gilt auch für alle Versuche der Art im Gebiete des Mittelquaders 
und an der Basis des oberen Quaders, wo sich nicht selten Brocken von 
schwarzer Pechkohle in grauem, mergeligem Schieferthone oder im 
glaukonitischen Sandsteine, wie dem Cottaer und Copitzer Grünsand, ein- 
geschlossen finden. Zu solchen Versuchen hat sehr oft auch die graue 
Farbe und Beschaffenheit unterer Pläner oder Quadermergel geführt, den 
man mit den Schieferthonen der älteren Steinkohlenformation ver- 
wechselt hat. 

Zahlreicher Versuche der Art in dem in den Wesenitzgrund mün- 
denden ZatzschkerThale durch den Richter Wehner in Zatzschke und 


'*) Vgl. Geinitz, Das Quadergebirge in Sachsen. 1850. p. 30 n. a. 


69 


Herrn Bernhardt in Hermsdorf ist schon in dem „Quadergebirge von Sachsen, 
1 850, p. 1 4 u. f.“ gedacht worden, desgleichen eines ebenso verunglückten Ver- 
suches an der Mühle des Herrn Herzog an der rechten Seite der Wese- 
nitz, ferner eines Versuchs an der Walkmühle bei Pirna im Gott- 

leubathale.*) 

Die am Fusse des Ladenberges bei Berggiesshübel früher durch 
Frau Baronin von Burchardi gewonnenen Kohlenbrocken und Gebirgs- 
schichten hegen vor Ihnen. Auch hier liess sich das gewünschte Ziel 
nicht erreichen, trotzdem Lagerungsverhältnisse in der Nähe eines Porphyr- 
ganges, durch welchen der benachbarte Thonschiefer überstürzt worden 
ist, eher wirkliches Steinkohlengebirge als Quadergebirge vermuthen Hessen. 

Der neueste Versuch nach Kohlen im Quadergebirge wird durch einen 
Herrn Willkomm aus Helmsdorf bei Elbersdorf, unweit Dürr-Röhrsdorf, 
betrieben, und auch hiervon liegen Proben vor. 

In keinem Falle kann man aus dem Vorkommen von Kohlenbrocken 
im Quadergebirge und namentlich seinen mergeligen Schieferthonen, Sand- 
steinen und Plänern, auf das Vorhandensein eines darunter liegenden oder 
benachbarten Kohlenlagers schliessen. Sie rühren von Treibholz her, das 
auf den Wogen des Quadermeeres umhertrieb und noch oft von Bohr- 
muscheln benagt angetroffen wird, oder überhaupt von einzelnen einge- 
schwemmten Pflanzen. 

Nach allen bisherigen Erfahrungen wird man bei solchen Versuchen 
in Sachsen sein Geld nur unnütz vergeuden. 

Aber auch in anderen Ländern ist das Quadergebirge kein günstiges 
Terrain für Kohlen, wenn man auch schwache Kohlenflötze darin hier 
und da angetroffen hat, wie in dem Sandsteine von Altenburg bei 
Quedlinburg, in der Gegend von Löwenberg in Niederschlesien, bei 
Uttigsdorf unweit Mährisch -Trübau und in den nordöstlichen 
Alpen.**) 

Im Anschlüsse hieran charakterisirt der Vortragende einige Leit- 
fossilien für die drei Hauptetagen des Quader gebirges, den unteren oder 
cenomanen, den mittleren oder unterturonen und den oberen oder 
untersenonen Quadersandstein. 

Von Ammoniten sind für den unteren Ä. Mantelli Sow. , für den 
mittleren A. Woollgari Mant. und A. Austeni Sharpe und für den oberen 
A. peramplus Sow. auszeichnend; von Inoceramen gehören I. striatus 
Mant. besonders dem unteren, I. lahiatus Schloth. ganz vorzugsweise dem 
mittleren und L Brongniarti Sow. dem oberen an. 

Als beste Leitfossile für unteren Quader werden Vola aequicostata 
Lam. sp. und Ostrea carinaia hom. hingestellt, in dem mittleren treten 


Geinitz, Charakteristik der Schichten etc. Dresden u. Leipzig, II. 1840. p. 102. 
Geinitz, Die Steinkohlen Deutschlands. I. 1865. p, 9, 262 u. 323. 


70 


besonders Pecten decemcostatus Mün., Lifna pseudocardium Reuss und 
Pinna Cottai Gein. hervor, im oberen Quader sind Lima canalifera Goldf., 
Pholadomya nodulifera Mün., welche jüngst auch am grossen Winterberge, 
beobachtet wurde, und Pinna cretacea Schloth. ausgezeichnete Leitmuscheln 
während Exogyra Columha Lam. und Spongia Saxonia Gein. in allen 
Etagen gleich häufig sind. 

Eine gute Ueber sicht über die Versteinerungen des zum Mittelquader 
gehörenden Eildhauersandsteines von Gross-Cotta bei Pirna ge- 
währten die Ansammlungen der Frau Baronin E. von Burchardi, 
welche dem K. Mineralogischen Museum freundlichst überlassen worden 
sind und folgende Arten erkennen Hessen: 

Serpula gordialis Schl., Ämmonites Äusteni Sharpe, Natica Gentii 
Sow. , Pleurotomaria linearis Mant. , Bohrlochausfüllungen von Pholas 
sclerotites Gein. und von Gastrochaena Ampliishaena Goldf. sp. im Treib- 
holz, Pinna decussata Goldf., Pinna Cottai Gein., Inoceramiis lahiatus Schl, 
in allen Grössen und Varietäten mit Uebergängen in Inoc. Cri])si Mant., 
von Inoc. striatus Mant. nur ein junges Exemplar, Lima pseudocardium 
Bss., Pecten decemcostatus Mün., P. curvatus Gein., Ostrea frons Park., 
Exogyra Columba Lam. sp. , Phynchonella plicatilis Sow. sp., Micraster 
cor testudinarium Goldf., Hemiaster sublacunosus Gein., Spongia Saxonica 
Gein., Cylindrites sp., Sequoia BeichenbacM Gein. sp. etc. 

Eine gute Uebersicht über Versteinerungen des oberen Quadersand- 
steins von Posteiwitz gewährt eine Ansammlung des Herrn E. Schmal- 
fuss, welche jetzt in den Schränken 28 und XXIV des Saales K in dem 
K. Mineralogischen Museum aufgestellt ist. Man unterscheidet hier: 
Ämmonites peramplus Sow., Pinna cretacea Schl, und P. decussata Goldf., 
Inoceramus Brongniarti Sow. , Lima canalifera Goldf. , Vola quadri- und 
quinquecostata Sow., Exogyra Columba Lam., Phynchonella plicatilis Sow., 
Cidaris subvesiculosa d’Orb., Cyphosoma radiatum Sorignet, Cardiaster 
Ananchytis Leske, Catopygus Albensis Gein,, Stellaster Schulzii Reich 
und St. albensis Gein. , welchen letzteren unser Museum auch Herrn In- 
genieur Kuh nt von der Herrenleithe oberhalb des Liebethaler Grundes 
verdankt, und die nie fehlende Spongia Saxonica Gein. Aus Allem geht 
aber hervor, dass der obere Quader Sandstein eine Reihe Versteinerungen 
mit dem Plänerkalke von Strehlen gemeinsam hat, an den er sich nach 
oben unmittelbar anschliesst. 

Es wird schliesslich hervorgehoben, dass aus einem im Gartengrund- 
stücke Hohe Strasse Nr. 4 in Dresden-Altstadt geteuften Brunnen 
bei circa 18 m Tiefe thonige Plänermergel mit zahlreichen Bruchstücken 
kleiner Inoceramen herausgefördert worden sind. Das Gestein entspricht 
den unteren thonreichen Schichten des oberturonen Plänerkalkes von 
Strehlen. In einer Reihe der durch Herrn Stud. Hugo Francke 1874 ge- 
sammelten Fragmente Hessen sich unterscheiden: 


71 


Junge Exemplare des Inoceramus JBrongniarti Sow., Inoceramus latus 
Mant. 5 Ävicula glabra Reuss, Lima elongata Sow. und Ostrea cf. Hippo- 
podium Nilss. 

Dr. Deich müller giebt zunächst ein Bild von der geognostischen 
Beschaffenheit der Rhön, die er in diesem Sommer besucht, und legt so- 
dann daselbst von ihm gesammelte Petrefakten vor. Solche sind von 
Sieblos: Smerdis micracanthus Ag. , Euchilus Chastellii Nyst. , Carpo- 
lites sp.; von Theobaldshof: Leuciscus papyraceus Ag. , Planorhis deal- 
batiis A. Br., Salix varians Göpp.; von Kaltennordheim: Planorhis deal- 
hatus A. Br., Glyptostrohus europaeus Bgt. , Myrica vindohonensis Ett., 
Quercus lonchitis Üng., Carpinus hetuloides üng., Planera Ungeri Kov. sp., 
Cinnamomum lanceolatum Heer; Juglans hilinica Ung. sp. 

Sodann referirt er über: 

H. Credner. Die Stegocephalen aus dem Rothliegenden des 
Plauenschen Grundes bei Dresden. III. Theil. (Zeitschr. der 
deutschen geolog. Ges. 1882. p. 213.) 

Neben den früher beschriebenen JBranchiosaurus-kriQiY^) kommen in 
dem Kalke von Niederhässlich 10 — 12 cm lange, eidechsenartige Stego- 
cephalen vor, die sich von jenen leicht durch mehr zugespitzte, vorn ab- 
gerundete, dreiseitige und im mittleren Theile des Hinterrandes weiter 
vorspringende Schädel, gefaltete Zähne, drei Thoracalplatten, löffelförmige 
Claviculae, starke Querfortsätze des Sacralwirbels, kurze, kräftige Extremi- 
täten und die langen, schmalen Schuppen des Bauchpanzers unterscheiden. 
In der allgemeinen Körper- und Schädelform, dem übereinstimmenden Bau 
der Wirbelsäule und der Form der Rippen gleichen sie der Gattung 
Melanerpeton Fritsch und wurden auch vom Verfasser früher (Bericht der 
naturforsch. Ges. Leipzig. 13. December 1881) als Mel. latirostris be- 
stimmt, weichen aber nach seinen neueren Untersuchungen durch die un- 
gestielte, rhombische mittlere Thoracalplatte mit centralem Ossifications- 
punkte, breitere seitliche Kehlbrustplatten, stärkere löffelförmige Schlüssel- 
beine und Vorhandensein eines Bauchpanzers ah. Auch mit Archegosaurus 
Goldf. zeigen sie im Allgemeinen grosse Aehnlichkeit , doch ist bei dieser 
Gattung die Wirbelsäule unvollkommen verknöchert und die Chorda nach 
H. V. Meyer ungegliedert und cylindrisch, nach Fritsch aber inter- 
vertebral erweitert, bei dem in Frage kommenden sächsischen Stegocephalen 
hingegen gut verknöchert und die Chorda int ra vertebral erweitert. Wegen 
dieser Verschiedenheiten hat der Verfasser für dieselben eine neue Gattung 
Pelosaurus aufgestellt mit Pelosaurus laticeps als Vertreter. 

Neben diesen fanden sich zwei Exemplare eines anderen Stegocephalen, 
der sich von der vorigen Art unterscheidet durch geringere Verknöcherung 
der Wirbelsäule, schlankere, längere Rippen und die mehr stachelartigen 
Schuppen des Bauchpanzers — Kennzeichen, charakteristisch für Archego- 


*) Vergl. Sitzungsber. Isis 1881. pag. 39, und 1882. pag. 9. 


saurus Decheni Goldf. Da auch die übrigen Skelettheile damit überein- 
stimmen, werden sie vom Verfasser mit dieser bisher nur aus den gleicb- 
alterigen Lebacber Schichten des Saargebietes bekannten Art vereinigt. 

Einige andere isolirte Schädel sind als Ar chego saurus latirostris Jord. 
bestimmt, da sie nach H. v. Meyer’s Abbildungen im Bau ganz mit den 
allein bekannten Schädeln dieser Art übereinstimmen, wobei jedoch unent- 
schieden bleiben muss, ob dieselben wirklich zu Ärchegosaurus Goldf. oder 
vielleicht zu Felosaurus Credn. gehören, so lange man nicht die Wirbel- 
säule kennt. 

Derselbe legt ferner folgende Schriften vor: 

Sam. H. Send der. Bibliography of fossil insects. (Bull, of 
Harvard University. Cambridge, Mass. 1882.) 

Sam. H. Scudder. A new and unusually perfect carboniferous 
cockroach from Mazon Creek, 111. (Proc. Bost. Soc. Nat. . 
Hist. Vol. XXL Febr. 1882. p. 391.) 

Sam, H. Scudder. The affinities of Palaeocarapa Meek and 
Worthen, as evidence of the wide diversity of type in the 
earliest known Myriapods. (Am. Journ. of Science. Ser. 3. 
Vol. XXIV. Sept. 1882. pag. 161.) 

W. Keeping. Glacial geology of central Wales. (Geol. Magaz. 
Dec. H. Vol. IX. No. 6. 1882. pag. 251.) 

Der V^orsitzende bringt zur Vorlage und bespricht in Kürze: 

Dr. B öl sehe. Geognostisch-palaeontologische Beiträge zur Kennt- 
niss der Juraformation in der Umgebung von Osnabrück. 
1882. (Progr. d. Realschule I. 0. zu Osnabrück.) 

H. Mehner. Ueber die älteren Ablagerungen der skandinavisch- 
sarmatisch- germanischen Diluvialregion. 1882. (Progr. d. 
Realsch. I. 0. zu Wurzen.) 

H. Weiland. Ueber die künstliche Darstellung von Mineralien. 
1882. (Progr. d. Gewerbsch. zu Köln.) 

Dr. J. Felix. Beiträge zur Kenntniss fossiler Coniferen - Hölzer. 
1882. (Engler’s bot. Jahrb. HI. 3.) 

A. Jen tz sch. Die Lagerung der diluvialen Nordseefauna bei 
Marienwerder. (Jahrb. d. k. preuss. Landesanstalt für 1881.) 

F. V. Müller. New vegetable fossils of Victoria, mit PL XIX. 1882. 

Bergingenieur Pur gold hält einen Vortrag über die Meteor iten im 
Allgemeinen und die des hiesigen mineralogischen Museums 
insbesondere (s. Abh. VHL S. 53) und berichtet ferner über folgende 
von ihm auf einer Reise in Graubündten gemachte Erwerbungen (hierzu 
Taf. HI): 


73 


1. Anatas aus dem Binnentlial, Canton Wallis. 

Kleiue, höchstens 2 mm erreichende hellgelbe Krystallchen, auf Adular 
sitzend, der seinerseits auf glimmerreichem Gneis aufgewachsen gewesen 
zu sein scheint, zeigen folgende Formen; 

2/3 P . VsP . P3 . Poe . oopoo. 
z -r e a 

Die Buchstabensignatur ist die von Klein im Neuen Jahrb. 1875, 
pag. 354 aufgestellte, also hier freilich keine neue Form zu bemerken, in- 
dessen schienen die schönen Zonenverhältnisse der ditetragonalen Pyra- 
mide T = P3 , welche hier zum Ausdruck gelangen , hinreichende Ver- 
anlassung zur Mittheilung. Es liegt nämlich t 

1. in der Zone z — a = 1/3 P und oePoo, 

2. in der Kantenzone von z = Vs P5 

3. in der Diagonalzone von rj = Vs P5 

4. in der Diagonalzone von e = P 00, 

wie beiliegende Zeichnun gveranschaulicht. Die Protopyramiden 2/3 P und 1/3 P 
wurden durch angenäherte Messung der Mittelkanten bestimmt, die übrigen 
Flächen aus den Zonen. — Flächen z == V3 P sind verhältnissmässig matt, 
Flächen tj = horizontal gestreift, Flächen a = cx)PcxD diamant- 
glänzend und flach convex durch die Andeutung einer steilen ditetrago- 
nalen Pyramide. 

2. Adular vom Mte. Scopi, Medelser Thal. 

Rundum ausgebildete Zwillinge nach dem Bavener Gesetz, von eigen- 
thümlichem pfeilspitzenförmigem Aussehen , da an ihnen das Prisma 
T == cx^ P vorherrscht und ausserdem nur noch das Hemidoma x = P cx) 
und die Basis P= oP auftreten. Die Figur stellt beiläufig die wirkliche 
Grösse dar. 

Nach den in Naumann- Zirkel, 11. Aufl., angegebenen Fundamental- 
winkeln berechnet sich an der Spitze S 

T/'t' vorn, an der x- Seite, = 169^22', 

T/t' hinten, an der P - Seite, = 102^18', 

Winkel zwischen diesen beiden Zwillingskanten = 45® 55' 

Winkel zwischen den Prismenkanten = Winkel der Hauptaxen = 78® 53', 

womit die Angaben des Anlegegoniometers recht gut stimmen. 

3. Adular vom Cavradi, Ta vetsch- Thal. 

Rundum ausgebildete gelblich durchsichtige Doppel-Zwillinge, zunächst 
zu einem basischen Zwilling nach der Fläche P = oP verwachsen und 
ausserdem jedes Individuum auf der Rückseite noch einmal nach dem 
Bavener Gesetz. Prismenflächen lebhaft glänzend und zart vertical ge- 


74 


streift, wie alle übrigen Mineralvorkommnisse des Cavradi so auch dieses 
sehr nett und elegant. Im basischen Zwilling einspringender Winkel 
zwischen den Prismenflächen = 1 31 ® 46' und Winkel der Hauptaxen 
= 127<^28'. 


Fünfte Sitzung am 21 , December 1883, Vorsitzender: Oberlehrer 
Engelhard t. 

Zu Beginn der Sitzung werden die Beamten der physikalisch-chemischen 
und der mineralogisch-geologischen Section gewählt. (Das Resultat dieser 
Wahlen enthält die am Schluss des Heftes gegebene Zusammenstellung 
der Beamten der Isis für das Jahr 1883.) 

Dr. Raspe macht hierauf folgende Mittheilung: 

,,Zur Kenntniss der Wirkungen, welche Wasserleitung und Canalisation 
auf die Infection und Desinfection des Bodens und der aus ihm auf- 
steigenden Quellen ausüben kann, giebt der Brunnen des Bades zum 
Lämmchen in Dresden einen Beitrag. 

Während, wie bekannt, alljährlich Brunnen geschlossen werden müssen, 
weil sie zu stark mit organischen Stoffen inficirt sind, um ohne Gefahr 
für die Gesundheit ferner benutzt zu werden, zeigt der genannte Brunnen 
ein völlig entgegengesetztes Verhalten. Aus einem vor 50 Jahren enorm 
stark inflcirten ist heute ein Brunnen geworden, welcher ein sehr reines, 
wenn auch ziemlich hartes Wasser gieht. 

Die nachfolgenden beiden Analysen zeigen die Veränderung, welche 
der Brunnen im Laufe der Zeit erlitten hat, auf das Deutlichste. 

Die Analyse von Struve ist wahrscheinlich um das Jahr 1830 oder 
früher gemacht, also jedenfalls vor Einrichtung der städtischen Wasser- 
leitung und Canalisation. Die zweite Analyse hat Herr Dr. Geissler 1880 
auf Veranlassung des Besitzers des Bades vorgenommen. 

In 10,000 Theilen Brunnenwassers sind nachfolgende Hauptbestand- 
theile enthalten: 



Struve. 

1880 Geissler. 

Chlornatrium 

1,428 

0,021 

Chlormagnesium .... 

— 

0,107 

Schwefelsaurer Kalk . . 

2,570 

3,320 

Doppeltkohlens. Kalk . . 

0,819 

2,736 

Salpeter saur. Natron . . 

2,019 


„ Magnesia 

1,911 

5) 

„ Kalk . . . 

2,829 

V 

Kieselsäure 

0,056 

?5 


11,632 

6,184 


75 


Die Unterschiede beider Analysen sind höchst augenfällig. Struve fand 
12,3 ®/o Chlornatrium (des trockenen, festen Rückstandes), Geissler nur 
0,3 Struve fand 58,1 % salpetersaurer Salze, Geissler nur Spuren. 

Dass die salpetersauren Salze Zersetzuiigsproducte der Auswurfstoffe 
sind, welche besonders in früherer Zeit massenhaft in den Erdboden ein- 
dringen konnten, ist eine bekannte Thatsache. Noch klarer ersichtlich 
wird es aber, dass sie wirklich nur den Auswurfstoffen entstammen, wenn 
man, wie folgt, die Analysen in Säuren und Basen zerlegt. 



Struve. 

Reissler. 

Natron ........ 

1,493 

0,011 

Kalk ........ 

2,344 

2,432 

Magnesia . ‘ . . . . . 

0,517 

0,045 

Chlor ....... 

0,866 

0,093 

Schwefelsäure ..... 

1,512 

1,953 

Kohlensäure ..... 

0,500 

1,672 

Salpetersäure 

4,540 

5 ? 

Kieselsäure ..... 

0,056 

55 


11,828 

6,206 

Ab Sauerstoff für Chlor 

0,196 

0,021 


Der Kalkgehalt, welcher zweifellos den tieferen Bodenschichten ent- 
stammt, ist in beiden x\nalysen nahezu gleich, auch die Menge der Schwefel- 
säure ist nicht wesentlich verschieden, dagegen zeigt die Analyse von 
Struve enorme Mengen (wie sie überhaupt nur selten in Quellwässern ge- 
funden werden) von Salpetersäure, und sehr erhebliche von Chlor und 
Natron, also Substanzen, welche durch Zersetzung von Infectionen ent- 
standen sein müssen. 

Die grossen Differenzen beider Analysen erklären sich leicht. 

Das Bad zum Lämmchen bezieht seinen gesammten höchst bedeutenden 
Wasserverbrauch ausschliesslich aus dem Brunnen. Durch das fortgesetzte 
starke Aiispumpen werden von allen Seiten grosse Massen Wassers heran- 
gezogen, welche eine vollständige Auslaugung des vor 50 Jahren stark 
inficirten Bodens bewirkt haben, was nur dadurch möglich war, dass seit 
Einführung der Canalisation der Boden nicht immer wieder von Neuem 
infiltrirt werden konnte durch Auswurfstoffe, Verwesungsproducte von den 
Leichen des nahen Kirchhofes u. s. w. 

Der gleiche Fall hat dagegen bei den übrigen Brunnen der Stadt 
nicht im gleichen Grade ein treten können. Seit der Anlage der Wasser- 
leitung werden die Pumphrunnen der Stadt nur verhältnissmässig wenig 
benutzt, die Erneuerung des Wassers im Brunnen ist nur eine sehr lang- 
same und dementsprechend kann sich das Wasser um so mehr mit den 


76 


Auslaugungsstoffen des Bodens sättigen, muss also mehr als früher zum 
Gebrauche untauglich werden, .c. 

Würde das Wasser der Pumpbrunnen ebenso wie das des Brunnens 
zum Lämmchen durch häufige Entleerung erneuert, so scheint es nicht 
unwahrscheinlich, dass, hei dem grossen Reich thume des Untergrundes von 
Dresden an Wasser, in nicht zu langer Zeit sich ein ähnliches Verhalten 
zeigen würde, wie bei jenen.“ 

Bergingenieur Purgold lenkt mit Bezug auf schöne Vorlagen die Auf- 
merksamkeit der Anwesenden auf die Krystallisation des Rutil. 

Der Vorsitzende bringt folgende Schriften zur Vorlage: 

Dr. G. Laube. Ueber Spuren des Menschen aus der Quartärzeit 
in der Umgebung von Prag. Prag 1882. 

M. Neef. Ueber seltnere krystallinische Diluvialgeschiebe der 
Mark. Berlin 1882. 

Dr. M. Staub. Pflanzen aus den Mediterranschichten des Krasso 
Szörenyer Komitates. Budapest 1882. 

Dr. M. Staub. Beitrag zur fossilen Flora des Szeklerlandes. 
Budapest 1881. 

Dr. M. Staub. Mediterane Pflanzen aus dem Baranyaer Comi- 
tate. Budapest 1882. 

Hierauf giebt er einen Auszug aus: 

Bidrag tili Japans fossilia flora af A. G. Na t hör st. Stock- 
holm 1882. 

Dr. Deichmüller legt eine Arbeit von 

A. Stelzner. Ueber Melilith und Melilithbasalte. (Neues Jahrb. f. 

Min. 11. Beil. Band 1882. p. 369.) 

vor und berichtet sodann über folgende neu erschienene Sectionen der 
geologischen Karte des Königreichs Sachsen: 

1. Section Leipzig (Blatt 11) von K. Dalmer, J. Hazard und 

A. Sauer; 

2. Section Brandis (Blatt 12) von F. Schalch. 

Am geologischen Aufbau dieser Sectionen nehmen ältere Formationen 
nur in sehr beschränktem Maasse Theil; so bildet eine dem Silur an- 
gehörende Grauwacke westlich der Stadt Leipzig eine durch die dünne 
Geschiebelehmdecke verhüllte unterirdische Kuppe, deren Gipfel aber schon 
auf der benachbarten Section, bei Plagwitz liegt. Das Rothliegende ist 
theils vertreten durch rothe Letten und Conglomerate, die in der Elsteraue 
durch Bohrungen mehrfach unter den Alluvionen erreicht worden und 
der untersten Stufe des Rothliegenden zuzurechnen sind , theils durch 
Eruptivgesteine der mittleren Etage, Pyroxen-Quarz- und Pyroxen-Granit- 
porphyre, die einen bei Grimma beginnenden und nördlich von Taucha 
auf Section Leipzig endenden, von SO. nach NW. gerichteten Zug isolirter 
Kuppen bilden. Von viel bedeutender Ausdehnung ist das Oligoeän, 


77 


das auf dem grössten Theile beider Sectionen nacbgewiesen worden ist 
und in drei Etagen zerfällt. Das Unteroligocän gliedert sich in eine 
untere Stufe der Knollensteine, mit weissen Sanden, Kiesen und Thonen, 
deren erstere auf Section Brandis, deren letztere auf Section Leipzig vor- 
zuwalten scheinen, und eine obere, durch das Hauptbraunkohlenflötz reprä- 
sentirte Stufe. Dieses Flötz, das local eine ziemliche Mächtigkeit erreicht, 
fällt im westlichen Theile des Gebietes nach 0. ein und stfeicht an der 
entgegengesetzten Seite, nach der Ostgrenze von Section Brandis zu, wo 
es in mehreren Tagebauen abgebaut wird, wieder aus, umlagert allseitig 
die Porphyrkuppe von Taucha, streicht ebenso an den südlichen Porphyr- 
kuppen zu Tage aus und ist bisher nur im N. und NW. der Section Leipzig, 
wo es wahrscheinlich erst in grösserer Tiefe zu suchen ist, noch nicht 
nachgewiesen. Das Mitteloligocän ist auf beiden Sectionen verschieden 
ausgebildet. Um Leipzig herum bilden das Hangende des Hauptbraun - 
kohlenflötzes thonige, glimmerführende Quarzsande mit Meeresmollusken, die 
unteren Meersande, die von Septarienthon überlagert werden, denen nach oben 
wiederum Quarzsande, die oberen Meeressande, folgen. Auf Section Brandis da- 
gegen sind über dem Hauptflötze Sande, Kiese und Thone mit untergeordneten 
Braunkohlenflötzen in einer Mächtigkeit von 12 — 23 m entwickelt, die zusam- 
men das Mittel- und Oberoligocän repräsentiren, ohne eine scharfe Trennung 
zuzulassen. Während also um Leipzig herum die Meeressande und Sep- 
tarienthone die im Innern der Oligocänbucht gebildeten Niederschläge 
repräsentiren, stellen die mitteloligocänen Sande und Kiese auf Section 
Brandis eine Strandbildung dar. Das Oberoligocän ist auf Section 
Leipzig in ähnlicher Weise wie um Brandis herum ausgebildet. Dem viel- 
fach von Thälern durchfurchten, wellig hügeligen Oligocänuntergrunde 
lagert sich eine, nur durch die heutigen Flussniederungen und die Eruptiv- 
gesteinskuppen unterbrochene Decke von Diluvialgebilden auf, alt- 
diluviale Flussschotter, Kiese und Sande, Geschiebelehm und Geschiebe- 
decksande. Die Ersteren scheiden sich nach ihrem Material in zwei ver- 
schiedene Ablagerungen. Die eine, die südwestliche Ecke der Section 
Leipzig einnehmende besteht vorwiegend aus Quarzkieseln, daneben aus 
Gesteinen der Phyllit-, Kothliegenden- , Buntsandsteinformation u. A., 
wie sie den oberen und mittleren Lauf der Elster und Pleisse begleiten, 
und sind als altdiluvialer Pleisseschotter aufzufassen. Da nordisches 
Material fehlt, ist dieser Schotter praeglacialen Alters. Einen wesentlich 
anderen Charakter tragen die als alter Mulde Schotter bezeichneten Ab- 
lagerungen. Quarzkiesel treten hier ganz zurück, dafür herrschen Gesteine 
aus dem oberen Flussgebiete der Mulde vor neben zahlreichem nordischen 
Material, Feuersteinen, scandinavischen Feldspathgesteinen u. A. Sein Ver- 
breitungsgebiet ist ein zweifaches: Im nordöstlichen Theile der Section 
Brandis bildet dieser Schotter das linke Gehänge des jetzigen Muldethaies, 
während die am Südrande der Section auftretenden Muldeschotter als 
Absatzproducte eines altdiluvialen Muldebettes zu betrachten sind, das auf 


78 


Section Grimma vom Haupttlial des Stromes nach NW. abzweigt, am süd- 
lichen Rande von Section Brandis längs der Parthe bis Borsdorf verfolgt 
werden kann und dann nach N. sich über Döbitz, Taucha, Eutritzsch und 
Möckern fortsetzt, während die südliche Grenze zum Theil mit der des 
alten Pleisseschotters zusammenfällt und sich dann über Zweinaundorf und 
Baalsdorf hinzieht. Neben diesem Muldeschotter treten auf Section Brandis 
in beschränktem Maasse Diluvialkiese und Sandö auf, die neben nor- 
dischem Material nur solches aus der nächsten Nähe, resp. aus dem oligo- 
cänen Untergründe führen. Diese altdiluvialen Schichten werden, an vielen 
Stellen durch Bänderthon getrennt, von Geschiebelehm überlagert, 
dessen Material ausnahmslos auf nordischen Ursprung zurückweist. Die 
Geschiebe sind meist gerundet, angeschliffen, gekritzt oder mit Schrammen- 
systemen bedeckt , und sind ganz regellos in der lehmigen Grundmasse 
vertheilt. Der Geschiebelehm ist mit Ausnahme der Flussthäler, wo er 
durch spätere Erosion entfernt ist, über das ganze Gebiet verbreitet. Eine 
besondere Modification desselben ist der am Südrande der Section Brandis 
abgelagerte lössartige Thallehm, eine lössartige, feinsandige Masse, 
die sich vom echten Löss stets durch grobsandige Bestandtheile unter- 
scheidet und neben grossen Blöcken nordischer Gesteine auch Pyroxen- 
quarzporphyre der Kleinsteinberger Kuppe führt, die von da nach SO., der 
Richtung der auf jener vorhandenen Gletscherschliffe entsprechend, trans- 
portirt worden sind. Das jüngste Glied des Diluviums, der Geschiebe- 
decksand, ist am verbreitetsten an der Nordgrenze des Gebietes, wo er 
eine von WSW. nach ONO. gerichtete Reihe von Hügeln bildet, die bis 
60 m über die umgebende Geschiebelehmdecke hervorragen. Er bildet ein 
loses Haufwerk kugelig gerundeter oder pyramidal geschliffener (sogen. 
Dreikanter), selten geschrammter oder geritzter Geschiebe meist nordischen 
Ursprungs. Die schon genannten Gletscherschliffe finden sich an drei 
S.tellen, auf den Pyroxenquarzporphyrkuppen bei Beucha und bei Dewitz, 
wo die Gesteinsoberfläche unter dem Geschiebelehm, der hier zahlreiche 
geritzte und geschrammte Geschiebe führt, aus vielen kleinen, abgeschliff'enen 
und polirten Kuppen, sogen. Rundhöckern, besteht, deren oft spiegelnde 
Schliffflächen mit zahlreichen parallelen, bis über 1 m langen Schrammen 
und Ritzen bedeckt ist, deren Richtung von NW. nach SO. der Richtung 
der Bewegung des Gletschers für diese Gegend entspricht. Die jüngsten 
Ablagerungen in dem Gebiete gehören dem Alluvium an, als Elusskies, 
Aulehm und Abschlemmmassen in den Elussthälern ausgebildet. Die 
jüngsten Fluss kiese unterscheiden sich petrographisch vom altdiluvialen 
Pleisseschotter durch zahlreich vorhandene Feuersteine, von dem alten 
Muldeschotter durch Fehlen der leicht verwitter baren nordischen Feld- 
spathgesteine. Der darüber abgelagerte Aulehm verdankt vorzugsweise 
seine Entstehung dem Absatz der feinen Sand-, Staub- und Thontheilchen, 
die die Flüsse besonders bei Hochwasser mit sich führen. In seinen 
tieferen Schichten stellen sich häufig humusartige Bildungen ein. Sein 


79 


relativ junges Alter beweisen die mehrfach in der Elsteraue darin gefun- 
denen Reste frühester menschlicher Thätigkeit, rostartig eingerammte 
Pfähle, Gefässscherben , Steinbeile u. A. Die lehmigen Massen in den 
kleinen Thalniederungen sind als Abschlemmmassen des seitlich beglei- 
tenden Geschiebelehms aufzufassen. 

Den den Karten beigegebeiien Erläuterungen ist am Schlüsse ein be- 
sonderer Abschnitt über die Bodenverhältnisse zugefügt, in dem die 
für die Landwirthschaft wichtigsten Angaben zusammengestellt sind. 

3. Section Meerane (Blatt 93) von Th. Siegert. 

Auf dieser Karte ist der grösste Theil des nördlichen Ausläufers des 
erzgebirgischen Beckens, die Vereinigung desselben mit der thüringischen 
und nordsächsischen Dyasbucht, dargestellt. Einen Theil seiner östlichen 
Grenze bilden die im NO. der Section bei Wünschendorf aufgeschlossenen 
unte r silurischen Thonschiefer, die ein NS. -Streichen und einen starken 
Fall nach W. bis WNW. zeigen. Gleichalterige Kiesel- und Alaunschiefer 
sind, von devonischen Kalken überlagert, im westlichen Theile des Gebietes 
in bedeutender Tiefe erhohrt worden. Einen vresentlichen An theil am 
geologischen Aufbau der Section nimmt das Rothliegende, dessen 
oberste Stufen, das kleinstückige Conglomerat und der dolomitische Sand- 
stein, mehrfach zu Tage ausstreichen und dessen tiefere Stufen im S. und 0. 
des Gebietes durch verschiedene Bohrungen nachgewiesen worden sind. 
Seine Mächtigkeit wird auf etwa 100 m geschätzt und es verbreitet sich, 
meist durch jüngere Gebilde verdeckt, mit Ausnahme des östlichen Randes 
über die ganze Section. Diesem concordant und fast horizontal auf- 
gelagert sind Glieder der oberen Zechsteinformation, Plattendolomite, 
bunte Schieferletten und Sandsteine, die eine flache, tellerförmige Mulde 
im Rothliegenden bilden, deren östliche Grenze mit der Linie Naun- 
dorf — Meerane — G ablenz und deren südliche mit der Südgrenze der 
Section nahezu ziisammenfäilt , während der westliche Ausstrich auf 
der benachbarten Section Ronneburg zu beobachten ist. Sie bilden eine 
meist 3 m starke, im südlichen Theile durch Erosion vielfach in isolirte 
Schollen zerstückte Decke über dem Rothliegenden. Die sie überlagernden, 
mit schwachen Bänken von Sandstein und Schmitzen von Dolomit wechseln» 
den bunten Schieferletten sind häufig in die bis meterweiten, durch Aus- 
laugung des Plattendolomits entstandenen Höhlungen durch den Druck 
ihrer hangenden Schichten eingepresst und gehen allmählich in den B u n t - 
Sandstein über, dessen untere Ahtheilung durch meist roth gefärbte 
Sandsteine, Schieferletten und Conglomerate vertreten wird. Diese Schichten 
bilden die kleinste innere Mulde im erzgebirgischen Becken und reichen 
auf Section Meerane südlich etwa bis Crimmitschau, östlich bis Croten- 
laide. lieber den bisher genannten Schichten breitet sich nun eine sehr 
mächtige, durch Erosion vielfach wieder zerstörte Decke von unter- 
oligocänen Kiesen und Sanden aus, die durch ein im NO. der Section 


80 


nachgewiesenes Braunkoblenflötz in eine untere Stufe der Knollensteine 
und eine obere der Kiese und Sande getrennt wird, während Tbone fast 
ganz zurücktreten. Diese Scbicbten zeigen eine allgemeine Senkung von S. 
nach N., und beweist ibr scbwacbes Einfallen nach den Haupttbälern, dass 
letztere schon vor ihrer Ablagerung durch flache Einsenkungen im All- 
gemeinen vorgezeichnet waren. Von diluvialen Ablagerungen sind im N. 
des Gebiets, namentlich um Gössnitz herum, Diluvial-Kiese und Sande 
ausgebildet, stellenweise durch Bänderthon von dem sie überlagernden 
Geschiebelehm getrennt, der nur äusserst selten zu Tage ausstreicht 
und immer von dem sich über das ganze Gebiet erstreckenden löss- 
artigen Lehm verdeckt wird. Zu den jüngsten alluvialen Bildungen 
gehören die von sandigen Lehmen bedeckten Kiese und die durch Ab- 
schwemmen des lössartigen Lehmes der Gehänge entstandenen lehmigen 
Massen der Thalauen. — 

Prof. H. B. Geinitz bemerkt hierzu, dass er sich Vorbehalte, in der 
nächsten Sitzung der mineralogisch-geologischen Section über die Grenze 
zwischen Dyas und Trias in diesen Gegenden, welche von ihm anders auf- 
gefasst werde als von der geologischen Landesuntersuchung des König- 
reichs Sachsen, nähere Mittheilungen zu geben. 

Der Vorsitzende hält sodann einen Vortrag über die geologische 
Beschaffenheit der Umgegend von Waltsch in Böhmen und über 
die in den Tuffen und Kalken des dortigen „Galgenberges“ entdeckten 
fossilen Thier- und Pflanzenreste. Von ihm sind daselbst vor einigen 
Jahren gefunden' worden : 

Lastraea pulchella Heer, Gymnogramme tertiaria nov. sp., Sabal 
Lamanonis Brongn. sp., Libocedrus salicornioides Ung. sp , Pinus Saturni 
Ung. , Älnus Kefersteinii Göpp. sp., Quercus Gmelini Al. Br., Corylus 
grosse -dentata Heer, Carpinus grandis Ung., Planera Ungeri Kov. sp., 
Ficus tiliaefolia Ung. sp., Populus latior Heer, Laurus Lalages Ung., 
Cinnamomum Scheuch^eri Heer, Andromeda protogaea Ung., Zmjphus 
tiliaefolius Ung. sp., Rhamnus Gaudini Heer, Rh. Graeffii Heer, Rh. orbi- 
fera Heer, Rh. inaequalis Heer, Juglans bilinica Ung., J. acuminata Al. 
Br., Rhus Pyrrhae Ung., Rh. Meriani Heer, Eucalyptus oceanica Ung., 
Cassia phaseolites Ung. 


81 


IV; Section für Physik und Chemie. 


Vierte Sitzung’ am 9. loveniiier J883. Vorsitzender: Hofratli Dr. 
Schmitt. 

Herr L. Legier, Assistent an der chemischen Centralstelle für ötfeiiL 
liehe Gesundheitspflege , zeigt einen bei der langsamen Oxydation des 
Aethyl-Aethers gewonnenen neuen Körper, sowie den Apparat, welcher zur 
Darstellung dieser chemischen Verbindung von ihm benutzt wurde. 

Den Ausgangspunkt der Untersuchung, welche zu dem neuen Körper 
führte, bildeten die Beobachtungen . auffälliger Verunreinigungen mancher 
dem Licht, der Luft und der Wärme ausgesetzter Aetherproben , welche 
hauptsächlich in Wasserstoffsuperoxyd, Ameisensäure, Methyl- und Aethyl- 
Aldehyd bestanden, deren Bildung nur auf eine langsame Oxydation des 
Aethers zurückgeführt werden konnte. 

Solche Oxydationsproducte treten in grösserer Quantität auf, sobald 
mit Luft gemengter Aetherdampf auf 160® erhitzt wird, oder wenn ein 
solches Gemenge dem Einfluss von erwärmtem Platin ausgesetzt wird. 
Das Platin glüht schwach weiter und die Oxydation des Aethers setzt 
sich fort, so lange die mit Luft gemischten Aetherdämpfe über das Platin 
streichen. Der Prozess ist mit einem schönen phosphorischen Leuchten 
begleitet, welches im Dunkeln zur Erscheinung kommt. 

Diese Beobachtung ist nicht neu, schon im Jahre 1816 wurde dieselbe 
von Davy und Faraday gemacht. Durch Condensation der Oxydations- 
producte erhält man ein wasserhelles, saures, scharf und stechend riechendes 
Liquidum. Dieses wurde namentlich von Böttger und Schönbein unter- 
sucht. Die Bestandtheile der Flüssigkeit sind: Ameisensäure, Essigsäure, 
Aldehyde , Acetal und ein die Schleimhäute der Nase stark angreifender 
Stoff, den man Aether- oder Lampensäure benannt hat, ohne denselben 
jedoch rein dar ziis teilen. 

Lässt man aber diese Flüssigkeit auf einem ganz flachen Gefäss in 
sehr dünnen Schichten in. einem gut wirkenden Exsiccator bei möglichst 
niederer Temperatur verdunsten, so erhält man einen Körper in 
schönen Prismen, welche nach einer Feststellung von Herrn Prof. Groth 
in Strasshurg dem rhombischen System angeliören. Die Krystalle lösen 
sich leicht in Wasser, Alkohol und Aether, aus diesen Lösungen lassen 
sie sich wieder gewinnen. Dieselben schmelzen bei 51® C., verflüclitigen 
sich aber schon bei gewöhnlicher Temperatur, und* besitzen einen er- 

Ges. Isis in Dresden, 1882. — Sitzung-sber, 8. Q 


82 


frischenden, niisskernartigen Geruch. Die Dämpfe der Verbindung bläuen 
erheblich Jodkaliumstärke. Bei schnellem Erhitzen verpufft dieselbe, auch 
durch Schlag zersetzt sie sich, unter geringer Detonation. Gegen Säure 
verhält sich der neue Körper schwach basisch. Die Reaction desselben ist 
aber an und für sich neutral, in Folge von Selbstzersetzung nimmt er 
aber bald eine saure Reaction an. 

Sehr interessant sind die Zersetzungsproducte, in welche der neue 
Körper bei der Einwirkung verschiedener Agentien umgesetzt wird, so zer- 
/ fällt derselbe in wässeriger Lösung l) mit Alkalien in Wasserstoff, viel 
Ameisensäure, wenig Methylaldehyd; 2) bei Zusatz von Ammoniak in 
Sauerstoff, viel Methylaldehyd und wenig Ameisensäure ; 3) durch Bleioxyd 
unter Entwickelung von Knallgas. Durch die Hyperoxyde des Bleies und 
Mangans wird aus der wässerigen Lösung der neuen Verbindung auch 
Knallgas entbunden, dabei werden die Hyperoxyde reducirt und in ameisen- 
saure Salze übergeführt. Setzt man eine ammoniakalische Bleisolution zu 
der wässerigen Auflösung, so fällt unter gleichzeitiger Entbindung von 
Sauerstoff das Blei als Bleihyperoxyd aus. Die wässerige Lösung verhält 
sich ganz wie Wasserstoffsuperoxyd, sobald man dieselbe mit Ammoniak 
versetzt und dann mit Schwefelsäure ansäuert. 

Die bei der Elementaranalyse der Krystalle gewonnenen Resultate 
führten zu der einfachsten Formel C2 He O4 , die Moleculargrösse, 
sowie die chemische Constitution derselben konnten bisher noch nicht mit 
Sicherheit festgestellt werden. 

Der Vorsitzende dankt für die interessante Mittheilung und spricht 
die Hoffnung aus, Herr Legier möchte bald in der Lage sein, weitere 
Resultate über die Zusammensetzung seiner neuen Verbindung mittheilen 
zu können. 

Hierauf referirte Dr. W, Hentschel über eine von ihm ausgeführte 
Untersuchung, die Synthese der Salicylsäure betreffend. 

An der Hand einer Darlegung der über die Kolbe’sche Synthese der 
Salycilsäure vorhandenen Meinungen deutet Referent einige Zweifel an, 
welche bei einer vergleichenden Betrachtung derselben erwüchsen, und die 
es wahrscheinlich machten, dass der wirkliche Verlauf jener Synthese 
bisher unaufgeschlossen geblieben sei; dieselbe scheint in zwei getrennten 
Phasen zu verlaufen; indem zunächst als Product der Einwirkung von 
Kohlendioxyd auf Natriumphenylat phenylkohlensaures Natrium auftritt 
und dieses sich unter Wechselwirkung mit einem zweiten Molekül Phenol- 
natrium in basisch salicylsaures Natrium umlagert, wie das durch die 
beifolgenden Gleichungen zum Ausdruck gelangt: 

-OCe Hg 

1. Ce Hs ONa + CO2 = CO 

— ONa 

— OCß Hs — ONa 

2. CO + Ce Hs ONa = Ce H4 + Ce H5 OH. 

ONa • — - CO 


Bis zu gewissem Grade beweisend für diese Auffassung seien folgende 
Thatsachen: 

1. Hat Kolbe schon 1860 die Bildung von phenylkohlensaurem Salz 
neben Salicylsäure beobachtet; 

2. bieten die Baumann’schen Untersuchungen über Phenylschwefel- 
säuren und Sulfonsäuren eine vollständige Parallele zu den hier 
gegebenen Auffassungen, eine Thatsache, die auch Baumann ver- 
anlasst hat, einen, wenn auch verfehlten Schritt, in dieser Richtung 
zu thun; 

3. die vom Referenten ausgeführte Darstellung jenes Zwischenproductes 
und die Umsetzung desselben in Salicylsäure, endlich aber 

4. eine Reihe von Synthesen verschiedener Salicylsäurederivate aus 
Phenylkohlensäureäthern, Verbindungen, welche offenbar jenem oben 
erwähnten Zwischenproduct entsprechen; als einfachstes Beispiel 
dieser Art führt Referent experimentell die Umlagerung von phenyl- 
kohlensaurem Aethyloxyd in gewöhnliches salicylsaures Natrium 
vor, in der Weise, dass er jenen Aether mit der äquivalenten 
Menge von Phenolnatrium auf 200 erhitzt, es destillirt Phenetol 
über und der feste Rückstand der Retorte erweist sich als salicyl- 
saures Natrium. Die Umsetzung verläuft nach der Gleichung: 


~ OCe Hg — OH 

CO -j— Cg Hs ONa = Cg H4 — j— Cg H5 OC2 H5. 


- OC.3 Hg 


-CO 


-ONa 


Zum Schluss kündigt Referent weitere Mittheilungen über diesen 
Gegenstand an. 


84 


V. Section für praehistorische Forschungen. 


Fünfte Sitzung am 16 . lovemüer 188 ^. Vorsitzender: Porzellanmaler 
E. Fischer. 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz begrüsst zunächst das nach mehrjährigem, 
prähistorischen Studien gewidmetem Aufenthalte in Frankreich zum ersten 
Male wieder in der Sitzung anwesende Ehrenmitglied der Isis, Fräulein 
Ida von Boxberg, und bringt das von genannter Dame dem hiesigen 
prähistorischen Museum neuerdings geschenkte wer th volle ’Werk von: 

Gabriel et Adrien de Mortillet, Musee prehistorique. 

Paris 1881. Mit 100 Taf. 

zur Ansicht. 

Hierauf werden die Sectionsbeamten für das Jahr 1883 gewählt. 
.(Vergl. S. 95.) 

Geh. Hofrath Dr. Geinitz berichtet sodann über ,,den gegenwärtigen 
Stand der prähistorischen Forschungen in Frankreich und Deutschland.“ 
(S. Ahh. XII. S. 127.) 

Der Vorsitzende bringt einige von ihm gemachte neue Funde zur Vor- 
lage, u. A. von der Heidenschanze bei Coschütz menschliche Schädel- 
fragmente, Unterkiefer und Knochen vom Hirsch, Fuchs, Ziege, Hund und 
Schwein, Lanzenspitzen von einer Schanze hei Oberwartha, und Feuerstein- 
messer aus der Gegend von Meissen. 

Lehrer J. A. Jentzsch macht aufmerksam auf Spuren von Ackerbau, 
die nach Abräumen der Sanddecke auf Lehm in der Flur Trieske, Pillnitz 
gegenüber, beobachtet worden sind und wohl aus einer sehr frühen Zeit 
stammen mögen. Der Name dieses Flurtheils ist nach seiner Ansicht von 
Driesza, n. A. von Driesga, d. i. Wald, ahzuleiten. 


85 


VL Sectioii für Mathematik. 


Vierte Sitzung’ am 16. November 1883. Vorsitzender: Prof. Ritters- 
liaus. 

Geh. Rath Prof. Dr. Zeuner spricht über Anwendung graphi- 
scher Methoden auf thermodynamische Probleme, anknüpfend 
an Mittheilungen, die er der Section 1878 über denselben Gegenstand 
gemacht hat. Insbesondere zeigt der Vortragende ein neues Verfahren, 
um aus dem Indikatordiagramm die während des Kreisprozesses über- 
gegangene Wärme herzuleiten. 


Fünfte Sitzung am 7. December 1883. Vorsitzender: Prof. Ritters- 
haus. 

Nach Wahl der Sectionsbeamten für das folgende Jahr spricht Prof. 
R i 1 1 e r s h a u s : 

lieber die Kinematik der Dynamomaschine. 

Die Construction der Elektromotoren lässt sich von verschiedenen 
Gesichtspunkten aus betrachten. Zunächst vom physikalischen und con- 
structiv-machinalen bezüglich der Stärke und Richtung der erzeugten 
Ströme und der praktischen Anordnung und Ausführung des Triebwerkes ; 
sodann aber auch vom kinematischen bezüglich der Art der Sammlung 
und Zusammenfassung der einzelnen Stromimpulse zu einem continuirlichen 
Strome gleicher (oder auch wechselnder) Richtung. 

Dieser letztere Theil der Betrachtung entbehrt bis dahin völlig der 
einheitlichen systematischen Durchführung; diese entschiedene Lücke aus- 
zufüllen oder wenigstens Ausgangspunkte für eine Ausfüllung derselben 
zu beschaffen, ist der Zweck des Vortrages. 

Die sich bietenden Fragen sind durchaus conform denen der Steuerung 
unserer Dampfmaschinen, nur liegt hier die Aufgabe umgekehrt. Während 
bei diesen in einen continuirlichen Strom: vom Kessel nach dem Steuer- 
organ (Schieber , Vierwegehahn) und von dort nach dem Condensator 
durch dieses letztere eine Zweigleitung oder Schleife mit wechselnder Strom- 
richtung (der Cy linder mit seinen Kanälen) eingeschaltet wird, liegt hier 
die Sache umgekehrt. Die in der einzelnen Schleife (Abtheilung des 
Inductors) erzeugten Ströme sind stets Wechselströme, wechselnd je im 
Moment des Durchganges der betreffenden Schleife durch die neutralen 
Stellen der Felder, und es handelt sich darum, diese einzelnen Ströme 


durch die Steuerung d. i. den Conamutator oder Stromsammler in einen 
einzigen continuirlichen Strom zusammenzufassen. Der Cornmutator in 
seiner einfachsten Gestalt — und für eine einzige Schleife und nur zwei 
Felder — ist denn auch völlig identisch dem Vierwegehahn, dem ent- 
sprechenden Steuerorgan für Dampf, Wasser und andere tropfbare oder 
gasförmige Flüssigkeiten, natürlich den physikalisch ganz anderen Eigen- 
schaften angepasst: zwei einander gegenüberstehende leitende Theile ent- 
sprechen den Durchlassöffnungen; dem für die betreffenden Flüssigkeiten 
undurchdringlichen, diese trennenden Steg ein ebensolcher aus fürElektricität 
undurchlässigem, also nicht leitendem Material. 

Hat die Maschine zwei Schleifen bei zwei Feldern und stehen die- 
selben einander gegenüber, passiren also gleichzeitig den neutralen Durch- 
messer, so kann der Cornmutator für die erste auch die stets entgegen- 
gesetzt gerichteten Ströme der zweiten aufnehmen; in jedes der beiden 
Contactstücke desselben mündet das vordere Drahtende der einen und 
das hintere der andern Schleife, die Ströme beider fliessen also abwechselnd 
in das eine hinein und aus dem andern heraus: die Schleifen sind neben- 
einander geschaltet und die Schleiffedern vermitteln die Verbindung mit 
dem äusseren Stromkreise. 

Ganz ebenso kann man auch eine Dampfmaschine oder auch eine 
Pumpe mit zwei Cylindern, deren Kolbenstangen, durch eine Traverse ver- 
bunden, auf dieselbe Kurbel wirken, durch einen einzigen Vierwegehahn 
steuern; die Cylinder sind dabei, ganz wie die Schleifen, nebeneinander 
geschaltet: der Strom des frischen Dampfes oder, bei der Pumpe, der an- 
gesaugten Flüssigkeit vertheilt sich auf beide Cylinder, und der von beiden 
abgehende Dampf oder die Förderung beider vereinigt sich zu der Leitung 
nach dem Condensator, beziehungsweise der Druckleitung. 

Nicht ganz so einfach ist die Steuerung der beiden Cylinder, wenn 
dieselben derart hintereinander geschaltet werden sollen, dass der Abdampf 
des einen die Rolle des frischen für den andern übernimmt, wobei dann 
natürlich der letztere, wenn der Dampf in ihm noch zur Wirkung kommen 
soll, einen grösseren Querschnitt erhalten muss (Zwei-Cylinder- oder Com- 
poundmaschine oder umgekehrt als Presspumpe mit fortgesetzter Com- 
pressionswirkung). Es bedarf eines Sechs wegehahnes oder zweier Vier- 
wegehähne: einen für den frischen Dampf und einen für den Uebertritt 
zum grösseren Cylinder. 

Ebenso können wir die beiden Schleifen hintereinander schalten durch 
zwei einfache Commutatoren, je einen für jede Schleife, und natürlich auch 
zwei Paar Schleiffedern, von denen die den Strom aufnehmende des einen 
mit der denselben zuleitenden des andern leitend verbunden. Wird eine 
der beiden Schleifen gekreuzt an ihren Cornmutator angeschlossen, so 
liegen die zu verbindenden Schleiffedern auf derselben Seite der Achse 
und können durch eine breite, auf beiden Commutatoren schleifende ersetzt 
werden. 


87 


Man kann aber die beiden Cylinder auch noch auf andere Weise auf 
Spannung kuppeln. 

Denken wir uns — bei einer Presspumpe etwa, und immer wieder 
vorausgesetzt, dass die Kolben sich synchron bewegen — das vordere Ende 
des einen Cylioders mit dem hinteren des andern dauernd verbunden, da- 
gegen die beiden andern durch einen Vierwegehahn abwechselnd je mit 
dem Saug- und Druckraume, so haben wir damit eine Anordnung, welche 
gegenüber der zuerst betrachteten Nebeneinander Schaltung zwar nur die 
halbe Förderung pro Schub, aber dafür auch die doppelte Spannungs- 
differenz zwischen Saug- und Druckraum ergiebt. 

Die gleiche Steuerung auf unsere beiden Schleifen angewendet, erhalten 
wir die einfachere Form der Hintereinanderschaltung, die der ältesten Con- 
struction einer Inductionsmaschine: der von Pixii*), wenn wir die Schleifen 
an die Federn und den äusseren Kreis an die Commutator-Contactstücke 
anschliessen, oder aber der von Saxton**), Clarke***), Stöhrerf) 
u. A., wenn wir umgekehrt, wie es jetzt die Kegel, die Spulen mit dem 
Commutator verbinden und den äusseren Kreis mit den Federn. 

Bei der S t Öhr er ’ sehen Construction ist dabei meist noch zwischen 
Spulen und Commutator ein sogenannter Pachytrop, seinem Wesen nach 
gleichfalls ein Hahn, eingeschaltet, mittels dessen der Anschluss an den 
Commutator derart umgestellt werden kann, dass entweder die zuletzt, 
oder aber die zuerst betrachtete, also Hinter- oder Nebeneinander- 
schaltung, statt hat. 

Sind mehr als zwei Schleifen vorhanden, so kann entweder für jede, 
oder nach dem Obigen auch für jedes Paar hinter- oder nebeneinander 
geschalteter, je ein besonderer Commutator angeordnet werden, wie dies 
z. B. Brushff) thut, der dadurch die Möglichkeit hat, die Ströme der 
einzelnen Paare dem äusseren Widerstande entsprechend wie die Elemente 
einer Säule beliebig combiniren zu können fff), ohne an der Maschine 
selbst und ihren Drahtverbindungen das Mindeste ändern zu müssen; oder 

*) Poggendorff, Annalen, Bd. 27, S. 390. Schellen, Magnet- und 
Dynamomaschinen, 2. Aufl., S. 56, Fig. 30. 

Poggendorff, Bd. 39, S. 401. 

Poggendorff, Bd. 39, S. 404. 

t) Wüllner, Experimentalphysik, 3, Aufl., 4. Bd., S. 939, Fig. 266. 

tt) Specification, 1878, Nr. 2003; Schellen, 2. Aufl., S. 118, Fig. 53; und 
Merling, Elektr. Beleuchtung (Elektrotechn. Bibi.. Bd. 1.), S. 166, Fig. 68 u. fl., wo, 
wie hier nebenbei bemerkt werden mag, sowolü in den Skizzen, als auch durch die ganze 
Beschreibung die einander gegenüberstehenden Pole ungleichnamig angenommen sind, 
wobei absolut kein Strom zu Stande kommen kann. 

tft) Ein weiterer Yortheil der Brush’ sehen Construction: das je den neutralen 
Durchmesser passirende Paar, dessen Strom doch nur gering und durch den fast momen- 
tanen Wechsel in der Stromrichtung sich am stärksten erhitzt, eine Zeit lang ausschalten 
und sich ausruhen lassen zu können, lässt sich auch bei Pacinotti-Gramme erreichen, 
wenn man je zwei miteinander verbundene Schleiffedern für Ein- und Austritt, zu beiden 
Seiten des neutralen Durchmessers schleifend, anwendet. 


88 


es können auch die Functionen aller in einem einzigen, dann aber natürlich 
complicirteren Steuerorgane vereinigt werden, wie dies bei Dampfmaschinen 
z. B. bei der Drei -Cylinder- Maschine von Brotherhood & Har- 
dingham*) oder auch bei der Sechs-Cylinder-Maschine von West**) 
der Fall und bei der Dynamomaschine seit der Pacinotti-Gramme- 
Steuerung die Eegel ist. 

Diese selbst ergiebt sich sehr leicht durch Theilung der Commutator- 
hälften der zuerst betrachteten Combination zu zweien nebeneinander und 
entsprechende Einschaltung neuer Spiralen, welche die isolirenden Zwischen- 
wände überbrücken, gleichzeitig aber, da alle je einerseits des neutralen 
Durchmessers gelegenen Spiralen gleiche Stromrichtung haben, mit ihrem 
eigenen Strom den durchfliessenden verstärken. 

Wird statt der Schleifen die Anzahl der Felder vermehrt, so ändert 
sich auch der Commutator in anderer Weise. So erhalten wir bei einer 
Schleife mit 4, 6, 8 . . . Feldern Commutatoren mit 4, 6, 8 . . . Contact- 
stücken , welche sich je über einen gleichen Bogen erstrecken und das 
iste^ 3te^ . . . einerseits und das 2te, 4te, 6te . . . andererseits unter- 
einander und mit je einem Ende der Schleife verbunden sind und auf 

denen die Schleiffedern an zwei um einen Winkel von ^ yqj^ 

k 

einander abstehenden Punkten schleifen, wenn 2k die Anzahl der Felder 
und m eine beliebige ganze Zahl, die Null eingeschlossen. Dieselben 
können also nur für den Fall, dass k ungerade, also bei 2, 6, 10 , 

Feldern, einander gegenüberstehen. 

Diese so gewonnene allgemeinere Form können wir nun wieder in 
derselben Weise weiter umgestalten wie oben die in ihr enthaltene ein- 
fachste mit nur zwei Feldern. 

Fügen wir wieder so viel Schleifen hinzu, dass jedes Feld eine Schleife 
erhält, so kann der Commutator für die erste ungeändert auch die 
Ströme der übrigen aufnehmen, wobei alle nebeneinander geschaltet: es 
braucht nur, wenn vorderes und hinteres Ende der ersten Schleife mit 
Contactstück 1 und 2 verbunden. Vorder- und Hinterende der zweiten mit 
2 und 3, der dritten mit 3 und 4 u. s. w. verbunden zu werden. 

Es können aber auch die Schleifen eben so leicht hintereinander ver- 
bunden werden, und zwar wieder in der Form der Compoundmaschinen- 
steuerung durch 2 k Commutatoren, oder in der einfacheren, physikalisch 
gleichwerthigen Pixii -Steuerung. Wir haben zu dem Ende nur nöthig, 
die Schleifen derart aneinander zu schliessen, dass der entstehende Strom 
dieselben hintereinander fortlaufend durchfliesst , also etwa das Vorderende 
der ersten mit dem der zweiten, deren hinteres Ende mit dem der dritten 
u. s. w. und endlich das hintere Ende der ersten und letzten mit je einer 
der beiden Gruppen von Contactstücken. 


*) Engineering, Vol. 16, p. 264. 

'**) Stummer’s Ingenieur, 1876, S. 13. 


89 


Wir erhalten damit eine Maschine, welche bis auf den die Ströme 
richtenden Commutator identisch ist mit der Wechselstrom-Maschine 
Siemens P. R. 3383. 

Aus dieser ist von der genannten Firma neuerdings eine Maschine 
für Gleichstrom mit der Pacin otti-Gramme ’schen entsprechender 
Steuerung abgeleitet worden*); wie es mir scheint aber auf etwas zu 
complicirtem Wege. 

Zwischen die nebeneinander geschalteten Spulen lassen sich näm- 
lich wieder wie bei nur zwei Feldern unter gleichzeitiger Theilung der 
entsprechenden Contactstücke je beliebig viele, die eingesetzten Zwischen- 
wände überbrückende, gleichzeitig aber auch den sie durchfliessenden Strom 
durch ihren eigenen verstärkende Spulen einschalten. Wir erhalten so für 
2i = m 2k Spulen und 2k Felder einen Commutator mit 2i Contact- 
stücken, welche wdeder zu je k, also in ^ Gruppen leitend miteinander 
verbunden sind, so z. B. für 12 Spulen und 6 Felder 12 Contactstücke 
in 4 Gruppen. 

Nun macht Siemens nicht i = m . k, sondern = m (k + 1), und 
erhält so eine Maschine, deren Commutator eine im Verhältniss zur An- 
zahl der Spulen viel grössere Zahl von Contactstücken , nämlich 2 . m . i 
(i -j- 1), ebenfalls in Gruppen zu k, enthält. So wird beispielsweise, wenn 
wir m = 1 und k = 3 setzen und das Minuszeichen wählen , der Com- 
mutator 2 . 2 . 3 = 12 Contactstücke in 4 Gruppen zu 3 enthalten, also 
mit dem soeben für 12 Spulen gefundenen identisch sein, während er hier 
für nur 4 Spulen dient. 

Auch die Verbindung der Spulen untereinander und mit den Gruppen 
der Contactstücke lässt sich, wenigstens für m > 1 (Fig. 6 der Elektrotechn. 

k I 

Zeitschr.), wesentlich einfacher gestalten und für i == ^ - auch die Kreu- 

zung jeder zweitfolgenden Schleife vermeiden, wodurch die Maschine aller- 
dings kaum einfacher wird. 

Ohne Skizzen sind aber diese nicht mehr ganz einfachen Steuerungen, 
sowie noch eine ganze Reihe weiterer Ableitungen nicht wohl verständlich, 
wenn dieselben sich auch ohne Schwierigkeiten ergeben, sobald man nur 
systematisch vorgeht und die einzelnen Constructionen schematisirt. Diese 
Skizzen wiederzugeben, fehlt es aber hier an Raum. 

Eine vollständige Wiedergabe des Vortrages mit den Skizzen, die 
binnen Kurzem im Civilingenieur erfolgen wird, soll das Thema weiter 
verfolgen. 

D Elektrotechnische Zeitschrift, 1881, S. 163; Schellen, 2. Aufl., S. 219, 
Fig. 111 u. fl.; und Merling, S. 201, Fig. 84 u. fl. 


90 


VI] . Hauptversammlungen. 


Siebente Sitzung; am 13. Juli 188?2. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Zur Mittheilung gelangt zunächst eine Uehersicht der im Jahre 1882 
- tagenden naturwissenschaftlichen Wandergesellschaften, u. a. : 

Der vierte internationale alpine Congress, welchen der 
deutsche und österreichische Alpenverein vom II. bis 15. August 
in Salzburg veranstaltet; 

die Deutsche Gesellschaft für Anthropologie, Ethno- 
logie und Urgeschichte, die ihre diesjährige General- 
versammluDg am 14., 15. und 16. August zu Frankfurt a. M. 
abhält ; 

die Deutsche geologische Gesellschaft, welche ihre dies- 
jährige allgemeine Versammlung vom 21. bis 24. August in 
Meiningen abhält; 

die British Association for the Advancement of Science, 
deren 52. öffentliche Jahresversammlung am 23. August in 
Southampton beginnen wird; 

die 65. Jahresversammlung der Schweizerischen natu r for- 
schenden Gesellschaft vom 11. bis 14. September in 
Linthal (Stachelberg) ; 

die 55. Versa mmlung deutscher Naturforscher und Ae rzte, 
welche vom 17. bis 24. September in Eisenach tagt. 

Hierauf lenkt der Vorsitzende die Aufmerksamkeit auf eine Abhand- 
lung des Geheimrath Dr. Göppert: üeber das Steigen des Saftes in den 
Bäumen (Vortrag in der Sitzung des Schlesischen Forstvereins am 11. Juli 
1881 zu Oppeln), und dessen beachtenswerthe Notizen über Versendung 
frischer Gewächse und Blüthen, theils in mit Korkpfropfen geschlossenen 
Gläsern, theils nach sorgfältigem Einschliessen in Wachspapier (Schles. 
Ges. f. vaterländ. Cultur, 15. Febr. 1882), ferner eine Abhandlung des 
Professor Dr. Just in Karlsruhe: Ueber die Möglichkeit, die unter gewöhn- 
lichen Verhältnissen durch grüne beleuchtete Pflanzen verarbeitete Kohlen- 
säure durch Kohlenoxydgas zu ersetzen (Karlsruhe, d. 13. Febr. 1882). 


91 


Durch Institutslehrer Aug. Weber wird die an Farnen und Lyco- 
podiaceen reiche Flora der Fidschi-Inseln nach den von einem seiner 
Schüler dort gesammelten zahlreichen und höchst zierlichen Arten erläutert. 


Achte Sitzung am 2S, September 1883. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Der Vorsitzende gedenkt zunächst der Verluste, welche die Gesellschaft 
in den letztvergangenen Monaten durch den Tod erlitten hat, der wirk- 
lichen Mitglieder : Oberstlieutenant Ferdinand von Bültzingslöwen, 
zuletzt Mitglied des Verwaltungsrathes, f 20. August 1882, Salinen- 
factor a. D. Dr. C. Reinwarth, f im September 1882, Stadtrath und 
Präsident der Handels- und Gewerbekammer E. Ch. Rülke, f 23. Sep- 
tember 1882; und der auswärtigen Mitglieder: Dr. Eduard Lucas, 
Director des pomologischen Instituts in Reutlingen, f 24. Juli 1882, 
Dr. G. Korber in Augsburg, f 11. August 1882, und Dr. Schilling in 
Naumburg, f 7. Februar 1882; ferner des Nestors der Chemiker, des 
Geheimrath Dr. Friedrich Wöhler in Göttingen, geh. 31. Juli 1800, 
t 25. September 1882. 

Auf Vorschlag des Directoriums wird Regierungsrath Prof. Bern- 
hard Schneider einstimmig zum Ehrenmitgliede der Gesellschaft ernannt. 

Hierauf spricht Oberlehrer H. Engelhardt über das Rhöngebirge 
und dessen Bewohner (S. Abh. IX., S. 65). 


Neunte Sitzung am 30. October 1883. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Der Vorsitzende theilt ein Dankschreiben des Herrn Regierungsrath 
Professor B. Schneider für seine Ernennung zum Ehrenmitgliede der 
Gesellschaft mit. 

Nach Aufnahme zweier wirklicher Mitglieder spricht Prof. Dr. 0. Drude 
über ,, Charles Darwin nnd die gegenwärtige botanische Kenntniss von der 
Entstehung neuer Arten“. (S. Abh. XIIL, S. 135.) 

Hieran anknüpfend, giebt Prof. Dr. B. Vetter einige Notizen über 
die Stellung, welche die Zoologie in dieser Frage dem Darwinismus gegen- 
über einnimmt. 


Zehnte Sitzung am 30. November 1883. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Der Vorsitzende eröffnet die Sitzung mit Worten der Erinnerung an 
das jüngst verstorbene Mitglied Herrn Director Dr. Chr. Friedrich 
Krause, geh. 1803 in Waldenburg in Sachsen, gest. am 10. November 


92 


in Dresden, wo er lange Jahre hindurch seinem rühmlichst bekannten 
Erziehungsinstitute vorgestanden hat, Mitglied der Isis seit 1846, ferner 
an Frau Hauptmann Pauline verw. von Strauwitz, geh. Boenisch, 
gest. am 14. November 1882, ein früheres langjähriges Mitglied unserer 
Gesellschaft. Er gedenkt ferner des Verlustes, welchen die Wissenschaft 
jüngst durch den Tod des Geheimrath Professor Dr. Franz von Kobell in 
München, geh. am 19. Juli 1803, gest. am 11. November 1882, erlitten hat. 

Es werden hierauf sechs neue wirkliche Mitglieder aufgenommen (vergl. 
S. 93), worauf zur Neuwahl der Beamten der Gesellschaft für das Jahr 
1883 geschritten wird (s. am Schluss des Heftes). 

Während dieses Hauptgeschäftes in der durch die Anwesenheit von 
23 Mitgliedern oder einem Zehntel der Gesammtzahl der wirklichen Mit- 
glieder beschlussfähigen Versammlung wird durch Professor Dr. B. Vetter 
ein Nekrolog auf Charles Darwin von Professor Rütimeyer in Basel 
verlesen, worauf der Vorsitzende noch zwei neu erschienene lehrreiche 
Blätter der geologischen Landesuntersuchung des Königreichs Sachsen be- 
spricht: „Geologische Specialkarte des Königreichs Sachsen, herausgegeben 
vom K. Finanz-Ministerium, bearbeitet unter der Leitung von Hermann 
Credner. Das Steinkohlenrevier von Lugau-Oelsnitz, von Th. Siegert. 
Taf. I u. H. Mit Profilen durch das Revier, durch zahlreiche Schächte, 
die einzelnen Flötze und einer Höhenschichten-Karte des Hauptflötzes.“ 
Es wird diese Arbeit von dem Vortragenden als eine vorzügliche bezeichnet 
und der Unterschied von den früheren Arbeiten hierüber durch ihn selbst 
in den Jahren 1856 bis 1865, im Einklänge mit den zahlreichen neueren 
Aufschlüssen in diesem wichtigen Steinkohlengebiete gebührend hervor- 
gehoben. 


Elfte Sitzung am 31. December 1883. Vorsitzender: Geh. Hofrath 
Dr. Geinitz. 

Nach Aufnahme fünf neuer Mitglieder behandelt Professor Nit zs che 
aus Tharand in längerem, eingehenden und von zahlreichen Vorlagen be- 
gleiteten Vortrage den gegenwärtigen Stand der künstlichen 
Fischzucht in Sachsen. 

Geh. Medicinalrath Dr. Günther macht auf das Verfahren aufmerk- 
sam , die auf mechanischem Wege verunreinigten Gewässer mittelst Torf 
zu reinigen. 

Nach einigen Bemerkungen zu obigem Gegenstände durch Freiherrn 
D. von Biedermann und Professor Dr. Vetter schliesst der Vorsitzende 
die Reihe der diesjährigen Sitzungen mit einem kurzen Rückblicke auf die 
Thätigkeit der Gesellschaft in diesem Jahre. 


Excursion. Am 18. October besichtigte eine grössere Zahl Mitglieder, 
der Einladung des Dr. Scbaufuss folgend, ein im Museum Ludwig Sal- 
vator in Oberblasewitz für kurze Zeit ausgestelltes Walfischskelett. 


Neu aufgeiiommeiie wirkliche Mitglieder: 

1. Herr Dr. med. Herrn. Klencke in Dresden, aufgenommen am 13. Juli 


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55 


1882. 


Schriftsteller Th. Gampe in Dresden, 
Oberförster Kosmahl in Forsthaus Markers- 
bach bei Hellendorf, 

Kontier Pen zig in Dresden, 
Kittergutsbesitzer L, Uhle auf Maxen, 
Techniker Jul. Poetschke in Dresden, 
Kaufmann Jul. Jacobi in Dresden, 
Kaufmann Osk. Loebel in Dresden, 
Assistent Job. Frey borg in Dresden, 

Pianist Herrn. J. Dichter in Dresden, 

Stud, ehern. Hans Siebert in Dresden, 
Stud. rer. nat. Heinr. Vater in Dresden, 
Oberrechnungskammer-Präsident a. D. Kö- 
misch in Dresden, 

Dr. med. Treutier in Blasewitz, 


aufgenommen am 
26. October 1882. 


aufgenommen 
am 30. November 
1882. 


aufgenommen 
am 21. December 
1882. 


Auswärtige Mitglieder: 

1. Königl. Bibliothek in Berlin, aufgenommen am 28. September 1882. 


Neu ernannte Ehrenmitglieder: 

1. Herr Kegierungsrath Prof. Beruh. Schneider, ernannt am 28. Sep- 
tember 1882. 


Freiwillige Beiträge zur Gesellschaftskasse zahlten 

die Herren: Bergdirector Bald auf in Ladowitz b. Dux 3 Mk. ; Berg- 
verwalter Castelli in Grosspriesen 3 Mk.; Apotheker Sonntag in 
Wüstewaltersdorf 3 Mk. ; K. K. Kath Ehrlich in Linz 3 Mk. ; Conservator 
Weise in Ebersbach 3 Mk. ; Dr. Wünsche in Zwickau 3 Mk. ; Dr. Sterzei 
in Chemnitz 3 Mk.; Ingenieur Carstens in Berlin 5 Mk. ; Dr. Köhler 
in Schneeberg 3 Mk. ; Kaufmann E i s e 1 in Gera 3 Mk. ; Kittergutsbesitzer 
Sieber in Grossgrabe b. Kamenz 2 Mk. ; Geh. Kegierungsrath Duflos 
in Annaberg 20 Mk. ; Königl. Bibliothek in Berlin 3 Mk.; Medicinal- 
assessor Dr. Gonnermann in Coburg 9 Mk. In Summa: 66 Mk. 

Heinrich Warnatz. 


94 


Im Jahre 1883 leitet die Geschäfte der ISIS folgendes 
Beamten - Collegium : 

Vorstand. 

Erster Vorsitzender: Professor Dr. 0. Drude. 

Zweiter Vorsitzender: Professor Dr. A. Harnack. 

Kassirer: Hofbuchhändler H. Warnatz. 

Birectorium. 

Erster Vorsitzender: Professor Dr. 0. Drude. 

Zweiter Vorsitzender: Professor Dr. A. Harnack. 

Als Sectionsvorstände: Kealsclml-Oberlelirer H. Engelhardt. 

Gell. Hofrath Professor Dr. H. B. Geinitz. 
Professor Dr. W. Hempel. 

Oberlehrer Dr. R. Keil. 

Professor Dr. B. Vetter. 

Professor Dr. A. Voss. 

Erster Secretär: Dr. J. V. Deichmüller, 

Zweiter Secretär: Oberlehrer Dr, H. Schunke. 

Verwaltiing’sratli. 

Vorsitzender: Professor Dr. A. Harnack. 

1. Geheimrath Director Dr. G. Zeuner. 

2. Civilingenieur und Fabrikbesitzer E. Siemens. 

3. Apotheker C. G. H. Baumeyer. 

4. Maler A. Flamant. 

5. Commissionsrath E. Jäger. 

6. Fabrikant E. Kühnscherf. 

Kassirer: Hofbuchhändler H. Warnatz. 

Erster Bibliothekar: Handelsschullehrer 0. Thüme. 

Zweiter Bibliothekar: Professor Dr. B. Vetter, 

Secretär: Oberlehrer Dr. H. Schunke. 

Sectioiis -Beamte, 

I. Section für Zoologie. 

Vorstand: Professor Dr. B. Vetter. 

Stellvertreter: Gymnasiallehrer Dr. G. R. Ebert. 

Protokollant: Handelsschullehrer 0. Thüme, 

Stellvertreter: Dr. F. Raspe, 


95 


II. Section für Mineralogie und Geologie. 

Vorstand: Realschul- Oberlehrer H. Engelhardt. 
Stellvertreter: Bergingenieur A. Purgold. 

Protokollant: Lehrer A. Zipfel. 

Stellvertreter: Lehrer L. Meissner. 

III. Section für Botanik. 

Vorstand: Oberlehrer Dr. R. Keil. 

Stellvertreter: Institutslehrer A. Weber. 

Protokollant: Oberlehrer F. A. Peuckert. 

Stellvertreter: Obergärtner 0. Kohl. 

IV. Section für Physik und Chemie. 

Vorstand: Professor Dr. W. Hempel. 

Stellvertreter: Hofrath Professor Dr. R. W. Schmitt. 
Protokollant: Privatdocent Dr. R. Möhlau. 

Stellvertreter : Assistent Joh. Freyherg. 

V. Section für praehistorische Forschungen. 

Vorstand: Geh. Hofrath Professor Dr. H. B. Geinitz. 
Stellvertreter: Porzellanmaler E. Fischer. 

Protokollant: Dr. H. A. Funcke. 

Stellvertreter: Dr. F. Raspe. 

VI. Section für Mathematik. 

Vorstand: Professor Dr. A. Voss. 

Stellvertreter: Oberlehrer Dr. G. Helm. 

Protokollant: Professor Dr. A. Harnack. 

Stellvertreter: Professor Dr. H. Klein. 


Eedactions - Coioite, 

Besteht aus den Mitgliedern des Directoriums mit Ausnahme des H. Vor- 
sitzenden und des 11. Secretärs. 


/ 


96 


An die Bibliothek der Gesellschaft Isis sind in den Monaten 
Juli bis December 1882 an Geschenken eingegangen: 

Aa 3. Abhandlungen d. naturf. Ges. in Görlitz. II. Bd. 1. 2. Hft. III. Bd. 2. Hft. 
Görlitz 42. 8. 

Aa 7. Bericht, 59. (1881) d. schles. Ges. f. vaterl. Cultur. Breslau 82. 8. 

Aa 11. Anzeiger d. k. k. Akademie in Wien. Jhrg. 1882. Nr. 1 — 22. Wien 82. 8. 

Aa 14. Archiv d. Ver. d. Freunde d. Naturgesch. in Mecklenburg. 35. Jhrg. Neu- 

brandenburg 82. 8. 

Aa 18. Bericht, IX., des naturhist. Vereins in Augsburg. Augsburg 1856. 8. 

Aa 19. Bericht, XII., d. naturf. Ges. in Bamberg. Bamberg 82. 8. 

Aa 22. Bericht d. Ver. für Naturkunde zu Fulda. II. V. Bd. Fulda 75. 78. 8. 

Aa 23. Bericht über d. Thätigkeit d. St. Gail, naturwiss. Ges. 80/81. St. Gallen 82. 8. 
Aa 24. Bericht über d. Sitzungen d. naturf. Ges. zu Halle. 1874. 1881. Halle 75/82. 4. 
Aa 26. Bericht, 21., d. oberhessischen Ges. f. Natur- und Heilkunde. Giessen 82. 8. 

Aa 28. Bericht, 18., d. Philomathie in Neisse. Neisse 74. 8.^ 

Aa 41. Gaea, Zeitschrift f. Natur u. Leben. Jhrg. 18. Köln 82. 8. 

Aa 43. Jahrbücher d. nassauischen Ver. f. Naturkunde. 19. 20. Hft. Wiesbaden 64/66. 8. 
Aa 47. Jahresbericht d. Ges. f. Natur- u. Heilkunde zu Dresden. 81/82. Dresden 82. 8. 
Aa 48. Jahresbericht über die Verrichtungen u, d. Zustand d. naturf. Ges. in Emden. 

1840—48. 50—52. 54. 56. 66. Emden 41—67. 8. 

Aa 51. Jahresbericht d. naturf. Ges. Graubündens. N. F. XXV. Jhrg. Chur 82. 8. 

Aa 54. Jahresbericht d. Mannheimer Ver. f. Naturkunde. 6 — 10. 13 — 24. 26 — 44. Be- 

richt. Mannheim. 1858/1878, 8. 

Aa 55. Bericht, XIL, d. naturhist. Ver. in Passau f. d. Jahre 1878/82. Passau 82. 8. 
Aa 62. Leopoldina. XVHI. Bd. Nr. 1 — 22. Halle 82. 8. 

Aa 63. Lotos, Zeitschritt f. Naturw. H. HI. IV. Jhrg. XXIX. Bd. Prag 52 — 54, 80. 8. 
Aa 64. Magazin, neues Lausitzisches. 58. Bd. 1. Hft. Görlitz 82. 8. 

Aa 68. Mittheilungen a. d. naturw. Ver. von Neu-Vorpommern u. Rügen. 13. Jhrg. 

Berlin 82. 8. 

Aa 69. Mittheilungen a. d. Osterlande. I. — XIV.fBd. XV. Bd. 3. 4. Hft. XVI. Bd. 1. Hft. 

XVH. Bd. 1. 2. Hft. XVHI. Bd. 1. 2. Hft. Altenburg 1837/67. 8. 

Aa 71. Mittheilungen d. Ges. f. Salzburger Landeskunde. XXH. Jhrg. Salzburg 82. 8. 

Aa 81. Schriften d. K. Physik. Oekon. Ges. zu Königsberg. IV. Jhrg. 1. Abth. XXI. Jhrg, 
2. Abth. XXH. Jhrg. 1. 2. Abth. Königsberg 68/81. 4. 

Aa 83. Sitzungsberichte u. Abhandlungen d. naturw. Ges. Isis in Dresden. 1882. l.Hft. 
Dresden 82. 8. 

Aa 86. Verhandlungen d. naturf. Ges. in Basel. HI. Theil. 1. — 4. Hft. IV. Th. 3. 4. Hft. 

VH. Th. 1. Hft. Basel 61—63. 78. 82. 8. 

Aa 88. Verhandlungen d. naturw. Ver. in Karlsruhe. H. Hft. Karlsruhe 66. 4. 

Aa 93, Verhandlungen d. naturhist. Ver. d preuss. Rheinlande u. Westfalens. 7. 8. 10, 
11. 38. Jhrg. Bonn 50. 51. 53. 54. 82. 8. 

Aa 94. Verhandlungen u. Mittheilimgen d. Siebenbürg. Ver. f. Naturw. zu Hermann- 
stadt. VIII. X. XII. XIX. XXXIL Jhrg. Hermannstadt 57. 59. 61. 68. 82. 8. 
Aa 101. Annals of the New-York Academy of Sciences. Vol. II. Nr. 1 — 6. Vol. I. 
Index and Contents. New-York 79/81. 8. 



97 


Aa 117. 

Proceedings of the Academy of Nat. Sc. of PMladelpMa. Part. I — III. Phila- 
delphia 81/82. 8. 

Aa 120. 

Report, aiinual of the Board of Regents of the Smithsonian Institution for the 
year 1880. Washington 81. 8. 

Aa 124. 

Transactions of the Connecticut Academy of Arts and Sciences. Vol. IV. 
P. II. Vol. V. Part. II. New-Hawen 82. 8. 

Aa 132. 
Aa 133. 

Annales de la Societe Linneenne de Lyon. Annee 1881. Tome 28. Lyon 82. 8. 
Annales de la Societe d’ Agriculture , Histoire nat. etc. de Lyon. Tome III. 
Ser. V. Paris 81. 8. 

Aa 134. 

Bulletin de la Soc. Imperiale des Naturalistes de Moscou. 1882. Nr. 1. 2. 
Moscou 82. 8. 

Aa 139. 

Memoires de l’Acad. d. Sciences, belles-lettres etc. de Lyon. Tome 25. et 
Table des Matieres cont. d. 1. Mem. publ. 1845 — 1881. Lyon 81/82. 8. 

Aa 145. 

Mittheilungen d. Copernicus-Ver. f. Wissensch. u. Kunst zu Thorn. IV. Hft. 
Thorn 82. 8. 

Aa 149. 

Atti deir Accademia Gioenia d. Sc. naturali in Catania. Ser. III. Tome XVI. 
Catania 82. 8. 

Aa 163. 
Aa 171. 
Aa 173. 
Aa 179. 
Aa 180. 

Bulletin of the Essex Institute. Vol. XIII. Nr. 1 — 12. Salem 81. 8. 

Berichte d. naturw.-mediz. Ver. in Innsbruck. XII. Jhrg. 82. 8. 

Jahresbericht, 9. — 12., d. naturw. Ver. zu Magdeburg. Magdeburg 82. 8. 
Jahresbericht d. Ver. f. Naturkunde in Zwickau. 72. 75. 78. 81. Zwickau 73/82. 8. 
Memoires of the American Acad. of Arts a. Sciences. Vol. XI. Part I. Cam- 

Aa 185. 
Aa 187. 

bridge 82. 4. 

Bulletin of the Buffalo Soc. of Nat. Sc. Vol. IV. Nr. 2. Buffalo 82. 8. 
Mittlieilungen d. deutschen Ges. für Natur- u. Völkerkunde Ostasiens. 27. Hft. 
Yokohama 82. 8. 

Aa 189. 
Aa 196. 

Schriften d. naturw. Ver. für Schleswig-Holstein. Bd. IV. Hft. H. Kiel 82. 8. 
Verhandlungen d. naturhist. Ver. f. Anhalt in Dessau. 1. 3. — 9. 13. 15. — 21. 
24. — 31. Bericht. Dessau 1840 — 1874. 8. 

Aa 198. 
Aa 205. 

Jahrbuch d. ungar. Karpathen-Ver. IX. Jahrg. 2. 3. Hft. Kesmärk 82. 8. 
Berichte über d. Verb. d. naturw. Ges. in Freiburg i. Br. Bd. 8. Hft. 1. Frei- 

Aa 208. 

burg 82. 8. 

Boletin d. 1. Acad. nacional d. Ciencias Rep. Argentina. Tomo IH. Entr. IV. 
Tomo IV. Entr. I. Buenos-Aires 81. 8. 

Aa 209. 
Aa 210. 

Atti d. Soc. Toscana d. Sc. naturali. Proc. Verbali. Vol. III. 3. 5. 7. 82. 8. 
Jahreshefte d. naturw. Ver. f. d. Fürstenth. Lüneburg. VHI. Bd. 79/82. Lüne- 
burg 82. 8. 

Aa 214. 

Bericht d. naturw. Ver. a. d. k. k. techn. Hochschule in Wien. V. Bd. 
Wien 82. 8. 

Aa 216. 
Aa 222. 

Jahrbuch, Zeitschr. d. südung. naturw. Ges. 1. — 6. Jahrg. 3. Hft. Temeswar 77/82. 8. 
The Canadian. Journal. Proceedings of the Canad. -Institute. New Ser. Vol. I. 
Part II. Toronto 81. 8. 

Aa 224 

Abhandlungen d. Ges. f. Naturbeschr. a. d. K. Charkowschen Univ. Tome XV. 
Charkow 82. 8. (In russ. Sprache.) 

Aa 226. 
Aa 230. 

Atti d. R. Academia d. Lincei Ser. HI. Trans-Vol. VI. Fase. 13. 14. Roma 82. 4. 
Anales d. 1. Sociedad Cientifica Argentina. Entr. V. VI. Tomo XHI. Entr. I — HI. 
Tomo XIV. Buenos-Aires 82. 8. 

Aa 232. 

Jalmesbericht, VH. u. VHI., d. Gewerbeschule zu Bistritz in Siebenbürgen. 
Bistritz 82. 8. 

Aa 234. 
Aa 239. 

Jahresbericht d. naturw. Ver. zu Elberfeld u. Barmen. 1851/58/63. Elberfeld. 8. 
Proceedings of the Royal Society. Vol. 33. Nr. 218, 219. W. 34. Nr. 220. 221. 
London 82. 8. 


Oes, Isis in Dresden, 1882, — Sitzungsber. 2. 


7 


98 


Aa 240. Science Observer. Vol. IV. Nr. 1 — 4. Boston 82. 8. 

Aa 246. Missouri-Historical-Society. Publ. Nr. 5. 6. St. Louis 81. 8. 

Aa 247. Bulletin de la So c. des Sciences naturelles de Neucbatel. Tome XII. Neucbatel82. 8. 
Aa 248. Bulletin de la Soc. Vaudoise d. Sc. natur. 2. Ser. Vol. XVIII. Nr. 87. Lau- 
sanne 82. 8. 

Aa 251. Den Norske Nordbavs-Expedition 1876/78. IV — VII. Cliristiania 82. 4. 

Aa 255. Verhandlungen d. Schweiz, naturf. Ges. in Frauenfeld. 54. Jahresvers. 71. Ber. 
Frauenfeld 72. 8. 

Aa 255. Verhandlungen d. Schweiz, naturf. Ges. in Schaifhausen. 56. Jahresvers. 
72/73. Ber. Schaifhausen 74. 8. 

Aa 255. Verhandlungen d. Schweiz, naturf. Ges. in Chur. 55. Jahresvers. 73/74. Ber. 
Chur 75. 8. 

Aa 255. Verhandlungen d. Schweiz, naturf. Ges. in Freiburg. 57. Jahresvers. 72. Ber. 
Freiburg 73. 8. 

Aa 255. Actes d. 1. Soc. Helvetique d. sc. natur. ä Bex. 60. Jahresvers. 76/77. Ber. 
Lausanne 78. 8. 

Aa 257. Archives Neerlandaises d. sc. exactes et naturelles. Tome XVII. Livr. I. II. 
Harlem 82. 8. 

Aa 261. Mittheilungen d. thurgauischen naturf. Ver. 1. — 3. Hft. Frauenfeld 57/71. 8. 

Aa 265. Informe oficial d. 1. Comision cientifica etc. d. 1. Expedicion al Kio Negro 
(Patagonia). Entr. I. Zoologia. Buenos-Aires 81. 4. 

Aa 266. Sitzungsberichte d. Ges. zur Beförd. d. ges. Naturwissenschaften zu Marburg. 
Jahrg. 70/81. Marburg 70/82. 8. 

Ab 79. Rath, G. v., Prof. Naturwissenschaft!. Studien. Erinnerungen a. d. Pariser 
Weltausstellung 1878. (Sections etrangeres.) Bonn 79. 8. 

Ba 14. Bulletin of the Museum of Comp. Zoology at Harv. Coli. Vol. X. Nr. 1. Cam- 
bridge 82. 8. 

Ba 16. Organo d. 1. Soc. Zoologica Argentina. T. III. Entr. 4. Cordoba 81. 8. 

Ba 24, Bulletin d. 1. Soc. zoologique de France p. 1882. 2. — 4. P. Paris 82. 8. 

Bd 1. Mittheilungen d. anthrop. Ges. in Wien. Bd. XI. 3. 4. Hft. Bd. XII. 1.— 4. Hft. 
Wien 82. 8. 

Bf 35. Liebe, Dr. Th. Die Telegraphenleitungen und die Vögel. Gera 82. 8. 

Bf 44. Liebe, Dr. Th. Ornithologische Skizzen. A. d. Zeitschr. d. Ver. zum Schutze 

der Vogelwelt. Nr. 10. 82. 8. 

Bf 57. Zeitschrift d. Verb. d. ornithol. Ver. in Pommern u. Mecklenburg. Nr. 6 — 9. 
Stettin 82. 8. 

Bi 1. Annales d. 1. Soc. Malacologique d. Belgique. Tome XHI. Bruxelles 78. 8. 

Bi 4. Proces-Verbaux d. Seances d. 1. Soc. roy. Malacologique. Tome XI. Bruxelles 82. 8. 

Bk 9. Berliner entomolog. Zeitschrift. I. Jhrg. u. 26. Jhrg. Berlin 57. 82. 8. 

Bk 12. Entomologisk Tidskrift. Bd. 3. Hft. 1 — 3. Stockholm 82. 8. 

Bk 193. Bullettino d. Soc. entomologica italiana. Anno 14. Trim. 2. A. 15. Trim. 1. 3. 4. 

Firenze 82. 8. 

Bk 198. Temple, R. Der Erdfloh u. seine Vertilgung. Pest 80. 8. 4 S. 

Bl 37. Grabini, A., Dr. Apparecchia della digestione nel Palaemonetes varians. 
Verona 82. 8. 

Ca 14. Bericht, VIII., d. bot. Ver. in Landshut. 1880/81. Landshut 82. 8. 

Ca 17. Irmischia. Bot. Zeitschrift. I. Jhrg. 1 — 12. II. Jhrg. 5. 7. 12. Sondershausen 82. 8. 

Ca 17b. Abhandlungen d. thür. bot. Ver. Irmischia zu Sondershausen. I. II. Hft. Son- 
dershausen 82. 8. 

Ca 18. Revue de Botanique. Bullet, mensuel d. 1. Soc. frang. de Botanique. Tome I. 
Nr. 1 — 6; Auch 82. 8. 

Cd 62. Temple, R. lieber die Linde im Allgem. u. als honigende Pflanze. Pest 82. 8. 


99 


Cd 73. Müller, F. V. A Lecture on the Flora of Aiistralia. Ballaarat 82. 8. 

Cd 81. Kobinson, J. Tbe Flora of Essex-County, Massachusetts. Salem 80. 8. 

Cg 27. Trautvetter, v. K. etc. Decas Plantarum Novarum. Petropoli 82. 8. 

Da 1. Abhandlungen d. K. K. geolog. Keichsanstalt. Bd. VII. Hft. 6. Wien 82. 4. 

Bd. X. Mojsvar, Dr. E. M. Die Cephalopoden d. mediterr. Triasprovinz. 
Wien 82. 4. 

Da 3. Bolletino d. R. Comitato Geologien dTtalia. XT — XIII. Bd. No. 1 — 8. Roma 82. 8. 
Da 4. Jahrbuch d. K.K. geol. Reichsanstalt. Bd. 31. Nr. 1—3. Bd. 32. Nr. 1 — 3. Wien 82. 8. 
Da 15. Transactions of the Geol. Society of Glasgow. Vol. VI. P. II. Glasgow 82. 8. 
Da 16. Verhandlungen d. K. K. geol. Reichsanstalt. Jhrg. 82. Nr. 1 — 11. Wien 82. 4. 
Da 17. Zeitschrift d. deutschen geol. Ges. XXXIV. Bd. I. II. Hft. Berlin 82. 8. 

Da 21. Victoria, Reports of the Mining Surveyors and Registrars. Nr. 27. 28. Mel- 
bourne 82. 4. 

Da 21. Victoria, Mineral Statistics for the year 1881. Nr. 29. Melbourne 82. 4. 

Da 21. Victoria, Report of the Chief-Inspector of Mines. 1881. Nr. 17. Melbourne 82. 4. 
Da 22. Annales d. 1. Societe geologique d. Belgique. VIII, Bd. Liege 80 82. 8. 

Db 25h. Sandberger, F. Bimstein-Gesteine d. Westerwaldes. Berlin 82. 8. 

Db 47. Stelzner, A. lieber Melilith u. Melilithbasalte. Stuttgart 82. 8. 

Db 49. Websky, lieber eine Methode, den Normalbogen, um welchen eine Krystall- 
fläche von einer ihr sehr nahe liegenden Zone absteht und ihre krystallo- 
graphische Lage zu bestimmen. Berlin 82. 8. 

Db 71. Geinitz, Dr. E. Die skandinavischen Plagioklasgesteine u. Phonolithe a. d. 

mecklenburgischen Diluvium. Halle 82. 4. 

De 114. Jentzsch, Dr. A. Ein Tiefbohrloch in Königsberg. Berlin 82. 8. 

De 114. „ Die Lagerung d. diluvialen Nordseefauna b. Marienwerder. 

Berlin 82. 8. 

De 114. „ Heber Kugelsandsteine als charakterist. Diluvialgeschiebe. 

Berlin 82. 8. 

De 120c. Bulletin of the United States Geol. and Geogr. Survey of the Territories. Vol. VI. 
Nr. 3. Washington 82. 8. 

De 146. Karten u. Erläuterungen zur geol. Specialkarte d. K. Sachsen. 1. Profil des 
Steinkohlenreviers v. Lugau-Oelsnitz. (Tafel I. H.) 2. Section Leipzig. Blatt 11. 
3. Section Brandis. Bl. 12. 4. Section Meerane. Bl. 93. 5. Section Schellen- 
berg-Flöha. Bl. 97. 6. Section Stollberg-Lugau. Bl. 113. Leipzig 81/82. 8. 
De 159. Frantzen, W. üebersicht d. geol. Verhältnisse b. Meiningen. Berlin 82. 8. 
Dd 108. Credner, H. Die Stegocephalen a. d. Rothliegenden des Plauenschen Grundes. 
HI. Theil. Berlin 82. 8. 

Eb 35. Jahresbericht d. physik. Ver. zu Frankfurt a. M. 1851 — 1882. Frankf. a. M. 8. 
Ec 2. Bullettino meteorologico etc. Ser. 11. Vol. II. Nr. 1. 2. 4 — 6. Moncalieri 82. 4. 
Ec 3. Journal of the Scottish Meteorological Society. Edinburgh. Nr. 64 — 69. 82. 8. 
Ec 7. Annalen d. physik. Central-Observatoriums. Jhrg. 1881. St. Petersburg -82, 4. 
Ec 40. Zusammenstellung d. Monats- u. Jahresmittel a. d. zu Meissen angestellten 
meteorol. Beobachtungen f. 1872. 73. 75. 80. 81. Meissen 72/82. 

Ec 54. Gringmuth, H. Wie erklären sich Erdmagnetismus u. Erdbeben? Dre'sden 82. 8. 
Ed 59. Hantzsch, Dr. A. Heber die Synthese pyridinartiger Verbindungen aus Acet- 
essigäther u. Aldehydammoniak. Leipzig 82. 8. 

Ee 3. Journal of the Microscopical Society. IV. Ser. Vol. I. Nr. 6. London 82. 8. 

Fa 6. Jahreshefte d. Ver. f. Erdkunde zu Dresden. HI. — V. XI. XH. Jhrg. Dresden 
66. 68. 75. 8. 

Fa 7. Mittheilungen d. K. K. geograph. Ges. in Wien. 24. Bd. Wien 81. 8. 

Fa 9. Bericht, 40., über d. Museum Francisco-Carol. etc. Linz 82. 8. 

Fa 18. Jahresbericht d. geogr. Ges. zu Hannover. I. u.IH. Ber. 1879. 1881. Hannov, 80. 82. 8, 


100 


Fb 115. Lehmann, Dr. R. lieber systematische Förderung wissenschaftl. Landes- 
kunde von Deutschland. Berlin 82. 8. 

G 4. Mittheilungen d. K. sächs. Ver. f. Erforschung u. Erhaltung vaterl. Alterthümer. 
13. bis 17. Hft. Dresden 1863 — 67. 8. 

G 5. Mittheilungen v. Freiberger Alterthumsverein. 18. Hft. Freiberg 81. 8. 

G 54. Bullettino di Paletnologia Italiana. An, 82. Nr. 1—9. Roma 82. 8. 

G 55. Verhandlungen d. Berliner Ges. f. Anthropol. , Ethnol. u. ürgesch. Jhrg. 82. 

1-3. Berlin 82. 8. 

G 58. Verhandlungen d. Ver. f. Kunst u. Alterthum in Ulm u. Oberschwaben. N. F. 
I.— III. Hft. Ulm 1869/71. 4. 

Ha 1. Archiv für Pharmacie. Jhrg. 1882. Hft. 5. 8 — 11. Halle 82. 8. 

Ha 9. Mittheilungen d. Ökonom. Ges. im K. Sachsen. 1881/82. Dresden 82. 8. 

Ha 14. Memorie d. Acad. d’Agricoltura etc. di Verona. Vol. 58. Fase. 1. 2. e Carta 
geologica d. Prov. di Verona. Verona 82. 8. 

Ha 20. Die landwirthschaftlichen Versuchsstationen. Bd. 28. Nr. 1 — 4. Berlin 82. 8. 

Ha 26. Bericht über d. Veterinärwesen i. K. Sachsen. 1881. Dresden 82. 8. 

Ha 27. Gehe & Comp. Handelsbericht. Sept. 1882. Dresden 82. 8. 

Hb 96. Pusch, Th. Das Trinkwasser in seiner physiol. u. hygieinischen Bedeutung 
mit bes. Berücksichtigung d. Trinkwassers in Dessau. Dessau 74. 8. 

Hb 97. Raspe, Dr. F. Heilquellen-Analysen f. normale Verhältnisse u. zur Mineral- 
wasserfabrikation, berechnet auf zehntausend Theile. I. Lief. Dresden 83. 8. 
Hb 98. Gerger, E. Die Reblausfrage gegenüber d. prakt. Weinzüchter. Temesvar80. 8. 
Je 51. Jahresber., 8., d. Lese- u. Redehalle a. d.K.K.techn. Hochschule i.jWien. Wien 82. 8. 
Je 63. Polytechnikum, K. S., Programm f. d. Wintersemester 1882/83. Dresden 82. 8. 
Je 82. Congressional Directory. II. Edit. Washington 82. 8. 


Für die Bibliothek der Gesellschaft Isis wurden im Jahre 1882 
folgende Bücher und Zeitschriften angekauft : 

Aa 9. Abhandlimgen , herausgeg. v. d. Senckenberg. naturf. Ges. XH. Bd. Hft. 3. 4. 
Frankf. a. M. 81. 4. 

Aa 98. Zeitschrift f. d. gesammten Naturwissenschaften. Bd. 54. Nr. 5. 6. Bd. 55. 
Nr. 1—3. Berlin 82. 8. 

Aa 102. The Annals and Magazine of Nat. Hist. Vol. IX. Nr. 49 — 60. liondon 82. 8. 
Aa 107. Nature. Vol. 25. Nr. 634—652. Vol. 26. Nr. 653—684. 

Ba 10. Zeitschrift f. wissensch. Zoologie. Bd. 36. Nr. 3. 4. Bd. 37. Nr. 1 — 3. Leipzig 82. 8. 
Ba 21. Zoologischer Anzeiger. 5. Jhrg. Nr. 101 — 127. Leipzig 82. 8. 

Ba 23. Jahresbericht, zool., für 1880. Herausgeg. v. d. zool. Station in Neapel. I — IV. 
Abth. Leipzig 81. 8. 

Bb 54. Bronn, Dr. Die Klassen u. Ordnungen d. Thierreichs. V. Bd. II. Abth. Lief. 

4 — 8. VI. Bd. III Abth. Lief. 25 — 34. Leipzig u. Heidelberg 82. 8. 

Bg 23. Franke, Ad. Die Reptilien u. Amphibien Deutschlands. Leipzig 81. 8, 

Ca 2. Hedwigia. Notizenblatt f. kryjDtog. Studien. Bd. 21. Nr. 1 — 12. Dresden 82. 8. 
Ca 3. Jahrbücher f. wissenschaftl. Botanik. Bd. 13. Nr. 1 — 4. Berlin 82. 8. 

Ca 8. Zeitschrift, österreich.-botanische. Jhrg. 32. Nr. 1 — 12. Wien 82. 8. 

Ca 9. Zeitung, botanische. 40. Jhrg. Nr. 1 — 50. Leipzig 82. 8. 

Cd 80. Fiek u. v. Uechtritz. Flora v. Schlesien. Breslau 81. 8. 

Ee 2. Quarterly Journal ofMicroscop. Sc. Bd. 31. Nr. 85 — 87. Bd. 32. Nr. 88. London 82. 8. 
Fa 5. Jahrbuch d. Schweizer Alpenclub. XVH. Jhrg. nebst Beilagen. Bern 82. 8. 

G 1. Anzeiger f. schweizerische Alterthumskunde. 82. Nr. 1 — 3. Zürich 82. 8. 


Osmar Thüme, 

z. Z. I. Bibliothekar der Gesellschaft Isis. 


Abhandlungen 

der 

naturwissensehaftliehen Gesellschaft 


1 



in Dresden. 


1882. 









f 


i 


V 



3 


I. Die Diamanten des Königl. Mineralogischen Museums 

zu Dresden. 

KrystallogTaphiscli untersucht von A. Purgold. 


Das Königl. Mineralogische Museum zu Dresden bewahrt unter den 
Katalognummern 1 — 36 zusammen 58 Exemplare von Diamanten ver- 
schiedener Herkunft, deren krystallographische Untersuchung Herr Geh. 
Hofrath Dr. Geinitz mir gütigst gestattete, für welche Erlaubniss, wie für 
jede andere Unterstützung meiner mineralogischen Arbeiten ihm auch hier 
meinen verbindlichsten Dank auszusprechen mir zuvörderst eine angenehme 
Pflicht ist. 

Katalog Nr. 1 — 31 begreift 31 Stück Diamanten aus Ostindien 
ohne nähere Bezeichnung der Fundorte. Die einzelnen Exemplare sind 
mit fortlaufenden Nummern versehen, nach deren, wie es scheint ganz zu- 
fälliger Reihenfolge sie hier aufgezeichnet werden mögen. 

1) Kleines wasserhelles Oktaeder, die Kanten flach zugerundet, die 
eine von ihnen nach den Ecken hin ein wenig, aber sehr undeutlich, ab- 
gestumpft, was auf die Combination eines Ikositetraeders mOm hinweisen 
würde. 

2) Oktaeder mit einem Stich ins Gelbliche, die Kanten der Länge 
nach eingekerbt und die Flächen durch Auflagerung paralleler Schichten 
von abnehmender Grösse und mit zugerundeten Kanten rundlich erhöht. 
Diese Erhöhung erfolgte aber nicht auf allen Flächen des Oktaeders in 
gleichem Maasse, sondern es macht sich dabei eine tetraedrische Verthei- 
lung der angenähert gleich erhöhten Flächen bemerkbar. Die Oktaeder- 
flächen sind durch kleine, vertiefte, gleichseitige Dreieckchen parquettirt, 
welche verkehrt gegen die Oktaederflächen liegen, d. h. ihre Winkel und 
Kanten den Kanten und Winkeln des Oktaeders zuwenden. — Im Innern 
des Oktaeders ist ein kleiner Riss zu sehen, welcher unter dem Mikroskop 
als eine langgestreckte, nach beiden Enden hin fast spindelförmige Höh- 
lung, als ein negativer Krystall sich erweist, dessen Mitteltheil durch 
windschief gedrehte Flächen gebildet ist, die beiderseits an den verjüngten 
Enden polyedrisch durch Ebenen geschlossen sind. Die Längsaxe dieses 
Hohlraumes scheint angenähert der Lage einer der rhomboedrischen 
Zwischenaxen des Oktaeders zu entsprechen. 

3) Rauhflächiges, zugerundetes Hexakisoktaeder mOn, mit unter- 
geordneten Oktaederflächen: Zwillingsverwachsung eines kleinen, 
mit einem grösseren Individuum parallel einer Oktaederfläche und gegen 
einander verdreht. Der ohnehin sehr stumpfe einspringende Winkel an 
der Zwillingsgrenze ist in Folge der Zurundung und schalenförmigen 

Qes. Zs/s hl Dresden, 1882. — Abli. 1. 


4 


üeberlagerung der Flächen nur stellenweise sichtbar. Uebrigens zu ver- 
gleichen R — S. Fig. 15.*) 

4) Rauchgraues flaches Triakisoktaeder mO, mit treppenförmig 
aufgebauten und erhöhten Flächen, daher auch einem Rhomben- 
dodekaeder ooO nahe kommend, dessen Flächen der längeren Diagonale 
parallel stark gestreift und ein wenig geknickt sind, mit untergeordneten 
kleinen Oktaederflächen. In vier Oktanten finden sich auf den Flächen 
unregelmässige lineare Vertiefungen, entweder krummlinig verlaufend und 
dann seicht und rundlich oder geradlinig und dann tiefer und nach innen 
in einer Schärfe endigend. 

5) Farbloser Zwillingskrystall, entstanden durch die Verwachsung 
von zwei stark gekrümmten Hexakisoktaedern mOn mit untergeordneten 
Oktaederflächen. VergL R— S. Fig. 15. — Ein mit der Loupe bemerk- 
barer schwarzer Einschluss zeigt auch unter dem Mikroskop sich nur als 
ein ganz unregelmässig begrenzter, an den Rändern ausgefetzter oder all- 
mälig verlaufender dunkler Flecken. 

6) Etwas trübes, sehr regelmässig und symmetrisch ausgebildetes 
Hexakisoktaeder mOn, mit untergeordneten Oktaederflächen, welche 
durch parallel aufgelagerte Lamellen erhöht und fortgewachsen sind. Da 
durch die Streifung auf den Flächen auch die Lage der Flächen des 
Rhombendodekaeders angezeigt erscheint, so muss das Hexakisoktaeder 

mOn ein dem Dodekaeder parallelkantiges, d. h. ein mO ^ ■ sein. 

m — 1 

Nahe der einen Ecke befindet sich im Innern des Krystalles ein schwarzer 
Punkt, der unter dem Mikroskop sich als körperlose in einer Fläche auf 
einem inneren Sprunge oder Blätterdurchgang ausgebreitete dunkelbraune 
Färbung erweist. 

7) Klarer, regelmässig und rundum symmetrisch ausgebildeter Kry- 
stall, combinirt aus Hexaeder ocOoo, Oktaeder 0 und Rhomben- 
dodekaeder cjcO. — Die Hexaederflächen des Diamanten werden als in 
der Regel nach der Mitte hin eingesunken und vorzugsweise an den Winkeln 
ausgebildet beschrieben. Solches ist hier nicht der Fall, sondern sie sind 
eben und matt, nur durch einzelne Stiche unregelmässig punktirt; die 
Oktaederflächen glatt und glänzend und durch aufgelagerte Schalen er- 
höht, in Folge letzterer die Flächen des Rhombendodekaeders parallel 
den Combinationskanten mit dem Oktaeder stark gestreift und etwas zu- 
gerundet. 

8) Ziemlich grosser, etwas trüber, wohlausgebildeter Krystall von 
der Hauptform des Rhombendodekaeders ocO, mit starker Strei- 
fung parallel den längeren Diagonalen seiner Flächen, welche entstand 
durch den treppenförmigen Aufbau von parallelen dreieckigen Lamellen 
auf die Oktaederflächen. Hierdurch erscheinen die Flächen des Dode- 
kaeders sehr uneben und stumpf uach ihren beiden Diagonalen geknickt, 

also sich der Form eines sehr flachen Hexakisoktaeders mO - 

m — l 

annähernd. An einigen der dreikantigen Ecken sind auch noch die Ok- 
taederflächen als kleine glänzende Dreieckchen sichtbar. 


*) Hier und auch fernerhin bedeutet E — S die aus Gr. Rose’s Nachlass von Sade- 
beck veröffentlichte Arbeit ,,über die Krystallisation des Diamanten, aus den Abhand- 
lungen der K. Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1876.“ 


5 


9) Zwillingskrystall aus zwei Hexakisoktaedern mOn mit ge- 
krümmten Flächen und Kanten, deren jedes nach einer rhomboedrischen 
Zwischenaxe stark verkürzt ist, so dass die Zwillingsverwachsung erscheint 
als rhombische Tafel mit facettirten Seitenflächen. Auf der einen grossen 
Rhombenfläche liegt der stumpf einspringende Winkel längs der kürzeren 
Diagonale, auf der anderen hingegen befindet sich eine flache rhombische 
Zuschärfung, deren Combinationsecken durch zwei kleine Oktaederflächen 
abgestumpft werden, welche nicht genau zusammenfallen, sondern eben- 
falls einen stumpf einspringenden Winkel zwischen sich lassen. 

10) Rauchgrauer, stark in die Länge gezogener Krystall, gebildet aus 
einem nach einer Oktaederaxe verlängerten Hexakisoktaeder mit sehr 
bauchigen Flächen und Kanten. Vergl. R— S. Fig. 11. 

11) Hexakisoktaeder mOn in Zwillingsverwachsung ganz wie 
Nr. 5, nur kleiner und etwas klarer. 

12) Rhombendodekaeder ocO mit flach zugeschärften Kanten, 

also einem mO — — , im Ganzen Nr. 8 entsprechend. 

13) Zwillingskrystall aus vorherrschenden Flächen des Oktaeders, 
das mit einem Hexakisoktaeder mOn combinirt und stark zugerundet 
ist. Aehnlich R— S. Fig. 14. 

14) Rundum symmetrisch ausgebildetes Hexakistetraeder , 

mit sehr gekrümmten Flächen und Kanten. Von schaliger Bildung ist 
daran durchaus gar nichts zu bemerken und kann also in einer solchen 
hier auch nicht die Ursache der hemiedrischen Ausbildung gesucht werden. 

15) Sehr flache ditrigonale Doppelpyramide, hervorgegangen 

aus einem Hexakisoktaeder mOn, mit sehr gekrümmten Flächen, das nach 
einer rhomboedrischen Zwischenaxe sich so sehr verkürzte, dass nur 
die ihr anliegenden beiden Oktanten erhalten blieben und alle Flächen 
der übrigen sechs Oktanten unterdrückt wurden. R— S. Fig. 16. * 

16) Hexakisoktaeder mO ^— mit tief längsgekerbten Oktaeder- 
kanten; schöner symmetrischer Krystall mit grünlichem Reflex der Ober- 
fläche. — Der einen Ecke nahe befinden sich im Innern zwei dunkle 
Einschlüsse, welche unter dem Mikroskop sich in zwei braune Wolken 
auflösen, in deren einer fünf dunkelbraune Punkte mit verschwimmender 
Begrenzung stehen. Ausserdem befinden sich tiefer im Innern des Kry- 
stalls noch eine grössere Anzahl hellgrüner Pünktchen, von denen die 
einander benachbarten durch grünliche Wolken zu einzelnen Gruppen ver- 
einigt werden. 

17) Gruppe einer grossen Zahl von Oktaedern, welche in Folge 
der einspringenden Winkel einem Durchkreuzungs - Zwilling oder -Drilling 
ähnlich sieht, bei näherer Untersuchung aber sich herausstellt als ein 
einziges Oktaeder durch parall eie Auflagerun g von Lamellen 
auf sechs seiner Flächen nach drei rhomboedrischen 
Zwischenaxen verlängert, nach der einen etwa auts Vierfache, nach 
den beiden anderen etwa aufs Doppelte seiner Seitenlänge von ungefähr 
1,25 mm. Dabei findet nun die eigenthüm liehe Ausbildun gs weise 
statt, dass die den drei Kanten der ursprünglichen Oktaederfläche als 
rhomboedrischer Basis anliegenden Flächen eine rechteckige Figur be- 
sitzen, also unter einander nicht zum Durchschnitt und mithin auch die 
Rhomboederkanten nicht zur Darstellung gelangen. Anstatt der 


6 


Rliomboederkanten finden sich flach dreiseitig pyramidale Vertiefungen, 
deren Seitenflächen durch die Schichtenköpfe der Schalen treppenförmig 
abgestuft sind, durch deren Auflagerung auf die Flächen das Oktaeder 
fortwuchs. Auch die einspringenden Winkel an den Durchwachsungen der 
drei rhomboedrischen Verlängerungen sind durch übereinander gelagerte 
Oktaederflächen theilweise ausgefüllt. Indem an dieser Krystallgruppe 
also drei von den vier rhomboedrischen Axen verlängert erscheinen, die 
vierte aber hierbei sich gänzlich unthätig verhält, bildet diese Gruppe das 
gerade Widerspiel zu der unter Nr. 15 aufgeführten Abnormität, an wel- 
cher im Gegentheil nur eine einzige rhomboedrische Axe zum Ausdruck 
gelangt und die drei anderen ganz verschwinden. 

18) Stark zugerundeter, äusserlich sehr abgerollter Krystall, 
wie es scheint ein Hexakisoktaeder , vielleicht eine Zwillingsverwachsung 
aus solchen, entsprechend Nr. 3, 5 und 11. 

19) Röthlich graues Oktaeder, nach einer Krystallaxe in die Länge 
gezogen, die Flächen durch parallel aufgelagerte Lamellen erhöht. 

20) Krystallbruch stück, einerseits durch einen Oktanten eines 
sehr gewölbten Hexakisoktaeders und ausserdem durch drei Spaltungs- 
flächen begrenzt. Nahe der einen Krystallecke im Innern ein wolkig ver- 
laufender blutrother Fleck und dann noch zwei dunkle Stellen, welche 
unter dem Mikroskop ganz wie bei Nr. 6 als auf Sprüngen und Spalt- 
flächen ausgebreiteter brauner Farbstofl’ sich erweisen. 

21, 22, 23, 24) Vier geschliffene und polirte Stücke, die drei 
ersten als Tafelsteine, das vierte als Brillant, dessen Rundiste durch Spal- 
tungsflächen mehrfach quer eingekerbt ist. — Das Exemplar Nr. 22 ist 
bereits in Petzhol dt’s Beiträgen zur Naturgeschichte des Diamanten, Leipzig 
und Dresden, 1842, bekannt gemacht und hiernach auch vonGöppert in 
seiner Preisschrift über Einschlüsse in Diamanten, Haarlem, 1864, wieder 
veiiiffentlicht und in Fig. 3 abgebildet. Petzhol dt beschreibt jenen Ein- 
schluss als einen im Diamanten enthaltenen Quarzsplitter mit stark in 
Auflösung begrifienem pflanzlichem Zellgewebe. Die ganze Masse des 
Splitters zeige braune Färbung und besitze 0,020 Pariser Zoll (= 0,54 mm) 
Längendurchmesser. Die Beobachtungen als solche können hier nur durch- 
aus bestätigt werden, ohne indessen ihre Deutung weiterer Beurtheilung 
zu unterziehen. 

25) Rauchbraunes, stark nach einer Krystallaxe verlängertes Hexa- 
kisoktaeder mit vollständig zugerundeten Flächen, vielleicht ein Zwil- 
ling, der aber durch Verzerrung und Verdrückung entstellt und undeut- 
lich wurde. 

26) Roll stück, durch tief einspringende Winkel als Zwilling be- 
zeichnet, sonst aber unkenntlich. 

27) Oktaeder mit längsgekerbten Kanten und unebenen, durch viel- 
fach übereinander gelagerten Lamellen stark erhöhten Flächen. 

28) Blassgrüner Zwillingskrystall, durch Schalenbildung sehr ent- 
stellt und uneben, der einspringende Winkel der Verwachsung aber gut 
sichtbar. 

29) Schön meergrünes Hexakisoktaeder mit gewölbten Flächen, 
nach einer Krystallaxe stark verlängert. Vergl. R — S. Fig. 11. 

30) Grünes Hexakisoktaeder mO dessen Flächen nur mässig 
gewölbt sind, aber theilweise matt und löcherig. Im Ganzen macht der 


7 


Körper den Eindruck eines Rhombendodekaeders, mit nach beiden Diago- 
nalen stumpf geknickten Flächen. 

31) Gelblichgrüner Zwillingskrystall aus Hexakisoktaeder mit 
untergeordnetem Oktaeder, die Flächen hoch gewölbt, Vergl. R — S. Fig. 16. 

Katalog Nr. 32 und 33, fünf Krystalle aus dem Vaalthal, 
Südafrika. 

j) Blassröthlichgraues Oktaeder von 6,5 mm Kantenlänge, rundum 
regelmässig und symmetrisch ausgebildet, die Kanten ein wenig zugerundet, 
mit Andeutung von Längskerbung. Fast vollkommen durchsichtig, mit 
einigen inneren Sprüngen parallel den Oktaederflächen. 

2) Farbloses Rhombendodekaeder cx:;0 mit starker Streifung pa- 
rallel den längeren Diagonalen und kleinen glatten Oktaederflächen. 

3) Farbloses Hexakisoktaeder mOn und Oktaeder mit stark 
gekrümmten Flächen, welche aber nicht gestreift, sondern durch unregel- 
mässige, krummlinige, flache Eindrücke parquettirt sind. 

4) Ein dem vorhergehenden ganz ähnlicher Kr y st all von blass- 
grüner Farbe. 

5) Farbloses Hexakisoktaeder mit gewölbten Flächen, nach einer 
Krystallaxe stark verlängert, ganz wie Kat. Nr. 29, R — S. Fig. 11. 

Katalog Nr. 34, grosses, farbloses Triakisoktaeder mO mit 
Oktaeder, eingewachsen in ein dunkelgrünlichgraues, tuffartiges Gestein, 
wahrscheinlich einem zersetzten Diorit, aus Transvaal. 

Katalog Nr. 35, neunzehn Exemplare roher Diamanten aus 
dem Griqualand, Geschenk des Herrn Leopold Bürkner aus 
Dresden, welcher sie selber an Ort und Stelle sammelte und dessen hier 
um so lieber Erwähnung geschieht, als von ihm die erste Anregung zur 
gegenwärtigen Arbeit herrührt. 

1) Farbloses Oktaeder, die Flächen durch schaligen Aufbau erhöht, 
die Kanten seicht längsgekerbt. 

2) Ebenfalls ein Oktaeder mit Schalenbildung. 

3) Bläulich weisses , trübes Oktaeder, parallel einem Kantenpaare 
ein wenig in die Länge gezogen, die Begrenzung der Schalen auf den 
Oktaederflächen krummlinig. 

4) Blassbräunliches, etwas verdrücktes Hexakisoktaeder mO--5^^ 

mit starken Streifungen parallel den Oktaederkanten, da es sichtlich durch 
aufgelagerte Schalen aus dem Oktaeder entstanden ist. 

5) Zwei farblose Oktaeder in paralleler Verwachsung, deren Flächen 
ebenfalls durch Schalenbildung erhöht und dadurch bis an die Form eines 

Hexakisoktaeder s mO — getrieben sind, 
m — 1 

6) Unregelmässig gestalteter Kr y st all, dem ein durch ungleiche 
Schalenbildung stark entstelltes Oktaeder zu Grunde liegt. 

7, 8, 9) Ein farbloses, ein rauchbraunes und ein blassviolettes Kry- 
stallfragment, jedes einerseits durch mehr oder weniger schalige Ok- 
taederflächen, andererseits durch Spaltungsflächen begrenzt. 

10) Prachtvoll goldgelber, vollkommen klarer platter Krystall, 
bestehend aus einem nach zwei parallelen Oktaederflächen breit gedrück- 
tem oder, was dasselbe sagt, nach einer rhomboedrischen Axe verkürztem 
Hexakisoktaeder, die beiden vorherrschenden Basen sehr uneben und ein- 
geknickt, was zum Theil mit durch Zwillingsbildung verursacht sein mag. 


8 


11) Farbloses, ebenfalls nach einer rhomboedrischen Axe stark ver- 
kürztes Hexakisoktaeder, im krystallographischen Charakter ganz dem 
vorhergehenden Exemplare entsprechend. 

12 und 13) Ein weisser und ein blassrother unregelmässig begrenzter 
linsenförmiger Krystall, deren jedem ein nach rhomboedrischer 
Zwischenaxe sehr verkürztes Hexakis- oder Triakisoktaeder mit sehr un- 
ebenen und entstellten Flächen zu Grunde liegt. 

14) Farbloser deutlicher Zwillingskrystall, entstanden aus der 
Verwachsung zweier sehr verkürzter Hexakisoktaeder mit Oktaeder, ent- 
sprechend dem unter Kat. Nr. 9 beschriebenen Zwilling. 

15) Blass violettes Stück, umschlossen von vier in dreikantigen Ecken 
rechtwinkelig zusammenstossenden quadratischen, übrigens durch Par- 
quettirung und Streifung sehr unebenen Flächen und einigen Spaltungs- 
ebenen. Von sämmtlichen Gestalten des isometrischen Krystallsystems 
kann bei normaler holoedrischer oder hemiedrischer Ausbildung nur das 
Hexaeder rechtwinkelige dreikantige Ecken besitzen. Durch die Lage der 
oktaedrischen Spaltungsflächen wird aber, ganz abgesehen von der eigen- 
thümlichen physikalischen Beschaffenheit jener quadratischen Flächen, un- 
zweifelhaft dargethan, dass dieselben hiereinem Hexaeder unmöglich 
angehören können. Es muss für sie also eine andere Ableitung gesucht werden. 

ln der That ergiebt eine eingehende Untersuchung den allgemeinsten 
Fall, dass in jedem Hexakisoktaeder der Form mO(m — 1) je sechs 
Flächen von der relativen Lage 

ma : (m“l)b : c und ihre Gegenfläche — ma : — (m — l)b : — c 

(m— l)a : — b : mc und ihre Gegenfläche — (m— l)a : b : — mc 

a : mb : — (m — l)c und ihre Gegenfläche — a : — mb : (m — l)c 
für a = b = c zu einander rechtwinkelig stehen und bei gehöriger Er- 
weiterung rechtwinkelig dreikantige Ecken bilden müssen, denn 
für die gegenseitigen Neigungswinkel vorgenannter Flächen findet sich 

cos = + P und wird zu o für n = m — 1. — Für den 

— m2 n2 m^ n^ 

Diamanten indessen hat nach aller Erfahrung das Vorkommen eines Hexa- 
kisoktaeders vorgenannter Form mO(m — 1) wenig Wahrscheinlichkeit, denn 
alle bei ihm beobachteten und bestimmbaren Hexakisoktaeder sind dem 

Rhombendodekaeder parallelkantige, ordnen sich also der Form mO ^^- 

unter und für unseren Fall würde m — 1 == ^ - den irrationalen, hier 


m — 1 


also unzulässigen Werth m = Va (3 ± j/s) ergeben. Es ist aber 



augenscheinlich, dass für den Minimalwerth m — 1 = 1, also m = 2 das 
Triakisoktaeder 20 als untere Grenzform des Hexakis Oktaeders 


9 


mO(m — 1) dem oben ausgesprochenen Gesetz ebenfalls entsprechen muss. 
Dieses Triakisoktaeder 20 ist aber eine bereits beim Diamanten wohl- 
bekannte Form und wird auch in den ziemlich häufigen Fällen voraus- 
gesetzt, wo zwar die Flächen eines Triakisoktaeders mO zweifellos kennt- 
lich, aber wegen Krümmung, Streifung oder dergleichen physikalischer 
Verhinderung numerisch nicht bestimmbar sind. Indem also hiermit die 
fraglichen Flächen dem Triakisoktaeder 20 zuversichtlich zugesprochen 
werden, ordnen sie sich demselben in folgender Vertheilung ein: 


2a : b : c und ihre Gegenfläche 
a b : 2c „ „ „ 

a : 2b c „ 


2a 

a 

a : 


~b : — c 
b : — 2c 
— 2b : c 


für a = b 


c und cos = + = 0 für m = 2. 


Bei gehöri- 


“ 1 -|-2m2 

ger Erweiterung schliessen sich dieselben zu einem cubischen Körper 
zusammen, dessen Winkel und Ecken denen des Hexaeders an Grösse 
gleichkommen, dessen Kanten aber durch die Krystallaxen gehen und 
dessen Flächen in der relativen Lage zu den Krystallaxen mit den oben 
aufgeführten und bestimmten Flächen des Triakisoktaeders 20 überein- 
stimmen. Ein Blick auf die Zeichnung lässt ihre höchst merkwürdige 
symmetrische Vertheilung am genannten Triakisoktaeder sogleich erkennen, 
nämlich zu je dreien, wie sie vorstehend unter einander gestellt sind, 
zwei Oktanten anliegend, die der nämlichen rhomboedr ischen 
Zwischenaxe angehören. Aus diesen beiden Oktanten kommt also 
gar keine Fläche zur Erscheinung und aus jedem der übrigen sechs Ok- 
tanten nur diejenige Fläche, welche einem jener zwei Oktanten anliegt. 
Es ist dieses also ein neues Beispiel von dem Gegensatz, in welchem beim 
Diamanten sich eine rhomboedrische Zwischenaxe zu den drei übrigen 
befindet. In der Zeichnung soll auf den drei vorderen der sich erweiternden 
sechs Flächen die Schraffirung parallel den Oktaeder kanten zunächst dazu 
dienen, diese Flächen vor den übrigen kenntlich zu machen, indessen 
finden sich in der That auf den natürlichen Flächen zwischen vielen un- 
regelmässigen Eindrücken auch Rudimente einer Streifung, welche jener 
entspricht. Die Ecken des neugebildeten cubischen Körpers sind nicht 
scharf ausgebildet, sondern durch ähnliche Eindrücke wie auf den Flächen 
undeutlich abgestumpft und roh facettirt, als gleichsam misslungener Ver- 
such, die verschwundenen Krystallflächen hier zur Ausbildung zu bringen. 

16) Fast farbloses, rundum symmetrisch ausgebildetes 
Oktaeder mQ ^~£ , entsprechend 
den Diagonalen geknickten Flächen. 

17) Blassröthlichgraues, nach einer Krystallaxe verlängertes Hexakis- 
oktaeder mit gewölbten Flächen. Letztere sind unterbrochen durch 
flachmuschelige, matte Concavitäten, in deren einigen sich eine kleine 
oktaedrische Schale ansetzt, von denen auch ausserdem auf den gekrümmten 
Flächen sich mehrere vorfinden. 


Hexakis- 
einem Rhombendodekaeder mit nach 


18) Gelblichgraues, fast cy lindrisches Stück, ebenfalls wie das vorher- 
gehende ein sehr verlängertes Hexakisoktaeder, welches hier aber 
durch stumpf einspringende Winkel sich als eine Zwillingsbildung erweist. 

19) Violettes Spaltungsstück, einerseits begrenzt durch einige 
stark gekrümmte Flächen eines Hexakisoktaeder s. 


10 


Katalog Nr. 36, zwei Exemplare aus Brasilien. 

1) Blassgraues Hexaeder mit Tetrakishexaeder ocOn, die Kanten 
ein wenig unterbrochen und abgerundet, die Flächen uneben, aber nicht 
nach der Mitte bin eingesunken. 

2) Grünes Triakisoktaeder mO mit untergeordneten Oktaeder- 
flächen, sämmtliche Flächen leicht gekrümmt. Auf der einen etwas ver- 
breiterten Combinationskante mit dem Oktaeder befindet sich ein flacher 
einspringender Winkel, zum Beweis einer Zwillingsverwachsung. 

Der Rückblick auf die nun aufgezählten 58 Exemplare von Diamanten 
zeigt, dass dieselben selbstständig oder in Combination folgende Krystall- 
gestalten aufweisen: Oktaeder, Hexaeder, Rhombendodekaeder, 
Triakisoktaeder, Tetrakishexaeder, Hexakisoktaeder, d. b. 
mit alleiniger Ausnahme der Ikositetraeder, sämmtliche holoedrische 
Formen des isometrischen Krystallsystems und dann noch von den hemi- 
edrischen das Hexakistetraeder. 

Die Oktaeder besitzen ohne Ausnahme Schalenbildung parallel 
den Flächen, deren geringster Grad, wie z. B. an dem schönen Exem- 
plar 32, 1, sich als leise Zurundung der Kanten und nur augedeutete 
Läugskerhung derselben zeigt, die durch höhere und wiederholte Auf- 
lagerung paralleler Schalen auf die Flächen sich bis zu tieferen und mehr- 
fachen Furchen nach der Länge der Oktaederkanten steigern und dadurch 
endlich die ursprüngliche Oktaederform verzerren und entstellen kann. 
Bisweilen ist auch die Entstellung noch einem gewissen Gesetze unter- 
worfen, wie die Gruppe Nr. 17 beweist, andere Male aber erfolgt sie voll- 
ständig regellos. Die lineare Begrenzung der einzelnen Schalen ist ge- 
wöhnlich zugerundet und wie geflossen, als wie aus der Erhärtung einer 
zäh klebrigen Substanz hervorgegangen. 

Da die Oktaeder den Ecken des Hexaeders entsprechen, so ist augen- 
scheinlich, dass hei schaliger Erhöhung der Oktaeder die etwa auftreten- 
den Hexaederflächen leicht sich nach der Mitte hin vertiefen. Schon ge- 
legentlich der beiden hier vertretenen Hexaeder (Nr. 7 und Nr. 36, 1) aber 
wurde erwähnt, dass bei diesen keine Vertiefung der Flächen wahr- 
zunehmen ist, obwohl bei denen mit dem Oktaeder comhinirten (Nr. 7) 
des letzteren Flächen sichtlich durch Schalenbildung erhöht sind. 

Geschieht der schalige Aufbau auf einander benachbarten Oktaeder- 
flächen gleichmässig in dünnen Lagen von abnehmender Grösse und geo- 
metrischer Aehnlichkeit, so ist offenbar, dass dadurch die Oktaederkanten 
sich zu Flächen erweitern. Ist hierbei das Verhältniss der Dicke jeder 
Schale zu ihrem Abstand vom Rande der nächst unterliegenden wie 1 : 
(Cotangente des halben Oktaederkeiles), so kommen die Kanten der sich 
auflagernden Schalen in die Ebenen eines Rhombendodekaeders zu 
liegen und stellen nun als Streifungen parallel der längeren Diagonale 
dessen Flächen dar, wovon ja eine ganze Reihe von Beispielen vorstehend 
aufgeführt wurde. Wegen der Art ihrer Entstehung aus dem Oktaeder- 
bau, die leicht kenntlich ist an der starken Streifung parallel der längeren 
Diagonale, sehen Rose-Sadebeck dergleichen Flächen auch nicht für voll 
an, sondern bezeichnen sie als Pseudo flächen und bleibt es in solchen 
Fällen gewissermassen arbiträr, ob der Körper als stark schaliges Okta- 
eder, oder als Rhombendodekaeder oder gar als Triakisoktaeder angesehen 
werden soll. Zu diesem letzteren bilden sich dadurch Uebergänge, dass 
die Dicke der aufgelagerten Lamellen das oben aufgestellte Verhältniss 
1 : zur Grössenabnahme nicht erreicht und also die Streifen der Dodeka- 


11 


ederfiäclien nicht genau eine Ebene innehalten, sondern ohne Störung 
ihres Parallelismus beiderseits von der Diagonale etwas abfallen. Die 
Folge davon ist zunächst eine Wölbung der Dodekaederflächen, bei wei- 
terer Steigerung aber die Bildung einer stumpfen Kante über der längeren 
Diagonale, womit denn der üebergang zum Triakisoktaeder her gestellt 
ist. Das theoretische Ideal solcher Wölbung würde sein ein über der 
kurzen Diagonale der Dodekaederfläche liegender Bogen einer Ellipse, 
deren lange Axe gleich der doppelten Hauptaxe 2 c und deren kurze Axe 
gleich der doppelten rhombischen Zwischenaxe des Oktaeders wäre. 

Die numerische Bestimmung auf solche Weise gebildeter Triakis- 
oktaeder ist wohl nur selten möglich, indessen berufen sich Bose-Sade- 
beck auf Miller, welcher 20 nachgewiesen habe und halten dessen all- 
gemeines Vorkommen für wahrscheinlich, wie ja auch die Missbildung 
unter Nr. 35, 15 mittelbar auf das nämliche Ergebniss 2 0 führte. 

Von den Triakisoktaedern zu den Hexakisoktaedern ist nur ein ein- 
ziger Schritt, welcher aber nicht durch den schaligen Aufbau der Oktaeder- 
flächen erfolgen kann, sondern wozu eine Krümmung oder Knickung der 
Dodekaederflächen auch nach der kürzeren Diagonale erforderlich ist, 
wie ja in der That mehrfach an den vorliegenden Exemplaren beobachtet 
werden kann. Die ganz gewöhnliche Wölbung der Flächen des Hexakis- 
oktaeders ist hiernach eine fast selbstverständliche Erscheinung. Ihr ist 
es zuzuschreiben, dass auch bei den Hexakisoktaedern eine genaue nume- 
rische Bestimmung fast nie ausführbar ist. Nur so viel ergiebt sich schon 
aus dem Grade der Flächenkrümmung, dass die beim Diamanten vorkom- 
menden Hexakisoktaeder nicht einer einzigen Art allein angehören, son- 
dern verschiedene Ableitungscoefficienten besitzen und dass alle, bei 
denen die bezüglichen Kennzeichen überhaupt wahrzunehmen waren, dem 
Rhombendodekaeder parallelkantige, d. h. Pyramiden dodekaeder sind 

und sich mithin der allgemeinen Formel mO^ ^ — - unterordnen. Rose-Sade- 

beck führen deren viererlei an (60|, 5 0f, 4 0f, 3 0|), ohne einige 
noch unsichere und dazwischen einzuschaltende Zwischenglieder mitzu- 
zählen. 

Das einzige hier in Combination mit dem Hexaeder repräsentirte 
Tetrakishexaeder (Nr. 36, 1) dürfte nach den Bemerkungen von Rose- 
Sadebeck der Varietät oc03 angehören; Messung wegen Mattigkeit der 
Flächen unmöglich. 

Das Hexakistetraeder ist wegen der Flächenkrümmung ebenfalls 
nicht numerisch bestimmbar, dürfte aber doch von einem der am Dia- 
manten auch holoedrisch vorkommenden Hexakisoktaeder abzuleiten sein. 
Das Hauptinteresse desselben liegt hier in seiner unzweifelhaft hemi- 
edri sehen Natur. In Bezug auf die Holoedrie oder Hemiedrie des Kry- 
stallsystems des Diamanten überhaupt besteht zwischen mineralogischen 
Autoritäten ersten Ranges ein Zwiespalt der Ansichten. Aber da, wo wie 
hier beim Diamanten das gleichzeitige Vorkommen holoedrischer und 
hemiedrischer Formen über jeden Widerspruch erhaben ist, bleibt es 
schliesslich ziemlich unerheblich, ob danach der Charakter des Krystall- 
systems holoedrisch oder hemiedrisch getauft wird. 

Die beim Diamanten im Ganzen nicht seltenen Zwillingsbildungen 
sind hier nur schwach und nicht gar deutlich vertreten und wurde bei 
der Beschreibung der einzelnen Exemplare darauf aufmerksam gemacht. 


12 


Gerade bei ihnen kommt eine Art der Entstellung öfter mit ins Spiel, 
welche schliesslich noch einer kurzen Erwähnung bedarf. 

Ausser den schon besprochenen Uebergängen, Entstellungen und Miss- 
bildungen, welche die Diam an tkry stalle durch die Schalenbildung auf den 
Oktaederflächen erfahren, findet sich bei ihnen ziemlich häufig nämlich 
eine zweite Art von Abnormitäten, welche entstand durch die Störung 
des Gleichgewichts zwischen den im isometrischen Krystallsystem 
angenommenen Axen. Deren kommen hier zweierlei in Betracht, erstens 
die drei allgemeinen Krystallaxen oder Hauptaxen, welche die Eckpunkte 
des Oktaeders mit einander verbinden, und zweitens die vier trigonalen 
oder rhomboedrischen Zwischenaxen, welche vom Krystallmittel auf den 
Oktaederflächen senkrecht stehen. Bei regelmässiger Ausbildung eines 
Krystalles muss selbstverständlich jede Art Axen untereinander gleiche 
Grösse besitzen. Dies ist beim Diamanten aber sehr oft nicht der Fall, 
sondern vorzugsweise bei Hexakisoktaedern dehnt sich gern eine Krystall- 
axe unverhältnissmässig in die Länge, während die anderen beiden ver- 
kümmern. Dadurch entstehen denn spindeL, walzen- oder fassähnliche 
Formen, von deren ersteren namentlich hier mehrere Beispiele vorliegen. 
Oder von den rhomboedrischen Zwischenaxen stellt sich eine in den 
Gegensatz zu den drei übrigen, und zwar auf zweierlei Weise: es tritt 
eine Verkürzung des Krystalles nach einer rhomboedrischen Zwischen- 
axe ein bis zu solchem Grade, dass die Flächen in den beiden dieser Axe 
zugehörigen Oktanten ganz vorwaltend oder ausschliesslich zur Ausbildung 
gelangen und aus den übrigen sechs Oktanten die Flächen verkümmern 
oder gänzlich verschwinden; ein Fall, der wiederum vorzugsweise bei 
Hexakisoktaedern vorkommt und, wenn mit Flächenkrümmung, Schalen- 
bildung und Zwillingsverwachsiing verbunden, ganz missgestaltete linsen- 
förmige Körper erzeugen kann, wofür ja mehrfache Belegstücke von ein- 
fachen und Zwillingskrystallen vorstehend beschrieben wurden. Oder end- 
lich der Gegensatz der einen rhomboedrischen Axe zu den drei übrigen 
tritt in umgekehrter Weise hervor, dass nämlich jene erstere Axe und die 
zugehörigen Oktanten vollständig verschwinden und nur Flächen aus den 
übrigen sechs Oktanten zur Erscheinung gelangen (wie bei Nr. 35, 15) oder 
auch der Krystall nach drei rhomboedrischen Axen sich abnorm ausdehnt 
(wie bei Nr. 17), bei Verkümmerung der vierten. 

Es ist unverkennbar, dass der eigenthümliche Bau der Diamant- 
krystalle öfter und leichter als bei den Krystallen anderer Mineralspecies 
Missbildungen und Entstellungen veranlasst. Indessen giebt doch die An- 
zahl solcher Abnormitäten, die in den Mineraliensammlungen aufbewahrt 
zu werden pflegt, leicht eine unrichtige Vorstellung von dem wirklichen 
in der Natur herrschenden Verhältniss, einmal weil in der That jene Ab- 
normitäten das Interesse der Mineralogen gern fesseln und ja auch wich- 
tige Aufschlüsse über den innern Bau zu geben vermögen ; dann aber auch 
noch aus dem ganz materiellen Grunde, weil die Abnormitäten, und be- 
sonders die Zwillinge, den geringeren, die regelmässigen wohlausgebil- 
deten Kry stalle aber bei weitem den höheren commerciellen Werth für 
die technische Verarbeitung besitzen und daher denn die besten Kry stalle 
eher in die Hände der Edelsteinschleifer und Juwelenhändler, als in die 
der Mineralogen zu gelangen pflegen. 


13 


II. lieber die Flora des „Jesuitengrabeus“ bei Eundratitz 
im Leitmeritzer Mittelgebirge. 

Von H. Engelhardt. 


Von Herrn Kaffelt, prof. cand. in Leitmeritz, entdeckt (vgl. Verh. d. 
K. K. geol. Reichsanst. 1878 Nr. 16. S. 359 f.), von Herrn Dr. Deich- 
müller in Dresden aufs Neue aufgefunden, wurde die Localität im Jahre 
1880 von letztgenanntem Herrn, Herrn Bergverwalter Castelli in Salesl 
und mir einer genauen Untersuchung betreffs des Gehaltes an Petrefacten 
unterworfen. Ein zweiter Besuöh ward der Stätte im Sommer 1881 in 
Gemeinschaft mit den Herren Dr. Deichmüller und Chemiker Fritzsche 
aus Dresden. Zu ihr gelangt man am bequemsten von dem in der Mitte 
von Aussig und Leitmeritz auf dem rechten Elbufer prächtig gelegenen 
Dorfe Sebusein aus auf dem nach Czersing führenden Waldwege. Man 
verfolgt denselben in gerader Linie fort, ohne sich durch die rechts und 
links ahgehenden Wege irreleiten zu lassen, ohne den Bach zu über- 
schreiten, bis man auf der Höhe an ein über ein Bächlein führendes 
Brückchen gelangt. Von diesem begiebt man sich rechts ab in die da- 
selbst befindliche mit Bäumen bewachsene Schlucht und bald liegt die 
Stätte vor. 

Einen zweiten sehr beschwerlichen und darum nur sehr rüstigen Berg- 
steigern anzuempfehlender Weg bietet der von Czersing herabkommende 
Bach, der uns, wenn wir ihn nur kurze Zeit aufwärts verfolgt haben, in 
das basaltische Gebiet des herrlichen Mittelgebirges führt. Grosse Basalt- 
blöcke, bald einzeln, bald gehäuft, umspült das klare Wasser, dessen Ufer 
malerisch von Kräutern, Strauchwerk und Wald umsäumt sind. Immer 
höher steigen seitwärts die Höhen auf, das Springen von Stein zu Stein 
wird immer schwieriger; endlich haben wir die Stelle erreicht, an welcher 
ein Seitenbach, genau von Süden kommend, einfliesst, der die oberfläch- 
lichen Schichten, besonders die Tuffe, im Laufe der Zeit tief durchwaschen 
hat. Wir folgen ihm, haben wir doch in seinem Bette Stücken von Brand- 
schiefer mit Pflanzenresten gefunden. Immer schwieriger wird das Klet- 
tern in einem Grunde, den wohl nur Holzhacker betreten, wenn der Wald 
gefällt werden soll; die Brandschieferstücken werden etwas häufiger und 
mahnen uns an eine Stelle, an welcher dieses Gestein anstehend gefunden 
werden dürfte. Bald ist eine solche erschaut, doch an eine Ausbeutung 
derselben nicht zu denken. Noch ein Stück schwierigen Weges aufwärts 
und wir gelangen an das oben erwähnte Brückchen. Da der Einschnitt 
jenseits desselben, von den Bewohnern von Czersing „der Jesuitengraben“ 
genannt, weiter geht, so verfolgen wir ihn noch eine Strecke weit und die 
Localität, die uns die im Folgenden genannten Pflanzenreste geliefert, liegt 

Qes. Isis in Dresden, 1888, Abh. 2. 


14 


bald links vor uns, nicht weit von einem „das frische Brünnei“ benannten 
Quell, mitten in der Waldeinsamkeit, deren Kühe nur der Schlag des 
Geologenhammers unterbricht. 

Kommt man von Czersing und hat das Dorf hinter sich, so wende 
man sich an der Gabelung zweier Wege links. 

Einfach erscheinen die geologischen Verhältnisse. Unter losem Basalt- 
gerölle finden sich Schichten von Polier schiefer und Brandschiefer , unter 
diesen Basalttuff. 

Besonders sind es die Brandschiefer, welche reich an Pflanzenresten 
sind und auch Thierreste bieten, deren Bearbeitung sich Herr Dr. Deich- 
müller Vorbehalten hat. 

Dass diese Flora von bedeutendem Umfange geworden, danke ich ganz 
besonders auch den Herren Raffelt und Oberst Baron Baselli in Leitme- 
ritz, welche die Güte hatten, mir ihr sehr schönes und reichhaltiges Ma- 
terial zur Bearbeitung freundlichst zu überlassen. 

Die Untersuchung hat ergeben, dass die Schichten des „Jesuiten- 
grabens“ der aquitanischen Stufe zuzuweisen sind. 

In allem Uebrigen muss auf die in Nova Acta der Leopold. - Carol. 
d. Akad. d. Naturf. erscheinende Abhandlung verwiesen werden. 

Von Pflanzenresten wurden bis jetzt aufgefunden: 


Cryptogameii. 

Pilze. 


Smilaceen. 
Smilax reticulata Heer. 


Fhyllerium Kundi Al. Br. sp. 

— Crocoxylontis nov. sp. 

— Callicomae nov. sp. 

Sphaeria milliaria Ett. 

— glomerata nov. sp. 

Salicis nov. sp. 

— Amygdali nov. sp. 
Depaßca picta Heer. 

Phacidium populi ovalis Al. Br. 
Phytisma palaeoacerinum nov. sp. 

Algen. 

Confervites dehilis Heer. 
Cladophora tertiaria nov. sp. 

Characeen, 

Ghara sp. 

Moose. 

Hypnum Heppii Heer. 

S elagineen. 

Lycopodites puherulifolius nov. sp. 

Phaneroganieii. 

Gramineen. 

Poacites laevis Al. Br, 

— caespitosus Heer. 

— rigidus Heer. 


Najadeen. 

Najadopsis dichotoma Heer. 

T yphaceen, 

Sparganium valdense Heer. 

Typha latissima Al. Br, 

Coniferen. 

Taxodmm distichum miocenum Heer. 
Libocedrus salicornioides Ung. sp. 
Callitris Brongniartü Endl. sp. 
Podocarpus eocenica Ung. 

Pinites lanceolata Ung. 

Pinus Saturni Ung. 

My riceen, 

Myrica halieaefolia Ung, sp. 

— hanksiaefolia Ung. sp. 

— acuminata Ung. 

— vindobonensis Ett. sp. 

— carpinifolia Göpp. (?) 

Betulaceen. 

Betula prisca Ett. 

— Brongniartü Ett. 

— Dryadum Brongn. 

Ainus Kefersteinii Göjap. 

Cupulifer en. 

Quer CMS myrtilloides Ung. 


15 


Quercus Godeti Heer. 

— lonchitis üng. 

— Gmelini Ung. 

— Reussi Ett. 

— argute serrata Heer. 

— Charpentieri Heer. 

— mediterranea üng. 

— Artocarpites Ett. 

Corylus grosse-dentata Heer. 
Carpimts grandis Ung. 

. — pyramidalis Gand. 
Ostrya Atlanüdis Ung. 

Fagus castaneaefolia Ung. 
Castanea atavia üng. 

Ulmus Braunii Heer. 

— plurinervia üng. 

— Bronnii Ung. 

— Fischeri Heer. 

— minuta Göpp. 

Blanera Ungeri Kov. sp. 

Moreen. 

Ficus asarifolia Ett. 

— Lereschii Heer. 

— lanceolata Heer. 

— Jynx üng. 

— tiliaefolia Ung. sp. 

— populina Heer. 

— Aglajae Ung. 

Salicineen. 

Salix varians Göpp. 

— longa Al. Br. 

— Lavateri Heer. 

— Haiding eri Ett. (?) 

Populus mutabilis Heer. 

— latior Heer. 

N yctagineen. 

Pisonia eocenica Ett. 

Laurineen. 

Laurus princeps Heer. 

— - Lalages Ung. 

— primigenia Ung. 

— styracifolia Web. 

Benzoin antiquum Heer. 
Cinnamomum Bossmässleri Heer. 

— Scheuch^eri Heer. 

— lanceolatum Heer. 

— polymorphum Heer. 

— spectabile Heer. 
JDaphnogene Ungeri Heer. 


Litsaea JDeichmülleri nov. sp. 

■ — dermatophyllum Ett. 
Nectandra Raffelü nov. sp. 

Santalaceen. 

Santalum acheronticum Ett. 
Leptomeria flexuosa Ett. 

— bilinica Ett. (?) 

Elaeagneen. 
Elaeagnus acuminatus Web. 

Pr ot eaceen. 

Embothrium microspermum Heer. 

— leptospermum Ett 

— salicinum Heer. 
sot^hianum üng. 

Lomatia Pseudoilex Ung. 

Loniceren. 

Viburnum atlanticum Ett. 

Rnbiaceen. 

Cinchona pannonica Ung. 

— Aesculapi Ung. 

Pavetta borealis Ung. 

Oleaceen. 

Fraxinus deleta Heer. 

— loncJioptera Ett. 
Notelaea Phylirae Ett. 

Loganiaceen. 
Strychnos europaea Ett. 

Apocynaceen. 

Apocynophyllum helveticum Heer. 

— sessile Ung. 

Neritinium majus üng. 

Gentianeen. 
Menyanthes arctica Heer. 

Asperifoliaceen. 
Borraginites Myosotiflorus Heer. 

Convolvulaceen. 
Porana Ungeri Heer. 

Bignoniaceen. 
Tecoma Basellii nov. sp. 


16 


Myrsineen. 

Myrsine clethrifolia Sap. 

radobojana Ung. 

— antiqua Ung. 

— Heeri nov. sp. 

— parvifolia nov. sp. 

— celastroides Ung. 

— Flejadum Ett. 

Ärdisia myricoides Ett. 

Icacorea lanceolata Ett. 

— primaeva Ett. 

Sapotaceen, 

Sapotacites minor Ung. sp. 
Bumelia Oreadum Ung. 

Ebenaceen. 

Diospyros paradisiaca Ett. 

— brachysepala Al. Br. 

— palaeogaea Ett. 

Styraceen. 

Styrax stylosa Ung. 

Symplocös radobojana Ung. 

V accinieen. 

Vaccinium aclieronticum Ung. 

— vitis Japeti Ung. 

E ricaceen. 

Andromeda protogaea Ung. 

— vaccinifolia Heer. 
Ledum limnopliüimi Ung. 

Umbelliferen. 

Diacliaenites microsperma nov. sp. 

— ovata nov. sp. 

Ar aliaceen. 

Panax longissimum Ung. 

Äralia palaeogaea Ett. 
Sciadophyllum Haidingeri Ett. 

Ampelideen. 

Vitis teutonica Al. Br. 

Cissus rhamnifolia Ett. 

Corneen. 

Cornus Studeri Heer. 

— paucinervis nov. sp. 


Lor anthaceen. 
Loranthus Palaeo- Eucalypti Ett. 

S axifrageen. 
Weinmannia soWkiana Ett. 

Cunonia bilinica Ett. 

Gallicoma bohemica Ett. 

— media nov. sp. 
mierophylla Ett. 

Ceratopetalum bilinieum Ett. 

— cundraticiense nov. sp. 

— haeringianum Ett. 

Berb erideen. 

Berberis miocenica nov. sp. 

Magnoliaceen. 

Magnolia Dianae Ung. 

Samydeen. 

Sampda borealis Ung. 

— teuer a Ung. 

Bombaceen. 

Bombax grandifolium nov. sp. 

— chorisiaefolium Ett. 

S ter’culiaceen. 

Sterculia deperdita Ett. 

— grandifolia nov. sp. 

Tiliaceen. 

Greiüia crenata Ung. sp. 
Elaeocarpus europaea Ett. 

Ternstroemiaceen. 
Ternstroemia bilinica Ett. 

Acerineen. 

Acer Bümianum Heer. 

— integrilobum Web. 

— trilobatum Stbg. sp. 

— angustilobum Heer. 

— subplatanoides nov. sp. 

— eupterigium Ung. 

— crassinervium Ett. 

— grosse- dentatum Heer. 

Malpighiaceen. 
Tetrapteris vetusta Ung. 

Sapindaceen. 

Sapindus falcifolius Al. Br. 


17 


Sapindus Fythii Ung. 

— cassioides Ett. 

— cupanoides Ett. 
SapindopJiyllim falcatum Ett. 
Dodonaea antiqua Ett. 

Celastrineen. 

Evonymus Napaeantm Ett. 

— Heeri nov. sp. 

— Pythiae Ung. 

Celastrus üngeri nov. sp. 

— oxyphyllus Ung. 

— Bruckmanni Heer. 

— cassinefolius Ung. sp. 

— pcdaeo-aaminatus nov. sp. 

— protogaeus Ett. 

— Ändromedae Ung. 

— scandentifolius Web. 

— Lycinae Ett. 

— Acherontis Ett. 

— Maytenus Ung. 

— elaenus Ung. 

Maytenus europaea Ett. 

Pittosporum Fendii Ett. 
Elaeodendron hohcmicmn nov. sp. 

— - degener Ung. sp. 

— Persei Ung. sp. 

— duhium Ung. 

Hippocas t aneen. 
Aesculus Palaeocastanum Ett. 

Ilicineen. 

Ilex stenophylla Ung. 

— gigas nov. sp. 

— neogena Ung. 

Prinos cundraticiensis nov. sp. 

— radohojanus Ung. 

Rhamneen. 

Zi^ypJius Vngeri Heer. 

— tiliaefolius Ung. sp. 

Bhamnus Gaudini Heer. 

— Decheni Web. 

■ — paucinervis Ett. 

— Beussi Ett. 

— Castellii Eglh. 

— Eridani Ung. 

— Graeffi Heer. 

— hrevifolius Ung. 

CeanofJius ebuloides Web. 


Euphorbiaceen. 
Golliguaja protogaea Ett. 
Eupkorhiophyllum parvifoliumnoY . sp . 

J ugland een. 

Juglans hilinica Ung. sp. 

— vetusta Heer. . 

— rectinervis Ett. 

— hydropMla Ung. 

— acuminata Ung. 

— palaeoporcina nov. sp. 
Carya elaenoides Ung. sp. 
Pterocarya denticulata Web. sp. 
Engelhardtia Brongniartii Sap. 

Anacardiaceen. 

Bims prisca Ett. 

— triphylla Ung. 

— elaeodendroides Ung. 

— - HertJiae Ung. 

— Meriani Heer. 

— Pyrrhae Ung. 

Zanthoxylon serrakm Heer. 

Burseraceen. 
Elaphrium antiquum Ung. 

Combretaceen. 
Terminalia radohojana Ung. 

Myrtaceen. 

Myrtus Aphrodites Ung. 

Eugenia haeringiana Ung. 
Eucalyptus grandifolius Ett. 

— oceanica Ung. 
Melastomites pilosus nov. sp. 

Amygdaleen. 
Amygdalus pereger Ung. 

— hilinica Ett. 

Prunus olympiea Ett. 

Pyrus Euphemes Ung. sp. 

Pomaceen. 

Crataegus pumilifolia nov. sp. 

— ■ teutonica Ung. 

Pyrus pygmaeorum Ung. 

Rosaceen. 

Spiraea Osiris Ett. 

— tenuifolia nov. sp. 

Bosa lignitum Heer. 

— hohemica nov. sp. 


2 


18 


Papilionaceen. 
Oxylobium miocenicim Ett. 
Kennedy a aquitaniea nov. sp. 
Palaeolobium haeringianum Uag. 

— soWkianum Ung. 

— Sturi Ett. 

— heterophyllum Ung. 

So'phora europaea Ung. 

Cassia phaseoUtes Ung. 

— Berenices Ung. 

— Jiyperhorea Ung. 

— lignitum Ung. 

— ambigua Ung. 

— Zephyri Ett. 

— cordifolia Heer. 

— pseudoglandulosa Ett. 
Eobinia Eegeli Heer. 

Glycirliisa deperdita Ung. 
Gleditschia celtica Ung. 

— allemannica Heer. 

Caesalpinia oblongo-ovata Heer. 

— Basellii nov. sp. 

JDalbergia Eroserpinae Ett. 


Dalbergia nostrata Heer. 

— primaeva Ung. 

— cassioides nov. sp. 
MacJiaerium palaeogaeum Ett. 
PhaseoUtes orbicularis Ung. 
Copaifera rediviva Ung. 

Inga Icari Ung. 

Legiiminosites sparsinervis nov. sp, 

Mimosaceen. 

Acacia microphylla Ung. 

— parschlugiana Ung. 

— SoWkiana Ung. 

Mimosites haeringianus Ett. 

Pflanzenreste mit unsicherer 
Stellung. 

Antholithes laeiniatus var. major. 

— Haueri nov. sp. 

Carpolites aceratoides nov. sp. 

— angnlatus nov. sp. 

— jugatus nov. sp. 


Es vertheilen sich somit, die Arten mit unsicherer Stellung ab- 
gerechnet, 284 Arten auf 147 Gattungen und 66 Familien. Die meisten 
Species weisen auf: die Papilionaceen (30), Celastrineen (21), Cupuli- 
feren (20), Myrsineen (10), Rhamneen (11), 40 Arten sind neu. 


19 


III. Eesultate aus den Beobachtungen der meteorologischen Station 

zu Dresden. 

Von Prof. G. A. JiTeubert. 


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Februar 
März . . 
April . . 
Mai . . , 
Juni . . 
Juli . . . 
August . 
Septbr. . 
October 
Novbr. . 
Decbr. . 

Jahr . 


Ges. Isis in Dresden, 1882. — Abh. 3. 


2^ 


20 


Ein Vergleich der Witterung des Jahres 1880 mit den vieljährigen 
Durchschnittswerthen ergiebt für die einzelnen Elemente folgende Ab- 
weichungen : 

Der mittlere Luftdruck des Jahres war um O .78 mm höher, als 
der 16jährige Mittelwerth. 

Die Mitteltemperatur des Jahres stand O 42 ® über, die Mitteltempe- 
ratur des Winters (December, Januar, Februar) 2.69® unter, die Mittel- 
temperatur des Frühlings (März, April, Mai) O.os® über, die Mitteltempe- 
ratur des Sommers (Juni, Juli, August) O.72® unter, die Mitteitem per atur 
des Herbstes (September, October, November) O.19® über dem 30jährigen 
Mittelwerthe. 

Der erste Frosttag, d. h. der erste Tag mit einer mittleren Tages- 
temperatur unter 0® fiel auf den 3. November, der letzte auf den 23. 
März. Durchschnittlich fallen beide Frosttage auf den 21. November und 
18. März, im ungünstigsten Falle auf den 24. September und 26. Mai. 
Der erste Nachtfrost trat den 23. October, der letzte den 20. Mai 
ein — der sechste Fall seit 17 Jahren, dass sich nach dem Vorübergange 
der sogenannten ,, gestrengen Herren“ noch Nachtfröste eingestellt haben. 

Der Gang der Wärme während des Jahres ergiebt sich aus dem fol- 
genden Vergleiche der fünftägigen Mitteltemperaturen mit den ent- 
sprechenden 30jährigen Mittelwerthen. Das Zeichen — in der Rubrik: 
,, Abweichungen“ bedeutet, dass die betreffende Temperatur um den bei- 
stehenden Werth unter, das Zeichen dass sie über dem normalen 
Werthe liegt. 


Tage, 

Fünftägige 

Mittel. 

Abweichungen. 


CO 


CO 

Januar 1. — 5. 

5.24 

+5.91 

6.— 10. 

1.34 

+1.93 

11.— 15. 

—0.97 


-0.10 

16.— 20. 

—5.47 

! - 

-5.86 

21.-25. 

—2.14 


-2.77 

26.-30. 

—2.73 


-3.34 

Februar. . . . 31. — 4. 

—1.35 


-2.27 

5.— 9. 

—2.32 


-3.55 

10.-14. 

—0.35 


+.16 

15.-19. 

1,78 


-0.16 

20.-24. 

6.04 


-4.60 

25.— 1. 

3.43 


-0.71 

März 2. — 6. 

7.56 

1 

-5.02 

7.-11. 

5.89 


-2.58 

12.-16. 

—0.24 


-3.20 

17,-21. 

0.61 


-2.60 

22.-26. 

2.35 


-1.92 

27.-31. 

5.36 


-0.62 

April 1,-5. 

8.73 

+1.06 

6.-10. 

5.67 

i 

-2.88 

11.-15. 

8.74 


-0.81 

16.-20. 

15.47 


-7.00 

21.-25. 

12.81 


-3.39 

26.-30. 

7.10 


-2.26 


21 


Tage. 

Fünftägige 

Mittel. 

Abweichungen. 


c« 


00 

Mai 1. — 5. 

11.45 

+1.87 

6.— 10. 

8.40 


-3.23 

11.— 15. 

11.99 


-1.12 

16.— 20. 

8.45 


-5.17 

21.-25. 

13.19 


-1.23 

26.-30. 

16.53 

+1.24 

Juni 31.— 4. 

14.29 


-2.48 

5.— 9. 

13.29 


-4.29 

10.-14. 

19.21 

+2.10 

15.— 19. 

16.87 

+0.06 

20.-24. 

17.43 


-0.05 

25.-29. 

15.93 


-1.10 

Juli 30. — 4. 

19.67 

+2.31 

5.— 9. 

17.31 


-0.77 

10.-14. 

19.12 


-0.68 

15.-19. 

21.05 


-1.86 

20.— 24. 

16.55 ^ 


-2.75 

25.-29. 

18.25 


-1.09 

August .... 30. — 3. 

16.29 


-2.44 

4.— 8. 

16.19 


-2.45 

9.-13. 

16.32 


-2.31 

14.-18. 

18.61 

+0.13 

19.-23. 

16.13 


-1.51 

24.-28. 

17.28 


t-0.30 

September . . 29. — 2. 

16.67 


-0.45 

3.— 7. 

20.11 


-3.91 

8.— 12. 

15.73 


-0.63 

13.— 17. 

14.83 


-1.15 

18.— 22. 

12.72 


-0.60 

23.-27. 

11.20 


-1.86 

28.— 2. 

12.29 


-1.33 

October . . . . 3. — 7. 

13.39 


[-1.63 

8.— 12. 

11.11 


1-0.60 

13.— 17. 

9.37 


-0.65 

18.-22. 

6.75 


-2.71 

23.-27. 

3.45 


-4.86 

28.— 1. 

7.31 

+0.28 

November . . 2. — 6. 

5.04 


-0.90 

7.-11. 

4.54 


-0.46 

12.-16. 

9.44 


-5.89 

17.-21. 

4.49 


-1.94 

22.-26. 

5.60 


-3.16 

27.— 1. 

2.81 


-0.25 

December . . 2. — 6. 

4.07 


-2.97 

7.-11. 

5.76 


-4.47 

12.— 16. 

3.37 


-1.89 

17.-21. 

5.59 


-4.76 

22.-26. 

5.28 


-5.76 

27.— 31. 

6.11 


L6.84 


22 


Der relative Feuchtigkeitsgehalt zeigt im Jahresmittel nur ge- 
ringe Abweichungen. Bemerkbarer sind dieselben im März, August und 
September; da der erstere Monat 8 Procent weniger, die letzteren 10 und 
7 Procent mehr, als durchschnittlich, Feuchtigkeitsgehalt hatten. 

Der absolute Feuchtigkeitsgehalt oder die Dunstspannung 
zeigte sich nur im December 2.3 mm höher, sonst nahe normal. 

Die Eegenhöhe (Regen- und Schneewasser) übertraf den Mittel- 
werth um circa ^lo der Gesammthöhe von 555.? mm. Am regenärmsten 
waren die Monatß Februar, September und November, welchen nur 1/2 
bis Vs des normalen Werthes zufiel, während derselbe im December um 
das Doppelte erhöht wurde. 

Die Zahl der Tage mit Niederschlägen und Gewittern war 
sehr gross. Erstere übertraf die Durchschnittszahl um Vs 5 letztere um 
die Hälfte. 

Der erste Schnee fiel den ®S3. October, der letzte den 29. April. 
Als 30jährige Durchschnittstermine können der 24. April und 7. November 
betrachtet werden. Als äusserste Termine sind während dieser Zeit der 
25. Mai (1867) und 5. October (1864) vorgekommen. 

Die Verdunstung wurde seit September vermittelst eines Wild- 
schen Evaporimeters von Hottinger in Zürich gemessen. Es ergaben sich 
als Höhen der im Laufe eines Monats verdunsteten Wasserschicht, für 
September 37.6 mm, November 22.2 mm, 

October 24.2 mm, December 20. 9 mm. 

Unter den Winden nehmen die SE- Winde der Zahl nach die erste 
Stelle ein, während sie in den übrigen Jahren sich erst nach den 
W- Winden einreihen. 

Die Windgeschwin digkeit wurde vermittelst eines Robinson’schen 
Anemometers, dessen Schalenkreuz sich 17 m über dem Erdboden be- 
findet und dessen Zählwerk in elektrischer Verbindung mit einem Control- 
apparat des Beobachtungszimmers steht , bestimmt. Es ergaben sich 
für die einzelnen Monate folgende in Meter pro Secunde ausgedrückten 
mittleren Geschwindigkeiten : 

Januar 3.9 m, Mai 2.4 m, September 2.6 m, 

Februar 4.4 m, Juni 2.6 m, October 3.3 m, 

März 2.9 m, Juli 2.4 m, November 3.3 m, 

April 2.4 m, August 2.o m, December 4.7 m. 

Jahr 3.1 m. 

In den drei letzten, an stürmischen Tagen reichen Monaten steigerte 
sich die Geschwindigkeit öfter bis 26 m pro Secunde. 


Forststrasse 25. 54°^- 56^°°- y, Gfeeiiw., 51» 3' 20" n. Breite. Seebölie: 127, e”*- Tliemonieter 10“-, RegenniesseF l.s”- ii. d. Erdbodeo. Forststrasse 25. 


28 



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Monat. 

Januar . . 
I'ebruar . 
März . . . 
April . . . 
Mai .... 
Juni . . . 
Juli .... 
August . . 
Septbr. . . 
October . 
Novbr. . . 
Decbr. . . 

1 ’ ' 

2 

c 

» 

» 

i 

5 

i 

Januar . . 
Februar . 
März . . . 
April . . . 
Mai .... 
Juni . . . 
Juli .... 
August . . 
Septbr. . . 
October . 
Novbr. . . 
Decbr. . . 

h 


^ Graupeln. *=!= In Procenten der Gesammtzahl. 


24 


Der mittlere Luftdruck des Jahres war O.27 mm höher als der 
mehrjährige Mittelwerth. 

Die Mitteltjemperatur des Jahres blieb I.35® unter dem normalen 
Werthe. In Beziehung derselben auf die Jahreszeiten zeigt sich der 
Winter (December, Januar, Februar) um O.77®, der Frühling (März, April, 
Mai) um 1.2o^ der Sommer (Juni, Juli, August) um 0 . 89 ® und der Herbst 
(September, October, November) um I.53O zu kalt. 

Der jährliche Gang der Temperatur ergiebt sich aus der fol- 
genden Zusammenstellung der Mitteltemperaturen aus je fünf Tagen und 
den nebenstehenden Abweichungen von den entsprechenden 30 jährigen 
Mittelwerthen. Das beistehende Zeichen gieht an, dass die betreffende 
Temperatur um den beigefügten Werth über, das Zeichen — , dass sie 
um denselben Werth unter der Normale lag. 


Tage. 

Fünftägige 

Mittel. 

Abweichungen. 


c« 

c« 

Januar 1. — 5. 

—0.29 

-fO.38 

6.— 10. 

—3.65 

—3.06 

11.— 15. 

—9.98 

—9.11 

16.— 20. 

—6.61 

—7.00 

21.— 25. 

—8.63 

—9.36 

26.-30. 

—2.30 1 

—2.91 

Februar. . . . 31. — 4. 

2.12 i 

+1.20 

5.— 9. 

1.87 ! 

+0.64 

10.— 14. 

—1.77 

—1.26 

15.— 19. 

—1.61 

—3.23 

20.— 24. 

1.30 

—0.14 

25.— 1. 

0.52 1 

—2.22 

März 2. — 6. 

—2.16 

—4.70 

7.-11. 

7.25 

+3.94 

12.-16. 

1.40 

—1.56 

17.— 21. 

6.42 

+3.21 

22.-26. 

2.74 

—1.52 

27.-31. 

3.92 

—2.06 

April 1.-5. 

8.54 

+0.87 

6.-10. 

3.77 

—4.78 

11.-15, 

8.94 

+1.01 

16.-20. 

8.28 

—0.19 

21.-25. 

5.07 

—4.35 

26.-30. 

5.76 

—3.60 

Mai 1.-5. 

12.25 

+2.67 

6.-10. 

9.65 

—1.98 

11.-15. 

9.31 

—3.80 

16.-20. 

15.05 

+1.43 

21.-25. 

14.04 

! —0.38 

26.-30.* 

15,11 

—0.18 

Juni 31. — 4. 

16.71 

—0.06 

5.— 9. 

14.29 

—3.29 

10.-14. 

9.61 

—7.50 

15.-19. 

14.31 

—2.50 

20.-24. 

20.43 

+2,95 

25.-29. 

16.59 

—0.44 


25 


Tage. 

Fünftägige 

Mittel. 

Abweichungen. 


CO 


c« 

Juli 30.— 4. 

18.41 

+1.05 

5.— 9. 

20.06 

+1.98 

10.— 14. 

18.15 


-0.29 

15.-19. 

20.47 

+1.28 

20.-24. 

18.74 


-0.56 

25.-29. 

16.57 


-2.77 

August .... 30. — 3. 

19.55 

+0.82 

4.— 8. 

20.16 

+1.52 

9.— 13. 

16.96 


-1.67 

14.— 18. 

15.00 


-3.48 

19.— 23. 

16.63 


-l.Öl 

24.-28. 

16.57 


-0.41 

September . . 29. — 2. 

14.51 


-1.71 

3.— 7. 

14.95 


-1.26 

8.— 12. 

14.19 

—0.91 

13.-17. 

13.15 


-0.53 

18.-22. 

13.86 

+0.54 

23.-27. 

6.23 


-6.83 

28.— 2. 

7.09 


-6.53 

October . . . . 3. — 7. 

6.40 


-5.36 

8.-12. 

9.54 


-0.97 

13.-17. 

7.28 


-2.74 

18.-22. 

5.08 


-4.38 

23.-27. 

3.49 


-4.82 

28.— 1. 

—0.41 


-7.44 

November . . 2. — 6. 

0.86 


-5.08 

7.-11. 

6.56 


+.56 

12.-16. 

9.81 


-6.26 

17.— 21. 

4.90 


-2.35 

22 —26. 

6.98 


-4.54 

27.— 1. 

6.91 


-4.35 

December . . 2. — 6. 

3.29 


-2.19 

7.-11. 

2.49 


-1.20 

12.— 16. 

1.44 


-0.04 

17.-21. 

3.27 

+2.44 

22.-26. 

—2.11 


-1.63 

27.-31. 

0.28 

+1.01 


Mit Ausnahme der letzten zwei Monate zeigen nur vereinzelte Pen- 
taden einen Wärmeüberschuss, während ein oft erheblicher Mangel in un- 
unterbrochener Reihe in den Monaten Juni, August bis November hervor- 
tritt. So fühlbar sich auch zeitweise die Juliwärme zu erkennen gab, sind 
doch die Ueberschreitungen des Mittels, früheren Jahren gegenüber, nicht 
bedeutend und selbst das absolute Maximum von 33.9^ ist mehrfach er- 
reicht und übertrolfen worden. 

Der erste Nachtfrost trat den 25. September, der letzte den 
11. Mai ein. Durchschnittlich liegen zwischen beiden Terminen 167 Tage, 
im vorliegenden Jahre umfasste die frostfreie Zeit nur 136 Tage, also 
circa 4 V 2 Woche weniger. Ebenso rückten die Frost tage, d. h. die 
Tage mit einer mittlern Temperatur unter 0®, von denen der erste auf 


26 


den 28. October, der letzte auf den 4. April fiel, einander um circa sechs 
Wochen näher, da der Zwischenraum nur 206 statt 247 Tage betrug. 

Während sowohl der absolute und relative Feuchtigkeitsgehalt, als 
auch die Stärke der Bewölkung nur unerhebliche Abweichungen von den 
Durchschnittswerthen zeigen, ergiebt sich für die Höhe der Nieder- 
schläge ein Plus von circa 22 Procent der durchschnittlichen Höhe. Be- 
sonders regenreich waren die Monate März, Mai, Juni, August und Sep- 
tember, wie ein Vergleich der obigen Werthe mit den folgenden mittleren 
Regenhöhen ergiebt. 

Januar 31. i mm, Mai 54.5 mm, September 42.4 mm, 

Februar 29.8 Juni 74.8 October 35.2 

März 34.4 Juli 70.5 November 41 .2 

April 39.7 August 57.5 December 36.5 

Die Höhe der Verdunstung von einer freien Wasseroberfläche 
betrug 

im Januar 7.2 mm, Mai 51. 5 mm, September 17. 3 mm, 

Februar 16.8 Juni 33.9 October I6.1 

März 23.8 Juli 45.2 November I6.7 

April 53.0 August 38.4 December 12.5 

Jahr 332.4 mm. 

Die Windgeschwindigkeit, welche vermittelst eines Robinson- 
schen Anemometers, dessen Schalenkreuz sich 17 m über dem Erdboden 
befindet, bestimmt wurde, betrug durchschnittlich, in Meter pro Secunde 
ausgedrückt, 

im Januar 3.2 m, Mai 2.5 m, September I.9 m, 

Februar 4.3 Juni 2.9 October 2.5 

März 3.9 Juli 2.5 November 3.3 

April 3.0 August 2.7 December 3.2 

Jahr 3.0 m. 

Während des SW-Sturmes am 15. October steigerte sich die Ge- 
schwindigkeit bis 31.5 m pro Secunde. 


27 


IV. Zur Erinnerung an Eduard Desor, 

Ehrenmitglied der Isis seit dem Jahre 1865. 

Yon H. B. Geinitz. 

Die jüngsten Tagesblätter verkünden die Todesnachricht von E. Desor, 
geh. 1811 zu Friedrichs dorf hei Homburg a. d. H., gest. am 23. Februar 
1882 zu Nizza, wo er den letzten Winter verbrachte. 

Pierre Jean Edouard Desor gehörte der ihres Glaubens wegen 
durch Louis XIV. aus Frankreich vertriebenen Familie Des Horts (Desor) 
an, welche in der Colonie Friedrichsdorf eine neue Heimath fand und von 
welcher ein katholischer Zweig noch jetzt in Marsillargues zwischen 
Lunel und Aigues- Mortes ansässig ist. Sein Vater dirigirte dort eine Manu- 
factur, wurde aber der Familie bald durch den Tod entrissen. Durch 
seine Abstammung Frankreich angehörend, der Geburt nach ein Deutscher, 
bildete er ein natürliches Bindeglied zwischen den Wissenschaften und 
Literaturen beider Nationen, deren Sprachen er mit gleicher Meisterschaft 
beherrschte. 

Nach juristischen Studien in Heidelberg und Giessen 1832 betrat er 
in Folge der damaligen politischen Bewegungen als deutscher Flüchtling 
den französischen Boden und widmete sich mit Eifer in Paris den natur- 
wissenschaftlichen Studien. 

Sein erstes Werk war die üebersetzung von Ritter’ s Geographie. 
Unter Anleitung von Elie de Beaumont betrieb er mit Vorliebe die 
Physik der Erde und Geologie. 

Als Desor den Letzteren 1837 zu der Versammlung der Schweizeri- 
schen naturforschenden Gesellschaft nach Neuchätel begleitete, machte er 
die Bekanntschaft von Louis Agassiz und Carl Vogt, die auf seinen 
ferneren Lebensgang den grössten Einfluss ausüben sollten. 

Ihrer Einladung folgend, blieb er in Neuchätel, um mit ihnen gemein- 
schaftlich die Geologie und Meteorologie der Schvreiz zu studiren und 
namentlich an den berühmten Untersuchungen über Gletscher in jener Felsen- 
höhle auf dem Aargletscher (Hotel des Neuchätelois) Theil zu nehmen. 

Er redigirte die gemeinschaftlichen Beobachtungen bei ihrem während 
sechs Sommer wiederholten Aufenthalte in der Gletscherwelt: 

Excnrsions et sejours dans les glaciers et dans les hautes regions des Alpes 
de M. Agassiz et de ses compagnons de voyage, par E. Desor. Neu- 
chätel et Paris 1844. 

Gletscher des Monte Rosa und Monte Cervin. (Bibi, univ.) — Jahrb. f. Min. 
1840. 605. 


*) Die Mittheiliingen über den Lebensgang des Verewigten verdanken wir einem 
seiner nächsten Freunde, Herrn 0. Weiss, d. Z. in Strehlen bei Dresden, und Herrn 
Karl Mayer im Corr.-Bl. d. deutsch. Ges. f. Anthropologie, 1882, Nr. 4, 

Ges. Isis in Dresden, 1882. — Abh. 4, 


28 


Die Besteigung des Jungfrauhoriis durch Agassiz und seine Gefährten, (Deutsche 
Uebersetzung von C. Vogt.) Solothurn, 1842. 8^. 

Schliffflächen in den Kalkalpen (L’Institut). — Jahrb. f. Min. 1842. 476. 

Die abgerundeten Bergseiten in der Schweiz und Folgerungen über erratische 
Blöcke. (Compt. rend.) — Jahrb. f. Min. 1844. 857. 

Vertheidigung der Yenetz-Agassiz’schen Gletschertheorie. — Jahrb. f. Min. 
1844. 691. 

Bewegung der Gletscher. (Compt. rend.) — Jahrb. f. Min. 1845. 232. 

Das erratische Phänomen im Norden und in den Alpen. (Bull. Soc. geol.) — 
Jahrb. f. Min. 1847. 746. 

Im Jahre 1847 begleitete Desor seinen Freund L. Agassiz nach 
Amerika, nachdem er vorher Skandinavien zum Studium der Gletscher- 
Phänomene besucht hatte. Desor trat dort sehr bald als Geographer of 
tJie Congress in die Dienste der Regierung der Vereinigten Staaten ein 
und wurde insbesondere mit wissenschaftlichen Untersuchungen des Lake 
Superior und von Pennsylvanien betraut. Wir ersehen aus einer Notiz 
von M. E. Wadsworth,*) dass der Name Laurentian von E. Desor 
herrührt und zuerst 1850 von ihm für einige marine Ablagerungen in 
Maine an dem St. Lawrence River und an den Ghamplain- und Ontario- 
Seen gebraucht worden ist. 1852 folgte er einem Rufe als Professor der 
Geologie an dem Gymnasium und an der Akademie von Neuchätel und 
mit Vergnügen erinnern sich seine Zuhörer des höchst anregenden und 
fesselnden Vortrages ihres gefeierten Lehrers. 

E. Desor nahm in der Schweiz zugleich eine hervorragend politische 
Stellung ein. Als Abgeordneter in den Grossen Rath seines Kantons ge- 
wählt, stand er dieser Körperschaft zweimal als Präsident vor und ebenso 
gehörte er dem schweizerischen Ständerath und dem Nationalrathe an. 
Die Ehre, als Präsident des letzteren zu functioniren , lehnte er bei der 
auf ihn gefallenen Wahl ab. Seine hohe Intelligenz, verbunden mit einem 
klaren Urtheile, bewahrte ihn vor Extremen und nie brachte er seine Un- 
abhängigkeit dem Befehle einer Partei zum Opfer. 

Neben diesen öffentlichen Angelegenheiten blieb Desor der Wissen- 
schaft stets treu, wie namentlich sein treffliches Werk bezeugt: 

„Synopsis des Ecliinides fossiles*^ Paris, 1858, 8®, dem 1872 noch eine Ent- 
wickelungsgeschichte der Echiniden gefolgt ist : „Vevolution des Ecliinides 
dans la serie geologique et leur röle dans la formation jurassigue^* . 

Die Baseler Universität verlieh ihm hierfür den Doctorhut. 

Eine Reihe anderer geologischer und paläontologischer Arbeiten, die 
wir dem Eleisse Desor’s seit 1848 verdanken, ist folgende: 

lieber das terrain danien. (Bull. Soc. geol.) — Jahrb. f. Min. 1848. 85. 

Krinoiden der Schweiz. (Bull. Soc. geol. Neuch.) — Jahrb. f. Min. 1848. 381. 

Geologische Wirkungen der Gezeiten. (L’Institut.) — Jahrb. f. Min. 1849. 240. 

Meeres-, Süsswasser- und erratisches Alluvium in Nordamerika. — Jahrb. f. 
Min. 1852. 623. 

Stärke des Schalles auf Bergen und in Tiefen. — Jahrb. f. Min. 1853. 359. 

Erratische Erscheinungen in Europa und Amerika. — Jahrb. f. Min. 1853. 495. 

Die Echinoideen des Nummuliten-Gebirges der Alpen. — Jahrb. f. Min. 1854. 
120, 499. 

Quelques mots sur l’etage inferieur du groupe Neocomien (Etage valangien). 
Neuchätel, 1854. 8®. 


U Proc. of the Boston Soc. of Nat. Hist. Vol. XXI, Jan. 1881. 


29 


Le Val d’Aiiniviers. (Eevue Suisse, t. XYIII.) Neuchatel, 1855. 8^. 

Etage valangien im Neocomien. — Jahrb. f. Min. 1855. 845. 

Obere Grenze der Gletscberscbliffe in den Alpen. — Jabrb. f. Min. 1856. 452. 

Classification der Cidariden. — Eb. 1857. 120. 

De la pbysionomie des lacs suisses. (Eevue Snisse, 1860.) 8^. 

lieber die Deutung der Schweizer Seen. Im Album des Combe-Varin. Zürich, 
1861. 80. 

Sur les terrains secondaires du versant meridional des Alpes. Xeuchatel, 
1863. 80. 

Le Sahara, ses differents types de deserts et d’Oasis. Xenchätel, 1864. 80. 

Der Gebirgsban der Alpen. Wiesbaden, 1865. 80. 

Ans Sahara und Atlas. — Jahrb. f. Min. 1866. 855. 

Die Moränen-Landschaft. Schaffhausen, 1874. 80. 

Le paysage morainique, son origine glaciaire et ses rapports avec les forma- 
tions pliocenes d’Italie. Paris et Neuchatel, 1875. 80. 

Sur les terrains glaciaires diluviens et pliocenes des environs de Xice. Nice, 
1879. 80. 

Im Jahre 1864 unternahm Desor eine Erforschungsreise in das nörd- 
liche Afrika in Begleitung von Escher von der Linth und Ch. Mar- 
tins von Montpellier, welche als ein erfolgreiches Hauptresultat ergab, die 
Sahara als einen erst in sehr später Zeit erhobenen Meeresboden zu be- 
trachten. Desor unterschied drei Arten von Wüsten, die der Plateaus, 
die Erosionswüste und die Dünenwüste. (Soc. d. sc. nat. de Neuchätel, 
1864 und vier Briefe an J. Liebig, 1865.) 

Im Gebiete der vorhistorischen Forschungen war E. Desor 
einer der thätigsten Vorkämpfer. Er legte selbst eine kostbare Samm- 
lung von prähistorischen Funden an und veröffentlichte über seine aus- 
gedehnten Forschungen in diesem Gebiete nachstehende Schriften : 

1861. Quelques considerations sur les habitations lacustres des lacs de Suisse 
et d’Italie. (Almanach de Neuchätel.) 8o. 

1863. Les constructions lacustres du lac de Neuchätel. 80. (3. ed. 1864.) 

Die Pfahlbauten des Neuenburger Sees. Nach E. Desor deutsch be- 
arbeitet von Carl Mayer. 1863. 80. 

1866. Discours d’ouverture du premier congres paleoethnologique tenu ä 
Neuchätel. 8o. 

1867. Ueber die Dolmen, deren Verbreitung und Deutung. — Jahrb. f. Min. 

1867. 498. 

1870. Souvenirs du Dänemark. Le Congres anthropologique et prehistorique 
de Copenhague en 1869. Eienne. 8®. 

1873. Notice sur un mobilier prehistorique de la Siberie. (Soc. des sc. nat. 
de Neuchätel, 1873.) 8«. 

1874. Le bei äge du Bronze lacustre en Suisse. Paris et Neuchätel. Fol. 
(Les Planches par L. Favre.) 

1877. Une nouvelle decouverte prehistorique. La fonderie de Bologne. (Soc. 
des sc. nat. de Neuchätel. 8^.) 

Compte rendu d’une excursion faite ä une ancienne Necropole des 
monts Albins. (Ebenda.) 8^. 

1878. Les pierres ä Ecuelles. Geneve. 8®. 

1881. L’homme fossile de Nice. Nice. 8®. 

Schon die ersten der hier genannten Arbeiten verschafften ihm die 
Ehre, dem ersten in Neuchätel abgehaltenen internationalen Congress für 
vorhistorische Anthropologie und Archäologie zu präsidiren. 


30 


E. Desor besass auf dem Gipfel des Neueiiburger Jura einen an- 
ziehenden Landsitz, Combe- Varin genannt, welcher regelmässig in den 
Sommermonaten das Rendez-vous von Gelehrten aller Nationen ward. Die 
Namen seiner berühmten Gäste sind in den hundertjährigen Bäumen, 
welche das Landhaus umgeben, eingeschrieben. Heber den geistvollen 
Verkehr, der dort herrschte, belehrt uns ein „Album de Combe- Varin, 
Zürich, 1861. 8®.“ mit Abhandlungen von E. Desor, Theodore Parker, 
J. Moleschott, Ch. Martins, Jacob Venedey, A. Gressly und 
Schoenbein. 

Wahrscheinlich verdankt auch eine originelle Abhandlung von Desor: 
Essai sur le Nez au point de vue anthropologiqiie et esthetiqiie, Loch, 
1878. 8®. dem anregenden Verkehr auf Combe- Varin ihren Ursprung. 

Allen Denen, welche das Glück hatten, E. Desor näher kennen zu 
lernen, wird die Erinnerung an die ausgezeichneten Eigenschaften seines 
Charakters, an sein reiches Gemüth und seine liebenswürdigen ümgangs- 
formen in werthvoller Erinnerung bleiben. 

Die vielseitigen Anregungen, welche der geistreiche Forscher in seinem 
persönlichen Verkehre mit Freunden und Fachleuten gab, haben sehr viel 
zur Förderung der Wissenschaften beigetragen, welchen Haupt- 
zweck seines Lebens er noch dadurch beurkundet hat, dass er seine reichen 
geologischen und prähistorischen Sammlungen der Stadt Neuchätel zuwies 
und gleichzeitig auch eine bedeutende Summe zur Vergrösserung aller dor- 
tiger wissenschaftlichen Sammlungen testamentarisch bestimmte. 

Nach Allem aber konnte sein Freund Karl Mayer mit Recht von 
ihm sagen: Nicht blos als Gelehrter hat sich Desor in die Culturgeschichte 
der Menschheit eingeschrieben, sondern auch als ein Vorkämpfer der Frei- 
heit und des Fortschrittes auf allen Lebensgebieten hat er sich stets er- 
wiesen und als solcher seiner zweiten schweizerischen Heimath in hervor- 
ragenden öffentlichen Stellungen bewährt! 


31 


V. Ein fossiler Pseiidoscorpion aus der Steinkolilen- 
formatlon von Zwickau. 

Von H. B. Geinitz. 


Wie bekannt sind fossile Insectenreste im Gebiete der Stein- 
kohlenformation sehr seltene Erscheinungen. Das erste Vorkommniss 
dieser Art in Sachsen war die in den Sitzungsberichten der Isis 1879, 
p. 12 als Blattina dresäensis Gein. und Deichm. beschriebene Flügeldecke, 
welche auf einer Excursion der Studirenden des K. Polytechnikums am 
21. Juni 1879 auf der Halde des Kaiserschachtes bei Klein-Opitz zwischen 
Potschappel und Tharandt aufgefunden wurde. Seit dieser Zeit sind nur 
noch zwei andere Tnsectenarten in der Steinkohlenformation von Lugau 
entdeckt und von Herrn Dr. T. Sterzei in Chemnitz als Blattina lanceo- 
lata Sterzei und Termes Lugauensis Sterzei beschrieben worden.'"') 

Ungleich seltenere Erscheinungen in der Steinkohlenformation über- 
haupt sind die Spinnenthiere, und es ist von hohem Interesse, dass 
nun auch ein Vertreter dieser Thiere in unserer sächsischen Steinkohlen- 
formation, und zwar in den tieferen Schichten der Sigillarienzone bei 
Grube Morgenstern zu Reinsdorf bei Zwickau, nachgewiesen werden konnte. 
Die Ehre des Fundes gebührt dem Kassirer des genannten Werkes, Herrn 
Bley. Das seltene Fossil selbst wurde mir durch Herrn Bergrath Pro- 
fessor Kr eischer in Ereiherg zur Untersuchung übergeben und ist durch 
Herrn Bergdirector Wiede in Bockwa dem K. Mineralogisch-geologischen 
Museum in Dresden freundlichst überlassen worden. 

Eine genauere Beschreibung mit Abbildung dieses Körpers wird dem- 
nächst in der Zeitschrift der deutschen geologischen Gesellschaft von mir 
veröffentlicht werden. Ich will jedoch nicht unterlassen, schon jetzt eine 
kurze Diagnose dieser neuen Gattung und Art auch in unseren Sitzungs- 
berichten der Isis niederzulegen, da es einen hochinteressanten vater- 
ländischen Fund betrifft. 

KreiscJieria Wiedei Gein., eine neue Gattung und Art der Pseudo- 
oder Afterscorpione aus der Steinkohlenformation von Reinsdorf bei 
Zwickau, besitzt ein parabolisches Kopfbruststück, in dessen vorderen 
Theile ein fünfseitiges Mittel- oder Stirnschild liegt, welches zu beiden 
Seiten des schnabelartig gekielten vorderen Theiles ein kleines Auge trug. 
Daneben zwei kleine Seitenschilder, deren vorderes ein Wangenschild bildet. 
Eine tiefe Mittelfurche hinter dem Stirnschilde, die sich mit einer Quer- 
furche vor dem hinteren Brustringe vereint, scheidet zwei grössere Schilder 
von einander, an welche die Randplatten der Brustringe angrenzen. An 
die letzteren befestigen sich die vier Paare grosser, wenigstens viergliede- 
riger Füsse. Kiefertaster noch unbekannt. 


*) VII. Bericlit der Katurwiss. Ges. zu Chemnitz. 1878 — 1880. 
Ges. Isis in Dresden, 1888. — Abh. 5. 


32 


Der niedergedrückte elliptische Hinterleib zeigt sowohl auf der 
Rücken- als Bauchseite acht im Allgemeinen flache Gürtel, welche in breite 
Mittelplatten und breite Randplatten geschieden, in ihrer Mitte sattel- 
förmig nach vorn, überhaupt aber etwas wellenförmig gebogen sind. 

Die ganze Oberfläche des Körpers, welche auf eine hornige Beschaffen- 
heit hin weist, ist mit ungleichen rundlichen Höckern oder Tuberkeln dicht 
bedeckt. Die bisher bekannte einzige Art hat ohne Kiefertaster und Füsse 
gegen 50 mm Länge erreicht, wovon das parabolische Kopfbruststück 
15 mm, der Hinterleib 35 mm einnimmt. Hierbei wird der letztere etwas 
oberhalb der Mitte im zusammengedrückten Zustande 28 mm breit. Die 
acht Leibesringe zeichnen sich durch ihre grössere, jedoch nach ihrer vor- 
deren oder hinteren Lage wechselnde Breite der Mittelplatten aus, die mit 
einem zickzackförmigen Rande an die unter sich ziemlich gleich breiten 
Randplatten anstossen. Die hintersten Randplatten, welche die lange lyra- 
förmige Mittelplatte umfassen, enden, wie bei Eoplirynus Prestvicii Buckl. sp.. 
Woodward, mit einem kurzen seitlichen Stachel. 


33 


VI. lieber einige Blattiden aus den Brandschiefern der 
unteren Dyas von Weissig bei PiUnitz. 

Yon Dr. J. V. Deiehmüller. 

(Mit Tafel I.) 


Das Vorkommen von Insecten in den Brandschiefern von Weissig hei 
Pillnitz ist schon seit längerer Zeit bekannt und mehrfach Gegenstand 
eingehender Untersuchung gewesen. E. Geinitz beschrieb von dieser 
Localität im Neuen Jahrbuch für Mineralogie 1873. p. 691. T. III ausser 
einem nicht näher bestimmbaren Flügelfragraent zwei Arten von JBlattina 
und im Neuen Jahrbuch für Mineralogie 1875. p. 1. T. I weitere vier 
Arten. Veranlasst durch eine Schrift von S. Scudder*) über paläo- 
zoische Schaben unterzog derselbe Verfasser jene Arten einer nochmaligen 
eingehenden Revision in den Nov. Acta Ac. C. Leop. XLL p. 423. T. XXXIX 
und führte hier folgende sieben Arten an: Anthracohlattina abnormis 
E. Gein. (= Anthr. sopita Scudd.^, Anthr. porrecta E. Gein., Anthr.? 
spectahüis Goldbg., Etoblattina flabellata Germ. var. dyadica E. Gein., 
Etohl. carbonaria Germ. var. Deichmülleri E. Gein., Etobl. elongata Scudd. 
und Etobl. weissigensis E. Gein. 

Gelegentlich eines Besuches des jetzt ausgefüllten Schachtes bei Weissig 
wurden im Herbst 1881 ausser einigen unbedeutenden pflanzlichen Resten 
auch einige Flügel von Blattiden gefunden, die bisher von dort noch nicht 
bekannt waren. Zugleich verdanke ich Herrn Prof. Dr. A. Stelzner in 
Freiberg ein weiteres, bisher noch nicht untersuchtes Exemplar, das sich 
in der Sammlung der dortigen Bergakademie befindet und das durch seinen 
trefflichen Erhaltungszustand alle bekannten ähnlichen Reste bei Weitem 
übertrifft und mir über manche bisher noch zweifelhafte Punkte Aufschluss 
gegeben hat. Es gehört dasselbe nebst zwei im Folgenden beschriebenen 
Hinterflügeln zu Etoblattina Scudd., einer Gattung, die nicht allein in 
paläozoischen Schichten überhaupt, sondern auch bei Weissig durch die 
meisten Arten vertreten ist, während ein Vorderflügel zu Ory etoblattina 
Scudd., die man bisher überhaupt nur in einer Art aus dem Carbon von 
Wettin kannte, gestellt worden ist. 

Etoblattina Scudder. 

Nach Scudder**) zeichnen sich die Oberflügel dieser Gattung durch 
verhältnissmässig kurzes Randfeld aus, das gewöhnlich nur bis zur Mitte, 

S. Scudder: Palaeozoic cockroaclies : a complete revision of tlie species of both. 
worlds, with an essay toward tbeir Classification. (Mem. Bost. Soc. Nat. Hist. Vol. III. 
part I. N. 3.) 

ib. p. 27. 

Ges. Isis in Dresden, 1882. — Abh. 6. 


3 


34 


selten bis zum zweiten Dritttheil der Flügellänge reicht; das Schulterfeld 
endet vor der Flügelspitze, da die vena scapularis sich nahe der letzteren 
zum Aussenrande des Flügels umbiegt und sehr schief in denselben ein- 
mündet; das äussere Mittelfeld ist verhältnissmässig breit, bedeckt aber 
zusammen mit dem Schulterfeld weniger als die Hälfte des Flügels; die 
vena internomedia endet über, selten in der Mitte der äusseren Hälfte 
desselben. 

Diese Gattung ist nahe verwandt mit Archimylacris , unterscheidet 
sich aber durch grössere Gleichmässigkeit in der Bildung des Band- und 
Schulterfeldes, breitere area externomedia und schmälere, durch Kichtung 
des Schulternd erendes bedingte area scapularis. Bei Anthraco-^ Gera- 
und Hermatoblattina erreicht das Randfeld bedeutendere Länge ; bei ersterer 
sind ausserdem die Aeste der vena externomedia, bei letzterer die der 
V. scapularis nach dem Innenrande, bei Etohlattina dagegen beide nach 
dem Aussenrande des Oberflügels gerichtet. Bei Progonohlattina ist das 
äussere Mittelfeld von grösserer Wichtigkeit, was noch stärker bei Petra- 
hlattina hervortritt, wodurch sich diese Gattung, ebenso wie Ory etohlattina 
durch die eigenthümliche Anordnung des Flügelgeäders, von allen anderen 
unterscheidet. 

Zu Etohlattina gehören die meisten aller bisher bekannten paläozoi- 
schen Blattiden (21 Arten); dieselben treten sowohl im Carbon, als im 
Rothliegenden auf, sind aber fast ausschliesslich europäisch, da aus der 
amerikanischen Steinkohlenformation bisher nur zwei beschrieben worden 
sind. Hierher muss auch das auf Taf. I, Fig. 1 abgebildete Exemplar ge- 
stellt werden, da es alle oben genannten Kennzeichen dieser Gattung besitzt. 

1. Etohlattina flahellata Germ. var. Stelsneri. 

Taf. I. Fig. 1. a — d. 

Von allen bisher bekannten paläozoischen Blattiden dürfte das vor- 
liegende Exemplar, welches ich, wie schon bemerkt, der Güte des Herrn 
Prof. Dr. A. Stelzner in Freiberg verdanke, wohl das vollständigste sein, 
da es ausser den sehr deutlichen Vorderflügeln — meist den einzigen 
Ueberresten von Schaben aus paläozoischen Formationen — noch das 
M^ohlerhaltene Halsschild, Fragmente der Hinterflügel und die hinteren 
beiden Beinpaare erkennen lässt. Fig. 1 zeigt das Thier von oben mit 
den durch den Körper durchgedrückten Beinen. Vom Vorderrande des 
Halsschildes bis zu den Spitzen der Hinterflügel misst dasselbe 29 mm. 

Das 7,5 mm lange und wenig hinter der Mitte 6,3 mm breite Hals- 
schild ist von elliptischer Form, am Vorderrand stärker, als an dem in 
der Mitte leicht vorgezogenen Hinterrande gebogen, lieber der Befesti- 
gungsstelle der Vorderflügel gehen die Seitenränder mit einer stumpf ge- 
rundeten Ecke in den Hinterrand über. Die zahlreichen Falten der Ober- 
fläche deuten auf eine ursprünglich starke Wölbung des Halsschildes hin. 
Am Vorderrand ragt ein Ueberrest des Kopfes als wenig glänzende Sub- 
stanz hervor. 

Einige unregelmässige Buckel und Wülste unter den Hinterflügeln 
sind als Ueberreste des Hinterleibes anzusehen, dessen Form aus ihnen 
jedoch nicht mehr zu bestimmen ist. 

Scharf ausgeprägt sind die Vorderflügel. Der linke (Fig. la) ist 
fast vollständig erhalten und zeigt bei einer Länge von 23 mm und einer 
grössten Breite von 7,3 mm, die aber durch Längsfältelung etwas ver- 


35 


ringert zu sein scheint, eine lang-eirunde Form. Die Basis des Flügels 
ist z. Th. zerstört, lässt sich aber leicht nach dem rechten ergänzen. Die 
fünf Hauptadern treten an der Basis scharf getrennt hervor. Die dem 
Aussenrande nahezu parallele und erst gegen das Ende hin allmählich 
genäherte vena mediastina läuft bei der Flügellänge in denselben aus, 
nachdem sie sich kurz vorher in zwei kleine Aestchen gespalten hat. Das 
so abgegrenzte, auf seiner ganzen Länge fast gleich breite ßandfeld nimmt 
ungefähr Vö der Flügelbreite ein. Von den sehr schief nach hinten ge- 
richteten Zweigen der Mediastina sind die zwei der Flügelbasis zunächst 
liegenden nur in ihren Enden am Aussenrande zu erkennen und scheinen 
einfach zu sein, während der 3. bis 6. sich gabelig spalten, der 7. sich 
durch wiederholte Gabelung in vier Aestchen theilt, der 8. und 9. wieder 
einfach ist. Die vena scapularis entspringt am Grunde des Flügels in der 
Mitte zwischen der v, mediastina und der v. analis und geht, von einer 
leichten Krümmung zu Anfang abgesehen, fast geradlinig zur Flügelspitze, 
die sie aber nicht erreicht. Nahe dem ersten Dritttheil ihrer Länge 
giebt sie zum Aussenrande einen einfach- und hierauf einen doppelt-gabeln- 
den Ast ab. Wenig vor dem zweiten Dritttheil der Länge theilt sich der 
Hauptstamm selbst und sendet der äussere Ast durch mehrfache Thei- 
lung 3, der innere 4 Zweige zum Aussenrande ab, so dass nahe diesem 
die area scapularis von 13 Zweigen der Schulterader durchzogen wird. 
Der flach S-förmig gekrümmte Hauptstamm der vena externomedia er- 
reicht den Innenrand des Flügels kurz vor der Spitze. Der erste Ast 
entspringt auf gleicher Höhe mit dem der Schulterader und verläuft fast gerad- 
linig zur Flügelspitze, kurz vor seinem Ende doppelt gabelnd. Die zwei 
folgenden Aeste theilen sich einfach und liegen einander aber näher, als 
der zweite dem ersten. Im zweiten Dritttheil der Länge theilt sich der 
Hauptstamm selbst in zwei dichotomirende Aeste. Sämmtliche Zweige 
gehen von der Hauptader nach aussen und folgen der Längsrichtung des 
Flügels. Im Verlauf sehr ähnlich ist die vena internomedia^ die nahe der 
Flügelbasis nach aussen, in der Mitte nach innen und gegen das Ende 
wiederum nach aussen gekrümmt ist und somit eine wellenförmige Biegung 
annimmt. Ihre zwei ersten nach dem Innenrande verlaufenden Zweige 
folgen in der Krümmung der vena analis^ der fast geradlinige dritte gabelt 
und von den folgenden, nach dem Analfelde zu gekrümmten, sind die ersten 
zwei ungetheilt, der dritte einfach- und der vierte doppelt-gabelnd. Un- 
gefähr in gleicher Entfernung von der Flügelbasis, wie die vena externo- 
media, theilt sich auch der Haupt stamm der v. internomedia in zwei z. Th. 
wiederholt gabelnde Aeste. Die 17 Zweige dieser Ader sind nahe dem 
Innenrande weiter von einander entfernt, als die der übrigen. In der area 
analis erkennt man 7 Adern, von denen die ersten vier, der Analis zu- 
nächst liegenden, dieser in nahezu gleichen Abständen parallel laufen und 
einfach sind, die fünfte und sechste dichotomiren ; die siebente innerste 
verläuft dem Bande des Analfeldes fast parallel, mündet aber wie die 
übrigen in den Innenrand des Flügels. 

Zwischengeäder scheint zu fehlen, nur nahe der Flügelbasis sind einige 
die Hauptadern verbindende Queräderchen zu bemerken. 

Der rechte Vorderflügel (Fig. Ib) ist nicht so vollständig erhalten, 
zeigt aber dieselbe Anordnung der Hauptadern wie der linke, während 
sich in den Verzweigungen derselben Unterschiede bemerkbar machen. Die 
Zweige der vena mediastina gabeln im linken Flügel zum grössten Theil, 
während sie im rechten vorwiegend einfach sind und es beträgt daher ihre 

3 * 


36 


Zahl auf gleiche Länge des Randfeldes hier nur 15 gegen 18 im linken 
Flügel. Im letzteren spaltet sich der zweite Ast der vena scapularis dop- 
pelt, im ersteren nur einfach gabelig, auch sind die Zweige des inneren 
Gabelastes der Hauptader in jenem einfach, in diesem z. Th. wiederum 
gespalten, so dass im linken Flügel 13, im rechten nur 12 Aeste der 
Schulterader den Aussenrand erreichen. Vom äusseren und inneren Mittel- 
feld sind nur die der Flügelmitte zunächst liegenden Theile erhalten, 
vielleicht in Folge der theil weisen Bedeckung des rechten durch den linken 
Flügel im Ruhezustände und damit verbundene weichere Beschaffenheit des 
ersteren. Die Adern des Analfeldes sind in beiden Vorderflügeln an Zahl 
gleich, dagegen sind sie rechts alle einfach. 

Es ist also an diesem Exemplare eine ähnliche, wenn auch nicht so 
bedeutende Abweichung in der symjnetrischen Anordnung des Geäders 
beider Flügel zu/beobachten , wie sie E. Geinitz an Anthracoblattina ah- 
normis E. Sein. = sopita Scudd. beschrieben hat*), und die auch bei den 
recenten Arten nicht zu selten auftritt. 

Die Hinter fl ügel sind leider nur theilweise erhalten. Sie liegen 
über dem Rücken des Thieres gekreuzt und bedeckt der linke einen Theil 
des rechten. Sie sind von spitz-dreieckiger Form, nach hinten breit ge- 
rundet, ca. 21 mm lang, also nur wenig kürzer als die Oberflügel und 
nahe dem hinteren Ende 6 mm breit. Ihre Begrenzung ist ziemlich 
deutlich zu verfolgen. Zwei scharf ausgeprägte, sich in der Mitte der 
Flügellänge kreuzende gerade Linien begrenzen sie nach innen. Diese ent- 
sprechen den Analadern, um welche sich, wie bei den recenten Arten, das 
gefaltete Analfeld unter den übrigen Theil des Flügels legt und von 
diesem bedeckt wird. Der leicht concave Aussenrand ist weniger deut- 
lich und nur als Grenze der schwach glänzenden Flügelsubstanz angedeutet. 
Die Nervatur ist bei beiden nur im hinteren Theile erhalten. 

Am linken Hinterflügel (Fig. 1 c) erscheint dem Aussenrande zunächst 
das Ende einer Hauptader, von der zuerst ein gabelnder, dann ein ein- 
facher Ast ausgeht, während das Ende der Hauptader selbst gabelt. Diese 
muss wohl, analog der Nervatur der Hinterflügel in Fig. 2 und 3, als 
vena meäiastina betrachtet werden. Das Ende des Randfeldes ist ganz ent- 
sprechend dem der Yorderflügel gebildet, nur reicht dasselbe weiter nach der 
Flügelspitze hin, als im letzteren. Neben dieser Ader geht von der Flügel- 
mitte zur Spitze eine zweite, die zu ihrem Beginn einen gabelnden Zweig 
nach dem Rande abgiebt und hierauf selbst gabelt. Der äussere Ast theilt 
sich in zwei wiederum bifurkirende, der innere durch dreimalige Gabelung 
in vier einfache Zweige. Der Haupt stamm endet kurz vor der Flügel- 
spitze und sendet insgesammt 10 Aestchen zum Aussenrande. Diese 
Ader muss als vena scapularis gedeutet werden, ganz ähnlich wie im 
Oberflügel. Das Schulterfeld erscheint im Hinterflügel kürzer, als im 
Vorderflügel. Nach innen folgt dann eine doppelt-, eine einfach-gabelnde 
und mehrere ungetheilte Adern, von denen es aber zweifelhaft ist, welche 
zur inneren und welche zur äusseren Mittelader gehören. 

Im rechten Hinterflügel bemerkt man am Aussenrande nur noch 
die Ausläufer der letzten Zweige der v. meäiastina. Die vena scapularis 
gabelt ganz ähnlich, nur z. Th. etwas früher wie im linken und giebt 
11 Aestchen an den Aussenrand ab. Auch die Theilung der nach innen 


'*) Nov. Acta Ac. C. Leop. XLI. p. 423. 


37 


folgenden Adern ist eine ganz analoge, nur durch die Länge der Zweige 
etwas verschiedene; der Analader zunächst laufen noch sechs einfache 
Adern in den Spitzen- und Innenrand des Flügels aus. 

Auch an den Hinterflügeln wiederholen sich also wie an den vorderen 
geringe Abweichungen von der symmetrischen Anordnung des Geäders der 
entsprechenden Flügel. 

Wie schon erwähnt, sind an unserem Exemplare auch die Beine vor- 
handen. Die Lage des vorderen Paares deuten zwei wulstförmige Er- 
höhungen am Hinterrande des Halsschildes an. Besser erhalten sind die 
beiden anderen Beinpaare mit den Hüften. Letztere stellen an den Mittel- 
beinen dreieckige bis eiförmige, 3 mm lange und ca. 1,5 mm breite, ge- 
wölbte Körper dar, an deren Hinterrand die Schenkel anstossen. Diese 
sind 4,5 mm lang und ca. 1 mm breit und verschraälern sich nur wenig 
nach aussen. Am linken ist ziemlich deutlich der Trochanter durch eine 
Furche abgetrennt, am rechten deutet eine schiefe Längslinie die kantige 
Beschaffenheit der Schenkel an. Die Schienen sind bei 5 mm Länge 
0,5 mm breit und in der Mitte leicht verdickt. An den 4, bez. 3 mm 
langen Tarsenfragmenten ist eine Gliederung nicht mehr zu erkennen. 
Noch schärfer ausgeprägt erscheinen die Hinterbeine mit ihren trapez- 
förmigen , am Hinterrande schief abgeschnittenen Hüften. Kleine drei- 
eckige Trochanteren stellen die Verbindung mit den 4,5 mm langen 
und an der Basis 1,3 mm breiten, sich nach aussen verschmälernden 
Schenkeln her. Die Schienen haben eine Länge von 6,6 mm und 
eine Breite von 0,5 mm, an der rechten ist noch ein Tarsenfragment 
befestigt. 

Von Wichtigkeit ist die Beschaffenheit der Schenkel und Schienen. 
Während die ersteren vollständig glatt erscheinen, sind die Hinterschienen 
mit deutlichen, in Eeihen ziemlich regelmässig angeordneten Dornen be- 
setzt, ein Umstand, der uns vielleicht den Weg zeigt, wo die mit unserem 
Fossil am nächsten verwandten recenten Gattungen zu suchen sind. 
Vergleichen wir dasselbe zunächst mit den bisher beschriebenen Blatti- 
den des Carbon und Bothliegenden. Scudder scheidet diese in zwei 
Gruppen: Mylacridae und Blattinariae, von denen die ersteren sich durch 
dreieckiges Randfeld und radiale Anordnung der Zweige der vena me- 
diastina auszeichnen, während bei den letzteren das Randfeld einen fast 
gleichmässig breiten Streifen längs des Flügelrandes bildet und die Zweige 
der Randader in regelmässigen Intervallen vom Hauptstamme ausgehen. 
Zu letzteren muss auch unser Fossil gestellt werden, und zwar — wegen der 
Länge des Randfeldes, das noch nicht bis zum zweiten Dritttheil der 
Flügellänge reicht, der vor der Spitze desselben endenden Schulterader, 
des verhältnissmässig breiten äusseren Mittelfeldes, welches mit dem 
Schulterfeld zusammen weniger als die Hälfte des Flügels einnimmt und 
der bis nahe zur Flügelspitze reichenden Internomedianader — zu Etoblat- 
tina Scudd. 

Unter den 21 bekannten Arten dieser Gattung lassen sich Etoblattina 
anthracopMla Germ., EtoU. flabellata Germ. (incl. Gerahlattina Münstevi 
Scudd.), Etobl. anaglyptica Germ, und Etohl. weissigensis E. Gein. leicht 
von den übrigen scheiden. Sie zeichnen sich durch die stark wellenförmige 
Biegung der vena internomedia aus, in Folge deren das hintere Ende des 
inneren Mittelfeldes einen schmalen bandartigen Streifen längs des Innen- 
randes bildet, während bei den übrigen das ganze Feld mehr oder weniger 
dreieckig ist. Schon E. Geinitz hat die nahe Verwandtschaft dieser vier 


38 


Arten erkannt*) und die Ansicht ausgesprochen, dass dieselben vielleicht 
zu einer Art vereinigt werden könnten. Wenn mir dies auch zu weit 
gegangen scheint, da zwischen den oben genannten Arten doch noch 
immer ziemlich beträchtliche Unterschiede vorhanden und zur Zeit 
noch zu wenig Exemplare bekannt sind , die üebergänge zwischen 
den einzelnen Arten vermitteln, so könnte man dieselben doch, um 
ihre nahe Verwandtschaft anzudeuten, zu einer Gruppe vereinigen und, 
nach einer der am längsten bekannten Arten , vielleicht als Gruppe 
der Etohlattina flahellata Germ., bezeichnen. Hierzu gehört auch das 
im Vorhergehenden beschriebene Exemplar. Vergleichen wir dasselbe 
mit den genannten vier Arten, so weicht es, ganz abgesehen von 
der Grösse, am meisten ab von Etoblattina weissigensis E. Gein. , einer 
Art, die sich von den übrigen durch die geringe Zahl der Aeste der 
vena mediastina, externomedia und internomedia auszeichnet. Von Eto- 
hlattina anthracopJiila Germ, unterscheidet sich unser Exemplar durch 
schmäleres Randfeld und grössere Zahl der Zweige der beiden Mittel- 
adern; Etohl. anaglyptica Germ, zeigt eine grössere Einfachheit in der 
Theilung der vena scapularis und internomedia. Vergleicht man dagegen 
Etohl. flaMlata Germ, von Wettin mit unserem, so ist eine wesentliche 
Uebereinstimmung zwischen beiden nicht zu verkennen. Das Randfeld der 
Wettiner Art ist zwar kürzer als das der unseren, die in dieser Hinsicht 
mit der var. dyadica E. Geinitz übereinstimmt, in der Vertheilung der 
Felder und der Verzweigung der Adern aber zeigt sich eine so grosse 
Aehnlichkeit, dass es gerechtfertigt erscheint, beide zu vereinigen und die 
hier beschriebene Weissiger Art nur als eine Varietät abzutrennen, die ich 
nach Herrn Prof. Dr. A. Stelzner nennen möchte. Sie nähert sich der 
eigentlichen Etohl. flahellata Germ, bedeutend mehr, als der von E. Geinitz 
auch aus den Brandschiefern von Weissig beschriebenen Varietät dyadica. 

Der Grössenunterschied, der überdies die unserige von beiden unter- 
scheidet, kann nicht als massgebend betrachtet werden, wenn man be- 
denkt, wie sehr die Grössenverhältnisse der Flügel bei einer und derselben 
recenten Art variiren. 

2. Etohlattina ? carhonaria Germ. var. 

Taf. I. Fig. 2. 3. 

Im Königl. Mineralogisch - geologischen Museum zu Dresden befindet 
sich von Weissig das vollständige Exemplar einer auf dem Rücken liegen- 
den Blattina, dessen Erhaltungszustand aber leider so mangelhaft ist, dass 
nicht mit Sicherheit bestimmt werden kann, mit welcher der bisher be- 
schriebenen Arten es zu vereinigen ist. Die Hinterflügel verdecken einen 
grossen Theil der vorderen und das Geäder ist z. Th. so verwischt, dass 
das Zeichnen desselben mit den grössten Schwierigkeiten verbunden war. 
Am besten erhalten ist die rechte Seite (Fig. 3). 

Der erhaltene Theil des Vorderflügels ist 12,3 mm lang und 
scheint an der Basis nur wenig zu fehlen. jÖas Randfeld endet im zweiten 
Dritttheil der Länge und ist ziemlich schmal. Von den Zweigen der vena 
mediastina sind die ersten vier und der sechste einfach, der fünfte und 
siebente gabelig gespalten. Nahe dem Ende sieht man noch einige un- 
deutliche Aederchen. Die kräftig gebogene Schulterader giebt zuerst zwei 


U Nov. Act. Ac. C. Leop. XLI. p. 433. 


39 


gabelnde, dann einen einfaclien und hierauf wieder zwei gabelnde Aeste 
an den Aussenrand des Flügels ab. Von den übrigen Hauptadern sind 
nur die Basaltheile sichtbar. 

Auch vom rechten Hinterflügel ist nur ein 9,6 mm langes und 5 mm 
breites Fragment vorhanden. Nahe dem Aussenrande läuft bis über die 
Mitte des Flügels hinaus eine ziemlich scharf ausgeprägte, am Ende leicht 
nach aussen gebogene Ader (m), die ohne Verzweigungen ist. Sie ent- 
spricht der vena mediastina und schneidet ein schmales Randfeld ab, wel- 
ches durch eine flache Längsfurche getheilt wird. Ihr zunächt folgt eine 
an der Flügelspitze endende Ader (s), die nach dem Aussenrande einen 
einfachen, dann zwei gabelnde und zuletzt noch einen einfachen Ast ab- 
giebt und kurz vor dem Ende selbst gabelt. Sie entspricht in der Art 
ihrer Verästelung ganz der Schulter ader des Vorderflügels und ist als 
deren Aequivalent anzusehen. Die Zahl ihrer Aeste ist geringer, als im 
Vorderflügel und gabeln hier nur zwei Aeste gegen vier im letzteren. 
Die vena externomedia (e) bifurkirt schon in der ersten Hälfte der Länge 
auf gleicher Höhe wie die Schulterader und sendet der äussere Zweig 
durch wiederholte Theilung drei, der innere zwei Aeste zur Flügelspitze. 
Die area externomedia ist sehr schmal, nach hinten nur wenig verbrei- 
tert. Von der vena internomedia sind nur einige Zweige sichtbar. Die 
area analis fehlt. Der Hinterflügel scheint etwas kürzer zu sein, als der 
vordere, wenn nicht letzterer in Folge von Abtrennung vom Körper nach 
hinten verschoben ist. 

lieber die übrigen Theile des Körpers ist bei dem zu mangelhaften 
Erhaltungszustände nichts Näheres anzugeben. 

Beim Vergleiche dieses Restes mit den von Weissig beschriebenen 
Arten kommen w^ohl nur Etohlattina flatellata var. dyadica E. Gein. und 
EtoM. carlonaria var. JDeichnülleri E. Gein. in Betracht. IRit ersterer 
hat unser Fossil gemein das längere, auf seine ganze Ausdehnung hin fast 
gleich breite Randfeld, was bei letzterer relativ kürzer ist und sich nach 
dem Ende zu allmählich verschmälert ; dagegen erfolgt bei jener die 
Theilung der Schulterader viel später, auch ist die Gabelung der Zweige 
und deren Zahl, so weit zu erkennen, eine andere, als an dem vorliegenden 
Thiere, welches sich in dieser Beziehung mehr der Etobl, carhonaria Germ, 
var. Deichmiilleri E. Gein. nähert. Noch mehr tritt diese Verwandtschaft 
beim Vergleiche mit den Germar’schen Arten selbst hervor. Bei Eto~ 
Nattina carhonaria Germ, hat das Randfeld die gleiche Länge und Breite 
wie bei der unseren, die kleinen Verschiedenheiten in der Gabelung 
der Zweige der vena mediastina sind wohl zu gering, um mass- 
gebend sein zu können. Dagegen ist die Verzweigung der Schulterader 
ganz die gleiche, wie bei der hier beschriebenen kleineren Varietät. Die 
zuvor angeführte lieber einstimmung mit Etohl, flahellata var. dyadica 
E. Gein. in Bezug auf das Randfeld kommt beim Vergleiche der Germar- 
schen Art selbst in Wegfall, da bei dieser die area mediastina bedeutend 
kürzer ist. In der Grösse stimmt unser Exemplar mehr mit der Weissiger 
Varietät der Etohl. carhonaria Germ, überein, als mit der typischen Art 
von Wettin. 

Ein dem vorigen sehr ähnlicher Hinterflügel (Fig. 2) wurde im ver- 
gangenen Herbst durch Herrn W. Schmitz-Dumont bei Weissig entdeckt. 
An demselben fehlt ausser dem Analfeld auch der diesem zunächst 
liegende Theil des Internomedianfeldes. Der Flügelrest ist 13,6 mm lang 
und im hinteren Theile 5,6 mm breit. Die area mediastina hat fast die 


40 


Form eines flachen Kreisabschnittes und ist nach hinten scharf zugespitzt. 
Die Randader läuft bei ca. zwei Dritttheil der Länge in den Aussenrand 
aus. Eine flache Längsrinne durschschneidet das Feld fast bis zum hin- 
teren Ende. Die vena scapularis läuft gerade zur Flügelspitze und geht 
der erste einfache Ast wenig vor der Mitte zum Aussenrande. Der fol- 
gende spaltet sich in drei Zweige, der dritte ist einfach, der vierte gabelig 
gespalten, während sich die Hauptader noch kurz vor dem Ende in zwei 
Aeste spaltet. Die vena externomedia theilt sich genau wie in dem vorher 
beschriebenen Hinterflügel in fünf Aeste. Von den Zweigen der vena 
internomedia ist der erste dreitheilig, der zweite einfach, der dritte zu er- 
kennende gabelig getheilt, ohne dass jedoch ihr Zusammenhang nach der 
Basis hin zu erkennen ist. Die Adern sind an der Flügelspitze in Folge 
von Zerklüftung des Gesteins verschoben. 

Dieser Flügel ist grösser als der in Figur 3 abgebildete, zeigt auch 
sonst einige Verschiedenheit in der Vertheilung der Felder. Das Rand- 
feld ist nach hinten viel spitzer und endet der Flügelspitze näher, als in 
jenem. Die Verzweigung der vena scapularis beginnt etwas früher, ist im 
Allgemeinen aber jener ganz ähnlich. Dagegen scheint mir ein grösserer 
Unterschied in der Form des Schulterfeldes zu liegen. Bei dem Fig. 3 
dargestellten Exemplare biegt sich die Schulterader nach der Spitze zu, 
ist also nach dem Aussenrande leicht convex, während sich bei dem zweiten 
Flügel diese Ader nach der umgekehrten Richtung krümmt, also nach dem 
Innenrande zu flach convex ist. Ob aber dieser Unterschied berechtigt, 
beide von einander zu trennen, scheint mir zweifelhaft, zumal da bei dem 
sehr mangelhaften Zustande des in Fig. 3 dargestellten Exemplares Täusch- 
ungen nicht ausgeschlossen sind. Es dürfte daher wohl vorzuziehen sein, 
bis auf Weiteres beide Hinterflügel zu einer Art zu stellen. 


Ory ctoblattina S c u d d e r . 

Diese Gattung war bisher nur in einer Art, Ory ctoblattina reticulata 
Germ., aus der Steinkohlenformation von Wettin, vertreten; sie zeichnet 
sich vor allen anderen fossilen Blattiden durch die abweichende Art der 
Vertheilung der Adern im Flügel aus, und schon Giebel sagt in der 
„Fauna der Vorwelt“, dass sie als Typus einer eigenthümlichen Gattung 
angesehen werden müsse. 

Scudder führt folgende charakteristische Merkmale auf: Die vena 
internomedia endet vor der Mitte der äusseren Hälfte des Flügels, die 
V. externomedia nahe der Flügelspitze, die von der area scapularis allein 
eingenommen wird ; Schulterfeld und äusseres Mittelfeld bedecken zu- 
sammen mehr als die Hälfte des Flügels; die Hauptadern liegen in der 
basalen Hälfte weit von einander entfernt, ihre Aeste in einzelnen Theilen 
gedrängter, als in anderen. — Dieser Diagnose entspricht im Allgemeinen 
ein Vorderflügel, den ich im vergangenen Herbst bei Weissig fand und 
der Sammlung des Königl. Mineralogisch - geologischen Museums zu 
Dresden überliess, wenn auch einige Abweichungen vorhanden sind, die 
beim Vergleiche mit Oryctohlatiina reticulata Germ, besprochen werden 
sollen, 


41 


Oryctohlattina ohlonga nov. sp. 

Der Vorderfliigel ist oblong, an der Basis breiter gerundet, als an 
der Spitze, 15,5 mm lang und in der Mitte 5,2 mm breit. Die vena me- 
diastina entspringt an der Basis nabe dem Aussenrande, entfernt sich aber 
von diesem unter leichter Biegung nach aussen ziemlich schnell bis wenig 
hinter das erste Viertheil der Flügellänge, wo das Bandfeld die grösste 
Breite hat und nähert sich dann wieder, leicht nach aussen convex ge- 
krümmt, dem Bande, in welchen sie bei ca. Y'> Länge einmündet. 
Diese Ader ist scharf markirt durch eine ziemlich tiefe Furche. Das fast 
säbelförmige Bandfeld würd durch eine feine Längsader, die nach hinten 
verschwindet, getheilt. Eigentliche Zweige fehlen der Mediastina, werden 
jedoch im Bandfeld durch ausserordentlich zarte, dicht gedrängte Quer- 
äderchen ersetzt, die meist schief nach hinten gerichtet sind. Am kräf- 
tigsten entwickelt ist die vena scapularis^ deren Aeste scharf aus der 
Oberfläche des Flügels hervortreten. An der Basis ist sie mit der Band- 
ader vereinigt und trennt sich erst an der breitesten Stelle des Band- 
feldes von derselben. Kurz nach der Trennung gabelt die Hauptader; der 
eine Ast ist einfach und endet am Innenrand bei ca. 3^4 der Länge, der 
andere gabelt noch vier Mal und sind die nach innen gerichteten Zweige 
z. Th. ungetheilt, z. Th. wiederholt gabelig gespalten, so dass die Schulter- 
ader insgesammt zehn Aeste zum Innen- und Aussenrand und der Flügel- 
spitze entsendet. Zwischen denselben treten, wie bei manchen recenten Blatti- 
den, Beihen länglicher Höckerchen hervor, die der Hauptader zunächst am 
schärfsten ausgeprägt sind, nach den Bändern zu aber allmählich ver- 
schwinden. Feine polygonale Zellen bildende Queräderchen verbinden die 
einzelnen Zweige der Schulterader und bedecken auch den breiten, lanzett- 
lichen Zwischenraum zwischen dieser und der Bandader, sind aber nach 
der Flügelspitze zu verwischt. Die vena externomedia tritt gegen die 
übrigen Adern ganz zurück, sie bildet nur eine feine, unverzweigte Linie, 
die über der Mitte der hinteren Flügelhälfte in den Innenrand einmündet. 
Die lange schmale area externomedia ist ähnlich wie das Schulterfeld mit 
einem Netzwerk grösserer, ungleichmässiger polygonaler Zellen bedeckt. 
Die nur an der Basis leicht gekrümmte vena internomedia läuft fast gerade 
zum Innenrande und fehlen auch dieser eigentliche Aeste. An Stelle der- 
selben ist das innere Mittelfeld längs der begrenzenden Ader mit einem 
aus feinen polygonalen Zellen bestehenden Geäder bedeckt, das sich nach 
dem Bande zu in zarte Parallelnerven auflöst, deren man etwa 15 zählen 
kann. Auch die nach hinten scharf zugespitzte area analis ist ohne Adern 
und hier dasselbe feine polygonale Netzwerk, das sich nach dem Innen- 
rande des Flügels in sehr zahlreiche Parallelnerven auflöst, wie im Interno- 
medianfelde ausgeprägt. 

Unsere Art weicht schon in der Form des Flügels von der Wettiner 
wesentlich ab, da diese an der Basis und Spitze viel breiter ist. Die An- 
ordnung der Hauptadern aber ist im Wesentlichen dieselbe, doch muss 
hier auf eine Verschiedenheit in der Auffassung der Begrenzung des Band- 
feldes aufmerksam gemacht werden. Scudder betrachtet die von Ger- 
mar als Bandader aufgefasste Ader als zur vena scapularis gehörig, 
dagegen die feine Längsader, welche nach Letzterem dessen Bandfeld 
theilt, als eigentliche Bandader. Die Germar’sche Ansicht scheint mir 
die richtigere aus folgendem Grunde zu sein: Auch das Weissiger 
Exemplar zeigt im Bandfelde (nach Germar) eine feine Längsader, die 


42 


aber weder nach der Basis zu deutlich mit der Randader zusammen- 
hängt, noch auch bis zum Aussenrande läuft, vielmehr nach hinten 
zu verschwindet. Ferner ist unsere Randader deutlich markirt durch 
eine verhältnissmässig tiefe Furche, während die Zweige der Schulter* 
ader kielartig aus der Oberfläche des Flügels hervortreten. Die feinen 
Queräderchen gehen von der Randader aus und setzen sich z. Th. ohne 
Unterbrechung über jene erwähnte Längsader im Randfelde fort. Für 
diese Auffassung scheinen mir auch die feinen Aederchen zu sprechen, die 
in der Scudder’schen Abbildung zwischen seiner Rand- und Schulter- 
ader am Aussenrande gezeichnet sind und wohl als Zweige der Randader 
aufzufassen sind. Die Schulter ader unseres Exemplars zeigt insofern 
eine Abweichung von der der Germar’schen Art, als bei dieser zwei ge- 
trennte Zweige aus der Randader entspringen, bei unserer hingegen diese 
Zweige durch Gabelung eines Hauptastes entstehen. Die Zahl der Zweige 
und die Art ihrer Theilung ist in beiden wenig verschieden. Wesentlichere 
Unterschiede hingegen bieten die vena externomedia und internomedia dar, 
indem bei der dyadischen Art beide einfach ohne alle Theilung zum Innen- 
rande gehen und in Folge dessen die betreffenden Felder w'esentlich andere 
Form erhalten. Im Analfeld fehlen die von Germar an der Wettiner 
Art beobachteten Längsadern. 

Wie schon erwähnt, lässt sich die für Oryctdblattina gegebene Diagnose 
Scudder’s nicht in allen Punkten auf unsere Art anwenden, der Haupt- 
unterschied liegt in der Lage der Externomedianader. Nach Scudder sind 
die durch’ Kürze der axea internomedia und verhältnissmässig bedeutende 
Grösse des von der area externomedia und scapularis eingenommenen 
Flügeltheils vor allen anderen Blattinarien ausgezeichneten Gattungen 
Frogonohlattina, Oryctohlattina und Fetrahlattina nach der Lage der Ex- 
ternomedianader in zwei Gruppen getheilt. Bei den zuerst genannten 
reicht die vena externomedia bis nahe zur Flügelspitze, bei der letzt- 
genannten Gattung endet sie nahe der Mitte des Innenrandes. Für Orycto- 
hlattina reticulata Germ. , bis dahin der einzigen Vertreterin jener Gat- 
tung, gilt dies wohl, für Oryctohlattina ohlonga hingegen nicht mehr, da 
hier jene Ader der Mitte des Flügels viel näher als der Spitze in den 
Innenrand ausläuft. Ein viel auffallenderes Merkmal zur Trennung jener 
drei Gattungen scheint mir in der Grösse der area scapularis zu liegen. 
Bei Oryctohlattina nimmt dieses Feld die ganze Flügelspitze ein und wird 
durch den Aussenrand und einen ziemlich beträchtlichen Theil des Innen- 
randes begrenzt, bei Frogonohlattina und Fetrahlattina hingegen erreicht 
es noch nicht die Spitze des Flügels und wird nur von einem Theil des 
Aussenrandes umsäumt. Die letzteren beiden Gattungen lassen sich leicht 
scheiden durch die Art der Yertheilung der Aeste der vena externomedia^ 
indem bei Fetrahlattina dieselben in nahezu gleichen Intervallen und unter 
sehr steilen Winkeln vom Hauptstamme ausgehen und im Allgemeinen der 
Längsrichtung des Flügels folgen, bei Frogonohlattina hingegen mehr radial 
angeordnet sind. 


Zum Schlüsse seien mir noch einige Bemerkungen über das Verwandt- 
schaftsverhältniss gestattet, in welchem die hier beschriebenen Arten zu 
den recenten stehen. Von den bis jetzt bekannten Schaben aus paläozoi- 


D S. Scudder: Palaeozoic cockroaches. T. IV. f. 13, 


43 


sehen Formationen sind nur bei zwei Arten Ueberreste der Beine vor- 
handen und ist der Erhaltungszustand dieser leider so mangelhaft, dass 
ihre Beschafienheit nicht sicher festgestellt werden kann. Goldenberg er- 
wähnt bei Blattina Tischheini einen „Best des Hinterbeines, nämlich einen 
Theil des Schenkels und Schienbeines mit Spuren von Dornen“, ohne je- 
doch näher anzugeben, an welchem von beiden er sie beobachtet hat. An 
einer anderen Art, Anthracoblattina ahnormis^ deutet nach E. Geinitz die 
Querrunzelung der Eemora und LäDgsiältelung der unteren Glieder eine 
Behaarung oder Bedornung der Beine an, doch sind dieselben, wie ich 
mich an dem im Dresdener Museum befindlichen Originale überzeugt habe, 
zu undeutlich, um auf die Structur der Beine rückschliessen zu lassen. 
Das hier beschriebene Exemplar von Etohlattina flahellata Germ. var. 
Stehneri ist somit wohl das erste, welches dieselbe mit Sicherheit erkennen 
lässt. Die Schienen sind mit langen, kräftigen Dornen besetzt, die 
Schenkel aber unzweifelhaft glatt, weshalb schon von vornherein eine Ver- 
wandtschaft mit den Blattidae spinosae ausgeschlossen ist. Ob aber die 
verwandten Gattungen unter den Bl. muticae oder den nnditarsae zu 
suchen sind, darüber geben die Tarsenfragmente keinen Aufschluss und 
müssen daher die übrigen noch vorhandenen Körpertheile zu Hilfe ge- 
nommen werden. Das Prono tum weicht in seiner Form von den lebenden 
Arten wesentlich ab, indem das der letzteren meist breiter als lang, para- 
bolisch bis querelliptisch ist, das der fossilen Art aber, ähnlich wie bei 
Anthracoblattina ahnormis E. Gein. = sopita Scudd. länger als breit, 
eiförmig ist. Die Beschafienheit der Oberfläche, welche bei den recenten 
Schaben ein brauchbares Mittel zur Unterscheidung der Gattungen giebt, 
ist an unserem Exemplare nicht mehr zu erkennen. So bleiben zum Ver- 
gleiche nur die Flügel. Wie Scudder ausführlich darlegt, unterscheiden 
sich die Oberflügel der fossilen Schaben wesentlich von den der recenten 
durch das selbständige Auftreten der vena externomedia. Bei letzteren 
sind nur vier Hauptadern ausgeprägt, die veine scapulaire, humerale^ dis- 
coidale und anale (nach Saussure), die unserer vena mediastina, scapu- 
laris, internomedia und analis entsprechen. Bei allen Schaben des Carbon 
und Bothliegenden läuft nun zwischen der vena scapularis und der v. in- 
ternomedia noch eine fünfte Ader, die v. externomedia^ die bei den recen- 
ten meist nur noch durch einzelne nach innen gerichtete Zweige der veine 
humerale angedeutet ist und von Saussure als premiere veine discoidale 
unterschieden wird. Selbständiger hingegen tritt diese Ader bei Blahera 
Serv. auf und kann bis nahe zur Flügelbasis verfolgt werden, sie ähnelt 
sehr der äusseren Mittelader im Oberflügel der fossilen Schaben. Ein 
weiteres Merkmal, wodurch sich die letzteren von denen der recenten unter- 
scheiden, ist der Verlauf der Adern im Analfeld. Bei den paläozoischen 
Schaben gehen dieselben der Analader mehr oder weniger parallel und 
zum Innenrand des Flügels, bei den lebenden hingegen schneiden sie das 
Feld mehr diagonal und münden in die Analader selbst. Auch hier zeigen 
Blahera und verwandte Gattungen eine gewisse Aehnlichkeit mit den fossilen, 
indem sich bei diesen jene Adern nur zum kleineren Theil mit der vena analis 
vereinigen, die meisten aber in den Innenrand münden, ihre Kichtung bleibt 
aber eine das Rückenfeld diagonal schneidende. Vergleicht man die Hinter- 
flügel von Etohlattina flahellcita var. Stehneri und ? carhonaria mit denen 
von Blahera, so liegt der Hauptunterschied im Verlauf der Externomedian- 
ader und der Grösse der beiden Mittelfelder. Bei der genannten Gattung 
ist jene Ader (premiere veine discoidale) nur ein einfacher, unverzweigter 


44 


Nerv und die area intermmedia wesentlich auf Kosten der ar. externo- 
media vergrössert, bei Etoblattina aber ist die Externomedianader mehr- 
fach verzweigt und das zugehörige Feld daher relativ grösser als bei 
jener, ein Verhältniss, wie es ganz ähnlich aber die Hinterflügel der Bla- 
hem sehr nahe verwandten Gattung MonacJioda Burm. zeigen, bei welchen 
zwischen der veine humerale und seconde veine discoidale auch eine mehr- 
fach gabelnde Ader von der Basis zur Spitze des Flügels läuft, die unserer 
vena externomedia entspricht. 

Aus alledem scheint hervorzugehen, dass wir die nächsten Verwandten 
von Etohlattina Scudd. bei den recenten Gattungen Blahera Serv. und 
MonacJioda Burm. zu suchen haben und hat schon Scudder auf diese Ver- 
wandtschaft mit den Blaberiden hingewiesen. Wie weit dies auch auf die 
anderen fossilen Gattungen auszudehnen ist, will ich dahingestellt sein 
lassen; jedenfalls weichen manche unter diesen, wie z. B. OryctohlaUina 
Scudd., im Bau der Oberflügel so wesentlich von den Flügeln recenter 
Gattungen ab, dass ohne Kenntniss der übrigen Körpertheile kaum eine 
Verwandtschaft mit lebenden wird nachgewiesen werden können. 


Erklärung- der Abbildungen auf Taf. I. 

Fig. 1. Etohlattina fläbellata Germ. var. Stelmeri. — la und Ib. Linker imcl rechter 
Vorderüügel; Ic und Id. Linker und rechter Hinterfiügel. Vergr. Stach. — 
Original in der Sammlung der König!. Bergakademie in Freiberg. 

Fig. 2. Etohlattina carhonaria Germ. var. — Hinterflügel. Vergr. 3 fach. Original 
im Besitz des Herrn W. Schmitz-Dumont in Dresden. 

Fig. 3. Desgl. — Fragment des rechten Vorder- und Hinterflügels. Vergr. 3 fach. — 
Original im Königl. Mineralogisch-geologischen Museum in Dresden. 

Fig. 4. Oryctohlattina ohlonga nov. sp. — Vorderflügel. Vergr. 3 fach. — Origmal 
ebenda. 


Es bedeuten die Buchstaben: 

M = area mediastina oder Kandfeld, 

S = „ scapularis oder Schulterfeld, 

E = „ externomedia oder äusseres Mittelfeld, 

J — ,, internomedia oder inneres Mittelfeld, 

A == „ analis oder Rückenfeld, 

m = vena mediastina oder Randader, | 

s == „ scapularis oder Schulterader, > (in Fig. 3). 

e == „ externomedia oder äussere Mittelader | 


45 


VII. lieber die Pflanzengruppe der Rhizantherae 
EndL, insbesondere über Rafflesia. 

Von Freiherrn D. von Biedermann. 

(Mit Tafel II.) 

Die Familie, die ich heute besprechen will, wurde von Blume 
Rhizantheren genannt, weil alle ihre Glieder als Parasiten auf Wur- 
zeln anderer Pflanzen wachsen; Schott bezeichnete sie nach der hervor- 
ragendsten Gattung derselben als Raffle siaceen. 

Endlicher hat aus ihr seine XL Klasse gebildet und steht sie unter 
den Monocotyledonen, während sie bei Sachs die XIL Klasse ausmacht, 
hier aber zu den Dicotyledonen (im zweiten Kreis der ,,Monochlamideen“) 
gestellt ist. Ihre Charakteristik ist folgende: 

Sie sind Parasiten, zwitterlich, oder durch Verkümmerung ein- bis 
zweihäusig; vielblüthig, auf gemeinsamem Fruchtboden, oder einblü- 
thig. Perianthium ober ständig, einblätterig, 3 — ötheilig, mit mehreren 
Hülldecken. Antheren drei bis viele, ein- bis mehrfächerig, mit meist 
verwachsenen Staubfäden, oder auch mit der Mittelsäule verwachsen. 
Pseudocarpium einfächerig, mit vielen kleinen, randständigen Sporen. 

Die R. sind fleischige Pflanzen ohne Chlorophyll, die unter der 
Rinde der Wurzeln anderer Pflanzen, ohne eigene Wurzeln und blattlos, 
mit oder ohne Schaft, wachsen. 

Trotz dieser Verschiedenheit in der Charakteristik der ganzen Gruppe 
zeigen doch die einzelnen Glieder eine deutlich ausgesprochene, enge Ver- 
wandtschaft, so dass man sie bald als zusammengehörig erkennt. 

Merkwürdig sind diese Pflanzen besonders dadurch, dass sie bei deut- 
licher Blüthenbildung in ihrem äusserlichen Habitus sehr an Pilze oder 
pilzartige Organismen erinnern; Blume sagt hierauf bezüglich, dass sie 
den Gastromycis sehr nahe ständen. Die entwickelten Befruchtungswerk- 
zeuge aber, das Pseudocarpium, die vorherrschende 3 — 5 Zahl der Organe, 
und ganz besonders die Anastomose der Gefässe scheidet sie aber physio- 
logisch streng von jenen.*) 

Die Gruppe der Wiimntherae Endl. umfasst zwei Familien, und zwar 
die Balamphorae Rieh, und die Mafßesiaceae Schott. 

I. Balamphorae Rieh. 

Eichler stellt in Martins’ Flora brasiliensis dieselben zu den Dicoty- 
ledonen (selten nur Monocotyledone), ohne Samenlappen. Es sind Para- 
siten, auf Wurzeln wachsend, ein- bis zweihäusig; die S meist mit drei- 


Es gewährt diese ganze Gruppe wieder ein Beispiel, dass die schaffende Natur 
eine stricte Systematik oft recht schwer macht. 

Ges. Isis in Dresden, 788S. — Abh. 7. 


46 


blätterigem Perigon, die ? ohne solches; drei verwachsene, vor den 
Blättern stehende Staubbeutel; Pistill 1 — 2fächerig mit 1 — 2 Griffeln. Die 
1 — 3 Eichen sind mit dem Eierstock verwachsen, oft gegenwandig. Die 
Frucht ist nussfÖrmig, einsamig, der Kern mit Sporenmasse gefüllt. Der 
Blüthenstand erhebt sich auf einem Schaft, ist kolbenartig, am Grunde 
meist mit einer Art Scheide, mehr einer Schuppe, aus der Masse des 
Schaftes bestehend, umgeben. 

Die Familie ist über sämmtliche Tropenländer vertheilt und zerfällt, 
nach Martins, in sechs Tribus, die ich mit möglichst kurzen Worten, 
unterstützt von den Abbildungen in der genannten Flora brasiliensis und 
in Blume’s Flora Javae, Ihnen vorführen will. 

1. Trb. Eubalanophorae Hook. 

S Blume 3 — 4 blätterig und ebenso viel Staubfäden (selten mehr). 

$ Bl. ebenso, mit 1 Pistill. Blüthenstand kolbig, mit einer Scheide. 
Rhizom knollig. Heimath: Hinterindien und Australien. 

Gattung JBalanopliora Forst. 

2. Trb. Langsdorfieae Schott. 

(? Bl. 3blätterig oder nur mit 2—6 Schuppen (Tönning), 3 — 5 sitzende 
Staubbeutel. 

9 Bl. mit 1 Pistill. Blüthenstand mit unvollkommenen Scheiden am 
Grunde, 1— 2häusig; kurzer, dicker Schaft (wachshaltig) ; Rhizom cylindrisch. 

Gattung Langsdorfia Mart.*) 
Gattung Tonningia Vahl. 

Erstere in Brasilien, letztere im südlichen Afrika zu Hause. 

3. Trb. Helosideae Schott. 

S Bl. regelmässig 3 lappig, bauchig bis glockenförmig; 3 Staubfäden, 
die bis zur Hälfte verwachsen sind und sich erst dann trennen; 3 zwei- 
fächerige Antheren (Fig. l). 

9 Bl. mit 2 Pistillen; Blüthenstand auf langem, dünnem Schaft mit 
mehreren (schuppenartigen) Scheiden; Rhizom knollig. 

Gattung Helosis Rieh. 

Hier tritt die oben erwähnte Pilzähnlichkeit recht deutlich hervor und 
erinnert das äussere Ansehen der ganzen Pflanze sehr an Agaricus 
cynophallus. 

Heimath; Brasilien. 

Gattung Phyllocoryne Hook. 

Heimath: Jamaica. 

Gattung Sphaerorhizon Hook. 

Heimath: Neu-Granada. 

Gattung Corynaea Hook. 

Heimath: Neu-Granada und Peru. 

Gattung JRhopalocnemis Joungh. 

Heimath: Java und am Himalaya. 

4. Trb. Seyhedieae Eichl. 

S Bim. 3 blätterig mit 3 verwachsenen Staubfäden und 3 zweifäche- 
rigen Staubbeuteln. 

9 Bim. mit 2 Pistillen. Büthenstand scheibenförmig, auf kurzem, 
schuppigem Schaft, 1. — 2häusig; Rhizom knollig. 


D Durch die Güte des Herrn Prof. Drude konnte ein getrocknetes Exemplar aus 
der Sammlung des hiesigen Königl. botanischen Gartens vorgelegt werden. 


47 


Gattung Scyhalium Schott, und Endl. 

Die Bracteen der Knospe, welche sich beim Wachsen der Pflanze 
am Schaft als Schuppen anlegen, und der schirmförmig ausgebreitete 
Blüthenboden geben dem Scyhalium fimgiforme (der einzigen Art) das Aus- 
sehen von Hydnum squamosum. Heimath: Brasilien. 

5. Trb. Lophophyteae Schott. 

d Bim. nackt; 2 Staubfäden mit 2 fächerigen Antheren, der Länge 
nach aufspringend, stehen oberhalb am Kolben. 

9 Bim. prismatisch mit 2 Pistillen, an der unteren Hälfte des Kol- 
bens in Häufchen sitzend. Blüthenstand kolbig; Schaft kurz, kleberig, 
stärkemehlhaltig. Sämmtlich in Brasilien heimisch. 

Gattung Lophophyt'um Schott, und Endl. 

Die walzenförmige Knospe ist dicht mit Schuppen bedeckt, so dass 
sie einem Fichtenzapfen nicht onähnlich ist. 

Gattung Omphrophytum Poepp. und Endl. 

Om. besitzt eine erwähnenswerthe Bildung des Blüthenstandes. Der 
ganze Kolben ist mit scheibenpilzförmigen Gebilden bedeckt, unter denen 
oberhalb (Fig. 2) an niedrigeren Stielchen mit stumpfer Spitze die S Bim. 
in Kreisen sitzen, während die ? Bim. (Fig. 3) an wiederum mit einem 
Schirm versehenen Stielchen sitzen. Die Anordnung ist eine regelmässige, 
im Quincunx. 

Gattung LatJiropliytum Eichl. 

Hier stehen die S Bim. ohne Schirme in regelmässigen Kreisen am 
oberen Theil des Kolbens, während die ? unterhalb jener unregelmässig 
vertheilt sind, aber an mit Schirmchen versehenen Säulchen sitzen, wie 
hei der vorhergehenden Gattung. 

6. Trb. Sarcophytae Hook. 

S Bim. 3 blätterig mit 3 freien Staubfäden und vielfächerigen An- 
theren, die mit zahlreichen Löchern aufspringen; kreisförmig am Kolben, 
oberhalb sitzend. 9 Bim. mit 1 Pistill mit schildförmiger Narbe; Frucht- 
knoten 3 fächerig; in Kugelhäufchen unter jener stehend. 

Gattung Sarcophytum Sporm. 

Heimath: im südlichen Afrika. 

11. Rafflesiaceae Schott. 

Die zweite Familie der Rafflesiaceae Schott., von Blume mit Rhimn- 
therae bezeichnet und von Beichenbach (unter Hinzurechnung der Sar- 
cophytae) Cytineae Brng. benannt, trennt Endlicher in zwei Familien, die 
Cytineen und Rafflesiaceen. Beider Charakteristik fällt aber zu- 
sammen, so dass ich sie hier auch zusammenstelle. 

Sie sind, wie die erste Familie, auf den Wurzeln der Mutterpflanze 
wachsende Parasiten, mit einem pilzartigen Schaft und vielblüthig, oder 
einblüthig und ohne solchen. Ein- bis zweihäusig, selten zwitterlich. 

d Bim. 4 — ötheilig; Staubgefässe 8 — 00, auf einer centralen Säule 
verwachsen, wodurch sie sich von voriger Familie streng scheiden. Pistill 
meist eingewachsen, Frucht kapselige, lederartige Beere, bei den Cytineen 
mit 2 lappigem Keimling in fleischigem Eiweiss, bei den Rafflesiaceen 
knochenhart. 

Die erste Gruppe der Cytineen, mit eingewachsenem Fruchtknoten, 
ist noch vielblüthig, mit gemeinschaftlichem Blüthenboden. 

Gattung Pilostyles Boiss. 
und Gattung Cytinus Lm. 


Heimath: im Mittelmeer gebiet. 


48 


Gattung Hydnora Thnbg.'’^) 

Heimath: im nördlichen Afrika. 

Die zweite Gruppe der Rafflesiaceae ist einblüthig, ohne Schaft, 
mit vorherrschender Fünfzahl. Sämmtlich auf Java einheimisch. 

Gattung Frostia Bert., 
Gattung Brugmansia Bl. (Mycetanthe Rchb.) 

und Gattung Bafflesia R. Br., 
auf die ich näher eingehen will, da sie die interessanteste Gattung dieser 
eigenartigen Familie ist. 

Neue p]ntdeckungen sind immer interessant, sei es, dass sie Lücken 
im System ausfüllen, oder neue nutzbare Pflanzen liefern oder auch wenn 
sie uns neue Zierpflanzen für unsere Gärten bringen. Ganz besonders 
anregend aber ist eine solche, wenn sie etwas noch nicht Dagewesenes 
bringt. Ein solcher Fall lag seiner Zeit vor, als die Bafflesia Arnoldi 
aufgefunden wurde, welche zeigt, bis zu welcher Extravaganz sich die 
Natur versteigt; es ist die bis jetzt bekannte grössteBlume. R. Brown 
berichtet über dieselbe im XIII. Bd. der Transactions der Linnean Society 
vom 30. Juni 1820, nach einem Briefe des damaligen Gouverneurs der ost- 
indischen Compagnie, Sir Thomas Stamford Raffles aus Sumatra, vom 
13. August 1818. — Derselbe hatte in Begleitung des Botanikers Joh. 
Arnold — welcher, nebenbei gesagt, auf dieser Reise vom Fieber er- 
griffen wurde und diesem erlag — von Benculen aus eine Entdeckungs- 
reise ins Innere der Insel gemacht, und wurde bei dieser Gelegenheit un- 
weit Pulo - Lebbar am Mannafluss unsere Blume gefunden. Sie erregte 
allgemeines Erstaunen durch ihre Riesengrösse und Raffles schreibt, dass 
er alle beim Fund gegenwärtige Zeugen mit Namen aufführe, damit man 
ihn nicht der lieber treibung beschuldigen könne. Der Durchmesser dieses 
,, Wunders“, wie er es nennt, betrug 1 m und wog die ganze Pflanze 
7,5 ko. Das Nectarium fasste, nach seiner Schätzung, 12 pints. — Die 
Eingeborenen nannten die Blume Krubut oder ilmbun-Ambun. Brown 
nannte die ihm zur Untersuchung zugeschickte Pflanze zu Ehren des Ent- 
deckers 

Bafflesia Arnoldi. 

Sie wächst auf den Wurzeln von dem, den Weinarten verwandten 
Cissus angustifolius Rxbg. und entwickelt sich hier unter der Rinde, mit 
der sie innig verwächst, so dass sie dieselbe an ihrem Fuss etwas in die 
Höhe zieht. Die rundlichen Knospen sind mit zahlreichen Bracteen um- 
hüllt, so dass sie, der Zeichnung nach, einem Krautkopf ähnlich sieht. 
Diese Hüllen fallen nach und nach ab, so dass die voll entwickelte Blüthe 
ohne dergleichen bleibt, wie sie auch ohne Blätter, wie ihre Verwandten 
alle, ist. 

Sie besteht aus einem einblätterigen Perigon mit fünf tief eingeschnit- 
tenen Saumabschnitten. Brown bezeichnet dieselben als gleichförmig, dem 
widerspricht aber die Zeichnung, nach welcher einem grossen Abschnitt 
zwei kleinere gegenüberstehen, zwischen welchen rechts und links je ein 
mittelgrosser steht, ähnlich wie bei den Veilchen. Sie sind 5 — 8 cm dick, 
fleischig, hellrothbraun, mit weisslichen Warzen besetzt und von unange- 
nehmem Geruch, wie verdorbenes Fleisch. — Der Schlund besteht aus 
einem ungetheilten, nach oben etwas verengerten Kranz, von derselben 


'■) S. Anmerk, auf S. 46. 


49 


Beschaffenheit, wie die Blätter. Ueher die Bekleidung des inneren Randes 
sagt Br. nichts Genaues, der Abbildung nach ist er mit blauen haar- 
artigen Spitzen besetzt. In der Mitte endlich erhebt sich die oben interner 
Scheibe endigende Befruchtungssäule. Der obere Rand derselben ist nach 
aussen zurückgerollt, so jedoch, dass er nach unten und nach oben hin 
ausschweift. In der hierdurch gebildeten, nach unten hin offenen Rinne 
sitzen in einem Kreise in Grübchen, und zwar unten angeheftet, die 
rundlichen Antheren (Fig. 4 a). Dieselben sind stumpf kantig, oben ein- 
gezogen und springen hier mit einer Oeffnung auf, um den kleberigen 
Pollen herauszulassen, der im Innern in unregelmässigen Höhlen liegt. 
Die obere Scheibe, mit welcher die Säule endigt, ist mit zahlreichen, 
stumpf kegelförmigen, etwas kantigen und gebogenen (Raffles schreibt 
„kuhhornförmigen“) rothen Fortsätzen besetzt, welche den Pistillen hei 
der weiblichen Blume entsprechen. Eine solche war zur Zeit, als dieses 
erste Exemplar nach London kam, noch nicht aufgefunden und Brown 
war in Zweifel, oh er diese Organe für Pistille aufnehmen solle, zumal 
die in Spiritus eingelegte Pflanze nicht frisch genug war, um entschei- 
dende Untersuchungen anzustellen. Erst zwei Jahre später erhielt er von 
Will. Jack einen Brief aus Benculen, worin er ihm mittheilt, dass er seitdem 
mehrere Rafflesien in allen Stadien der Entwickelung, und darunter auch 
weibliche Blumen, gefunden habe, wodurch sich die erste Annahme Brown’s, 
dass die Pflanze zweihäusig sei, bestätigte. Die S und $ Blumen unter- 
scheiden sich wenig, nur fehlen bei letzteren die Antheren gänzlich und 
ist die Scheibe hier mit vielen tiefen, unregelmässigen Spalten durchzogen, 
in welchen Jack junge Keimlinge liegend ffind. 

Im Innern der Säule befindet sich das Pseudocarpium, an dessen 
Wänden die zahlreichen sporenartigen Keimlinge in Reihen sitzen. Da- 
rüber, ob die vorher erwähnten Spalten sich bis zum Pseudocarpium fort- 
setzen, sagt Jack nichts. 

Eine zweite Rafflesia entdeckte Blume einige Jahre später auf einer 
kleinen Insel Nüsa Kambangam, südlich von Java, auf den Wurzeln von 
Cissus scarriosus und beschreibt sie in Fase. I u. II der Flora Javae als 

Eafflesia Patma, 

genannt nach dem ihr von den Eingeborenen gegebenen Namen Patma. 
Sie ähnelt der vorigen im Ganzen und weicht hauptsächlich in der Form 
der Scheibe der centralen Säule ab, ist auch um 1/3 kleiner als die erstere. 
Die Bracteren der Knospe liegen bei B. Patma regelmässiger, dachziegel- 
förmig, sind anfangs hellroth, dann braunroth und zuletzt, ehe sie 
abfallen, dunkelpurpur; das Perianthium ist anfangs fleischfarbig, zuletzt 
schwarzbraun; die Abschnitte nach aussen zurückgebogen. Der Schlund 
ist nach innen eingezogen, äusserlich hellröthlich , wie die Blätter, im 
Innern dunkler, mit weisslichen Warzen besetzt. Die Säule ist röthlich, 
mit eingezogenem Halse, wodurch eine Rinne gebildet wird, in welcher, 
hier aber oben, in einem Kreise die rundlichen Antheren angeheftet 
sitzen (Fig. 5 a). Diese Rinne wird nach vorn durch eine genarbte Wulst 
fast ganz geschlossen, welche um die Säule herumläuft. (Fig. 5b.) 

Man erkennt aus dieser Bauart, mehr noch als bei B. Ärnoldi, dass 
bei so tief versteckten Antheren die Befruchtung nur durch Insecten be- 
wirkt werden kann. Die letzteren sind erbsengross, glatt, gefurcht und 
springen an der Spitze auf. — Die Fortsätze auf der Scheibe, auch röth- 
lich gefärbt, stehen hier weitläufiger, sind stumpf kegelförmig und mit 

4 


50 


Haaren gekrönt. Die Pseudocarpien der 9 Blüthe liegen innerhalb der 
Säule, unregelmässig, sind länglich gebogen und die zahlreichen keulen- 
förmigen, vorn abwärts gebogenen, sporenartigen Keimlinge sitzen ge- 
drängt an den Wänden (Fig. 6). Dieselben enthalten kleine kugelförmige 
Körperchen, theils frei, theils an ein, an Mycelium erinnerndes Netzgewebe 
befestigt. 

Leider lässt die Beschaffenheit und die Natur dieser höchst interes- 
santen tropischen Parasiten eine künstliche Cultur nicht zu und erschwert 
dadurch deren genauere Beobachtung, die sie wohl verdienten und die 
vielleicht manchen interessanten physiologischen Aufschluss geben würden. *) 


*) An Alkohol- und trockenem Material gemachte Untersuchungen über die Ana- 
tomie auch der Kafflesiaceen liegen seit längerer Zeit vor; besonders wichtig sind Graf 
von Solms-Lanbach’s Arbeiten über Cytinus in Pringsheim’s Jahrb. f. wiss. Bot., VI 
(1867 — 68) p. 526 u. flgd. ; ferner von demselben über Pilostyles Ilausshiechtii in Botan. 
Zeitg. 1874 Nr. 4 und 5, Taf. I; und von Schimper über Prosopcmclie (Hydnora) Bur- 
meisteri und africana in Abhandl. d. Naturf. Ges. zu Halle, vol. XV (1880), 27 S. mit 
Taf. II u. III. (Anm. d. Redaction.) 



Drucli von E. l’.ioclnnanu und Sylm in Dre.Mden. 


Abhandlungen 

der 

naturwissensehaftliehen Gesellschaft 



in Dresden. 


1882. 




J 


53 


VIIL Die Meteoriten des Königlichen Mineralogischen 
Museums in Dresden. 

Zusammengestellt auf Veranlassung des Directors, Geh. Hofrath Dr. Geinitz, 

von A. Purgold. 


Die ausgezeichneten Sammlungen des Königlichen Mineralogisch-geo- 
logischen und prähistorischen Museums in Dresden sind in dem letzten 
Jahrzehnt auch durch eine grössere Anzahl von Meteoriten bereichert 
worden, unter denen insbesondere einige Meteorsteine aus Spanien Nr. 14 
und 15, sowie die Meteoreisen von Nöbdenitz Nr. 16, Nenntmannsdorf 
Nr. 20 und Eisenberg Nr. 21, von welchen drei letzteren das Museum 
die Originalstücken enthält, und das merkwürdioje Fundeisen von Gross- 
Cotta Nr. 17 als grosse Seltenheiten hervorragen. Diese Meteoriten- 
sammlung, in welcher 24 verschiedene Fälle von Meteorsteinen und 34 
verschiedene Funde von Meteoreisen vertreten sind, befindet sich in dem 
besonderen Raume Fa zwischen den mineralogischen und geologischen 
Sammlungen des Museums übersichtlich aufgestellt. 

Die Signaturen in der vierten Spalte der nachfolgenden Tabelle ent- 
sprechen den von G. Tschermak für die Meteoriten des k. k. Minera- 
logischen Museums in Wien am 1. October 1872 .eingeführten Bezeichnungen, 
deren Erläuterung am Schlüsse dieser Blätter gegeben worden ist. 


I. Meteorsteine. 


Nummer 

des 

Katalogs. 

F allzeit. 

Fallort. 

Signatur. 

Zur CharakteristUc der Exemplare. 

Gewicht 

in 

Grammen. 

1 

1820, 
12. Juli. 

Lixna, 

Dünaburg, 

Witebsk, 

Russland. 

Cg 

Dunkelbraune, etwas schuppige Schmelzrinde, 
die auf einigen Ablösungen auch ins Innere 
eingedrungen ist. Frischer Bruch hell- 
graue, fein krystallinisch - körnige Grund- 
masse mit vielen dunklen Kügelchen und 
Rostflecken; letztere wohl von Schwefel- 
eisen herrührend. Sparsame zinnweisse 
Schüppchen von Nickeleisen, welche auf 
einer der dunklen Ablösungsflächen sich 
reichlicher ansammeln und einen streifen- 
förmigen Harnisch bilden. 

310 


5''- 


Qes. Isis in Dresden, 1882. — Abh., 8. 


54 


(0 

5 bß 

ä 03 o 
fl 'Ö ^ 

Fallzeit. 

F allort. 

'S 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

1 i 

^ M 



U; 


^ 1 

2 

1803, 
26. April 

L’Aigle, 

Ci 

Schwache braune, glatte Schmelzrinde. Auf 

72 

3 

Orne, Nor- 


der geschlifPenen Fläche in hellgelblich- 

80 


=--6.floräal 

mandie. 


grauer Grrundmasse einzelne weisse und 



an 11. 



zahlreiche dunkle Kügelchen, ausserdem 
viel Blättchen von zinnweissem Nickel- 






eisen, deren jedes von einem rostigen Hof 
umgeben ist. Der frische Bruch zeigt die 
Grundmasse fein krystallinisch und porös. 






gegen einzelne dunklere Partieen krumm- 
linig abgegrenzt, also Breccienbildung. 


4 

V 

Desgl. 


Braune Schmelzrinde umschliesst eine spitze 

82* 





dreiseitige Pyramide, mit einer ebenen, 
zwei concaven Seitenflächen; an der Basis 






frischer Bruch ganz wie bei Nr. 3. 


5 

1808, 

Stannern, 

Eu 

Glänzend schwarze Schmelzrinde mit netz- 

400 


22. Mai. 

Iglau, 


förmig verzweigten Triftstreifen. Grund- 




Mähren. 


masse matt weiss, mit gleichmässig ver- 
theilten dunklen, a. d. Bruch halb metal- 
lischen Kügelchen. An einer Stelle ein 
dunkelgrauer, matter, steiniger Einschluss, 
dessen Grenzen allmählig in die Grund- 






masse verlaufen. 


6 

— 

— 

— 

Als nicht hierher gehörig ausgeschieden. 


7 

1868, 

Pultusk, 

Cg 

Drei Exemplare ganz von dunkler, leicht kör- 

111 


30. Jan. 

Sielce- 


niger Schmelzrinde überzogen; das vierte 

21 



Nowy, 


grössere in hellgrauer Grundmasse ver- 

16 



Polen. 


einzelte dunkle Kügelchen mit viel zinn- 
weissen Blättchen und Körnchen von Nickel- 

11 





eisen, einigen röthlichen von Schwefeleisen 
und noch weniger eisenschwarzen, viel- 






leicht Chromit. Die ganze Masse durch- 
zogen von feinen, angenähert parallelen 
Sprüngen, deren einige von der dunkeln 
Masse der Schmelzrinde erfüllt erscheinen ; 






da, wo eine Stelle einer solchen Sprung- 
fläche frei liegt, zeigt sie feine Metall- 






schüppchen, vermuthlich Schwefeleisen. 


7a 

?? 

Desgl. 

JJ 

Knollen mit schwarzer schwacher Schmelz- 

352 




rinde von angenähert tetraedrischer Form 
mit zugerundeten Kanten und Ecken und 
concaven Flächen. In der hellgrauen fein- 
körnigen Grundmasse viele Kügelchen und 








zahlreiche Flimmern von Nickeleisen, auch 
Rostflecke, welche wohl von Schwefeleisen 
herrühren. 


8 

1866, 

Knyahinya, 

Cg 

Schwache braune Schmelzrinde; dunkelgraue 

33 


9. Juni. 

Unghvar, 

tuffartige Grundmasse mit undeutlichen 




Ungarn. 


Kügelchen, nur wenigen braunen Kügelchen 
und sparsam verstreutem Eisen. 



55 


Nummer 

des 

Katalogs. 

Fallzeit. 

Fallort. 

Signatur. 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

Gewicht 

in 

Grammen. 

9 

1869, 
24. Mai. 

Cleguörec, 

Kernouve, 

Bretagne, 

Frankreich. 

Ck 

Hellgraue, fein krystallinisch-körnige Masse 
mit metallischen Blättchen und Drähten, 
meist aus Nickeleisen und Schwefeleisen, 
aber auch dunkleren, die vielleicht aus 
Chromit bestehen. 

11 

10 

1843, 
25. März. 

Bishops- 
ville, Süd- 
Carolina. 
N. A. 

B 

Milchweisse zerborstene Bruchstückchen mit 
zwei deutlichen Spaltungsrichtungen, von 
denen eine Perimutterglanz hat, die andere 
fettigen Grlasglanz; bestehen aus Enstatit. 
Einige Stückchen mit Besten schwarzer 
obsidianartiger Schmelzkruste, andere mit 
matten schwarzen Körnchen, die z. Th. 
mit einem rostigen Hof umgeben sind. 

2 

11 

1869, 

1. Jan. 

Hessle, 

Upsala, 

Schweden. 

Ch 

Braune starke Schmelzrinde. Bruch bläulich- 
grau, matt, ohne deutliche Kügelchen; 
zahlreiche Körnchen und Blättchen aus 
Schwefeleisen und wenige stahlgraue, wohl 
Nickeleisen. 

138 

12 

1812, 

5. Aug. 

i 

1 

Chantonnay, 

Yendöe, 

Frankreich. 

Cg 

+ Cs 

Hellgraue tuffartige Masse, gangartig durch- 
zogen von feinen dunkelbraunen Adern. 
In der Grundmasse einzelne dunklere 
Kügelchen, ziemlich viel Nickeleisen, etwas 
weniger Chromit und noch weniger Troilit 
(? oder Magnetkies). 

14 

13 

1866,^ 

9. Juni. 

1 

Unghvar, 

Ungarn. 

Cg 

Dunkelbraune Schmelzrinde mit concaven 
Flächen. Auf einer angeschliffenen Fläche 
in brauner Grundmasse viel gelblich-graue 
Kügelchen, deren grössere einen braunen 
Mittelpunkt, oder um einen grauen Mittel- 
punkt einen braunen concentrischen Bing 
einschliessen. In der Grundmasse viel 
zinnweisses Nickeleisen. 

28 

14 

1869, 
10. Dec. 

Cangas de 
Onis, 
Asturien, 
Spanien. 

Cc 

Dunkelbraune, etwas körnige, starke Schmelz- 
rinde von der allgemeinen Form einer 
spitzen vierseitigen Pyramide mit zuge- 
rundeter Spitze u. keilförmig zugeschärlter 
Basis ; die Flächen flach concav. An einer 
geschliffenen Ecke zahlreiche grössere 
graue und kleinere braune Kügelchen und 
viel zinnweisses Nickeleisen. 

74 

15 

1870, 

Cabeza de 

Ch- 

Ziemlich starke dunkelbraune Schmelzrinde 

109 

16 

18. Aug. 

Muyo, 

Murcia, 

Spanien. 

i 

mit körniger Oberfläche. In hellgrauer 
Grundmasse viele feine dunkle Adern, zahl- 
reiche Schüppchen v. Nickeleisen, seltenere 
kleine Partieen von Magnetkies und 
Troilit und noch seltenere Körnchen von 
Chromit. 

25 

17 

1849, 
31. Oct. 

Cabarras 

County, 

Nord-Caro- 

lina. 

Og 

In dunkelbrauner Grundmasse sehr viel graue 
Kügelchen, die öfter von braunen Streifen 
durchsetzt werden; zahlreiche Einschlüsse 
von zinnweissem Nickeleisen. 

7,5 


56 


Nummer 

des 

Katalogs. 

Fallzeit. 

Fallort. 

Signatur. 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

Gewicüt 1 

in 1 

Grammen. || 

18 

1847, 

25. Febr. 

Linn 

County, 

Jowa. 

Cw 

Braune Schmelzrinde. In hellgrauer kry- 
stallinisch- körniger Grundmasse einzelne 
weisse glasglänzende Körner und dann 
ziemlich reichlich Troilit, Magnetkies 
und einzelne' Körnchen eines matten 
schwarzen Minerales, von dem auch feine 
gangförmige Adern sichtbar sind. 

82 

19 

1810, 

August. 

Mooresfort, 

Tiperary, 

Irland. 

Cg 

Grundmasse fleckig hell- und dunkelgrau, 
in ersterer einzelne dunkle Kügelchen, 
auf der Oberfläche mehrere kleine Warzen 
von Schwefeleisen; zinnweisses Nickeleisen 
nur in wenigen kleinen Flimmern. Binde 
körnig, dunkelbraun. 

6 

20 

1875, 
28.* Febr. 

Parnallee, 

Indien. 

Og 

In bräunlicher Grundmasse zahlreiche sphäroi- 
dische Einschlüsse , vielfach von feinen 
Adern der Grundmasse durchsetzt. Ausser- 
dem breccienartig beigemengt einzelne 
krystallinische oder zerborstene weisse 
Einschlüsse. Zinnweisses Nickeleisen sehr 
einzeln und gering; einzelne Bostflecke 
von zersetztem Schwefeleisen. 

69 

1 

i 

i 

21 

1795, 
13. Dec. 

Wold Cot- 
tage, 

Yorkshire, 

England. 

Cw 

W eisse tufifartige Masse, in der erst an der 
geschliffenen Fläche einzelne Kügelchen 
sichtbar werden; zinnweisses Nickeleisen 
ziemlich reichlich und einzelne etwas 
grössere Einschlüsse von Schwefeleisen. 

11 

1 

22 

1794, 
16. Juni. 

S. Giovanni 
di Asso, 
Siena, 
Italien. 

Cb 

cf. Nr. 24. Kleine Fragmente mit starker 
runzlicher Binde. In blaugrauer Grund- 
masse dunklere undeutliche Einschlüsse 
und ziemlich reichlich Nickeleisen und 
Schwefeleisen. 


23 

1852, 

4. Sept. 

Mezö-Mada- 
ras, Sieben- 
bürgen. 

Cg 

In grauer Grundmasse viel helle Kügelchen 
und zinnweisses Nickeleisen. 

13 

24 

1794, 
16. Juni. 

S. Giovanni 
di Asso, 
Siena, 
Italien. 

Ch 

Keilförmiges Stück, auf vier Seiten mit 
starker dunkelbrauner, matter Schmelz- 
rinde. In bläulich - grauer Grundmasse 
einzelne helle Kügelchen; ziemlich reich- 
liche und grössere Einschlüsse von bunt 
angelaufenem Schwefeleisen. 

56 

25 

1826, 
19. Mai. 

Pawlograd, 

Ekateri- 

noslaw, 

Pussland. 

Cw 

Hellgraue tuffartige Grundmasse mit zahl- 
reichem zinnweissem Nickeleisen und 
grösseren Einschlüssen von Troilit, die 
vielfach einen rostigen Hof zeigen, der 
von Schwefeleisen herrühren dürfte. Binde 
hellbraun, mit helleren Bostflecken und 
Andeutung einer Triftstreifung. 

215 

26 

1877, 
13. Oct. 

Soko Banya, 
Alexinac, 
Serbien. 

, Cc 

Bunzliche, starke braune Binde. Grund- 
masse hellgrauer Tuff mit vielen dunklen 
Kügelchen bis über 2 mm Durchmesser. 

234 


57 


Nummer 

des 

Katalogs. 

Fallzeit. 

Fallort. 

Signatur. 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

Gewicht 

in 

Grammen. 

27 

1860, 
14. Juli. 

Dlmrmsala, 

Punjab. 

Ci 

Im geschliffenen Durchschnitt zeigen sich 
einige fein radial strahlig. Viel zinn- 
weisses Nickeleisen und seltenere, aber 
grössere Einschlüsse von Troilit und viel- 
leicht auch von Magnetkies. In einigen 
Höhlungen der Grundmasse, aus denen 
die Kügelchen herausgefallen, liegen grün- 
lich-graue geradlinige Stäbchen. 

In hellgrauer Grundmasse dunklere Kügel- 
chen und Adern, auch dunkle eckige 
Einschlüsse, fein zerstreutes zinnweisses 
Nickeleisen und viele "Rostflecken, wohl 
von Schwefeleisen. 

203 

28 

1882, 

3. Febr. 

Möcs, 
b. Bare u. 
Gyulatelke, 
Sieben- 
bürgen. 

eil 

Keilförmiges Stück mit brauner, glatter, 
schwacher Rinde ; a. d. frischen Bruch hell- 
graue Tuffmasse mit vielen kleinen schwar- 
zen, matten Einschlüssen und Aederchen, 
gleichmässig verstreuten feinen Eisenflim- 
mern und etwas grösseren Einschlüssen 
von Schwefeleisen. 

43 

00 

V 

\ 

i 

Desgl. 


Unregelmässige dreiseitige Pyramide mit 
zwei flach concaven und einer ebenen 
Seitenfläche , deren Spitze (Brustseite) 
flach zugerundet, Basis (Rückenseite) an- 
genähert eben ist. Rinde dunkelbraun, 
rauh, stellenweise fein geborsten. 

159 


II. Meteoreisen. 


Nummer 

des 

Katalogs. 

Fundzeit. 

Fallort. 

1 

Signatur. 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

Gewicht 

in 

Grammen. 

1 

1772 

Krasnojarsk 
am Jenissei. 

P 

Pallaseisen; zackige Metallmasse mit viel glatt- 
wandigen Schmelzporen, deren mehrere, ur- 
sprünglich wohl sämmtliche, Körner durch- 
sichtigen Olivins enthalten; einige dunklere 
Körner mögen beginnende Zersetzung be- 
zeichnen. Aus der schwachen Rostrinde 
blickt an vielen Stellen hellgrau metal- 
lisches Nickeleisen hervor. 

198 

2 


Desgl. 

?? 

Wie das vorhergehende, der Olivin meist 
herausgefallen. 

80 

3 

j; 

Desgl. 

?? 

Desgl. ohne Olivin. 

77 

3a 

1844 

i 

Bett 

der Arva, 
Szlanicza, 
Ungarn. 

Ok 

Metallischer Knollen mitV er witterungsrinde ; 
ebene breite Lamellen, die im Querschnitt 
als Schichtung erscheinen, zwischen welcher 
zinnweisse Leisten von Nickeleisen hervor- 
treten, 

1002 


58 


Nummer 

des 

Katalogs. 

Fundzeit. 

Fallort. 

Signatur. 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

Gewicht 

in 

Grammen. 

3b 

1844 

Bett 

der Arva, 
Szlanicza, 
Ungarn. 

Ok 

Angeschliffen und geätzt; geradlinig fort- 
streichende, aber wellenförmig begrenzte 
breite hellgraue Lamellen, zu zwei bis 
dreien neben einander, durchs chneiden ein- 
ander unter Winkeln von 60 ^ und 120 o, 
indem sie dunklere etwas poröse Felder 
einschliessen. Gerade solche dunklere 
Leisten liegen auch wellenförmig zwischen 
je zwei Lamellen. 

135 

4—7 

— 

— 

— 

Sind Meteorsteine und diesen eingereiht. 


8 

zwischen 
1769 
u. 1779. 

Colline di 
Brianza, 
Mailand. 

? z 

Sehr poröse Eisenmasse, nach einer Bichtung 
deutlich lamellar, auf der rostigen Ober- 
fläche flimmern einzelne zinnweisse Schüpp- 
chen von Schreibersit. 

35 

9 

? 

S. Sacra- 
mento Lake. 

N. A. 

?Og 

Bostiges, aber ganz metallisches Stück, durch 
Anfeilen als weiches Eisen erkannt; Ober- 
fläche hakig und löcherig, hellgrauer 
Metallglanz vielfach sichtbar, in manchen 
Höhlungen erhärtete Bosttropfen. 

71 

10, 11 

— 

— 

— 

Unter den Meteorsteinen. 


12 

1847 

Seeläsgen, 

Neumark, 

Brandenbg. 

Og 

Bostiges, hakiges Stück, an welchem viel- 
fach hell stahlgrauer Metallglanz sicht- 
bar ist. 

75 

13^ 

1847, 
14. Juli 
gefallen. 

Haupt- 
mannsdorf b. 
Braunau, 
Böhmen. 

H 

Hell stahlgrauer Metallstab mit frischem 
hakigem Bruch und parallel gerichteten 
Spaltungsebenen nach den Hexaederflächen, 
denen gleichlaufend sich schuppige La- 
mellarstructur zeigt. 

236 

14 

1861 

Bittersgrün 
b. Schwar- 
zenberg in 
Sachsen. 

P 

oder 

H 

Allseitig geschliffenes und polirtes Stück. 
In braun- bis grünlich - gelber durch- 
scheinender Grundmasse von Olivin (? oder 
Bronzit) liegt eine grosse Zahl einzelner 
stahlgrauer Eisenstückchen, welche sämmt- 
lich nach einer einzigen Krystallaxe parallel 
orientirt sind, da die hellfarbigen Lamellen- 
systeme, welche sie zusammensetzen und 
auf der einen Schlifffläche sich rechtwinklig, 
auf der anderen unter Winkeln von 60*^ sich 
durchschneiden, einander parallel gehen. 
(Ygl. A. Weisbach, der Eisenmeteorit 
von Bittersgrün im sächsischen Erzgebirge, 
mit Abbildung. Freiberg, 1876 und Ol. 
Winkler», Nov. Act. Leop. Car. XL, 
Nr. 8, 1878.) 

Dunkelgraues, feinkörniges, hakiges Eisen, 
ohne erkennbare krystallinische Structur. 
(Vgl. H. B. Geinitz im Neuen Jahrb. 
f. Mineralogie 1868, p. 459, Taf. III.) 

586 

16 

1867 

Nöbdenitz 
b. Schmölln, 
S.- Alten- 
burg. 

? Of 

165 

18 

1784 

Tejupilco, 

Tolucathal, 

Mexiko. 

Og 

Breite, in leichten Wellenlinien begrenzte 
hellgraue Lamellen durchschneiden ein- 
ander angenähert rechtwinklig und um- 
schliessen etwas dunklere matte Felder. 

236 


59 


Nummer 

des 

Katalogs. 

Fundzeit. 

Fallort. 

Signatur. 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

Gewicht 

in 

Grammen. 

19 

1827 

Atacama, 

Bolivia. 

P 

Hakiges Stück mit vielen glattwandigen 
Schmelzporen, ganz wie das Pallaseisen, 
aus dem die Olivine herausgefallen sind. 
Hellgrauer Metallglanz vielfach unter dem 
Bost sichtbar. 

13 

20^ 

1872 

Nennt- 

mann^dorf, 

K^r. 

Sachsen. 

Og 

Hauptexemplar. Ursprüngl. Gew 

Sphäroidische Masse mit starker rostiger 
Binde, die in Folge auswitternden Ohlor- 
eisens sich fortwährend verstärkt und ab- 
blättert; darunter sind metallische Th eile 
sichtbar und in einzelnen der abgelösten 
Bindenstückchen finden sich frisch zinn- 
weisse Lamellen von Schreibersit. (Vgl. 
H. B. Geinitz in Sitzungsber. d. naturw. 
Ges. Isis in Dresden 1873, p. 4.) 

12500 

20^ 


Desgi. 

j? 

Geschliffene und geätzte Platte, ein Stück 
derben Troilit ringförmig umfassend. (Vgl. 
F. E. Geinitz im B. Jahrb. f. Min. 1876, 
p. 608.) Auf der Platte aus grauem Bickel- 
eisen breite, etwas krummlinige Lamellen, 
zwischen denen kleine Schüppchen von 
Schreibersit liegen. 

106 

21 

1873 

Eisenberg, 

S.-Alten- 

burg. 

? z 

Flach sphäroidischer Knollen. Ursprüngl. 
Gew. 1579 gr. Unterseite eben, Oberseite 
gewölbt, seitlich eingedrückt; schwache 
schwarze Binde, die namentlich an der 
Brustseite blättrig erscheint; die Bück- 
seite theilweise abgeschnitten; über der 
Schnittfläche in der Bostrinde feine zinn- 
weisse Blättchen von Schreibersit. Die 
Fläche selber homogen dunkel stahlgrau; 
eine schwache Aetzung zeigt feine Da- 
mascirung. (Vgl. H. B. Geinitz in 
Sitzungsber. d. naturw. Gesellsch. Isis in 
Dresden 1874, p. 5.) 

1546 

22 

1811 

Elbogen, 

Böhmen. 

Om 

Verwünschter Burggraf; kleines gefeiltes 
Bruchstück, hell stahlgrau, mit einander 
rechtwinklig schneidenden Lamellen. 

14 

23 

— 

— 

— 

Unter den Fundeisen. 


24 

1792 

Zacatecas, 

Mexiko. 

Z 

Geätzt und polirt; krummlinig begrenzte 
Lamellen von hellgrauer Farbe , unter 
^ einem Winkel von 60^ gegen einander 
geneigt und zwischen ihren Fugen nur 
sehr schmale und einzelne matte dunklere 
Felder lassend. 

87 

25 

1814 

Bitburg a. d. 
Eifel, nördl. 
Trier. 

P 

Schlackig poröse hakige Masse; unter dem 
Bost mehrfach hellgrauer Metallglanz 
sichtbar; die angefeilte Metallfläche lässt 
keine Structur erkennen. Im Ganzen dem 
Pallaseisen gleichend, aus dem die Olivine 
herausgefallen. 

177 


60 


Nummer i 

des ! 

Katalogs, j 

F undzeit. 

Fallort. 

1 

Signatur. 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

Gewicht 

iu 1 

Grammen, i 

26 

1854 

Putnam Cy, 
Georgia. 

Of 

Metallische geschliffene Platte mit feinen 
krummlinigen Lamellen, die in Folge der 
verschiedenen Lagerung der Individuen 
je nach der Beleuchtung hell- oder dunkel- 
graue kleine Bosetten zeigen. 

27 

27 


Madoc, 

Obercanada. 

Om 

Breite Lamellen, die angenähert rechtwinklig 
zu einander stehen, zwischen ihnen einige 
dunklere Einschlüsse von Silicaten, auch 
stellenweise rostig erhärtete Tröpfchen. 

44 

28 

1829 

ßolmmilitz, 

Pracliim, 

Böhmen. 

Og 

Dicht aneinander schliessende, rechtwinklig 
zu einander gerichtete grobe Lamellen. 

1 37 

1 

1 

! 

1 

29 

1869 

Ovifak, 

Grönland. 

z 

Metallischer Eisenkern von dicker blättriger 
Bostrinde umgeben, durch deren fort- 
dauernde Weiterbildung das ganze Stück 
zerstört zu werden droht, cf. Nr. 39. 

i 632 

1 

i 

m 

1844 

Bett 

der Arva. 

Ok 

cf. Nr. 3*^) eiförmiger, plattgedrückter 

Knollen, rings von rostiger Binde um- 
hüllt, unter der eisenschwarze und hell 
stahlgraue metallische Oberfläche mit la- 
mellaler Structur vielfach sichtbar wird. 

96 

31 

1784 

Istlahuaca. 

Xiquipilco, 

Mexiko. 

Og 

Unregelmässig begrenzter, einerseits ange- 
schliffener Knollen, auf dessen eisen- 
schwarzer Oberfläche zahlreiche krystal- 
linische Partieen, Haken und Drähte von 
zinnweissem Nickeleisen hervortreten und 
rostbraune erhärtete Tröpfchen ausge- 
schwitzt sind. Die geschliffene Fläche 
stahlgrau, ohne erkennbare Structur. 

175 

31^ 

j; 

Desgl. 

Og 

Auf der geschliffenen Fläche breite krumm- 
linig begrenzte Lamellen, die unterWinkeln 
von angenähert 60® einander schneiden. 
Die zwischen den wellenförmigen Grenz- 
linien bleibenden Bäume durch heller 
glänzende Metallmasse erfüllt, welche als 
schmale Leistchen zwischen den Lamellen 
hervorsteht. An einer Stelle eine kleine 
unregelmässige Partie von Schreibersit. 

94 

32 

1819 

Burlington, 
Ostsego Cy, 
N. Y. 

Om 

Hellgraue dichte Grundmasse, durch schmale 
zinnweisse Leistchen in rundliche unregel- 
mässige Flecke getheilt. 

15 

33 

1850 

Buffs Moun- 
tain, News- 
bury, Caro- 
lina. 

Om 

Auf einer der drei glatt gefeilten, nicht ge- 
ätzten Oberflächen von hellgrauer Farbe 
treten öinige zinnweisse geradlinige Leisten 
hervor. 

62 

34 

1851 

Salt Biver, 
Kentucky. 

Om 

Dunlielgraue Lamellen von helleren schmalen 
Leistchen unter Winkeln von etwa 60® 
durchsetzt; von solchen Leistchen sind 
auch umschlossen röthlich-graue längliche j 

Flecke von Troilit. ' 

1 

i 

20 


61 


Nummer 

des 

Katalogs. 

Fundzeit. 

Fallort. 

Signatur. 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

Gewicht 

in 

Grammen. 

35 

1870 

Augusta Cy, 
Virginia. 

Ok 

Breite Lamellen, deren Pichtungen einander 
rechtwinklig schneiden, werden durch 
zahlreiche krummlinige Einschnürungen 
unterbrochen, zwischen welche hellgraue 
Leisten und Körner von'glänzendem Nickel- 
eisen, kleine Partieen von Schwefeleisen 
und zweifelhafte Blättchen von Schreibersit 
sich einschalten. 

130 

36 

1856 

Hainholz b. 
Paderborn. 

p 

In dunkelbrauner rostiger Grundmasse liegen 
unregelmässig zerstreute zahlreiche Körner 
von hellem Nickeleisen, z. Th. eingefasst 
von glänzenden Leistchen aus Schreibersit, 
ferner in viel geringerer Menge unregel- 
mässige Partieen von Schwefeleisen und 
durchscheinende zerklüftete Körner von 
grünlich-gelbem Olivin und bräunlichem 
Bronzit. 

55 

37 

1865 

Deesa, 

Chili. 

Ok 

oder 

M 

Kurze krummlinig begrenzte Lamellen mit 
Winkeln von beiläufig 60®, zwischen denen 
sich eine Lamelle aus Schwefeleisen be- 
findet, auf welcher erhärtete rostige 
Tröpfchen sitzen, und endlich einzelne 
geradlinig begrenzte Einschlüsse von zinn- 
weissem Schreibersit. 

340 

38 

1875 

St. Catarina 
Morro do 
Picio, Pio 
S. Fran- 
cisco do Sul, 
Brasilien. 

Of 

Um einen sphäroidischen Kern aus krystal- 
linischem Nickeleisen liegt eine bis 6 mm 
starke Pinde von derbem Troilit, welche 
an einer Stelle den Kern gangförmig 
durchsetzt, übrigens an vielen Stellen von 
ihm abgelöst ist und dadurch seine natür- 
liche Oberfläche sichtbar macht. Diese 
zeigt vorwaltend zinnweisse geradlinig 
umgrenzte Partieen von Nickeleisen, ge- 
flossenen Aussehens, ferner feinkörnige 
Einschlüsse von Schwefeleisen und einige ^ 
rostige Körner, die vielleicht aus Olivin 
entstanden; endlich als ganz recentes 
Zersetzungsproduct frischgrünen krystal- 
linischen Nickelbeschlag. Auf der ge- 
schliffenen Fläche feine Lamellen von 
Nickeleisen unter Winkeln von ungefähr 
60®, zwischen der Pinde und der gang- 
förmigen Durchsetzung aus Troilit und 
dem Nickeleisen eine feine Leiste von 
Schreibersit, von welchem auch noch kleine 
Einschlüsse zwischen den Lamellen liegen. 

244 

39 

1869 

Ovifak, 

Grönland. 

z 

cf. Nr. 29. Frisches Stück aus unregelmässig 
durcheinander liegenden Hexaedern, die 
sich aus Lamelleu parallel einer Fläche 
zusammensetzen. Oberfläche der Lamellen 

j 

80 


62 


P-i ro 

S feo 



U 


'S ö 

a pö ^ 

^ M 

Fimdzeit, 

Fallort. 

'S 

a 

Zur Charakteristik der Exemplare. 

o a 





nicht ganz eben, sondern wie durch 
Schmelzung unterbrochen und an den 
Rändern zugerundet. Hell stahlgrau, stark 
glänzend. 


40a, b, c 

1879 

Estliervilie, 

? z 

Am 10. Mai 1879 als Komet gefallen. Drei 

4 



Emmet Cy, 


ganz metallische zugerundete Knollen, die 

7 



Jowa, 


Flächen mit flach concaven Einsenkungen. 
Schwarz angelaufen, an den Hervor- 
Tagungen und abgerundeten Kanten hell- 
grauer Metall glanz. 

28 

41 

1«54 

Sarepta, 

Ok 

In homogener grauer Grundmasse etwas heller 

90 



Saratow, 


gefärbte Lamellen, deren Zusammenhang 




Russland. 


ohne Störung ihrer geradlinigen Richtung 
der Länge nach krummlinig unterbrochen 
wird und welche auf der einen Aetzfläche 
unter Winkeln von 60*^, auf der andern 
rechtwinklig einander schneiden. 


42 

1840 

Carthago, 

Tennessee, 

Om 

Polirte und geätzte Fläche mit Stahlfarbe 

140 




dunkelblau angelassen; ziemlich breite 




N. A. 


geradlinige Lamellen nach dreierlei Richt- 






ungen unter Winkeln von 60 ^ u. v. 90 
jede Lamelle der Länge nach von einer 
feinen kupferroth angelassenen Leiste be- 
gleitet, welche wohl aus Schreibersit be- 






steht. 


43 

1868 

Bolson 

Om 

Gefallen wahrscheinlich im Herbst 1837. 

162 



di Mapini, 


Die polirte und geätzte Platte zeigt nicht 




Mexiko. 


gar deutliche Lamellen mit angenähert 
rechten Winkeln; dazwischen einige un- 
regelmässige Einschlüsse von Schwefel- 





1 

eisen. 


44 

1854 

W erchne 

Om 

Ziemlich geradlinige Lamellen eng anein- 

54 



Udinsk, 


ander schliessend, Winkel ihrer Richtungen 




Trans- 


etwa 600; zwischen ihnen einige rostige 




baikalien. 


Körnchen, die vielleicht von Schwefel- 
eisen herrühren. 


45 

1853 

Tazewell, 

Of 

Feine geradlinige hellfarbige Leisten durch- 

56 



Claireborn 


schneiden einander nach drei Richtungen 




Cy, Ten- 


unter Winkeln von 60® und 90 o und um- 




nessee. 


schliessen auf diese Weise dunklere Felder 
und auch einzelne dunklere Körner, deren 
jedes von einem hellen Ring umfasst ist. 
Quer durch das Stück zieht sich ein Band 
von Troilit. 



III. Fundeisen. 

Unter diesen als Kunstproducte anzusprechenden Eisenmassen der 
älteren Sammlungen rührt Nr. 13 vom eisernen Hute bei Kamsdorf her; 

Nr. 17 ist das von W. Haidin g er in Sitzungsber. der kais. Akademie 
d. Wissensch. in Wien, 10. Mai 1864, beschriebene Originalstück von 
Gross-Cotta bei Pirna von 680 Gramm Gewicht; 


63 


Nr. 23 ein 49 Gramm schweres Eisenstück von Beresowsk mit 
schlackig-poröser Oberfläche ; 

Nr. 27 ein in dem Brandschutte des Oy bin bei Zittau gefundenes 
Eisenstück von 650 Gramm; 

Ferner bewahrt das Museum ein Stück von Burgstädtl in Sachsen, 
aus einer porösen körnigen und rostigen Masse bestehend, aus welcher 
viel hellgraue metallisch glänzende Pünktchen hervorleuchten; ein zer- 
klüftetes rostiges Stück von Niedersedlitz bei Dresden, an dem hie 
und da die eisenschwarze Farbe hervortritt, während an anderen Stellen 
erhär^tete rostartige Tröpfchen sitzen; sowie endlich ein Gussstück mit 
deutlichen Schmelzporen von Weissenborn bei Zwickau. 


Die unter I. und II. aufgeführten Meteoriten ordnen sich der Gruppirung 
von Tschermak in folgender Weise unter: 


Signatur 


nach 

Tschermak. 

I. Meteorsteine. 

I. Anorthit mul Augit. Eisen kaum hemerhhar. 

Eil 

Eukrit; gleichartig krystallinisch oder breccienartig: 

Nr. 5. Stannern. 

11. Olivin, Bronzit, Enstatit. Eisen kaum hemerkhar. 

B 

Weiss, körnig: lo. Bishopsville. 

IIL Olivin und Bronzit mit Eisen; Chondrite. 

Ch 

Weisse chondritische Tuffe mit kleinen schwärzlichen Trümmern und 
; wenig Kügelchen: 

Nr. 11. Hessle, Nr. 22, 24. Siena, 

„ 15, 16. Cabeza de Muyo, „ 28, 28^- Möcs. 

Cw 

Weisse Massen ohne Kügelchen oder mit weisslichen Kügelchen: 

Nr. 18. Linn Cy, Nr. 25. Pawlograd. 

i „ 21. Wold Cottage, 

Ci 

Zwischenglieder zwischen diesen und den folgenden: 

Nr. 2, 3, 4. l’Aigle, Nr. 24. Dhurmsala. 

Cg 

Graue Chondrite, oft mit helleren Kügelchen; braune, harte, fein- 
faserige Kügelchen fehlen oder sind nur in geringer Anzahl: 

Nr. 1. Lixna, Nr. 17. Cabarras Cy, 

„ 7, 7^- Pultusk, „ 19. Mooresfort. 

„ 8. Knyahinya, „ 20. Parnallee, 

„ 13. Unghvar, „ 23. Mezö Madaras. 

Cc 

Chondrite mit vielen braunen, harten, feinfaserigen Kügelchen: 

Nr. 14. Cancas de Onis, Nr. 26. Soko Banya. 

Cs 

Schwarze Chondrite. Harte Masse mit geringem Kohlenstoffgehalt. 
Kügelchen oder auch Bronziteinschlüsse : 

Cg -f- Cs Nr. 12. Chantonnay. 

Ck 

j Chondrite, vorwiegend aus krystallinisch - körniger Masse bestehend: 

Nr. 9. Cleguörec. 


64 


Signatur 

nach 

Tschermak. 

M 

P 

Of 

Om 

Ok 

Og 

Z 

H 

D 


II. 3M[eteoreisen. 

IV. Silicate und Meteoreisen im, hörnigen Gemenge. 
Mesosiderit : 

Nr. 37. Deesa (nach Tschermak; das hiesige Exemplar dürfte eher 

zu Ok gehören). 

V. Meteoreisen, Krystalle von Silicaten porphyrartig einschliessend. 
Pallasit : 

Nr. 1, 2. 3. Jenissei, 

„ 14. Pittersgrün (vielleicht unter H wegen des 

; Parallelismus des Eisens), 

„ 19. Atakama, 

„ 25. Bitburg, 

„ 36. Hainholz. 

Vi. Meteoreisen. 

\ 

\ a) mit schaliger Zusammensetzung parallel dem Oktaeder; 

I Dünne Lamellen, feine Widrnanstädten’sche Figuren: 

I ? Nr. 16. Nöbdenitz, Nr. 38. Sta. Catarina, 

j „ 26. Putnam, „ 45. Tazewele. 

j Gewöhnliche Lamellen und Figuren. Begrenzung der Lamellen eben; 
i Nr. 22. Elbogen, Nr. 42. Carthago, 

„ 27. Madoc, ,, 43. Bolson di 

,, 32. Burlington, Mapini, 

I ,, 33. JRulfsmountain, ,, 44. Werchne 

I „ 34. Salt Biver (nach Tschermak Udinsk. 

ohne Widmanst. Figuren), 

Eben solche Lamellen, Figuren etwas krummlinig; 

Nr. 30. Arva, Nr. 37. Deesa, cf. M, 

35. Augusta Cy, „ 41. Sarepta. 

Lamellen breit, Figuren grob: 

? Nr. 9. S. Sacramento Lake, Nr. 20. Nenntmannsdorf, 

„ 12. Seeläsgen, ,, 28. Bohumilitz, 

„ 18. Tejupilco, „ 31, 31^- Istlahuacan. 

b) aus schaligen Stücken grosskörnig zusammengesetzt, Zacatecas- 

eisen ; 

? Nr. 8. Colline di Brianza, Nr. 29, 39. Ovifak, 

„ 24. Zacatecas, ? „ 40. Estherville. 

? „ 21. Eisenberg, 

c) aus vielen nicht schaligen Stücken grosskörnig zusammengesetzt. 

d) aus einem einzigen Individuum bestehend: 

Nr. 13^’ Hauptmannsdorf, 

„ 14. Bittersgrün bedingungsweise, vielleicht 

wegen der Silicate zu P. 

e) scheinbar dicht. 

f) körnig oder dicht, nach dem Aetzen keine, oder keine zusammen- 

hängenden Figuren: 

Nr. 34. Salt Biver (nach Tschermak, hier unter Om). 


65 


IX. Einiges über die Rhön und die Rbüner. 

Von H. Engelhardt. 

Vortrag, gehalten am 28. September 1882. 


Wenn ich heute zu Ihnen spreche, so geschieht es, um mich über ein 
bisher von den Touristen leider noch sehr vernachlässigtes Gebirge, die 
Khön, zu verbreiten. 

Es ist mir mehrfach vorgekommen, dass, wenn ich erzählt, dass ich 
dies interessante Gebirge bisher zweimal besucht und noch einmal aufzu- 
suchen gedächte, man mich mit erbarmendem Blicke gemustert, als hielte 
man mich für einen Sonderling oder noch etwas mehr. Dies kommt da- 
her, dass es gleich anderen schönen Theilen unseres Vaterlandes , z. B. 
dem Erzgebirge, dasselbe Schicksal theilt, dass früher über dasselbe ganz 
falsche Vorstellungen verbreitet wurden, die in den Köpfen Platz fassten 
und nun nicht weichen wollen, ja durch gewissenlose Abschreiber noch 
weiter verbreitet werden. Die Hauptschuld suche ich aber darin, dass 
man von Vorkommnissen in einigen Ortschaften auf das ganze Gebiet 
schloss, also im Generalisiren. 

Im Mittelalter thronten manch stolze Rittersitze auf den Bergen der 
Rhön, von denen Ruinen unserer Zeit Kunde geben. Nach ihrer Zer- 
störung, besonders im dreissigjährigen Kriege, wanderte der Adel in die 
fruchtbaren Thalungen aus und nur „die Armethei“ blieb zurück. Die 
gebildete Welt hörte fortan nichts von ihr, bis sie auf eigenthümliche 
Weise aufs Neue entdeckt wurde. Riehl sagt darüber*): „Als im Herbste 
1850 deutsche Heerestheile auf den unwirthlichen Hochflächen des Fulder- 
landes Quartier bezogen hatten und nun die Klagelieder über die entsetz- 
liche Dürftigkeit dieses Striches durch alle Blätter hallten, da wurde für 
einen guten Theil des deutschen „Lesepublikums“ das Elend erst entdeckt, 
in welchem die Leute von der Rhön gefangen liegen. Man nahm mit ge- 
spannter Aufmerksamkeit die Schilderungen dieser patriarchalischen Ar- 
muth und Genügsamkeit hin, die denn auch der westerwäldischen und 
vogelsbergischen wie aus dem Gesicht geschnitten ähnlich sah. — Nach- 
gehends kamen die Hungersnöthe auf den unwirthlichen Basaltbergen, da 
wurden dann die „Mysterien“ dieser vergessenen Winkel erst recht in- 
teressant für die blasirten Stadtleute.“ Alle Nachrichten ivaren voll von 
der Armuth der Rhöner, aber keine pries die Schönheiten des Landes. 
Jäger’s ,, Briefe über die hohe Rhöne“ (1803), voll von Kampfeskapiteln 


*) Land und Leute S. 226. 

Ges. Isis in Dresden, 1882. — Abh. 9. 


66 


gegen die Neptunisten, hatten, obgleich sie im zweiten Bande über die 
Bewohner und deren Sitten zahlreiche, noch heute lesenswerthe Abschnitte 
gebracht, nicht zum Besuche der Rhön begeistern können. Joseph Schnei- 
der’s ,, Beschreibung des hohen Rhöngebirges“ (18 16, 1840) hatte beson- 
ders Naturforscher, wie v. Leonhard, Blum, Klipstein u. A. herangezogen, 
dann aber auch Älaler, die besten Beurtheiler landschaftlicher Schönheiten, 
ausser ihnen noch eine Anzahl meist jüngerer Wanderer aus dem nahen 
Frankenlande, dem Fulder und Thüringer Gebiete, aber immerhin war 
der Zuzug ein vereinzelter geblieben, so dass ich vor sechs Jahren bei 
meinem ersten Besuche wohl auf Maler, aber nicht ein einziges Mal auf 
einen Touristen stiess. Wie sollten auch grössere Mengen Besucher, wenig- 
stens von fern herkommen, wenn eins unserer besten Reisehandbücher, 
das von Bädeker, nur von ihm mittheilt: ,, Die Milseburg mit prachtvoller 
Aussicht, Teufelstein und Steinwand, merkwürdig durch ihre Steinbild- 
ungen, sind die lohnendsten Punkte.“ 

Und charakterisiren Namen wie Kalten-Nordheim, Kalten-Sundheim, 
Kalten-Westheim, Kalten-Lengsfeld , Wüstensachsen, Schmalnau, Steinau, 
Sparbrod, Dürrfeld, Rabennest nicht das Gebiet nur zu sehr? Und 
kommen ihnen nicht auch sonst gute geographische Schriftsteller mit 
ihren argen Uebertreibungen zu Hilfe? Wie abschreckend klingt es z. B., 
wenn Walther in seiner ,, Topischen Geographie von Bayern“ (1844) 
schreibt: ,,Wer die Grossartigkeit des hochnordischen Winters bewundern 
will, der spare die weite Reise ans Nordkap oder vollends nach der sibi- 
rischen Tundra. — Er besuche die heimathliche Rhön und er hat das 
Bild gefunden, nach dem er sich hinsehnte. Grimmige Kälte und brau- 
sende Stürme abwechselnd mit frostigen Nebeln, Regen und finsterem 
Schneegestöber währen da ununterbrochen bis Ende April, oft bis Mitte 
Mai. — Wenn dazu Tag und Nacht andauernder ergrimmter Nord- und 
Nordwestwind wie ein hungerndes Raubthier heult, die Fenster schmet- 
tern, die krystallenen Wände in den Gebäuden unheimlich glitzern und 
flimmern, die Sonne wochenlang hinter Nebelwolken weilt, der bleiche 
Mond nicht, noch der Zitterstrahl eines Sternes die Erdennacht lichtet, 
da ist es nicht wohnlich auf der Rhön. Einsam wie der norwegische 
Bauer lebt da Jeder auf seinem Gehöfte; die Thiere des Feldes flohen, 
ein verirrter Vogel bepickt nothleidend das frostgeblumte Fenster und 
durch das Schweigen der Nacht wird der Klageton des Käuzchens laut, 
mehr als sonst hört man den Fuchs heulend bellen. Da herrscht im 
genügsamen Völkchen grosse Noth. Wenn der karge Wintervorrath zu 
Ende, frisst das vor Hunger brüllende Vieh das magere Haidekraut; der 
Preis des Viehes sinkt bis zur Hälfte herab, jener des Futters und der 
Menschennahrung (Erdäpfel) wächst zum Doppelten an. In der unerträg- 
lichen Kälte greift der Aermere wegen Holzmangel die Gerüst werke seiner 
Scheune an, um seine Kleinen dem Frosttode zu entreissen. Und wenn 
der traurige Gast endlich die Gegend verlassen, bleibt sein Bild, der 
Sonnenschnee, in den Bergschluchten mit bleifahler Kruste oft noch bis 
Pfingsten, ja bis Johanni zurück.“ 

Wie bedauert man den Marktflecken Wüstensachsen, wenn man in 
Barth „Das Rhöngebirge“ (j870) liest, dass er „fast drei Theile des Jahres 
in Nebel gehüllt“ sei und „wenig von der Sonne beleuchtet“ werde. Alle 
Rhöner, gebildete wie ungebildete, denen ich solche und andere Stellen 
vorlas, bezeichneten sie mir als weit übertrieben; sie theilten mir mit, 
dass manche Winter, wie der von 1881/82, so mild gewesen seien, dass 


67 


man nur zeit- und streckenweise habe Schlitten fahren können und in 
Wüstensachsen, das ich beide Mal sonnig gefunden, gab man mir lachend 
zur Antwort: „Sie sehen ja selbst, ob es wahr ist.“ Es geht zwar vom 
Totenmannsberg, der übrigens nach Kilian’s Gefährten Totnan und nicht 
nach einem todten Mann benannt ist, im Volke die Sage, dass sich ein 
Wanderer, nachdem er sich verirrt habe und von der Nacht überfallen 
worden sei, auf einen Tannenbusch gelegt, eingeschlafen und erfroren 
wäre und dass der todte Körper, nachdem der Schnee weggethaut, im 
Sommer auf dem Wipfel eines hohen Baumes gefunden worden sei; es 
mag ja wahr sein, dass vor 70 Jahren einmal mitten im Mai ein Fran- 
zose im Freien vor Kälte endete, vielleicht ist es auch wahr, dass einmal 
von einem von Frankenheim nach Oberweid in dem damals üblichen 
Jagdsacke zur Taufe getragenen Zwillingspaare das eine Kind vor Kälte 
gestorben; ja es ist wahr, dass am 5. April 1816 Wasser und Wein in 
der Kirche des heiligen Kreuzberges froren (von ihm geht das Wort: „Am 
Kreuzberg ist’s drei Vierteljahr Winter und ein Vierteljahr kalt“), dass 
bis zum 16. Mai noch harte Fröste auftraten, dass Birx und Franken- 
heim manchmal eingeschneit gewesen sind, dass Dr. Schneider aus Fulda 
am Reesberge, um einen Kranken zu besuchen, wie durch einen Schacht 
durch die Schneekruste in den Speicher des Hauses hinabgelangen musste, 
aber wenn man in beinahe 100 Jahren von nicht mehr Unglücksfällen 
durch enorme Kälte zu berichten im Stande ist, als aus andern ähnlichen 
Gebirgen, so liegt der Schluss nahe, dass man die Schrecken einiger ab- 
normer Winter zur Norm gestempelt habe, gerade so wie es früher mit 
dem Winter des „sächsischen Sibiriens“ der Fall war. Müsste sonst nicht 
die Rhön bei ihrer geographischen Lage (von 27 20' — 28^ ö. L. und 
von 50« 5' — 50« 50' n. Br.) und ihrer doch nicht sehr bedeutenden Er- 
hebung über den Meeresspiegel geradezu als Wunder dastehen? Dem geo- 
graphisch Denkenden, dem Namen und Zahlen nur Mittel zum Zwecke 
sind, muss dies einleuchten, wenn auch nicht zu leugnen ist, dass die 
wenigen auf den von Wäldern gänzlich entblössten und darum den kalten 
Winden zum Spielball dienenden Orte viel mehr zu leiden haben werden, 
als die in den Hochthälern mehr oder weniger geschützten. Im Winter sind 
Nebel häufig und sie treten oft plötzlich ein. So erzählte mir ein Mann, mit 
dem ich auf meiner ersten Reise von Melperts über das schwarze Moor 
nach Fladungen wanderte, wie er einmal mitten im Winter bei schönem 
Wetter denselben Weg gewandert sei und nur etwa 50 Schritt noch vom 
Bergabhang entfernt sich urplötzlich vom Nebel eingehüllt gesehen habe. 
Er habe geglaubt, die Richtung nicht fehlen zu können, sei darauf los- 
geschritten, aber nach einer halben Stunde ümherirrens, bei der seine 
Hilferufe Niemand vernommen, wieder zur selbigen Stelle zurückgekehrt, 
wo er geblieben, bis sich der Nebel verloren. 

Doch halte ich mich bei dem Winter nicht länger auf, da ja Keiner 
von uns in ihm dorthin zu reisen gedenken wird, sondern theile ich Ihnen 
lieber mit, was den Touristen im Sommer daselbst erwartet. Vorerst aber 
gestatten Sie mir. Ihnen die geographischen Verhältnisse in aller Kürze 
darzulegen. 

Wenden Sie Ihre Blicke auf die Karte von Mitteldeutschland, so finden 
Sie gerade nördlich vom Maindreieck ein Gebirge sich von S. nach N. er- 
strecken. Es ist die Rhön, die in mehrere von einander verschiedene 
Theile zerfällt. Schaut man von der Wartburg, von Schloss Altenstein, 
der Veste von Coburg oder von Kissingen zu ihr auf, so gewahrt man 

6 


68 


einen meilenlangen unbewaldeten, nur dann und wann durch einige Er- 
hebungen undulirten Gebirgszug; dies ist der Grundstock des Ganzen, die 
hohe, lange, auch plateauförmige ßhön genannt. In der Nähe be- 
trachtet, steigt sie im S. bei Bischofsheim auf, erstreckt sich ungetheilt 
bis hinter das rothe Moor, um sich zwischen ihm und Wüsten Sachsen in 
einen vom ülsterthale getrennten rechten und linken Theil zu gabeln. 
Ersterer erstreckt sich bis in die Gegend von Tann, letzterer bis zur 
Abtsröder Kuppe. Jedem vorgelagert ist ein bis zur Werra fortlaufendes 
Vorgebirge. Westlich von der hohen Rhön erstreckt sich die kuppen- 
reicheRhön, im Jahre 1844 zuerst von Walther in seiner topischen 
Geographie Bayerns so benannt, während die Rhöner selbst nur die 
erstere als Rhön bezeichnen und die Bewohner der letzteren nicht zu- 
geben wollen, dass sie auch in der Rhön wohnen. Südlich von der 
plateauförmigen Rhön, nur getrennt durch das Brendthal, erhebt sich das 
Gebirge des Kreuzberges, dem sich die schwarzen Berge un- 
mittelbar anschliessen, während nach SW. von dem Himmeldankberge an 
sich die waldgebirgige Rhön mit dem Dammersfelde zieht. Der 
grösste Theil des Gebirges (6,5 QM.) gehört jetzt zu Preussen, ein fast 
ebenso grosser (6 D ^u Bayern, Ideinere zu Sachsen -Weimar und 
Sachsen-Meiningen. 

Die einzelnen Theile zeigen nicht gleichen Charakter. Die hohe 
Rhön, wie schon gesagt, aus zwei naheliegenden, an den Seiten meist 
steil abfallenden Hochplateaus bestehend, ist oben völlig kahl, von einer 
riesigen Wiese bedeckt, deren Gras niedrig, aber von einer Menge wür- 
ziger Kräuter und prächtiger Blumen geschmückt ist. Der feste Boden 
gestattet den atmosphärischen Niederschlägen kein Eindringen, weshalb 
überall, wo der Grund nur etwas Neigung zeigt, dieselbe mit Feuchtig- 
keit, welche einer Menge von Moosen das Dasein fristen hilft, durchzogen 
ist. An den steileren Abhängen finden wir daher auch massenhafte 
Riesel, die den Thalungen zuwandern, oft über die Pfade und Wege hin- 
weglaufen, wo der Boden uneben, oft kleine Tümpelchen bilden und die 
forellenreichen Bäche vergrössern helfen. Der Eindruck der nicht weg- 
zuleugnenden Monotonie wird aufgehoben durch die prächtigen und immer 
wechselnden Blicke in Nähe und Ferne, die man fast auf jedem Punkte 
zu gemessen im Stande ist. Lohnend ist z. B. der Blick von der Abts- 
röder Kuppe (872 m) auf das schöne Dittges, in das Ulsterthal, auf die 
hessischen und thüringer Berge, geradezu prachtvoll gestaltet sich die 
Sicht vom eisernen Aussichtsthurm des höchsten Punktes vom Rhön- 
gebirge überhaupt, der Wasserkuppe (950 m). Ergreifend ist der Blick 
von der Spitze des Pferdskopfs (876 m) in die gewaltigen vorliegenden 
halbkreisförmigen Kessel, beschränkter, aber lieblich, der von der Eube 
(830,8 m). Ueberrascht fühlt man sich, wenn man, vom Bauersberg kom- 
mend, mitten in der Einöde, von einem lieblichen Wäldchen umsäumt, 
das berühmte steinerne Meer, d. i. eine Menge aus dem Boden hervor- 
ragender schöner Basaltsäulen, erblickt. Dahinter aber breitet sich wieder 
die baumlose, öde Weidestrecke aus, der, wie Kenner des Nordens be- 
zeugen, ein wahrhaft nordischer Charakter autgeprägt ist. Schnizlein, der 
bekannte Botaniker, welcher die hohe Rhön und Schottland unmittelbar 
hintereinander bereiste, vergleicht sie mit dem Tintogebirge in Schottland, 
Andere schreiben ihr wahrhaft skandinavische Sterilität zu. Freunde des 
Unheimlichen und Schauerigen werden sich von ihr angeheimelt fühlen, und 
wem nicht vergönnt ist, jene Gegenden zu besuchen, wende sich hierher. 


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um deren Natur sich zu vergegenwärtigen. „Eine Todtenstille liegt droben 
auf dieser Höhe, sie ist ein Tempel der Einsamkeit, der beschaulichen in 
sich versenkten Ruhe, wo die Poesie Ossian’scher Oede und Klage zum 
Gemüth spricht. Verschlungene und kaum erkennbare Pfade, an deren 
Kreuzung uns ein vereinsamtes Christusbild melancholisch grüsst; kein 
Fusstritt auf den vielfach sich durchschneidenden Pfaden, keine Begeg- 
nung. Wanderer und Lustreisende sind hier nirgends, nur der einsame 
Bauer, der Viehhändler durchkreuzen hier und da die Wildniss. -Ausser 
einigen Hütten für Torfstecher kein Dorf, kein Gehöfte weit und breit.“ 
Als ich mutterseelenallein bei brennender Sonnengluth, von heftigem Durste 
gequält, vom steinernen Meere quer durch ein wasserreiches Moor nach 
Wüstensachsen wanderte, um die zahlreichen mit Wollgras besetzten 
Tümpel grosse Bogen beschreibend, während mehrerer Stunden nur einen 
Mäher weit von mir erblickend und auf der ganzen Strecke nur zwei 
schattenlosen Birken begegnend, da habe ich die Wahrheit der obigen 
Schilderung Walther’s (a. a. 0.) so recht empfunden. Gerade in den in 
kesselförmigen Vertiefungen der Plateaus sich ausbreitenden Hochmooren 
(dem rothen, schwarzen, braunen und kleinen) ist der Charakter des Un- 
heimlichen am besten ausgeprägt. Nach Bischofsheim, Oberelsbach oder 
Fladungen die Gehänge abwärts wandernd, löst jedoch herrlicher Wald 
den Bann, der sich auf unsere Seele gelegt, und wer von Bischofsheim 
nach Neustadt durch das schöne Brendthal geht, um der hochinteressanten, 
leider mehr und mehr ihrem Zerfall zusteuernden Salzburg, in der Pipin, 
Karl der Grosse, Ludwig der Fromme, Arnulf von Kärnthen und Otto 1. 
zeitweise residirten, einen Besuch abzustatten, wird von dem Reichthum 
und der Ueppigkeit der Vegetation überrascht sein. So berühren sich 
hier die Gegensätze. * 

Die den beiden Aesten der hohen Rhön vorgelagerten zwei in ihrem 
Charakter gleichen Vorgebirge bestehen aus isolirten, mitunter ziemlich 
hohen Basaltbergen, die wie der Rockenstuhl (528,8 m) und Rossberg 
(689,2 m) bei Geisa, der jetzt vielbesuchte Oeclisen bei Vacha (626 m) und 
andere schöne Fern- und Rundsichten bieten und neben schöner Waldung 
an einzelnen Abhängen Massen von zertrümmertem Basaltgestein zeigen. 
Die Partien zwischen ihnen sind vom Ackerbau in Beschlag genommen. 

Die an interessanten Punkten reiche malerische Kuppenrhön zeigt 
eine Menge isolirte Kuppen und Berge, die nach der hohen Rhön zu ein- 
ander sehr genähert, nach der Peripherie zu aber immer entfernter von ein- 
ander gestellt sind. Ausgezeichnet theils durch die Originalität der Form, 
theils durch die Grösse sind die aus Phonolith bestehenden Massen. Unter 
ihnen ragt, weithin gesehen, der Liebling der Rhöner, die Milseburg 
(832,7 m) hervor. Sie ähnelt bezüglich ihres Hervortretens aus der Fläche 
dem Borzen bei Bilin, besonders in Bezug auf die Steilheit und Zerrissen- 
heit der äusseren Felsenpartien, ist jedoch anders von Gestalt, fast überall 
mit schönem Buchenwalde bedeckt und leichter ersteigbar. Von W. aus 
gesehen gleicht sie einem Heufuder, daher sie der Vogelsberger so nennt, 
von N. einem Sarge, woher der Name Todtenlade. An den Gehängen 
lagern Mengen vom Eise abgesprengter Felsstücken, auf der Höhe steht 
die düstere Gangolphskapelle, das Ziel zahlreicher Wallfahrer, die dem 
Wanderer Schutz vor plötzlich einbrechenden Unbilden der Witterung 
bietet, wenige Fuss über ihr der kahle, aus Phonolithsäulen bestehende 
Rücken mit einem Kreuze und den Statuen der Maria und des Johannes. 
Hier überrascht uns eine Aussicht, die der des Milleschauers im böhmi- 

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sehen Mittelgebirge nur wenig nachgiebt, die uns, so lange man sie auch 
geniessen mag, aufs Neue fesselt und von der man, gezwungen zum Weiter- 
wandern, nur mit Wehmuth scheidet. Nicht weit von ihr ragt der steil 
aufgerichtete Bubenbader Stein empor und weiterhin erregt der Teufels- 
stein (725,3 m) mit seinen grotesk gruppirten Säulen unsere Bewunderung. 
Von besonderem Interesse ist für uns die hinter dem Stellberg ganz senk- 
recht über 30 m aufsteigende Steinwand (745 m), die von vorn einer sich 
weithin -ziehenden riesigen Mauer gleicht, von der hinteren Seite aber be- 
stiegen werden kann und da eine der prächtigsten Aussichten bietet. 
Diesen Punkten reihen sich nun eine Anzahl Basaltberge an, z. B. der 
schon genannte Stellberg, der von Weitem wie ein Zuckerhut sich aus- 
nehmende Wachtküppel (706,2 m), der Ebersberg mit der Eberszwackel 
u. s. w., von denen jeder ein anderes Landschattsbild schauen lässt. 

Zu riesigeren Dimensionen erheben sich die Basaltmassen in der 
waldgebirgigen Rhön, daselbst vielfach an das böhmische Mittel- 
gebirge erinnernd. Da thürmen sich aneinandergedrängt der grosse 
(795 m) und kleine (707,4 m) Nahen, die Dalherdaer Kuppe (800 m), der 
kleine und grosse Auersberg, der Rabenstein (814,6 m), Beilstein, Eier- 
hauck (910,5 m) wie im Kreise um das mächtige Dammersfeld (927,5 m) 
auf. Manche von ihnen sind mit prächtigem Walde bis zur Spitze ver- 
sehen, andere nur an den Abhängen, während sie auf den Höhen mäch- 
tige Grasflächen zeigen, das Dammersfeld z. B. eine von ungefähr 400 
Tagewerken. Dieses und der Eierhauck sind eines Besuches werth wegen 
der prächtigen Aussichten, die sie bieten. 

Durch das Brendthal von ihnen getrennt, erhebt sich das Massen- 
gebirge des h. Kreuzberges (927,8 m) und do^- schwarzen Berge, 
meist im landschaftlichen Charakter wenig von der vorigen Gruppe ver- 
schieden, aber ausgezeichnet durch die Blicke auf Taunus, Spessart, Vogels- 
berg, auf die Gegend von Kissingen und auf Mainthalberge. Nicht ver- 
gessen sei das interessante Kloster des Kreuzberges. 

In den südlichen und südwestlichen Vorbergen aber sind es die 
heilkräftigen Quellen von Bocklet, Brückenau, Kissingen, Neuhaus u. s. w., 
die jährlich Tausende von Kranken und Gesunden anziehen. 

Hiermit hätte ich Ihnen ein freilich nur schwaches und lückenhaftes 
Bild von der landschaftlichen Natur der Rhön geboten. Sie ist vorzugs- 
weise bedingt von der geologischen Beschaffenheit des Gebirges, 
der darum auch einige Worte gewidmet seien. 

Die Basis des Ganzen bilden weithin verbreitete Glieder der Trias 
Unter ihnen spielen Schichten des bunten Sandsteins die erste Rolle, sie' 
trifft man fast überall. Besonders sind es der rothe Sandstein und Röth’ 
welche zu beobachten sind. Ersterer enthält hier und da, wie am Auers - 
berge, durch massenhaft concentrirtes Eisenoxyd entstandene Eisenanhäuf- 
ungen und ist wegen seines Mangels an Petrefakten für den Paläontologen 
uninteressant. Mehr fühlt sich dieser durch den auflagernden Muschel- 
kalk angezogen, der stellenweise wie bei Tann Encriniten, Schnecken und 
Muscheln in solcher Masse enthält, dass man ihn geradezu als aus der- 
selben zusammengesetzt bezeichnen kann, während er anderwärts, wie vor 
Kalten-Sundheim, weniger, aber schöne Versteinerungen, z. B. Ceratites 
nodosus enthält. Er findet sich in Mulden des Buntsandsteins, besonders 
aber am Fusse der Basaltkegel, dieselben ringförmig umgebend, erhalten. 
Keuper zu beobachten, war mir nur im Saalthal vergönnt; er scheint im 
Innern des Gebirges nur in wenigen Partieen vorhanden zu sein. 


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Während der Jura- und Kreidezeit war das Gebiet dem Meere ent- 
rückt. Zur Tertiärzeit mögen wohl auch hier wie anderwärts durch 
die Contraction der Erdrinde Risse und Verwerfungen entstanden sein. 
Dem gluthflüssigen Innern waren dadurch Wege geboten, an die Ober- 
fläche zu dringen und im Laufe der Zeit bildeten sich die Plateaus und 
einzelnen Berge, die zur Jetztzeit der Gegend ihren Reiz verleihen. Um 
ihre geologische Erforschung hat sich ausser v. Leonhard ganz besonders 
Gutberiet Verdienste erworben, der leider starb, ehe er seine geologische 
Karte des Gebirges zu vollenden im Stande war. Ich kann mich hier 
nicht eingehend über seine Arbeiten verbreiten, ja nicht einmal referiren, 
was ich bei immerhin flüchtigen Touren gesehen, weil dies einen beson- 
deren Vortrag erfordern würde. Ich beschränke mich daher nur auf das 
Nöthigste Die Gesteine, welche in dem Tertiärgebiete der Rhön gefunden 
wurden, sind: Phonolith, zweierlei Basalte und Phonolith-Trachyt. Ihrer 
verschiedenen Beschaffenheit wegen muss wohl angenommen werden, dass 
sie nicht gleichzeitig dem Innern der Erde entquollen und sofort folgt für 
den Tieferforschenden die Frage nach ihrem relativen Alter. Das älteste 
Eruptivgestein ist ohne Zweifel der grünlichgraue Phonolith mit Sanidin- 
kry stallen, aus welchen Milseburg, Steinwand u. s. w. gebildet sind, ln 
ihm hat man wohl Einschlüsse von krystallinischen Schiefern, nie aber 
solche von Basalt oder Phonolit-Trachyt gefunden. Auf welchen Wegen 
die Massen des Teufelsteins zur Oberfläche traten, zeigt uns die neue nach 
Dietges führende Rhönstrasse, welche eine Anzahl den Buntsandstein 
durchbrechende Phonolithgänge in prächtiger Weise blossgelegt hat. — 
Durchbrochen sehen wir nun den Phonolith zwischen Milseburg und Stein- 
wand von einem wegen seiner grossen Hornblende- und Augitkrystalle 
porphyrartig zu nennenden Basalt, welcher durch dieses Auftreten sein 
jüngeres Alter constatirt. — ln der höchst/ interessanten Gegend von 
Kleinsassen- Schackau finden wir am Ziegenkopf in ihm Gänge eines dichten 
hornblendefreien Basalts mit schönen Olivineinschlüssen, zugleich aber u. A. 
in einem unlängst erst aufgeschlossenen kleinen Steinbruch über ihm Pho- 
nolith-Trachyt liegend. Beide bekunden durch ihr Vorkommen, dass sie 
neueren Datums sein müssen, als er. Es fragt sich nun, ob die beiden 
jüngeren Gesteine gleichen oder verschiedenen Alters seien. Da der jüngere 
Basalt u. a. an dem durch Bergschlüpfe entstandenen Kessel des Pferds- 
kopfs den Phonolit-Trachyt gangförmig durchbricht, so ist dadurch sein 
jüngeres Alter besiegelt. Wir hätten also folgende Altersreihenfolge: Pho- 
nolith, älteren Basalt, Phonolith-Trachyt und jüngeren Basalt. — Ent- 
standen bei den Ausbrüchen der Phonolith -Trachyte müssen wir uns die 
am Steterain (festen Rain?) mächtig auftretenden und durch ihre massen- 
haften höchst verschiedenen Einschlüsse den Forscher anziehenden Tuffe 
betrachten. Wer aber die mehrfache üebereinanderlagerung von Basalten 
und ihren Tuffen leicht beobachten will, dem sei ein Gang durch den rei- 
zenden Eisgraben bei Fladungen empfohlen. 

Leider sind die oberflächlichen Entblössungen in der Rhön nicht so 
häufig, wie im böhmischen Mittelgebirge; doch hat der Bergbau auf 
Braunkohlen darin nachgeholfen. Die von Sieblos sind antebasaltisch, 
sie liegen auf triasischen Gebilden und werden von den Basalten über- 
lagert; 1846 wurden sie beim Schürfen von Thon entdeckt und zur Ge- 
winnung von Paraffin und Solaröl verwerthet. Jetzt sieht man nur einige 
Halden, in denen immer noch Petrefakten verborgen liegen, besonders Pflanzen- 
und Fischreste. (Dr. Deichmüller fand Smerdis micracanthus Ag., EuchUns 


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Chastelii Ny st. sp.) Früher hat man auch Frosch-, Krokodil- und zahl- 
reiche Insektenreste gefunden, die auf subtropisches Klima deuten. — Die 
übrigen Kohlen gehören der basaltischen Stufe (dem Aquitanien) an und 
finden sich an vielen Punkten, z. B. im Ulsterthale. Ich nenne nur Theo- 
baldshof, wo schon 1 693 zwei Kohlenflötze entdeckt wurden, die bis gegen 
Anfang unseres Jahrhunderts für die Salinen zu Schmalkalden und Salz- 
ungen ausgebeutet wurden , bis die Concurrenz der Kaltennordheimer 
Gruben für sie zu gross wurde. In den Pingen findet man noch zahl- 
reiche Schnecken (Planorbis dealbatus A. Br.) und Pflanzenreste, beson- 
ders von Acer trilobatum und Salix varians Göpp. Dr. Deichmüller fand 
überdies Leuciscus papyraceus Ag., bisher von hier neu. Am Hochrain 
bei Gerstengrund hat man in diesem Jahre ah zubauen begonnen, im in 
der Nähe des schwarzen Moores befindlichen Lettengraben bei Wüsten- 
sachsen hat der Bau zur Zeit wieder aufgehört. — Bedeutender war wohl 
der Bergbau bei Kaltennordheim, am Osthange der hohen Rhön. Im 
Jahre 1704 ward er begonnen und mit wenigen Unterbrechungen bis 
heute fortgesetzt. Auch hier wurden Reste von Fröschen, Schildkröten, 
Krokodilen, Schnecken und Pflanzen gefunden.*) — Die Gegend von Fla- 
dungen, besonders im Eisgraben, bei Roth und Erdpfahl hat Braunkohlen- 
lager aufzuweisen, die zeitweise auch abgebaut wurden. In den Tuffen 
des Eisgrahens fand ich auf meiner ersten Reise schöne Blätter. — Zu- 
letzt sei noch der Kohlen des Bauersberges bei Bischofsheim gedacht. Im 
Jahre 1848 entdeckt, anfangs durch Stollenbetrieb gefördert, später durch 
Tagebau, der uns ein schönes Profil aufschliesst, werden sie jetzt wieder 
unterirdisch gewonnen. Auch an anderen Orten hat man Braunkohlen 
durch Bohrungen nachgewiesen. Postbasaltische sah ich nirgends. 

Mit dem Braunkohlengebiete Böhmens lässt sich das der Rhön nicht 
vergleichen, da es nur aus einer Anzahl localer kleiner Ablagerungen be- 
steht. Und trotzdem kann in Zukunft die Braunkohle zum Segen der 
Rhön werden, wenn eine Eisenbahn Absatzgebiete eröffnet, der Rhöner 
aufhört, leider nur zu conservativ an seinen grossen Eisenöfen zu hängen, 
für welche die Kohlen sich nicht eignen und die Holzpreise steigen. Dann 
werden gewiss auch die kleineren Lignitstücke in Kaltennordheim nicht 
mehr geradezu massenhaft der Halde übergeben werden. 

Die Braunkohle weist an Varietäten vorzugsweise Lignit, Pechkohle, 
erdige Braunkohle und Dysodil auf.**) 

Von den Bodenverhältnissen, auf die wir jetzt einen kurzen Blick ge- 
worfen haben, ist in erster Linie die Pflanzenwelt abhängig. Einen 
anderen Charakter zeigt die Flora des Buntsandsteins als die des Muschel- 
kalkes und beide wieder einen anderen, als die der vulkanischen Gesteine. 
Ja die Unterabtheilungen derselben bieten zum Theil wiederum unter sich 
Verschiedenheiten dar. Der rothe Sandstein z. B., der aus feinen Quarz- 
körnchen und einem von Eisenoxyd roth gefärbten Bindemittel besteht, 


Im Jahre 1882 fand Dr. Deichmüller und ich ausser schon früher bekannt ge- 
wordenen Pflanzenresten z. B. Glyptostrobus europaeus Heer, Myrica Ugnitum u. a. 
noch Myrica vindohonensis Ett., Quercus loncMtisXJng., Carpinus betuloides üng., Pla- 
nera Ungeri Köv. sp., Cinnamomum lanceolatum Heer, Juglans bilinica üng. 

Eingehenderes siehe in E. Plassenkamp’s Abh. über, die Braunkohlenformation 
der Ehön im 8. Bd. d. Verh. d. Würzb. phys.-med. Gesellschaft, und Heer, Flora ter- 
tiaria Helvetiae. Bd. HI. S. 299 ff. Eine treffliche Zusammenstellung alles Wissens- 
werthen